Indiana Tribüne, Volume 18, Number 246, Indianapolis, Marion County, 26 May 1895 — Page 2

Ein Kapitel über die Ehe. i Meine liebe Bertha! Du hast ja so Necht. und ich begreife Deine Klagen pollkommen. ES ist auch zu schwer, die Frage mit einem Wort zu beantworten: Wer soll in der Ehe herrschen, dcr LNann oder die Frau? Du antwortest: die Frau. Das b.'greife ich vollkominen, denn Du willst immer mal sehen, totz hier Herr im Hause ist, und Du pflegst dann stets zu sehen, daß Du der Hm im Hause bist. Auch ich pflege mich nicht zu geniren und lasse mich nicht unterjochen, und mein Mann ist dann ganz vernünftig und gibt nach, indem er kleinlaut erklärt, er thue das des lieben Friedens willen. Heute aber sage ich Dir, daß wir Zwei uns auf dem Holzwegs befinden, und zu dieser Erkenntniß bin ich gekommen, seit ich Yit Rede des Fürsten BiZmcZ".ck an die Oesterreich gelesen habe. Der Fürst verglich das österreichischungarische Reich mit ei?er Ehe. in der d:r Deutsche der Mann und der Slave das Weib ist. Der Slave, sagte der greise Altreichskanzler, habe viele weiöliche Vorzüge, er habe die Grazie, die Klugheit, die Schlauheit und die Geschicklichkeit, die deutschen Glieder erschienen neben den slavischen oft plump und ungeschickt, aber das schwere Gewicht läge doch auf der Seiie der Deutschen. und nun empfahl er dem Deutschen, mit dem Rivalen .auch im heftigsten Zorn und in .der schwierigsten Lage nur mit dem Gefühl zu verfahren, daß er der Ueberlegene sei und bleiben werde. Merkst Du nun. liebe Bertha. was Du mit Deiner Grazie. Klugheit, Schlauheit und Geschicklichkeit zu thun hast? Wenn Du es noch nicht merkst, so wirf einen Blick in die österreichischungarische Monarchie, und Du wirst !darüber belehrt sein, wie Du Dich zu verhalten hast. Denn ,der Slave, der das Weib ist. setzt Alles durch und drängt den Deutschen, den Mann, immer zurück, so daß dieser bald nicht .mehr wird den Mund aufthun dürfen, indem er stets, auch im heftigsten Zorn, mit dem Gefühl verfährt, er sei der Ueberlegene und werde dies bleiben. Du mußt also, liebe Bertha. fortwährend Deinem Mann sagen, daß er dcr Ueberlegene sei, und auch so thun, als wäre er es wirklich. Dann wird er gar nicht merken, wie Du ihn mit Grazie, Klugheit, Schlauheit und Geschicklichkeit unter den Pantoffel bringst und obne Gnade in eine bescheidene Stellung drängst, genau so, wie dies der Slave dem Deutschen anthut. Der Fürst Bismarck ist ein weiser Mann und an dem, was er sagt, ist nicht zu tippen. So hat er denn den Oesterreichern geschildert, wie sie mit den Slaven dran sind, und er hat ihnen die Pille in einer sehr süßen Rosine bei gebracht. Wir aber wollen daraus lernen. Wir wollen unseren Männern das Vergnüqen lassen, als die Ueberlegenen zu gelten, ja wir wollen sie darin bestärken, um ihnen graziös, klucz, schlau und geschickt 'die Herrschaft nehMn zu können. . Deine Dich liebende K a r o l i n e. TaS Drinkgelv.

Im Olymb faß einfd vergnigd Hibsch bei eenern Liebesmahl .! Zeus un Juno! Rund herum Noch der andern Gödder Zahl. Juno, dieses scheene Gind, Drank ä Debbchen Kneip-Gaffee! . Awer blezdlich schbringd se uff: Gaffee drin! ich nich, ach nee! Eaffee, nischd als Gaffeebrüh. Immer Gaffee, früh un schbäd, Grad als wenn mcr Sachsen w'är'n! Nee, wo is denn Ganymed? Ganymedchen, hörschde nich? Nu ja, gomm doch, glecner Mann! Schbring. mei süßer Ganymed, -Bring ä Debbchen Nektar an!" Un, mei Ganymedchen schlebbd Gleich herbei ä mächdgen Dobb. Juno, dieser Gierschlunk, sedzd Nu das Debbchen an den Gobb. ) Drinkd un drinkd un h'örd nich uff, Ais sie 's Debbchen ausgenibbd. Un dann drückd se Ganymed, Dem das Herz im Leibe hibbd. .. Auf den rodhen, vollen Mund Süß a gleenes Güßchen druff: '3 ist Dei Lohn, mei Ganymed!" Und so gam das Drinkgcld uff! -, Kasernenhofblüthe. Unterofficier (dem das Commando Augen rechts! und Augen links! nicht präcis genug ausgeführt wird): 2ßa nützen dem Soldaten die Augen, wenn sie nicht gerollt werden! Beim Wort genommen. Hausherr: Sie wollen fort, Karoline?" Dienstmädchen: Ich möchte mich verbessern Hausherr (einfallend): Ach bitte, thun Sie das bei uns, meine Frau würde sich sehr darÜber freuen! Das E r st e. Wirthin: Herr Söffel, da hat der neue Zimmernachbar gestern in Ihrer Abwesenheit seine Karte abgegeben, wollen Sie nicht Ihren Gegenbesuch machen?" Student: Ja. pumpt er?" Befürchtung. Schneider: Der Advokat Hernpel ist mir auch noch $25 schuldig. Frau: deshalb mahnsi Du ihn nicht? Schneider: Ja, wenn ich frage: -Herr Advo lat, wann werden &t -die $25 bezahlen?" dann rechnet er mir das als ConKultatwn aa. . . . i

Vrühzeitlaer ffrühllns Bon Goethe.

Tage der Wonne Kommt ihr so bald ? Schenkt mir die Sonne Hügel und Wald ? Neichlichcr fließen Büchlein zumal. Sind es die Wiesen ? JsteödaSThal Bläuliche Frisckc? Fimmel und Höh'! Goldene Mische Wimmeln im See. Buntes Gefieder Rauschet im Hain; Himmlische Lieder Schallen darein. Unter des Grünen Blühender Kraft Naschen die Bienen Summend am Saft. Leise Bewegung Bebt in der Lust. Reizende Regung, Schläfernder Tust. Mächtiger rühret Bald sich ein Hauch. Doch er verlieret Gleich sich im Strauch. Aber zum Busen Kehrt er zurück. Helfet, ihr Musen, ' Trafen das Glück ! Saget seit gestern Wie mir geschah? Liebliche Schwestern, Liebchen ist da ! In der Uebersetzung von A. Baskerdille: , EXÜLY SPKIX0. fty Goethe. Dajs ok sweet rapturo, Come ye indeo;i? Doth tue sun ivo m Mountain aud inead? Füller tlie hrooklets Murraur their tale. Are they the meadows? Is it the valo ? Azure bright heavens, Balmy and free ! Golden finned fishes Teern in the sea. In the groves rustle Plumages gay; Heavenly songsters "Warble their lay. In the gay blossom's Ilonied retreat Hums the bee, sipping Nectar so sweet. With lulling odours Is, the air rite, Teeming with movement, Music, and life. Soon doth the zephjr Freshening rise, Yet in the hranches Moaning it dies, But to the bosora Back doth repair. Help me, ye juses, Fortune to bear ! Say what my bosom't Tumult betrayed ? Back, ye fair sisters, Is my sweet maid ! Der JnU Züonttro. Die Beziehungen zwischen Domenico HiZos und der wohlbekannten Gräfin Montero waren sowohl - in den vornehmen Kreisen bekannt, als auch in den wissenschaftlichen Zirkeln, welche ibn als einen der berühmtesten Collegen schätzten. Da entstand also die größte Sensation, als es eines Tages hiek, die Gräfin hätte unwiderruflich und für immer den Schleier genommen und würde in dieser Welt nicht mehr auftauchen. Nun aber dies Genicht noch die fernere Neuigkeit nach sich zog, der große Chirurg und Qperateur. der Mann von stählernen Ner ven sei Morgens von seinem Diener gefunden worden, wie er vor dem Bette sitzend blöde in die Welt hinein grinste, beide Beine durch die linke Hose gezwängt, 'urzum. in .völlige Geistesnacht verfallen da durchzuckt: sogar dieieniaen Leute ein ZZrosteln. die ihre abaetriebenen Sinne solcher Emotion selbst nicht mehr fähig gehalten hatten. Domenico Hisos ist in seiner Glanzzeit einer der bedeutendsten Männer Spaniens gewesen, oder er hat vielmehr den letzten Gipfel seines Ruhmes nicht einmal erklommen, weil ihn daö angedeutete MiKgeschick schon im 39. ?lahre traf. Genauere Bekannte der sichern, dah er. so hoch er es alsWundarzt brachte, doch in jedem beliebigen 5?ache noch schneller emporgekommen sein würde, sei er als Soldat. Forscher. Diplomat oder . Ingenieur. Er war zu roken Dingen geschaffen und durfte sich vornehmen, was Niemand auszuführen riskirt hätte, und thun, was kein Mensch auf Erden; Urtheil. Blick und Seelenstärke greinte er auf aanz besondere Art. Immer und im mer wieder machte sein Messer dem öode das Opfer streitig und , ließ dabei sichtbar das schon besiegte Leben zurückkehren, während die Ässistenten beim Zusehen so bläh wurden wie der Patient selbst. Die Erinnerung an seine Ergie, seine Keckheit unv sein

furchtloses Selestve?trau?n ist in Madtid noch heut nicht erloschen. Seine Laster waren ed:nso groß anzelegt wie die Borzüqe, nur dafe sie sich komantischer darstellten. So reich leine Einkünfte flössen, und unter den Madrider geschäftlichen Bezügen sollen sie die dritthöchsten gewesen sein , für Hijos' luxuriöse Gewöhn Geilen blieben sie stets zu gering. Er trar das Prototyp eines Genußmen schen: die fünf Sinne waren seineGe bieter. Das Bouquet alter Auslesen, seltene exotische Odeurs. alle Formen und Muster der europäischen Keramik bewirkten allezeit schnellen Umsatz sei kier flotten Goldquellen. Und dann kam seine plötzliche, närrische Liebschaft mit der Gräfin Montero, angefacht durch ein kurzes Trli-a -tett, ein paar schnell gewechselte Blicke und ein verstohlen Wörtchen. ' Sie war vllerdinas das lieblichste Wesen in der Hauptstadt und für ihn das einzig:; er der schönste Mann, aber keineswegs der einziae sür sie.. Denn sie wußte Abwechselung zu goutiren und bewies sich aeaen Werber selten ungnädig. Dak Graf Montero trotz seiner sechsunddreikig Jahre wie ein Fünfziger aussah, konnte damit leicht in Verbindun gebracht werden. Das Treiben seiner Gemahlin war hier entweder als Ursache oder als Wirkung zu betrachten. Der Grande machte den Eindruck eires ruhigen, schweigsamen, gleichmütbiacn Charakters. Er trieb fleißig Blumenzucht und Gärtnerei, seine Gewohnheiten hatten hausväterlichen Anstrich, früher war das Theater sein Steckenpferd gewesen, sogar ausgestattet hatte er ein solches in Madrid.' Als dann Sennorita Mercedes Alguarche auf die Bretter trat, bot er ihr bald Hand. Titel und Vermögen an und wurde erhört. Aber mit der Heirath war ihm auch sein bisheriges Faible verleidet; selbst für Privatvorsiellungen sein bewährtes Bühnentalent herzugeben, ließ er sich nicht ferner überreden. sondern suchte Befriedigung mit GieKkanne und Spaten in der Hand zwischen seinen Orchideen unv Kaktusarten. Ob er gefühllos oder be-. schränkt sei. mit der Haltung der Gräsin einverstanden oder ein bloßer Narr, da? war die allgemein diskutirtc itraae. Sobald Domenico Hijos aber in Gunst kam, blieb kein Zweifel übrig. Hijos' Verfahren gestattete ihn nicht weiter. In seiner stürmischen, ungezügelten Art ließ er jede Vorsicht und Diskretion bei Seite. Der Skandal ward offenkundig. Die medicinische Akademie theilte endlich mit. sein Name sei unter ihren Senatoren gelöscht. Zwei Freunde flehten ihn förmlich an. seinen ärztlichen Ruf zu schonen. Er aab die denkbar gröbste Antwort hier wie dort und kaufte sich nur für zwei bundkrt Realen einen schweren Spazierstock als künftigen Begleiter seiner Gänge zur Gräfin. Jeden Abend brachte er bei ihr zu und Nachmittags saß sie in seinem Wagen, unr sich so im Prado zu zeigen. Weder Domenico noch sie machten den geringsten Versuch, ihre Beziehungen zu verschleiern, bis zuletzt ein kleiner Unfall dieselben nachhaltiq unterbrach. Ein eiskalter Winterabend rückte vor. wie ihn außer dem hoch und zugig aeleaenen Madrid nur wenige Gegenden Spaniens kennen. Feiner Schnee trieb vor einem schneidenden Ostwinde ber durch die Straßen. Hijos hatte sein spätes Diner beendet und saß lesend am Kamin, ein Glas schweren Portweins neben seinem Ellbogen auf der Malachitplatte des Tisches. Das flackernde Feuer warf effektvoll: Lichter auf sein kühn geschnittenes Gesicht mit den festen grauen Augen, den schweren und dennoch scharf geschwunaenenLippen und dem viereckigen Kinn, das in seiner raubthierartigen Präguna etwas Römerhaftes besaß. Wenn er sich von Zeit zu Zeit in den Prachtsessel zurücklehnte und reckte, lächelte er. Denn er hatte in der That ein Recht, vergnügt zu sein, weil er heut.

.geqen den Rath von sechs Collegen, ein: Operation unternommen, deren Fall überhaupt erst zweimal passirt war. und das Resultat war über alle ErWartung glänzend ausgefallen. Nur er konnte überhaupt dergleichen wagen. Aber es schlug halb acht und er sollte heute Abend zur Gräfin Montero. Schon lag seine Hand auf dem elektrischen Knopfe, als bereits der Diener unaerufen eintrat. Ern Patient int Wartezimmer." .Was soll's?" .Ich glaube, er will Si: abrufen." Viel, zu spät," rief Hnlos verdrießlich; fäll! mir nicht ein." - Hier seine Karte, Sennor. Der Bediente reichte das Billet auf dem goldenen Teller hin. der feinem Herrn von der Gemahlin eines Ministers verebrt worden war. Eiub Ibn Abdallah aus Mogador; Friede Dir. der Du dieses liesest. Nickt übel. Der Burjch wäre alsv ein Marokkaner." .So siebt er aus, Sennor. Und er ist sehr beängstigt." Ja doch! Ich bin versagt, muß weg. Sehen lassen kann ich mich zwar noch eben.. Herein mit ihm." Nach wenigen Augenblicken flog die Tbür abermals auf und ein kleiner gebückter Mann ward eingelassen. Linkisch und mit jenem suchenden Gesichtsausdrucke des Kurzsichtigen trat er na her. Sein Teint war braun, Haar und Bart tiefschwarz. - In der einen Hand kielt er einen weißen, rothgestreiften Musselinturban, in der anderen ein rothes Maroquinbeutelchen. .Guten Aend," sagte H:jos nach dem Verschwinden des Dieners. Spanisch verstehen und sprechen Sie?" Ich komme aus Mogador, wie Du weißt. Hast Du Geduld, so sinde ich die Worte Eurer Zunge."

Dcmenlco lächelte, jedoch ungedulbig. Ich soll Dich begleiten?" schloß k? sich der Anredeform des Muhamedaners air. Ja, mein Weib bedarf Deiner Kunst dringend." frühmorgens, lieber Ejub, das ist die Zeit. Ich hab: jetzt anderswo zu töun. kann also nicht sofort mitgehen." Die Antwort des Marokkaners war recht einfach. Er riß die schließende Sckmur vom Beutel ab und schüttelte eine artige Zahl von Goldstücken heraus. Hier hast Du hundert Dublonen." sagte er. und ich will nur eine Stunde Deiner A:it dafür. Ein Wagen hält sür Dich und mich vor dem Tbore." Hijos sah nach der Uhr. Ein: Stunde das ginge. Bei der Gräsin war er oft schon später gewesen. Außerdem lockte ihn die besonders gro ß: Summe. Die Gläubiger hatten ihn kürzlich gedrängt, dieser Verdienst kam also sehr zu rechter Zeit. Schön, er wollte mitfahren. Was ist Dein Fall?" fragte er. Der Marokkaner sah ihn erstaunt an und 'schwieg. Der Arzt begriff und verbesserte: Wer ist krank und woran leidet er?" Ach, schlimm, schlimm. Kennst Du die Bewandtniß, welche es mit den Al-mohaden-Dolchen hat?" Almohaden die saßen vor ich tveiß nicht wie viel hundert Jahren in AndaluLen unten, dächte ich," erwiderte Hijos. Ihre Dolche sind mir unbekannt." Hierauf begann der Händler etwas breit von den sporenstacheligen Spitzen jener Waffen zu erzählen. Er sei mit lauter morgenlän dischen Antiquitäten nach Madrid gezogen, habe ziemlich gut abgesetzt und nur einen dieser Dolche übrig behalten. Ich habe Eile," fuhr Hijos endlich brüsk dazwischen. Oeut wurde mein Weib im Waannlager plötzlich ohnmächtig, fiel hin und schlug mit der Unterlippe gerade gegen die Spitz: dieses ewig verfluchten Almohadendolches." Aha." sagte der Arzt, sich erhebend. Ich soll also die Wunde verbinden." Ach. es steht schlimmer. Der Dolch ist vergiftet." Hijos pfiff durch diee Zähne. Ja. und kein Mensch auf Erden kennt das Gift oder sein Gegenmittel. Mein Vater hinterließ mir den Handel, und was er mir davon sagte, ist das ganze Wissen darüber." Anzeichen also?" Tiefer Schlaf und Tod nach dreißia Stunden." Und kein Mittel? Was soll also diese Summe hier!" Arznei ist machtlos, aber das Mes-, ser kann helfen. Denn wisse, daß der tödtliche Stoff langsam fortfrißt und erst nach vier Stunden weiter in den Körper acht." Auswaschen also." Wasch: inen Schlangenbiß!" So. so. Dann heißt's aus schneiden." Das thut es. Der Finger muß weg. in dem das Gift sitzt, sagte mein Vater stets. Aber siehe den Ort der Wunde und bedenke mein Weib! O schweres Weh!" Allein das war einmal Hijos' Fach und konnte sein Mitgefühl nur wenig erregen. Der Fall war überdies viel zu interessant, als daß die schwächneben Kümmernisse des armen Gatten in's Gewicht fallen durften. Hier scheint entweder dies oder gar nichts Ziu thun," entschied Domenico kühl. Besser die Lippe als das Leben." Ja. ich weiß, daß Du Recht hast. Allah ist groß und thut, was ihm gefällt. Der Wagen hält unten, also komm und zeige, was Du vermagst." Domenico Hijos nahm sein Besteck aus der Schublade und schob es nebst einer Rolle Verbandzeug in seineTasche. Er dachte an Mercedes Montero und gerieth in Eile. Fertig," sagte er, in den Ueberzieher fahrend. Glas Wein noch gefällig? Draußen ist ein Teufelswetter." Der Besuch fuhr zurück und hob abwehrend die Hand. Ich bin Muslim," rief er lebhaft. Und sage doch, was in der grünen Flasche ist, die Du da nimmst." Chloroform natürlich." Auch das darf nicht sein, denn es ist flüssiger Geist unter uns verboten." ' Und Dein Weib soll ohne ein Betäubungsmittel operirt werden? Sei nicht thöricht." Ach. das arme Geschöpf wird auch so nichts fühlen. Schon hat der feste Schlaf begonnen, das erste Werk des Giftes. Außerdem habe ich ihr Opium gegeben. Komm, die eine Stunde ist schon wieder vorbei." Schneidend und prickelnd schlug ih-

nen der Schnee in's Gesicht, als der Diener das Thor öffnete und es mit der Schulter dann festhielt. DieFlurlampe in der Hand einer MarmorKaryatide flog jäh rückwärts und erlosch puffend. Die Beiden stampften dem gelben Schem der Wagenlaternen entgegen und einen Moment darauf rasselten sie von hmnen, .Weit?" fragte Domenico Hijos. Nein. Wir wohnen draußen in der Calle Olozaqar." Der Arzt ließ seine Repetir-Uhr spielen: aleich Neun. Er berechnete die Entfernungen nebst der kurzen Zeit, welche eine an sich so gewöhnliche Operation beanspruchen würde.. Gegen zehn, qewiß, konnte er bei seiner Gräfin Montero sein. Die fahlen Gaslaternen, flogen rasch aufleuchtend an den beschlagenen und schneeversetzten Scheiben vorüber, bisweilen erhellte ein großes Ladenfenster auch den Kutschenraum. Sonst sah er nur den ween Turban seines Gefährten schwach durch das Dunkel leuchten. Zuletzt durchsuchte der Chinlra sei

Taschen, legte szine Nadeln und Ver-

bände zurecht, um keine Zeit einzubüßen, und seufzte dann ungeduldig, indem er die Fußspitzen nervös auf dem Kutschboden spielen ließ. Dann verlangsamte sich das Tempo des Wagens, er hielt. Hijos sprang mit beiden Fußen hinaus, der Mann von Mogador ihm nach. Warten, Kutscher." rief der Arzt. Finstere, nüchterne Häuser rechts und links. Eine abgescheuerte und zerstoßene Thür öffnete sich, Hijos hatte oben schwaches Licht durch das Fenster erblickt. Ist alles noch wie zuvor?" flüsterte der Marokkaner einem alten Weibe zu, das mit der Rechten die Klinke und in der anderen Hand eine trübe Laterne hielt. .Wie Ihr sie verließet , Sie sagte?- , Nichts. Schlaf! immerzu." Domenico Hijos folgte dem Erregten verwundert durch den kahlen Flur, die Wendeltreppe empor zum zweiten Stocke. Ueberall graus, Spinnweben und dicker Staub. Doch das Zimmer selbst war mit allerlei orientalischem Krimskrams vollgepfropft, eingelegten Tischen, Stoffen, Nargilehs und wunderlichen Waffen. Nur rnLämpchen stan auf einem Wandkonsol. Hijos nahm es herunter und bahnte sich einen Weg nach dem Divan in , der Ecke, auf dem ein morgenländisch gekleidetes Weib lag, das Gesicht vom Iaschmak umgeben und außerdem verschleiert. Der untere Theil war allein frei, und der Arzt sah. daß der Rand der Unterlippe einen langen Riß wies, welcher im Zickzack Ii&F. Laß Dir die Hülle gefallen," sagte der Marokkaner. Du weißt, wie wir es damit halten müssen." Aber dem Chirurgen waren Jaschmak und Schleier gleichgiltig. Das war kein Weib, sondern eben ein Fall. Sorgfältig prüfte er die Wunde. Keine Entzündung. Die Operation ist nicht am Platze, so lange örtliche Symptome lAien." Der Gatte rang "die Hände in unermeßlicher Aufregung. Sennor," keuchte er, zögere jetzt nicht! Du weißt nichts davon. Tödtlich ist's. Ich kenne das und gebe Dir mein Wort, daß nur Dein Messer sie rettet." Aber ich bin überzeugt, daß es zu früh ist." Genug!" schrie der Händler erzürnt. Jede Minute ist kostbar und ich mag hier nicht stehen und mein Weib vergehen lassen. Du willst nicht? Da danke ich Dir für Dein Erscheinen., Und nun geschwind zu einem anderen Arzt, ehe es zu spät wird." Hijos zögerte. Hundert Dublonen zurückweisen, ist unangenehm, und natürlich konnte er sie nicht behalten, wenn er den Fall zu behandeln verweigerte. üatte der Muselmann aber gar Recht und das Weib starb, dann mischten sich d'eVehörden ein, weil die Leute ffremd? waren, und ihm winkte zweifellos allerlei Aerger. Du hast persönliche Erfahrungen mit diesem Gifte?" fragte er. Wie ich gesagt habe." Und Du versicherst mir, daß die Operation nothwendig sei?" Beim bei Allem, was uns heilig ist." Die Entstellung wird aber scheußlich sein." Ich verstehe. Der Mund wird nicht wieder zum Küssen verführen. Domenico Hijos wandte sich schnell nach dem Sprecher um. ' Aber der Marokkaner bat einen eigenen Jdeenganz und drückt ihn entsprechend aus. Nur klanaen die Worte so seltsam roh. In dessen war Hijos schon wieder bei seinem Fall. Er öffnete das Besteck und führte den Zeigefmger sacht über die alatte Schneide. Nun zog er die Lampe dicht heran Zwei dunkelgeränderte Augen blitzten ihm durch einen Riß des Iaschmak .entgegen, doch zeigten sie fast lauter Iris, so daß kaum eine Pupille sichtbar war. Deine Dosis Opium ist hübsch groß aewesen." Ja. das war sie."' Er blickte noch einmal nach den Augen hin, die ihn gerade anstarrten. Finster und glanzlos lagen sie in den Höhlen, aber jetzt kam ein flüchtiges Funkeln hinein und die Lippen bebten leise. Doch nicht total bewußtlos," sagte er. Ist es nicht besser zu schneiden, so lange si nichts fühlt?" Derselbe Gedanke flog durch das Him des Operateurs. Er packte die verwundete Lippe mit seiner Zange und löste mit zwei raschen Schnitten ein breites dreieckiges Stück heraus. Mit einem gräßlich gurgelnden Schrei sprang das Wtib vom .Divan empor. Die Hüllen fielen zu Boden. Und er kannte, dkfcs' Gesicht. ' Trotz überhänaender Oberlippe und blutigem Ausschnitt kannte er's. ' Sie drückte die Hand'gegen den Riß und schrie. Domenico Hijos sa auf der Diele am ffuße des Dioans, Zange und Messer n der Hand. Das Zimmer tanzte kreisend um ihn her und er fühlte etwas. als trenn: man ihm hinter den Obren eine Naht auf. Ein Veobachter würde sein Gesicht für das weitaus aeisterhaftere ' von den beiden- erklärt baben. Wie im Traum, oder als sähe er einem Schauspiel - zu, - ward 'er sich bewußt, daß Ejub Ibn - Abdallah's Haare und Bart jetzt auf dem Tische lagen und daß Graf Montero gegen di: Wand gelehnt dastand, die Hände in den Taschen und gedämpft lachend. Das 'Schreien war nun verhüllt, das schrecklich verstümmelte Gesicht wieder mif das Kissen zurückgesunken, aber Domenico Hijos saß noch immer bewegunaslos da und GrafMontero kicherte still in sich hinein. Ja. das war ein: höchst nothwentae Operation bei Mercedes begann

kr dann. Nicht physisch nöthig, aber wralisch Sie Wissen's, nicht wahr?" Hijos beugte sich vor und fing an mit den Franzen am Divan zu spielen. Sein Messer fiel klappernd hin, aber

die Zange hielt er fest mit dem, was sie genommen hatte.' Schon längst wollte ich ein kleines Exempel statuiren," fuhr Montero sanftmüihig fort. Ihr Billet vom Mittwoch verirrte sich bis in mein Taschenbuch. Da! Uebrigens habe ich diel Mühe gehabt, mein: Idee durchzuführen. Es wäre bequemer und sogar ungefährlicher gewesen, mit Ihnen direkt die Sache abzumachen." Montero sah bei diesen Worten finster auf den schweigenden Arzt hinab und spannte in der Rocktasche einen kleinen Revolver. Aber Domenico Hijos fingerte fortwährend an den Franzen herum. Also Ihre Verabredung haben Sie schließlich doch noch eingehalten," fuhr der Graf fort. - Und nun fing Hijos an zu lachen. Lange und laut. Aber Montero lachte nicht mehr. Er faßte den Gegner noch einmal in's Auge und etwas wieFurcht litt durch seine Züge. Vielleicht wollte ihm die Verwandlung des kräftigen Mannes, der zuletzt mit Messer und Zange gearbntet hatte und noch in deren Besitz war, nicht gefallen. Auf den Zehen ist Graf Montero hinausgeschlichen. ' Das alt: Weib erwartete ihn. Bediene Dein: Herrin, wenn sie zu sich kommt sagte er. . Dann betrat er die Straße. Der Wagen hielt noch vor der Thür und der Kutscher griff an den Hut. Diego. Du fährst zuerst den Doktor heim," befahl sein Herr. Mir scheint, er wird nicht allein die Treppe hinabfinden. Sage seinem Diener, ihm wäre bei einem Fall unwohl geworden." Jawohl. Euer Gnaden." Dann kannst Du die Gräfin abholen." Und Euer Gnaden selbst?" Ja so! meine Adresse ist bis auf Weiteres Hotel de Bruxelles. Paris. Dahin also die Briefe. Esteban soll übrigens alle blühenden Kakteen am nächsten Montag ausstellen und mir über den Erfolg telegraphiren." Aus derKlcmme gezogen. Mit dem Grenadier Vullioni 'on der ersten Garde, einem Welschtirokr von Geburt, pflegte sich der alte Fritz oft einen Scherz zu machen, wodurch jener allmälig sehr dreist ward. So oft seine Frau in'sWochenbett kam. brachte er dem König einen Gevatterbrief und bat ihn bei einem Sohne zu Gevatter, wenn es gleich ein Mädchen war. Er bediente sich dieses Geoatterbittens aber auch, wenn es ihm an Geld fehlte. Einst kam er wieder mit einem solchen Antrag vor den König. . m, geh' sagte Friedrich, Deine Frau ist gar nicht in Wochen. Du bekommst Nichts." Vullioni ließ sich für diesmal abfertigen, kam aber nach einigen Tagen wieder und sagte: Eir Gevatter, ick brauch' Geld!" - Geh'," sagte der König, ich habe keins!" Vullioni blieb und sagte: Jhro Majestät, leih'n Sie mir auf mein' Capitulation nur fwei Ducat'!" Hast Du sie bei Dir?- fragte der König. Ja'" ''.'' Im sie her!" Vullioni erhielt zwei Ducaien und der König erhielt die Capitulation, das heißt die Urkunde, laut welcher ein Unterofsicier seinen Dienst wieder verlängert und die wegzugeben oder zu beleihen bei hoher Strafe, verboten war. Als nach einiger Zeit die Capitulation abgelaufen war. ließ sich der König die Liste der betreffenden Soldaten einreichen. und als er auch den Namen Bullioni darauf fand, fragte er den Adjutanten: Hat der Unierofficier Vullioni überHaupt eine Capitulation?" Ja, Jhro Majestät!" Der König behauptete, er habe keine, und um aus der Sache zu kommen, mußte der Unterofficier erscheinen. Friedrich fragte nun den Adjutanten: Was verdient der Soldat, der seine Cavitulation versetzt?". Vierundzwanzigmal Gassenlaufen und die Capitale non ist versallen." Vullioni trat sofort zum Adjutanten und fragte: . Und was hat der verdient, der auf Cavitulation Geld leiht?" Der König lachte la.ut auf und gestand, daß' auch er gefehlt habe und sagte: . ' ' Da nimm Deine Capitulation und komm mir so bald nicht wieder!" Zwangslage. Fanny: Du hast Dich mit Herrn Schmidt verlobt, trotzdem er Dir zuwider war?" Rosalie: Ja, ich konnte aber nichts dafür; er machte mir seinen Antrag unter einem Regenschirm und schwor mir. im feierlichsten Eide, er werde, wenn ich ihn abweise, esauf meinen neuen Hut regnen lassen. ' ' Ozean du Ungeheuer. Herr Aren: Ist'S Fräulein Tochter musikalisch?" Herr Goldschmidt: Meine Tochter musikalisch?! 'Sarah, gleich setz'st Du Dir hin und singst dem Herrn de klassische Arie: Enzian du Ungeheuer!" . Frech. Richter: Sie scheinen nicht af den besten Wegen zu sein. Erst in einer Besserungsansialt, dann in einer Masanstalt und jetzt auf dem Wege in's Zuchthaus?" Verbrecher: Bia bloß auf der Wohnungsschau!"

Admiral Mcadc Nüktrttt.

Nicht geringes Aufsehen hzt der freiwillige Rücktritt des Eontre-Admi-ral Richard Worpam Meade hervorgerufen. Der Genannte, welcher das Commando über das nord-atlantische Geschwader führte, glaubte sich durch das Manne-Departoent hintange setzt und durch Vertreter der Bundes Admiral Meade. Regierung im Auslande verletzt, weshalb er seine Stellung niederlegte. Nach diesem Schritte kritisirte er die Regierung in einer Weise, die nicht ausschließt, daß er noch zur Verantwortung gezogen wird. Commodore Meade 'war am 9. Oktober 1837 geboren, hätte also erst am 9. Octobe? 1899 die durch das Gesetz vorgeschriebene Altersgrenze erreichr. Ein Opfer der Wissenschaft. Im blühenden Mannesalter von nicht ganz 34 Jahren ist in New Aork der Bakteriologe John W. Byron als Opfer der Wissenschaft gestorben. Der Dahingeschiedene, welcher in Lima, Peru, geboren war, hatte sich im Winier 1893 94 beim Experimentiren mit Tuberkelbacillen die Schwindsucht zugezogen, welche seinem Leben ein vorzeitiges Ziel setzte. Trotz seiner Dr. John W. Byron. Jugend hatte Dr. Byron auf dem Gebiete der bakteriologischen Forschungen bereits Hervorragendes geleistet. Ihm war von seinen Collegen der Ehrennamt Der Held von Swinburne Island" beigelegt worden, weil er im September 1892 unter Hintansetzung seines eigenen Lebens unter den cholerakranken' Einwanderern unermüdlich gearbeitet hatte. Auch in transatlantischen Choleragebieten, wie in den Gelbsieberdistrikten von Cuba wa? er in ähnlicher Weise thätig gewesen. Durch seinen Tod erleidet die Wissenschaft einen sehr großen Verlust. Der improvisirte Blitzableiter, oder: Kriegslist des Herrn Schwcmmerl. Höchstes Lob. Grenadier Schulze (ein Kotelett verzehrend) : Hunger ist der beste Koch, aber die beste Köchin, sind Sie, Paulineken! Q i n e w i ch t i g e Stellung. .... Nimmt Ihr Schwager eine be deutendeStellung ein im Parlament?" Gewiß. Er ist es, der immer Schluß der Debatte beantragt!" Ahnungsvoll. Dichterling (zu seinem Freund): Lieber Freund, gestatte mir. Dir mein neue-' stes Drama, ehe ich es an eine Bühne sende, vorzulesen!" Freund: Hab' setzt keine Zeit!... Du kannst es mir ia vorlesen, wenn Du es wieder zu rückbeiommstt"

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