Indiana Tribüne, Volume 18, Number 232, Indianapolis, Marion County, 12 May 1895 — Page 4

Tndiana Srwüne.

Indianapolis, 3nb., 12. Mai 1895.

Sonntags - Mckrei. Bei dem Schauturnen deö soz. Turnverein? traten die Mädchen und die jungen Damen zum ersten Male in dim sog. Blocmercopüm öffentlich aus. Abgesehen davon, daß M Costüm sehr hübsch und kleidsam aussah, bewegten sich die Trägerinnen deöselben mit einer Leichtigkeit, welche die übliche Frauenkleidung nicht ermöglicht. Die Mädchen gingen in ihren Kostümen auch ganz ungenirt im Saale umher, und um so mehr mußte eö deöhalb aussallen, als nachher bei der geselligen Zusammenkunft im deutschen Hause die kleidsame Tracht wieder derschwunden und der Alltagömode gewichen war.

Warum können unsere jungen Tu? nerinnen nicht ein wenig Selbständig

keit und Unabhängigkeit der Mode und dem Vorurtheil gegenüber zeigen ? Ich bin zwar weit entfernt davon, mir in

Sachen der Mode und der Frauentracht

ein maßgebende? Urtheil zuzutrauen

aber so weit ich überhaupt ein Urtheil in solchen Dingen habe, kann ich den Turnerinnen die Versicherung geben,

daß ihr Turngewand nicht nur schöner

und gefälliger sondern auch viel decen

ter aussieht, als der lange Rock, der .weder im Staub der Straße, noch im

' Schmutze derselben einen sehr ästheti schen Eindruck macht.

Seitdem daö Nadfahren auch unter

den jungen Damen mehr und mehr

in Mode kommt, fühlen dieselben die Unbequemlichkeit der gegenwärtigen Frauentracht sehr, aber sie haben den

Muth nicht, dem Vorurtheil zu begeg

nen, und wenn man bedenkt, daß die

Männer noch viel dorurtheilSvoller

und diel veniger emanzipationöfähig

sind, als die Frauen, so kann man

ihnen kaum einen Vorwurf daraus

machen. Ist es doch kürzlich in Win nipeg, in der gottbegnadeten Domi

nion nördlich von unserem Lande, wo

eö offenbar nicht weniger, wahrschein

lich aber noch größere Schafököpfe giebt als bei unS, vorgekommen, daß ciic junge Dame verhaftet wurde,

weil sie auf einem Rade im Bloomer Anzug auöfuhr.

Ich bin überzeugt, daß daS Zweirad

nach und nach eine Aenderung der

Frauentracht hervorbringen wird, langsam zwar, aber doch sicher im

Laufe ter Zeit. Die gegenwärtige sowohl ungesunde,- wie unbequeme und

dielfach auch unschöne Kleidung wird einer schöneren, bequemeren und ge-

sünderen Platz machen. Wahrschein

lich wird die künstige Frauentracht die

Form deS Bloomer-AnzugeS annehmen, der auch ganz und gar den An-

forderungen der Decenz entspricht. Da

haben unsere jungen Turnerinnen Ge

legenheit bahnbrechend zu wirken. Kann

sich eine junge Dame in solchem An

'zuge einem großen Publikum zeigen, so kann sie sich auch auf der Straße

und ganz besonders in kleiner Gesell

schast darin zeigen. Man muß nur

den Muth haben, sich um falsche kin

dische Vorurtheile nicht zu kümmern.

Ich bedaure eö sehr, aber ich kann

Herrn Nüsse gerade kein Conpliment

zu seinem Antrage machen, daß am Gräberschmückungötage die Lehrerinnen

mit ihren Schülern auSmarschiren

sollen, und daß $50 für die Beschaf

fung von Fahnen zu diesem Zwecke

ausgeworfen werden sollen. Ich wundere mich auch gar nicht, daß die Leh-

rerinnen ärgerlich darüber sind und der Sache keinen Geschmack abgewinnen

können. Diese ewige Patriotismusspielerei und Verherrlichung deS Soldatenthumö wird nachgerade abgefchmackt und langweilig. ' ES ist tzax rig genug, daß diese? Land schon ach hundertjährigem Bestände einen blutigen Bruderkrieg hatte, und man braucht nicht in alle Ewigkeit mit den Erinnerungen aran groß zu thun. ES 'ist i. B. in Deutschland noch keinem Menschen eingefallen Ereignisse auS dem Kriege von 1866 zu feiern, trotzdem diese? Krieg der Vorlauser zur Gründung deS Deutschen Reiches war. Gemeinsam bestandene Gefahr bildet immer ein dauernde? Band der Zusammengehörigkeit und wenn die alten Soldaten an einem bestimmten Tage ihrer gefallenen Kumeraden gedenken und ihre Gräber schmücken, so ist daS ein-schöner Zug . der Pietät, dessen ernster feierlicher Eindruck in seiner Einfachheit liegt und den man durch eine Show" nur abschwächt. Der Plauderer.

11. Stiftungösett deS Harugarl Sängerchor am 10. Mai verbunden mlt Konzert und Ball in der Mozart Halle.

Im Reiche dcr Dkode. Unsere Mutigen Vorlagen bringen verschiedene sehr hübsche Modelle zur llnschauung, aus denen wir zugleich ersehen, dab der Vorliebe -für Abwechse, lung weitgehende Concessionen gemacht

sind.

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, Da ist zuerst Figur 1, ein netteS, Hauskleid aus otterbrauner Wollen Popeline mit reichem Besatz von dunk le? getönter Wollenborte. Der weite Rock ist ohne jeden- Besatz gefertigt. Die Taille, nxlche die lange, vorn auseinandertretende Jackenform zeigt, läßt ein Plastron sehen,' daS. hinten an der Taille in einem gerundeten Einsatz eine Fortsetzung findet und in ersichtliche? Weise mit Borte besetzt ist. Der Jacke, die ringsum mit Borte garnirt ist, sind BausHirmel eingefügt, die an ihrem unteren glatten Theile in aussteigende Spitzen arrangirten Bortenschmuck tra-aen.

In Fiaur 2 sehen wir ein elegantes Cape au5 schwarzer pou-de-sole, mit

breiten Volants aus schwarzer Tyan

tillyspitze. Aus dem Seidenstoff ist ei ttlattes Schulterstück und eine breite, eleaante Faltendraperie gebildet, welche

sich über dem oberen Volant um o Sckultern legt. Die Draperie sst hm.

ten in der Mitte durch eine volle

Schleife mlt lanaen Enden zusammen-

gerafft und endet vorn an jeder Seite mit einer rosettenartigen Schleife und

ke emem Ende. ......

ßik-

Von bemerkenswerther Einfachheit erscheint der Kragen Figur 3. Auch dieser ist aus schwarzer Seid gearbeikt und durchweg, mit xojd Seide im terfllttert, wodurch er tm - besonders jugendfrisches Aussehen erhält. Der fcmim runde Kragen? bildet dorn, i

paar Zipfel und füllt w Tütensalten von den Schultern hernieder. Sein

übriger Schmuck besteht in Perlenret-

ten, die graziös und lose den Schultern

aufliegen, hinten von emem 5)rnament

zusammengehalten werden und in

langen Schnuren übe? den Rücken xt seln. Vor wiederholt sich das Ornament mit de herabfallenden Ketten auf beiden Seiten des Kragenk. Eine volle, rosa unterfütterte hzchstehene ??risur umgibt den Halsausschnitt.

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Mehr und mehr vertiefen wir uns in die .Vergangenheit, wie Figur 4 wieder deutlich erkennen Itffct. Wir Uhtrt ein

Kleid aus schwarzem satin $&chesse

mit Äiuieittame und elnem 'Kragen auS der Zeit Ludwig XIII.. btz aul gelblicher Guipürespitz- besteht. D ZZragen laßt vorn einen Theil der Blu sentaille, die mit einem rubinrothen Sammetaürtel umaeben ist. frei. - Am

Aermelrande befinden sich Aufschläge

uua gicitgen sxnnmci, o runo geschnitten .und in austteiaende Tuten?

satten arrangirt sind?" De? Rock zeigt vorn oben ein paar leicht geraffte Fal ten. welche an beiden Seiten durch dertikale galten in Kegelform, die bis zum Rocksaum herniedergehen und ein Ta blier bilden, eingeschlossen sind.

CKne sckun sommerllcke Comvosition ist daS Kleid für junge Damen Figur 8 aus altrosa Wollensatin mit grünem Bandschmuck. Der Rock zeigt zu beiden Seiten eine sich oben verschmälernde Doppelfulte. Die Falten bilden ein schmales Devant, das zweimal mit arünem, seitwärts der Falten in vol len Rosetten endendem Bande garnirt wird. Die Taille weist die einfache, von einem grünen, mit Rosettenschleife geschlossenen Gürtel umwundene Blu senform auf und erhält als einzigen Schmuck ein über die Brust gespanntes Band, das zu beiden Seiten mit je eine? Rosette endet. Der seitwärts mit Köpfchen eingereihte Stehkragen aus Band ist hinten gleichfalls mit einer Rosette geschlossen, und die großen Keulenärmel tragen am Handgelenk ebenfalls zierlichen Bandschmuck.

Die Prinzeßkleider behaupten sich durchaus in der Gunst, und für schlanke, mädchenhafte Gestalten sind sie auch unqemein reizvoll. Das allerliebste Kleid Figur G in Prinzeßform besteht aus mattblauem, graugemuster-

xem repon; uo.'relnstlmmend mit dem Stoff ist der Einsän des Kleides aus

feingemustkltem. grauemSeidentüll auf

einem ,sono aus blauer Seid: gearbn tet., wodurch sich eine sehr feine und

blscret: Wir!u7.g ergibt. Den Ab

schluß des Rockis bildet ein blaues

Sammetband, das mit aufrechtstehen in Schleifen verziert ist.

Für etwa ältere Damen eignet sich daS bedeutend reicher erscheinende Kleid

ffrgur 7, das aus eisengrauem Wollenstoff besteht und mit dunkelgrauer Wollenborte und crömefarbenem Wox6 garnirt ist. Die Jackentaille mit

vorn und hinten spik verlaufenden

Schoßtheilen, die auf den Hüften flache O ifjtp.si .- rp i '

uuc.iiajraipcnj ouoen, ossne: ncy vorn

über eryem cremefarbenen Spltzenchemisett und zeigt Ausschläge aus crSmefarbenem Mor?6, sowie einen ebenso!-

chen breiten, hinten zwelmal geschlitzten

Kragen., die w:e die ganze Ta:lle mit

Wollenborte umrandet sind. Die

Taille, ist gürtelartig ziemlich breit mit Wollenbo?te besetzt und der Rock mit

knlförmlaen Monöthellen, die durch

Borte eingerahmt ftud, geschmückt. Der

Malitit Siehkragen besteht aus Wol-lenstoff.'

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Warnung.

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Won eigenartigem Reiz ist das Costüm Zsigur 8, das sich vortrefflich für jung? Damm eignet. Es besteHt aus nSnufarbenem Crepsn, dessen Grund mit kornblumenblauen Blüthen überschüttet ist. Die einfache Blusentaille zeigt vorn einen faltigen Einsatz aus blauer Seide und schließt mit gleichem Stehkragen und Gürtel ab, von duun letzterer Hinten mit großer Schleife geschlössen ist. Eine Faltengarnitur mit zwei ausgeschlagenen Volanis s gleicher Seide umgibt die Taille erfichtliche? Weise und endet vom, an jeder Seite deS Einsatzes unter einer rosen artig gezogenen Rosette. Den Rock umgibt ine ziemlich breite Rüsche auS Seide, die in Rosentollen arrangirt ist. Große Keulenärmel vervollständigen daS elegante Kleid.

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Köchin spendet ihrem geliebten Füsilier ein W u r st. Hast Du denn an der Wurst 'was auszusetzen? Ja, die Zipfel sind mir nicht ttchU" - Run. zwei Zipfel hat doch jede Wurst!" Das schon aber sie sind mir zu nah

der emander!

Keine Gefahr. . Baronin fau der neuengagirten Zofe): Wie

heißen Sie denn?- Zofe: Kun unde. Baronin: DaS sage ich

Ihnen gleich im voraus, emen Eduard dulde ich nichts Zofe (verschämt): Aber, gnädige Frau, er heißt ja gar

nicht so!"

Modern. 2s.: .Wollen Sie

rmch der blonden Dame da drüben

nicht vorstellen?" B.: Gewiß, aber wissen Sie denn nicht, sie war ja vor fünf oder sechs Jahren Ihre Frau!-

A.: .Gewiß weiß :ch das, aber ich

mochte ne doch nicht ohne Weiteres an

reden, ich weiß doch nicht, wie sie jetzt hfhi"

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Der Fisch muß schwimmen,

das ist ein altes und wohlbekanntes Sprichwort. Man sehe nur die vergnüglich schmunzelnden Gesichter der

Pater um sogleich zu begreifen, daß sie etwas Feines in petto

haben, um den Zisch schwimmen zu lassen.

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