Indiana Tribüne, Volume 18, Number 239, Indianapolis, Marion County, 19 May 1895 — Page 6

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Nbendfrieöe.

Bon i'uötDij Eichrodt. Schwebe. Mond, im tiefen Blau Ueber Ber.zeshöhn, Sprudle Wasser, blinke Thau... Nacht, wie bist du schön! Spiegle, See, den reinen Strahl; Friede athmend lind Durch das wiesenhelle Thal Walle, weicher Wind! Wie durch einen Zauberschlag Bin ich umgestimmt Lon Gedanken, die der Tag Bringt und wieder nimmt. Daß eZ auch ein Sterben gibt, Fühl' ich ohne Schmerz, Was ich liebe, was mich liebt. Geht mir still durch's Herz. Zlm einen CrunK Zvasser. Von Newholo Crohl h.'im. Am Nande des kleinen Gehölzes, in einem dornigen Gestrüpp, lag der erste o:te. Es war ein alter Soldat; die Sonne Indiens hatte seine Glieder cuszedörrt. er hatte das eine Bein im fallen angezogen, sein spitzes Knie schimmerte durch das Beinkleid, als ob es von Holz wäre. Die mageren Finger waren in den Erdboden eingckrallt, nach hintenübe? lag der Kops mit dem offenen, verzerrten Mund, man sah die Zahnlücken durch den ergrauten Schnurrbart; die verglasten Äugen, weit aus ihren Höhlen hervorgequollen, starrten in die funkelnde Sonne; auf der Stirn das zackige Loch mit Blut und Haaren verklebt, unter dem Haupt angetrocknetes Hirn und ein weiter, schwarzer Fleck es war das Blut des Erschossenen, welches die Erde gierig aufgesogen hatte. Daneben lag die Compagnie im Gelüsch. Kein Gespräch, kein Laut, nur selten klirrte ein Bajonett. Man hörte ras schwere, hastige Athmen der eingeborenen Leute, instinktmäßig schmiegte sich Einer an den Anderen an, nur Wenige vermochten die verzehrende Aufregung zu verbergen, die sich Aller bemächtigt hatte. Mancher wischte sich fcen kalten Schweif von der Stirn, Antere versuchten vergeblich, der Feldslasche noch einen Tropfen zu entlocken. Der Capitän stand mit seinen Offieieren ungefähr fünfzig Schritt vor der Front hinter einigen Bäumen und betrachtete durch sein Glas aufmerksam die Gegend. In der Ferne hörte man einzelne Gewehrschüsse, dann ein leichtes Geknatter, welches immer wieder erstarb. Die Officiere flüsterten einige Worte miteinander, dann näherten .sie sich den Mannschaften. Der Capitän sah jetzt den Todten, den er beim Einrücken in Vt Stellung nicht lcmerkt hatte. Donnerwetter," sagte er mit einer (astigen Handbewegung, deckt das ?n ' ca Ein Soldat erhob sich schwerfällig und strauchelnd, riß einiges Blätterwerk von den Sträuchern ab und warf es über das Gesicht des Todten. Dann schneuzte er sich in die Finger und begab sich wieder an seinen Platz. Zum Teufel noch eins," flüsterte halblaut ein junge? Soldat mit etwas derlebten, aristokratischen Gesichtszügen seinem Nebenmanne zu. es war die höchste Zeit, daß man uns den angenehmen Anblick entzog; so ein erschossener Vaterlandsvertheidiger macht uns das Sterben nicht leicht, ich wenigstens möchte nicht gern so aussehen. Wenn mir übrigens etwas Menschliches passiren sollte, kannst Du die Freundlichkeit haben, meine Beisetzung möglichst zu beschleunigen. Kränze und Trauerkutschen sind nicht nöthig." Laß Deine dummen Witze," gab der Angeredete in deutscher Sprache zurück, ich wollle, wir gingen vorwärts, das Warten wird geradezu unerträgI: " liwy. Hat Dir ter todte Staatsbürger dort den Appetit verdorben oder ist es Dir hier zu warm? Dann hättest Du ruhig in Berlin bleiben sollen, dort wird es wahrscheinlich jetzt etwas kühler sein. Uebrigens werden wir noch eine ziemliche S!r:cke zu marschiren haben, denn nach d:m Antlitz des Verblichenen zu urtheilen, muß er wenigstens zwei Stunden in der Sonne gel:gen haben." Das Gespräch, so leise es auch geführt wurde, halte anregend auf die Soldaten gewirkt. Ueberall wurde leises Geflüster vernehmbar, man tauschte Meinu5gen aus über den zurückgelegten Marsch, man äußerte Vermuthungen darüber, ob man allenfalls noch zum Gefecht kommen würde es irar merkwürdig, wie schnell der Alb geroichen war; die menschlich: N:rden ertragen eb:n nur ein gewisses Maß von Aufregung, die Spannkraft läßt nach und an die Stelle der (Zrregung. tritt Erschlaffung ode? ein gewisses Interesse für fernliegende und gleichmütige Gegenstände. Plötzlich hört,, man den Hufschlaz eines galoppire.iden Pf:rd:s. Aller Augen richteten sich nach der Gezend, von wo das Geräusch kommt. Ein Cfficie? vom Stab: sprengt über das Gefiloe. Er hält die Züge! in halber B:uslh'öh: und sieh! unterttanbl ztoi s.en die Pf-:d:ohrön hindurch auf den Erdboden. Tcr Führer der Compag nie tritt aus dem Gebüsch heraus, gibt einen kurzen gellenden Pfiff ab und winkt dem Officier mit dem Degen. Im Augenblick ist dieser bei ihm. er sagt ihm hastig einig: Worte. Die Officiere der Compagnie nähern sich neugierig, auch sie' vernehmen die Bot

k schcrfi, dann eilen sie zu ihren Zügen

zurück. Der Capitän tritt vor die Front, sein Gesicht sieht düster aus, er beißt die Zähne zusammen, daß die Muskcln an den Wangen weit hervortreten. Erregt knöpft er seinen Rock zu. Auf! Ladet das Gewehr!" Die Mannschaften erheben sich eilfertig, ein kurzes, knarrendesGeräusch, in hundert und fünfzig Gewehrläufe ist das mordende Blei gelegt. Die Truppe setzt sich in Bewegung und marschirt geschlossen, so gut es geht, durch das Gestrüpp. Immer stechender brennt die Sonne vom Himmel. Keuchend und widerwillig verfolgen die Männer ihrenWeg, nur hin und wieder flucht ein Einzelner, wenn sein Fuß an eine verborgene Wurzel stößt. Der Kukuk soll mich holen," sagte der junge Soldat mit dem aristokratischen Gesicht zu seinem Freunde, wenn ich weiß, wohin uns dieser Narr von Capitän führt. Ich glaube kaum, daß wir vorwärts gehen, denn man hört nichts mehr von der Schießerei. Ich wünschte, wir wären lieber in Berlin geblieben, elender wäre man dort auch nicht zu Grunde gegangen wie hier." Das hätten wir uns früher überlegen müssen," entgegnete der Andere, jetzt ist das zu spät; ich wollte nur, daß man hier irgendwo einen Trunk Wasser erhielte, mir klebt die Zunge am Gaumen!" - - Haltet nur die Mäuler mit Euren ewigen Redensarten vom Trinken," sagte ein dritter Soldat ebenfalls in deutscher Sprache, und zwar mit underkennbarem Berliner Dialekt, früher. als Ihr selbst noch Lieutenants wäret, habt Ihr Wein gesoffen, wenn es warm rourde, und uns geschuhriegelt. Jetzt kann die Gesellschaft nichts Besseres als schimpfen und uns den Mund wässrig machen. Hier, Baron, nimm etwas Tabak zum Kauen, darnach wird Dir der Durst vergehen!" Der Soldat hatte eine Hand voll Tabak aus seiner Hosentasche genommen und hielt sie dem, den er als Baron angeredet hatte, in seiner kräftigen Faust dicht unter die Nase. Magst Du nicht? Desto besser," sagte er auf die zurückweisende Bewegung, die der Andere machte, desto besser, dann werde ich den Leckerbissen mir selbst zu Gemüth führen." Er steckte den ganzen Vorrath in den Mund und spie gleich darauf eine Unmenge schwärzlichen Saftes aus. Die anderen Mannschaften lachten; wenn sie vielleicht auch nicht die Worte des Gesprächs verstanden hatten, so war ihnen doch der Inhalt durch die Ge berden klar geworden. : Du brauchst nicht so unverschämt zu mir zu sein, Müller," sagte der Baron. Du weißt ganz gut. daß man in meinen Kreisen keinen Tabak kaut und daß ich mich an diese ekelhafte Sitte nie gewöhnen werde." Ach was. thu' nur nicht so dick mit Deinen Kreisen"; gleiche Brüder, gleiche Kappen Du hast zu Hause Schulden gemacht, die der Alte oder die feineFamilie" nicht bezahlen konnten, und bist hierhergekommen, weil Du nichts zu beißen oder zu brechen hattest. Ich hatte das Luderleben und die Hetzerei mit den Gensdarmen auf der Landstraße satt und bin auch hierhergekommen es ist also Alles Eins; Du bist so gut eine Nummer wie ich. wenn Du auch in der Cadettenschule warst und ich bei Pfeiffer in der Armeu schule." i Der Baron murmelte etwas wie freches Gesindel" vor sich hin und ging etwas dichter an seinen Freund heran, der das Gespräch geflissentlich überhört hatte. Müller betrachtete ihn mit spöttischem Lächeln und pfiff leise eine Melodie. Die Hitze ist inzwischen unerträglich geworden. In der Colonne hat sich jene schweißige Ausdünstung festgesetzt, die das Athmen zur Pein macht. Kein Lüftchen regt sich, und soweit das Auge reicht, flimmert und glitzert das Sonnenlicht über den welkenden, durstigen Gräsern. Immer , weiter und weiter zieht die Truppe, die einzelnen Leute mit jenem schleppenden und verdrössenen Tritt, d:r übermüdeten Arbeitsthieren eigenthümlich ist. Dumpfes Schweigen lastet auf den Soldaten, von Zeit zu Zeit kniet Einer nieder, um etwas an seinem Schuhzeug zu ordnen, dann eilt er klappernd nach denn Zurückbleiben oder der Ermattung nachgeben, bedeutet sicheren Tod in dieser Einöde. Der Capitän läßt endlich halten und einschwenken. Die Gewehre werden zu Pyramiden zusammengesetzt. die Mannschaft soll einen Augenblick ruhen. Jeder sucht ein schattiges Plätzchen auf. Hollah, Baron!" rief Müller, der hinter diesem stand, was ist denn los. Du taumelst ja. als ob Du zu viel getrunken hättest!" Er. fing den Niederstürzenden gerade noch in den Armen auf. Der Baron war leichenblaß geworden, er hatte die Augen halb geschlossen, man sah nur einen Theil des Weißen hinter seinen Lidern, von der Stirn perltcn ihm dicke, kalt: Sckweißtropfen. Müller ließ den Ohnmächtigen sanft in das Gras gleiten. Die Officiere warfen einen theilnahmsvollenBlick auf die Gruppe, die anderen Soldaten ,sahen mit stumpfer Neuaier zu. Ein wahres Glück," meinte der hilfsbereite Soldat, daß ich' freches Gesinde!" Tabak kaue, sonst hätte ich wahrhastig keinen Tropfen mehr in der Flasche, um diesen hochgeborenenHrern .in's Leben zurückzumfen. Halt' ihm 'mal den Kopf etwas hoch", sagte er zu dem Freunde des Barons, der sich genähert hatte.

Mi! Gewalt preßte er ihm dieFlasche in den Mund und ließ ihm einen Tropfen brennenden, warm gewordenen Genever in die Kehle rinnen. Der Baron bekam einen Hustenanfall, der ihn fast zu ersticken drohte. Jedenfalls kam er durch dieses Radicalmittel sofort wieder zu sich, er knöpfte seinen Rock auf und sah sich erschöpft um. Alle Teufel." sagte er, indem er ausspuckte, ich-dachte schon, daß mein letztes Stündlein gekommen wäre. Die Mattigkeit kommt vom Hunger, ich glaube, es wird Abend werden, bevor wir einen- Bissen erhalten; das halte aus, wer will, ich kann nicht mehr!" Nun. wenn es an einem StllckBrot liegt, damit kann ich noch aufwarten," entgegnete Müller, indem er aus seiner Tasche ein Stück indischen Kattuns zog. in welches ein ziemlich großes Stück Brot eingewickelt war. Hier, ich will ehrlich in drei Theile theilen so! Hier, Baron, und Du auch!" Die beiden Anderen machten einige Redensarten: revanchiren wenn er es gerade übrig hätte; sie faßten aber zu. Müller kaute gleichmütig das harte Brot und sagte ruhig: Eßt nur, Ihr habt ja mehr Hunger wie ich!" Die Compagnie hatte sich wieder in Marsch gesetzt. Immer noch hält die Hitze an, doch hat sich ein leiser, kaum Wahrnehmbarer Windhauch erhoben, der die weite Grasfläche in sanfte, wellenartige Schwingungen versetzt. Drüben,. in ziemlicher Entfernung sieht man das Gebirge mit seinen blauen, verschwimmenden Linien. In den Lüften bemerkt man Wasservögel, ein Zeichen, daß ein Bach oder Fluß in der Nähe sein muß. Vom Feuern hört man nichts mehr, der Feind muß vertrieben sein, vielleicht hat er sich in das Gebirge zurückgezogen, wohin man ihm ohne besonderen Grund nicht so leicht folgt. Eine fröhliche Stimmung hat sich der Truppe bemächtigt. Jeder schwatzt mit seinem Nachbar, - leise zwar, wie es Vorschrift ist, aber man redet doch; ist es auch häufig der Fall, daß der Nachbar den Sprechenden gar nicht versteht, so nickt er ihm doch gutmüthig zu. Rechts und links von der Compagnie, in gleicher Höh? mit ihr, gehen die Seitenpatrouillen. Sie tragen ihre Gewehre im Arm, schußbereit, wie die Jäger bei einem Feldtreiben. Sie blicken vor sich nieder wie der Ackersmann, der hinter dem Pfluge hergeht. Nur selten erheben sie den Blick, um vor sich oder seitwärts in die Gegend zu sehen sie wissen genau, daß sie vom Feinde begleitet werden, der ihnen folgt, unbemerlbar, unerbittlich. Jeder Strauch, jedes Grasbüschel gibt dem nackten braunen Krieger Deckung; er haßt den weißen Eindringling mit unauslöschlichem Haß; er verfolgt die Colonnen. wie das Raubihier sein Opfer beschleicht; wenn er nur Einen tödten kann, so vertilgt er einen Räuber, der ihm sein Land, seine Luft stehlen will, der seine Weiber schänden, seine Schätze rauben, ihn selbst unter das Joch der Abhängigkeit beugen, von ihm Güter erpressen, von seinen Vorräthen mitgenießen will. So liegen sie einzeln, zu Zweien, Dreien in einer Furche, hinter einem Busch, im Sumpf, überall, sie verfolgen, Auge und Ohr auf das Aeußerste angespannt, die Bewegungen des Feind:s. Wie Schlangen winden sie sich am Erdboden hin, lautlos und schnell. Niemand sieht sie, aber sie sind da, und wer in ihr Bereich kommt, ist verloren, bevor er Zeit findet. einenSchre! auszustoßn. Ein Speerstoß durchsticht dem Unglücklichen die Kehle und erstickt den gurgelnden Hilferuf, ein Hieb mit dem Klewanq. der gefurchteten, schrecklichen Waffe, trennt' das Haupt vom Rumpfe wie die Guillotine oder die lange Lederleine mit einer Eisenkugel am Ende bricht dem Entsetzten das Genick, ehe er zur Erkenntniß seiner Lage kommt. Mit furchtbarer Geschicklichkeit versteht der Atjeher seinen gezogenen Hinterlader zu gebrauchen, dieses Hauptgeschenk einer speculativen Civilisationssucht. Weitab von der Compagnie, die immer vorwärts marschirte, lag im Gestrüpp am Ufer des Flusses ein atjehischer Späher. Er war der Truppe während des ganzen Tages gefolgt, ohne daß es ihm gelungen war, einem Einzelnen beizukommen. In weitem Bogen hatte er die Colonne umgangen, sein natürlicher Verstand sagte ihm, daß die Soldaten den Fluß zu erreichen strebten, er wollte ihnen zuvorkommen. Jetzt hing er an dem abschüssigen Ufer, seine breite, muskulöse Brust ragte in halber Höhe über den Uferrand empor. Sein langes, gl'änzend schwarzes Haar hatte er in einen Knoten zusammengebunden, mit der einen Hand drückte er sein Gewehr in das Gras, die andere hob er über die Augen, um die herannahende Truppe besser beobachten zu können. Seine Lippen mit dem keimenden, schwärzt

chen Flaum zuckten vor verhaltener Begierde, aus den dunklen Augen, in denen das Weiße wie mit Blut gefärbt schien, sprach unbezähmbare, kalte Grausamkeit, stoßweise kam ihm der Athem durch di: fcinn, zitternden Nasenflügel. Seine schlanke, nervige Gestatt glänzte wie dunkle Aronce im Sonnenlicht. Er sah jetzt deutlich, wie sich drei dunkk Punkte von der Colonne. die sein ganzes Interesse in An. spruch nahm, loslösten der Atieher zog in wilder Erregung die Oberlippe in die . Höhe - und ließ sein glänzend weißes, massives Gebiß sehen, dann glitt er leise die steinige, steile Bö schung hinab und ging mit leisen, katzenartigen Schritten - in das Was,

ffr." Mit der linken Hand h'lt er sein Gewehr und den erbeuteten lecerncn Patroncnbeutel über den Wozea und durchschwamm, auf der rechten Seite liegend, geschmeidig und zeräuschlos wie eine Otter den Fluß, jluf dem andern Ufer verschwand er, zhne das Wasser abzuschütteln, im Gebüsch. Der Commandant der Compagnie hatte, wie der Aljeher richtig gesehen hatte, eine Patrouille von drei Mann abgeschickt, die der Truppe vorauszehen sollte, um das Vorterrain aufzuklcjren. Die Patrouille bestand aus oem Baron, dessen Freund und dem Soldaten Müller. Die Leute gingen in schnellerem Tempo voraus, um den nöthigen Vorsprung zu gewinnen. Sie sprachen zuerst nicht, erst als sie langsamer gingen, fanden sie Worte. Der Baron klagte über den brennenden Durst, die Füße waren ihm zeschwollen. daß er sich kaum noch oorwärts bewegen konnte. Dort drüben ist der Fluß." sagte Müller plötzlich, duckt Euch, sonst könnt Ihr leicht etwas Blei an die Ohren kriegen." Er hielt sein umgekehrtes Gewehr hoch in die Luft, auf welches Zeichen oie Compagnie ausschwärmte und langsam der Patrouille folgte. Die orei Leute hatten sich platt auf den Erdboden gelegt und näherten sich kriechend dem Uferrand. Einige Schritte von der Vöfchunz entfernt hielten sie an. Müller hob den Kopf langsam und vorsichtig ein wenig in die Höhe, um das jenseitige Ufer, welches etwas tiefer lag. sehen zu können. Nichts regte sich dort drüben, die Wellen plätscherten ruhig und träge, eine leichte Kühle stieg von dem Wasser empor, ein sanfter Windstoß trug den eigenartigen Duft des Gewässers bis über die natürliche Böschung hinweg. Das Gesicht des Barons hatte sich unmerklich geröthet; auch er erhob den Kops etwas, um wenigstens das Wasser sehen zu können. Dort unten ist Wasser genug flüsterte er. Freilich ist dort Wasser," erwiderte Müller, es ist nur die Frage, ob man sich zeigen darf. Ich möchte eine Monatslöhnung wetten, daß wir von dort drüben noch einen heißen Gruß zu erwarten haben. Ich kenne die braunen Teufel zu gut. Laß nicht mehr fehen als den Schatten Deiner Nasenspitze, sonst kann Dir die Nase leicht vom Kopfe fliegen!" Die drei Männer blieben einen Augenblick ruhig liegen. Ihre schlaffen, von der Sonne verbrannten Gesichter, ihre matten Bewegungen, ihr keuchender, trockener Athem sie lechzten nach Wasser, nach einem Trunk, der ihre Kräfte neu beleben sollte und dort drüben hinter dem moosbewachsenen Stein, halb im .Schilf und im Wasser versteckt, lag Jemand, we schußbereite Waffe in der sehnigen .Faust, eine jähe Blutwelle hatte sein schwarzbraunes Gesicht noch um eine Nüance dunkle? gefärbt,' die Adern an seinem nackten Körper waren wie Stränge geschwollen; auch er dürstete, aber nicht nach Wasser, nach dem elenden Trunk, den er Tage lang entbehren konnte, wenn er seinen. Feinden nachstellte er dürstete nach Rache, nach dem Blut seiner Gegner. Er hatte den Schatten ihrer Körper gesehen Eiuen wollte er haben. Potz Wetter, Müller," sagte der Baron, wie kommen wir hinunter an, die Wasserrinne. Sollte es wirNich so gefährlich sein?" Ach waZ, dann werde ich es versuchen," erwiderte der Angeredete, was kann schließlich dabei sein ich werde Euch Wasser holen!" Entschlossen beugte er sich weit über dieBLschung hinab, als wollte er einen Abstieg suchen. Da krachte drüben ein Schuß, hart, scharf, dröhnend Müller fuhr mit beiden Händen nach dem Kopf, verlor das Gleichgewicht und fiel, sich in der Luft übuschlagend, dumpf und wuchtig hinab und blieb unten auf dem Rücken liegen. Aus seiner zerschmetterten Stirn rieselte helles warmes Blut in den Sand und hinten quoll aus seinem Kopf die dampsende. warme Gehirnmasse. Von drüben her ertönte ein wilder, gellender Freudenschrei, eine Sekunde lang zeigte sich,-der atjehische Krieger, indem er auf den Stein sprang und sein rauchendes Gewehr um den Kopf schwang, dann verschwand er mit mächtigem Satz in das Gebüsch. Die Compagnie war im Laufschritt herbeigeeilt, man gab eine' Salve auf den Flüchtling ab, wohl sah man Blätter und Zweige in das Wasser fallen den Atjeher, der in seiner Weise sein Land vertheidigte, sah man nicht. Als man den Todten des Abends verscharrte, sagte der Barern zu seinem Freunde: Wegen des Trunkes Wasser hätte er sich nicht auszusetzen brauchen, wir hätten wohl noch einen Augenblick warten können; vielleicht häite es.

wenn o:e Comvagnie Drangekommen wäre, einen Anderen getroffen!" Unerwartete Ergänzung. Denke Dir, Mama, als ich meinem Manne sagte, daß Du auf ein paar Wochen zu Besuch kommen wür dest, drohte er . . ." Pfui über seine Brutalität..." Laß mich nur ausreden: drohte 'er, auf der Stelle umzufallen! Aus der Schule. Lehrer: Sage mir. Fritzchen, wie haben die Söhne Jakobs ihren Bruder Josef verkauft Fritzch:: .Viel zu Dtutgr

Aus dem Pcgnitzlhal. Jede größere deutsche Stadt hat sich

in neuerer Zeit ihre Ausflugsorte geschassen, die nach der Wochentage Last und Treiben dem geschäftigen Kauf, mann, dem nervös werdenden Beamten wie dem angestrengt schaffenden Arbeiter Sonntags die nöthige Er holung, Bewegung und frische Luft bringen sollen. -So hat Berlin seinen Grunewald, der Dresdener sucht die von ihm ' hochgepriesene sächsische Schweiz auf, halb München lagert Sonntags am Starnbergersee und der Nürnberger schüttelt in den malerisch gelegenen Stätten des Pegnitzthales den Staub von den Füßen und ergötzt sich, fern von dem Fabrikgetöse und dem qualmenden Rauch . zahlreicher Maschinenschlöte, mit Weib und Kind an dem Anblick sanft aufsteigender Ge-birge-, harzduftender Wälder und lustig dahinfließender Quellen und Bache. Man muß aber auch auf dem BahnHof des alten Nürnbergs an Feiertagen von früher Morgenstunde an jenesGetriebe von Ausflüglern sehen, die mit dem keuchenden Dampfroß möglichst schnell den Mauern der Stadt enteilen und sich fern von allen Geschäften ein Plätzchen der Ruhe und Erfrischung gönnen wollen! Schlößchen in Lauf. So schließen auch wir uns dieser modernen Wallfahrt an und in eine? kurzen Stunde sind wir bereits m dem reizend gelegnen Städtchen Lauf angelangt. Der nahezu viertausend Bewohner zählende, noch Reste mittelal-, ierlicher Befestigung und ein wohl erhaltenes, dem Ende des fünfzehntem Jahrhunderts angehöriges Schloß zeigende Ort wird urkundlich schon im Jahre 1243 genannt und ihatte im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Besitzer, bis er im Jahre 1806 mit dem übrigen Nürnberger Gebiet an Bayern kam. . Daß daselbst der Reformator Huß bei seiner Reise nach Konstanz übernachtet hat, fei nur nebenbei erwähnt. Die Pegnitz treibt daselbst zahlreiche Mühlen und Fabrikwerke, in welchen vielfach die dortigen Anwohrer als Arbeiter beschäftigt werden. Doch betreibt die Laufe? Bevölkerung auch stark den Hopfenbau. Von alten Volksgebräuchen, die meh? und mehr, ähnlich wie die Volkstrachten, sich verlieren, hat sich noch die Laufer Kirchweih erhalten, zu welcher weit und breit die Landbevölkerung herbeiströmt und nach, in der Kirche angehörter Predigt sich das treffliche Bier uno die dortigen dellkatm Bratwürste schmecken läßt. Rechts van Lauf begrüßt uns der mächtige Kegel des Moritzberges und, ihn liegen lassend, kommen wir nach einer kurzen Spanne Zeit an den Fuß des Rothenberges, dessen kleines Plateau die Mauern der im Besitze der Grafen von Zollern gewesenen Feste Rothenburg mryllrten. In einer halben Stunde ist der Berg erstiegen und w:r werden für diese Mühe durch eine prächtige Aussicht entschädigt, die bis an die Ausläufer des Fichtelgebirges reicht. Die gewaltigen Ueberreste der Fortifikatüzn, besonders der ehemalige Eingang zu derselben geboren dem im Jahre 1740 nach der Jree Vaubans ausgefüh?ten Neubau der Feste an. welche 1703 im bayrischen. Eibsoletriege geschlerst wurde. . Jetzt' wiro neben den altersgrauen, zerfalle nen Mauern eine empsehlenswertbeWirthschaft betrieben und an Der Stelle, wo ernst jahrelang Gefangene.in ten Kasematten schlachteten, fifar a?n j?U gar fröhlich die mit dem löst lichen Naß gefüllten Gläser. , Eingang in d ie Feste Not H e n b u r g. , Aus der rechten Seite des Flusses bleibend, wandern wir über die soaenannte Houbirg. cnten kNZn:sch:a Wall rnii zahlreichen Grabhügeln und eine? herrlichen Flora. Wir kommen hierauf an kem . Städtchen Hersbruck vorüber 'zu dem, malerisch gelegene:! Lohenstein der alten, 2000 Fu& hoH gelegenen Burgruine, die weit in das and Kinein schaut.' Der Sage raÄ war der Hohenstein einst im Besitz des mächtigek Geschlechts der Hohenstaufen und der unglückliche Konradin soll vor seinem Zuge nach Italien im Jahre 12C8 dort sein Testament .gemacht haben. Später kam die Burg in dejr Besitz von Böhmen, dann erhielt sie

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Nürnberg. T(m zweiten markaräfli-

chen Kriege zerstörte sie 1553 Albrecht Achilles, , sie wurde jedoch , von oen Nürnbergern wieder aufgebaut. Die Aussicht von Hohenstein zählt mit zu den schönsten, welche die Höhen der sogenannten Nürnberger Schweiz gewähren. ASschied nehmend von der sagenumwobenen Bura lenken wir unsere Schritte nach Eschenbach, das, im ll'yal gelegen, vor dem Nord- und Ostwind geschützt ist und deshalb von Kurgästen mit. Vorliebe aufgesucht wird. Die Kirch: von Eschenbach gehört in ihrer jetzigen Bauart dem vierzehnten Jahrhundert an. zeit jedoch im Innern noch Reste romanischer Wandmalereien. Eingeweiht wurde sie bereits im Jahre 1059 vom Bischof Gundakar von Eichstätt. Burg Hohenstein. Won dort gehen wir durch das reizende Sittenthal und kommen bei Altsittenbach über die Pegnitz. Wir erreichen dann auf der rechten Seite des Flusses das malerisch gelegene Hensenfeld mit seinem ansehnlichen Schloßchen. Nach kurzer Rast daselbst suchen wir das wenige Minuten vom dortigen Bahnkörper gelegene Artelshofen auf' das. umschlossen von bewaldeten Höhenzügen, mit seinen noch vorhandenen interessanten Befestigungsresten und stattlichen Wohnhäusern einen recht angenehmen Eindruck auf den Wänderer macht. y i . . Av ' 5 -ss-Jr VriT tf&'jrAtäPjf&st J'ttiL, 7h . wmmt Artelshofen-. Die dortige alte Kirche, verwahrt manches gute Bild und das m derNähe befindliche Gasthaus hat sich zu einer start besuchten Sommerfrische herausgebildet. Durch das dort, sich mehr und mehr verengende Thai, gelangt man nach Rupprechts siegen, dem MittelpunUe der Nürnberger Schweiz. Erwähnt &, daß sich auf den Jurahöhen interessante Versteinerungen, finden, wie. überhaupt diese Berge gleich einem Wall im das flache Binnenland sich lagern den Hersbrucker Jurabusen amphithea.valisch umschließe. Rupprechtsstegeu. bietet mit seinem, schönen, musterhaft eingerichteten Gasthof jedem Natu.rfreuzid den angenehmsten Aufenthalt prächtige Spaziergänge zweicen sich vQudort nachf allenPunkien der Nürnberger Schweiz ab und das forellenreiche: Wasser der Pegnitz, zieht die Freunde d Fischerei gar mächtig an. Wicht allein von Bewohnern- der Umgegend wind dieser, reizende Aufenthalt besucht, sirndern auch Norddeutsche nehmen nicht selten daselbst Sommerquartier Wunderbar schön ist der SpaziergMg durch das Ankathal und Am-" iw.. . cir ., äfr jt vs imm tfl'ZKJf Ruine Hartewftein. ein über dieHöhe führender Weg bringt uns in das Dorf Hartenstein. mit seiner gleichnamigen Buiguine. In den nun zerfallenen Maurrn und Halleir liefe, einst Wolfram, von Eschenöach seine Weisen ertönen und feiert: in ,so!chen die Herrin der Burg. Im Schloßhofe aber, wo. sonst die Ritter.von Hartenstein das Turnierroß tummelten, liegen jetzt Ackergeräthe zwi schen herabgestürztem Steinbögen und Trümmern. So ändert sich alles in der Welt! Mit Wehmuth scheiden w von dieser Stätte und kommen hierauf nach dem Städtchen Belden, dem Glanzpunkte des Pegnitzthales. Äicht weit davon liegt Neuhaus mit dem Aeldenstein. Diese Burg ist noch ziemlich gut erhalten und gewährt, na,mentZich von Ostea ' aus, einen ungemein Äf MvScä r-väi f' , fmm Mll.S 1 tnraH 353 EL ? li, :Lf"'r3'l W ,Ntuhaus- mit' Aeldenstein. I malerischen . Anblick. ' NeuhauZ selbst '' fi rmirs-. r' im. , 1)1 cm urauci -:mauiicucu, ijc l M.'?, in Vslg fTfrim7 WyMlV VVJ r. " "O v v wo e? tm Beiltze des Blichos son Bamberg,. war. Den Schluß'.un

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lerer Wanderung bildet die eine halbe Stunde östlich von Neuhaus gelegene, weit über Franken hinaus bekannte Tropfsteinhöhle bei dem Dorfe Kro! tensee. Dieselbe führt den Namen Maximilianshöhle und wurde imJahre 1833 entdeckt. Erst im Jahre 1852 machte man sie aber dem allgemeinen Besuche zugänglich. In ihr finden sich ganz prächtige Tropfsteingebilde, 'von denen wir nur das sogenannte. Windloch, die Orgelhöhle, die-. Adlergrotte, die Albrecht Dürer-Grotte und den Krystallpalast erwähnen. Ihr tiefster Punkt, liegt etwa 150 Fuß unter dem Eingang. Emporsteigend aus dem zauberhaften Dunkel dieses Itaumes begrüßen wir' doppelt freudig die golden am azurnen Firmamente strahlende Sonne. ine Niesenkartossel. . . , Wohl die größte und schwerste Kar toffel, die je gezüchtet wurde, ist. von einem bei Lovland, Eal.. lebenden Farmer. Namens I. B. Swan, geerntet worden. Dieser mächtige Erdapfel, von der Sorte der Magzie Murphy's, ist 23 Zoll lang, mißt 14 Zoll ,fcn

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Göffn mit der Rresenkartoffcl. Durchureffer und wiegt nicht wenige? als, 86 Pfund 10 Unzen. Mr. Swan ist schon seit Jahren dafür bekannt, ricfenhafte Früchte jeglicher Art. in Garten und Feld za ziehen, mit dieser Stur toffel aber möchte er sich selbst überboten öllben. Entgegen dem deutschen Sprichwort, das das Genie der Bauern nach der Große ihrer Kartoffeln beurtheilt,, ist, Mr. Swan ein Heller und offener-Kopf der sein Fach von: Grund aus wMt Arg beduselt Ein Stud e n t e n st r e i Gukes Zeichens .Wie tetit ist denn. Deine Schwester mit ihrem Gesanzunterricht?" Papa hat heute zum ersten Md die Watte' aus den Ohren gethan!" Rücksichtsvolle .So, so' Du gehst ohne Deine Fra zum Pic nie?" .Aber ich bitte. Dich bei diesem schrecklichen TrubrZ und Ge. dränge! Wer da seine Frau lieb hat, der läßt sie zu Hause!" Immer Geschüftsma nn. Bräutizam. (zum Vater, der Braut anr Tage der Hochzeit): J&xt versprachen mir doch, Ihrer Tocht $60,000 mitzugeben, ich habe abu blos $58,000erhalten!" Bankier: .Nu, bei Baar? Zahlung kann ich mzz doch abziehen: Z Procent Diskont. Triumph der Beredt s ü m 1 1 x t. In dtt letzten Sitzung des landwirtbschaftlichen Vereins hielt Herr Müller einen Vortrag iZöer die -verschiedene Wirkung künstlicher und natürlicher Dünzmittel auf die Er tragsfähigkeit des Ackers in so bered ten Worten, daß sämmtliche Anwesende in Schluchzen ausbrachen. Triumph der Erzie h u n g. . Der kleine Georg ist ein sehr wohlerzogenes Kind und besonders tzegen Damen sehr-artig. Eines Tage? sitzt er mit seinem Pzpa, der ihn auf htn Knieen hält, in der Pferdebahn. Eine junge Dame steigt in den Magerr und findet keinen Plztz mehr. Sofort springt das aufmerksame Kind herab. zht seinen Hut und sagt: .Df ich . Ihnen meinen Platz anbieten