Indiana Tribüne, Volume 18, Number 232, Indianapolis, Marion County, 12 May 1895 — Page 9

Fndwna Tribüne,

Venuge.

Ajub. Von E. V'lY. Mendschweigen liegt über Jerusalem. MS das Glbroth deresunkcnu, (Bonne am Himmel verglüht ist. haben die Muezzins auf den Minarets zum letztenmal zum Gebet aerufen und sind die Glücken d christlichen Kirchen in den Lüsten über der heiligen Stadt verllungen. Nun steigt der Mond am Himmel auf und übergießt mit S'.'ber Ircht den Oelberg und Gethsemane an seinem Fuße und ton weiten Platz, wo SalomoiriZ Tempel -stand und sein strahlender Palast und wo jetzt dfc Kuppeln der Omar-Mosch glänzen, das Thal Josaphat mit Absalomd Grabe und die Aia.Dolorosa zwischen den engen Mauern der Stadt. Auf dem flachen Dach deö FranziZ ZanerklosterS, da, wo es den Bau für die Fremden, das Hospiz. Casa nova, überdeckt, sitzt in Klosterbruder auf rt nem vorspringenden Stein und schaut auf das Bild, daö von weitzfluthendem Licht Übergossen ist: Mauern und Kuppeln, dunkle Cypressen, Höhen und Senkungen. Da kommt es leise die enge Steintreppe herauf, eine schlanke, behende Jünglingsgestalt, und gleitet hin zu dem einsamen Mann. Padre 0 renzo!Du bist's, Ajub. antwortet der Mönch italienisch. .Fertig mit allem? Die Pilger bedient und die weltlichen Reisenden? Keine Pflicht berfäumt?ftein, mein Vater!" Der Franziskaner nickt, er ist hegn und runzelig und alt. Und waS willst du jetzt hier?" Die schwarzen Augen AjubZ blitzen im Mondltcht. Bei euch sein, Padre Lorenzo, euch zuhören, wenn ihr von göttlichen Dingen sprecht und von eurer frommen deutschen Heimath, und eure Sprache von euch lernen." Lorenzo lächelt: Wenn du erst un ser Kleid trägst, wirst du' vollauf Zeit haben, dich in daö Göttliche zu versenken und ob du noch eine Sprache mehr kannst, ist gleich. Bist ja ein zungengewandter Syrier, kannst schon fünf. So weit, habe rch'ö bei meinen hohen Jahren nicht gebracht und glau be doch, ein guter Diener des Herrn zu sein. Und das willst du auch werden, mein Sohn! Laß dich nicht davon ab bringen, durch weltliche Ideen und nicht durch die Fremden, die hier in unserm Hospiz aus- und eingehen Er machte eine kleine Pause und sieht, wie der schlanke Jüngling energisch den Kopf schüttelt. Dann hebt er die dür. ren Finger der Rechten und beugt sich zu dem zu seinen Füßen Hockenden hinab: Auch nicht durch die graul" Nein, Bater Lorenzo! Die Fmden bediene ich und lerne von ihnen Sprachen,sonst kümmern sie mich nicht. Und die Frauen? Ich sehe sie nicht an." Dann, nach einer kleinen Pause des Nachdenkens: Wenn sie aber wirklrch so schlimm sind, Vater Lorenzo, warum hat uns denn Gott eine Muttet gegeben, uns allen? Und selbst, dem Erlöser? Wie du fragst," antwortet der Mönch und zieht sein buntkarirtes Schnupftuch und fährt damit über sein Gesicht. Das ist eine unnütze Frage, die eine göttliche Einrichtung betrifft." Ajub senkt unter den verweisenden Worten das schwarzlockige Haupt und legt dann beide Hände gegen den brau nen, weiten Kuttenärmel des Alten. Du hast meine Mutter gesehen damals, als sie mich brachte. Erzähle mir davon!" bittet er mit seiner weichen, schmeichelnden Stimme. Als ob ich das nicht schon oft ge than hätte!" brummt der Alte. Ich hatte gerade Pförtnerdienst. Es war eine Regennacht, und man dachte nicht einmal daran, daß einer um den Arzt oder Arznei kommen könnte. Da rief mich der Klingelzug heraus, und da lag sie auf den Steinstufen und hielt mir ein etwa dreijähriges Kind hin und wimmerte nur noch kraftlos. Und als ich es ihr abgenommen hatte und sii fragen wollte, da konnten ihre Lippen keine Antwort mehr aeben. Nicht, wo her sie kam, und nicht, ob sie zu unserer Kirche gehöre todt war sie. Sie konnte wohl weitgewandert sein, denn lyre Fuke waren wund und ihre Ge wänder zerlumpt. Wir mußten sie still begraben, es war ihr ja keine 23 stung der Religion geworden. Aber dich behielten wir m unserer. Waisen siation." Wie sah sie aus?" zittert es von Ajuds Lippen. Wie die Frauen alle. Wir haben die Todte von den Franziskanerinnen . oruoen in lyrcn ;$ar yuuen lauen; Und er faßt nachdenklich den Rosen kränz, der an dem Gürtel seiner Kutte hängt und läßt ihn langsam durch die Finger gleiten. Eine ganze Welle ist es still auf dem Dach, und das letzte Geräusch scheint auch m der Stadt all mäli zu verklingen. Vater Lorenzo, eure Heimatb soll schön sein kühl und grün und voll rauschender Flusse und singender Vö fiel." . Ein leiser Seufzer, dann richtet sich Lorenzo auf. Wozu daran denken? Hier ist heiliger Boden!" Da dringen Laute von der Straße herauf, Stimmen und Schritte. Die beiden Lauschenden vernehmen, daß bi Schritte an der Thür des Hospiz Halt machen. Ein Glockenruf. .Wohl noch Pilger. Komm Ajub!"

saat Lorenzo und klimmt daö Trepp-

lein vorsichtig hinab. Leise kreuzt der anoalen tragen Mönch den oberenKorridor des Hospiz. Gebäudes, um die in den Fremdenzimmern Ruhenden nicht, zu stören, und Ajub folgt ihm mit huschenden fcxyn! ten, - dann kommen sie in das Erdgesckok. das wie ein Klostergang gebaut ist, an den sich Zellen '.reihen, vorüber an dem großen und kleinen wtttticyen Refektorium, bis zu der Pförtnerklause. Drei Personen stehen dorteben zwei heimischen Dragomans, und die reden auf den Pförtner ein mit einem Wortschwall, der ihn ganz betäubt macht. In den . Hotels alles besetzt, keine Katze kann mehk Unterkunft finden, vornehme Herrschaften, das sieht man doch eine grauhaarige Dame, die so müde ist. Waruin haben sie nicht schon Zimmer! Wirklich, sie müssen in Jerusalem auf der Straße llb:rnach ten, wenn man hier kein Einsehen hat." Aber der directeur muß doch erst komm:n oder sein Stell Vertreter." .Der ist hkx. Pförtner!'! sagt Pater Lorenzo. Schließ die Nummern acht und neun auf. Ajub. Solange wir Raum haben, weisen wir keinen zurück," spricht er mit strafendem Blick zu den beiden redesengen Dragomans, die nun mit den Reisenden Verabredüngen für den folgenden Tag treffen wollen. Dazu kommt ihr morgen wieder. Jetzt ist Schlafenszeit!" Gin lateinischer Gruß, der den' Fremden aute Rübe unter dem Dach des herlinen Franziskus wünscht, dann geht er vavon. Aiub mündet die Lichter in den sauberen Zimmern an, in denen Betten mit weißen Moskitonetzen stehen. Felicisslma notte!- sagt er zweimal, ohne die Augen zu erheben, erst vor Nummer acht und dann an derSchwelle von neun. .Aiub!" ruft es da weich und freundlich, und nun muß er doch aufsehen. Ajub und im besten Jtalie. nisch, wenn ich einen kalten, recht kalten Trunk haben könnte! Ich bin so durstig." Die Fremde, die sich so schnell fernen Namen gemerkt hat, jteqt tni Rabmen der Tbür. den ßut bat sie bereits abgenommen. Eine Fülle von Blondhaar umgibt das Köpfchen, ganz auf Goldgrund erscheint daö Gesichtchen. so weiß und so zart roth. Subito, ßignora, subito!" Er ist noch nie so flink den Gana hinab geflogen wie jetzt und schnell zurück. Nun sitzt sie bei offener Tyur und streckt die kleine Hand verlangend aus. . Wasser und Wem, signora! : ?kcb danke das ist aufmerksam! Sie trinkt, und er siebt m mit einem Lächeln auf den Lippen, und nochmals dankt sie, und dann schliß sich v!e Thur. ; Am frühen Morgen, nach der ersten Messe m der Salvatorklrche der Zzran ziskaner, trifft der junge Ajub seine Genossen Raful und Ibrahim imStreit beim StiefelrelNlgen; der eine behaupt tet. noch nie so kleine Frauenschuhe ge sehen zu haben bei den Abendländi schen, der andere zuckt verächtlich die Achseln. Nun soll Ajub entscheiden, der unter den Klosterdienern als der Klügste gilt, einer, der ja selber bald in das Kloster treten soll, denn er hat die Vokatun schon lange. . Ihr seid Thoren!" sagt er, langt sich selber ein Paar grobe Mannerft sel, in denen ein Pilger von Jaffa Her gewandert ist, und faßt nach der Citro nenscheibe mit der man hier das Säu bern unterstützt. Dann kommt die Kafseestunde in dem Refektorium. Azub hat die Ober aufsicht über seine Gefährten, die ge schäftig hin- und hereilen, jedem Rufe folgen, immer freundlich und höflich in allen Sprachen anwortend, nur bah Deutsche steht nicht auf ihrem Programm. Ziemlich spät kommen die Gäste vom gestrigen Abend, Ajub schaut nur deshalb nach ihnen herüber, um zu konstatiren, daß es ein Elternpaar mit der Tochter ist. rückt die Stahle, weil das seine Pflicht ist, und wartet auf die Befehle. Ajub. ich bitte um Thee!" Subito, Signorina!" Er schiebt den braunen Francesco , urück, nimmt den Theetopf und füllt elber die Tassen, und wie sie so reundlich .danke" sagt, muß er sie doch ansehen Nienre, Signorina!" Ajub!" Pater Lorenzo tritt in'ö Refektorium und hat einen Auftrag. Bet den zwei großen Tages Mahlzeiten wiederholt sich dasselbe. Ajub bietet den dreien an. er lobt die Speisen, um zum Zugreifen zu ermuntern, und den Klosterkuchen reicht er dreimal der jun gen Dame, zu der die beiden anderen immer ein Wert sagen, das noch nicht in seinem Vokabelvorrath vorhanden: Lottes Pilger und Reisende kommen und gehen in der Casa nova, erhalten Pilgerscheine und Oelzweige aus dem Garten Gethsemane, der Klosterbesitz ist. und Erde vom heiligen Grabe, verschlössen mit dem Stempel, und der Tag gleicht jedem anderen. Und Abends schlüpft Lljub wieder auf das Dach zu seinem väterlichen Freunde. Ein ganz leiser. Windstoß läßt die Cypressen des Nachbargartens rauschen. ; Morgen," sagt der Mönch, wird es Sturm auf dem Meere neben, und den Tag darauf haben wir hier Regenwetter. Die Heiligen seien mit denen, die durch die Brandung bei Jaffa lande müssen!" Pate? Lorenzo, welch eine Bedeu tong hat das deutsche Wort Lotte?" ; Es ist ein Fraunzunmername, Ajub bewegt die Lippen, als spreche er in Gedanken den. zweisilbigen Namen

noch einmal. Dann kommt' Gerausa) vom Ausgang her, und der Mönch wen det den Kopf.

Nichts. Vater orenzo als die Landsleute von euch. die. ihr gestern Abend aufnahmt Ich habe ihnen ge. saat. wie.schon es im Mondschein aus dem Dach ist.ES .ist doch recht gewesen. mein Vater?-. Ihr wollt ja, dem allen Besuchern des .heiligen Landes alleS Gute zujtatten tommer Lorenzo mckt. Die drei irnd oven und umschreiten vorsorglich die kuppelförmigen Erhöhungen und stehen dann, versunken in btn Anblick der Stadt die Eltern stumm, das Mädchen mit einem entzückenden Ausruf. .Sie sprechen eure Sprache! nusiert Ajub. Der Franziskaner ant wortet , nicht. Da haben die hellen Mädchenaugen ihn aber schon entdeckt. l, m . r n e r T t " I Ach, Paler lorenzo, oas ia?on: jubelt sie an seiner Seite, wie ein Märchen auö.Tausendundeiner Nacht." Im französischen Idiom, vaö sie gebraucht bat. wird ihr erwidert: Ja, mein. Kind es ist auch die Stadt da Städte, wo der Erloser wandelte. . Aiub aber beuat den dunklen Kops vor, er hat den schlauen Ausdruck seiner Landsleute in den Zügen und zeigt mit - dem Finger auf den Pater. .Deuts Deuts - Sie sind ein Deutscher? Woher denn? Ach, sagen Sie doch! Und schon lange hier und gern?" Sie hebt bittend die Kinderhände, und ihre Eltern treten näher heran. Haben Sie auch Ihre Muttersprache nicht verlernt in dem babylonischen Wirrwarr hier?" Er schüttelt langsam den Kopf. Ich bin ein Badenser, aus dem schwarzwald. Gern hier, meine Tochter, in Frieden vor der Welt!" Ach. Papa. Mama, sogar ein enge rer Landsmann!" Und sie streckt die Hand aus, und nur Ajub weiß, welch eine Ueberwindung es zetzt lorenzo lostet, die kleinen, warmen Finger zu be,ühren. und er stößt aus Mitgefühl einen Seufzer aus. Baron.Widerhold!" stellt sich der araue Herr vor. Ein altes, gutes Geschlecht, ich weiß," sagt der Klosterbruder, wenn auch nicht unserer Kirche angehortg. Lotte von Widerhold beugt das schimmernde Köpfchen vor. ES ist so hübsch, hier in Ihrem Hospiz, daß Sie nicht nach der Konfession fragen, da alle willkommen sind. .Unser Meister beruft auch alle, die einen früh, d andern spat. Haben Sie nie Heimweh gehabt nach dem grünen Schwarzwald?- fragt die Baromn. Nein, nie! Gott hat. mich hierher gefuhrt; er. weiß, warum. Dann sprechen sie viel von dem deut schen Vaterlande, und erzählen der Mönch weiß sehr wenig, nur, waö ihn, ungefragt zugetragen wird. Er liest keine Zeitung, Pilger kommen selten aus jenen Gegenden, Reisende belästigt er nicht. Lotte sieht in die mondbestrahlte Landschaft Das Land, wo Milch und Honig fließt als ich ein Kind war, habe ich gedacht, die strömten in Bächen so nebeneinander!" Und dann lacht sie hell und klingend, und ein Ictses Echo kommt von den Mauern zurück. Ajub, ist Jerusalem Ihre Heimath?" Weiß nicht.. Bin in's Kloster getragen von meiner Mutter und weiß nicht, woher." Ach. lieber Gott!' bedauert daS schöne, schlanke Mädchen. Nicht zu wissen, zu wem man gehört!" Doch," sagt Pater Lorenzo und deutet empor. Er wird bei uns eintreten." . Lotte schweigt, blickt aber mitleidig hinüber nach dem jungen Menschen, und. dann legt sie wie nn schutzsuchendes Kind ihren Kopf gegen die Schulter der Mutter:- Ich weiß, wohin ich gehöre wie glücklich ich bin!" Der Pater Direktor der Casa nora winkt Ajub. Der Dragoman Jssa ist erkrankt führe du die Fremden mit dem Kawassen auf den Haram-efch-scherif!- - Ajub's braunes Gesicht strahlt, seine feinen Nasenflügel beben. DaS ist ein Auftrag für ihn: zeigen, wie er sein Jerusalem kennt, die heiligen Plätze, die heilige Geschichte und die Märchen, welche die Muselmänner ersannen. Und Sprüche aus dem alten und neuen Te. stament. WaS werden sie staunen, die Deutschen! Der Kawasse schreitet in seinem Waffenschmuck und. seiner silbergestickten Uniform würdevoll vorauf durch die fchmalen Gassen, und Ajub tänzelt neben dem Baron her, gestikulirt, redete fällt aus dem Französischen in's Jtalienische und blickt, wenn ihm Bekannte begegnen, stolz um sich auf seine ihm anvertrauten Fremden. Er lobt alles, die Luft und die Steine, die im Wege liegen, und als der Baron fragt, wie oft die unsauberen Straßen gereinigt werden, sagt er mit Nachdruck: Jetzt einmal in der Woche! Früher garnicht!" Lotte von Widerhold hat ein graueö Qütcken auk dem blonden Haupt tost das sie kleidet! All' die Frauen, die, in ihren weißen Jsär gehüllt, ihr begegnen, sehen sie an, und sie lacht über die, welche daS Gesicht mit dem buntblumigen Schleier verhüllt haben, und sie t lacht auch, im Felsendom über daS Loch daö. Mohammed in den großen Stein gestoßen haben soll, und sie derliert zum Entsetzen der mohammedamsa'n Tempelwachter alle Augenblicke d Filzgaloschen, in denen sie durch die Moscheen zu wandern gezwungen ist. Und von dem Riesenplatz des Haram wandern sie wieder durch schmale Gassen 'und. kommen in die Vazare, und dort pröbirt Lotte die bunten Seidentücher und aestickten .Jacken

und' Shawls 'und sieht so hübscy va ! rin auS . so hübsch! Sie kaufen viel ein, die Fremden. Ajub duldet nicht, daß die Verkäufer gar zu unverschämt sind, und der deutsche Baron

lobt ihn. Und wie sie braunen stehen, da sagt er sogar: Ja. wollte Ajub nicht Kto sterbruder werden, ich wurde iym, dem Sprachkunstler vorschlagen, uns als Kurier auf unsern weiteren Reisen im Orient zu begleiten. Schade, Ajub!" Der junge Syrier suhlt, oatz er rotb geworden ist. er senkt die Blicke. Wie er aber hört.daß da blonde Mädchen auch wiederholt: Ja, Papa, schade" da muß er sich aus die Kippen beißen, daß es schmerzt. Und an diesem Abend hat er keine Lust, zu Pater Lorenzo auf das Dach der Casa nova zu sieigen. Er sitzt im PfLrtnerstübchen. und studirt die Land. karte. ES ist regnerisch und windig, ein zäher Schmutz in den Straßen der Stadt, eine kaltfeuchte Luft in den Gängen und Gemächern des Klosters. m Gesellschaftszimmer oben wird etn !aminteuer anaefackt. dessen Rauch in die. Augen beißt und die Gäste zum Husten reizt. Die Klosterbrüder warnen die Fremden vor dem Ausgehen. r V I n l man lannlcv zu ikillZl eine ranlyett holen, und so sucht man die Zeit todtzuschlagen, so gut es geht. Ein deut scher Rittergutsbesitzer, der mit Freun, den vom todten Meere kommt, wandert an Lotte von Widerholds Seite durch die Klostergänge und muß ihr erzählen, ein Lieutenant hilft dabei nach. Aber auch dies Thema erschöpft sich, und man klagt, daß man !um Stubenarrest gezwungen ist der graue Tag senkt sich zu dunkler Nacht. Wie die drei wieder den oberen (So? ridor passiren, öffnet sich die Thür zu dem Empfangszimmer des Pater Directors, und dieser tritt heraus, zeigt mit einer Handbewegung auf den Raum, der mit einem Sopha und Schreibtisch und Bücherschrank ausgestattet ist, als sei er stolz auf diesen weltlichen Schmuck. Ach, auch ein Pianino!" ruft Fräulein von Widerhold und flattert wie ein Schmetterling über dieSchwelle und auf das Instrument zu. Und dann fliegt der Deckel auf, sie schiebt den Gutsbesitzer heran. Einen Walzer! commandirt sie und nickt dem Lieutenant zu: Herr von Hainberg en avantl" Und dahin gleiten sie nach den Klängen der schönen blauen Donau über den Teppich, daß der Staub auswirbelt. Erst steht der pöre öirecteur erstaunt, dann malt sich Entsetzen in seinen Zügen, und er murmelt Elle est solle!" Sein Zimmer erfüllt von weltlichen Melodien, in dem ttaume wirbelnde ' Füße und flatternde Gewänder. Aber neben ihm beugt sich Ajub vor. Bewunderung, blitzende Freude in den Augen. Ganz außer Athem läßt sich daö junge Mädchen auf'S Sofa nieder, ihre Wangen glühen lebhafter, sie lacht und zeiat die weißen Zähne. Das war hübsch!" Wir haben aber vere Bernards Mißfallen erregt," fagt ihr Tänzer und blickt zum Pater Director hin über. Sie lacht und eilt zu dem Mann inr braunen ' Gewände. Nicht böse sem, Vater, daö kam so über mich Und er schüttelt den Kopf bnd gibt Aiub einen Befehl. Er soll den Deckel schließen und dann die Thur. Wie die andern . den Gang wieder hinabschreiten, bleibt Ajub in dem Raume stehen und sieht sich darin um wird er jemals vergessen können. was er hier gesehen? Wie hübsch es klang und wie sie sich wiegte nach dem Rythmus und wie sie lachte und wie ihre Zähne blitzten? Nein, das will er auch gar nicht!" Als er den Schüssel umgedreht hat, gehen d vret wieder vorüber versteht genug von dem, was sie sprechen, um daraus zu entnehmen, daß von ihm die Rede ist. Er weiß nicht, woher man ihn gebracht hat der arme 'Ajub nicht Vater und Mutter ugd er wird nun auch -allem Erdenglück entsagen." . Der arme Ajub " ix spricht es mit bebenden Lippen nach und schleich: sich davon. Der Dragoman Jssa ist wieder gesund, und man braucht Ajub nicht mehr an seiner Statt, und dann sind auch die bei'ien breitschultrigen Deutschen da. dje sich jetzt immer den WiderholdS anschließen und dem Fräu lein den Mantel trägen und Blumen bringen und mit ihr lachen und scheritn. Wer so lustig sein konnte wie diel denkt Ajub. wenn er seine Arbeit.besorgt, durch die Gänge hin und her eilt, jedes Winkes gewärtig. Sie sind Herren nd er ein Diener, ein demüthigende Gefühl kommt über ihn und dann wieder bittet er die Heiligen, die hoffärtigen Gedanken zu verjagen, die ihn plagen. Wenn er sich Pater Lorenzo vertraute? ' Aber er fürchtet und schämt sich und weil er durch die deutschen Fremden zu seinen Schlüssen und Fragen angeregt ist, könnte Lorenzo ihm am Ende etwas auftragen, das ihn aus ihrer Nähe entfernt. Es wird ja vorübergehen Er hat sich früher auch manches gewünscht und Um manches geweint um Elternliebe und Geschwister und Freun schaff. Das Kloster ist deine Familie da findest du Brüder!" hat ihn Lorenzo getröstet. , Aber manchmal fährt er in der Nacht aus dem Schlaf auf und denkt an die weite, schimmernde Welt und wie andre Menschen sie fröhlich und. .frei .durch-

Bei allen.

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wo Einen so leicht ein Unglück passiren kann wie z.B.. . . Verrenkungen. Verstauchungen und Qnetschnngcn

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ziehen können, alles darin sehen. Berge und Thäler und rauschende Flüsse und aroße Städte und schöne Mädchen mit schimmerndem Blondhaar. Es ist ein Sehnen in seinem Herzen und ein Ja gen in seinen Pulsen 'und eine Wirr niß in seinem Kopf. Armer Ajub!" hat sie gesagt. Es ist, als flüstert eS ihm der leiseste Windhauch in die Ohren, als klingt es auz jedem Ge rausch. Er hat nicht 'besessen, was das Glück andre? Kinder ' ausmacht, und er wird nicht besitzen, was andre Menschen erstreben: ein Heim, eine Familie. Aber das Kloster du Undankbarer!" würde Pater Lorenzo- ihm, dem Alleinstehenden, sagen. Er wird blaß und schlägt die Augen nieder und bekommt ein paar Verweise vom Director wegen Nachlässigkeit. Armer Ajub!- spricht er vor sich hin. Da kommt ein Morgen, an dem sie hen die Widerholds und die beiden an dern Herren aus Deutschland- an der Klosterthür reisefertig. Pater Bernard und Pater Lorenzo sprechen ihnen guk Abschiedswünsche: aus. Auch einen Gruß an Ihre grüne Heimath?- fragt Lotte den deutschen Mönch. Er schüttelt den Novf. Meine He!. math ist jetzt hier." Ajub starrt mit brennenden Augen hinüber nach dem blonden Mädchen. Kann es denn sein, daß alles Licht und Leben aus den Mauern hier binweg zieht? Die Pater geben die üblichen Oelzweige und Andenken an die Casa nova und der Baron seinerseits eine Spende für das Kloster. Er. Ajub. hat nichts zu geben er weiß, man würde von dem armen Klosterdiener auch nichts annehmen. Wenner frei wäre, dann freilich, dann dürfte' er jetzt mit hinauswandern und die Welt se hen und immer in ihrer Nähe sein, ihr Lachen hören, ihre blauen Augen leucht ten sehen. Ach. da ist auch Ajub!- sagt der Baron und schiebt Geldstücke in seine brennende Hand. Ja, Ajub, nun geht's in die weite Welt.Signor ach Signor," stammelt der junge Syrier. Addio. Ajub!- ruft Lotte und nickt und lacht. . , Das schneidet ihm in's Herz, daß sie lachen kann, jetzt, wo ihm so bitter weh ist. Gerade als sie den Fuß auf die erste Stufe des Ausgangs setzt, streckt er beide Arme in die leece Luft und schreit und stürzt zu Boden, und die Münzen, die seine Finger umschlössen haben, rollen über die Steinplatten. Ohnmacht niente!- sagt der Pater Director. Drei Tage hat. Ajub gefiebert, am Vierten steht er wieder auf und übernimmt seine Arbeit. Aber man findet den früher so Redseligen stumm und Verschlossen, er spricht nicht mit den Gefährten und kommt nicht zu Pater Lorenzo. Um die Abendstunde des sechsten Ta. ges findet der, deutsche Mönch oben auf seinem Platz auf dem Dach einen Zettel, der mit einem Stein beschwert ist. Er studirt beim . sinkenden Licht die Worte: Pater Lorenzo, ich komme nicht zurück, zum Garten Gethsemane heute nicht und nie. Ich, will in die Welt. Ich habe nicht . die rechte Bokatlon süYs Kloster mehr. Ich habe eine andre folge dem Baron auf seinem Reisewege ; vielleicht, daß er Wort, halt und mich zu seinem Die ner macht. ' Ich ' habe Durft nach der Welt .und dem. was jchon ist.

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den ersten Platz ein als das beste und sicherste Heilmittel. . . .

Mögen die Heiligen mir vergeven und ihr mit iynen, Pater orenzo: Der Mönch steigt hinab, in dem Zimmer Bernaros t nocy xiiajt er sitzt bei den Klosterrechnungen. Nun reicht ihm Lorenzo das Blatt. Wieder einUndankbarer,- sagt Ba ter Bernard, den die Weltlust ver führt hat.- Und dabei fällt ihm die ausgelassene Tanzmusik von neulich nn. Bruder Lorenzo antwortet nicht; er weiß es besser als fein Vorgesetzter, was Aiub dem Kloster abspenstig at macht hat. Er weiß es ganz , genau denn hinter ihm liegt ene Jugendzeit in der grünen Heimath, und in der hat er seine eigenen schmerzlichen Erfahrungen gemacht. Und er geht m.vie Kirche, um zu beten, eifrig u vutleidig für den armen Aiuo. Dp. THEO. ' A. WAGNER hat seine Osftk ach L?o. 0 Nord Delaware Otv verlegt, nd w.rd sich freue seine PatUnte und reunoe ooti tu empfangen, vrechftunde : 10 Uhr raj 5 4 Uhr onntas: 11 Uhr vnxm. Telephon 845. Dr. I. 1. Gtticliffe, ICfchamat flA ftttlfÄsUftli mit nrnnhirttllAt &äc Mft mit schlecht, unh Nrtkrkhette. S. 95 Oft Marke, Strafte. 0fftcctl : 9 Itl 10 ir Vor, tltll utx taam. rag, g,,. Ttlf 941. Dr. Carl G. Winter, CXtjt und Qbirurg. Spezlalift sör Augen und Viren. Sprechstunden von 0 1 78 Uhr. Zimmer No. 1 im alten Bibliothekgebäude, Ecke Pennsylvania und Ohio Str. Telephon Osfte: isog; Haul tta. Dr. C. N. SHaefer, flrzt und dhirnrg, No. 430 Nadison vnme, nahe orri? Str. eprechkde : 8-9: UhrMora R-4Nhr Nachmittag,. 7- Uhr bend,. TelevboLZ. Dr. BurShardt Deutscher Arzt. Wohnung : 5?o. 882 ?üd Oleribian (Ztr. Sprech.t,de : s 9 Uhr Bonn. 1 di 1Z5 Uhr ach. 7bi 8UhrbkndS. Office: 18 Ost Ohio Straße. Sprechstunden 3 bi VA Uhr achm. Selettn 8. Z?. &onL Ml, . Deutscher Arzt, Ecke Cast und Ohio Strabe, prattizirt gnneinschasllich mit seinem Vater Dr. Guido Oell. Vormittag 10 15 Uhr. pr.chftunden. Nachmittag, - Uhr. ' Dr. Z. Düyler, 120 a OcCatty (Ztr. Brech.t,: g n,r ,r.: Uhr achm.:7-,nnrut,d,. Telephon 14. eprechknLde: VotaI ,r vonntttagl. Denkewalter Springt. Spencer, Jndiana. ' Eanatarium. Bti's ffnffrfi4rft.i st,f ' ' "ll..! Uchknrort, fiShcnluftfurort. ffinhThHftritt. und .Leidende Heften , empfohlen. Prospekte,

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