Indiana Tribüne, Volume 18, Number 239, Indianapolis, Marion County, 19 May 1895 — Page 7

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lCTiGmgfc--?r2cr8Tsa Tt:rnnr.) Die Todter deö VtarquiS.

pcxo Yorker Skizze von 23. v. Echrbrand, Cr ist zcht auch todt, der gute, alte Narquis, und so kann ich's wohl wa Len, ne kleine Episode aus seinem langen Leben zu erzählen die mir da. rnals Vorkam wie die Ve'.'iörperunA der Tragikomödie. Ich nur nämlich eS smd jetzt nahezu 20 Jahre her eine Zeitlang Bcrichtciftatter am Mesiager Frmico.Amcricaw, einer in französische: Sprache erscheinenden Tageszei iung in New Iork, deren Chesredac ter, ein grimmer Feind von Louis Napoleon, Inhaber des Ritterkreuzes ter Ehrenlegion, sowie eines uralten Namens war, sonst aber nur wenig zu Meißen hatte, denn das Blatt zählte nur in paar tausend Leser. Trohdem ich z::s meinem Tcutschthum zar kein Hehl .machte nd dem alten Haudegen, der sich sein Kreuz ehrlich in Algier gegen die Araber verdient hatte, auf Befra gen sogar gestanden, daß ich gegen seine Lcnbsleirte im Jahre 1870 gefochten hatte, war mein Ehef dech ganz liebens würdig und zutraulich zu mir und nahm mich oft mit nach seinem Sramm cafe in der Kreat Jones Strafe, wo er mich mit Grazie im BUiardspiel zu schlagen pflegte revanche pour Se dan", wie er jedesmal dabei sagte. Ihm verdankte ich auch meine Bekannt schaft mit dem alten Marqis. Tiefer alte Vkarqnis diente nämlich in jenem Cafe um targen Lohn. Als ich dem weißhaarigen, glattrasirteu Herrn zum ersten Mal vorgestellt wurde M. Ic Marquis de Luynieres, sagte mein Chef, sich dabei den grün melirten Jmperial streichend, lächelnd und doch mit einer gewissen Ehrfurcht ia sah ich sofort, ich hatte eine Gentleman von blauem Blute vor mir; nimmermehr aber hatte ich vermuthet, einen Bediensteten m ihm zu erblicken. Denn der alte Marquis sah aus w?e die Würde selbst, in seinem altmodisch langschößigen blauen Frack mit den vergoldeten Knöpfen, den hellgelben Nankinbcinkleidern und der Halsbinde von weichem, schneeweißen Mull, seiner überlegenen Miene und dem unverkcnn baren Almenstolz, der sich in seinem ernsten heftigen Gesicht ausprägte. Und doch war er weiter nichts als der Marqueur, der die gemachten Points der Spieler oben auf dem Draht auf. reihen mußte, dabei die Spiele selbst beaufsichtigen und das Geld für jede Prthie in Empfang nehmen wie gesagt, gegen einen Lohn, der selbst bt scheidenen Ansprüchen an das Leben kaum genügte. Aber er that das Alles mit eher un riechbaren Würde, mit einem feinet Takt und Anstand, als ob cr diese Obliegen, hciten vor seinem legitimen König dem roy, wie er stcts'sagte und schrieb ausführe. Alles war bei ihm ge messen und würdevoll, und nie wagte es einer der Stammgäste des Lokals ihn anders als mit ausgesuchter Höflichkeit zu behandeln, denn cr hatte eine Art, selbst dem ausgelassensten Luftikus zu begegnen einen halben Blick der miß billigenden Verwunderung oder gar ein urmachahmliches Achselzucken vor der ihnen Allen bangte. Und dabei war er ein herzensguter Mann. Und vor dem schweigend getragenen Unglück dieses Greises beugte sich mich der leichtfertigste Franzose, gleichviel ob ehemaliger Bar. kadenhcld oder gar Eommunard, in Ehrfurcht. Einige Monate lang war meine Be kanntschaft mit dem alten Marquis nur eine oberflächliche, trotzdem mich der Mann interefsirte und ich gern Näheres über ihn erfahren hätte. Ta wollte cS der Zufall, daß ich ihm einen kleinen Tickst erweisen tonnte. Mein alter MarquiZ hatte uämlich vor Kurzem seine Wohnung gewechselt und war in dasselbe HauS gezogen, in dem ich mein kleines Junggesellen-Quartier aufge schlugen hatte. Mit dem Wirth, einem grobkörnigen Jrlündcr, gerieth er wegen eines Mißverständnisses in Nöthen, und da der Jrlünder kein Wort Fran zöstsch und der alte Marquis kein Wort Englisch verstand (cr hatte es nie über sich gewinnen können oette lanue im rossible, wie cr sie naunte, auch nur zn lernen zu versuchen), so war eine Verständigung schwierig, bis ich mich einmischte und mit wenigen Worten das beiderseitige Mißvcrständiß auf klärte: Worauf der alte Marquis sich bei ähnlichen Gelegenheiten wieder an mich wandte und ich bis zum gewissen Grade sein Freund wurde. Tiefe Rolle gab mir aber zu denken, denn ich kam dadurch in eine mißliche Lage. Es gab nämlich eine Tochter ja wohl, der Atc.hatte eine Tochter, sein einziges Kind, ebenso lebbaft und mit. thcUsam, lustig und ausgelassen, wie ihr Batcr das Gegentheil war. Ueber dem schmalen, eisernen Bettgestell des alten Herrn hing ein winziges Pastell Portrait. Es stellte eine rosige, lächelnde, rcizcnce Frau oar, die Mutter Tiane's, die auf der Flucht nach Amerika, auf hoher See gestorben und ihrem viel älteren Gatten das kleine Kind hinter, lassen hatte. Tiane nun, zu jener Zeit zur knospenden Jungfrau, erblüht und das Ebenbild ihrer Mutter, machte mich ebenfalls zu ihrem Vertrauten. Wohl verstanden, aus triftigen Gründen, die für mich nichts Schm.'ichclhaftcs hatten. Tiane war nämlich verliebt, aber im glimliä, erweis? nicht in mich.. Ter Er iorcne war doch ehe ich das verrathe, muß ich einige Scitenbcmerkungen machen. Tort wo der alte Marquis und sein Töchterchen zuletzt und zwar eine Reihe von Jahren hindurch gewohnt hatten, in der Wooster Street, war ihr Hauswirth ein plattdeutscher Grocex gewesen, dessen Laden zugleich 'im Erd gcschoß lag. . Tiescr Grocer hatte einen pausbäckigen, drallen Burschen zum Sohn echter Oldenburger Schlag. Will und Tiane sahen sich viel und oft, und da das Mädchen den winzigen Haushalt ihres Baters führte, so hatte der Lrocerjüngling häufig Gelegenheit,

vcm bildhübschen Mädchen, in dem cr n freien Amerika eben nur das schöne Äkädchcn bewunderte, allerlei kleine (fc sälligkeitcn zu erweisen. Ich weiß nicht, welche Sorte von Gatten der alte Mar quis dereinst für stinc Tochter erträumt hatte, wahrscheinlich gar keinen. Wie es allen Bätcrn zu ergehen pflegt, die Kleine war in seinen Äugen überhaupt noch ein Kind geblieben, bezüglich wel cher ihm Heirathsprojekte irgendwelcher Art wohl als völlig verfrüht erscheinen mochten. Allein Gott Amor läßt nicht mit sich spaßen, und obwohl der greise Papa, der Sprosse ungezählter Ahnen und eines ehemals berühmten altkran zösischen Geschlechts, sicherlich nie an einen plattdeutschen Grocerjüngling als möglichen Eidam gedacht hatte, so war fcrch das Faktum nicht zu leugnen, fcuft sein Töchterchen ganz augenscheinlich eine solche Verbindung schon in 's Auae zu nehmen begonnen liatte. Genug, die beiden jungen Leute bat' ten (Gefallen aneinander gefunden, und der biedere Oldenburg?? Junge glaubte wahrscheinlich auch ganz und gar nicht, daß man ibn als eine Mesallianc". sondern im GentlzcZ?, nur. als eine gut? match" ansehen könne. Tcnn berum er hatte uxis und sie hatte nichts. Ta. eines schönen Tages kam der alte Papa dahinter. - Er hatte aller dings keine Ahnung, daß seine Tochter sich schon in aller Stille mit dem Gro cerjüngling versprochen hatte amen konische Sitten und Gebrauche waren ihm überhaupt trotz seines langjährigen Aufenthaltes ein Buch mit sieben Siegeln geblieben und eS erschien ihm gar nicht denkbar, daß ein junges Mäd. chcn, geschweige sein eigenes Kind, sich ohne Erlaubniß ihres Baters mit einem wildfremden jungen Mann verloben könne. Nun war also auf diese Weise wieder einmal einer von jenen Liebes knoten geschürzt, für die es oft keine andere als eine gewaltsame Lösung gibt. Ich erwähnte schon, daß mich Tiana, mit dem berechtigten, aber oft recht rück sichtsloscn Egoismus der jungen Liebe, ebenfalls zu ihrem Vertrauten gemacht hatte. Sie hoffte, meinen Einfluß aus den alten Herrn, den sie übrigens über schätzte, sich zu ihren Zwecken dienstbar machen zu können. Und so war ich denn jn einem mißlichen Tilcmma. Ter alte Marquis glaubte, daß die vermeint llche bloße Liebelei durch den Umzug nach der neuen Wohnung beendet wor den sei, und Tiana getraute sich nicht, ihrem alten Batcr, vor dem sie bei aller Liebe einen heillosen Respect'hatte, die sen Irrthum zu benehmen. Sie setzte aber, mit Aufbietung aller ächt weibli chen List, ihr Verhältniß mit Willy, dem strammen Oldeuburger, fort und hoffte noch immer auf einen glücklichen Zufall, der ihr die Einwilligung des Vaters zu der ersehnten Verbindung verschaffen sollte. Willy drängte. Sein Vater wollte ihn nach der Hochzeit selbstständig machen, und Willy hatte sich schon ein nettes Sümmchen gespart, wie er über Haupt ein höchst solider und ordentlicher Mensch war. So riskirte denn Willy es eines Sonntag Morgens Uofc rneU nes Abrathens und des seiner Braut bei dem künstigen Schwiegerpapa um die Hand des Töchterchens in aller ZZorm anzuhalten. What can the old man do to ms?" hatte er auf mein Abrathen gesagt. Ich dachte aber, der Schlag würde den alten Mann rühren, als Willy's Anliegen ihm von mir ver dolmetscht worden war. Kreidebleich zuerst, dann hochroth im Gesicht, mit einem dumpsen röchelnden Laute, stürzte sich der gebrechliche alte Edelmann auf den stämmigen Riesen der Oldenburger Marschgegend, der den Greis mit einer Hand hätte erdrücken können. Hätte ich ihn nicht zurückgehalten, es wäre ein Unglück geschehen. 'Tags darauf war Tiane verschwun den, und am selben Abend wurde, nach dem in der Eity Hall vom Richter das Pärchen in der Eile getraut worden war, das Hochzeitfest im Hause deZ Bräutigams gefeiert. Es ging ganz Lustig dabei her, wenn auch hie und da ein Schatten die sonnigen Züge der schönen Braut überflog. Und einige Tage später eröffnete Willy an der South Fifth Avenue ein Restaurant und dazu gehörigen Barroom, de r sich schnell rentirte und wo sich Frau Tiane, den Kummer um ihren Bater abgerech net. sehr glücklich fühlte mit ihrem plattdeutschen Willy und auch inner halb einiger weiteren Jahre ihrem Manne zwei reizende Kinder schenkte, die der lebende Beweis dasür waren, daß eine Mischung von germanischem mit gallischem Blut recht günstige Re sultate .erzielt. . Aber der alte Marquis! Er that mir in der Seele leid, denn seine ererb ten und anerzogenen Vorurtheile und Grundsätze waren ehern. Er selbst wäre nicht im Stande gewesen, daran zu rütteln. Ma fille? Je n'en ai plus!" sagte er starren Antlitzes, als ich ihn einige Wochen nach jenen Er eignissen zu trösten und zur Versöhnung zu bewegen suchte. Von seinem Schwiegersohn sprach er nur selten und dann nur als: ce roturierla!" Tabei .fraß der Gram und der Schmerz um sein verlorenes Kind an seiner Se?le wie ein Geier, und er ver siel sichtlich, sodaß er eines Morgens nicht mehr die Kraft hatte, nach seinem Eafe zu gehen, und versiel in ein hitzi ges Fieber. Als er wieder genas, ver pfändete er oder verkaufte er einige ihm noch verbliebene Werthobjecte, um sei nen Arzt und seinen Wirth zu bczah len, und dann nahm er stoischen Muthes wieder seine alte Thätigkeit im Eafe an der Great Jones Straße auf. Von seiner Tochter oder gar von seinem Schwiegersohn weigerte er sich, auch nur das Geringste anzunehmen, und einige Geschenke, die ich ihm in ihrem Namen überreichen mußte, sandte er am nächsten Tage durch einen Boten wieder an sie zurück. Aber seine Le benskraft, wenn auch nicht sein Stolz, war gebrochen, und sein Gedächtniß wurde schwächer und schwächer, sodaß cj beim Markiren am Billardtisch hau

sig Irrthümer beging. Wir alle be merkten das, aber Niemand ließ es den alten Mann merken. Schließlich jedoch konnte der Eigenthümer des Cafes die Sache nicht länger ruhig mit ansehen, und als er den alten Marquis sehr schonend wegen eines begangenen gro ßcn Irrthum zur Rede stellte, kündigte ihm dieser den Dienst. Ja, er, der alte Marquis, kündigte, nicht der Eafe tier. Und dann verschaffte ihm mein Ehef, der Redacteur dcS Messager FrancoAmericain, einen kleinen Ruhe Posten in dem Geschäftsbureau der Zei tllNg. Tort, in the harness, ist der Greis eines TagcS eingenickt, um nie wieder aufzuwachen. Er schied von dieser schnöden Welt, die den MarquiS der alten Schule nicht mehr versteht und von diesem auch nicht verstanden wird, im Vollbesitze aller seiner Vorurthcile und seines Stolzes nach Art des ancien reiine und die rauhe Erde des Erils. schloß sich' für immer über seinem Grabhügel. Doch Willy und seine Tiane, die Beide den alten Mann geliebt, haben dafür Sorge getragen, daß diese Erde wenigstens nach seinem Tode auch sür ihn Blumen und Blüthen trägt.

Ein eingefleischter Weiverhasser. Jn Wien ist ein Hagestolz, wie er im Buche steht, als er zu dem Leichenbezängnisse seines Bruders fuhr, ge storben. Der lange, hagere Mann mit dem schwarzen Salonanzug, stets mit Cylinder und einem Rohrstocke versehen. war eine typische Figur. Interessant ist seine Hinterlassenschaft. In einem Fache seines Schreibtisches fanden seine Verwandten ein Päckchen mit der Aufschrift: Versuche meiner Verwandten, mich in' Ehejoch zu zwingen." Das Päckchen enthalt 62 Briefe, die vom Jihre 1845 bis 1893 laufen und mit Bemerkungen des Hagestolzen versehen, registrirt und ad acta gelegt sind. Von dem Sammler ist ein Zet tel beigefügt mit den Worten: 62 Briefe mit ebenso vielen Antragen, von beirathsbedürftigen Mädchen 1 und Wittw.. welche ein Gesammtvermögen do?: 1.76 0.000 Gulden in's Feld stellten. um mich zu ködern." Dr. -Ungern nannte man ihn scherzweise, wenn er :n seinem Stammgasthause jede zweite Wocke erschien. Im Gasthause saß er nur dort, wo er wußte, daß kein Platz für eine Damengesellschaft war. Ging :r in's Tbeater. so nahm er stets drei Sitze. Links saß feirt Faktotum und rechts ließ er den Sitz leer. Auf der Straßenbahn, im Omnibus, auf der Bahn war seine mit ordinärem Tabak gestopfte Pseife seine Begleiterin. Dies hielt ihm das weibliche Geschlecht meist zur Genüge vom Halse. Charakter!stisch ist eine Stelle im Testamente; er schreibt: Ich bitte meine Verwandten, dafür Sorge zu tragen, daß auf dem Friedhofe, wo ich beerdigt werde, neben mir keine Frauenleichen beerdigt werden. Sollte dies unthunlich sein, so bitte, für mich einen Gruftplatz sür drei Leichen zu kaufen und meine L.'iche in der Mitte zu beerdigen, die Räume rechts und links aber unb;legt zu lassen." Der Geist. Eine Spukgkjchlchte von Charles Vlunk. Unsinn sagte Duff Hops ins, bin alt und grau geworden und hab: mein Lebtaq keinen Geist gesehen, und John Hawthorn hier, schätz' ich, auch nock nickt Hm," meinte John Hawtborn, gesehen, was man so nennt, hab' ich'keinen. das ist gewiß, aber eine Spukgeschichte hab' ich erlebt, das ist auch getoiiV Hollah. also doch! Na, dann los und erzähl'!" Und er erzählte. Lange genug ist's her, sogar sehr lange. Arbeitete damals unten in Summons Vall.'y-Fond und verdiente schönes Geld. Wo mir's gut ging; da kitzelte es mich und ließ mir keine Ruhe, bis ich fortging. Wusch also eines Tages meine Händ7. band mir mein Geld in den Gürtel, nahm meine Haue über die Schulter und ging. Jn Dumbleys' Gehöft kennt ihn ja. d:n alten Dumbley stieg ich ab und kriegte ein Zimmer, propperer wahrhaftig, als ich's je bisher gehabt. Nahm daher schnell einen Imbiß und streckte mich dann behaglich in's Bett, dauerte auch gar nicht lang: und ich schlief. Plötzlich, weiß selbst nicht, wie lange ich geschlafen, plötzlich aber wache ich auf und mir ist's, als sei ich nicht allein. Ich, nicht faul, stutz' mich auf den Ellboz-en auf und horche. Eine A:it lang höre ich nichts. - Dann plötzlich ist mir's, als schnalle sich Jemand ein Ding an und nun nun geht es schlipp. tap, schlipp, tap!" erst schlürsend wi? ein Fuchs in Filzschuhen od:r sonst 'nem Ding, dann ein Aufftapfen wie ein Stück Holz. Hollah." denk' ich mir, wer kann das sein?" und mochte wohl laut gedacht haben, denn das .Stapfen hörte auf und eine Stimm: sagte: 's ist nichts, schlafen Sie nur weiter hab' mir nur mein Bein geholt!" Ihr Bein?" frag ich. ,?la..mein Bein." , Teufel." denk' ich mir, mußt Dir doch den Kerl ansehen, der mitten in der Nacht in fremd: Zimmer kommt und sich sein Bein holt," tappe nach einm Schwefelfaden und ritsch, zünde ibn an. wäre mir aber wahrhaftig b:inah: aus den Händen gefallen, denn was glaubt Ihr wohl,, das tch sehe: ein Stelzbein spaziert da mutterseelenallein stapfend auf mich zu einen Men fchen ab:r. der dazu gehört, den sehe ich nicht. . N2. w?nn das .kein G:iö ist,.- denk'

ich mir, dann gibt's überhaupt keine Geister mehr." denn ein Stelzbein, das allein laust, das geht doch gewiß nicht mit rechten Dingen zu. Hab' aber gar nicht Zeit, weiter viel darüber tu denken, denn plötzlich knackst der Stuhl, als wenn sich einer d'rauf setze, und das Holzbein schwingt sich in der Luft und bleibt plötzlich quer liegen. Mein Geist hat also das Bein über daö andere geschlagen, Sie werden verblüfft sein." redet er mich an. aber es trifft sich gut, daß Sie wach sind. Sie können mir vielleicht helfen. Kennen Sie vielleicht Jim Parkers von Jacksonville?"

Der den man vor drei Jahren aebenkt bat " Weil er Pferde gestohlen, ganz ria tiq." ergänzte mein Geist. Nun denn, dieser Jim Parkers bin ich!" Sie?Wie ich Ihnen sage. Als das Häncren vorüber war, nahm mir einer der Spitzbuben. Fred Bowley von Tippletown. mein Stelzbein weg, ohn: daß icb es merkte. Warum, das weiß ich noch heute nicht. Als aber mein Geist wieder zu sich kam, da ward mir's nicht übel schwül zu Muthe, denn ein Geisterkrüppel zu sein, das, mein Wort darauf, ist das niederträchtigste Ding, was Sie sich denken können. Ich fragte also Hugh Raleigh, der ebenfalls todt war und dem ich zufällig begegnete, was in Teufels Namen da zu thun fei. Narr," sagte er, mußt halt Dein Bein suchen. So oder so!" Das leuchtete mir ein und ich machte mich schnell auf zu Bowley. Der stöhnte nicht übel, als er mich sah. und glaubte schon, sein letztes Stündlein habe geschlagen, ich aber lachte. Sei doch kein Narr." sagte ich. was liegt mir an Dir. nur mein Stelzbein will ich, sonst nichts, sonst hink' ich da herum,' daß es nicht mehr schön ist und ein Vergnügen auch nicht." Dem Bein?" rief er. Das habe ich nicht. Das liegt in Dumbleys Gehöft." Teufel, das-' ist bös: kannst Du's mir nicht verschaff:n?" Nicht um die Welt. Wenn mich der alt: Dumbley sieht, jagt er mir 'ne blaue Bohne durch's Hirn, daß ich nicht Pieps sage. Mußt also schon selber hin." Well. Ging also hin. fand das Bein, schnallte es mir um. muß es aber jede Nacht wieder zurücköringen. weil es Dumbley gehört und man hier, weiß selbst nicht .warum, nicht 'mal 'ne Kleinigkeit stehlen darf, selbst wenn .sie einem früher gehört hat!" Und was kann ich dabei thun?" fragte ich. Sie?" rief Jim Parkers oder sein Geist. Sie könnten daS Ding, das Stelzbein, kaufen und können es sür mich an die Fichte hängen, an der ich gehängt worden bin, wollen Sie das?" Wenn Sie mich dann in Ruhe lassen, recht gern." Top!" sagte er. Damit schnallte er das Bein ab, stellte es an die Wand und ging. Am nächsten Tag: kaufte ich für einen Dollar das Bein, hing es an die Fichte, und seitdem hatte ich Ruh:. Habe auch nie wieder einen Geist gesehen!" Sprack's und that einen Schluck auS seinem Glase. Hm!" machte Dusf Hopkins und blinzelte den Erzähler an. Der aber verzog keine Miene. Helle und dunkle Kleider. Bevor es noch eine Wissenschaft gab, wußten die Menschen, daß dunkelge. färbte Stoffe, den Sonnenstrahlen ausgesetzt, mehr Wärme aufspeichern als helle, und man trug darum seit je her im Sommer lichte und im Winter dunkle Kleider. Schwarz und Weiß 'bilden in dieser Hinsicht die Gegensätze; nimmt man an, daß die Aufnahme von Wärme durch weiße Stoffe 100 betrage, und untersucht dann unter gleichen Verhältnissen die Erwärmung der schwarzen Stoffe, so findet man. daß diese mehr als doppelt fo groß ist und ihr Werth 203 beträgt. Wie verhal ten sich aber die verschiedenen bunten Farben gegen die Wärme der Sonnen strahlen? Die Frage ist nicht ohne praktische Bedeutung, da rein weiße Kleidung nicht gut fortwährend im Sommer getragen werden kann. Die Antwort daraus lautet folgendermaßen: Setzt man das Vermögen der Aufnahme von Wärmestrahlen sür weiß: Stosse auf 100. so beträgt das selbe für hellgelbe 102. für dunkelgelbe 140. sür hellgrüne 152. für rothe 165. für dunkelgrüne 163. für blaue 193 wie für schwarze 203. Nach dieser Stufenleiter können Leute, die viel in der Sonne umhergehen oder arbeiten müssen, die Wahl der Farbe ihres Abzuges treffen-. Aus welcher Faser der Stoff besteht, ist für die Aufnahme der Wärme ziemlich gleichgiltig, da Leinen. Baumwolle. Flanell und Seidenzeug sich in dieser Beziehung voneinander nur wenig in ihrem Verhalten unterscheiden. Lemen erhitzt sich am wenig sten. Seidenzeug am stärksten. Der Unterschied ist aber sehr g:rmg. Egoistisch.. A.: Ich bin gestern verurtheilt worden, dem Frl. Äeber für den Bruch des Eheverspre chens zehntausend Dollars zu zahlen. B.: Ach. das freut mich! A.: Was? Das freut Dich? V.: Na. entschuldige nur. aber ich tvx jetzt mit ihr verlobt! . Auch ein Standpunkt. Gutsherr: Michel, ich habe gehört.daß Euer Sohn total mlßrathen sei...." Lauer: Ja. aber mei Trost is, daß die Kartoffeln Heuer um so besser g:rathen sind. Selbstbewußt. Gardelieutenant: Ist doch gut eingeriHtet, daß der Teufel nicht weiblichen Geschlechtes ist, sonst hätt' er mich längst geholt!"

Im Zlegligee. Von LilhelmThal. .Ja, siehst Du, mein Junge sagte Onkel Hobart, die Ehe ist immer ein zefähiliches Ding. . Du kafst Dir ein . Haus aus ein Jahr, und wenn es Dir ach einem Jahre nicht gefällt, dann zibst Du es weg und kaufst Dir ein inderes. Du kaufst Dir ein Pferd, und wenn Du es. nicht mehr haben villst, schickst Du es zur Auktion und

läßt es verkaufen. Bei einer Frau iber geht die Sache nicht so leicht, die kannst Du weder verkaufen noch umtauschen, an die bist Du Dein Lebenlang gebunden." Aber Onkel Hobart,", sagte der Neffe und zukünftige Erbe des Spresenden, betrachten wir doch die Sache von einem anderen Gesichtspunkt. Anzenommen, sie ist nun ganz reizend, liebenswürdig -und begehrenswerth?" Onkel Hobart Renshaw fuhr si5) mit ironischem Lächeln durch die Haare. - ' Als eigensinniger Junggeselle von 55 Iahren war er natürlich geneigt, Die Sache weit weniger sanguinisch zu betrachten. Paul," sagte er, auf diese Weise kommen wir zu keinem Resultat. Ein Verliebter ist immer ein bischen verrückt. Wenn Du Dir vorgenommen hast, ZU heirathen, so werden alle Argumente der Schöpfung nichts dagegen vermögen. Aber sorge auch dasür, daß Du eine richtige Wahl triffst: denke wieviel ldavon abhängt.- Paul Fontaine brach in lustiges Lachen aus. Wie alle jungen Leute, hielt auch er diese Ermahnung für vollständig unnütz." . p Diese Linileys sind also zwei Schwestern?" fragte Onkel Hoöart nachdenklich und putzte sein Pincenez. Jawohl, Onkel.Emilie und Klara. Sind sie beide hübsch." Wie zwei Rosen an einem Strauch." Ich werde Dir etwas sagen. Paul. Die Damen kennen mich nicht persönlich und wissen noch weniger, daß ich als früherer Polizeiarzt Mitglied der Gesundheitscommission bin. Nun bin ich allerdings weder ein Magier noch ein Zauberer, aber was in Deinem Falle noch weit besser und wichtiger ist, Mitglied der Gesundheits-Commission. Ich gehe, wenn ich will, ungehindert in der Leute Häuser und untersuche, wenn es mir gefällt, ihre Küchen und Keller. Nun junger Mann, was sagst Du dazu?" Ja. ich verstehe nicht," stammelte Paul Fontaine. Nun, Du wirst mich schon verstehen, wenn ich Dir sage, daß das Haus der Lindleys zu meinem Bezirk gehört, und daß ich mich entschlossen habe, Morgen dorthin zu gehen, um mich zu überzeugen, ob alles in der Wohnung in Ordnung ist. Wenn Du mir bei der Sache ein wenig zur Hand gehen willst, so werde ich Dich als einen von meinen Leuten einkleiden und. . . Aber von ganzem Herzen," rief der junge Mann mit freudigen, glänzenden Augen; ich bin meiner Sache sicher und sürchte für Klara und Emilie keinerlei Prüfung." , Nun, wir werden ja sehen sagte Mister Renshaw, inzwischen wollen wir unsern Thee trinken." . Betty, Betty. es hat geklingelt, offne doch mal, schon wieder einer von der Gesundheits-Commission. Die Leute kommen auch öfter als nöthig ist." Die Familie Lindley lebte auf ziemlich großem Fuße und hatte eine schön eingerichtete Wohnung inne. Der Empfanzssalon und die Wohnräume waren mit höchster Eleganz möblirt, aber dafür war die Küche ein. finsterer, dumpfer Raum, der keinen allzu einladenden Eindruck machte. . Trotz ihres anscheinenden Glanzes hatten die Lindleys nur ein bescheidenes Einkommen und Betty, das kleine Hausmädchen in dem fadenscheinigen Kattunkleidchen und den dicken Filzschuhen war der einzige Dienstbote, den sie hielten. Allmächtiger Gott, was hat denn der junge Mann überall seine Nase bineinzustecken!" rief Klara entrüstet. Bitte, mein Herr, hier geht's in den Keller," sagte Betty und öffnete eine Thur, welche mit dumpfem Geräusch hinter den beiden Männern wieder zufiel. Aber diesen hatte ein Blick in die Küche genügt. Jn emem schmutzigen, abgetragenen rosa Kleide saß Klara, die Saare mit Papillotten umwickelt. während ihre kleinen Füße, deren Strümpfe verschiedene Löcher auswiesen. in abgetragenen Filzschuhen uta ten und ein uz den Hals geschlungenes Taschentuch die Stelle eines Kragens vertreten mukie. Am Kück:nb:rd stand Mistres Lindley und bereitete das Mittagessen vor, während Emilie. die Aermel bis' zum Ellenbogen ' aufgeschlagen, an einem Waiazfaß stand und mehrere Damenkragen mit der Energie einer berufs mäkiaen Wäscherin bearbeitete. Onkel Hobart, der sich eben anschickte, seinem Neffen zu folgen, hörte nnrh V? T4ifn W((ri- CMnr.iS hwrt l'VU) Vl iVQtVIl AVVV v.. Stimme schrill und :reischend zu sei nen Ohren drang. Nein, das ist wirklich zu ara. Ma ma, die Brötchen sind nicht zu essen und auch den Kaffee kann man nicht v. r r.f.i r r ti innren, 10 muy lorori iriien qaoen. Aber Klärcken." beruhigte Emilie. Mama ist so müde und hat noch so viel zu thun. Willst Du nicht lieber .? ftH I ein Tinq innren Nein, ich will kee Milch, Kaffee will ich haben und zwar guten Kas-

ce." rief die Brünette und stampfte zornig mit ihren-hübschen Füßen auf

die Erde. Gut. dann will ich Dir Kaffee machen," sagte Emilie, wenn Du so lange warten willst, bis ich die Kragen gewaschen habe." Ich wurde mich schämen, mich zur Waschfrau zu erniedrigen." murmelte Klärchen. Warum sollte ich mich denn schamen. etwas zu thun, was nützlich ist?" fragte Emilie lachend zurück. Papa muß m hart arbeiten und die Wasche--rechnungen sind theuer. Da muß schon einer von uns mit angreifen und Mama sparen helfen, so gut es geht." Ach hör' auf m:t Deinen Moralpredigten und mach' mir Kaffee." schrie Klara, die sich augenscheinlich in recht schlechter Laune befand. In die-' sem Augenblick traten Onkel Hobart und sein Neffe, die genug gehört und auch keinen Grund zu weiterem Verweilen hatten, aus dem Keller und verabschiedeten sich. Paul Fontaine war in tiefeschwelgen versunken, als er die Straßen entlang ging, aber der Onkel schmunzelte und betrachtete seinen Neffen lächelnd von der Seite. Es geht doch nichts darüber, als wenn man die Leute so einmal im Neg-' ligee sieht." sagte er schließlich. Leute, die Abends ls Engel erscheinen, verwandeln - sich bei Tage manchmal in Dämonen. Ja, ja, mein Junge, nimm Dich vor den Brünetten in Acht. Wenn Du überhaupt entschlossen bist, eine Frau zu nehmen, so rathe ich Dir zu der Kleinen am Waschfaß; das kleine Mädchen, .das Ihrer Mutter durchaus helfen wollte, gefallt mir." Ich glaube. Du hast Recht. Onkel. sagte Paul, und beide wandten sich der Wohnung des Mister Renshaw zu. ylk,?? föne mir. Naul. wie kamst Du " I Z- r I r i erraff darauf, mick anstatt Klara ZU wäblen?" sraate die kleine blauäugige Frau, als sie eine Woche nach ihrer Hochzelt ,n Bnghton spazieren gln-gen. Klara ist doch viel hübscher und liebenswürdiger als ich. Allen gefällt Klara weit besser, und weißt Du überHaupt, daß sie ein wenig enttäuscht war. als Du mich ihr vorzogst?" Meinst Du wirklich?" fragte Pauk zurück. Nun, Niemand kann doch etwas für seinen Geschmack. Klara ist sehr schön und glänzend, und als fcch sie zuerst sah. war ich ganz von ihr bezaubert. aber jetzt, da ich Dich näher kennen gelernt habe, schätze und liebe ich Dich bei weitem mehr." Warum er sie aber mehr schätzt und liebt, das hat er ihr bis heute sie sind schon sechs Monate verheirathet noch nicht erzählt. Zur Genealogie der Grobvater. Der heraldisch-genealogische Verein Herold" in Berlin hat für die genaue Bezeichnung der einzelnen Ahnen einen originellen Vorschlag gemacht. Zur Vermeidung von Ausdrucken wie Ur urururgroßvater" wird eine genaue und systematische Benennung empfoh len, die bis in's 33. Glied hinaufreicht, und zwar folgendermaßen: Vater, Großvater, Urgroßvater, Altvater, Altgroßvater, Alturgroßvater, Ober vater, Obergroßvater. Oberurgroßvater, Stammvater, Stammgroßvater, Stammurgroßvater, Stammaltvater, Stammaltgroßvater, Stammaltur großvater, Stammobervater, Stamm obergroßvater, Stammoberurgroßvater. Edel oder Edeling, Edel Vater. Edelgroßvater, EdelurgroßVater, Edelaltvater', Edelalturgroß Vater, Edelaltobervater, Edelalt obergroßvater, Edelaltoberurgroßoa ier, Edelstammvater, .Edelstammgroß Vater, Edelstammurgroßvater, Ahn, Urahn. Es ergibt sich hieraus eine individuelle Bezeichnung für jedes ein zelne Glied der direkten Linie eines 1XX)jährigen Stammbaumes. Welche Phantasie ist. hier aufgeboten! Nur eine Bezeichnung hätte nach der büreaukratischen Terminologie neben Obergroßvater" noch berücksichtigt werden können, geheimer Obergroß Vater".... Ilcmny soit qui mal y pense. Beruhigend. Ein Hei rathsvermittler führt einen Ehekandi baten in eine Familie ein; nach auf gehobener Tafel nimmt er ihn bei Seite: Na. wäs sagen Sie. nicht wahr, seine Leute? Und das Pracht volle Silbergeschirr." Ehekandidat (zweifelnd): Das kann ja auch ge Pumpt sein." Vermittler: I. glauben Sie das nicht, wer pumpt U nen was!" Ueberras chendes R e suliat. Tochter: Mama, weißt Du. ich habe anonym annoncirt. daß ich die Bekanntschaft eines liebenswür digen Herrn machen möcht:." Ma ma: Aber Gleichen, das schickt sich gar nicht für ein junges Mädchen auZ so anständiger Familie! Hat sich denn Jemand gemeldet?" Tochter: .Ja. d-:r Papa!" Väter undSöhne. Aber. Lis:tte. daß Sie ja Niemand erzählen. daß ich Ihnen den R:ng geschenk habe!" I, bewahre, gnädiger Herr, ich hab's auch Niemand erzählt, als mir der jung: Herr vor vierzehn Tag: em paar Ohrringe geschenkt hat! Sie kennt sich aus. Alma: Nimm Dich vor dem Assessor in acht; er ist verheirathet. Selma: Wo her weißt Du denn das, er trägt doch keinen Ehering?- Alma: Aller, dings, aber bemerktest Du nicht, daß die Haut an de? betreffenden Stelle seines rechten Ringfingers ganz weiß ist?' ..

ZZic Z-raucn drc ZZundcs' Dailptstadt. Die gesellschaftlichen Verhältnisse Washingtons haben drei Klassen von Frauen hervorgebracht, die sich scharf Den einander unterscheiden. Von der ersten sieht man nur sehr wenig, denn si: besteht aus Amerikanerinnen, welche die arbeitsamen, treuen, hoffnungsvollen Lastthiere unb:mitklter Männer der Öffentlichkeit sind, für die sie ehr-

geizige Gefühle hegen. Als ihr Gatte noch ein Farmer war, führte sie den Haushalt und kochte und schneiderte für ihn und semen nein : seit er aber Mitglied des Congresse5 oder des Cablnets ist und zum Leben nur sein Gehalt bat. schreibt sie seine Briete, sieht darauf, daß die Frauen der Hauptpolitiker in der L:imath ihr freundlich gesinnt bleiben, ist gütig zu seinen Freunden und haßt seine Feinde. Beneidenswerth ist ihr Loos keineswegs, desto bewunderungswürdiger die Geduld, mit der sie es trägt. Sie thut es Aäes aus Liebe, damit der , Mann, der dieses Opfer hinnimmt, als ob es sich ganz von selbst verstände. Zeit genug für die Ausübung der Pflichten des Staatsmannes hat. Sie setzt alle ihre Kräfte daran, um ihn vorwärts zu bringen. und m neunundneunzig von hundert Fällen stirbt sie enttäuscht, nachdem sie ihre Jugend und ihre Energie in der dumvfen Luft eines Washingtoner Kosthauses erschöpft hat. Als eine größere Macht in der Politik betrachtet sich die Frau der Gesellschaft. Es gibt in Amerika wohl Divlomaten. aber keine Diplomatie. Das Corps auswärtiger Herren und Damen. die nach Washington gehen, um ihre Souveräne m der großen Republik zu vertreten, bemuht sich sehr wenig mit Geschäften ernster Art und bringt noch weniger fertig. Sie sind iedoch öauvtfactoren in der Gesellschaft, und ihre Frauen haben nicht viel mehr zu thun, als m derselben zu glänzen. Bunt genug ist die Gesellschaft in der Bundeshauptstadt, denn sie wird durch Eremvlare von Menschen aus allen Seckionen des Landes gebildet. Die meisten der Frauen, die sich am Treiben der fashionablen Welt beteiligen, wer ten von dem Wunsch: beseelt, sich so vl w:e möglich des Lebens zu freuen. und um dies zu erreichen, machen sie Anstrengungen, vor denen starke Männer zurückschrecken . wurden. Es gibt jedoch auch manche unter ihnen, die andere Ziele verfolgen alsSport und Vergnügung'n. indem sie die Freundschaft solcher öffentlicher Männer suchen, die Muße besitzen, am Nachmittagstheetisch mit ihnen zu plaudern. Da die Thatigkeit der Negierung eine gesetzgebende ist, so müssen Frauen, wenn sie eine Rolle in der Politik spielen wollen, die dem Congreß vorliegenden Fragen bewältiaen. Es ist aber in diesem praktischen, Lande und Zeitalter für di: ehrgeizige Dame sehr schwierig, einen Gesetzaeber zu entdecken, der sowohl liebenswürdig als wohl unterrichtet ist. Nur ein sehr smarter" Mann und smart men" sind Ausnahmen ist im Stande, jeden Nachmittag um fünf Uhr Thee zu trinken, jedenAbend außer dem Hause zu speisen, Poker zu spielen. den Damen den Hof zu machen und sich dann noch auf eine Debatte über die Tarifreform oder die freie Silberprägunq vorzubereiten.' Die Amerikanerin. die sich darnach sehnt, die Abstimmuna von Congreßmitgliedern bei wichtigen Fragen der Gesetzgebung zu beeinflussen, sieht sich oft genöthigt, ihre Kenntnisse von Staatsmännern zu schöpfen, die ebenso wenig wissen, wie sie selbst. Washington zählt allerdings einige Frauen, die sich mit Ernst der Erwägung großer öffentlicher Fragen widmen und darüber ebenso verständig sprechen, wie die besten Männer, jedenfalls aber klüger und sachkundiger, als das Mitglied des Congresses. welches von seinem Parteiführer die Weisung empfängt, wie es stimmen soll. Es wäre unhöflich, diese Ausnahmen nicht zu erwähnen, zumal sie als Vertreterinnen ihres Geschlechts angeseh:n sein wollen. Die Durchschnittsdame der Gesellschaft dagegen, die Kunst. Eleganz und Luxus liebt, such! mehr das politische Ränke spiel und will zunächst den Mann, erst dann den Staatsmann aewinnen. Aber auch diese Gestalten stehen an Zahl weit hinter denjenigen Flauen zurück, welche ihre ganz: Anmutb und LiebenswürdizZeit der G:sellschaft widmen. Die dritte Klasse der Frauen WashZnatons sind die Opfer der Regierung. Wittwen von Officieren und Beamten, die nach treu geleisteten Dienstjahren gestorben sind, ohne für die Hinteröliebenen gesorgt zu haben, Frauen, deren Besitz und Vermögen vor vielen Jahren durch di: Armeen des Landes vernichtet wurde, und denen das undanlbareLand di? gefordert: Entschädigen?, verweiaert. Wittwen von Staatsmännern, die ein bescheidenes Annieten für sich und ih?e Familien suchen. Wittwen und Töcht'.r von Politikern, die ihre Stelluna verloren, weil sie Anderen Plan machen mußten u. s. w. Sie alle zeigen sich in den Lobbies" des Capitols und bitten um Pensionen, um Geld, das man ihnen schuldig sei, tfm Entschädigungen. Di: Volksvertreter werden von ihnen geplagt und wissen sich zuweilen nicht zu retten und zu helfen. Mitunter, wenn sie gar zu lästig und harinä.i sind, werden jene schroff, im Allgemeinen jedoch freundlich behandelt und die Herren vom Congreß hören aufmerksam auf ihre Klagen. Vielen ist durch den gütigen Beistand derselben geholfen worden, aber die meisten ziehen mit leeren Händen wieder ab. An dere women of tlie lobby", glücklicher Weise sind es nicht viele, betreiben eben solche Geschäfte wie die 25ttvisti vom männlichen Geschlecht. .