Indiana Tribüne, Volume 18, Number 260, Indianapolis, Marion County, 9 June 1895 — Page 4
Jndiana Tribüne.
Erscheint Täglich und Sonntagv. Die tSsltche. Tribüne- kostet durch den Träger U Cent per Woche, die SonntagSTribüne" B Cextl per Ooche. Selbe lufamme 15 Cent ib et es Cent per ttonat. Per Poft außerhalb Ux ffttbt geschickt i oraubbezahlung $ per llahr. Vsste,, 1 Süd Sllavama Straße. Indianapolis, Ind., 9. Juni 1895. Sonntags - puöcrci. Da kam mir dieser Tage ein Buchlein in die Hände, betitelt : Pitfalls in the use of thc English Language, und wer eS haben will, der kann eS für 25 CtS. von 3. Fitzgerald & Co., 28 Lafayette Place, New Aork, bekommen. Darin stand allerhand über den falschen Gebrauch englischer Worte und Ausdrücke und auch eine kleine Abhandlung über die Frage, welche Sprache leichter zu erlernen sei, die englische oder die deutsche. Da es so Viele giebt, welche Jahraus Iahrein rtit dem Dativ und Akkusativ auf dem Kraöfuße stehen und eS niemals auch nur zu einem anständigen Waffenstillstand bringen, so wird man allgemein der Ansicht sein, die englische Sprache fci leichter zu erlernen. Der Verfasser aber, der Fitzgerald heißt, und also kein Deutscher ist, kommt zum gegentheiligen Schlüsse, und die Gründe, die er angiebt, sind ganz interessant. Sie bestehen Hauptsächlich darin, daß in der deutschen Sprache die rein deutschen Vokabeln eine viel aukgedehntere und praktischere Verwendung finden. Der Verfasser führt z. B. den Titel eines Dramas von Kotzebue an: Menschenhaß und Neue." 3m Englisch cn würde dieS lauten : Misanihropy and Repentancc Er meint, c dürfte Jemand schon ein gewisses Alter erreicht Haben, bis ihm daö Wort misanthropy geläufig und verständlich ist. Jeder Deutsche aber,' sei er auch noch so jung und besitze er auch noch so wenig Bildung, wisse vaö Mensch und waS Haß bedeutet und die Bedeutung für daS zusammengesetzte Wort ergebe sich dann von selbst. " Oder nehmen wir daS Wort Haus. Jeder weiß, waS ein HauS ist, ebensogut wie jeder englisch Sprechende weiß, was house bedeutet. Wenn nun der Deutsche davon Worte ableitet, wie häuslich, Hauöfriede, so ergiebt sich daö Verständniß dieser Worte von selbst, aber eö ergiebt sich auS dem Verständniß deS Wortes house noch lange nicht von selbst, vaö dornesiic oder domestic peace bedeutet. Diese Beispiele können natürlich nach Belieben vermehrt werden. Der Verfasser deS BucheS scheint mir Recht zu haben. Nur ist eS dabei einigermaßen schwer zu verstehen, warum eS so viele Amerikaner welche Deutsch lernen, nicht über Nix kumm raus" und Swei Lager" hinaus bringen. Hat man einem deutschen Knaden erst einmal beigebracht, WaS ein .Gewissen ist, dann ergieöt sich ihm von selbst waS Gewissensbisse sind, wohingegen eS sich unmöglich zeigen dürfte einem jungen Amerikaner ein Verständniß für conscience bites beizubringen. Daß es so diel leichter ist, im Deutschen Worte zu bilden, wenn man nur einmal die Vocabeln versteht, das beweist mir der Umstand, daß einmal ein junger Deutsch - Amerikaner statt Gewissensbisse Herzenögebisse .sagte, waS ja auch einigermaßen richtig ist,' wenn eS sich um ein innerliches Beißen handelt. ..".Aber der Verfasser, der ein Sprach.gelehrter und ein ganz besonderer Freund deS Deutschen ist, hat eS doch in Einem übersehen. Da ist z. B. die richtige Anwendung der Artikel der die.haS. Warum daS Weib, und daS Mädchen Sachen sind,' wird man schwer begreifen und daß Stuhl männlich und -Tisch weiblich ist, wird nur die Ge')sohnh.eit lehren. Man versuche einmal Einem zu erklären, warum man .von einem . Vorhang er, von einem Äevster eS. und von einer, Thüre sie sagt,, und' man wird kläglich daran scheitern. :,. Warum ist der Haß männlich und die Liebe weiblich, da doch die L.n uen'mehr hassen als die Männer UNS .bie Männer mehr lieben , als die Zranen ? Ja warum ? V' Uno-nun gar der Dativ und der Akkusativ. . Dem oder den, mir oder mich. . Das sind auch pitfaNs. Man frage nur einmal einen , kemiethlichen Leipz'cher, der wird selbst nach der -zehnten Taffe Blümchenkaffee noch seine Ahnung davon haben, daß eö in Är-deutschen Sprache so ein Wort wir .,','mir" giebt und er wird in aller GeMÜthsrllhe sagen : Bleib mich vom Halse, mit der deutschen Grammatik und ieb mich lieber noch.eine Tasse Gassee." Und so ist es trotzdem noch tint
Fraze, Kenn man bedenkt, daß sich die Bedeutung der Worte wohl durch die Gewohnheit lernt, nicht aber die Grammatik, ob daö Deutsche leichter als das Englische oder diese? leichter als jeneS zu lernen ist. Der Plauderer.
Offener Lchreibebrief des Philipp Sauerampfer. Mein liewer Herr Redaktionür. An Tekerey. schendeh hen ich meine Lizzie, was mei Altie is, ge. promißt, daß ich daheim stehe un den Tag ganz im Stille mit mei Fämmillie zele b r e t e wollte. Mein Sohn, wo aebeiratb is. is mit sei ffrau un das Baby komme un ho! auch sei Schwiegerleit mitgebracht. Es sin noch e paar Freinde von uns komme un so hen mer e arig hibsche Kompenie gehatt. Mer hen unö hin in die Jard in Kiehle gebockt un hen een Drink . . cm . i nach, dr Annere genomme. vie mi werfohks hen sich Lemmenehd gefickst. mir Männer warn auch mit Bier sattisfeit. Die Lizzie Hot t bissie Lunsch gehabt und mer hen gesse un gedrunke un geschmokt un Stohries verzehlt. Jedes Hot ebbes ze sage gehabt un mitaus dab mersch genohtist hen, is eS Owend worde. .Ich wß gar nit bot mei Dochter in Lah. deß schne Krauche, gesagt, der Pa.hot heit noch gar keen Fonn gemacht, sell is ebbes strenscheS un do is schuhr - ebbes die Mätter." .Do Hose Du puttiniehr recht," hen ich gesagt, .wißt ihr, an so eme Dag wie heit, do muß ich immer an die Kriegszeite denke un wie ich emol grad wie dorch t Wunner dom Doht gesehst sin worde. Dem Mann, wo sell ge dabn Hot, kann ich'5 heit noch nit vergesse, denn tvannS nit for ihn gewese Wär. dann deht ich schuhr heit nit do hocke und Vierche drinke." Wei, Phil,- sogt die Lizzie. davon hen ich jo noch kee Wort nit gheert, ich hen nie nit gedenkt, daß Du Siekrets for mich hätH." Sieh, Lizzie," hen ich gesagt, .Du brauchst for deß nit uniesie zu ffchl?, Ich weiß, daß Dich's truweln deht un for den Riesen heil ich gedenkt, du besser sagst nicks." Well, daß AlleZ neigierig war un parduh bic Glorie wisse wollt, könne Se sich denke. Se hen mich gktiest un so lang gebulldohst. biö ich gesagt hen. daß ich die Storre verzehle wollt. Die Sach war nämlich die: Wie d!e Wohr ausgebroche is un all die junge Fellersch die 'Tuhls in' die Eck geschmisse hen un sich enliste hen geloßt, do hin ich different gefiehl.t. Ich hen en gute Schapp gehatt un Heu fcheenes, Geld gemacht un ich wollt so keen Fuhs sein, un daß all for natting ufgewe; for den Riesen hen ich immer rifjuhst, wann se mich dazu tackele wollte, auch e Gönn in die Hand zu nemme un in de Krieg ze ziehe. Waö zI de Juhs, hen ich als oft gesagt; s duht mich kee Bitt gut, wann ich en Arm oder e Bein oder de Kopp abgeschuht kriege. Wann so ebbes, häppene deht, dann 'deht mich Ut Mensch ebbe! hafor gewwe. Biseids deß, hen ich gesagt, sin ich nierseited un kann auch dn Schmshk von das viele Schuhte nit stände. Well, alles Tahke war von keen Juhs nit, eines schienen Dag? Heu se mich getackelt un ich sin en Sohltschex gewese bevor daß ich dran gedenkt hen. Ich muß sage, wie mer so in die Hurrie gedrillt sin w?rde. do hen ichs doch so bei un bei gegleicht un ich hen auch recht gut geguckt. Wi mer reddig wäre, do is gestart worde; das Martsch' Hot mich t gut Diel getruweit, bikohs ich war'n nie keen große? Nreind vom Martsch Wie mer so baut zeh Meile weit wäre, do is in e Willetsch gestappt . worde. Bei Tschortsch, do hen mer arig gute Zeit gehabt. Die Farmersch hen ihrn kirrte Seider aus de Kellr grholt, sommteims hen mir en auch selbst geholt; da is geleppert worde! ei tell juh! Die Tschickens hen mer die Necks abgetschappt un hen Tschickenstuh gesse, daß die Farmersch ordentlich for Mädneß Bellerehk kriegt hen. Dodrum hen mir awer alles nicks gewwe. So is es in jedes Willetsch gange un ich war'n wirklich froh, daß ich die Ahrmie etschoint hen. '' Eemohl sie mer auf e Mill gekomme. tvs schon der Feind war. Wie uns die iftfrrfch gesehn hen, do sin se ausgeschkippt un hen alles im Stich gelosse. Sell war ijch grad recht, denn ich muß Ihn: strehtsuj sage, daß ich das Schuhte nit gleiche buh. Ich hen arig teierd gesiehlt un wie ich -heert hen, daß mer drei Stund in Sie Mill stappe'dehte, .do hen ich mein Mei.id usgemacht, ew' zu schaieke un e kleine Rest von t Stund yder zwei zu nemme. Ich erscht e bische gesse un qedrunk un dann war'n ich uf emol fort. Ich sin in dem Miller sei Mehlkammer geschniekt un hen mich dort uf en Peil Flauersäcks gelegt, vf Kors war alles weiß vsn daS Flauer, awer do en ich mcks drum gewwe. - Es Hot nit lang genomme, do hen ich geschlofe un uf emol war mersch. alö-zyang iH schuhte Heere deht. Ich hen d Ohre gespitzt und schuhr Ding, ich war'n nit mißtehke. Ich hen hallern Heere un do war keen Daut nit, daß der Feind die Mill iwwerrumpelt gehatt Hot. Ich sin anS Fenster gange un hen gesehn, wie unser Kömpenie. e Kompenie von den Feixd Erfolgt Hot. Die sin awer gelaufe, als wgns- Uf Dickens hinner'n wär. Unser Leit si SNN Widder zurick komme. Mhbie, ich war frph. Ich hen mei fopp nit gltich gtfunn
un Lo hen lch e annere genomme, wo nemig mich gelege Hot. Dafc feU" c Kapp von eem von die Feinde gewese is. hen ich of KorS erst später ausge funne. Wie unser Kompenie in die Mill komme is, wollt ich mich, ohne, daß mich eener nohtisse sollt, so unner se schnieke; awer eS kam de annm Weg. Wie se mich mit die Kapp, wo zu de Feind belangt Hot, gesehn hen, do hen se mich nit gekennt, biseids deß war ich auch all iwwer weiß, so daß ich se hardlie dafor blehme konnt. Awer, was wer'n Se denke, was bassirt is. Wie d wilde Ennemells sin se uff mich getschumpt. Do is noch eener von die Lumpe Hot eener gekrische, uf en!" Des hen se sich nit 'zweimol sage gelosse.' Ach du lieb Gottche, waZ hen ich mei Schmiß kriegt; wei, do war noch kee Spattche so groß wie en halwe Deim an mein Körper, wo nit bläck un blüh war! Im selle Moment do hen ich erscht ausgefunne, was der Mensch e Lohd stende kann. Bon all dene. die uf mich geHaue hen. do war eener. der's am allertoffste gedahn Hot; wei, ich hen schuh? gedenkt, er wollt de Stoffen aus mich nacke. Ge schmisse hat mich de? Felle? wie krehsig; un wißt Ihr, wer das war? Der Wedesweiler! Damals sin ich ekwihntet mit ihm geworde und seitdem sin mer gute Freinde; dann er Hot mich das Lewe gerett. Wann er gewollt bätt, dann hätt er mich grad so gut kille gekennt. Er Hot's awer nit gedahn un for den Riesen stick ich all die Zeit zu mein gute Freind Wedesweiler, womit ich verbleiwe ' i Jhne Ihr liewer Philipp Sauerampfer. Vkgravntb'Nese. von G. von PeanlUu.
Bei der Leichenfeier ihrer Namensschwerer, der socialdemokratischen Agitatorin Agnes Wabni, sah ich Agnes Noll wieder, nachdem ich sie länge Aeit auS den Augen verloren hatte. Eine schmächtige Gestalt, schwarz gekleidet, in ein Schwarz, das nicht, wie bei vielen anderen Leidtragenden, -ein auS der Mottenkiste hervorgeholtes, nach Kampher riechendes Festgewanh war, sondern ein im Wetter erprobtes, fleckiges Kleid, das sie Morgens anzog und Abends ablegte, eine zweite Haut. Wir standen vor der Thür desFriedhofeS, fn den sich schon eine Schaar männlicher und weiblicher Genossen Hineingedrängt hatte, alle mit rothen Mleifen, Kokarden und Blumen gesckmückt. Also bei so Etwas lassen Sie sich auch mal sehen?" Damit begrüßte mich Agnes Noll, während 'ihre kleinen schwarze Äugest in dem verwelkten blassen Gesichte mich scharf musterten, Nun ja, mich interessirte dieUnglückliche." Unglückliche? Glückliche, wollen Sie sagen. Sie hatte doch Etwas, wofür sie lebte, eine dee. einen Lebenszweck. Sie wirkte auf die Menschen, und wie sie wirkte! Athemlos hörten sie ihr zu, wenn sie von dem Jammer der Enterbten sprach, mit leuchtenden Blicken, wenn sie die Zukunft schilderte, wie sie sein müsse. O! sie lebte sich aus, wie ich sie beneidet' - Also gehören Vie jetzt der Partei an?" ' Wo denkenSie hin sagte sie schroff. Fällt mir nicht ein, mich der Tyrannei zu fügen. Sie wissen ja, daß ich Philysophin bin und Dies hier gerade Lebensgenuß für mich ist.Freilich ine Höhe, zu der sich nicht Alle aufzuschwingen vermögen," schloß sik bitter. Dies, die Beerdigungsfeier. war ihr Lebensgenuß, ich wußte es schon; hat man Agnes Roll doch, ihrer sonderbaren Passion wegen, in Berlin den Namen Begräbniß-Nkse gegeben. Ihre kleinen schwarzen Augen verloren den düsteren, feindseligen Ausdruck, ihr Gesicht nahm einen geschäftsmaßigen, ja, man möchte sagen: beamtlichen Zug an, als sei sie hier zu Hause und müsse auf Ordnung und Sitte sehen, als sei der Tod ein Fürst und sie seine Haushofmeisterin, die hier die Honneurs zu machen habe. Ohne mich kommen Sie nicht hinein." sagte sie mit stolzer Wichtigkeit, aber ich werde Ihnen schon Platz verschaffen. Man ' kennt mich." In der That man kannte sie. Die Genossen wichen zurück, und. wenn auch einige spöttisch oder mitleidig lächeltey und: Ach' die Begräbniß Hl riefen, man ließ sie doch ungehindert poran gehen. In G'öttingen übte man vor Kurzem noch eine uralte Sitte, die au heidnische Zeiten, an griechische Thränenkrüglein und Klageweiber, gemahnte. Bei feierlichen akademischen Leichenzllgen folgte .dem Sarge ein Klaa'kweih eine Frau, d'e berufsmäßig diesei traurige Amt versah. An solch ein Klagewnb erinnerte mich Agnes Roll. Man fand sie' nicht nur bei fcen Todtenfeiern der .Genossen, durchaus flicht. .Sie. stand über den Parteien. ühex ' Z)en Klassenunterschieden. Heute war sie bei der' Beerdigung eines Gelehrten hochconservativer Gesinnung zu sehen, morgen bei der eines anarchistischen Brandredners, übermorgen bei .der einer berühmten Bühnenkünstlerin. Gesinnung und Gtandesunterschiede berührten sie also nicht: auch ließ der lte Glejchmachex Tod sie überall Zutritt finden, wo er- eingezogen wa?. Wer hätte auf dem. Friedhyfe das Herz gehabt, daS kleine, schmächtige, un scheinbare, schwarzgekleidete Wesen von der - Traü'ergesellschaft fortzuweisen? Die Todtengräber und Kirchhossinspec toren kannten sie und respectirten daö Gewohnheitsrecht der Begräbniß'YZese. K.chusdet bätte man & überall, wobl
aber ließ sie sich nicht zu jeder Feier h?rab. Sie folgte nur dem Sarge berühmter Leute. Das war die einzige Bedingung, die sie stellte; diese aber hielt sie mit unerbittlicher Strenge auf recht. Unberühmt unbeweint. Und daß sie wählerisch sein konnte, dafür sorgte die Millionenstadt Berlin. Wie sie zu der seltsamen Leiden schaft gekommen war? Es gibt Menschen, die man sich nicht iung vorstellen kann und die in der That auch nie jung waren oder aussahen. Fast als sollten sie dafür entschädigt werden, halten sie sich im Alter um so besser, das heißt: sie behal ten das Konservenaussehen, das sie schon in der Jugend hatten. Nur noch wenige Leute in Berlin werden die Begräbniß-Nese von 18 Jahren gekannt haben. Jetzt kennt man sie nur bei ihrem Spitznamen; und auf den Polizei und Steuerlisten steht sie als die unverehelichte Noll. Dissidentin. verzeichnet. Dissidentin wurde sie, als ihre streng orthodoxen Eltern starben, die sie mit Religion sozusagen übcrfüttert hatten. Agnes Noll kam früh ur Selbststandigkeit und Einsamkeit. Ein kleines Vermögen, winzig zwar, aber für ihre bescheidenen Ansprüche genüend, half ihr über die tägliche Noth des Lebens hinweg. .Damals standen den Mädchen noch nicht Erwerbs- und VerufZarten offen wie heute. Man wurde entweder wissenschaftliche Lehrerin oder versuchte es mit oder ohne Talent mit der Musik. Doch noch ein Drittes gab es: Schriftstellerin zu werden. Das war standesgemäß und machte nicht viel Unkosten. Agnes Noll. dachte, wie auch heute noch manche und selbst kluge Leute: ich habe viel Zeit und ich kann ja schreiben, Tinte kann ich mir auch kaufen also warum soll ich nicht Schriftstellerin werden? Und sie schrieb. Die alten Redacteure einiger Berliner Zeitungen werden sich noch entsinnen. wie sie, zwar kein fllsches. aber doch ein junges Mädchen, die Redactionm unsicher machte. Hin und wieder nahm ihr einer der Herren ein Manu-
script ab, meist, um die ewige Quälerei loszuwerden, zuwelkn auch, weil es nicht viel schlechte? war als manches andere. Diese Auffassuna war bet Aermsten Verderben. Si? nämlich dachte, es sei eine Anerkennung ihres Talentes und dichtete frisch drauf los weiter. Als die Romane immer täna und Agnes immer älter wurde, nahm 1C !X19 - r - ri man lyr Nlcylö meyr ao; em grauen überfiel selbst den Gutmüthigsten bei dem Anblick der wohlbeleibten, an den Ecken schmutzig gelesenen Manuskripte. Äder, Fraulem, haben Sie denr Niemanden aus der Welt, für den Su etwas thun könnten?" schrie sie endlick einer der jungen Redacteure ungeduk a an. Denn Talent haben 3i weiß der Teufel, gar .nlcht , Lassen Sie mich wenigstens künftig mit Ihren Bandwürmern in Ruhe." Ich lebe mich selber aus, wenn ich meinen Geist schaffen lasse, was brau che ich für Andere zu leben?" entgegnete ihm die.Nietzsche-Schülerin stolz. Und ein Urtheil über mein Talent erkenne ich grundsätzlich nicht an," Sie hätte vielleicht noch immer weite? gedichtet, wenn nicht ein sehr äußerlicher Grund dem unheilvollen Treiben ein Ziel gesetzt hätte. Die Wirthin, bei der Fräulein Noll ein kleines möb lirtes Zimmer bewohnte, kehrte sich geaxn die Papieransammlung; sie behauptete, die Sache sei feuergefährlich, und wenn daö Fräulein so weijssStoß auf -Stoß häufe, müsse sie ihm kündigen. Nun war die unverehelichte Noll ein Gewohnheitsmensch; dazu kam, daß sie sich nicht verhehlte, wie schwer eS sein würde, ein anderes passendes und anständiges Unterkommen $u finden. Die meisten Leute, die möblirte Zimmer vermiethen, geben sie nur an Herren ah oder an eine gewisse Sorte von Damen, die hohe Preise zahlt. Die Kündigung drohte dem armen alten einsamen Wesen wie ein Schreckgespenst. Auch die ungezogene Aeuße rung des Redacteurs fiel der verkannten Dichterin wieder ein, und sie hielt wirklich mit ihrer Papiervergeudüng inne. Das ging einen, zwei Monate. Jedem, den nicht ein starkes Talent über solche Pause hinwegträgt, wird' sie leicht verhängnißvoll. Menschen, denen Schreiben und Schaffen nur eine Gewohnheit war, gewöhnen es sich auch wieder ab, AaneS Noll hatte die Literatur, wie viele weibliche Schriftsteller eS thun, als Betäubungsmittel gebraucht, um über sich selbst und ihr trostloses LebenslooS nicht mehr grübeln zu müssen. Jetzt, da sie fühlte, daß ihr die Kraft dazu, ihr bischen angelerntes Können, mehr und mehr unter den Händen entschwand, jetzt trauerte sie auch nicht sehr; sie schaute nur verwundert in die Welt, was nun wohl kommen, was daS Schicksal ihr wohl bringen werde. Eine Liebe? Nein, der erste Blick in den Spiegel belehrte sie darüber. Aber sie brauchte Aufregung, mußte ßitoai vorhaben. Für ihre körperlicheu Bedürfnisse war nothdürftig gesorgt Auf de? Einfall, für Anden m arbeiten, kam sie bei !hrer"Jch-Phi-losophie nicht. Da führte sie der Zufall eines Ta ges auf einen Friedhof, als gerade eine Geexdigung stattfand. AgneS Noll war hingegangen, weil das Wetter gut war und kein anderer Garten in der Nähe war als der Gottesacker. Wie goldig hie Sonne schien, wie blau der Himmel war, wie berauschend die weißen und blauen Fliederdolden über den Gräbern dufteten! Dazu die feierliche, wunschlose Stille, die vollkommene Ruhe. Und nun kam der Zug herbei, der m;t Blüthen bedeckte, schwankende Sarg.voran. und die .Musik spielte einen mächtigen Ehoral, der die Nerven der Einsamen euittern ließ. Richt
Herbert LexciM Landon Geschwulst an seinem Halse Zweimal von Aerzten operlrt die eine Blutmedizin verordnet hatten. Hood't Sarsaparllla wurde genommen und eine Kur bewirkt. Keine Form von Bkropheln Ist hartnäckiger end gewöhnlicher als d&i An schwellen der Hals Drüsen. Hcod'i Baruparlllft hat in tausend. Fällen dieses Leiden knrlrt, nach dem alle anderen Medizinen wirkungslos waren Lesen Sie Folgendes: MAla unser kleiner Junge ein Jahr alt war bekam er drei gross Geschwülste an der linken Seite seines Halses, welche der Arzt zweimal schnitt. r verordnet eine Blutreinigungs medizln und wir be gannen unserm Jungen Hood's Sarsana, rilla tu geben. Er hat vier Flaschen genommen. Die Geschwulste an seinem Halse sind verschwunden und Die 8chnltte wunden sind geheilt, nur eine Narbe blieb, wo sein Hals operlrt worden war. Meine Frau und Ich denken, es giebt nichts was aichmit Hood's 8arsapariila vergleichen kann Hood's Kurirt und haben wir es stets im Hause." CHAILLEfl LAKDOX, BOX 112, Bewild, Kebraska. Hood's Pillen von Tausenden bestatt gl So, die Schachtel. RIÄLTO Cigar Store. 67 tVst Washington Ltratzs. Die beste Auswahl einheimischer und importirter Cigarren. Probiren Sie die Lial-bo 5c Gigaxro. Um geneigten Zuspruch bittet Schiller Nömler. ihr religiöses Empftnden wurde berührt, das besaß sie ja nicht; es war etwas Anderes, schwer zu -Erkla-rendes. Sie suhlte sich so seltsam glücklich. so harmonisch gestimmt. Da war ja auch Alles zu Ende. Was gab es nun für einen Unterschied zwischen dem erloschenen Leben dort und ihrem eigenen? Gewiß war es ein reiches gewesen. diele Menschen geleiteten die Todte, eine junge geliebte Frau, zur Gruft, der Sarg verschwand fast unter den kostbaren Vlüthenspenden. die man ihr als letzte Huldigung mitgegeben hatte. Ein junger kräftiger Mann.dr Wittwer, stand am Grabe, weinende Minder umgaben ihn. Alle. Alle eilen wir demselben Ziele zu. Klopst noch so stark, Ihr Herzen, walle noch so heiß und roth, stürmendeö Blut : Dies ist ja doch der Schluß. Und um so schmerzlicher ist er, je größer das Genießen, die Le benöfreude, war. öicr liegt der Aus? gleich, hier die (Gerechtigkeit. Alles eins. Alles eins. Der Gleichmacher $od lauert auf jedes Wanderers Wege. Das stürmte durch ihre Seele. Sie ging den Tag umher wie berauscht. Der Tod erfüllte sie mit diesem Rausche, der süß war wie von starkem Weine. Einem Menschen gleich, der die Tau melwonne eines Opiats kennen gelernt hat, haschte sie mit lüsterner Gier wieder nach dem ersehnten Genusse, wieder und wieder, bis sie vergaß, was sie u ihm geführt hatte, bis er ihre Lebensaufgabe wurde. Was in vielen einsamen, müssigen Frauen nur als Liebe zum Grafen, als Vergnügen an Mordgeschichtm und Unglück'sfäZ:n, schlummert. Das hatte s i e zur Virtuosität entfaltet, darin entwickelt: sie förmlich eine Feinschmeckerei.Das hatte sie zu einem Amte für sich gestaltet. Anfangs war es wohl schriftstellerisches Interesse, das sie veranlaßte, nur die Beerdigungen berühmter Leute zu besuchen. Die Ceremonien waren glänzender, die verkannte Dichterin sah da in dem Trauerzuge Menschen, von denen sie bisher nur gehört hatte; ein poetischer Nimbus umgab die Feier, ein gesteigertes Pathos durchdrang sie. Nach und nach machte AgneZ Noll aus dieser Vorliebe ein System, ein Gesetz. Die Menschen sehen nur die lächerliche Außenseite ihrer sonderbaren Passion und zucken die Achseln über sie und spotten. DaS aber ficht die Be-gräbniß-Nese in ihrem Lebensgenusse nicht an. So geht sie einsam durch die Millionenstadt, glücklich in ihrer Weise. eine Epikuraerin des Schmerzes. K r a f t st e l l e n, bei denen man inamerikanischen Theatern klatscht. Wer es wagt, seine Hand an eine Dame legen, ausgenommen, um sie zu beschützen, ist ein Feigling! (Applaus.) Ja. es ist wahr, sie hat die Gewohnheit, sich zu betrinken, aber sie ist meine Mutter!" (Stürmischer Applaus.) Und wäre, er zehnmal ein Einbrecher er ist doch mein Vater!- (Bravö!) .Sprechen Sie wahr, Madame?" Sir. ich, bin eine Amerikanerin!" (Beifalls salve.) .Die Schwiegermutter - ist .'verbramrt, aber daS Kind ist gerettet!" (Orkanähnlicher Avvlaus.)
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