Indiana Tribüne, Volume 18, Number 218, Indianapolis, Marion County, 28 April 1895 — Page 7
In Monaco.
Wer sicher darüber sein will, daß ein nach dem meerumrauschten Monaco gelichteter Brief nicht vergeblich Unter lunft sucht dort wo der alte Peter, der Pctersthurm, hoch steht und wo die grüne Jsar durch Münchener Stadt noch geht und dorten, wo am Platzl noch steht des Hofbräuhauö", der thut gut daran, dem Mort Monaco noch ein principaute hinzuzufügen, damit kein Zweifel darüber bestehen kann, daß das vürstenthum Monaco gemeint ist, denn München heißt ictalienischer Sprache auch Monaco. Ist ja doch auch beiden die gleiche griechische Sprachwurzel ge rneinsam, das griechische Wort, welches einen, allein, einsiedlerisch, für sich Wohnenden bezeichnet. An wen man dabei in München zu denken hat, das giebt unzweideutig das Münchener Stadtwappcn an, aus dem uns ein jugendlicher Crutenträger entgegen lacht, sicherlich der Bruder Braumeister eines wohlversorgten Klosters, ein ge müthliches Münchener KindT, auf dessen behäbigem Gesicht sich die trium phirende Frage abspiegelt: Net wohr. dös is a Bier!Auf heidnischen Ursprung indeß weist die Bezeichnung des Fürstenthums am Mittclmecrgestade hin. Am Ha sen von Monaco stand ehemals ein Tempel des griechischen Herkules und zum Ruhme des Gottes war dessen Namen der Hinweis beigefügt, daß ne bcn ihm keine andere Gottheit an dem Tempel Antheil habe, daß er ihn ganz allein bcwohne. Aus diesem Hinweis hat sich dann der Name der Ansiede lung entwickelt, welche längs des Ha fens des Herkules" so nannten die kleine, von Felsen umschlossene Ein buchtung die alten Schriftsteller nach und nach zur Stadt und später, unter Hinzunahme andere kleiner Ge bietsstreifcn. zum Fürstentum heran wuchs. Wo der Tempel des Herkules ehemals gestanden hat, läßt sich heute nicht mehr erkennen, aber" so unterbrach mich ein Berliner, dem ich auf Befragen dies auseinandersetzte ' es wird weiter gctempelt!" Wie nun die Fürsten von Monaco ihre Regierungsthätigkeit aufgefaßt xotn wollen, läßt sich aus dem Wahl spruch ersehen, den sie in ihrem Wappen sühren und jber nun auch auf jeder monegaslischen Briefmarke zu lesen ist : Deo juvante !" Mit Gottes Hilfe ! In der That, eine gar eigen ortige Gottheit, die da oben in Monte Carlo die Roulettekugeln in Bewegung setzt und die Trente et uarsmts-K arten abzieht und von dem Gelde der aus geplünderten Spieler - einem reichen Fürsten ein und eine viertel Million zahlt, die, Unterhaltskosten des zwölf tausend, meist in mehr oder weniger bewegtem Müßigange dahinlebende Ein wohner zählenden Gemeinwesens bestrei xet, die 80 Soldaten der monegaskischen Armee so schmuck und so bunt nicht in rouge und noir, sondern in blau und roth, den Farben des Fürstenthums, kleidet, daß sie aussehen wie lebendig gewordene Coeurbuben, und ihnen noch obendrein für pures Nichtsthun neben voller und reichlicher Beköstigung pro Tag 80 Centimes zukommen läßt. Deo juvante ! Nun, wenn seither einmal davon ge träumt worden war, daß der zum Unter schied von seinem blinden Vorgängergar hell in die Welt hineinschauende Fürst Albert I. davon absehen werde, sich und feint Unterthanen aus der ihr seither sprudelnden, nichts weniger als reinlichen Quelle weiter speisen'zu lassen, so wird, wie ich höre, dieser Traum bald zerstört sein. Ter Fürst soll sich, wie versichert wird, bereits ge neigt erklärt haben, das im Jahre 1913 ablaufende Privilegium auf weitere 50 Jahre, also bis zum Jahre 1963, zu verlängern. Cs wird weiter getempelt und immer Deo juvante! Bekanntlich sind mit unzähligen Unterschriften versehene Petitionen an die französischen Kammern aus den Monaco benachbarten französischen Städten ergangen, um dieJnterven tion Frankreichs zum Zwecke der Auf Hebung des Spiels in Monte Carlo zu erbitten. Tie französische Volksvertre tung ist über die Petitionen mit der Motivirung zur Tagesordnung überge gangen, daß Frankreich nicht in der Lage sei, sich IN die inneren Anaeleaen heiten eines fremden, unabhängigen Staates einzumischen. Nun sind es nicht etwa nur morali sche Bedenken, welche die Pctentcn gegen die Fortdauer des Spiels entwenden. Tie betreffenden französischen Unter tfcanm machen auf sehr greisbare Süä digungen aufmerksam, welche ihnen durch die Fortdauer des Spiels in Monte Carlo zugefügt werden. Reicke Familien aus England, Rußland, Amerika, welche alljährlich Nizza zu ihrem Winteraufenthalt wählten, sind fortgeblieben, nachdem sie trübe Crfah rungen hinsichtlich der verführerischen Einwirkungen des Spie?s auf ihre An gehörigen gemacht hatten. Winter gäste. die mit reichen Mitteln hier an langten und bis in den Frühlina hin ein zu bleiben beabsichtigten, wollten in den ersten Tagen ihres Aufenthalts sich Monte Carlo ansehen" und kamen von dort so ausgebeutelt zurück, daß sie. .zum Schaden ihrer französischen Wirthe, sofort abreisen und meist noch ihre Kotter zum Pfand lassen mußten. Mit großer Bestimmtheit wird ferner der Umstand geltend gemacht, daß die Aerzte, welche ehemals ihren Patienten den Winterausenthalt in der komfor tablercn französischen - Rirnera an riethen. die Kranken jetzt nach italieni schen Kurorten schicken, wenn letztere such hinsichtlich ihrer Einrichtungen hinter den französischen zurückstehen, nur um die ihrer Fürsorge Anbeföhle nx -nicht den verhängnißvollen Folgen der Aufregungen deZ Spiels auszu setzen. Endlich wird unter Anführung zahlreicher Beweise dargelegt, daß die an der Riviera herrschende Unsicherheit,
der Umstand, daß das schöne Nizza zum berüchtigsten Rendezvous von allerlei Gauner und Abenteurergesindel herab gesunken sei, überwiegend dem Einfluß der Existenz der Spielbank in Monte Carlo zuzuschreiben sei. Würde eS etwas nützen, wenn die Petenten den Nachweis führen könnten, daß man in Monaco fälschlich einen un abhängigen Staat erblicke, ja, daß hier nicht einmal von einem Staatswesen, sondern lediglich von einem völlig-dem Regiment einer Actienspielbank unter stellten bewohnten Landstrefen, für den das fürstliche Wappen nur eine gutbe zahlte Reklame bilde, die Rede fein könne? Der Beweis dafür ist gar leicht erbracht. Selbst in seh? viel größeren Gemein Wesen bildet eine Actiengesellschast mit enormem Kapital, einer großen Anzahl Angestellter und sonstiger von ihr ab hängiger Leute leicht ein Hinderniß für die Wahrnehmung der öffentlichen In teressen. In wie viel höherem Grade muß dies in Monaco der Fall sein, wo die Svielbankden gesammten ..Staats Oraani-mus" erhält, ja zum großen
? M cr nnen ?at. Fürst Albert I. hat unlängst seinen GeneralGouverneur de Farincourt ent lassen, well er der Spielbank gegenüber nicht energisch genug die fürstlichen Wlllensmemungen vertreten hat. Sl cherlich. Fürst Albert I. hätte allen Grund,, von diesem Standpunkte auS alle seine Beamten zu entlassen: Weß Brod ich esse, deß Lied ich singe!" die Spielbank ist cs, die ihnen ihr Brod reicht, und Fürst Albert I. singt, wie die Verlängerung des Privilegiums be weist, ja auch mit! Darüber könnte man ja als Fremder wie über eine lustige Operette lachen. wenn durch diese Verhältniße Nicht Fragen, die auch für den Fremden recht wesentlich in Betracht kommen, berührt würden, die Fragen des Schutzes der persönlichen Freiheit, des Rechts, der Ordnung, der Sicherheit. Das Fürstenthum Monaco verfügt über em sehr strenges Strafgesetzbuch und über eine ungemein zahlreiche, sehr nachsame Polizei, aber sowohl das Recht als die Ordnunqsgcwalt stehen doch zu allererst im Dienste der Nähr mutter des Fürstenthums, der Spiel dank, dann, aber auch dann erst sind sie auch für andere Leute zu haben. Wo sich das Interesse der Spielbank mit der Strenge der Gesetze deckt, um so besser. Bettler und für lelchthernqe. spiellu siige Leute ein gar unerfreulicher An blick, auch neht so ein m Lumpen ge hüllter Bursche, wenn er betrunken durch die Straßen irrt, keineswegs an muthcnd aus, falsches Geld, welches in Monaco zur Verbreitung gelangt. strömt doch schließlich, wie das meiste Geld hier, in die Kasse der Spielbank und schädigt diese. Deshalb entfaltet die Polizei gegen die Bettler eine be sondere Schneidigkcit, schreitet gegen allzu durstige Moncgasken auf Grund eines Trunksuchtsgcsetzes sehr energisch ein und hat es erreicht, daß Monaco von der Plage des falschen Geldes be freit bleibt, das in den französischen und italienischen Nachbarorten in gro ßen Manen arculirt. Die Haupt fache ist eben für die Polizei, auch für ihr Theil dafür zu forgen, daß der Bank möglichst viel gutes Geld zugetra gen wird, daß denen, welche dies zu thun im Begriffe stehen, jeder Stein aus dem Wege geräumt wird und daß denen, deren Taschen geleert sind und die vielleicht Miene zeigen, der Bank durch ihr Weiterbleiben lästig zu fallen, dies gründlich versalzen wird. So wäre cs doch sicherlich eine Pflichtwid rigkeit, beispielsweise einen Gemüths menschen, der mit der ihm anvertrau ten Kasse durchgegangen und dessen An kunst der Polizei von Monaco bereits angekündigt war, früher zu verhaften. als bis er die geraubten Gelder erst oben m Monte Carlo verspielt hat ! Ter Gerechtigkeit kann ja dann immer noch Genüge geschehen, wenn der Durch gänger decave (Kunstausdruck für Ausgeplundertsem) lst. Die Ausgeplünderten, welche absolut mittellos sind, offernt die Spielbank Rclieaeld, um Monaco ' verlassen m können. Thun sie dies nicht sofort, so laufen sie Gefahr, per Schubkarren über die Grenze gebracht zu werden. Der gewöhnliche Verlauf der Dinge ist aber, daß die Ausgeplünderten we gen der Unzulänglichkeit der ihnen ae wäbrten Unterstützung, zumal wenn sie davon auch rückständige Hotelrechnun gen zu bezahlen haben, nur bis Nizza fahren, dort irgend einem ollen ehr lichen Seemann", einem fliegenden Roulettenunternehmer, der von der Hinterstube eines Restaurants zur an deren zieht, in die Hände fallen, und wenn sie dann auch noch um das letzte Francstück gekommen sind, umkommen und untergehen, entweder durch die eigene Hand oder in den über die Ar men zusammenschlagenden Wogen deö Elends. Aber das gehört nicht dem Veobach tungsgcbiete dermonegaskischen Wohl fah!tspolitit" an, deren Ziel ist cs nur, zu verhindern, daß die Ausgeplünder ten 'nicht auf mon'egaskischcm Grund und Boden umkommen, und so den frisch ankommenden Spiellustigen zum abschreckenden Beispiel werden. Die Behörden" von Monaco können dabei zuweilen ungemein moralisch auftreten und z. B. ein Frauenzimmer, das sich nicht mehr auf dem Niveau äußerer Eleganz zu halten vermag, wegen un sittlichen Lebenswandels ausweisen und andere weibliche Wesen, welche im Hotel de Paris offenen Hof halten, aber auch das erworbene" Gold gleich wieder zum Spieltisch tragen, mit Aufmerksamkeiten überhäufen. Im Cafe Niche wurden von dem Sohn eines bekannten italienischen Staatsmanne Orgien veranstaltet, deren Abschculichkeit sich gar nicht wieder . geben läßt. Dicht neben dem Cafe j Ricke ist das Voluei.Rerier. Aber der
junge Herr hatte 200,000 Francs ge I
Wonnen und wenn man ihn m seinem fcxii. :.f rlllugr lyuuc, urnic ei uici leicht abgereist, ohne das Geld wieder verloren zu haben. Das ist nun in zwischen geschehen! Eine Krankenwärterin erzählt mir: Werde ich da eineS Abends nach dem Hotel P. d. G. geschickt und finde eine 88jährige, an Bronchitis leidende und bei ihr eine jüngere Dame und einen Herrn, beide Verwandte der Kranken; der Herr stellte sich als Arzt vor. Sie beanspruchten zunächst emen Priester, um der alten Dame die Sterbesakra mente reichen - zu lassen. Aber die Dame schien mir gar nicht todtsterbenS krank. Dann aber traf der Arzt Ver Ordnungen, die mich geradezu in Er staunen setzten. Er ließ der Kranken heiße Umschläge auflegen, die liegen bleiben sollten, bis sie eiskalt geworden. um dann erst wieder mit anderen hei ßen vertauscht zu werden. Dann ließ er der Patientin Chloro form in ungemein großen Tosen rei chen und wies mich an, wenn etwa die die Dame in der Nacht Zeichen begin nenden WiedererwachenS geben sollte. ihr Lippen und Nase von Neuem mit Chloroform zu bestreichen. Ich wci gerte mich dessen. Da kam er selbst in der Nacht, um diese Verrichtungen vor zunehmen. Gegen Morgen versiel die Greisin in Todeskrämpfe und es war zu Ende. Die beiden Verwandten suchten nun den Anblick der Todten möglichst der Hoteldienerschaft zu entziehen. . Nun und.... Nichts weiter! Die Todte wurde begraben !" Ja, wer stellte denn den Todtenschcin aus ?" Ich weiß es nicht, wahrscheinlich der der Verstorbenen verwandte Arzt selbst." So, das sind wohl sehr reiche Leute ?" Gewiß, und die 88 jährige Dame hat ihnen eine große Erb schaft hinterlassen. Sie sind in jedem Winter hier in Monte Carlo." Und spielen wohl auch V Ja, ich glaube, sie spielen sehr stark !" Ein anderes Beispiel. Eine Frau. die mit ihrem Manne hier den Winter zubringt, möchte ihren Mann verlassen, weil dieser schwer erkrankt ist und be sürchten läßt, daß seine Erwerbsfähig, keit unter der Krankheit gelitten hat. Sie schreibt ihren Verwandten nach Deutschland, der Mann sei bald ver. ruckt, bedrohe sie und habe Älles un Spiel verloren. Die Verwandten schicken einen Rechtsanwalt ab, um die liebende Gattin ihrem Gemahl zu ent führen, und die Polizei von Monaco leistet bei diesem edlen Akte ,,demdeca.ve gegenüber" getreulich Hilfe. Aber, o weh, der Verleumdete führt seinen Bedrängern gegenüber den Beweis durch Produzirung eineS Accredllivs, daß er noch ca. 2000 M. bei sich hat. Die Frau entflieht, der Mann bleibt und bekommt wenige Tage darauf einen Aufenthalts-Erlaubnißschein aus volle sechs Monate von der Polizei m Monaco zugestellt. Wenn er nicht ganz so lange Zeit braucht, um die 2000 M. zu verspielen, dann kann er ja früher abreisen.. .. Deo juvante! Zapp alS Vayndcamter Mit diese Anklage wird die Staatsanwaltschaft wohl keen Jlück nich haöen. Schnallen Sie man ab! wir wir immer sagen. Wenn et nach mir jinge, denn müßte der Koofmann, der mir rinkjen will.wejen Beamtenbeleidijung so'n Paar Monate Plötzensee jenießen, un wat mein frieherer Vorjesetzter is, der müßte verurdeelt wer'n, mir minbestens vor drei Monate- det Jehalt auszuzahlen, indem man eenen Beamten nich für eene aus dieHaare jezogene Beleidijung entlassen kann. ' Mit dieser erbaulichen Rede begann der Arbeiter Friedrich Zapp seine Vertheidigung. als er sich vor dem Berlinzt Schöffengericht wegen Hausfriedens'bruchs zu verantworten hatte. Vors.: Nach Ihnen geht es nun aber nicht.' ,Was reden Sie von. einer Beamteneigenschäft? - Sie sind doch. Arbeiier? Angett.: Im Dezemw war ick Beamter, ick war uff eene jroße Eisbahn, als Anschnaller anjestellt un hatte meine rejelrechtcn Diäten. Als Bahnblamier kommt mir eene richtije Kündigung zu. un man kann nich zu mir sagen: Schnallen Sie man ab!" Vors.: Sie sollen bei Ihrer Entlassung eine wüste Scene ausgeführt haben, und das ist es nicht allein, was uns interessirt. Erzählen Sie mal, aber kurz. Angekl.: Ick war schw in't vorigte Jahr uf dieselbe Eisbahn als Anschnaller anjestellt im als ick nu in diesem Jahr wieder uf die Eisflache erschien, da hätten Sie mal die Freude seh'n sollen, als die Herren un Damcns mir wiedersahen. Zapp! Zapp! Mir zuerst!" So jing et immer zu. .Man jut, det Sie wieder da sind, Sie haben et im vorigten Jahr doch am besten jemacht. So wie Sie schnallt Keener an." Na, nan hat ja ooch so einijermaßen seines Stolz, un wat jelernt is, is jelernt. Det war mir ooch janz thut meen Schose, ob det Halifazen oder Holländer, oder noch andere waren, wenn ick sie anjeschnallt hatte, denn saßen sie feste. In der Woche hattek wir feinet Publikum, ville Officiere mit ihre Damens, aber det Sonntags kamen denn merschtendeels die Leite von den merkantilen Handelsstand, un so eener hat mir denn ooch richtig um mein Amt jebracht.' Vors.: Wollen Sie nun gefälligst auf den Vorfall kommen, der zur Anklage steht? Sonst entziehe ich Ihnen das Wort. Angekl.: An diesem Sonntag sehe ich eenen ollen Bekannten uf die Eisbahn kommen, natierlich mit'n Mächen am Arm. Ick atte schon im vorigten Winter so'n kleenen Krach mit ihm jehatt. ' Als er mir damals sein Füßchen hinjehalten hatte, kriegte ick eenen ordentlichen Schreck, er hatte. een Paar, Trijtlinge an, die
mit die lange Spitze mindestens zwölf
Zoll lang 'waren. Mit die Schlittschuhe wollte det man schlecht stimmen. ick versuchte det Menschenmögliche, sie seine Potentaten- anzupassen, aber det jing nich.' Sie wollten nich an die Hacken packen. Bei all det Drehen jina denn bei dem eenen Schlittschuh eene Schraube los, un denn jing bei ihm ooch eine Schraube los, un denn jing bei uns beede die Schraube! los, un denn machte er Krach. Mein Prinzipal gab mir aber dunnemal Recht, un er mußte die Eisbahne verlassen. Det hat ihn nun wohl jewurmt. un als er in diesen Winter wiederkam, wollte er mir als Nacheapfel benutzen. Also er kommt mit seine Dame an, un wat sie is. setzt sich in een-Revier, wo een Kolleje von mir det Anschnallen besorgt. Aber , er sagt: .Laura, sagte er. .komm doch hierher, der Mann schnallt sehr appetitlich an, den kenne ick schon." "Ick kannte ihn ooch wieder, sage aber keenen Ton. indem ick mir jejenwärtig war. det een Beamter immer an die nöthige Selbstbeherrschung leiden muß.' Erst schnallte ick ihm an un denn ihr, wobei ick denn jewahr werde, det sie mit schiefe Absätze behaftet is. .Ooch 'ne Nummer denke ick. jebe mir aber die jrößte Mühe, det ick sie festkrieje. .So," sage ick, .Fräulein, nu loofen Sie man." Sie schlägt denn ooch een Paar mal hinten un vorne aus, denn kommt sie aber wieder nach meinen Platz zurückjeleiert un meent. ick hätte ihr nich richtig anjeschnallt. Ick lasse mir denn wieder die Beene Hinhalten un schnalle wieder los un schnalle diesmal den rechtenSchlittschuh uf den linken Fuß. Det war wieder dieselbe Jeschichte, wenn sie lief, knickte sie nach außen um. Sie kommt noch mal retuhr un will wieder umjeschnallt wer'n. .Fräulein," sage ick, .Sie haben ja schiefe Absätze an. dadruf kriege ick keenen vernünftigen Schlittschuh feste. Ick will et aber versuchen mit een Ende Tannenreisig, wat ick dazwischen stoppe." Un ick bücke mir wieder vor ihr uf eenen Knie, un er steht dabei un macht allerlei höhnische Bemkungen, det ick mein Fach nich verstände un in't Anschnallen noch eene Laier wäre. .Herr!" sage ick, denn 41 wußte, det ick mit Anschnallen meinen Mann stehe, .wenn Sie een Machen uf't Eis führen, denn sorgen Sie ooch dafür, det sie ierade Absätze hat, sonst .Schnallen Sie ab!" Ick war falsch jeworden. un wie ick so an ihren ju$ herumwirke, da fällt mir so 'n Stückchen Eis in die Finger, un als ick fertig bin, da plagt mich der Deubel, det ick ihr det Stück Eis in den Stiefel stecke un stehe uf un sage: .So, Fräulein, nu loofen Sie aber ooch schnell, det Sie warme Beene kriejen." Vors.: .Nun sind wir ja endlich so weit. Den Rest kann ich Ihnen erzahlen. Nach einiger Zeit bemerkt die Dame natürlich Kalte und Nässe an ihrem einen Fuß, denn das Stückchen Eis thaute auf. Man entdeckte,, daß Sie sich einen sehr schlechten Witz mit ihr erlaubt hatten, dem Inspektor wurde Anzeige gemacht, und Sie soll ten sofort den Dienst verlassen. Sie weigerten sich und mußten durch einen Schutzmann von der Bahn gebracht werden. Das ist die ganze Geschichte. Die Dame hat keinen Strasantrag gestellt, und das ist noch Ihr Glück. Wie war es nur möglich, daß Sie ein Stück Eis zwischen Fuß und Stiefel stecken konnten, ohne daß sie es sofort gewahr wurde. Angekl.: Sie hätten mal ihre ausjeleierten Jummilatschen sehen müssen, ick jlobe woll, det sie sich scharnln, damit vor t Jericht zu kommen, Un det soll wat Feinet sind? Schnal' len Sie ab! Der Angeklagte soll wegen des Hausfriedensbruchs 20 Mark Strafe zahlen. Der Erste unter den Boerö. An der Spitze der südafrikanischen Boerenrepubli! steht ein Mann, der unter allen modernen Staatsmännern ein Unicum ist. Präsident Kruger ist ein 'echter Repräsentant der Boeren oder Afrikander, wie sie sich gerne nennen. Zähe Ausdauer, ungewöhnliche Geistesschärfe und vorzügliches Orga nisationstalent vereinigt der Mann in sich, welcher .den Engländern schon manche harte Nun zum Knacken gege ben hat. Auch in seinem Aeußern ist Präsident Kruger, der im Altervon 63 Jahren steht, das Prototyp emes Boe ren. Er ist .plump und unbeholfen von Statur, erfreut, sich aber gewaltl ger' Kraft und eiserner Gesundheit. Daß er kein Salonheld . ist, braucht wohl kaum besonders hervorgehoben zu werden; dafür ist er aber im Rathe der Männer . von ; unschätzbarem Werthe. In der Hauptstadt Pretoria führt er. em Leben, das em Muster patnar chalischer Einfachheit selbst ist und nicht selten hat er selbst bei Staatsvisiten in den benachbarten Eolonlen bei den ge schniegelten Herrschaften ein gelindes Grauen hervorgerufen.' So zog er ma ein Stück trockenes Brot und gedörrtes Nlndsleisch aus der Tasche und ver speiste seinen Proviant mit sichtlichem Behagen, als ihm zu Ehren in einer Stadt von Natal em Bankett gegeben wurde. Frau Kruger, die Tochter eines alten Boeren Namens- Opperman ist ihres Gatten m jeder Hinsicht wür dig; sie ist eine jener vortrefflichen grauen, welche ihre Wirkungssphäre in dem eigenen Heim finden. ???aüenloaik. bemann Freue Dich, Frauchen, heute habe ich mein Level, Mit P10,0(X) versichert." Iunae Ehefrau: .Und an das meiniat d-nkst Du gar nicht? Siehst Du, waZ Tu sur em schrecklicher Egoist dist!"
Liedersrükittne. Der Lenz ist da, . Und fern und nah Gibt's neue Weisen und Lieder; Wie einst Merlin, So lausch' ich hin Und Alles schreib' ich nieder. . Hoch in der Luft Was die Lerche ruft, Was die Drossel klag! im Hollunder, Was den Rosen all Flötet die Nachtigall, . Die lieblichsten Sagen und Wunder. Was die Schlange klug . Ihre Kinder frug. Die im Sonnenlichte schillern, Was Hänfling und Fink Im Fluge flink . Einander, zwitschern und trillern. Was die Vögel gewußt. Die voll Wanderlust Aus dem Süden erst gekommen. Was im Walde tief An Märchen schlief. Hab' ich Alles, Alles vernommen! Hab' es abgelauscht, Was lenzberauscht Die Glockenblumen läuten; Lieder und Melodien Wie Merlin Kann ich sie -deuten. '
Was sich das Volk von der. Siebe erzählt. Von Hans Warnow. Der Volksaberglaube, welcher noch heutzutage trotz der rastlos fortschreitznden Bildung in dem Leben einen breiten Spielraum einnimmt und namentlich auf dem platten Lande, wohin das Licht der Aufklärung - leider oft nur erst in vereinzelten Strahlen gefallen ist. seine meisten Anhänger zählt, beruht bekanntlich auf heidnischen Anschauungen. Ohne' System und Berechimng, gleichsam instinktartig und unbewußt aus dem durch uralte Wahnvorstellungen ' getrübten Volksgeiste hervorgewachsen, trägt darum auch der- Volksaberglaube den Charakter der Naivetät, welche sich in. deß zuweilen bis zur Verkehrung aller Vernunft in den krassesten Unsinn stei. gut. Dies tritt besonders bei den zahllosen - abergläubischen Gebräuchen hervor, welche sich auf die Liebe, den Brautstand und die Hochzeit beziehen und von denen wir im Nachstehenden eine Zusammenstellung geben, ohne'je doch damit den Gegenstand irgendwie erschöpfen zu wollen. Schon die Säuglinge können, wie man in Schlesien glaubt, mit Glück für die Liebe ausgestattet werden, wenn man das neugeborene Mädchen in ein Knaben- und umgekehrt den Jungen in ein Mädchenhemd hüllt. In OstPreußen wird das Mädchen nicht aus demselben Wasser getauft, mit welchem vorher die Taufe an einem Knaben vollzogen ist, well es dann keinen Mann bekommen würde, und in der Altmark pflegt sich aus demselben Grunde bei der Taufe eines Mäd chens unter den Pathen ein Mann zu befinden. Habes die jungen Mädchen das h:i rathsfähige Alter erreicht, so suchen sie durch allerlei Zeichen das Schicksal zu befragen, ob sie noch lange ledig bleiben oder sich bald verheirathen werden. Seltener geschieht dies von Sei ten der 'jungen Männer welche in der artigen Dingen gewöhnlich skeptischer als die Mitglieder des. schönen Geschlechts sind. In Schlesien steht der Sonnen- oder Marienkäfer in dem Rufe eines zuverlässigen Ehepropheten. Dort zählt man. bis er vom Finger auffliegt, die Jahre, wie lange, das heirathslustige Mädchen auf den Bräu tigam warten muß. Der Tiroler Bub fragt am Neujahrsmorgen die erste ihm begegnende weibliche Person nach dem Taufnamen, welcher auch der sei ner künftigen Braut ist. Ein anderes abergläubisches Verfahren wenden die Lauermädchen in. der goldenen Aue und im Harz: an, um über den Stand und Beruf ihres dereinstigen Gatten etwas zu erfahren: sie horchen nämlich am Weihnachtstage am Ofen und entnehmen aus den verschiedenartigen Tonen,' welche das Wasser in einem auf dem Feuer, stehenden Topfe beim Ko chen gibt, die ihnen am meisten zusagende Antwort. Einem ähnlichen Brauche, welcher allerdings mehr persönlichen Muth erfordert, huldigen die bayrischen Mädchen; sie gehen in der Thomasnacht (21. December) um 12 Uhr in den. Garten, klopfen dreimal an einen Baum und horchen an demsel ben. Vernehmen sie dann ein Klopsen, so ist dies die Antwort, die ihnen der im Innern deS Baumes hausende Geist auf ihre Frage ertheilt und aus der sie dann herauszuhorchrn suchen, welches Gewerbe ihr künstiger Mann belreibi. Am Rhein und in Mecklenburg ziehen sich die Mädchen an den Fin gern und ersehen hieraus, wenn ihnen dann die Fingerlenke knacken, wieviel Freier sie haben. In Schlesien und Tirol gilt es als ein recht ungünstiges Ehezeichen, wenn das Mädchen sich bei der Wäsche die Schürze naß macht; sie' bekommt alsdann einen Säufer zum Mnn. Bleiben einem Mädchen beim Spazierengehen Dornen in den Kleidern hängen, so heirathet sie, wie mav in Hessen glaubt, einen Wittwer; w Hannover sieh! ihr dasselbe bevor, wenn sie bei der Arbeit einschläft und Zu der Wktterau freit sie einen schönen Mann, wenn sie den Katzen .schmeichelt. Dagegen bleiben in Schlesien und ZU rol Männer, welche Katzen gern haben, Idig." . .. Eine hervorragende Rolle in ,den Eheprophezeihungen spielt auch : die
Wahrsagekunst deö Zufallsspieles. Da ist zunächst das Blei- und Zinngieße?
zu mnnen, em abergläubischer Ge brauch, der in all:n Kreisen der B; völkerung des Deutschen Reiches verbreitet ist, und bei welchem bekanntlich am Silvesterabend die H:irathscandidatinnen unter Zuhilfenahme der Phantasie, aus den Formen d:s ge schmolzen? und in's Wasser gegossenen Bleies auf den Beruf ihres künft! gen Gatten schließen. In Ostpreußen wird in ähnlicher Weise aus den Figuren, welche das - in Wasser gegossene Eiweiß bildet, gewahrsagt. In Meck lenburg werfen am Sylvesterabend die Mädchen, mit dem Gesicht nach dem Innern der Stube zugekehrt, einen Pantoffel rückwärts über den Kopf; zeigt die Spitze desselben dabei in das Zimmer hinein? so kommt in dem neuen Jahre der Bräutigam Ein ähnliches Experiment führen im Harz die Mädchen aus, indem sie gleichfalls cm letzten Abend im alten Jahre eine schmal geschälte Apfelschale rückwärts über den Kopf werfen und dann , aus der Figur derselben den Anfangsbuchstab:n von dem Namen' des zukünftigen Gatten ersehen. In - Schlesien kauft sich am Sylvestertage die heirathslustige Maid einen Apfel, ohne um den Preis zu feilschen, und legt ihn Abends' unker das Kopfkissen ihres Bettest Um Mitternacht beißt die Schöne herzhast in den Apfel und sieht dann, nachdem sie eingeschlafen ist, im Traume den Mann, welcher sie dereinst als seine Ehefrau heimführen wird. Auf einfachere Weise gelangen zu dem selben Ziele die Tirolerinnen, welche vierblättrigen Klee unter das Kopfkissen legen und hierauf vom Geliebten träumen. Auch durch , Anrufung des KalenderheilZgen Andreas, auf welchen nach Bekehrung der alten Germanen zum Christenthume eine Theilung der B:de.utung des deutschen Freyer, des Gottes der Fruchtbarkeit und der Ehen, .überging, werden in Holstein und im Harz solche Traumwahrsagungen herausgefordert. Die jungen Mäd chen sprechen dort am Andreasabend (30. November) zu dem Zwecke folgendes Zaubergebet: O heiliger Andreas, ich bitte Dich. Du mögest lassen erscheinen Den Herzallerliebsten meinen, Wie er geht und wie er steht. Wie er mit mir zur Kkche geht!" In einigen Gegenden unseres Vaterlandes artet dieser abergläubische Gebrauch zu .förmlichen GeisterbeschwLrungen aus. 'So legt sich z. B. in den Rheinlanden am Andreasabend der neugierige Bursche verkehrt mit dem Kopf amFußende in's Bett und spricht dabei: Ich lege mich nieder in des Teufels Namen!" Um Mitternacht soll dann der Teufel dem beherzten Heirathscandidaten.'. eine Visite abstat.ten und ihm seine künftige Frau vorstellen, wobei aber der Bursche ja kein Wörtlein sprechen darf. Auch die das Familiengut umgehend: Einfriedigung, der sogenannte Erbzaun, welcher "im dvutsan Volksaberglauben als, das Organ der Haus und Hof schützenden Ahnengeister angesehen wird, kommt bei derartigen Zaubereien in Anwen- ! düng.. Im Harz reißen die Burschen am Andreasabend eine. Planke . vom Erbzaun, schieben sie gegen Mltternacht m den' vorher geheizten Backofen und bleiben so lange vor dem brennen den Scheit Holz sitzen, bis die künftige Braut kommt und sich am Feuer wärmt, worauf sie natürlich vergebens warten müssm.wenn nicht ein heirathslustiges Mädchen die Rolle des gefälltgen Geistes übernimmt. Das Volksaberglaube bleibt aber nicht bei der Behauptung stehen, daß man durch Wahrsagen und Geistererscheinungen d-:n künftigen Gatten zu erkunden vermag, er geht noch einen .Schritt weiter und gibt den in solchem thörichten Wahn befangenen Burschen und Mädchen auch allerlei Zaubermittel an die Hand, mittelst derer selbst die Liebe gewonnen, erhalten vernichtet werden kann. In Pommern trägt der junge Landmann, welcher mit seinem Liebeswerben beim schönen Geschlecht kein Glück hat, zuweilen Fledermausblut und ein Schwalbenherz bei sich und glaubt dadurch die Sprödigkeii des von ihm ang:b:ten Mädchens über--winden zu können. In Tirol schickt das Mädchen dem Burschen, dessen Liebe sie gewinnen will, Ostereier zu, die am Ostersonnabend bei geweihtem Feuer roth gesotten sind. In WestPreußen schöpft am Ostermorgen vor Sonnenaufgang das verliebte Mädchen drei Löffel fließendes Wasser, trinkt sie aus und spricht dann: Untergeh'n, aufersteh', immer treu, ewig neu! wobei sie sich der oft grausamen Täuschung hingiebt, daß jetzt derjenige, an den sie denkt, nimmermehr von ihr lassen könne. In Ostpreußen, stecken Liebende einander heimlia? vierölättrigen Kee zu, um die Treue festzuhalten. Ferner Pflanzt dort die Braut keine Myrthe, da sie sonst befürchten muß, daß die Verlobung gelöst werde, und aus hems:lben' Grunde zeigt sich in Pommern und Schlesien die Braut nicht vor der Hochzeit im Vrautkleide. In der Rheingegend ' wird die Liebe gebrochen, wenn einem der Liebenden drei Tropfen Blut aus der Nase fallen. Nach einer in der Mark verbreiteten Ansicht kann man die Liebe der Brautleute in Gleichgültigkeit und Haß verwandeln, wenn man eine Hand voll Erde der Stelle, auf der sich zwei Hähne gebissen haben, nimmt und zwi schen das Brautpaar streut. In ganz Norddeutschland schenkt kern Bräutigam seiner Verlobten eine Scheere oder ein Messer, weil sonst die Liebe z schnitten", iir Altenburg keine Schuhe, weil sie sonst .zerlacht" und in Sachsen kein Buch, weil sie sonst verblättert", wird. -' Ein dichter Kreis abergläubischer - Gebräuche, welche zum Theil mit der
Volks sitte eng verwachsen sind, sich auch um die Hochzeitsfeier. Die den alten heidnischen Ueberlieferungen
entstammende Unterscheidung der einzelnen Wochen- und Monatstaze als glücklich?) und unglückliche wird noch heute bei der Wühl des Tages, an wel chem die Hochzeit begangen werden soll. mit peinlicher Aengstlichkeit beobaaztet. Welche Tage, als sür die Schließung von Ehen gunstige anzusehen seien, darüber gelten in den verschiedenen G genden Deutschlands etwas von einander abweichende Ansichten, aber im Allgemeinen, hält man in allen Kreisen der Bevölkerung mit großer, einer desseren Sache würdigen Zähigkeit daran fest, an sämmtlichen Tagen im Jahre, welche im Kalender das Zeichen deS Krebses haben, kein: Eh: einzugehen. In Pommern und Ostpreußen lassen sich auch sehr viele Leute bei abnehmendem Monde nicht trauen. Ferner wird in ganz Norddeutschland selten am Donnerstag, dem einstmals dem wilden Donnergotte geweihten Tage, eine Hochzeit gefeiert, weil es sonst in der Ehe donnern, d. h. Unfrieden zwischen den Eheleuten geben soll.. Dagegen hält man die Hochzeiten gern am Frei tage, als dem Tage der freundlichen Liebesgöttin Freia ab, während in Hessen, Schlesien und Tirol der Dien stag als günstig sür Trauungen anzesehen wird. Am Vorabende: der Hochzeit, dem Polterabend, werden bekanntlich vor der Thür des Hauses, in welchem die Braut wohnt, alte Töpfe. Gläser, Flaschen etc. zerschlagen. Dieser namentlich in Norddeutschdnd verbreitete Brauch, dessen Ursprung sich in die graue Vorzeit verliert, diente meist Verscheuchung böser Geister, während er jetzt von der Gassenjugend leider nur zu häusig dazu benutzt rc?hd, um unter dem Deckmantel eines alten Herkommens allerlei Unfug zu verüben. . Auf dem Wege zur Kirche müssen in der Mark die Brauleute, nachdem sie sich vorher als Schutz gegen Behexung Dill und Salz in die Schuhe und in die Taschen ihrer Kleider gestreut haben, nicht neben-, sondern dicht hintereinander gehen, und zwar die Braut voran, während bei der Heimkehr von der Trauung die umgekehrte Reihenfolge beobachtet wird, weil sonst die Eintracht in der Ehe Sicht gewahrt bleibt. Sehn sich der Bräutigam oder die Braut auf dem Kirchgange umso deutet man dies in Pommern, Thüringen und Sachsen dahin, daß der betreffende Gatte sich nach einer andern Person umsehe und die Treue nicht halten' werde. In Ostpreußen pflegt man der Braut vor der Trauung heimlich eine Scheidemünze zuzustecken, damit es ihr in der Ehe an Geld niemals fehlen möge, und in der Oberlausitz bringt aus demselben Grunde die junge Frau ein Brot und andere Lebensmittel in das neue Heim. Regnet es der Braut auf dem Gange zur Trauung in den Kranz, so sieht man dies in Niedersachsen, Schlesien und Schwaben als ein günstiges Zeichen an, da dann die Ehe mit Kindern und Reichthum gesegnet sein wird. In Lauenburg bedeutet es gleichfalls Glück, wenn es in den Brantkranz schneit, dagegen gibt es Schläge, wenn Hagel .auf den Brautkranz fällt.' Vergießt die Braut vor dem Altare keine Thräne, so weint sie, wie man in der Wetterau und Tirol glaubt, in der Ehe. In Schlesien bleibt während der Trauung kein Stuhl leer, damit der Tod sich nicht auf den unbesetzten Platz setze und einen der Gatten im Laufe des Jahres hole. Bei der Einsegnung des jungen Paares knieen in der Umgegend von Merseburg und GLttingen die Neuvermählten gleichzeitig vor dem Altare, weil derjenige, welcher früherkniet, zuerst sterben soll. Selbst dem Bestreben des Bräutigams oder der Braut, sich die Herrschaft in der Ehe zu sichern, trägt der Volksaberglauben Rechnung, indem er den Liebesleuten manche Winke an die Hand gibt, durch welche sie das erwünschte Ziel erreichen können. So ist z. B. unter den ostpr:ußisch:n Landbevölkerung die Ansicht verbreitet, daß die Frau -den Mann unter ihr Pantofftlregiment zwingt, wenn st: wah::nÄ der Trauung ihren rechten Fuß auf den 'des Gatten setzt.' In Franken glaubt min. daß derjenige der bilden Neuvermählten H?rr im Hause sein wird, welcher bei der Rückkehr aus der Kirche zuerst die Thürs.welle des HoÄzeitshauses überschreitet. Ein recht drastisches Versah, ren endlich wendet in der gleichen Absichi der junge Märker an: er vermeidet es am Hochz:itsta?e die Braut zu bedienen, weil er es sonst Zeit seines Le bens thun muß. Halber Sieg. Tocht:r: Ach. Papa, wie schade, daß Du nicht mit auf dem .Ball: warst g:stern habe ich wieder großartig gesiezt!" Vater: Und doch sieht man nie etwas von einer Beute!" Verliebt. Erste Köchin: Wfe gefällt Dir denn die Photographie von meinem Schatz?" Zweite Kö-chin:-Ich kann ja gar nichts sehen, es fehlt ja doch das ganz: Gesicht." Erste Köchin: Ach, das hab' ich schon ganz weggeküßt!" , Unbesorgt. Dienstmädchen: .Um Gotswillen. 5rr, kommen Sie schnell zu Hilse. die gnädig Frau hat Gift genommen!" Hausherr: .Das that 'hr nichts, sie :st von zeher giftig und hat daher jedenfalls das Gegengift schon in sich!" Jung - Israel. Lehrer: Wir sollen also unser Haus nicht auf Sand bauen. , sondern, Moritz, woraus wirst Du ein Haus gründen?" Mo ritz: .Auf Actien."
