Indiana Tribüne, Volume 18, Number 246, Indianapolis, Marion County, 26 May 1895 — Page 6
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Kraulern Ghjcrl. Da czeht sie, umgürtet mit dem ganj:n Stolze eines sechs Zoll breiten Led:rgürte!s. Das dehnbare Material schmiegt sich an die Gestalt, von de: Ferne schon sieht man die große, mit Edelsteinen besetzte! Gürtelschließe. Sie Rerjt auf vernünftigen Sohlen; denn sonderbar, nur der Schuh ist Heuer von ter Mode verschont geblieben, der einfache, englische Schuh. Sonst aber hat sie sich alles dienstbar gemacht, und unser Fräulein Gigeil folgt ihr blindlinas. Deshalb schleppt sie auf ihrem Kopf sie nennt es einen Hut die Ausbeute von mehreren Veilchenparterren. In solchen Massen ist die Blume gar nicht mehr bescheiden und erst in 'dieser Gesellschaft: aus dem Oeilchenriesenstrauß ragen zwei deniible Teufelshörner, nach rechts und links ausbiegend, weiß, grün, roth, l'au und gelb gefärbt. Irgendwo in Australien "hat ein armer Paradiesi.iher sein Leben lassen müssen, damit die schönen Federn, die ihn schmückten, tu? diesen Hut als Hörner kommen können. Wird der Hut größer, verkleir.ert sich die Frisur.- so will es das moreine Gleichgewicht. Der Schöpf tief im Nacken ist zwar noch immer geblie:n, aber die breit: Tyrasfrisur" hat dem über die Ohren glattgescheitelten, gekämmten und gebrannten Haar weic'en müssen. Nach Horazscher NegeZ schließt sich dem Kopfe würdig der Hals an. Arme Edith Schwanenhals! Was nützte Dir die Schönheit Deines Nackens, müßtest Du darum eine Nüsche tragen, wie unser weibliches G:r erl. Ezistirt überhaupt noch ein Hals hinter dieser Rüsche a 1j Krauthapp:l? Krauthappel ist wohl der richtige Ausdruck, denn an ihren beiden Enden irägt diese Tüllrüsche zwei an?fc' Mousseline- oder Blumenauswüchse Kelche den technischen Namen ehern" Kohlkopse führen und auf dem isyjte sich wiederfinden. Ihre innerer' Länder stoßen unter dem Hute zusamrcen, die äußeren leiten hinüber, berühren die Aermel. die zu den Dimensioren kleinerer Ballons herangewachsen sind. In bauschigen Falten hängen sir bereits über den Ellbogen hinab; da? sind nidfct mehr gewöhnliche Schinkenarmel. ibr Muster war ?um mindester der kalvd?nisl; Eber. Wie ein über--fiissiaes Anhängsel sehen an diesen Ärmeln der ainze Unterarm und du svrnd aus. Aber nein, in der MoV b?londers in der Giaerlmode nichts iiberslüsu?. woran Vlatz ist für eins rcentricität. Schlangenlederhand.schuhe sind sifnn uu bekannt; jent if ter ne'tickte Handschub an der Reihe aus schwarzem Leder ein oraues Svi rennet und tarin eine Spinne; oder eine Solange in machst getreu cc V'rten ??-l?S?n umslingt' auf dem HadsHuh das Gelenk. Wer wär? anufam aenuq. unsrem liebenswürdig cen Giaerl ein solches Thier vlötzli5 fr natiirn vor Augen v,i bringen ? Und nun träat rit es im Abbild an fuf Serum. Das sind wabrhaft nervösLinnen der Mode, sin de suVloMound wer von Jbnen. meineDamen erschrickt da nicht und steigt nicht auf einen Sessel? Mäuse sind ihre Lieblinzsthiere. Nur kaltes Blut: das Giaerl trägt die Maus an seinem Necenschirm als Knopf festgemacht, eine Maus, die es ganz reizend findet, mit dem weichen natürlichen Fell und den klugen, glänzenden Glasaugen. Dieser Schirm verdiente eigentlich ein eigenes 'Eavitel. etwa Bon dem Zwecklosen in der Mode" betitelt. Denn wozu ist fter Neaenschirm farbig, w?,u hat er :nen Changeantglanz, der bei Regentzdkz gar nicht zur Geltung kommt; r?as wM die breite Broka'tbordüre? Zwecklose Fragen über zwecklose Einrichtungen; sie sind einmal da, man muß sie hinnehmen und auch' kaufen. Denn das Kaufen und natürlich auch Schenken bildet bei den diesjährigen Schirmen eine Hauptsache. Wel-ch-m Ehegatten oder Bräutigam, galanten Bruder. Eousin oder ssonst geschenksberechtigten Herren die Maus manchmal ist es eine Katze am Schirm nicht gefällt, der kann ja einen matten Gold- oder Silberknopf kaufen oder einen Krystallknopf !n Krücken-, Papageien- oder Entenform. Diese ilc?sernen Dinger haben jetzt einen Werth erreicht, wie Glasverlen in Afrika. Für die Sonnenschirme freilich muß man noch tiefer in die Tasche greifen. Die Griffe sind mit Edelsteitun incrustirt und bei ihrer Länge macht sich dieser glitzernd: Ueöerzug schon im Preise fühlbar. Doch was soll ?as arme Gigerl machen? Schmuck ist bei der Dame eornrno il saut heute verpönt, insbesondere die blauen Türkisobrringe sind in Ungnade. Aber irgendwo muß man ja die Steine traqen; also an den Schirm damit und an die Gürtelschnalle. Unerschöpflich sind Gigerls Schirmideen. Hat sie Geleyenhei! zu einer Ausgabe.wober nimmt sie das Geld? Aus einem Portcmonuaie. das an einem Riemen am Schirmgriff befestigt ist; oder noch besser: sie drückt auf eine Aeder. der Knopf springt auf. und aus einer im Schirmgriff versteckten Kapsel bringt sie Geld hervor. Das war einst der Platz für die Uhr; sie ist jetzt ganz verschwunden. wird nicht mehr getragen, wozu braucht man auch die Zeit zu wissen, wenn man feiner Zeit so weit, um mehrere Ercentriciiäien und Modeeffekte voraus ist? Da bring! man statt der Uhr lieber ein Lorgnon KurzsichtigZeit fängt wieder an. modern zu werden. wie im Zeitalter der Jncroyables - - am Schirm an. Natürlich steht dann der Schirm auf dem Kopf: er hat die Krücke dort h?2 sonst die Spitz?
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"" V Cvr n??irnS Sr frHr ftirtt? J't i. VW.. W.y.fek U nem Elfenbeinstaö ausgestaltet ist. Aufstützen giebt es da nicht, der Schirm heißt aber doch: Bergsteigschirm. Trotzdem hat das Wörterbuch der kW Ie sitcleMoce ein wahres, wenn auch unbeabsichtigt wahresWort. Der Rock heißt jetzt jupe pujrode" Pagodenrock. Der Vergleich trifft klasfisch zu: der weite Glockenrock, der ewig mit dem Crinolinengesvenst droht, gibt unsern Gigerl die Gestalt einer kleinen wandelnden Pagode. Ist es dann ein Wunder, daß sie nur runde Taschentücher und dreieckiges BriefpaPier hat? Und solcher und ähnlicher Excentricitäten hat Fräulein Gigerl Hunderte an sich und um sich. Tie Augcn der Neugeborenen. Trotz der anerkennenswerthen Fortschritte der modernen Hygiene hört man noch immer vielfach von den ver verblichen Wirkungen der berüchtigten Augenentzündungen neugeborener Kinder Der zehnte Theil aller Blind.'n hat sein Augenlicht durch die AugenentMündung der Neugeborenen verloren, und Hunderttausende haben durch die selbe eine Verringerung ihres Sehvermögens erfahren und das stets nur durch Schuld der Eltern, Ammen, Pflegerin oder Hebammen. Schleunigste ärztliche Hilfe und zwar sofort beim ersten Beginnen des Leidens kann 'das Auge mit Sicherheit retten. Die Krankheit beginnt gewöhnlich am drit ten oder vierten Tage nach der Geburt mit einer Röthung und Schwellung 'der Lidränder: bald sind dieselben ver klebt, und beim Qesfnen tritt eine schleimige Flüssigkeit aus, die bei stär kerer Zunahme der Schwellung eitrige Beschaffenheit annimmt. Dieser Eiter ist ungemein ansteckend; daher ist Vorsicht geboten, um das etwa gesund g bliebene Auge des Kindes oder die Au gen anderer mit dem Kinde in Berührung kommender Personen vor der gleichen Erkrankung zu schützen. Wenn ein Zwillingskind an Augenentzündung erkrankt, so ist das andere sofort vollkommen von ihm zu trennen und darf auch nicht in demselben Wasser gebadet werden. War nach einer srü heren Entbindung bei einem Neugedorenen schon die Augenentzündnng vorgekommen, so muß vor der nächsten Entbindung die Hebamme ganz besonders darauf aufmerksam gemacht werden. Was muß geschehen, bis der Arzt erscheint? 1. Man öffne die Augen des Kindes alle zehn Minuten und wische mittels sauberer, in Wasser getauchter und ausgedrückter Watte den Eiter sorgsam aus dem Auge heraus. 2. Man lege ein mehrfach zusammengelegtes Stück reiner Leinewand, welches auf Eis oder in sehr kaltem Wasser ge kühlt ist, gut ausgewunden und trocken und kalt, auf das starke Auge und erneuere es alle zwei Minuten. 3. Man streiche etwas Vaseline außen auf die Augenlider, damit sie nicht durch den Eiter zusammenkleben. 4. Da die Augenentzündung überaus ansteckend ist, so dürfen Wasser, Leinenstücke und alle Gegenstände, die zum Waschen des Auges gebraucht wurden, niemals für die Reinigung der Hände oder des Gesichts anderer Personen benutzt werden. Die Watte und alle zur Reinigung de Augez benutzten Leinenstücke sind bald zu verbrennen. Gelehrte Orientalinnen. Auch im Orient fehlt es nicht an Frauen, welche sich durch hervorragende Leistungen in Kunst und Wissenschaft auszeichnen. Cornelia Sorabji, eine Indien, hat an der Universität Vombay vor einigen Jahren den Grad eines Bachelor of Arts erworben und ihre Schwester air derselben Universität ihr juristisches Doctorezamen gemacht. Sie studirte später noch in Ozford und trat bei einem Rechtsanwalt in die praktische Thätigkeit. Ihre Studien sollten jedoch ihren Landsleuten, besonders den Frauen zugute kommen und so kehrte sie in ihre Heimath zurück, wo sie der erste und einzige weibliche Advocat ist. Eine andere Jndierin, Dhaubai Fardoujee Banaje: gewann als Malerin in Bombay den ersten Preis im dortigen Kunstverein. Um sich weiter auszubilden, ging sie nach Paris, wo einGemälde von ihr im dortigen Salon Aufnahme fand. In unserem Land: studirt augenblicklich ein junges,, schönes Mädchen aus Beirut, Fanitza Abdun Sultana Nalide, die syrische Prinzessin. Ihr Vater ist einer der reichsten Araber. Sie selbst beherrscht, obwohl sie erst 19 Jahre alt ist, sieben Sprachen und wünscht in Amerika und England den Doctorgrad zu erwerben, um dann später in ihrer Heimath für die bessere Bildung ihres Geschlechtes zu arbeiten. Eine Syrierin. wie sie, ist Frau Hannac Korany, wohl die erste Orientalin, welche ein Buch (in ihrer Muttersprache) schrieb. Es machte in Konstantinopel, Egypkn und Syrien großes Aufsehen, und als die Verfasserin spater als Rednerin für die Rechte der Frauen eintrat, war dieseThatsach geradezu epochemachend. Schon mit 16 Jahren hatte sie sich verheirathet. Ihr Gatte, ein sehr gebildeter Mann, führte sie nach Amerika, wo sie sich mit Feuereifer den verschiede?.sten Studien hingab. Sie schrieb schon mit 18 Jahren einen geistvollen Artikel über die Frauen und die Politik und ist heute, mit 25 Jahren, eine anerkannte Schriftstellerin. ' E in Schlauberger. Frau (vor dem Local stehend, zu dem heraustretenden Wirth): Sagen's mal. ist vielleicht mein Mann drin?" GastWarten Sie, ich werde ihn mal fragen, ob Sie es wissen dürfen, daß hier ist."
Geheimnisse der Zllanschctie. Als Mr. Adolphus Brown amMontag Morgen aus seiner Hausthür trat vnd einen vorüberfahrenden Straßenbahnwagen bestieg, hatte er nicht die leiseste Ahnung, daß er nicht in der Lage war, selbst der niedrigen Förderung des Conduckurs gerecht werden zu können. Doch war es so in der That; wie es schon so Manchem seiner Mitbrüder vor ihm gegangen, hatte er sich ohne Geld von seiner Wohnung entfernt. Als ihm das Fahrgeld abgefordert wurde, fuhr er mit gewohnter Sicherheit in die rechte Tasche seines Beinkleides, die Hand kam aber wieder leer heraus. Ein unbehagliches Gesühl beschlich ihn. Vielleicht fand er noch in einer seiner anderen, zahlreichen Taschen einen versteckten Nickel. Aber alles Suchen und Fühlen war umsonst, alle Vertiefungen in Rock, Hose und Weste gähnten in gleicher Leere. Er befand sich in einer peinlichen Lage, die, im günstigsten Lichte besehen, ihn in eine schiefe und lächerliche Stellung tcm mitfahrenden Publikum gegenüber bringen mußte. Und so war es auch, denn schon waren die anderen Insassen des Wagens auf ihn aufmerksam geworden und beobachteten ihn in einer nicht mißzuverstehenden Weise. Mr. Udolphus zitterte vor Unruhe und Aufr'gung, während der Conducteur mit eisiger Ruhe auf Bezahlung wartete. Adolphus fing an. etwas hervorzustottern, als ein ihm gegenüber sitzender,
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gutmüthig aussehender Mann seine mißliche Lage erkannte und freundlich sagte: Was fehlt Ihnen, mein Herr? Ah. ich sehe, was Sie beunruhigt: Sie haben jedenfalls Ihr Geld zu Hause vergessen. Lassen Sie mich den Nickel entrichten Mit diesen Worten zahlte der freundliche Samariter dem Conducteur den Obolus und entband damit Mr. Vrown von einer Verpflichtung, die, so gering sie auch war, zur Zeit nicht von ihm erfüllt werden konnte. Adolphus dankte seinem gütigen Helfer aus der Noth in beredten Worten und bestand darauf, daß derselbe ihm Adresse und Namen mittheilte. k)bgleich der Letztere erklärte, daß Sache soviel Aufhebens nicht werth sei, war er doch zu höflich.um dem dringenden Bittsteller sein Anliegen abzuschlagen. M. Fulton, 124 Bankstraße Dankendi notirte Mr. Brown diese Adresse auf seiner Manschette. Er hatte sich seit einiger Zeit angewöhnt, alle Memoranda auf seiner Manschette niederzuschreiben, jetzt hat er aber diese Gewohnheit völlig aufgegeben. Adolphus war Schriftsteller, und sein Beruf hatte ihn veranlaßt, an diesem Morgen die Straßenbahn zu benutzen. Er wollte sich bei dem Herausgebe? seines neuesten Werkes erkundigen, wie weit die Veröffentlichung desselben fortgeschritten sei. Als er bei dem Verlagshause ankam, ward ihm der Bescheid zu Theil, daß der Theilhaber der Firma, den er zu sehen wllnsckte, plötzlich nach Cleveland hätte verreisen müssen. Wenn Mr. Brown amMittwoch um 4 Uhr wieder vorsprechen wollte, und er so lange warten könnte, dann wäre der Verreiste wieder da. Gewiß könnte er warten. Und eine neue Notiz wanderte auf die Manschette. Hierauf ging Adolphus zu seiner Bank, deponirte daselbst $200 und ließ sich $15 baar auszahlen. Er war gerade im Begriff, das Vankgebäude wieder zu verlassen, als ein tadellos gekleidete? Herr zufällig aus dem Innern des Zahlraumes heraustrat und ihm mittheilte, daß er sein Conto um $400 überzogen habe. Wie, ich habe soeben erst $200 eingezahlt. sagte Adolphus. Das Gesicht des Herrn leuchtete einen Augenblick auf. dann fügte er in geschäftsmäßigem Ernste hinzu: So stehenSie immer noch mit $200 bei uns aus, nicht wahr?" Wie es mit den meisten Künstlern. Gelehrten, Schriftstellern u. s. w. geht, war unser Adolphus nie mit seinen Bankgeschästen im Reinen, wie er auch das Geld nur als ein nothwendiges Uebel betrachtete. Das soll sofort arrangirt werden,"
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ümtnAt antwortete er; jedenfalls werde :S am Donnerstag Ihnen $100 zahlen." Er notirte dies fromme Gelübde in der gewohnten Weise, ließ seine $15 in die Tasche gleiten und schlenderte dann langsam nach dem Birch'schen Restaurant, um nach den ungeheuren Strapazen des Morgens für sein leibliches Wohl zu sorgen. In diesem vielbesuchten Locale traf er seinen lieben Freund Stubbins, den er nun seit Jahr und Tag nicht gesehen. Derselbe theilte ihm mit, daß am kommenden Sonnabend seine älteste Tochter Hochzeit feiern würde. Nachdem Adolphus einen Teller Schildkrötensuppe verzebrt und ein Glas des vorzüglichsten Punsches geleert, kam ihm der Gedanke, daß er auf jeden Fall auch etwas zur Hochzeitsfeier schenken müsse. Aber was, das war die Frage; am besten machte sich immer ein hübscher Diamantring. Besser, er schrieb es sich gleich auf, dergeuen wollte er es doch auf keinen Fall, diese kleine Aufmerksamkeit war er seinem guten, alten Stubbins schuldig. Dann wanderte er heimwärts und machte sich daran, noch einmal das Manuscript zu seiner neuesten Novell: durchzulesen, deren Schluß er heute dem Verleger hatte übergeben wollen. Wie gut, daß ich heute den letzten Theil nicht abliesern konnte. Meine Heldin hat doch zu viele Kinder, die Sache paßt mir nicht. Eins oder zwei derselben müssen sterben, will einmal nachrechnen. Edith hat ein Vermögen von $400.000 und zwei Knaben und drei Mädchen, unter die sie ihr Geld gleichmög vertheilen wird, und alle müssen reich snn. $80.000 würde darnach ein jedes Kind erhalten, das nennen wir Romandichter aber nicht reich. Eins muß jedenfalls verschwinden. Aber wie mache, ich das nur, ohne das ganze Buch wieder umzuschreiben? Die Sache muß gründlich überlegt sein, besser ich mache mir gleich ein Memorandum." Und die anderen Notizen auf der Manschette bekamen einen neuen Kameraden. Er war noch gerade in dieser Beschäftigung begriffen, als das Hausmädchen mit zwei Briefen erschien. Der erstere der beiden war vom Major Stegall, der den berühmten Autor zum 27. des Monats zur Jagd nach seinem Landsitze einlud. Da muß ich mich nach einer Flinte umsehen," bemerkte Adolphus nachdenklich. Das zweite Schreiben kam von dem bekannten Detectiv Mr. Shisker Humes. der ihm einen langgehegten Wunsch erfüllen und eine Opiumhöhl: zeigen wollte, und ihn zu diesem Zwecke am Montag 9 Uhr 15 Minuten am Tower Hill erwarten würde. Gerade schrieb Adolphus dies nieder auf sein leinenes und bald gefülltes Notizbuch, als- seine Frau ihn daran erinnerte, daß das Mittagsessen fertig sei. Eine Woche war derstrichen; es ist 9 Uhr 14 und wir finden den Helden dieser Erzählung am Tower Hill. sehnsüchtig die Ankunst des Mr. Shiskey Humes erwartend. Ihn fröstelte unangenehm, doch plötzlich schoß es ihm heiß durch's Blut, eine ihm wohlbekannte Stimme ertönte hinter ihm. Es war dieselbe, die ihn vor einer Woche zum Mittagsessen gerufen hatte. Was, sehe ich recht, Du hier, Edith?- rief der erstaunte Novellendichter aus. Was in aller Welt hat das zu bedeuten?" Das bedeutet," erwiderte seine Frau, daß ich von der Vorsehung gesandt bin, um ein schreckliches Verörechen zu verhüten." Bitte, erkläre mir." brachte AdolphuL unwillig hervor. Ich bin geschäftlich hier, ich sammle Stoff für ein neues Werk." Ich zweifle nicht daran, daß Du
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lr.i! Opium oder dergleichen Dem verkerbtes Gemüth beruhigen willst; aber das soll mich nicht daran hindern, soweit es in meiner Macht steht, meine Mcht als Mutter zu thun und meine unschuldigen Kinder zu beschützen," kam es mit fliegender Hast und unter Thränen aus dem Munde Edith's. Was redest Du Dir nur zusammen. Ich verstehe nichts von alledem." erwiderte Adolphus. . Komm' mit nach Hause, nur fort don hier!" gab Edith zurück, die sich r.och nicht so weit beruhigt hatte, um ihr Kommen auseinanderzusetzen. Ich bin in der Nordbank gewesen, ich war bei Mrs. Fulton (dies mit einer nachdrücklichen Betonung), traf sie aber nicht anwesend. Man sagte mir, sie sei mit ihrem Gatten ausgegangen. Ja, mit ihrem Manne, Mr. Fulton." Einen Augenblick war Adolphus etwas verwirrt. Fulton, Fulton, den Namen mußte er kennen. Hm, wo hatte er ihn nur gehört? Dann ging ihm ein Licht auf. Nordbank? Fulton? Natürlich, das war ja der freundliche Mann gewesen, der für ihn das Fahrgeld ausgelegt hatte. Er konnte ein helles Lachen nicht unterdrücken, wie er seiner Frau auseinandersetzte, bei welcher Gelegenheit er diesen Herrn kennen gelernt hätte. Warum wolltest Du denn Fulton's wieder am Mittwoch um 4 Uhr aufsuchen?" fragk Edith. Es ist ja nie meine Absicht gewesen!" Sq, und Du wolliest ihr. ihr am Donnerstag bestimmt $200 zahlen und dann noch einen Diamantring für sie am Freitag unerhört!" Adolphus war die Sache klar geworden, sein Lachen wurde noch unbündiger. Erstarrt ob 'solcher Rohheit ihres Gemahls, der sich über sie, der es momentan so ernst und traurig zu Muthe war, noch lustig' zu machen wagte, wußte sie kaum noch ihre Worte zu zähmen. Du magst ein verstockter und gefühlloser Mensch sein, was konnte Dich aber nur so tief 'sinken lassen, um die Laufbahn eines Mörders zu betreten?" schrie sie auf in ihrem geängstigten Herzen. Was haben Dir unsere armen Kinder gethan, daß Du sie so grimmig hassest?" Die arme Frau gerieth in ein krampfhaftes Weinen und Schluckten. Edith, Edith, wie kannst Du Dich nur so aufregen, es ist ja alles in Ordnung." Ein Cab brachte das Ehepaar schnell heim. Dort angekommen wurde die ganze Sache unter Weinen und Lachen in's Reine gebracht, doch nicht ehe die unglückliche Manschette vom Montag zur Stelle geschasst war und Adolphus die auf derselben niedergeschriebenen Notizen erklärt hatte, die also lauteten: M. Fulton, 124 Bankstraße." Mittwoch präcise 4 Uhr." Zahle $200 bestimmt am Donnerstag." Diamantring nicht später als Freitag." Eins von Edith's Kindern muß sterben." Muß mir eine Flinte verschaffen." (Opiumhöhle) Tower Hill, Montag 9.15." Rath. Gibt's zwischen Zweien einen Streit, Der Dritte sich bekanntlich freut. Doch theilst du dir's vernünftig ein. So kannst du stets der Dritte sein. Beleidigt. Verkäufer: Ich will Ihnen 25 Cents ablassen, da Sie eine alte Kundin von uns sind." Junge Dame: Bitte, eben sechzehn geworden." Sie war eine Vassar Schülerin. Sie: Was habe ich nicht Alles herunterschlucken müssen, seit ich Dich geheirathet habe!" Er: Na. und was habe ich schlucken ' müssen, besonders wenn Du kochst!" Nicht aus der Fassung zu bringen. Vertheidiger: Bedenken Sie. meine Herren, daß der Angeklagte Frau und Kinder hat. für die er sorgen muß!" Präsident (unterbrechend): DerAngeklagte hat keine Kinder!" Vertheidiger: O, dann bedenken Sie, miene Herren, daß der Angeklagte keine Kinder hat. die ihn in der Versorgung seiner Frau unter, stützen können, und die Sie daher im Falle eurer Verurteilung ihres emz:-. gen Ernährers beraube: würden!" 1
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ff ! Bei der Toilette. Nindtr-Zöpfchkn. Ein Dandy. m Proletarier. Bonze. Der altersschwache Zopf. Eine Strafverschärfunz. Jvkk äfcH Rebellen. :' Eine Amputation. 1 Ein Gemüthsmensch. Lieutenant (beim Schießen auf die Mannscheibe): Müller, warum treffen.Sie nie die Scheibe?" Soldat: Ach, Herr. Lieutenant, der' Mann da sieht genau aus wie mein ' Freund Wurstmüller, und auf den kann .ich nicht schießen!" . .
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Vom Älabberstore. Von Edwin Bormann. Verflogen. An Fenster sitzt die junge Keenigin, Se sitzt un simelirt so vor sich hin. Da kommt in wahrhaft majesteet'sche.-r Bogen Der Meester Klabberstorch dahergeflogen. Es strambelt gans vergnieglich mit den Beenchen In Schnawel ihn ä junges Menschen seehnchen. De Färschdin lächelt awer eens, zwee, drei, Da is der Schwarz-un-weiße schon verbei Un fliegt (er kennt den Weg ja ganz , genau) In's Stiebchen under'n Dach zer Dischlerschfrau. Un Meester Dischler kratzt an Ohr sich sachde: Ei Dunnerlitzchen", spricht er. Num. mer Achde!" ? 3itC , m Ein Vogelmcnsch Im Münchener Panoptikum erregte kürzlich, wie früher schon in Moskau, Riga, Warschau. ' Breslau, Berlin, Hamburg, Kiel und Nancy. eine menschliche Abnormität, ein Knabe mit einem vollständig ausgeprägten Vogelaestcht, allgemeines Interesse. Dieses seltsame Product eines merkwürdigen Spieles der Natur steht im 15. Lebensjahr, wiegt nur 19 Pfund und präsentirt sich als ein zierliches, 38j Zoll hohes, durchaus elegant gewachsenes Kerlchen, das vergnügt und belzerzt auftritt, sich sehr intelligent zeigt, regelmäßig lebt und wie ein Erwachsener täglich fünf bis sechs Cigarren raucht. Dobos, dessen Kopf nur die Größe eines neugeborenen Kindes hat, ist in Battonya (Ungarn) als Sohn von Bauersleuten geboren, die noch fünf normal entwickelte Kinder am Leben haben, während drei, dem Vogelmenschen gleichende, frühzeitig starben. Janos Dobos auf dem Arm seines Dieners. Der Knabe hat auch in de? wissenschaftlichen Welt berechtigtes Aufsehen erregt. Prof. Virchow in Berlin uniersuchte ihn auf das Genaueste und erklärte, daß Dobos durch seine einzig dastehende Abnormität für die EntWickelungsgeschichte von besonderem Interesse sei. Auch andere Gelehrte, z. B. die Professoren Bokai, Mihalkovics. Thanhosfer und Laufenauer in Budapest. Quincke in Kiel und Curschmann in Leipzig, haben. Vorträge über ihn gehalten und ihr Urtheil im Allgemeinen gleich Virchow dahin abgegeben. daß Dobos weder eine Mißgeburt noch ein Zwerg oder ein sozcn. Microcephale sei. gegen welche Annahme seine körperliche Beweglichkeit und geisiige Gewecktheit spricht, sondern daß man es hier mit der Miniaturausgabe eines Menschen, mit einer Abnormität ersten Ranges zu thun habe, über deren , Entstehungsursache die Untersu chungen noch nicht abgeschlossen sind. Auf dem vorstehenden Bilde ist der kleine Vogelmensch auf den Armen seines Leibdieners dargestellt, eines ebenfalls ganz originellen Negers, der nicht weiß, woher er ist, und wie ei heißt.und der die verschiedensten Sprachen spricht. Poesie und Prosa. irMs' "KM. K"V - - J Er (seine junge Frau küssend): ... Meine Wonne!" Sie: Mein Kaffee!" Nicht verlegen. Amt mann: Erst neulich habe ich sünf ge rade sein lassen und nun seid Ihr schon roieder des ' Waldfrevels angeklagt? Holzhuber: Herr Amtmann, lassen Sie noch mal fünfe gerade sem denn stimmt'
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