Indiana Tribüne, Volume 18, Number 225, Indianapolis, Marion County, 5 May 1895 — Page 9

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Fndiana SribKne.

eRane. Ver ZZrillantschmuck. Von Marie Landmann. - Boltzttns hatten eine Erbtante. Elntlich war es eine Großtante, nämlich die Schwester von Frau von BolKiens. Großvater mütterlicherseits, und tvas sie von ihr erben sollten, war nicht das Gut, das sie früher besessen hatte, denn dieses war Majorat und längst aus einen entfernten Letter übergeganpen auch nicht ihr beträchtliches Privatvermögen, über das sie schon zu Gunsten näherer Verwandten verfügt hatte. Es war vielmehzihr Schmuck, ein Brillantschmuck von wie man sagte fast unschätzbarem Werthe. " Dieser Schmuck war in der Boltzienschn Familie zum Gegenstande der Tradition geworden, er. war geradezu sagenumwoben. Eme der früheren esitzerinnen hatte auf einem Hofball damit dte Aufmerksamkeit eines Prinzen des königlichen Hauses erregt. Er sollte der Gegenstand mannigfacher, Intriguen gewesen, einmal sogar gestöhlen und auf merkwürdige Weise wieder erlangt worden sein. In Frau' von Boltziens frühesten Kindheitserinnerungen spielte er eine bedeutende Rolle. Ihre Mutter und Großmutter hatten ihr davon erzählt, und nur in der Beschreibung der einzelnen zugehörigen Stücke waren sie von einander abgewichen. Die Großmutter berichtete von einem, die Mutitx von "zwei Armbändern, und der Großmutter zufolge war das große Halsband so eingerichtet, daß man es auch im Haar tragen konnte, während nach der Version der Mutter ein besonderer Haarschmuck vorhanden war. ' Zu ihrer Confirmation hatte die Großtante ihr einen Ring bescherden. wie er sich für ein so junges Madichen paßte verehrt und dabei eine Anspielung auf den Schmuck gemacht, den sie dereinst zu erwarten hätte. Zu firau von VoltzienS Hochzeit kam sie selbst. Man sah ihrem Erscheinen bei der Trauung erwartungsvoll entgegen, lhoffte man doch bei dieser Gelegenheit die berühmten Brillanten z Gesicht 3 bekommen. i Die Enttäuschung war allgemein, ols die Großtante ohne jeglichen Schmuck erschien. . Sie habe, deutete sie cn, nach dem Tode ihres Mannes d Witrwentrauer nicht mehr abgelegt und trage deshalb keine Brillanten. Andere erzählten, die alte Dame alt toar sie nämlich schon damals lebe in beständiger. Furcht, bestohlen oder gar um des Schmuckes willen ermordet gu werden und halte ihn deshalb vor cllen Augen verborgen. ' Die'er Eigenheit, die jedenfalls mit den Jahren zunahm, mochte es zuzuschreiben sein, daß Frau von Boltzien auch bei den Besuchen, die sie der Großtante machte, den Schmuck niemals zu sehen bekam. Desto mehr Hörte sie davon, denn die Besitzerin schien mit zunehmendem Alter immer lieber von ihren Brillanten, an denen sie mit Zärtlichkeit hing, zu sprechen und unterließ dabei nie, zu versichern, daß der Schmuck dereinst ihrer theuren Großnichte zufallen werde. Diese Gewißheit war denn auch k?rau von Voltziens Trost in den mancherlei Sorgen und Kümmernissen ihres Ehestandes. Als ihr Mann im Avancement zurückblieb, als die Kin derzahl größer wurde und die Einnahmen sich nicht in demselben Verhältniß vermehrten,' wie die Söhne heranwuchsen und stärkere Ansprüche arfrbie Eltern stellten, und als man begann, über die Versorgung der Tochter nachzuden ken immer war es in trüben Stunden und Tagen dieser Nothanker, an den sie sich hielt und auf den sie auch tyren Mann vertröstete. Als dann vollends der arme Äoltzien plötzlich starb und seiner Familie nichts . als die Pension hinterließ, wurde der Schmuck die einzige Hoffnung für sie und die Ihrigen. Wenn auch die Ge genwart trübe war, wenn man sich vielfach einschränken und auf manches verzichten mußte, so durfte man doch ttm der Zukunft Besseres hoffen. Dann würde sie Frau von Boltzien eine hübsche Wohnung nehmen und ine verfecte Köchin, vielleicht sogar Diener und Equipage halten, eine Loge im .yeaier yaoen und alliommerncy eine Badereise machen können, und welder ,der Zuschuß für die Söhne, noch vte nandesgematze Aerherrathung der Töchter würde ihr mehr Sorgen machen. Dies alles mußte ja einmal kommen. denn die Großtante bgleich man gewiß nicht auf ihren Tod rechnen wollte und ihr gern das längste Leben gegönnt hätte war hoch in den Acht)'gern und konnte doch naturgemäß .nicht ewig leben. Inzwischen erwies ' man ihr die größte Rucksicht und Aufmerksamkeit. Frau von Boltzien öffnete ihren fchmalen Geldbeutel, und die-beiden Tochter ölly und Rita strengten ihre Augen an. um kostbare und mühsame Hand .arbeiten zu Weihnachts- und Geburts tagsgeschenken für die Großtante zu verfertigen. ' Als sie das Nervenfieber bekam, war Frau von Boltzien, die weite Reise und die Gefahr der Aneckuna nickt acktend. zu ihr elt nh hatte sie. viele Wochen mit Aufopferung gepflegt. Alljährlich im Frühling kam bie seilte Dame auf einen kürzeren oder längeren Besuch in's Haus. .Dann ging es bei Voltziens schon geraume Zelt zuvor

inapp her, damit man den werthen

Gast gebührend aufnehmen lonnte.unv die Großtante schied jedesmal unter Thränen der Rührung mit der Bersicherung, daß sie sich für diese Liebe einmal' dankbar beweisen werde. In den letzten Jahren war sie indessen nicht mehr gekommen, und eines TageS meldete die schwarzumränderte Anzeige des Majoratsherrn, daß Marie Louise Wilhelmine, Freiin von Wallenberg, geborene Gräfin fffeil im neunzigsten! Lebensjahre sanft entschlasen sei. Bei Boltzien? herrschte infolge dieser Nachricht starke Aufregung. Frau von Boltzien sorgte für Trauerkleider und traf eilige Reisevorbereitungen. Die Mädchen nähten Knpprüschen in ihre schwarzen Kleider, und die ganze Familie zeigte . ohne Heuchelei eine anständige Betrübniß, aber eS war doch menschlich, daß in diese sich eine froe Hoffnung mischte und allmälig die Oberhand gewann. Als die Töchter ihre Mutter zum Bahnhof begleiteten, wurden allerlei Wünsche laut, die jetzt nicht mehr unerfüllbar schienen und deren Vewayrung die Mutter lächelnd zusagte. Es bmg natürlich davon ab, wie groß im Ganzen der Werth deS Sckmuckes wäre. Sie hatte dafür keinen Anyattsvunkt, - ader ie iteuie Summen auf. bald arönere. bald klei nere. die sie für wahrscheinlich, oder doch für möglich hielt, und machte bei leder von ihnen eine ungefähre Berecynuna. wie sie anaeleat und wie die Zinsen verwendet werden sollten. Das Capital selbst mußte unangetastet Mei len, außer in dem Falle, datz emyeti davon zur Mitgift für die Töchtr die nen konnte. Denn jetzt würden die lieben Mädchen sich sichea.leicht verheirathen, sie waren ja fo hübsch und so gut erzogen. Rita hatte nicht mehr nöthig, da5 Seminar zu besuchen, - sie brauchte das Lehrertnnenexamen nicht zu machen. Und der Lieutenant von .senbiebl. der Elly im letzten Winter auf derEisbahn den Hof gemacht hatte. würde letzt gewiß rrni ernsten Abflchten hervortreten er oder ein anderer, den man vielleicht vorziehen würde. Wenn ihr nur Elly selbst mcht einen Strick durch die Rechnung machte! Jedenfalls mükte man. sobald die sZickliche Trauerzeit vorübev wäre, anfangen, etwas mehr ln der Welt zu leben, wenigstens noch in diesem Winter eine größere Gesellschaft geben. Während der Eilzug, Frau von Boltzien unter solchen Gedanken davontrug, gingen die Töchter nach Hause und schmiedeten ebenfalls Zukunftspläne. Diejenigen der "krausköpgen Rita gingen vorläufig noch nicht über den ersten'Ball hinaus, während in den Heimlichkeiten, die Elly ihrer jüngeren Schwester erröthend anvertraute, zwar nicht der Lieutenant von Jsenbiehl, aber ein anderer Bertreter edler Männlichkeit eine bedeutende Rolle spielte. Als sie nach Hause kamen, fanden sie Fräulein Bertin dort. Fräulein Eveline Bertin gesprochen Bertäng. denn sie stammte aus der französischen Colonie war von jeher die beste Freundin von Frau von Boltzien geWesen und hatte sich jetzt eingefunden, um als Ehrendame bei den jungen Mädchen zu bleiben. In alle Jnteressen der Boltzienschen Familie eingeweiht, nahm sie auch an dem gegenwärtigen Ereigniß den lebhaftesten Antheil, und wenn es möglich war, daß der Familienschmuck irgend eines Menschen Gemüth tiefer erregte, als das der glücklichen Erben, so war es das ihrige. Er bildete den Gegenstand ihrer endlosen Gespräche, die sich bi5 in die Nacht fortspannen und mit denen sie die jungen Mädchen in aller Morgenfrühe aus dem Schlaf weckte und ihre schüchternen Hosfnungen zu unruhiger Erwartung ansachte. Frau von Boltzien blieb länger, als man geglaubt hatte, da die Eröffnung des Testamentes erst einige Tage nach dem Begräbniß stattfand, und die Ungeduld der Daheimgeblieb enen steigerte sich unterdessen zu fieberhafter Höhe. Komme Abends. Nur Eveline mich abholen!- So' lautete das Telegramm, das endlich ihre Ankunft anzeigte, und Fräulein Bertin begab sich demgemäß allein nach dem Bahnhof, in Gedanken die , Vorsicht der Freundin lobend, bie jedes Aufsehen klug vermeiden wollte. Die Töchter deckten unterdeß zierlich den Tisch zu dem Abendbrot, für daS allerlei kleine Lieblingsdelikatessen der Mutter besorgt hatten, bereiteten den Thee und harrten dann sehnsüchtig am Fenster. Endlich hielt eine Droschke vor dem Hause, sie stürzten die Treppe hinab, umarmten die Mutter, die zuerst ausstieg, und wollten Fräulein Eveline die große Ledertasche abnehmen, welche sie unter ihrem Radmantel verborgen hielt. Sie wehrte indeß mit heftigem Winken ab, wies das Dienstmädchen an. de keinen Koffer zu nehmen, und trug die Tasche selbst die Treppe hinauf. hinter Frau von Boltzien her. Diese hatte schon Hut und Mantel abgelegt und saß müde in der Sofa ecke. Vor ihr standen die Töchter, hielten ihre beiden Hände und wunderten sich im Stillen, daß die Mutter nicht nur sehr abgespannt, was ja die Folg der weiten Reise sein konnte, sondern geradezu älter geworden und nicht ein bischen beglückt, vielmehr niedergeschla gen und beinahe traurig aussah. ' Inzwischen trat auch Fräulein Je? tin ein, verschloß sorgfältig hinter sich die Eingangsthür und darauf die zweite Thür, die in das Schlafzimmer führte, ließ die Fenstervorhänge herab und setzte sich dann erst an den Tisch, indem Tu ht? SViMi- Wie fi die aamt I Zeit nicht losgelassen. i.tden än

den auf den Knien festhielt. DwMäbchen blickten sie neugierig ans

Und der Schmuck?- Die kecke Rita that die Frage, die ihre ältere Schwesier nicht gewagt hatte, obgleich sie ihr ebenfalls aus den Lippen brannte. Fräulein Eveline klopfte mit bedeuiungsvoller Miene aus die Tasche. Frau von Boltzien nahm zögernd, einen kleinen Schlüssel aus dem Portemonnaie und reichte ihn der Freundin; sie sah dabei aus, als ob ihr iede dieser Bewegungen schwer würde. m - j nn rauiein ernn ocyicil jcooaj, na auszuschließen, den Schlüssel in der Hand. Erst muß Eure Mutter etvaS essen sagte sie' dabei. Nein, liebstes Suschen," fuhr sie fort, als Frau von Boltzien den Kopf schüttelte, .ich bestehe durchaus daraus. Du . hast nach allen diesen Aufregungen eine kleine 'Stärkung dringend nöthig, und Freudiges, das uns bevorsteht, gerneßen wir immer noch früh genug." Freudiges? Frau von Boltzien sagte das mit einem eigenthümlichen Lächeln, das beinahe aussah, als wollte sie anfangen zu weinen. Sie trank aber eine Tasse Thee, aß auch einige Bissen von dem, was ihr die Töchter auf den Teller legten, und als das geschehen war, fing sie wirklich zu weinen an. Elly und Rita schmiegten sich bestürzt und zärtlich an sie. Ach, meine Kinder.- sagte sie, sich endlich fassend, erschreckt nur nicht. Ihr seidnoch jung, ihr werdet es vielleicht weniger schwer nehmen als ich. Ueber Fräulein Bertinö ausdruckS volles Gesicht ging bei diesen Worten ein wahres Wetterleuchten. Wirklich, liebste Susanne, ich begreife Dich nicht!- rief sie in ausbrechender Heftig keit. Das heißt doch undankbar fein gegen das Schicksal, das heißt doch eine prtention beweisen, die ich Dir, meine Theure, nicht zugetraut hätte. Aber freilich, Deine Nerven sind erschÜttert. das erklärt alles. Ihr aber, meine lieben Kinder," wandte 'sie sich an die erschrockenen Mädchen, Ihr preist die Vorsehung, die es gnädig mit Euch meint. Statt der Versuchungen eines großen Reichthums will sie Euch daö Glück bescheidenen, sorglosen Wohlstandes gewähren, und ich müßie Euch, meine Lieben, nicht kennen, wenn Ihr damit mcht zufrieden wäret. Ella und Rita sahen -sie noch immer verblüfft an, sie , verstanden kein Wort von allem, was sie horten. Frau von Boltzien hatte sich inzwi schen gefaßt, und ein leises, wehmüthi aeS Lächeln ging durch ihre müden Züge. Du hast vielleicht Recht,- sagte sie. Ich will Mir Muhe geben, eS auch so anzusehen. Die Sache ist die," fuhr sie zu ihren Töchtern gewendet fort, daß der Schmuck im Lauf der Zeiten jedenfalls von seiner Vollständigkeit viel ttng büßt hat, daß nicht mehr alle Theile vorhanden sind vielmehr kurz. Kinder, von dem ganzen Schmuck ist nur noch ein einziges Stuck übrig. Ja, aber was für eins!" sagte Fräulein Eveline mit Nachdruck und erhob dabei beide Hände. Ein Stück, das zwar nicht Hunderttausende, aber doch Tausende werth ist, also für Leute von Euren anspruchslosen Gewohnhei ten noch immer ein Vermögen bedeutet. Und jedenfalls ein Theil des ehr. würdigen Familienschmucks! ; Darf ich. Suschen? Ich brenne vor Verlangen!" Sie hatte bei diesen Worten den kleinen Schlüssel, den sie noch immer hielt, in das Schloß der Tasche gesteckt. Aber sie setzte die' Tasche wieder aus der Hand und überzeugte sich nochmals, daß die Thüren fest verschlossen waren und draußen Niemand horchte. Dann erst kehrte sie auf ihren Platz zurück, nahm die Tasche wieder auf den Schoß und schloß auf. Sie zog nach einigem Suchen ein großes Saffianctoi hervor, das sie auf den Tisch stellte. Die jungen Madchen drängten sich athemlos heran, Frau von Boltzien lächelte ein wenig. Fräulein Bertin drückte mit umständlicher Feierlichkeit auf die Feder, das Etui sprang auf, und sie stieß ein Ah!- der Bewunderung aus. Die beiden Schwestern machten große Augen und wußten nicht recht, was sie sagen sollten. WaS da einsam vor ihnen auf dem himmelblauen Sammet des Kissens lag, war tnt Schuhschnalle. Zögernd entrang sich das Wort ihren Lippen. Die Mutter nickte. Ja, eine Schuhschnalle!" bestätigte sie. Nicht einmal die dazu gehörige zweite ist da." Was schadet das?" sagte Eveline lebhast und vorwurfsvoll. Getragen hättet Ihr sie auch nid), wenn daS Paar vollständig wäre. Daß es aber gerade eine Schuhschnalle ist, daS be weist doch am besten das ehrwürdige Alter des Schmuckes, das Stück ist dadurch um fo werthvoller. Welche schöne alterthümliche Fassung! Und welche Steine! Dieser Glanz, dieses Feu das sieht man so leicht nicht wie-der!-Sie hatte die Schnalle auS dem ttöstchen genommen, hielt jie aus den Aermelaufschlag ihres schwarzen Kleid:S und betrachtete sie mit entzückten Blicken. Lösch die Lampe auS. Elly!" befahl sie. Und nun seht, wie das im Dunkeln leuchtet und funkelt! Ist daS nicht herrlich!" Ich sehe nichts,- sagte Rita. Elly aber ließ sich nach einer -Welle überreden, daß sie daS Funkeln gleichfalls bemerke. Daran erkennt man die echten Steine!" rief das alte Fräulein enthusiastifch. Wirklich, Kinder, Ihr seid Glückspilze. Erinnerst Du Dich noch der Brillantbrosche, liebstes SuS Sen. die wir wMlsnderVkwerbe-,

ausstellung sahen?- Es waren nicht so

große und schone Steme wie diese, und ie waren zehntausend werth. Du wirst Dich ja doch mit der Zeit davon trennen müssen, so schade es ist, aber für Dich ist daS eme bedextende Summe. Frau von Boltzien nickte. Zehntausend Mark würden sie allerdings nicht zu einer reichen Frau und ihre Töchter nicht zu begehrenswerthen Partien machen, aber sie von großen Sorgen befreien und ihr manche Annehmlichkeit gewahren. Und wenn die Madchen sich vielleicht doch verheirateten, würde sie ihnen immerhin eine hübsche Aussteuer aeben 5önnen. Freilich mußten r t rrrt r nc in lyrer engen Zwoynung oinren, und Rita mußte nun doch das Lehrennneneramen machen. Aber das war ja im Grunde nicht schlimm, und wer weiß, wieviel Gutes die Zukunft bnngen mochte. So dachte Frau von Boltzien, wahrend die optimistische Ausfassung ihrer Freundin allmälig bei ihr Eingang fand, und alö sie einige Zeit bei einander gesessen hatten, war ihnen allen zu Muthe, als wäre ihnen bet alledem ein großes Glück zu Theil geworden, wie etwa einem Mann, der hartnäckig und sehnsüchtig das große Loos erwartet hat und der schließlich doch beglücktest. wenn ihm ein viel kleinerer Gewinn zu fällt. Ein Stück des ersehnten Schmuckes war es ja imsnerhrn, das in greif- und sichtbarer Wirklichkeit vor ihnen lag. und es bewährte sich auch hier, daß ein Sperling in der Hand besser ist als eine Taube aus dem Dache. Eigentlich, 'Suschen, ist es 'leicht sinnig, ein so kostbares Stück im Hause zu behalten, sagte Fraulein Bertin, als sie sich spät zum Gehen anschickte. Ich werde heute Nacht keine Ruhe ha ben auS Angst um Dich." . Meinst Du, Evelinchen?" Frau von Boltzien wurde selbst ängstlich. Wenn Du doch hier bleiben möchtest, bat sie. Gewiß, gern!"' versicherte die Freundin. Ich bin zwar kein großer Schutz für Dich, aber wenn eS Dir eine Beruhigung m Fräulein Eveline blieb also und traf vor dem Schlafengehen die weitestgehenden. Vorsichtsmaßregeln. Trotzdem wurde es eine unruhige Nacht. Bei jedem wirklichen oder auch nur' vermeintllchen Geräusch im Hause und auf der Straße fuhr Fräulein Bertin auf und verließ ihr Lager, um? die Sicherheit der Thür- und Fensterverschlüsse auf's Neue zu Probiren. Schließlich ließ sie die Lampe brennen und vermachte, halb angekleidet, den Rest der Nacht. Frau von Boltzien schloß natürlich unter diesen Umständen ebenfalls kein Auge, und selbst die jungen Mädchen konnten den gewohnten, ruhigen Schlaf nicht finden. DaS kannst Du nicht aushalten, liebste Boltzien," sagte Fräulein Bertin am nächsten Morgen beim Frühstück. Wenn. Du den, Schmuck ntcht irgendwohin in sichere. Verwahrung geben kannst, so würde ich ihn an Deiner Stelle so bald wie möglich veräußern." Das sah denn auch Frau von Boltzien ein, und es wurde beschlossenden wichtigen Schritt noch an demselben Tage zu thun. Da man sich keinem der Juweliere der Stadt anvertrauen mochte und sie auch nicht für genügend leistungsfähig hielt.so wollte Frau von Boltzien nach der nahen Residenz sahren, und Fräulein Bertin erbot sich,, sie zu. begleiten. fc Trotz der Vorsicht und Heimlichkeit, mit welcher die Damen auch diesmal zu Werke gingen, hatt sich doch die Kunde von der Boltzienschen Erbschaft verbreitet und zu der Entstehung der buntesten und mannigfaltigsten Geriichte geführt, die unzählbar und plötzlich aufsproßten, wie die Pilze nach einem Sommerregen. Der Schmuck bildete an diesem Vormittag entschieden das Stadtgespräch, und die einzigen vielleicht, die nicht davon sprachen, waren Elly und Rita. Sie saßen still und gedrückt bei ihrer Arbeit am Fenster. Die Enttäuschung der Mutter belastete heute auch ihr hoffnungsfrohes, junges Gemüth, und nach der hochgespannten Erregung der vorigen Tage machte sich jetzt der Rückschlag geltend. Du, Elly." sagte Ritä plötzlich, sieh einmal, wer da geht." Elly ah zum Fenster hinaus. Karl!" entfuhr eS ihr. Dr. Karl Fritze." verbesserte sie sich gleich darauf mit verlegenem Errathen. Und in welchem Wichs!- fuhr Rita fort. Cylinder und helle Handschuhe! Wo mag er Visite machen? Aber sieh nur.er biegt über die Straße wahrhaftig, er kommt zu uns. lly schwieg und wurde immer vertegener. Plötzlich sprang Rita auf, tanzte ausgelassen in der Stube umher und schlug lachend in. die Hände. Weißt Du. was das bedeutet, Elly?" Diese machte beklommen eine verneinende Geberde. So will ich es Dir sagen; erwird um Dich anhalten. Natürlich, er hat von der Erbschaft gehört und hält Dich jetzt für eine gute Partie." Pfui!" rief Ella heftig. Wie kannst Du das von ihm denken?- Und dann legte sie den Kopf auf den Tisch und brach in Thränen aus. Rita stand erschrocken neben ihr und versuchte vergeblich, sie zu trösten. ES klingelte draußen. Laß jetzt Niemanden herein! rief Elly. Allem schon hatte das Dienstmädchen die Thür deS Wohnzimmers für Herrn Oberlehrer Fritze geöffnet mit der Versicherung,daß die gnädige Frau zwar verreist, die jungen Damen .gher.

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ftu Hause waren und sich gewiß sehr freuen würden. Rita verschwand in diesem Augenblick durch die gegenüberliegende Thür, und der Eingetretene stand erschrocken vor der weinenden Elly. Entschuldi gen Sie stotterte er verlegen, ich wollte die gnädige Frau Ihre Frau Mutter - Mama ist nicht zu Hause sagte Elly, indem sie sich hastig die Thränen abwischte. J5o komme ich ein anderes Mal, wenn Sie gestatten obgleich freilich Ä hätte gentlich zunächst ,nit Ih. nen zu sprechen und ichjehe wohl, ich komme sehr ungelegen, aber " Elly wandte sich ab, und ihre Thrä nen strömten auf's Neue. Elly!- rief er erschrocken liebeS Fräulein Elly, was fehlt Ihnen? Was ist geschehen? Ich habe kein Recht zu fragen, aber ich habe Sie so lieb, und ich kam hierher, um es Ihnen zu sagen ' Er brachte es stockend und unbehilflich vor und sah ihr dabei mit seinem ehrlichen Blick ängstlich und treuherzig in's Gesicht. Elly faßte sich. Ihre Thränen hörten auf zu fließen? sie standblaß und stolz vor ihm. Sie irren sich," sagte sie leise, doch mit fester Stimme, ich bin keine reiche Erbin." Nicht?" rief erto ausbrechendem Jubel. Gott sei Dank! Das war mein einziger Kummer." Elly sah ihn verwundert an. Dann überflog ein Helles Leuchten das verweinte .Gesicht. Vergieb!" flüsterte sie. Sie reichte ihm ihre beiden Hände, die er mit stürmischen Küssen bedeckte. Ich kann eö Dir im Grunde nicht verdenken," sagte er, als er endlich wieder zu Athem kam. Der Schein ist gegen mich, das fühlte ich selbst, noch ehe ich herkam. Aber so entschlossen ich inoch vor wenigen Tagen war, mit meiner Werbung zu warten, bis ich in die nächste Stelle aufrückte, wie ich es mir vorgenommen ich konnte nicht länger zögern, denn ich fürchtete, daß mir nun ein anderer zuvorkommen könnte und siehst Du, ehe ich Dich verloren hätte, mag meinetwegen lieber der oder jener denken, daß ich Dich um der Erbfchaft und deS Geldes willen heirathe." Davon kann nun kerne Rede sein." sagte sie und sah ihn lächelnd und zartlich ZN. Ich habe wirklich gar kein Vermögen, und der berühmte Schmuck wird gerade nur zu einer hübschen Aussteuer reichen." Aussteuer?" fragte er. Das sind ja wohl die Servieiten und Taschentücher und all daS ndee Zeug. Ehrlich gestanden möchte ich Dich am liebsten ohne das alles nehmen, mein Herz!" Damit schloß er die glllckstrahlende Emmy in seine Arme. Um dieselbe Zeit etwa stiegen Frau von Boltzien und ihre Begleiterin vor dem Laden des ersten hauptstädtischen Juweliers aus der Droschke. Fräulein Berlin trat energisch in den Laden, Frau von Boltzien folgte ihr zaghaft und drückte zögernd den Wunsch aus, das Erbstück zu verkaufen. Der .Juwelier, ein weißhaariger.vornehm aussehender Herr, bat um-Er laubnlß, den Schmuck in Augenschein zu nehmen und hob die Schnalle aus dem Etui, das Frau von Boltzien mit zitternden Händen geöffnet hatte. Er besah sie prüfend durch seine Brillengläser und nahm darauf noch eine Lupe zu Hilfe. Die beiden Damen folgten mit Spannung jeder seiner Bewegungen. Er legte endlich dk. Mnaye wiztzer

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auf' das SamWtkMn MSck, seine Miene blieb dabei undurchdringlich. Dann räusperte er sich. Ich bedaure, meine Gnädige," sagte er sehr höflich, ich kann die Steine nicht verwenden, und ohne diese Voraussetzung erlassen Sie es mir wohl, ein Urtheil über den Werth abzugeben, daZ vielleicht Ihren Erwartungen nicht entsprechen, wurde. DaS begreife ich nicht!" itteß Ftf u lein Bertin hervor. Die Dtejne Wi doch sy groß, so schön "11 Der Juweller . zuckt: fcfe Achseln. Ganz recht, meine Gnädigste, aber, sie sind falsch! ; .! 'iTi-rn In den Vereinigten Staaten bestehen 23 incorporirte Leichen-verbrennungs-Gesellschaften und vom Jahre 1876, der Errichtung des ersten Erematonun-.s, bis incl. 1893 haben in unsere 'i 9aide im Ganzen 1101 frfa'Mhn.wj stattgefunden. Dr. Carl G. Winter, CItjl und Tbirurg. Spezialift für Augen und Ohren. Sprechstunde do 0 11. i-8, 78 Nlzr. Zimmer No. 1 im altm Bibliothekgebäude, Ecke Pennsylvania und Ohio Str. Telephon Office : 1806; Hau 640. Dr. S. N. SHaeser, flrzt und dhirurg, No. 430 Nadison Avenue, nahe NorrtZ Str. vrchftd: 8- I, iUlx aqnnna, mr Kitnii. Stlejfirc SS. Dr. GurShardt Deutscher Arzt. Wohnung: 002 Oüb OTertbian (?tr. Sprech-tde : 8 iis 9 Uhr S,r. 1 blS l Uhr Nachm. 7 bi Uhr bend. Office: 18 Ost Ohio Straße. Sprechstunde 3 bi ixA Uhr Nachm. SeleVtz S0. Leonh. Bell, Deutscher Arzt, Ecke East und Ohio Straße, praktizirt gemeinschafllich mit seinem Vater Dr. tZuido Zell. vr,ckkud,' Vcrmittag ik-U Nhr. preqftunve. N,chittaa t- Uhr. Dr. I. Wühler, 12 Oü ClcGart!? Ort M.6titnbc: 8 gUhr Berat.; Uhr achm.z 7 Uhr . Telexhon 144. Sprechstunden: VonntagI nur rmittag. Dr. THEO. A. WAGNER fctt seine Offtee ch fto. 04 Zlotb Delavare Gtt. verleit, und wird sich freue seine Patienten und Freunde dort t empfangen. Sprechstunde : 10 Uhr Born.: 1 4 Hit ch.; Sotaa: Hio-KU Uhr ,r. Telexhon 843. Qr. I. lZ. Ontelisse, schttst n4 aaschliehlich mit wnndLrZMch Kell ud mtt eschlecht. ud NrtrrankheUe. s. tS Ct Ctettct Cttmfsu Offeeennden : itt 18 NHr Cernu llill SlT "nttfta bge,. Xüt

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