Indiana Tribüne, Volume 18, Number 253, Indianapolis, Marion County, 2 June 1895 — Page 2

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Du! Begleitet mich, bitte, auf die Hochneit meines trefflichen Vetters Theodor. Er heirathet ein Mädchen aus höchst respektabler und angesehener Familie; er bekommt nicht allein Schwiegervater und -Mutter, sondern auch neun Schwäger resp. Schwägerinnen. Zwei der Brüder seiner Braut sind bereits verheiratet, haben auch Familie, desgleichen drei ihrer Schwestern. Die Heirath meines lieben Vetters derschafft uns also auf besagter Hochzeit die Bekanntschaft und das Verwandtwerden mit sechs neuen Familien, ganz abgesehen von derjenigen verschiedener Einzelwesen von Tanten und Onkeln, deren Zugehörigkeit zu erklären, zu weitläufig sein würde. Wie es nun selbstverständlich ist und gar nicht anders sein kann, sind wir an dem betreffenden Tage insgesammt höchst liebenswürdig gestimmt und in cllerfidelster Laune; wir' lieben uns en ?ros, wir küssen und umarmen einander ohne Unterschied. Jemand verspricht sich auS Versehen, mit Absicht und sagt zu irgend Jemand .Du!" Natürlich nennen wir uns alle .Du", Kinder!" .Na, selbstverständlich!" fliegt es alsbald von Mund zu Mund. Ach, wir finden uns ja gegenfeitig so reizend, so allerliebst, daß wir ganz gerührt sind von dem Glück und dem guten Geschmack des jungen Ehepaares, ds sich beiderseits eine so unwiderstehliche Berwandtenschaar zugelegt hat. Was meint Ihr nun: Werden' wir einander nach vierzehn Tagen, wenn wir uns nicht im Hochznts-, sondern im Werktags-Gewande, nicht in festlich animirter Stimmung, sondern in mich terner Alltagsstimmung zufällig wiekr begegnen sollten, noch ebenso bestrickend liebenswürdig finden.wird uns das .Du" noch ebenso leichtflüssig und selbstverständlich über die Lippen gleiien, wie heute? Schwerlich! Diese Menschen, mit denen wir ein Bündniß in der frohen Erregung des Augenblicks geschlossen.sind uns ja im Grunde so fremd, so gleichgiltig, ja stellenweise sogar so unsym pathisch, wie nur möglich. Indessen man ist verwandt geworden, und begegnet man sich fortan im Leben, so werden die einmal angebahnten verwandtschaftlichen Formeln aufrecht erbalten: Man umarmt und küßt sich, man nennt sich .Du". Das schließt keineswegs aus, daß man sich im GeKeimen .offen gesagt", unausstehlich finden kann. Es läßt sich nicht gerade behaupten, daß es ein angenehmes Bewußtsein ist, Judasküsse zu geben und zu empfangen. Aus diesem Grunde wäre es besser, man schränkte das .Du" sagen und die damit verbundenen Liebesbezeugungen etwas ein und wäre damit nicht gar so sürwitzig bei der Hand. Zugegeben, unter Verwandten läßt es sich meist nicht gut vermeiden, man kann sich schwer ausschließen, wenn alle anderen eS thun, hingegen gibt es Fälle, in denen man sich vor Voreiligkeit in dieser Hinsicht schützen kann; nämlich unter Bekannten! Allzu schleunig vertauschen viele, die nur in aller Oberflächlichkeit mit einander verkehren, die geliebten Fürwörter und gehen vom Sie" zu dem vertraulichen .Du" über. Die Bekanntschaft erhält durch diesen Tausch den .Anstrich" der Freundschaft, obgleich sie weit davon entfernt ist. es zu sein. .Einen Scheffel Salz" spricht der Volksmund .muß man zusammen verzehrt haben, ehe man sich gründlich kennt", bevor 5ies aber nicht der Fall ist, kann doch von Freundschaft nicht die Rede sein, folglich ist das trauliche .Du" bei nur flüchtigem Sichkennen durchaus nicht am Platze. Das .Du", mit dem viele so rasch bei der Hand sind, ist im Allgemeinen ein Symptom ihrer Oberflächlichkeit. Es will garnichts sagen, mit der Freundschaft einer Person beehrt zu werden, die sich rühmt, mit derMenschheit gleich auf dem Duzfuße zu stehen; dagegen spricht e5 für die Reellität zweier Menschen, welche, ob sie sich gleich jahrelang kennen, sich leiden möen, es gut mit einander meinen, trotzdem mit dem .Du" zögern, einerseits, weil sie so gewissenhaft sind, sich immer noch näher kennen, noch besser prüfen zu wollen, andererseits, weil das .Du ihnen belanglos erscheint und nicht unumgänglich nöthig, um Liebe oder Wohlwollen auszudrücken. Das .Du" es ist keine Frage - bringt die Menschen in gewiffemSinne einander näher, es fallen mit dieser Anrede Schranken, die sie bisher trennten. Ob dies aber ein Vorzug ist ob es nicht sehr häufig besser wäre, 'die Schranken blieben errichtet, man gäbe sich weniger cordial wer 'will es ver neinen? Wie locker erweisen sich oft schnell geknüpfte Bande, wie wandelt sich aufwallende Sympathie häufig in Gleichgiltigkeit, ja, in Abneigung; wohin dann mit dem leichtfertig angebahnten .Du?" Darum prüfet: .Os sich das Herz zum Herzen findet!" .Wenn ja, dann ist es Zeit für das Du!" Schlechter Trost. Myra: .Laß Dir das nicht zu Herzen gehen, meine Liebe, und glaube nur nicht, daß Alice mit Jack wirklich verlobt ist. Du weißt, man kann sich niemals auf das verlassen, was sie sagt." Dora: .DaS ist's ja eben. Sie behauptet, sie sei ihm nur ein: Freundin." Nobel. Arbeiter: .Ich habe m der Zeitung gelesen, daß aus Ihrem Hause ein Hund entlaufen ist hier bringe ich ihn wieder!" Baronin: Sehr schön. . . Johann, drücken Sie ten Mann die Hand!" , , j i

Zwlegesang. Von Re inick.

Im Fliederbusch ein Vöglein saß In der stillen schonen Maiennacht. Tarunter cm Mägdlein im hohen Gras, In der stillen schönen Maiennacht. Sang Mägdlein, hielt das Boglem Ruh, Sang Vöglcin, hört das Mägdlein zu. Und weithin klang Der Zwicqesanq Das mondbeglänzte Thal entlang. Was sang das Vöglein im Gezweig Durch die stille schöne Maicnnacht? Was sang doch wohl das Mägdlein gleich Durch die stille schöne Maicnnacht? Von Fri'lhlingssonne das Vögelcin, Von Liebeswonne das Mägdelein. Wie der Gelang Zum Hcrzcn klang Vergeh' ich nimmcr mein Lebcnlang! In der Ucbersctzung von A. Bas. erville. TUE DU ET. Ey KKINICIC. There sat a little bird on a spray, 0a a silent lovely May dav's eve, On the grass beneath a maiden lay, On a silent lovely May day's eve. The bird was lmshed when tho maiden sanrr Then listened the maid when its warbling rang. And echoes prolong The duo soncj As they bear it the moonlit vale aloDg. What sang that little bird on the spray. On the silent lovely May day's eve? And what was the gentle maiden's lay. On the silent lovely May day's eve? The little bird sang os Spring so bricht, And the gentle maiden os love's delight. How that duet My heart bes&t I never, never shall sorget! Ztandrccht. Von W. Popper. Wir saßen vor dem Herrenhause der Vußta Desölak" und blickten gen Westen, wo eben die Sonne in aller Pracht' eines schönen Sommerabends unterging und selbst die aufsteigendenRauchfaulen in rosenrothe Wolkchen verwandelte. Die niedrigen, weißgetünchten Wirthschaftsgebäude, deren einzigen Schmuck die rings um den Irrst gehängten Maiskolben bildeten, die offene Scheune, auf deren Dach der Storch träumte, die verkrüppelten, sturmzerzausten Weiden am Bächlein drüben, durch das ein halbnackter Hirtenknabe watete, der langarmige Ziehbrunnen den die Stallmagd in Bewegung setzte. die weite Wiese, in deren üppigem Grase dleGrmen znpten diese ganze alltägliche, eintönige Umgebung erschien ln dem weichen, verklärenden Abendlichte stimmungsvoll und anziehend. Wir blickten in tiefem Schweigen gen Westen und ließen die Worte unseres Gastfreundes, der uns von den Opfern des letzten Freiheitskampfes erzählt hatte, nachklingen. Wie das Scheiden einer großen Seele die ganze Umgebung verklärt, so daß alles Gemeine verschwindet und selbst das Geringste bedeutungsvoll wird, so erfüllt das Scheiden der Sonne Alles rings umher mit feierlicher Andacht, mit ahnungsvollem Schweigen. Unser freundlicher Hausherr, der greise Ambrostus Oesy, blies dichte Rauchwolken in die stille Äbendluft, feine Frau hatte die Hände mit dem Strickstrumpf in den Schooß sinken lassen; unter dem seidenen Kopftuch, das sie nach Art der Bäuerinnen tief in die Stirn gezogen, fah man die feinen Züge der Aristokratin, die klugen, weitblickenden Auc?en der erfahrenen Greisin. Neben mir saß der Großneffe der Oesys, mein alter Schulcollege Arpad, der gleichzeitig mit mir auf der Universität Heidelberg von den Jrrthümern der Rechtsgelahrtheit genippt und sich in die Wahrheit des Weines versenkt hatte; er trug die kleidsame Uniform eines Husarenofficiers und beschäftigte sich damit, die feinen Spitzen seines schwarzen Schnurrbartes nadelspitz zu drehen. Die tiefe Stille ward durch das Bimmeln der H:erdenglocken unterbrochen; die Kühe kamen bedächtigen Schrittes, geneigten Kopfts von der Weide und 'suchten ihre Ställe aus; ihnen nach kehrten stampfend, spnn gend, schnaubend und spielend die Pferde und die Fohlen heim; es war ein herrlicher Anblick, wie sie m ungebundener Kraft, ihre Mähne schüttelnd, über die weite Ebene galoppirten; der Pferdehirt, der in seinem weiten, weißen Beinkleid, mit der kurzen Peitsch bewaffnet, neben ihnen herlief, hatte Mühe, sie zusammenzuhalten und zu bändigen. Eine schöne brvneStute lief zu uns herüber uu'd schnupperte an den Tafchen des alten Herrn, die stets für sie gefüllt waren. Das ist Saroltas Sugar" wo nur wieder der Wlldfang bleibt Du hast recht, Frau, über dem Schwatzen von alten Tagen haben wir die Kleine vergessen. Denique, so sind die jungen Männer heutzutage. statt einem hübschen Madchen nachzu laufen, sitzen sie bei den langweiligen Greisen; zu unserer Zeit war das anders, nicht wahr, Alte?" Komm, Ivan, wir wollen die Sarolta suchen sagte Arpad, seinen Arm um meine Schultern legend. In dieser Stellung, neben meiner stark vor

geneigten Gestalt, mußte seine Haltung wahrhast edel und stolz erscheinen und nie war er wohl schöner, als wenn sein mit schwarzen Locken bedeckter Antinouskopf sich an mein schmales, blei ches Gesicht schmiegte. Er führte mich den langen Säuleagang hinab und blieb vor t'm: offenen Fenster stehen. Gewiß ist sie wieder bei der alten Oerzse und läßt sich Ammenmärchen erkählen; komm, wir wollen sie belauschen!" Das Halbdun!:! in dem niederen Zimmer ward noch durch den dichten Epheu vermehrt, der sich um das Fenster rankte, dennoch konnten wir einige Gegenstände genau unterscheiden: den grünen Kachelofen in der Ecke, das hochgethürmte Bett, die mit gelben Tulpen und rothen Rosen bemalte Holztruhe und das Spinnrad, vor dem eine gebeugte Gestalt saß. Das magere, gefurchte Gesicht erschien alt, die halbnackten braunen Arme waren runzelig, doch der glatte Scheitel war noch schwarz und glänzend wie Nabengefieder, die Augen blitzten im Dunkeln wie Katzenaugen und die Stimme klang hell und jugendsrisch. Auf der Truhe und dem Fenster abgewendet, saß der vermißte Wildfang", die Arme um das rechte Knie geschlungen, die zarte Gestalt horchend vorgeneigt; vom Kopfe war nur ein Theil deZ ausdrucksvollen, von kurzem Lockenhaar umrahmten Profils zu sehen. Und dann, Dada, und dann ?" frug sie. Nun, und dann sagte Pista, daß die armen Burschen sich mit dem Hammel, dem Speck und dem Laibe Brot durchaus nicht begnügen wollten, daß sie darauf bestünden, in das Zimmer der Herrenleute geführt zu werden. Dein Großvater und seine Söhne waren zu den Wahlen in die Stadt gefahren und Deine Großmutter hatte Niemand an der Seite als mich, die ich damals ein blutjunges, unerfahrenes Ding war, dennoch verlor sie ihre Fassung nicht. So laß sie hereinkommen.

Pista, sagte sie, sich stolz aufrichtend. Ja, stolz und schmuck war sie in der enganliegenden verschnürten Sammetjacke sie hatte in sechs Komitaten nicht ihresgleichen und wir gehorchten ihr auf den bloßen Wink, lasen alle Befeble von den stolz blitzenden Augen. Wie so ganz anders war Deine sanfte Mutter, deren Taubenaugen niemals blitzten und der wir, vom mürrischen Gärtner bis zur letzten Stallmagd, dennoch alles zu liebe thaten arme gute Seele! Aber, was ich doch sagen wollte also da kamen die armen Burschen, die dem Pista auf dem Fuße gefolgt waren, herein, schlössen die Thüre, nachdem sie alle Dienstleute', mich ausgenommen, hinausgeschoben hatten, und traten vor meine Herrin hm. Wie die beiden anderen Burschen ausgesehen, weiß ich nicht genau zu sagen, ich 'glaube, sie hatten geschwärzte Gesichter und abgetragene Kleider denn ich hatte nur Augen für den schwarzen Gyuri, den kühnsten, gefürchtetsten aller armen Burschen, der in seinem rothen Wams mit Silberknöpfen, seinen weiten, gestickten Aermeln. den mit Lammfell geflltterten Mantel über die Schultern gehängt und den runden Hut in der Hand, stolz und stattlich vor uns dastand." Haben Sie keine Furcht vor uns, sprach er sanft. Sie waren uns immer großmüthige Gönner, die uns nie eine Gabe verweigerten, aber jetzt sind die Zeiten hurt und schwer und wir können uns mit dem gewöhnlichen Zehent nicht mehr begnügen. So möget ihr es bleiben lassen, erwiderte meine Herrin und ihre Stimme klang wie Erz. Mein Mann hat euch stets zu viel Nachsicht bewiesen, aber damit ist es nun gfl Ende. Erinnert euch, daß vor einigen Tagen das Standrecht für ganz Ungarn verkündet wurde: Ein Wink und euer Leben ist verwirkt! Jetzt aber ist Dein Leben in unserer Hand, schrie einer der Räuber mit heiserer Stimme. Ihr praßt und schwelgt in euren warmen Stuben und habt für den Hungernden und Frieren den nur Drohungen; das sollt ihr auf der Stelle büßen, das Statarium ist nicht nur für die armen Burscben da! Damit wollte er sich auf Deine Großmutter stürzen, die nun doch erblaßt und zitternd au meinem Arm lehnte. Halt ein, rief der schwarze Gyuri. den Burschen zurückreißend, indem er ihm eine Pistole vor den Kopf hielt. Es ist eine Feigheit, eine wehrlose Frau zu überfallen und wer von euch noch einen Versuch macht, die Herrin des Hauses zu ängstigen, wird sofort niedergeschossen! Ich danke Dir. sagte meine Gebie terin, sich wieder aufrichtend, nun sage mir, was Du forderst und dann ziehe in Frieden. Gewähren Sie mir nur dreiDinge; wer weiß, wie bald das Standrecht mein Haupt fordert! Sprich, ich vertraue Dir, daß Du nichts Unbllliaes verlangen wirst. Ich erbitte mir dic Geige Ihres Sohnes, die dort an der Wand hängt, 'in Glas Ihres feurigsten Tokayers und einen Kuß von den rothen Lippen dieses Kindes ' dabei zeigte er auf Mich. Ohne eine Zustimmung abzuwar ten, riß er die Geige von der Wand und spielte einen Csardas. Ich versichere Dich, mein Kind, ich hatte noch nie so stürmisches Herz klopfen wie an jenem Abend und den noch zuckten mir die Fußspitzen, so wußte, der schwarze Gyuri den Bogen zu führen! Ich mußte ihn immerzu ansehen, wie er dastand, die blitzenden Uugen aus mich geheftet, d:e Lippen

unter ttzi schwärzen Schnurrbart zuckend, man wußte nicht recht, ob von verhaltenem Lachen oder Weinen. Wir

nickten einander zu, dann legte er die Geige hin. faßte mich um den Leib und anztc vor den Augen meiner strengen Herrin mit mir durch die Stube. Trotz der schweren Stiefel, die ich anhatte. flog ich so federleicht in seinen Armen dahin, als ob ich Flügel gehabt hätte und fühlte mich so frei, so selig, als ob ich mich im Himmelreiche, statt m den Armen eines Räubers befunden hätte. Als ich wieder den Boden unter meinen Füßen fühlte, druckte er einen heißen Kuß auf meine Lippen, hob das Glas Tokayer, das ihm Deine Großmutter eingeschenkt, hoch in die Luft, leerte es in einem Zuge und rief: Es lebe die Freiheit und die Liebe! Dann verschwand er mit seinen Gefährten im nächtlichen Dunkel und ich habe ihn nicht wieder gesehen. . Einige Wochen spater haben ihn die Panduren im Bakonyer Walde auf frischer That ertappt, vor das Gericht geschleppt, wo er standrechtlich verur theilt und gehangt wurde. Die alte Frau hatte den Kopf auf die Hand gestützt und blickte träumend vor sich hin. bis eine sanfte tiefe Stimme der Wlldfang hatte wirklich eine ungewöhnlich tiefe Stimme für ein so zartes, kleines Mädchen das Schweigen, unterbrach. Arme Oerzse. und dann? Einige Monate später habe ich den Janos geheirathet und hätte an seiner Seite wie eine Königin leben können, wenn ich nicht immer den andern, der so jung sein Leben lassen mußte, im Sinne, gehabt hatte. Wenn der arme Mann sich geduldig wie ein Lastthier sür uns plagte, damit wir am Sonntag Schweinebraten essen konnten, dachte ich nur: wie viel lieber hätte ich an des anderen Seite gehungert! Wenn wir Abends stall und friedlich beim Feuer saßen, mein Mann mit der Pfeife im Mlnde schlummernd und nickend und ich unser Kind wiegend, da seufzte ich: wie viel lieber wäre ich mit dem anderen durch das Dunkel der Wälder gefchlichen, ohne Dach und ohne Herd, wie das scheue Wild vor den Panduren flüchtend, statt hier warm und weich im sicheren Neste zu sitzen! Als ich dann mein einziges Kmd verlor und Dich statt seiner nährte, da ist das Feuer aus meinem Blute in Deine Adern geflossen, so daß Du ktx tapfere kühne Wildfanq geworden bist. der Niemand gehorcht als seinem eigenen, stürmisch klopfenden Herzen. Und wenn die Stunde kommt, in der ein Mann dies Herz erobert, dann will ich zufrieden sterben, denn ich weiß wohl, was das für ein Mann sein wird: em hoher, stattlicher Junglrng mit schwarzem Lockenhaar, mit feurigem Ungarblut in den Adern, dem kein Pferd zu wild, keine Frau zu stolz. kein Wagestuck zu kühn sein wird! Kein anderer Mann wird Dein Herz bezwingen und bis der nicht kommt, kann ich nicht sterben." Dann wirst. Du lange leben. Dada. denn die armen Burschen sind ausgestorben! Es soll ia auch kein armer Bursche sein, Sarika; er wird reich und schön und stattlich und dennoch Eine heftig schüttelnde Bewegung der braunen Locken unterbrach die Rede der Alten, ich aber fühlte mich plötzlich mit eisernem Griffe erfaßt und vom Fenster fortgezogen. Komm. Ivan, es wäre Mangel an Zartgefühl, wenn wir uns jetzt zeigen wollten", flüsterte Arpad und bog mit mir um die Ecke des Hauses, gegen Wiese und Weiher hin. Nachdem wir einiaemale schweigend auf und ab ge gangen, begann Arpad in einem Tone, wie wenn er eine Sedankenreihe halb unwissentlich laut fortsetzte: Sie ist ein verteufelt hübsches und schneidiges Mädchen, voll Temperament und wilder Grazie; ich möchte sie im Herbst in Pest einführen die Alte thut ja alles, was ich will nur weiß ich nicht, ob die sremdeUmgebung, der ungewohnte Ton der Vergleich mit den gewandten Salondamen mein Gott, sie ist so weltfremd, glaubst Du nicht auch. Ivan?" Ja, ich glaube wohl, daß der Vergleich mit ihr den Damen Deiner Gesellschast schaden wird; wie abgeschmackt wird sich ihr Wesen gegen Saraltas natürliche vernünftige Art sich auszudrucken und Menschen undDlnze aufzufassen, ausnehmen. so wie sich Schablone gegen Originalität, Kun stelei gegen Wahrheit, Stelzengang ge gen Anmuth verhalten; wenn Du das befürchtest, hast Du allerdings recht. Ivan, wenn Du nicht ein kalter Schwab", ein Deutscher von Geburt und der Wildfang eine Chauvinistin wäre, die lieber m's Kloster ginge, als kurz, ich wäre stark versucht. Dich als Nebenbuhler zu furchten! Nach dem Gespräche, das wir -eben belauscht, hast Du keinen Nebenbuhler meiner Art zu fürchten, noch auch viel Ermuthigun Dich an besagtem Feuer zu erwarmen! Ho, ho, darum ist mir nicht bange; ich werde das Feuer schon anzufachen und das Eisen zu -schmieden wissen! Und wahrlich, das that er auch! Während ich nach dem Abendessen mit dem alten Herrn Karten spülte, hatte Arp sich zu Sarolta gesetzt . und hauch und blies und schürte und schmiedete, daß die Funken sprühten. Er schilderte das Leben in der Haupt stadt so verlockend, daß die Augen de? alten Dame, die vorgeneigten Hauptes fast athemlos lauschte, zu sunkeln.be aannen. Nicht wahr, liebe Frau Tante, Sie kommen mit Sarolta?" wandte er sich schmeichelnd an sie. Eine alte Frau wie ich," antwortete sie, die Mundwinkel senkend und

die Augen halb schließend, die so viel

trauriges und Schweres erlebt hat, iebt die Ruhe und die Einsamkeit über alles, aber ich kenne meine Pflichten und bin für meine Enkelin zu jedem Opfer bereit." Wir werden Ihre selbstlose Gute zu würdigen wissen, Frau Tante, und was Sie anbelangt, Väschen, werden wir Himmel und Erde rn Bewegung setzen, um Sie zu unterhalten. Nicht wahr. Ivan?" Ja, und nachher werdet ihr euch über die ungeschickte Landpomeranze belustigen!" rief Sarolta, den Kopf zu mir wendend. Ei, warum nicht gar eine Pomeranze." sagte ich neckend, welch' schmeichelhafte Jdeenöerbindung fo schwören Sie da herauf! Wo im dunklen Laub die Goldorangen glühen in Anbetracht Ihrer Hermath, der flachen, sandigen Pußta, könnten wir Sie eher mit einer Hagebutte am Heioerostnstrauche vergleichen. Nehmen Sie sich in acht, Herr, der Hagebuttenstrauch ist stachelig!" D, er wud höchstens unerfahrenen Schäfchen gefährlich, nicht aber Löwen!" Die alte Dame konnte den vertraulich neckenden Ton, den wir immer anschlugen, wenn wir mit einander sprachen, nicht leiden, und mich' mit ihren scharfen Augen messend, rief sie spättisch: Seyen bei euch die Löwen so aus?" Manchmal wohnt auch in der schmalen Brust ein Löwenhcrz," cmibette ich mit scherzhaftem Pathos. Gut gebrüllt, Löwe," rief der alte Oesy, mich auf die Schulter klopfend. Wo kommt das vor, Großvaterch:n?" Im Sommernachtstraum." Wie, die Hagebutte am Heiderosenstrauche kennt Puck nicht und Oberon und Titania?" rief ich aus. Ich weiß, warum sie dies und das und vieles andere nicht kennt," fiel die Großmutter ein, und da die schüttelnde Bewegung ihres Kopfputzes eine unheilvolle Fortsetzung vermuthen ließ, unterbrach sie der gute Großvater schnell: Weil sie den Petöfi und den Arany Janos liest" Warum nicht gar, Sie irren." - die alte Dame duzte, altungarischer torne getreu, lh?en Gatten niemals - entweder sie rast auf ihrer wilden Stute über dic Heide hin oder sie sitzt in der Splnnstube und laßt sich Am menmärchen erzählen." Das ist wohl wahr, Großmutter. aber die alte Oerzse erzählt mir die Werke emerDichterln, die Shakespeare, Schiller und Goethe, Petöfi, Arany und alle Dichter der Welt in den Schatten stellt. Ihre Gestalten sind echt und dennoch ungreifbar; alle Gaben, mit denen uns diese Dichterin überschüttet, sind unsichtbar, das em Zliae. das seine Macht der Welt uns zu rauben vermag! Der alte Oesy legte den Arm um den geliebten Wlldfang, der seine Rede schalkhaft begonnen und ernst geendet hatte, dessen Schelmenaugen nun in Thräne schwammen. Du meinst die Dichterin Erinnerung, mein Liebling; komm, erzähle uns, was die alte Oerzse sagte!" Erzählen kann ich es nicht, aber ich will es Dir vorspielen, Großvater. Sie setzte sich an den 5?lül und spielte jene ungarischen Melodien, die lachend weinen, jauchzend klagen und zitternd tanzen; die mit dem Herzen gespielt und mit dem Herzen gehört werden. Während ich am Flügel lehnte, sah ich, wie Arpad im Nebenzimmer die beiden Alten in eine Ecke zog und mit ihnen flüsterte, fah, wie derGroßvater unwillig den Kopf schüt telte und erst auf Zureden seiner Gat tin die Achseln zuckte und endlich köpfnickend zustimmte. Dann kam Arpad herüber und lehnte sich über Saroltas Stuhl. Verzeihen Sie, daß ich Sie störe, aber ich fühle Mich nicht ganz wo 4!, auch muß ich heute Abend noch mein Bündel fchnllren, da ich mich morgen in Pest melden soll. Ohne einen Gutenachts grüß von Ihren Lippen kann ich aber nicht gehen; schlafen Sie sanft, Wildfang, und träumen Sie den schönsten Sommernachistraum mit der passenden Musikbegleitung Sie kennen ja Mendelssohns- Hochzeltsmarsch! Gute Nacht!" Er sah wirklich blaß aus, indem er sich über die kleine Hand neigte und it an seine Lippen zog. Ich wollte ihm folgen, aber der alte Oesy hlt mich zurück. Der Wildfang soll uns noch aufspielen, Sie haben ja keine Kopfschmerzen und keine Herzschmerzen, bleiben Sie noch! Ich 'blieb und hörte den Csardas spielen, sah, wie der arme Bursche das Mädchen um den Leib faßte und dem Tode entgegentanzte, ich hörte die Dichterin Erinnerung flüstern, leise und geheimnisvoll, wie wenn der West wind über die Pußta streicht, und ich fühlte das Wehen eines fußen Hauches doch plötzlich, im leisesten Plams simo brach die Spielende mit einem schrillen Accorde ab und starrte mit weit aufgerissenen Augen nach der Thüre. Dort stand der alte Pista und rief: Arme Burschen sind da und der Anführn will mit dem Herrn reden!" Ihm nach stürzte die alte Oerzse herein. Jesus Maria," schrie sie schreckensbleich, es ist der schwarze Gyuri, wie er leibte und lebte, er ist von den Todten auserstanden! Scbon war der Räuber eingetreten, hatte d beiden alten Dienstboten hmausgeschoben und trat nun drohend vor den Hausherrn hm. Auf seinem geschwärzten Gesichte glühten die Augen wie Kohlen, das 1 Haar hing wirr in die Stirne, der ver

schnürte Rock mit den nußgroßen Silverknöpfen stand offen und ließ ein

zerrissenes, blutbeflecktes Hemd sehen. Im Gürtel staken Messer und Pistolen. Sarolta war zu der Großmutter geeilt und hatte den Arm schützend um ihre Schultern gelegt und ich war neben den alten Herrn getreten, um ihm nach Kräften bcizustehen. Was willst Du von mir?" rief Oesy unerschrocken, mein Verwalte? wird euch eimn Hammel und einige Flaschen Branntwein geben." Dieser Ring gefallt mir, den mochte ich haben." Der Bursche ergriff die Hand Saroltas, an der ein Diamant blitzte, und machte Miene, sie an sich zu ziehen. Ich suhlte, wie mir das Blut zum Gehirn schoß; da ich keine Waffe bei der Hand hatte, riß ich den Fokosch (Beilstock) des Hausherrn aus der Ecke, schleuderte die Hand des Raubers zurück und stellte mich ihm kampfbereit gegenüber. Der Bursche wollte mich entwaffnen da ertönte ein wilder Aufschrei Sarolta hatte sich zwischen uns geworfen und rief, mich mit beiden I Armen umklammernd, dem Räuber zu: Ich gebe Dlr den Ring und alles, was ich habe; todte mich, wenn Du willst, aber thu ihm nichts zu leide!" Der Rauber fuhr betroffen zurück; die alte Dame versuchte vergebens, die Enkelin von meiner Brust zu lösen und rief mit vor Wuth bebender Stimme: Sarolta, Kind, besinne Dich, sei doch nicht so thöricht; das ganze ist ja nur ein Scherz, nur die ErfiÄung von Oerzses Prophezeiung! Er ist kcm Räuber, sondern unser lieber Arpad, der Dich über alles liebt und Deine Hand begehrt. Komme doch zu Dir! Lassen Sie sie, Frau Tante." sagte Arpad jetzt mit seiner natürlichen Stimme. S:e sehen, aus demSplele ist Wahrheit geworden; ich bin ein armer Bursche, der die Strafe für sei nen Uebermuth erleidet!" - Der Wildfang' wollte sich jetzt beschämt aus meinen Armen lösen, aber der Großvater legte die Hände auf unfere Kopfe und sprach: Ich verkünd? hiemit feierlich das Standrecht; dieser arme Bursche ist unschuldig, aber den Duckmäuser da habe ich auf frischer That ertappt; er bat mir mein liebstes Kleinod, das Theuerste, was wir auf Erden noch besitzen, geraubt, deshalb hat er seine Freiheit verwirkt und muß zeitlebens die schweren Ketten ehelicher Knechtschaft tragen! Die Großmutter schüttelte den Kopf, entweder protestlrte sie gegen die freventliche Deutung des ehelichen Glückes oder gegen den unerwunfchtenUrthells spruch ich aber, der ich so oft die Unfehlbarkeit der Jurisdiktion ange zweifelt, diesmal neigte ich das Haupt ergeben vor der Gewalt des Stand rechts, vor der Autorität des Richters und vor der geheimnißvollen, unwiderstehlichen Macht, die das Herz zum Harzen zieht! Die stumme Frau. Ein Mann hatte eine Frau, die war stumm und das war für den Mann sehr unangenehm, well er diel Lange weile hatte. Er ging also zu einem Arzt und bat ihn. daß er seiner Frau zum Sprechen verhelfen mochte. Zu gleich stellte aber der Mann dem Arzte eine gute Belohnung m Aussicht und dieser war daher nicht faul, machte sich sogleich an s Werk und loste der Frau die Zunge. Diese Zunge aber wollte nun das Versäumte einholen und ging wie ein Mühlrad in einem fort, Tag und Nacht und dem armen Manne wurde zuletzt ganz bang ob dem ewigen Klippklapp! und Klippklapp! und er ging wieder hin zu demselbigen Arzte und bat ihn, daß er doch bei seiner Frau den alten Zustand wieder herstellen möchte; denn so halte er es nicht mehr länger aus und er sei gewiß gern bereit, ihn zu belohnen, ja noch besser zu belohnen als das erste Mal, wenn er ihm nur diesen Gefallen erweisen wolle. Allein der Arzt erwiderte, es thue ihm leid, daß er ihm nicht zu Willen sein könne; denn er könne wohl Stummen die Sprache verschaffen, aber Sprechende stumm zu machen, das gehe über sein Vermögen und er solle sich also in Gottes Namen zufrieden geben. Wie aber der gute Mann immer und immer wieder in ihn drang und ihn bat, er solle sich seiner erbarmen, da ging auf einmal em geheimes Schubfach w des Dociors Gehirnkästlein auf und er rief aus: Wenn Du mir fünfzig Dukaten bezahlen willst, aber im voraus, so werde ich Dir helfen, daß Du unter derSchwatzhaftigkeit Deiner Frau nicht mehr sollst zu leiden haben!" Der Mann war gerne dazu bereit, zählte dem Doctor sogleich fünfzig Dukaten hin und sprach: Hier hast Du Deinen Lohn! So jetzt hilf mir!" Der Doctor nahm das Geld alsbald in Empfang und machte den Mann taub! Und siehe da: dem Mann 'war geholfen. , und dem Doctor war gebolfen und der Frau auch. Wenn ?ber der Mann hätte sprechen wollen, so würde er ohne Zweifel gesagt haben: O hätt' ich's berm Alten gelassen, dann wäre es noch besser gewesen! Denn damals, 0, da war es sehr gut!" Schlagfertig. Zur Zeit der Belagerung von Paris begegneten zwei über Nacht Officiere gewordend Pflastertreter dem inzwischen verstordenen chinesischen Gelehrten Tin-Tun-fting aus einem der Boulevards. Der wäre jetzt auch lieber in Peking," bemerkte ziemlich laut der eine der Hei. den, worauf sich der Chinese umdrehte und mit seiner sanften Stimme ruhig erwiderte: Und Sie in Berlin." .

Aie unvorsichttgen ylaubigcr. Eine lehrreiche Geschichte von EZotien.

In der Gegend zwischen Griechenand und Argentinien lebt ein mächtiger Monarch, der heißt Pumpo der Große. Ein wunderschöner Strom, die reißende Pleite, fließt mitten durch sein Land und mächtige Berge, unter denen der große und der kleine Mechulle besonders hervorragen, erheben ich dort, mit ewigem Schnee und Hypotheken belastet, in den blauen Aether. Eines Tages brauchte dieser Monarch wieder Geld, sehr viel Geld. Im Innern seines Reiches konnte er keines mehr auftreiben, denn die Unterthanen zerfielen schon seit langer Zeit 1 . , in zwei naiegorien: oiqt, Venen er schuldig war, und solche, die ihm nicht mehr pumpten. Da beschloß er denn. sich an den auswärtigen Geldmarkt zu wenden und seinen mit achtprocentigen Vollmachten versehenen Finanzminister an die Börsen von Berlin, London und Baris zu schicken. Der Finanzminister. Vorao dr Posto, reiste ab und setzte sich alsbald mit den Häuptern bedeutender BankHäuser in Verbindung. Da fragte man ihn: Welches Unterpfand könnt Ihr uns zur Sicherheit bieten? Unfere Kapitalisten .sind schon sehr oft übers Ohr gehauen worden und es konnte doch möglich sein, daß die Dummen endlich alle geworden sind." Vorgo vl Posto erwiderte: Ich bin I s. sT..y. r ,, r rr r in ver agc, uua lammliiaze zitn bahnen, die sich in dem Reiche meines erhabenen Monarchen befinden, als Unterpfand zu bieten." Sämmtliche Eisenbahnen?" riefen die Financiers erfreut. Das läßt sich hören! Vorausgesetzt, daß sie nicht bereits anderweitig verschuldet ,sind." Auch hierüber." entgegnete der exotische Minister, bin ich in der Lage, Euch jede Beruhigung gewähren zu können; die Eisenbahnen, die sich in meinem Vaterlande befinden, sind bis jetzt ganzlich schuldenfrei." Sogleich machten die Chefs der deutschen, englischen und französischen Bankhäuser große Prospekte und luden das Publikum zur Zeichnung der allerneuesten exotischen Anleihe ein. Die Privatiers aber sprachen einerzum andern: Das ist todtsicher! Wir haben ja die Eisenbahnen zumPfande; diesmal wird es uns nicht so ergehen wie mit Griechenland, Portugal und Argentinien!" Und sie kamen herbei und zeichneten und der König Pumpo der Große erhielt viele Millionen. Die Anleihe notirte am ersten Borsentage 86, am zweiten aber bereits 5 Procent über Pari und die glücklichen Inhaber wetzten bereits die Instrumente zum Abschneiden des ersten Semestral-Coupons; sie dachten, daß, der Coupon-Termin einen der schönsten Scheeren-Abschnitte ihres Daseins bilden würde. Als aber der Termin herbeikam, stürzte die Anleihe auf 37 und die Schaar der Gläubiger in die Geschäftsräume der Bankhäuser und sie riefen: Wo sind die Zinsen?!" Da hörten sie: Es ist nichts eingegangen, aber wir werden sofort eine Commission nach Pumvos Land delegiren, um Eure bedrohten Rechte zu schützen und die Eisenbahnen mit Beschlag zu belegen." Die Commission machte sich auf den Weg und schon nach wenigen Wochen telegraphirte sie zurück: Wir haben die Verhältnisse dieses Landes genair untersucht und dabei ermittelt, daß in Exotien gar keine Eisen bahnen vorhanden sind! Da fiel die Anleihe auf 3 7-8 unter Null und am nächsten Tage war sie bereits auf dem Kurszettel frisch gestrichen. Die Gläubiger zerrissen ihre Gewände? und ihre Thränen flössen wie achtprocentige Salzsäure; und siesprachen: Gott, wie unvorsichtig-, sind wir doch wieder gewesen! Aber so etwas soll uns nicht noch einmal" passiren; nie wieder leihen wir unser Geld einem exotischen Staate, er müßte uns denn direct zehn oder zwölf Procent Zinsen versprechen!" Japanische Sprichwörter. Einmal sehen ist besser als hundert Mal hören. Durch eine grüneBrille sieh Alles grün aus. Die böse That eilt tausend Meilen weit, die gute geht nicht aus der Thür. Wenn Du kein Netz hast, geh icht zum Fischen. Wenn ein Maler und ein Advokat etwas in die Hände bekommt, wird aus weiß schwarz. Zuschauer haben acht Augen. Wenn man seine Pflicht gegen die Eltern er füllen will, sind sie nicht mehr am Leben. Nach dem Siege binde den Helm fest. Geld ruft Geld. Stirbt der Kranke nicht, so hat ihn der Arzt geheilt. Beim ersten Glas trinkt der Mensch den Wein, beim zweiten der Wein den Wein, beinr dritten der Wein den Menschen. Vertrauliches. Modedame zu ihrer Tochter: Gehst Du aus, meine Liebe?" Ja, Mama." Und wenn der Friseur kommen follte in Deiner Abwesenheit?" Machr nichts, Mama, ich habe Fleurette die genauesten Weisungen hinterlassen." ' Auch eine Art von Zukunftsmusik. Ich bitte Dich, spiel doch nicht immer Wagner, ich bekomme noch Kopfweh davon!" ruft Mama ihrer ältern Tochter irr's Tu benzimmer. Aber ich spiele ja gai nicht," antwortet das junge Mädchen, es ist das Baby, mit dem die Bonne am Klavier sitzt." Gleich geholfen. Alte Schachtel: Ach, wenn es mir doch ge lange, Adalbert zu umstricken! Freundin: Mach ihm halt a Paar Socken!"