Indiana Tribüne, Volume 18, Number 260, Indianapolis, Marion County, 9 June 1895 — Page 6
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Nicht oft genug kann darauf hinge wiesen werden, daß es ein falscher Grundsatz ist, die Kinder in ihren Unarten gewähren zu lassen, in der Hoffnunz, daß sie sich später von selbst an 'dern werden eine Hoffung, die leider nur zu oft getäuscht wird. Man halte vielmehr an der Ueberzeugung fest, daß man sich und den Kindern viel Schmerz erspatt, wenn man ihre üble Neigungen im Entstehen bekämpft und ihre Unarten zu verhütn weiß. Ungebildete Wärterinnen bringen den Kindern häufig durch Drohungen oder Schreckbilder, welche sie an Stelle der mangelnden Autorität setzen, eine Furcht bei. die sie nervös mach! und schwer wieder auszurotten, aber auch ganz zwecklos ist, wenn die Kin der klug genug sehr bald bemerken, daß das Phanto:n, welches sie einschüchtern soll, niemals in's Leben tritt. Dann ist es vielmehr geeignet, sie gleichgültig gegen jede Drohung und erst recht widerspänstig zu machen. Den meisten Kindern flößt aber schon die bloße Finsterniß Angst ein, und diese sollte man ihnen ersparen, int:ni man sie bei Zeiten daran gewöhnt, si: zu ertragen. Ein kleines Kind, das allein gelassen, im Finstern aus dem Schlaf erwacht, empfindet die DunkelU:t als etwas Unbekanntes. Quälendes, ähnlich wie der Erwachsene, welch:r plötzlich erblindet. Darum ist es gut, das, Kind im Dunkeln, während rnjin bei ihm ist, einschlafen zu lassen, uno ihm, wenn es beim Erwachen schreit, sofort die Nähe liebender Fürsorge durch freundliche Worte und Be-' riihrunz fühlbar zu machen, damit es sich gleich wohl geborgen wisse im Arm der Liebe. Auch größere Kinder, die sich scheuen:llein einen finsteren Raum zu betreten, zwinge man nicht dazu, sondern gehe lieber mit ihnen, halte fit bei der Hand und erkläre ihnen freund Iich, wie kein Grund zur Furcht vorhandenn sei. Allmälig werden sie dann lernen, das unverstandene Angst?sühl zu bemeistern, und besonders Knäben eine Ehre darin suchen,, ihren Muth zu beweisen. Die Furcht vor Thieren, wie Raupen, Spinnen oder sonstigen das Auge unsympatisch berützrendei? Erscheinungen, welche vorzuzs weise die kleinen Mädchen peinigt, entsteht oft nur infolge der Antipathie, welche die Erwachsenen davor an din Tag legen, weshalb diese sich doppelte Selbstbeherrschung in dieser Beziehung zur Pflicht machen sollten. Manches Kind fürchtet 'sich vor jedem fremden Gesicht und zeigt sich oft am unliebens würdigsten, wenn die Mutter gerade recht stolz mit ihm paradiren möchte. Sie würde diesem peinlichen Moment entgehen, wenn sie das Kind fremden Personen nicht sogleich nahe brächte, und auch diese ihm Zeit ließen, sich erst cn den neuen Eindruck zu gewöhnen, Sann zeigt sich ein schüchternes Kind gewöhnlich zum Entgegenkommen bereit. Merkwürdig früh entwickelt sich in den Kinde das Verständniß für t'.t ihnen gezollte Bewunderung, und eitle Mütter leisten darin ost soviel, fcjijj ihr Entzücken sich naturgemäß in 'der Selbstgefälligkeit ihrer Sprößlinge wicderspiezelt. Hören diese nicht nur stets ihr AcußereZ loben, sondern auch jc:en kleinen Fortschritt, jede drollige Aeußerung als etwas Besonderes besprachen, so ist es ihnen gar nicht übel zu nehmen, wenn sie den Beifall ganz selbstverständlich, den geringsten Tadel aber empörend finden Daß sie dadurch weder liebenswürdiger, noch glücklicher w:ren liegt auf !er Hand. Wenn schon die Erziehung eines gesunden Kindes, durch die Täuschungen, die uns seine Entwickelung bereitet, die Charakterfehler, 'die trotz unsern Wachsamkeit in ihm aufsprossen, den Widerstand, welchen es unsern zärtliche s:en Einwirkungen entgegenstellt, ihre großen Schwierigkeiten bietet, so ist 'dies doch noch vielmehr der Fall be! Kranken oder kränklichenKindern; aber es liegt ein verhängnißvoller Irrthum in dem Glauben, ihnen dann durch Nachgiebigkeit und Schonung jeder Laune wirklich wohlthun zu können. Im Gegentheil sollte hier die Mahnung Amalie Sievekings. welcher die Pflege der Kinderseelen so recht heilige Herz:nssache war, allen Müttern zur festem .Richtschnur dienen, .sie ruft den Eltern zu: Die Krankheit hat, eure Herzen fest zu machen in Vertrauen und Ersebung und sie zu erweitern in ausopfernder Liebe Hauptzweck bleibt dabei doch immer sein eigenes Bestes. O, es ist gewiß sehr schwer, ein krankes Kind zu erziehen! Doch schlecht steht es um Eltern, die dieser schwierigen Aufgabe ganz ausweichen möchten, untcr dem eitlen Vorgeben, daß Krankheit jede Art der Zucht unanwendbar mache, und die in solch unseligem Wahn recht eigentlich darauf auszugehen scheinen, ihr körl'erlich leidendes Kind nun auch geistig recht krank und elend zu machen. Wenn irgendwo dem Erzieher ein aus tiefer Liebe hervorgebender Ernst noththut, so ist es. vor allem andern bei dem kränklichen Kinde; ja. ich bin überzeugt, daß dieser Ernst nicht allein auf das moralische, sondern auch auf das pyhsische Wohlsein nur wohlthätigen Einfluß üben kann. Fällt es nicht in die Augen. wie Eigenwille und stürmische 3e gierde die Krankheitszufälle verstärken? Möchte die Erfahrung, daß eben die schönsten und zartesten Gemüther oft in frühen Leidenskämpfen gebildet wurden, euch trösten und stärken. Verblümt. Sergeant (der ersö kürzlich von seinem Hauptmann eindringlich belehrt worden ist, Schimpfworte zu vermeiden): Ein jährig-Freiwilliger Meyer, wenn Sie von Gold wären, 'da möcht' ich blos den Tanz sehen, der um Sie aufgeführt würde!"
Die öeklschen pogescn.
Als das Elfaß dem deutsche Reiche laut Frankfurter Frieden rechtskräftig zugesprochen wurde, ging ewe freudige Bewegung durch das deutsche Volk, welche in dem Gefühle gipfelte, daß nunmehr die vor etwa 180 Iahren gegen Deutschland begangene rohe Gewaltthat des französischen SelbstHerrschers Ludwig XIV. gesühnt ttor den. Aber wohl die wenigsten Deutschen wußten, 'welch wunderreiches Land ihnen da durch den Machtspruch der Geschichte zurückerstattet worden war. Man kannte aus geschichtlichen, literarischen und künstlerischen Studien einzelne Vorzüge, durch welche das Elsaß ausgezeichnet gewesen, als es noch ein Glied des heiligen römischen Reiches deutscher Nation bildete ; doch die genauere Kenntniß von Land und Leuten hatte sich nur in engeren Kreisen erhalten können. Ganz vereinzelt drangen Deutsche auf ihren Sommerreisen in das merkwürdige Land, begnügten sich indessen meist mit einem kurzenAufenthalte und zogen dann auf der Reisestraße weiter, in denSchwarzwald, in den Jura oder die Hochalpen. E l s ä f s e r i n. Es ist ein ganz eigener Neiz, den die ses schöne Land besitzt. Fast unvermit telt und ohne bemerkenswerthe VorerHebungen steigen die waldigen Berge aus der blühenden Rheinebene auf, stellenweise gleich bis zu stattlicher Höhe; breite Thäler tragen die Frucht barkeit der Rheinebene bis weit in das Vergland hinein; tief eingeschnittene Schluchten scheinen die herrlichen Waldüngen von den Höhen herabzulocken, daß sie sich mit dem , fruchtbaren Gelände vermählen, auf welchem saftiges Obst und herrlicher Wein in. Fülle ge deihen. Auf den waldigen Höhen he ben sich die Trümmer stolzer Burgen, in denen einst mächtige Geschlechter fausten. Wohl kein Gebirge, selbst nicht die mittelrheiniscben und fränkischen Berge haben so viel Burgen aufzuweisen, wie die Vogesen. Es ist, als ob hier die Geschichte sich eine Niesenstadt der Geister erbaut habe. Die ungewöhnliche Fülle der Burgen bezeugt, daß die alten Germanen den hohen Werth des Landes wohl erkannt hatten und sich den Reichthum an Herr, lichen alten Wäldern, reichen Jagd, gründen. . Weideland. Rebbergen, Obst- und Korngeländen zu sichern wußten. st a x'j. , ßjT'rc,i StP fcVvi x fc ' mMw& ' stSrJxXm i v c 'S'.-C A " .vV't--im . Burg H o h b a r r. Und wie auf den Höhen die zahllo. sen Burgen, so zeugen in den Thälern die Ortschaften von dem hochgemuthen Sinne, von der Lebensfreudigkeit und Behaglichkeit der Bewohner. In dem blühenden Kranze von Städten und größeren Dörfern, der sich um den Fuß des Waldgebirges schlingt, finden sich wahre Kleinode alter deutscher Baukunst. In den, Gassen des alten Colmar beispielsweise spiegelt sich heute noch reichsstädtischer Glanz und Alter Brunnen in Ober. r ehnheim. in dem am Eingange des waldparadiesischen Thales von Hohwald unmuthig zwischen Wäldern und Rebbergen gelagerten Städtchen Andlau finden wir noch heute die Spuren jener überquel lenden Lebenskraft und Lebensfreude, durch welche sich das Elsaß und seine Bewohner in Gebirg und Ebene von. je ausgezeichnet haben.
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Bis in die kleinsten Ortschaften hm n treffen wir an den Bauwerken auf die Zeugnisse eines ark entwickelt, Kunstsinnes, während in den Städten die Ergebnisse eines äußerst regen
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Krämergasse in Colmar. Kunststrebens, einer reichen künstlerischen und literarischen Thätigkeit aufgespeichert sind. Von Erwin's Wunderbau in Straßburg bis hinüber zum Münster von Thann im Wesserlinger Thal.von dem zumMuseum umgeschaffenenKloster Unterlinden inEolmar bis zu? Bibliothek des Itaitiis Khenaniis in Schlettstadt und bis Hinauf zum Kloster Odilienberg, dem einstigen Sitze der kunstgeübten Aebtissin Herrad von Landsberg deren Ilortns Dilicianim wir bei dem Brande der unersetzlicheni Straßburger Bibliothek 1870 verloren zu haben so bitter beklagen müssen schlingt sich das geheimnißvolle, Wunde? verkündende Band, auf welchem die Großthaten elsässischen Geistes eingewebt sind. wK Schlucht bei Münster. Die neue Zelt hat Alles gethan, um 'dieses wunderreiche Gebirgsland, welches die Vorzüge südlichen Klimas mit denjenigen, der Hochgebirge verbindet, auch dem an die größte Aequttnlichkeit gewöhnten Reisenden leicht zugänglich zu machen. Von Zabern zieht sich über MolZheim. Barr. Schlettstadt und Colmar nach Mülhausen hart am Rande der Vogesenhöhen eine Bahn, zu welcher einerseits von, dem wunder schönen Straßburg her drei Linien, und von welcher andererseits sieben, theils normalspurige, theils schmalspurige Bahnen bis dicht an die Berge, bis tief in die Thäler hineinführen. Das Reifen in den Vogesen ist äußerst angenehm und läßt es kaum zum Bewußtsein kommen, daß hier noch vor wenig Jahrzehnten ein andersprachiges Volk politisch gebot. Das Deutsche herrscht überall vor, und namentlich in den Hotels und sonstigen Unterkunftsstatten wird Niemand das Bedürfniß, eine andere Sprache zu sprechen, cm pfinden. Der schon in alter Zeit ob der vorherrschenden Gastlichkeit und Biederkeit gerühmte Charakter des elsässischen Stammes hat sich trotz der vielen über das Land dahingebrausten schweren Stürme bis in unsere Zeit hinein treu erhalten, und wer nicht mit ganz besonders geschraubten Ansprchen und Ansichten hervortritt, wird sich in den Vogesen bald heimisch füh len. Felsenwohnungen in Graufthal. Et öge den Lesern gefallen, an der Hand unserer Vogesenbilder eine kleine Wanderung durch die Vogesen anzutreten. Von der wunderschönen Stadt Straßburg, deren Reichthum a herrlichen alten und neuen Kunstbauten, an geschichtlichen Erinnerungen wohl jeder die Vogesen Vereisende zuvor wird auf sich einwirken lassen wollen und müssen, führt die Bahn in einer Stunde nach Zabern, an den alten Völkerpaß, durch welchen im Laufe bei Jahrhunderte die Schaaren der Römer, Gallier, Germanen, Engländer. Iranzosen und Deutschen hin. und her gewogt sind. Dort auf der Feste Höhbarr saßen Jahrhunderte lang die Bischöfe von Straßburg, nachdem sie infolge ihrer Streitigkeiten mit den Straßburger Edelleuten und Bürgern die Stadt 1263 hatten meiden müen; dort blühte auch die 1586 von dem trinkbaren Bischof Johann gegründete Hornbruderschast-, deren TrinkküHe weithin bekannt waren. Von hier bis Molsheim erreichen die meisten Berge nur eine geringe Höhe, steigen aber schnell in der Nähe des von der BahnMolsheim-Saales durchfahrenen Breuschthales. Hier gelangt man auch bei N'derhaslach an die von
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Chamisso besungene Stäile der Niesen, fcie Burg Niedeck. Weiter führt die Bahn von Molsheim an der alten Hohenstaufenstadt Ob:rrehnh:im vorbei nach Barr und damit in einen der berühmtesten Abschnitte des ganzen Gebirges. Hier erheben, sich in mächt! gen, breitzegliederten Massen die Höhen des Ungersberges. Mennelsteins und Odilienberges. letztere beide auf ihrem Rücken außer dem gastlichen Nonnenkloster die Spuren ein gemal tigert vorgeschichtlichen Ringmauer tra gend. Zwischen Ungersberg und Mennelstein öffnet sich .bei Andlau das sechshundert Meter hohe Hochthal von Hohwald, ein wahres Waldparadies, dessen bedeutender Werth als Luftkurort weithin bekannt ist. Ueber Höhwald heben 'sich über 1000 Fuß hoch der weitragende Neuntenstein und der höchste Belg des Unterelsaß. das tausendachtundneunzig Meter hohe Hochselb. Uralte Tannenwälder bedecken diese Höhen und Thäler, in denen auch einst die von Rückert besungene riesige Straßburger Tanne" gestanden hat. Der Blick von den Bergen auf die waldigen Vogesenhöhen auf Rheinthal, Schwarzwald bis hinüber zu den im Glänze ewigen Eises schimmernden Alpen gehört zu den Schönsten, waS die Vogesen bieten.
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'Wr - ?lrjlin i. 2LJIÜ. ' itfvS Am schwarzen See. Von Barr, wo auch der im Mai 1890 in's Grab gesunkene Sänger des Elsaß, Viktor Ernst Neßler (geboren 1841 zu Baldenheim bei Schlettstadt), sei Jugendzeit verlebt hat, fährt die Bahn nach der ehemals mächtigen freien Reichsstadt Schlettstadt, von der aus sich Bahnen in die prächtigen, eng von burgengekrönten Bergen, eingeschlossenen Thäler von Markirch und Weiler erstrecken. Am Eingänge des Markircher Thales liegt das viel besuchte Badbronn bei Kestenholz. Diese idyllische Gegend war 1525 der Schau platz einer blutigen Schlacht, in welcher das elsässische Bauernheer von dem Herzog von Lothringen, völlig vernichtet wurde. Die alte Grafenstadi Rappaldtsweiler ist mit der Bogesenrandbahn durch eine Straßenbahn verbanden. Mächtig thllrmt sich hinter der alterthümlichen Stadt das Gebirge auf; es trägt an dieser Stelle die drei mächtigen Burgen Ulrichsburg. Giersberg. und Hohrappoltstein. Unter dem Schutze des weithin gebietenden Grafen von Rappoltstein blühte hier einst das Königthum der fahrenden Leute." Die ehedem rechtlosen fahrenden Leute, Pfeifer. Musikanten, kurz die Künstler" der alten Zeit kamen hier alljährlich zusammen und wählten unter gräflichem Schutze ihren die Zunft vertretenden Pfeiferköntg". Noch heute wird m Nappoltsweiler Anfang September der Pfeifertag- als Volksfest glänzend ge. feiert. Servafälle b e i dem Höhfeld. Von Nappoltsweiler südlich, dem Vogesenrande entlang, erstrecken sich die berühmtesten Lagen des elsäsischen Weinbaues. Ueber Reichenweier, die schon in frühester Zeit umstrittene württembergische Weinfeste, dann über Beblenheim, Barbarossas Kaysersberg, Türckheim, Gebweiler, bei Rüfach vorbei, geht diese Linie bis in das Wesser. ttnger Thal, wo bei Thann der schon im 16. Jahrhundert von Johann Fischart besungene Rangenwein" gedeiht, der nimpt den Rang und ringt so lang, bis er einen rängt und drängt unter die Bänk". Bei Colmar und Drei-Aehren schneidt das Münsterthal quer in die Vogesenkette ein. an dessen Ende die Berge ansehnliche Höhen erreichen und ein schweizerisches Gepräge annehmen. Wanderungen auf dem Grenzkamm, der Besuch der hochgelegenen Seen, der Felsen bei Diedolzhausen, sowie der wildromantischen Schlucht gehören zu den vielbegehrten Genüssen dieser Gegend, deren Hauptzierde aber der am besten von Gebweiler aus zu besteigende. tausenddierhuniderrvierundzwanzig Meter hohe Große Belchen ist. DU Aussicht von da oben ist überwältigend, und wer es gut trifft, kann die ganze Alpenkette von Säntis an bis zum Montblanc und Jura frei überschauen. Zs ist ein wunderbares Gebirgsland. Mit verschwenderischer Fülle hat die Natur ihre Gaben über die Vogesen ausgestreut. In den Thälern südliche Fruchtbarkeit, auf den Höhen, ur-
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alte Wälder und reicher Schmuck an
Burgen. Und über all diese Pracht spannt sich ein lachender Himmel, dessen tiese Bläue an Italiens Himmel g:mahnt. Zlntcr den paxuas. Eine überraschende Eigenthümlichkeit. auf die die Erforscher Neuguineas gestoßen sind, ist die große Verschiedenheit in der Rasse unter den Bewohnern jener Inselwelt, den mit dem Allgemeinbegriss bezeichneten Papuas". Der Malaye. der Polynesier und der Papua sind die vorherrschenden Volks stämme. die daselbst wohnen; dieselben haben sich aber derart mit einander vermischt, daß man unzählige Spielarten in Hautfarbe. Gesichts- und Schädelbildung, Körpergestalt, Haarwuchs etc. unter ihnen antrifft. Der unverfälschte Papua, wenn von einem solchen 'überHaupt noch gesprochen werden kann, mag vielleicht noch im Innern des Landes, wohin der Fuß des Forschers bis jetzt noch nicht gedrungen, gefunden werden. Die Papuas kommen in ihrem Aeußeren dem afrikanischen Neger sehr nahe; sie sind von mittlererKörperhöhe, haben eine dunkelbraune bis schwarze Hautfarbe, großen Mund, wulstige Lippen, abgeflachte Nase.' zurücktretende Stirn, scharf hervorstehende Backcnknochen. und gekräuselte oder wolliges Haar. Bezüglich ihres Charakters ist ihnen nicht viel Gutes nachzurühmen; sie sind hinterlistig, blutdürstig und meistens sind sie Menschenfresser. Die Papuas leben in vielen kleinen Stämmen von einander getrennt; fast jeder Stamm hat seinen eigenen Dialekt, und sofern er noch nicht für das Christenthum gewonnen ist, liegt er in ewiger Fehde mit seinen Nachbarn, um sich auf diese Weise mit frischem Menschenfleisch für die Festschmausereien zu versehen. Ihre Häuptlinge haben nur wenig Einfluß und stehen ihnen nur einige, gewisse Rechte zu, wie z. B. der Besitz einer größeren Anzahl von Weibern; auch erhalten sie die Schädel der im Kampfe erschlagenen Feinde. Jamwurzeln, Bananen und Sago im Verein mit Fisch und dem Fleische des Känguruhs oder des Krokodils bilden die Hauptnahrungsmittel der Bewohner Neuguineas; als Delicatessen werden vor Allem geschätzt: Ratten, Frösche. Schlangen, Schildkröteneier, und Insektenlarven. Ihr Getränk ist Wasser und Cocosnußmilch, welche übrigens in tropischen Gegenden ein sehr gesundes und erquickendes Getränk ist. In geradezu vorsintfluthlicher Weise wird toi Ackerbau von 'o:n Papuas betrieben. Der Boden wird für die Bestellunz in folgender Art bearbeitet: es stellen sich 8 bis 10 Mann, ein Jeder mit einem festen, star! gekrümmten Pfahl, in einer Reihe auf. Auf ein gegebenes Zeichen wird bis ser Stab, ähnlich einem Hebebaum, bis zu der gewünschten Tiefe in die Erde gestoßen und dann durch Drücken auf dem äußercn Ende der Boden in die Höhe ge worfen und umgedreht. Diese Arbeit Scene in einem PapuaDorfe. wird mit einem solchcnGeschick und mit so großer Regelmäßigkeit ausgeführt, bis das ganze Feld aussieht, als wäre es frisch gepflügt. Trotz dieser primitiven Ackerbaugeräthe sind die Papuas doch im Stande, große Anpflanzungen von Jamwurzeln, Bananen, Cocosund Areca - Palmen zu besorgen. Außerdem bauen sie noch Tabak, Zuckerrohr, Süßkartoffeln und Jndischen Mais. Alle Felder sind mit hohen Zäunen umgeben, um sie vor dem Einbrechen der Känguruhs und wilden Schweine zu schützen. Trotzdem es für den Reisenden den Anschein hat, als befände sich das Land im Gemeinbesitz, so ist dies doch nicht der Fall, vielmehr hat jeder fruchttragende Baum, jeder Fuß bebauten Landes seinen bestimmten Eigenthümer. Die Bewohner Neuguineas huldigen einem überaus primitiven religiösen Glauben; eine bestimmte Gottheit, die sie verehren, scheint es bei ihnen nicht zu geben. Die im Innern wohnenden Stämme, höchst wahrscheinlich die Ureinwohner. glauben an einen großen Geist, Palaku Bara. der seinen Sitz in den Bergen hat. Er ist es, der dem Erdboden Fruchtbarkeit spendet; um ihn günstig zu stimmen, werden ihm Sühnopser in Gestalt von Schweineblut gebracht, das über den ganzen Ort gesprengt wird, in dem man seinen Sitz annimmt. Bei diesen Festen werden auch die begangenen Sünden gebeichtet, wie der Diebstahl von Früchten etc. Kein Werk von Wichtigkeit, kein Feldzug wird' unternommen, ohne vorher diese Opfer darzubringen. Außerdem verehrt man die Geister seiner Vorsahren. denen in Fällen von Krankheit, Tod oder anderem Familienunglück ge opfert werden muß. Machen sich böse Geister bemerkbar, so sucht man dieselben mit Gesängen wieder zu beruh! gen. Das Paradies stellen die Papuas sich als einen Ort der Seligkeit und Wonne dar, wo die abgeschiedenen See len, die dorthin über eine große Lagune in einem leichtbeschwingten Boote gelangen, ihre Zeit mir Spiel, Tanz und Festen hinbringen.
Die sog. Duvus" oder Tempel die
nen sowohl zu religiösen wie festlichen Versammlungen. Hier stehen an den Wänden reihenweise groteske, von Holz geschnitzte Götzenbilder, die man Kriegöcanoe der Papuas. bei wichtigen Angelegenheiten um Rath fragt, und von denen man denn auch sehr orakelhaste Antworten erhält. Ebendaselbst kommen die verheiratheien Männer des Stammes zusammen, um sich mit Gesprächen. Rauchen. Essen und Trinken die Zeit zu vertreiben; hier werden auch die Fremden und die Gäste des Stammes feierlich empfangen. Den Frauen und .der unverheiratheten Jugend ist das Betreten eines Dubus" nicht gestattet. Die Papuas huldigen dem Zauberwesen und betrei ben in großem Maße das Tätowiren. Der Feigenbaum gilt ihnen als heilig. Hochbegehrt ist der Besitz eines Kieselsieins, der in dem Kröpf einer Gourataube gefunden wird. Bestreicht ein Krieger einen jeden Theil seines Körpers langsam mit diesem Steine, so ist er nicht zu verwunden. Der Besucher Neuguineas wähnt sich in das Steinalter zurückversetzt. Diejenigen der Eingeborenen, die schon etwas mit der Woilisarion in Berührung gekommen sind, wissen den Werth des Eisens sehr zu schätzen, aber die Bewohner des Binnenlandes verfertigen alle ihre Geräthe und Waffen aus Holz, Stein oder Knochen: Steinäxte, steinerne Hauen, steinerne Keulen in ovaler, runder oder Speerorm findet man überall. Pfeile in jeder Länge und Dicke werden aus Bambus oder leichtem Holz geschnitzt und mitSpitzen von Flintstein oder Knochen versehen; Bambus liefert serner das Material für Messer. Dolche schleift man aus den Knochen des Casuars zurecht. Da sieht man Bohrer mit Spitzen aus Muschelschaalen oder Stein anstatt solchen aus Stahl, hölzerne Schilde mit Mattenwerk überzogen und mit bunten Fe dern geschmückt. .Baumhaus" auf Neu-Gui-nea. Häuser erbaut man in Neuguinea auf 6 bis 20 Fuß hohen Pfählen; an der Küste werden dieselben tief in den Boden der Sandbänke 'getrieben, so daß das auf ihnen befindliche Haus bei Fluthzeit vollständig vom Wasser umgeben ist. Bon Weitem ähneln diese Behausungen kielaufwärts liegenden Booten. Sie sind aus sehr leichtem Material errichtet; das Gestell besieht aus Holz und ist mit Blättern des Pandanus- oder des -Sago - Baumes bekleidet; der Fußboden, aus gespaltenen Bambusstäben zusammengesetzt, ist mit Bast an demRaymenmerk befestigt. Roh gearbeitete Leitern vermitteln den Zugang zu diesen überirdischen Wohnungen; jedes dieser lustigen Häuser ist mit einer Veranda umgeben, hat an der Vorder- und Rückseite eine Thür und in der Mitte des Innern einen Feuerplatz. Die Häuser der Hauptlinge sind durch einen Thurm oder eine Kuppel gekennzeichnet. Besonderes Interesse erwecken die auf den Bäumen angebrachten Häuser; gleich Nestern schwanken sie in den Aesten. 50 bis 60 Fuß oberhalb deS Bodens. Von ihnen aus beobachtet man den heranziehenden Feind und verbirgt in denselben die nicht am Kampfe theilnehmenden Personen. Als Handelsartikel werden von den Eingeborenen am meisten Tabak. Salz, Glasperlen, rothes Zeug. Bandeisen. Messer, Aexte und Tomahawks geschätzt. Dagegen tauschen sie Cocosnussi', Famwurzeln. Perlmutter, Schildpatt etc. aus. Die verschiedenen Wm&UZV 'ff - Wassertragende PapuaWeiber. Stämme unterhalten unter sich einen regen Tauschhandel; so verfertigen z. B. die Bewohner von Pont Moresbv Thonwaarel? und vertauschen diese bei j
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anderen Summen gegen go;'üo.
cosnüsse und Zuckerrohr; nur d an der Küste wohnenden treten mit fren den Händlern in nähere Berührung. Als Waffen gebraucht mau auf Neu Guinea meistenteils Bogen und Pfeil, Speere und Keulen; im Kampfe trägt jeder Krieger außerdem noch ein Bambusmesser im Munde. Sobald sein Gegner niederstürzt, nimmt er dasselbe aus dem Munde, reißt ein Stück des Bambusrohres mit den Zähnen ab, um dem Messer eine bessere Schärfe zu geben, und schneidet dann seinem besiegten Feinde den Kops ab. Im Vergleich zu anderen uncivilisirten Völkern behandelt der Papua sein Weib gut. Zwar muß sie alle schweren Lasten tragen, sie hat die häuslichen Arbeiten zu besorgen, Feld und Garten zu pflegen und die Ernte einzu heimsen; dagegen baut der Mann das Haus, gräbt das Feld um und bestellt es. Außerdem ist es seine Pflicht, für die nothigen Nahrungsmittel zu sorgen, die er auf der Jagd und bei dem Fischfang gewinnt. Im Kriege schützt er mit seinem Leibe Haus und Familie. Einen eigenthümlichen Eindruck machen die Königinnen auf Neu-Guinea. Umgeben von sämmtlichen Prinzen ihres Hauses, begleitet von ihrem ganzen Hofstaate und gefolgt von einer Schaar schwarzer Ehrendamen, Alle gekleidet in der Tracht der Eingeborenen, d. h. angethan mit so gut wie gar nichts, ein jeder Mund Betelnuß kauend, gewährt dieser Hof, so stolz er sich selbst auch korkommt, doch dem Fremden alles andere, nur nicht einen koniglichen Anblick. Am bekanntesten von allen Königinnen der Insel ist Koloka, deren Könw.ssitz sich in Cape Sucklinz befindet. Ihre Krone besteht aus einem großen Chignon schwarzer, buschiger Haare; ihr Königsgewand ist eine aus Grashalmen geflochtene kurze Jacke; an den Armen und um den Hals tragt sie Ketten aus Perlen. Ihr größter Schmuck tsi die auf ihrer Haut sehr kunstvoll ausgeführte Tätow! rung. Anstatt, wie andere Fürsten dieser Erde, auf einem goldenen Throne zu sitzen, schaukelt sie sich in Ennangelung desselben tn einer alten Hängematte, die ihr einst ein fremder, an diese Küste verschlagener Capitän alz Zeicken seiner Hochachtung verehrte. Sie erfreut sich eines großen Ansehens unter den Insulanern und weiß diesesben zu behandeln. Alles in Allem genommen, führt dieser intelligente Volksschlag ein zufriedenes und glückliches Leben, trotzdem ihm noch nicht die Segnungen der Civilisation und Cultur zu Theil geworden sind. Auch in Zukunft wird Neu-Guinez nsch ein weites Feld für den Forscher, ein interessantes Gebiet für den Reisenden bleiben, denn der größte Tbeik dieser Insel und der sie umgebenden Inselwelt ist noch nicht erschlossen, und weitere Erforschungen werden sowohk für den Sammler wie für den Eihnographen noch manche wichtigen Aufschlösse über die Papuas und ihr Land liefern. Beim He'iraähsvermittle 'Herr: ....Vermögen hat meine Tochter zwar nicht, aber sie malt,singt. und spielt Clavier! Wissen Sit keinen Mann, der diese Eigenschafteo zu schätzen weiß?" Heirathsvermittler: Hm, dem würde ich meine eigene Tochter geben!" Selbstberuhigung. Student (der soeben durch's Examen fiel): Kunststück! Ein ganzes Pro. sessoren - Collegium gegen mich allein! Ein Schwerenother. Dame (ihren Salon zeigend): Welch, von meinen N i p p s a ch e n gefällt Ihnen am besten?" Herr: .Ihn Lippen, meine Gnädige!" Uebernaiv. Richter: Wann sind Sie geboren? Angeklagter: Ach Herr Richter werden mich doch nicht zum Geburtstag überraschen wol len!" Kritik. Der kleine Moritz: Tateleben, so sehr schlau kann dei Berthold Schwarz doch nicht geweser sein, sonst hätt' er doch erfundeu gleich 's Dynamit!" Druckfehler. Noch im späten Alter erinnern wir uns mit Vergnügen an manches hübfche Mä). chen aus unserer Jugendzeit. Boshaft. .Wie hat Jhne? die neue Operette gefallen?" Schlecht; die Autoren scheinen dil Witze aus ihren ältesten Aer. meln geschüttelt zu haben!" AusderKaserne. WaZ sind Sie in Ihrem Civilverhältnisse Einjähriger?- Tondichter. Herr Sergeant." Thondichter! Thun Sie nicht so geschwollen, unt sagen Sie einfach Hafner!" Ursache und Wirkung. Sie: Ach. Emil, weshalb bist Du denn, wenn Du Mittags nach Hause kommst, nie gut aufgeräumt?" Er: Na, weit Du, meine lieöt Ida, weil 's da eben zu Hause auaz nie gut aufgeräumt ist." Unvorsichtig. Professor (vor den Schüler hintretend): Nun, Berg, nach welcher Methode würden Sie die angeschriebene Gleichung lö, sen?" Berg (schweigt). Profes. sor (ihm auf die Schulter klopfendji Na, na, Berg, da scheint ja wohl wie de; O ch s am Berg zu st e h e n'
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