Indiana Tribüne, Volume 18, Number 260, Indianapolis, Marion County, 9 June 1895 — Page 3
Die tolle gtomieß Roman von Hrnft von Wsljogen. (12. Fortseung.) Und hat nie etwas zu bereuen gehabt?" frug das Komteßchen ernsthaft. Nicht daß ich wüßte," lachte Hans. Außer Einem freilich: daß er einmal seinem besten Freunde hundert Thaler geliehen hat und nachher ging der Kerl hin und eröffnete ihm gerade gegenüber ein Geschäft in Theer, Pinseln und anderm Schiffskram." Es ist wirklich empörend!" rief Vicki da aus. Denke Dir, die gräßlich Person hat mir erzählt. Dein Vater wäre ein ganz berüchtigter, gewissenloser Mensch, der sogar schon so und so oft im Gefängniß gesessen hätte! Da ist doch gewiß kein Wort davon wahr?" Fink war sprachlos vor Entrüstung. Dann aber macht: er seinem Herzen in einer Weise Luft, daß dem Komteßchen ordentlich eine Gänsehaut überlief und es alle Müh: hatte, ihn davon abzuahlten, daß er nicht spornstreichs du donlief, um der Verleumderin seine Meinung zu sagen. Er gab endlich ihrem Flehen nach, verschwor sich aber hoch und theuer, daß ihr die Strafe für ihre Nichtswürdigkeit nicht geschenkt bleiben sollte. Nur sehr allmählich gelang es Vickis Schmeicheln und Kosen, ihn von jenem Thema ab- und zu der beglückenden Wirklichkeit zurückzubringen. Sie bestiegen dann zusammen den kleinen Kahn, ruderten auf den Teich hinaus, und wo das hohe Schilf ihnen Deckung bot, da herzten und küßten sie sich und vergaßen die ganze Welt ringsum sammt der Kaffeegesellschaft auf der Veranda. 12. Kapitel. 2n wt'IÄ-J, Jöcrr von o.r "JJhltit; Widii 5? sjTtnt i'jhj't machk urfJ u:,dr.'re l:iö.ili4f:i:.n aus ö:nt R.z.n in "Bit icjuf: gcrarye.1. Als nach Verlauf der Halben Stunde die Herren die Veranda betraten, toaz der Gr?f sehr erstaunt, keine seiner Damen zum Empfang des Gastes bereit zu finden. Friedrich mußte erst die Stütze rufen, und diese wiederum die Gräfin aus süßem Schlummer wecken. Ich hatte doch Vicki aufgetragen, einstweilen die Honneurs zu machen," sagte die Gräfin ärgerlich. Man kann sich doch in nichts auf sie verlassen! Wo mag sie denn wieder stecken?" Sie lief vorhin in den Park und jagte sich mit den Hunden herum," versetzte das Fräulein. Das sieht ihr ähnlich! Gerade wo sie ausnahmsweise mal anständig angezogen ist zum Empfang eines Besuches! Sie werden sehen, sie kommt mit ganz zerdrücktem Kleide und roth wie eine Päonie wieder zum Vorschein." Ich vermuthe, daß Komteß Vicki mit dem Herrn Fink zusammen getrosfen ist wenigstens sah ich den vorhin auch in den Park gehen." So? Das wäre mir ganz lieb," sagte die Gräfin, da wird sie sich doch wenigstens nicht mit dem guten Kleide auf dem Nasen wälzen. Ein recht netUz Mann, der H:rr Fink gefällt mir ganz gut." Ich fürchte nur. gnädige Frau Gräfin, daß er Komteß Vicki etwas zu gut gefällt!" lächelte Sophie. dieMundwintel etwas herbe auseinanderziehend. So. meinen Sie?" erwiderte die alte Dame sehr ruhig. Na, das schadet ja auch nicht sie bekömmt ja hier so wenig junge Leute zu sehen. Wissen Sie. ich bin gar nicht so wie manche Mütter, die ihre Töchter womöglich gleich in den Strickbeutel siecken möchten, wenn sich nur ein junger .Mann in der Nähe sehen läßt. Man muß den jungen Mädchen ihre Harmlostgkeit lassen, sonst werden sie schon mit zwanzig Jahren alte Jungfern! Jungen Mädchen aus guter Familie braucht man gar nicht erst zu sagen, wie weit sie gehen dürfen, das haben sie in sich! Ich habe als junges Ding thun und lassen können, was ich wollte und wir hatten immer das Haus voll junger Offiziere!" Fra' Gräfin haben sich aber doch gewiß nicht küssen lassen, sobalo Ihre Frau Mutter einmal einul Augenblick die Augen zumachte?" Die Gräfin blieb stehen, betrachtete ihre Stütze etwas von oben herunter und sagte streng: Das ist eine etwas naseweise Frage, Fräulein. Ich liebe so etwas nicht merken Sie sich das! Wollen Sie übrigens damit sagen, daß meine Tochter? " Fräulein Sophie kochte innerlich vor Wuth, daß sie sich in .diesem Tone maßregeln lassen mußte. Aber was half's? Sie hatte einmal dieRolle überKommen sie mußte sie zu Ende führen. Sie macht: also einen untnwürfigen Knicks vor der Gräsin und bericht:!e dann, was sie durch die Glasthür gesehen hatte. Ich danke Ihnen, Fräulein," sagte die Gräfin gemessen. Ich werde mir Herrn Fink mal ernstlich vornehmen; denn an solchen Dummheiten tragen die Herren doch immer allein die Schuld! Nicht wahr. Fräulein Bandemer? Das war ja doch auch Ihre 2lnsicht. als Ihnen das kleine Malheur mit dem Grafen passirte?" T Stich saß gut. Sophie mußte einsehen, daß sie ihren Einsluß auf die Gräsin weit überschätzt habe und daß sie gut thäte, in der Verfolgung ihrer Pläne nicht allzu sehr auf die Leichtgläubikeit und Lenkfamkeit der alten Dame zu bauen. Die Gräfin begrüßte Herrn von der Maltitz recht warm und stellte dann, nur so obenhin, ihre Stütze vor. Der Gast machte derselben eine höfliche Verbeugung, beachtete sie dann aber ga? nicht weiter, was das erwähnte Fräulein nicht wenig kränkte. Weißt Du nicht, wo unser Künstler steckt?" wandte sich der alte Graf an seine Gemahlin. Herr von der Mali$ ist ein Kenner und möchte ihm gern
sein Kompliment machen über die vorzügliche Aufnahme Deines Porträts Friedrich wurde entsendet, umHerrn Fink im Garten zu suchen. Die Gräfin setzte gleich hinzu, daß Komteß Viktoria wahrscheinlich mit ihm zusammen sein werde. Die Heiren nahmen das unterbrochene Gespräch wieder auf. Es war selbstverständlich von der Politik des Neichskanzlers die Rede gewesen und die Herren zeigten sich sehr befriedigt davon, daß der Fürst immer eifriger bestrebt sei, die Interessen der Landwirthschaft gegen die Uebermacht der Industrie, des Kapitalismus zu vertheidigen. Herr von Norwig hatte sich ziemlich schweigsam verhalten und nur hier und da auf die höchst junkerhaften Gemeinplätze des Grafen Bencken ein Lächeln nicht zu unterdrücken vermocht. Nun, Herr von Norwig," wandte sich der Senthiner Nachbar an diesen: Sie kommen ja aus Amerika. Sie sind gewiß unsern feudalen Ansichten da drüben ganz untreu geworden womöglich als rother Republikaner zurückgekehrt!" Q nein, durchaus nicht," versetzte
Norwig lächelnd. Ich habe im Gegentheil da drüben erst, recht erfahren, daß es mit dem blauen Blut doch eine ganz eigne Sache ist. Man kann dem Men schen jede Freiheit lassen, aus seiner Haut zu fahren steht darum doch nicht in seinem Belieben. Schiller hat ganz recht, wenn er sagt: Die Mehrheit ist der Unsinn! Es wird immer Sache des Einzelnen sein, der die Mehrheit zu tyrannisiren versteht, ihren Unsinn wieder gut zu machen, und diese Einzelnen, die den Muth ihrer eignen Meinung haben, die sind meiner Meinung nach die wahren Aristokraten. Es bildet sich in der Republik gerade so gut eine Aristokratie aus wie überall die Bedingung dazu ist nur, daß es dem Lande vergönnt ist. sich naturgemäß zu entwickeln, ohne durch gewaltsame Umwälzungen gestört zu werden. Ich habe mich daran gewöhnt, auch die sozialen Verhältnisse vom Standpunkte des Darwinismus zu betrachten." Graf Bencken machte ein recht einfältiges Gesicht und suchte in der Verlegenheit seinen Kneifer besser auf de? Nase zu befestigen. Und die Gräfin betoegte mißbilligend den Kopf und rief: Aha, ich habe mir's doch immer gedacht, daß Sie ein Freigeist sind. Es ist Ihnen also ganz einerlei, ob Ihr Stammvater Adam gewesen ist oder der erste beste Orang-Utang!" Ja, gnädigste Gräfin," lachte Norwig, dieser Zweifel macht mir allerdings keine Schmerzen. Ich habe ja auch den Trost, daß Adam noch eben so weit von dem würdigen Urjoko entfernt war wie ich von Adam. Sie sehen, auf diese Weise können wir alle unsern Stammbaum noch um ein halbes Dutzend Jahrtausende weiter hinauf verlegen und das ist doch ein erhebendes Bewußtsein." Graf Pfungk zog . die Brauen empor und strich sich über den Bart. Es war ihm peinlich, daß das Gespräch in Gegenwart seiner Gattin eine solche Wendung genommen hatte. Er liebte es überhaupt, dergleichen Dinge auf sich beruhen zu lassen und brachte daher das Gespräch wieder auf eine allgemeine Frage zurück. Sie sagten vorhin." bemerkte er gegen Norwig. daß sich in Amerika auch eine Aristokratie herausbilde. Sie meinen wohl die Aristokratie des Geldes?" Das Geld trägt allerdings dazu bei, eine Aristokratie zu schassen," versetzte Norwig, aber erst im Laufe mehrerer Generationen, nachdem sich die Anpassung an die neue Sphäre der Bildung und der ästhetifchen Lebensführung vollzogen hat. Es gibt keinen widerlicheren Plebejer als den reich gewordenen, wohl aber können sich in dessen Nachkommen die Spuren des trüben Ursprungs bald mehr oder weniger verwischen, je nachdem ernstes Bildungsstreben und die Beimischung neuen, guten Blutes die Veredelung der Rasse beschleunigen. Es können also nur vollständig stumpfsinnige Menschen, denen die Natur ein Buch mit sieben Siegeln ist, nicht einsehen wollen, daß der Adel eine naturnothwendige. oder sagen wir eine göttliche Einrichtung ist." Diese Wendung fand allgemeineZusiimmung, und Herr von der Maltitz setzte noch hinzu: Wir Landwirthe sollten eigentlich dieser Belehrung nicht bedürfen. Unser ganzes Streben geht ja doch im Grunde darauf hinaus, unter unserer Feldsrucht wie unter dem lieben Vieh Aristokraten zu züchten!" Nein, über diese verrückten neumodischen Anschauungen!" rief die gute Gräfin in drolligem Entsetzen. Da werden Sie wohl nächstens von mir verlangen, daß ich unsern Preisochsen mit eher cousin anreden soll!" Die Gräfin stimmte selbst in das heitere Gelächter mit ein, welches ihr Ausruf erregt hatte. Nur Karl Egon Emich hatte sich mit einem matten Lächeln begnügt, dieweil er eben einem großen Gedanken auf der Spur war. Es war ihm immer peinlich, stumm dabei sitzen zu müssen, wenn gebildete Männer ein ernsthaftes Gesprach führten. Er glaubte aber den Grundgedanken von Norwigs Ausführungen erfaßt zu haben, und wandte sich mit der Frage an diesen: Wenn ich Sie recht verstanden habe, müssen Sie also ein abgesagter Feind aller Mesalliancen sein?" Gewiß bin ich das," versetzte Norwig. den blonden Grafen argwöhnisch ansehend. Hatte diese Aeußerung eine ironische Anspielung enthalten sollen? Graf Bencken wußte ja. daß er selbst eine untergeordnete Schauspielerin von recht zweifelhafter Herkunst geheirathet hatte. Doch wurde es ihm nicht schwer, den Hieb, wenn es einer sein sollte, zurückzuaeben. Damit soll freilich nicht gesagt sein," fuhr er fort, daß ein Edelmann
nur ein Edelfräulein hetrathen dürfe. J:de Familie, in der Bildung und gute Sitte seit Generationen heimisch sind, halte ich für ebenbürtig; dagegen gibt es ja auch zahlreiche Adelsfamilien, in welchen nur Geistesträgheit und plumper Hochmuth erblich.sind. Es sind also sehr wohl Mißheirathen auch zwischen den ältesten Stammbäumen möglich." In diesem Augenblick wandte Fraulein Sophie aller Augen auf sich, indem sie unwillkürlich einen leichten Schrei ausstieß. Sie war sehr bleich und ihre Lippen bebten, als sie, vor die Grafin hintretend, mit fast keuchendem Athem stammelte: Verzeihen Sie. mir meine Ungeschicklichkeit, gnädige FrauGräsin! Ich habe beim Abtrocknen den Henkel abgebrochen." Sie reichte dabei eine der bewußten Familientassen hin. Te te te wie schade! Mußte es auch gerade Urgroßvater Jobst Heinrichs Hochzeitstasse sein!" rief die Gräfin, ihren Aerger des Gastes wegen mühsam unterdrückend. Jetzt erst kehrte Friedrich aus dem Park zurück mit der Meldung, daß er weder den Herrn Maler noch die Komteß habe finden können. Die Gräfin fühlte, daß Fräulein Bandemer sie ansah und rückte etwas ungeduldig auf ihrem Stuhle hin und her. Indem kam Komteß Marie, ihrem Versprechen getreu, heraus, und wurde von Herrn von der Maltitz ehrerbietig begrüßt. War Vicki vielleicht oben bei Dir im Zimmer?" erkundigte sich die Gräfin mit wachsender Unruhe. Die Komteß verneinte. 'Es scheint, daß ich nicht den Vorzug haben soll. Komteß Viktoria zu begrüßen," sagte der Senthiner bedauernd. Als ich das letzte Mal bei Ihnen war, ließ sich die Komteß auch nicht sehen. Sollte mir ein so ungünstiger Ruf vorangehen, daß die jungen Damen vor mir davonlaufen?" Hier erschien der Diener wieder und meldete, mühsam seine Lachlust unterdrückend, daß der alte Hinrich aus der Stadt zurückgekehrt sei und der Her? Bahnhofinspektor um die Ehre bitte. Der Herr Bahnhossinspektor!" rief der Graf erstaunt. Der Herr Bahnhossinspektor?" echote seine Gattin. Wenn oa nicht Herr Hinrich eine großartige Dummheit gemacht hat...! Sie gestatten vielleicht, daß ich den Herrn hierher bitte." Aus Herrn von der Maltitz verbindliche Zustimmung befahl sie dem Diener, den Bahnhossinspektor und zugleich auch den alten Hinrich herzuführen. Norwig glaubte zu bemerken, daß seine Frau, oder vielmehr Fräulein Sophie, die Farbe wechselte. Auch war es auffällig, daß sie sich immer noch hie? zu thun machte, obwohl Komteß Marie für Kaffee gedankt hatte und die Tassen von ihr bereits, wie die Gräfin es wünschte, gewaschen und abgetrocknet worden waren. Auch Graf Bencken hatte die Unruhe des FräuleinZ bemerkt, doch schrieb er dieselbe dem Zauber seiner Blicke zu, mit welchen er jeder ihrer anmuthigen Bewegungen gefolgt war. Jetzt trat derVahnhofsinspektor herein und verbeugte sich militärisch der Reihe nach vor allen Anwesenden. Der Graf ging ihm entgegen und reichte ihm die Hand: Ach mein lieber Herr Büchting was verschafft uns das Vergnügen?" Frau Gräfin wünschten mich zu sprechen," versetzte der Beamte einigermaßen erstaunt. Hinrich sagte, daß er mich gleich mitnehmen sollte und da ich gerade auf zwei Stunden dienstfrei bin...." Aber bester Herr," rief der Graf mit einem verwunderten Blicke auf seine Frau. Wir würden uns doch nicht erlauben, in dieser Weise über Ihre Zeit zu verfügen." Na, Hinrich, nu komm man driest hierrup und vertell mi mal, wo Di dat gähn is." Das sagte di: Gräfin mit einladender Handbewegung. Der alte Hinrich, der am Fuße der Treppe gewartet hatte, stolpert: die Stufen herauf, machte seinen Kratzfuß, und reichte, seine vier Zähne grimmig fletschend, der Gräfin ein Paket in weißem Papier hin. Da is de Kuhnhahn werrer," stottert: er. Hei seggt, hei wull mit sonne Saken nix to dhaun hebben. Hei wihr ein'n ehrlichen Minschen, seggt hei, un dat Fröln müchten man Ehren Breif mit sammt Ehren Kuhnhahn behollen." Wat is dat. Hinrich? Dat is ja einen verdüwelten Snack! Wän hast Du denn den Kuhnhahn örocht?" Je, den häw ick den Klavierstimmer Möller brocht un do is d: Breif vun dat Fröln." Sophie wollte den dargereichtenBrief rasch ergreifen, aber die alte Gräfin war schneller als sie und riß ihn dem Alten aus der Hand. Was ist denn das nun wieder?" rief sie mit einem vernichtenden Blick auf dasFr'äulein, nach dem sie die Aufschrift gelesen hatte. Sie schreiben hier an Frau Bandemer und haben uns doch erzählt, daß Ihre Mutter todt sei!" Norwig hing mit gespanntester ErWartung an Sophiens Lippen. WaS würde sie sagen! Was bedeutet: diese? ganze geheimnißvolle Vorgang, den die Vergeßlichkeit des alten Kutschers an den Tag gebracht hatte? DaZ Fräulein hatte sich rasch genug gefaßt und erwiderte mit wahrhast vornehmer Haltung: Ich habe wohl nicht nöthig, mich vor allen diesen Herrschaften zu rechtfertigen; doch werde ichFrau Gräfin unter vier Augen jede gewünschte Aufklärung ertheilen." Komteß Marie vermochte nicht mehr an sich zu halten. Sie sprang auf und rief, mit einer Handbewegung gegen Sophien, welche deutlich besagte, daß sie entlassen sei: Herr Firk wird imstände sein, uns die nöthige Aufklarung zv geben, Mama; er kennt die Familie. Banden: Genüge. Wir.
brauchen das Fraulein nicht langer zu bemühen." Und gleich dem Wolf in der Fabel er schien in diesem Augenblick Fink selber auf de, Treppe der Veranda und ihm folgte auf dem Fuße Komteß Vicki aber in welchem Aufzuge! Alle Anwesenden sprangen unwillkürlich von ihren Sitzen mit Ausrufen des Erstaunens. Aber ehe noch jemand eine Frage thun konnte, rief schonKomtefc Vicki äußerst vergnügt: Mama, Mimi! Denkt euch, ich bin in's Wasser gefallen und Herr Fink hat mich herausgeholt!" Und dann brach sie in ein unbändigesGelachter aus und schul teilt ihre noch immer triefenden Kleider. Und darüber lachst Du?" rief die Gräfin. Den Tod kannst Du Dir holen, wenn Du Dich nicht augenblicklich zu Bette legst!" Ja, Mama, erst war ich auch sehr erschrocken, aber es ist ja glücklicher weise gar nicht tief und dann kamen wir uns so furchtbar komisch vor." Vicki bemerkte jetzt erst Herrn von der Maltitz und unterbrach ihr Gelächter, um ihm eine rasche Verbeugung zu machen. Ach, guten Tag! Verzeihen Sie, ich sah Sie nicht gleich." Herr von der Maltitz wurde von ihrer Heiterkeit angesteckt und sagte lachend: Ah. Komteß, ich werde wieder anfangen, an Fscn zu glauben, seitdem ich eine so reizende Wassernixe mit meinen leiblichen Augen gesehen habe." Ah das war aber hübsch gesagt!" rief Vicki geschmeichelt. Sie bleiben doch noch, damit ich mich Ihnen auch in Zivil Präsentiren kann?" Jetzt werden keine Witze gemacht, sondern ohne Murren in's Bett gegangen!" schloß die Gräfin ziemlich unwirsch die Unterhaltung, nahm ihr Töchterchen beim Arm und führte es hinaus. Auch Meister Fink zog sich zurück, um seine Kleider zu wechseln. Fräulein Sophie schlüpfte, ohne weiter beachtet zu werden, hinter ihm in den Hubertussaal und holte ihn im Hausflur mit einigen raschen Schritten ein. Sie blieb an seiner Seite, während er die Treppen hinaufsUeg, und flüsterte ihm zu: Sie scheinen Ihr Versprechen recht bald vergessen zu haben!" Da versetzte er, unbekümmert ob jemand sie hören mochte, laut und barsch: Haben Sie ein Recht, mir Vorwürfe zu machen? Ich weiß jetzt, wie ich mit Ihnen daran bin, Sie falsche Heuchlerin Sie!" Still doch, still! Wie können Sie so schreien!" Aber Fink ließ sich nicht abhalten, mit noch lauterer Stimme fortzusahren: Nein, ich werde nicht schweigen. Meinetwegen mag es das ganze Haus hören, was ich von Ihnen denke. Eine Person, die sich nicht scheut, einen in Ehren graugewordenen alten Mann nichtswürdig zu verleumden, bloß um dem Sohne einen Tort anzuthun, von der wird man auch wohl sonst nicht viel Gutes zu erwarten haben." Sie waren auf dem oberen Flur angekommen, gerade vor dem Schlafzimmer der Komtessen. Sophie schritt rasch an ihm vorüber, um ihm zu entfliehen. Doch er war mit einem Sprunge an ihrer Seite, umfaßte mit hartem Griff ihren Arm und rief: Oho, dageblieben! Ich bin noch nicht fertig mit Ihnen! Ich will Ihnen nur offen gestehen, daß es mir doch noch sehr zweifelhaft scheint, ob Sie wirklich die Tochter der Tante Bandemer sind. Sie könnten zwar mit ihren verdammten Nedensar ten den Teufel betrunken mach'., aber seit dieser Niedertracht glaube ich Ihnen kein Wort mehr. Mir scheint dieser Graf Bencken ein besseres Gedachtniß für alte Zeiten zu haben, wie Sie!" Da that sich die Thür des Schlafe zimmers auf, die alte Gräfin erschien darin und rief, ihre ganze Würde zusammennehmend: Ich muß mir solche lauten Austritte in ineinem Hause ernstlich verbitten. Gehen Sie auf Ihr Zimmer. Fräulein. Ich werde Sie rufen lassen, wenn ich Zeit für Sie habe." Sophie gehorchte schweigend; Fink aber trat rasch auf die Grafin zu und suchte ihre Hand zu fassen mit den Worten: Verzeihen Sie, Frau Gräsin; ich weiß, daß ich mich sehr unpassend benehme; aber diese Dame hat sich in einer zu empörenden Weise...." Die Gräfin entzog ihm ihre Hand und unterbrach ihn: Schon gut, schon gut! Mit Ihnen möchte ich nachher auch noch ein Wort sprechen; aber jetzt ziehen Sie sich gefälligst erst mal trockene Beinkleider an." Sie warf ihm einen bedeutsamen Blick zu und begab sich wieder in das Zimmer zurück. Komteß Vicki lag bereits im Bett, als ihre Mutter wieder eintrat. Was hat er gesagt, Mama? Hat er es der alten falschen Person tüchtig gegeben?" erkundigte sie sich eifrig. Die Gräfin nahm auf dem Rande des Bettes Platz und sagte streng: Du hättest Ursache, nicht so vorlaut zu sein. Fräulein Bandemer that' nur ihre Pflicht, indem sie mir mittheilte, wie sehr Du Dich vergessen hast." Das brauchte sie Dir gar nicht erst mitzutheilen," rief Vicki. ohne sich durch den strafenden Blick ihrer Mama einschüchtern zu lassen; das hatte ich Dir schon selbst gesagt; denn ich liebe ihn so furchtbar, daß ich nicht ohne ihn leben kann! Ach Mama, Du mußt uns Deinen Segen geben, oder ich gehe in's Wasser." Vickis Augen glänzten in hellem Feuer, sie richtete sich auf und umschlang leidenschaftlich den Hals ihrer Mutter. Die Gräsin ließ das ruhig geschehen und sagte ganz trocken: Du kommst ja eben aus dem Wasser was willst Du denn da schon wieder drin?" O, ich suche mir die tiefste Stelle aus. Man kann sehr gut ertrinken in unserem Teich." Ich will Di? waS sagen. Kind," versetzte die Gräfin, indem sie sich aus der Umarmung Vickis befreite: Ich
w.e'm eine fcM bessere Abkühlung für
Dich: Du wirst mal ein bischen vzrreisen. Ich werde heute noch an Tantl Auguste schreiben, ob sie Dich für ein Jahr oder je nachdem, längere oder kürzere Zeit, gebrauchen kann." Wie!" rief Vicki entsetzt. Ich soll zu Tante Auguste in's Kränkenhaus? Doch nicht etwa als Schwester? Immer in schwarzer Wolle und den gräßlichen weißen Hut auf dem Kopf!" Ja. das sollst Du allerdings. Es scheint mir höchste Zeit, daß Du Dir das Leben auch einmal von einer andern Seite ansiehst. Ich habe geglaubt. Du wärest noch ein richtiges Kwd und habe Dich ruhig austoben lassen.. Ich habe auch gar nichts dagegen einzrrwenden, wenn Du einen jungen Herrn gern leiden magst und vergnügt mit ihm herumstrolchst. Aber sich gleich so mir nichts dir nichts mit ihm abküssen und hinter dem Rohr im Teich verkriechen, daß euch kein Mensch sinden kann,, und Koboltz in's Wasser hineinschlagen und dann schließlich noch um meinen Segen bitten das geht mir denn doch ein bischen zu weit!" Vicki brach in Thränen au5: .Aber Mama, was soll man denn anders machen, wenn man sich liebt? Man muß sich doch wenigstens küssen es sieht ja sonst zu dumm ausl" Wenn Du erst ein paar Jahre älter geworden bist, wirst. Du erst einsehen, wie dumm die ganze Geschichte sich ausnimmt mit oder ohne Küssen. das bleibt sich ganz gleich!" versetzte die Gräfin, welche Mühe hatte, der Naivetät ihrer verliebten Vicki mit dem nöthigen Ernste zu begegnen. Und dann fuhr sie fort, indem sie dem weinenden Mädchen mütterlich auf die Wangen klopfte: Du bist' wirklich noch eine so dumme Dirn, mein Kind, wie es sich für sechzehn Jahre kaum noch schickt. Ich will nicht, daß Du Dem Probejahr als Schwester für eine Strafe ansehen sollst. Ich will Dir nur Gelegenheit geben. Dich in Werken der christlichen Liebe zu üben und dabei ein sehen zu lernen, daß auch ein junges Mädchen von Adel, das es sonst nicht nöthig hätte, sich nüj.'licher und ernster und außerdem Gott wohlgefälliger beschäftigen kann, als wenn es zu Hau se wie so ein junger Hund in den Tag hineinlebt, und sich von jedem leichtsinnigen Künstler abküssen läßt!" Aber Mama," rief Vicki mit dem Brustton der Ueberzeugung: Mein Hans ist kein leichtsinniger KünsUer! Er ist ein so erfahrener, edler Mann schon zweiunddreißig Jahre alt! Und 'ein Philosoph ich sage Dir, ein Philosoph! Weißt Du, was er gesagt hat? Außer der Liebe wäre alles sauler Zauber in der Welt! Und das Leben hätte so verwünscht wenigSpaßHaftes, daß man immer dankbar mitnehmen müßte, was einem von Liebe am W:ge blüht ja, am Wege blüht, hat er gesagt!" Na, das ist ja recht nett!" rief die Gräfin, und ihre vollen Wangen schaukelten dabei es war nicht ganz klar, ob vor Entrüstung oder Vergnügen. .Ein recht gemüthlicher Philosoph, das muß ich sagen! Freut euch des Lebens, weil noch das Lämpchen glüht, pflücket die Rose, eh' sie verblüht!" Dein Hanswurstfink nimmt aber auch
mit Gänseblümchen vorlieb, scheint's! 1 Solche Bescheidenheit findet man heut- j zutage wirklich selten!" Vicki war sehr empört und schluchzte .' l r. rwi . taui aus: j yjtama, em spou wiro Dich noch gereuen! Du wirst es sehen, ich überlebe es nicht, wenn Du Hans, und mich auseinander reißt!" Na. na. tröste Dich nur," beruhigte die Gräfin; ihr sollt beide ganz bleiben; und jetzt wirst Du erst mal eine schöne Tasse Fliederthee trinken. Wenn Du erst ordentlich in Schweiß kommst, wird Dir schon leichter um's Herz werden. Du glaubst nicht, wie verliebten Leuten das Schwitzen gut bekömmt ich weiß es aus Erfahrung." Sie gab Vicki einen Kuß auf die Stirn, klopfte ihr noch einmal zärtlich die glühenden, weichen Wagen, und überließ sie dann sich selbst. Draußen auf dem Korridor überlegte die Gräfin einen Augenblick, welchen Theil ihres Richteramtes sie nun zunächst erledigen wolle. Sie entschloß sich, zunächst den Maler und Philosophen Hans W. Fink zu verhören, und stieg bedächtig die Treppen nach dem obern Stockmerk hinaus. Sie klopfte kräftig an seine Thür und rief laut: Herr Fink, haben Sie schon die. Hosen m?" Der Künstler öffnete ihr selbst und sagte, daß er eben im Begriff gewesen sei, hinunter zu gehen. Nein, bleiben Sie noch einen Augenbltck," versetzte die alte Dame. Wir können uns ja hier auch ganz gut aussprechen." Fink verbeugte sich zuvorkommend und bot ihr einen Platz auf dem Sopha an, indem er die darauf nachlässig hingeworfenen feuchten Klcidunstücke hastig zusammenraffte und in die Ecke auf die Erde schleuderte. Frau Gräfin haben Ursache, über mich ungehalten zu sein,- eröffnete er das Gespräch. Ich habe keine andere Entschuldigung für mich, als mein. K'ünstlcrblut und die unwiderstehliche Anmuth Ihrer Komteß Tochter." Dieses ehrliche Geständniß und die Art, wie es vcrgebracht wurde, beein slußte unwillkürlich die Gräfin zuguzsten des Verbrechers. Nun, es freut mich, daß Sie we nigstens nicht leugnen," begann sie. indem sie das erste beste Blatt Papier vom Tische nahm und sich damit KuhZung zufächelte. Ich hoffe, Sie öereuen auch aufrichtig, was Sie gethan haben!" Offen gestanden, nein?" platzte Hans heraus. Es war zu schön!" D Gräfin ließ die Hind mit dem Papier in ihren Schooh sinken und starrte den offenherzigen Maler wie ein L!:erwunder an. Colich sagte sie: .Nun freilich, bei Ihrer Windhund.-.
Philosophie braucht man sich über solche Verstocktheit nicht zu wundern. Aber sagen Sie mal, was d-'nken Sie sich tU gentlich dabei, wenn Sie solchem dummen Dinz, wie Vicki ist. einreden, daß außer der Liebe alles fauler Zauber wäre?!" Hans lächelte und erwiderte: Das ist allerdings meine feste Ueberzeugung, Frau Gräfin; unv Sie werden mir zugeben, daß " Gar nichts gebe ich zu, als daß Ihre sogenannte Philosophie der richtige faule Zauber ist! Ihre Ansrchte gehen mich freilich nichts an,, und chr Kunstler werdet wohl, alle nicht viel taugen; aber das möchte ich Ihnen doch begreiflich machen, daß man mm srmgenv unerfahrenen Mädchen nicht solche Dinge in den Kopf setzt. Ihr mögt euch dabei ganz wohl befinden,, wenn ih? als Schmetterlinge von einer. Blume: zur, andern flattert, aber für ein junges Mädchen ist solche Liebe ein zir gefährliches Spielzeug. Solch armes Ding. ist. imstande und grämt sich sein Leben, lang über so eine Dummheit, die ihr am andern Tage schon vergessen habt.. Anständige junge Mädchen lieben, nicht: auf Probe die wollen gleich gehei--rathet werden! Denn unglückliche Liebe, macht sie alt und dann kriegen sie sa leicht keinen Mann mehr. Es. ist etwasSchreckliches, so eine alte Jungfer, die sich von verliebten Erinnerungen nährt: und dabei immer noch unverrichteter Sache herumläuft! Ihr Männer könnt: das freilich nicht begreifen ihr sein uun einmal eine andere Sorte Mm--schen!" Ich gebe zu." versehte Fink nach--denklich, daß Ihre Schilderung unter Umständen zutreffen mag, wenn es sich um ein sentimentales Mädchen han-. delt. Aber von Komteß Vicki glaube ich das nicht. Die Sentimentalität liegt, ja auch gar nicht in der Familie Sie, Frau Gräfin, haben wenigstens nichts davon, .Sie mit ihrem goldenen Hu--L7or ich müßte mich sehr irren, wenn Komteß Vicki den nicht auch, geerbt.' hätte." Ach was! Lustigkeit und kindlicheUnvernunft sind noch kein Humor;, den haben höchstens alte Frauen, wie ich, die schon etwas im Leben durchgemacht ha.ben und wissen, worauf sie.sich verlassen können, vtnn ihnen die Welt einmal zu verdreht dorkommt." sprach die Gräfin. Und dann fügte sie noch hinzu: Aber Sie haben'doch we--vigstens nicht den romantischen Gedan--ken gehabt, etwa mit dem Kinde durchzugehen nach Gretna-Green, nicht wahr?" O nein, wahrhaftig nicht: Das habe, ich der Komteß auch gleich gesagt." Na, das ist schön, dann wird sich jcr die Sache vielleicht noch zurechtziehen," sagte die Gräsin. indem sie sich erhob.. Von Rechts wegen hätte ich Sie gleich ersuchen müssen." Ihren Koffer wieder zu packen aber ich kann noch nicht, gut mein Bild in dem jetzigen traurigen Zustande zum ewigen Gedächtniß. Ihrer..... Philosophie hier herumstehen lassen! Meine Tochter wird daher mor--gen das Haus verlassen, und Sie müssen mir versprechen, nicht wieder durch heimliche Briefe oder sonstwie mit ihr anzufangen. Geben Sie mir Ihre Hand darauf." Hans Fink war fehr bewegt, als u nach kurzem Zögern ehrlich einschlug-.. Ich verspreche es." sagte er. Nur eins erlauben Sie mir wohl! Daß ich die Zeichnung, die Sie eben in der Hand' hielten, der Komteß als Andenken las--sen darf?" Es war das Bild der lesenden Vicki,. und die Gräfin konnte- sich, nicht enthalten, bei dessen Anblick auszurufen Ach wie reizend, wie sprechend ähn-
lich! Ja, das mögen Sie. ihr gerne, schenken." Dann gingen sie zusammen hinunter. Unterdessen hatte sich dieHerrschaften. von der Veranda- in den Park begeben Graf Pfungk ging mit Herrn von der. Maltitz . und seinem Neffen voraus. während Komteß Marie;, von Herrn: von Norwig geführt, längsam folgte-.. Sie haben meine: Zeilen erhalten.?."' eröffnete Norwig- das' Gespräch. Ja," sagte, die Komteß; ich darrte? Ihnen für Ihren Vorschlag. Aber eine? Frage müssen Sie mir jetzt gleich beantworten: Ist. Jhre.'F.rau eine geborene Bandemer?" Keineswegs erwiderte er. Ich hu-, rathete meine. Frau unter dem Namen? Josephine Schweichel,. unter welchem, sie auch aufgetreten-, war. Ihre Papierewaren vollstänÄg in Ordnung. Ihre: Eltern habe, ich allerdings nicht mehr gekannt.doch hatt nrirJosephine verschiedene Briefe Ihres Vaters gezeigt aus welchen hervorginge daß .i gleichfalls Schauspielei und überdies ein Mann von originellem Gerst gewesen ist., wenn, auch ohne gurrliche Bildung. Auch die Mutter fass Schauspielerin gewesen., aber schoir gesturben sein, als Pepi noch ein Kind Nrn."' Und wie kmrmt die Frau- jetzt zu: diesem mxm Namen?" Das ist Mir selbst ein Räthsels Komteß. Sie v?eigkrt sich auf das aller.-.. bestimmteste mir darüber Auskunft, zu zebenp behauptet aber, daß man ihr keinerlei Fälschung nachweisen lönne, und daß cä ganz in vtjxtm Belieben skhe.. ob sie sich hier in Deutschland alä Frau von Norwig oder als Frau. Ban dem aushalten wollet Ich bin fest überzogt, daß. sie sich ihre neuen Papiere auf irgend eine unchtmaßige Weise asgeeignzb hat. Wir werden ja nun durch Herrn Fink ersahren. ob sie wirklich dieselbe SophBandemer ist, auf die ihre Papiere ausgestellt sind." Norwig blieb verwundert stehen. Er begriff nicht, was der Maler mit dieser Sache zu schaffen hätte und die Komteß miifcte ihn erst über dessen BeZiehungen, zur Frau Bandemer aui klaren (Fortsetzung folgt.)
m die Hiiift. Der Geruch der Seefische.
Unsere Hausfrauen klagen oft über den zu kräftigen Geruch der Seefische. In den Küstenländern wird dieser 'eeaeruch, der am frischen Fische anr stärksten ist, einfach dadurch beseitigt, daß der Fisch in Salzwasser bis zum Beginn des Kochens erhitzt wird: wirklich kochen darf er nicht. Dann gießb man dieses Wasser fort und kocht ve Fisch in dem schon heiß bereitstehenden eigentlichen Fischsude, mit den bekannten Wurzelwerlzuthaten gewürzte gar und laßt ihn dann ziehen Sir ppr von Sellerie Por6e. Etwcr 3 bis 4 Sellerie-Swu-den schneidet man mit einer Mohvrllbe und einer Por6e in ScheibM, dünstet sie- mit etwas magerem Schin ken und Butter gelb, giebt einige Losfei Mehl dazu- und rührt nach und nach eine Kraftbrühe von Kalbfleisch damit klar Nun laßt man die Supper kochen, bis der Sellerie weich ist. nimmt den Schaum und das Fett ab' und streicht sie.- durch ein feines Sieb Nachdem man sie noch kurze Zeit ge--kocht hat, wird sie mit m Butter gebratenen Sunmelkroutons oder Reiszur- Tafel gegeben. Gefüllt.? Eier. Von hartgesöttenen Eiern schneidet man dir Spitze ab und schalt das Innere vorsichtig heraus. Das Eiweiß, etwas gekochten Schinken, einige Pfeffergur ken und. So.rdellenfuets schneidet man in kleine Würfel und mischt sie durcheinander, das Eigelb dagegen drückt man. durch ein' Sieb und verrührt es mit Qel, Essig-. Pfeffer und Salz zu einer' wcken Sauce. Unter diese Sauce rührt man auch eine Mischung von einem halben Theelöffel Fleischeztrakt mit 3 Eßlöffeln kochenden Wassers', in der- man 2 Tafeln weißer Gelatine aufgelöst hat. Nun füllt man we Eier so' mit dem Gehackten lind der Saucen daß diese unten, in die Mitten und obew kommt: schließt die Eier miti der abgeschnittenen Spitze und richtet sie auf Endrvienblattern an, die mit' Essig. Oel, Pseffer und Salz angemengt wurden. Spargel mit H a m m e I-E otelette5. a l'Iraliennp. Nachdem die Eotelettes zurecht' geschnitten und von allem überslüssigen Fett befreit wor- . den, legt man sie eine Viertelstunde rn eine Marinade von Oel und gehackten feinen Kräutern und bestreut sie dann dick mit einer-Mischung von fein gehackten Champignons, geriebenem Weißbrot, gehackter Petersilie, Estragon, einer- gehkten Ehalotte, etwas Citronenschale und gestoßener Muskatblüthe,, was sehr gut vermischt sein muß. worauf man sie in Butter hellbraun brät und eine Sauce aus in Butter gebräuntem Mehl, kräftiger Fleischbrühe, einigen Löffeln Portwein und ein- wenig Estragon-Essig dazu bereitet. Man servirt dazu Spargel mit schöner goldgelber Butter. Sta-ngenspa-rgel. Der Spargel wird, nachdem er geschält und gewaschew, in Bündeln von 10 12 Stück zusammengebunden, in mäßig gesalzenes, kochendes Wasser gelegt und darin schnell weich gekocht. Alsdann hebt man' sie mit einer Gabel, die Bündel am Faden fassend, heraus, läßt sie etwas ablaufen, durchschneidet die Fäden mit einer Scheere, entfernt' dieselben und richtet den Spargel' sehr heiff auf einer zugedeckten Schüssel' an:. Man gibt dazu braune Butter. Beim Schälen de 'Spargels beginnt- man immer oben am Kopf;- den Kdpf selbst läßt man ungeschält. Als Beilage gibt man ' aeraucherten- Lachs oder geräucherte Zunge. T cru S-e w a Ia Crapandine, auf französische Ant Mehrere fleischige junge,- gehörig gesäuberte Tauben werden in- Hälften zertheilt, mit deut: Melettenmesser etwas breit geschla-. gen. im Olibenol getaucht, mit Salz.. Pfeffers gehackter Petersilie und kleinaeschnittenenr Schnittlauch oder ge Hackten Crrrlotten gewürzt, mit ge nebenem- Weißbrot überstreut und auf dem Rost schon braun gebraten. UM' dann mir sanco tartare oder EhÄotten-Sauce servirt zu werden. Er d lle e.-r k u ch e n. Ein Quart Mehl',, eiw Eßlöffel Salz. 4 Eßlöffel Zucker-, 2- Eßlöffel Butter, ein Eßlös. fet Schmalz- oder anstatt beider 3 EßILffeU Cooene. Das Fett wird ttilt in- Mehl gerieben, welch' letzteres mit- 3-. TVeelöffel Backpulver zusämmew. geffebt wurde. Zwei gut zer.kleppertr Eier werden hinzugegrö UNÄ dann so viel Milch eingeMrt. das? eZ nen weichen, glatten' Teig gibf Car. ein Pint Milch). Den Teig wird- in zwei Theile getheilt, ul-ge-rollt und dann wird erst der eikeTheil in d Pfanne gelegt,, mit Butter dick bestrichen, nachher der zioeite- Theil vbenanf. Man bäckt den Kuchen ca. 20 Minuten bei guter Hitze: Nachdrnr er herausgenommen, unv abgetuhlt ist. trennt, man die Halsten vorsichtig, breitet.- auf die untere eine dicke Lage nett Zucker durchmischter Erdbeeren. Itt die obere Hälfte auf und belegt diese mit recht hübschen Beeren. neÄ arrangirt-. Auch hier wird re'ichxch Zucke? aufgestreut und nachBelieben kann man mitZuckerund etwas Essenz geschlagenen Schn überbreiien und diesen tat Ofen etnuÄ festigen lassen. Besorgniß. Ich soll m ner Frau einige neue Musikalrm be sorgen, waZ können Sie mir empfehtot? .Vielleicht einige eue Ca-pricen?-JXm Gottesroillen. nur itc nicht! Capricen hat meine Frau ohnedies schon vitl ZU . : . ni viu; . j
