Indiana Tribüne, Volume 18, Number 218, Indianapolis, Marion County, 28 April 1895 — Page 6

Traurige ZZcrilljmüM. Tie kadt'der GSefdjeifcungen. Sioux-zxalls in Süd-Dakotz ist seit einign Iahren zu einer traurigen Berühmtheit gelangt. Die Stadt an den schönen Wasserfällen des großen Sioux wuchs, lebt: und wurde wohlhabend durch seine Ehsscheidungs-Mühlen. Die Kandidaten männlichen und weiblichen Geschlechts, welche daselbst Erlösung aus den Banden einer unbeauem gewordenen Ehe suchen, werden von den Einwohnern Colonisten" genannt und mit scheelen Augen angese hen. obgleich sich Erstere an ihnen bereichern. Die Colonie besteht aus Männern' und Frauen aus allen Staa ten der Union. Alle führt ein Zweck nach Sioux Falls, wenn ihre Gründe auch verschiedene sein mögen. Einige suchen in aller Stille eine Scheidung zu erlangen, Andere weil es schnell gehen soll und die Dritten endlich, weil es ihnen am besten paßt. Zu den Ersteren gehören die armen gequälten Flauen, die Erlösung suchen ohne den damit verbundenen Skandal, welcher sich in ihrer 'Heimath nicht unterdrücken ließ. Die Zweiteir sind die Leute, welche dem Gelderwerb nachjagen und wenig Zeit für andere Dinge übrig haben. Sie sind der irrigen Ansickt. 'daß ihre sechsmonatliche Anwesenheit in SiouxFalls für alle Zwecke genügend sei. Die dritte Klasse der Eheschekdungs-Can-didaten wird von den Leuten gebildet, lwelche -den Ort sammt ihren Leidensgeführten in einen üblen Ruf gebracht baben. Sie kommen hierher, um miteinander in wilder Ehe zu leben, bis ein Richter das erlösende Wort gesproch:n, damit sie in die Banden einer neuen, aber nichts weniger als heiligen Ehe treten können. Man glaube indessen ja nicht, daß man so ganz unbemerkt nach SiouxFalls kommen kann, um eine Scheidung zu erlangen. Kaum hat man außerhalb Chicago seine Fahrkarte ucich dem Städtchen abaeaeben, so macht sich 'bei den Angestellten der Vullman-Waggons eine gewisse freche Zutraulichkeit bemerkbar, die Einen wohl ärgern m? der man aber nicht entschieden entgegen treten kann, da sich Einem kein rechter Anbaltspunkt bietet. Jedenfalls wird man von den Leuten für ein neues Mitglied der Colonie angesehen. Es heißt sogar, daß die Condukteure der verschiedenen in SiouxFalls einlaufenden Züge in Diensten der dortigen Advokaten stehen und diesen sofort mittheilen, daß ein neuer Candidat anlangte. Die Frauen 'werden nach einem der populären Hotels gefahren und wenige Stunden später macht ihnen bereits ein Advokat seine Aufwartung. Die armen Weiber ergreifen mit Freuden die helfende Hand, die sich ihnen hier entgeaenstr:ckt und so uebcnbei' ihre sauren Ersvarnisse einzustecken weiß. ' Die meisten Frauen kommen indessen mit ihren Liebhabern hierher, welche für sie . die nöthigen Vorbereitungen treffen. Man miethet ein möblirtes' Haus,' um ungenirter leben zu können und sich größerer Freiheit zu erfreuen. Während eines der verflossenen Winter miethete ein meriöfes Pärchen ein solches Haus im oberen Stadttheile. Sofort wurde es für Schei-dungs-Candidaten gehalten, und ihr Auftreten rechtfertigte in der That den Verdacht. Die Frau, welche höchst elegant gekleidet war. ging nur selten aus. Zeigte sie sich aber einmal auf der Straße, so trug sie stets eine Brille mit großen gefärbten Gläsern. Der Mann, welcher sich für einen deutschen Arzt ausgab, besorgte alle Einkäufe auf dem Markte und in den Läden. Eines Tages war das Pärchen ebenso geheimnißvoll verschwunden, wie es gekommen war. Der eine oder andere Theil hatte eine Scheidung erhalten. Ein anderes Parken trat mit Dienerschaft auf und bewegte sich frei und offen. Der Umstand' aber, daß man eines Tages einen der berüchtigtsten Scheidungs-Aövokaten ihr Haus betreten sah. genügte, um sie sofort zu der verachteten Colonie zu zählen.

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Heimreise. Frau James G. Blaine jr. und Madame de Stueur haben vielleichtSiouxFalls zu seiner traurigen Berühmtheit derholfen. Indessen- trug auch der Pollock'sche Scheidungsprozeß sein Theil dazu bei. Frau Pollock kam mit ihren zwei Kindern von New Aork nach dem Städtchen und war so arm, daß sie sich in einem gewöhnlichen Waggon drei Tage und zwei Nächte .aufhielt. IhrGatte wohnte inzwischen in SwurFalls mit einem Frauenzimmer,welcheZ er für seine Schwester ausgab. Er heirathete Letztere, sofort, nachdem er eine Scheidung erlangt hatte. - Man sprach damals davon, daß der Richter von ihm bestochen worden sei. . Einen langen Kampf hatte die Frau des Ex.Repräsentanten Dunham von Cbicaao durchzumachen, ehe sie die verlangte Scheidung eryiett. E:ne Frau Lock Wood von Brooklyn war für die guten Leute von toiour. Falls ein willkomme rer Gast. Wie das Madchen aus der Fremde kam sie mit vollen Händen an. nur verschwand sie nicht bald wieder,

sondern lebte auf großem Fuße. Der EiUihümer , des , Cataract-House

konnte oder wollte ihr keine Zimmer geben. sie begab sich daher nach dem Commercial Hotel, woselbst sie für sich und ihre zwei Töchter und die Dienerschaft sechs Zimmer miethete. Da ihr der Teppich in Salon nicht gefiel, so ließ sie denseloen aufnehmen und auf eigene Kosten , durch einen neuen ersetzen. Später miethete, sie eines der schönsten Häuser in der Duluth Avenue und bezahlte hierfür die in SiouxFalls unerhörte Miethe von $125 per Monat. Ebenso, wie Frau Blaine nahm sie die einzige Loge im Theater für die ganze Saison in Beschlag. Das Theater war stets bis auf den letzten Sitz angefüllt, wenn man wußte, daß die Dame die Vorstellung besuchen werde. Im Allgemeinen befinden sich mehr scheidungslustige Männer als Frauen in dem Orte, welche nicht anstehen, manchmal für unfreiwilligen Humor zu sorgen. So beschuldigte ein Regierungsbeamter seine Gattin der unerhörten Grausamkeit, weil sie sich frei gere, ihm Kinder zu gebären. Ein lustiges Stückchen lieferte auch eineDame, welche nach Sioux-Falls kam und ein Putzgeschäft eröffnete., Einige Monate später kam ein Mann aus Texas in den Laden und sagte: Ich komme für meine Tasse Thee, und der Weg war verdammt weit." Es stellte sich heraus. daß der gute Mann krank im Bette lag. als seine Frais- auf ihn zutrat und sagte: Ich will Dich jetzt verlassen, um Dir eine Tasse Thee zu be-reiten.-Mit diesen Worten begab sich die Frau aus dem Zimmer, und ihr Mann sah sie nicht wieder, bis er nach Sioux-Falls kam. Sie ließ sich schließlich zum Verkaufe ihres Geschäftes überreden und kehrte mit ihrem Manne nach Texas zurück.. Ein Wort über das Cataract-House, dessen Ruf ein weitverbreiteter ist. Alle Reisenden der Umgegend richten es so ein. um den Sonntag in Sioux-Falls zu verbringen. Das Hotel ist denn auch von Samstag bis Montag regelmäßig von Gästen überfüllt. Die Angestellten des Gasthauses wissen in allen Schei-dungs-Angelegenheiten Bescheid und sorgen dafür, daß die Stadtleuie stets wissen, wenn eine besonders saftige Klage zur Verhandlung kommt. Die anständigen Frauen wohnen zwar in Privathäusern, doch kennt man ji, sobald sie auf die Straß: treten. Die Schulkinder zeigen mit den Fingern nack ihnen. feie fünf Iah: alte Tochter einer solchen Frau kam eineZ Tages mit großer Entrüstung zu ihrer Mutter gelaufen und sagte, ein Mann habe sie einem anderen Manne als die Tochter einer ScheidungS-Candidatin bezeichnet. Das Kind wollte wissen, was das Wort zu bedeuten habe.

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Heirathscan didaten. Die Colonisten sind in den Kirchen nicht gerne gesehen, obgleich man auch ihnen den Teller hinstreckt; sie erhalten keine Einladungen zu Unterhaltungen, man stellt sie in keinem Geschäfte an. Sie bilden in der That eineGesellschaft für sich selbst. Der Leser verwundert sich vielleicht, warum die Leute gerade nach Süd-Da-kota gehen, um eine Scheidung zu erlangen. Die Geschichte ist eben die,daß es ihnen daselbst ziemlich leicht gemacht wird. Noch vor wenigen Jahren waren die Gesetze in dem neuen Staate ungemein günstig für sckeidungslustige Eheleute. Ein Aufenthalt von wenigen Monaten in SüdDakota genügte, um eine Klage anstrengen zu können, während man in den meisten Staaten der Union mindestes ein Jahr ansässig sein muß für den besagten Zweck. Viele der Kläger haben ferner die irrthümliche Meinung, daß von den VerHandlungen nichts in die Außenwelt dringen werde. Aber auch in Süd-Daidta sind die Verhandlungen öffentliche und in denselben wird die schmutzige Wäsche" ebensogut gewaschen, wie in allen anderen. Gerichtshöfen. Und dann fehlt es auch draußen im Westen nicht an sensatiq.nslustigen Zeitungen, welche für die Verbreitungen der Vorgänge im Gerichtssaale Sorge traoen. Es sei übrigens zum Schlüsse bemerkt, daß die Gesetzgebung des jungen Staates neuerdings die Scheidungs-Gesetze dahin amendirte, daß de.r Kläger oder die Klägerin ein ganzes Jahr im Staate wohnen muß. ehe eine Scheidungsklage anhängig gemacht werden ,kann, im Falle der oder die Verklagten außerhalb des Staates wohnen. Es darf wohl angenommen werden, daß durch diese Maßregel scheidungslustine Leute es nicht mehr der Mühe werth finden werden, die weite Reise nach dem Westen anzutreten. Durch die Amend:rung der erwähnten Gesede ist der klagende Theil, ebenso wie in anderen Staaten, gezwungen, dem .verklagten Theile eine Abschrift der Sckieidungsklage zuzusenden, wenn dessen Aufenthalt irgendwie bekannt ist. Bekanntlich trat dieses früher nicht der -all, ein Umstand, welcher das Erlanqen einer Scheidung: sehr ''erleichterte, der aber auch Suo-Da:ota' m ein schlechten Ruf gebracht hatte. , Gar mancher gibt sich für verkannt aus, nur um als Talent zu fltKen,

Zchmuhige Masche. Der Skandal in den Berliner Hofkreisen ist in ein neues Stadium getreten. Wie bekannt, wurde der frühere Ceremomenmeister Baron Lebrecht von Kotze vor einigen Monaten xrnf dem direkten Befehl des deutschen Kaisers derhaftet und gegen ihn die Anklage erhoben, Briefe schmutzigen und verleumderischen Inhalts an die Mitglieder der kaiserlichen Familie geschrieben zu haben. Besonders war in diesen Briefen die Prinzessin Sophie, eine Schwester des Kaisers, in der abscheulichsten Weise verunglimpft. Nach einer langai Untersuchung wurde der Anze-

fcr FXr-i i BHss UWSte Baron v. Kotze. klagte vor ein- Kriegsgericht gestellt, von diesem aber freigesprochen; Kaiser WilHelm II. bestätigte das Urtheil trotz der Bemllhunge?l der Gegner des Herrn v. Kotze. Officiell rehabilitirt, ist der Letztere nun dazu geschritten, den ihm zugefügten Schimpf in dem Blute, seiner Feinde abzuwaschen. Er hat die Letzteren z-um Duell gefordert und sei Hauptgegner, Freiherr v. Reischach, Hofmarschall der Kaiserin Friedrich, hat die Forderungen für sich und Andere übernommen. Das erste. Duell zwischen den Beiden hat im GrüneWald bei Berlin stattgesunden. .Als Secundanten Reischach'S fungirten Fürst zu Fürstenberg und Fürst von Lichnowsky, als Secundant v. Kotze'S dessen Vetter. Dietrich v. Kotze, welcher seinerseits in Verbindung mit der As faire bereits ein Duell ausgefochten hat. Als Waffen dienten Pistolen. Beim achten Kugelwechsel wurde Herr von Kotze verwundet. Der , Verwundete wurde in die königliche Klinik überführt. Noch im Laufe des Tages hatte der Kaiser sich durch den Flügeladjutanten Major Graf v. Moltke nach dem Kefinden des Patenten erkundigt. Das Befinden ist ein zufriedenstellendes. Baron v. Kotze soll beabsichtigen, nach seiner Wiederherstellung auch die Prin?en Aribert und Albert von SachsenAltenburg zu fordern; ob diese die Forderung annehmen, werden, erscheint aber zweifelhaft. Im Uebrigen ist am Werliner Hofe zu Gunsten des Herrn v. Kotze ein vollständiger' Umschwung der Memung eingetreten. LluS den Freiheitskriegen. Die letzten Kämpfer von 1813 15", welche wir unseren Lesern in Wort und Bild vorgeführt, haben in Herrn I. E. Traugott Carl zu Leip zig einen Zuwachs erhalten. Geboren am 16. September 1797 zu Zeulen roda rm Voigtland, trat Carl im.No dember 1813 zu Frankfurt am Main in das zum Sork'schen Corps gehoI. E. Traugott Carl.. rende 1. Brandenburgische Husarenregiment. Er kämpfte in verschiedenen Gefechten, welch: das Äetachement auf dem Weg nach Verdun, Mzires und Sedan zu bestehen hatte; bei einem der. selben wurde er durch einen Säbelhieb am Kopfe verwundet, ohne jedoch gezwungen zu sein, seine Truppe der lassen zu müssen. Nachdem er in Ver lin im Jahre 1815 entlassen war, erlernte er die Weberei und errichtete in Zeulenroda eine Fabrik. Seit einigen Jahren lebt er bei seinem Sohn in Leipzig. Trotz seines hohen Alters ist Herr Carl noch geistig frisch, wenn auch körperlich nicht mehr sehr rüstig. -. - i Fatal. Du, der Baron ist -doch ein Ideal von, einem Manne ' . .Wieso denn?" , . Nun. er trinkt nicht, er spielt nicht. er raucht nicht.... Ab er heirathet auch nicht!" ; Der kranke Trinker. Arzt: Auch würde ich Ihnen empfeh len. jeden Morgen ein: Stunde vor dem Frühstück ei Glas Wasser zu trinken! Patient: Sagen Sie, Herr Docto?, thät's nicht auch cm Schnapsglasl?" Ein Unterschied. Chase (zum Zahnarzt): Nein, ich will Nichts extra für Gas zahlen. Ziehen Sie den Aabn nur so aus, auch wenn es ein wenig, schmerzt." Zahnarzt: Sie sind ja sehr muthig. Lassen Sie mich einmal den Zahn fehln."-- Chase: O. ich habe nicht Zahnschmerzen,' 'es ist meine Frau. Sie wird in einer

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?as Mzcrstiiss öcr Munst. Ein englischer' Schiffsconstructeur macht den Vorschlag, in Zukunft dreideckiae Vaniersckiffe zu erbauen. Wie einst' die alten hölzernen Dreidecker stets die größte Kraft der Flotten revräsentirten. so werden auch diese geplanten Dreideck-Panzerschiffe den Schrecken der Weltmeere bilden. Zu allen Zeiten ist die Dreideckform die höchste zulässige schissssorm der ven Völkern gewesen. Die Trireme der Griechen, eine der complicirtesten Kampfmaschinen, die je auf den Fluthen des Meeres Verwendung gesunden hat, besaß drei über einander befindliche Bänke für die Ruderer. Bei Einführung der Geschütze baute man zuerst wieder eindeckiae Krieasschiffe.bald aber-construirte man dit Linienschiffe mit drei Battenerechen. Dann wurde der Damvf der Schifffahrt zu Nutze gemacht, und mit ihm kam zunächst wieder nur ein Deck. Vor Kurzem wurde ein 'italienisches Kriegsschiff, die Sardegna", vom Stapel gelassen. das in seinem Bau und seiner Cvnstruction einem gepanzerten Dreidecker schon sehr nahe kommt. Doch der englische Ingenieur wünscht den Typus diese? Dreidecker noch schärfer ausgesprochen. . -t Lassen wir ihn mit seinen eigenen Worten reden, wie er sich sein Zukunftsschiff denkt: Dasselbe soll eine Geschwindigkeit von 23 Knoten und 10.000 Tons Wasserverdrängung erhalten. An Armirung würde es zu tragen haben: 16 6zöllige, 20 4.7zöllig: Schnellfeucrkanonen, 20 12pfündige, 20 6 und Zpfündige Schnellfeuergeschütze und 23 verbesserte Mazimkanonen. Das Schiff erhält eine vollständige Panzerung von 6zölligem Stahlpanzer. Ich denke, in dieser Vollendung wird kein anderes Schiff diesem Panzer gegenüber bestehen, noch seiner vernichtenden Wirkung entschlüpfen können Dieser Dreidecker, nach einer maßigen Schätzung, wird im Stande sein, in einer Minute eine Breitseite von 400 Schüssen abzugeben. Keiner der leichtbeschwingten Kreuzer wird sich dem Bereiche seiner Geschütze entziehen können und nur den schwersten Panzerschiffen mag es gelingen, eine kurze Zeit sich seiner zu erwehren. Doch bald müssen auch diese unterliegen, da sie an Bewaffnung und Stärke der Panzerung bei Weitem nicht gewachsen sind. Gewiß wird es große. Schwierigkeiten verursachen, ein solches Schiff zu erbauen. Aber das menschliche Genie wird auch dieses Hinderniß zu über brücken wissen. .An Besatzung wird das Schiff über 1000 Mann benöthigen Sollten, die. europäischen Mächte dieses Problem verwirklichen, so werden auch die Ver. Staaten nicht zögern, diese Klasse von Schiffen der Bundesflotte einzuverleiben. ' 123 Jahre alt In der Perfon des Noah Raby hat die Piscataway Armenfarm, N. I., einen 123 Jahre alten Mann. Er ist von gedrungener Gestalt, seit 5 Jahren völlig erblindet, und wie nicht anders zu erwarten, ist sein. Rücken unter die ser für einen Sterblichen so ungwöhn lichen' Last von Jahren stark gebeugt. Wenn gefragt erzählt er mit großer Lebhaftigkeit und stark ausgesprochenem südlichen Accent die beschichte se nes langen Lebens. Noah Raby. Selbstverständlich ' sind ihm alle Daten, mit Ausnahme des Tages seiner Geburt, des 1. April 1772, aus dem Gedächtniß entschwunden, aber er kann sich noch, ganz genau der verschie denen Plätze, an denen er Arbeit gefunden und gelebt hat, entsinnen. Seit 40 Jahren ist er scho : ein Insasse des Armensarm. Sem Z ater war ein In dianer, seine Mutter eine Weiße, geburtlg aus Sud-Carollna. Daß das Tabakrauchen nicht gerade sehr schädlich ist, davon gibt uns dieser Mann, der seit dem 6. Jahre diesem von so Vielen verpönten Laster fröhnte, den besten Beweis. Wie er erzählt, hat er einst George Washington in Forktown ,reden hören. ' Berechtigte Annahme. Die kleine Elfe (zu jhrem Vater, der sich eines riesigen Körperumfangs erfreut):. Nicht wahr, Papa, Dich , haben zwei Störche, gebracht? ... Aha! Fräulein A.: Endet der Roman, den Du da eben gelesen hast, glücklich? Fräulein B.: Das läßt sich nicht daraus ersehen, der Verfasser lagt nur, daß der Held und die Heldin sich zum Schluß heirathen!

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Lluf demTodtenbette

Der Operettencomponist . Franz v. Suppö in Wien ist sehr schwer erkrankt und sein Zustand ist derartige daß auf seine Wiederherstellung nicht zu hoffen ist. Herr v. Supp6 ist der Componist Franz v. S u p p ö. einer großen Anzahl von Operetten, von 'denen Flotte Bursche", Die schöne Galathea", Fatinitza" und Boccaccio" die populärsten und am häufigsten aufgeführten sind. Er ist 1820 zu Spalato in Dalmatlen geboren. lebt aber seit Anfang der 40er Jahre in Wien, wo er am Josephstädter Theater, am Theater an der Wien und am Theater der 'Leopoldstadt als Kapellmeister thätig war. Ein- Engel. Es ist zum Teufel holen dieser mürrische verbissene Mensch und dieser Engel von Sanftmuth " Sie: Daher kommen die Wllrstl, Schasskopf!" Alliteration. " Sie (zum Cousin, sich seiner erwehrend): Aber, Fritz, was willst Du denn von mir haben, daß Du mir kein: Ruhe läßt?" Er: Baserl bisserl Busserl!Wohlmeinend. Frau . Kreis thierarzt (welche, etwas zu spät zur Kaffeschlacht kommt, zum Dienstmädchen): Kann man eintreten?" Dienstmädchen: Warten's lieder noch etwas, gnä' Frau grad Habens Ihnen drinn'n in der Arbeit!" D e r K u ß. Der K u ß ist ein Ereigniß Der Typographenwelt; Er ist ein Preß erzeugniß. Mit Nachdruck hergestellt! .Moderne Kunst. Erster Schriftsteller: Denke Dir mein . Pech, stürze ich mich da in die Ehe, um . so recht realistische Studien zu meinem ' Ehebrüchsdr'vMa machen zu, können, 'und nun. bin ich ganz glücklich! 'Aweiter Schriftsteller: . Scheußlich; Schade um Dem. Talent! - Aus der Klemme geholfen. Frau: Du findest Dich wohl aus der Kneipe gar nicht mehr nach Hause? Mann: Um Dich vom Gegentheil zu überzeugen, habe ich sogar gewartet, bis die Laternen ausgelöscht waren. Ein Gedenktag. A.: Was! Sie trinken Champagner in .dieser schlechten Zeit? B.: Ja, wissen Sie. um diese Zeit, pflegte sich meine verstorbene Frau immer ihre Frühjahrskleider zu kaufen, da kann ich jetzt doch schon etwas darauf gehen lassen! ' Guter Rath. Dame: Ich habe ein Kind, das so schwer spricht: kann ' man nichts dagegen thun, Herr Doktor? Arzt: Ist .es ein Knabe oder ein Mädchen? Damet Ein Mädchen. Arzt: Ein Mädchen? Dann sollten Sie doch nicht gegen die weisen Bestimmungen d Vorsehung murren.

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Eine fürstliche Oerlovung.

'Wie das Kabel meldet, hat sich der Prinz von Neapel mit der Prinzessin Alexandra von Sachsen-Coburg, derlobt. , Die Prinzessin. Tochter, des Herzogs, von Edinburgh und gleichzeitigen Regenten von Sachsen-Coburg-Gotha. ist die viertälteste unter ihren Geschwistern und steht erst in ihrem löten Lebensjahre. Sie besitzt ein un gemein liebenswürdiges ' und einneh mendes Wesen und soll hochbegab! sein. - . P r i n z s i n? Alexandra. Der Prinz von Neapel, der zuküns tige Erbe der italienischen Königskröne, ist der Sohn Königs Humbert und ungefähr 26 Jahre alt. Er ist von besonders ernstem und ruhigem Charakter und hat eine große Vorliebe für philosophische Studien. Seine äußere Erscheinung kann nicht gerade als eine imponirende und in's Auge Prinz von Neapel. fallende bezeichnet werden, er ist von kleiner und untersetzter Statur. Er hat eine vorzugsweise englische Erzie hung genossen, und konnte schon flie ßend englisch sprechen, ehe er seiner eigenen Muttersprache mächtig war. Protz und Protzin. Die bevorstehende Verlobung von Miß Consuelo Vanderbilt mit Mr. I. W. Mackey. Jr., bildet zur Zeit, das Hauptgespräch der New Yorker Gesellschaft. Wenn sich dasselbe bewah?hei tet und darin scheint kein Zweifel zu bestehen so werden dadurch zwei der mit Glücksgütern am reichlichsten bedachten Familien der Ver. Staaten in die nächsten verwandtschaftlichen Beziehungen zu einander treten, und später einst zwei große Vermögen zu einem Das Brautpaar. einzigen verschmolzen werden. Diese Verlobung ist um so mehr zu beachten, als endlich einmal eine reiche amerika. nische Erbin sich ihren zukünftiger! Gatten nicht aus der Zahl der aus ländischen Fürsten, Grafen und. Barone auserkoren, sondern denselben au den Söhnen des Landes erwählt hat. Miß Vanderbilt ist 19 Jahre alt. während Mr. Mackey 29 Jahre zählt. Ihm und seinem Einflüsse war es sei nerseit vor allem zu danken, daß eine Versöhnung zwischen seiner Schwester. der Prinzeß Colonna, und deren Gar ten zu Stande kam. Enttäuscht. Dame (Wittwe): Wissen Sie, daß meine Tochter ein Auge auf Sie gewarfen hat, Herr Müller?" ' Herr (geschmeichelt): In derThat? Dame: Gewiß; sie meinte, noch heute, den Herrn möchte ich wohl zum Papa." sonderbare An schauu n g. Großbauer (zu seinem in die Ferien kommenden Sohne, einem Studenten): Sage mal, Sepp, wie lange mußt Du jetzt noch siudiren, bis. Du 'ne B r i l l e tragen darfst? Begegnet. Denken Sie sich, Herr Doktor, wir hatten eben von Ihnen gesprochen." . Das bedaure ich sehr? Warum?" Weil ich grundsätzlicher Feind jeder Schmeichelei bin." . Warm genug. Mrs. Cropley: Mie unangenehm! Die Heizröhren sind sämmtlich gebrochen und der'Janitor sagt, es wird wenigstens einen Monat dauern, bis sie wieder revarirt sind Mr. Croply: ' Ach, das ist .nicht weiter schlimm. Bei Deimm Temperament und Deinem feuerroth gefärbten Haare werden toi denke ick. nickt frieren." . .

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' 1 ZS3g2S7 Der Mmanlring. Es war ein ungemein kostbarer Dmrnand Solitaire, er glänzte wie der Abendstern, war so rein und weiß wie der Schnee, und hätte selbst an der schlanken Hand einer Prinzessin sich nicht zu schämen brauchen. Ich möchte' wissen, worher er nur kam? O, und denselben Wunsch hegte auch sie, denn ein großes Geheimniß lagerte darüber, von all' dem Hin- und Herrathen und dem vielen Nachdenken war es ihr schon ganz wirr in dem kleinen Köpfchen geworden. Es war 8 Uhr, der Morgen eines herrlichen Frühlingstages. Der Gatte lag noch im tiefsten Schlummer, der arme Mensch. Um 4 Uhr war er vergangene Nacht nach Hause gekommen, noch spät Abends hatte man ihn an das Krankenbett' eines lieben Freundes gerufen. Und gerade heute bei diesem prachtvollen Wetter wollt: das kleine Weibchen so gerne Shopping" gehen. Leise näherte sie sich dem Bette ihres friedlich ruhenden Gatten, noch immer schien er nicht die geringste Miene zu machen, dem Pfühle endlich Lebewohl zu sagen. Zufällig fielen der jungen Frau die nachlässig über die Stuhllehne gehängten Unaussprechlichen" ihres Herrn und Gebieters in die Augen. Was mochte er wohl in den dielen Taschen seiner Beinkleider stecken haben! Wie kam sie 'nur auf diesen Gedanken, sie konnte sich selbst keine Rechenschaft darüber heben. Aber als eine richtige Tochter Eva's hatte Kiefer Wunsch in demselben Augenblicke di: größte Neugierde in ihr erweckt. Also -was birgt wohl diese erste Tasche! El" nen Korkenzieher, das Pik-Aß eines Kartenspiels, eine blaue Spielmarke. In der anderen fanden sich 33c, und der Coupon eines Logenbillets zu einem bekannten Concertsaal. Hm, das war aber doch ein merkwürdiger Ort, um sich mit einem Freunde, und noch dazu mit einem sehr kranken zu treffen, das machte sie doch etwas nachdenklich. In der dritten Tasche ah da zeigte sich etwas ihren Augen, das ihr Herz rascher klovien machte, ein kleines rundes Backet in gelbes Seidenpapier eingewickelt. Sorgfältig machte sie das Packetchen auf, mit zitternden Händen. Gott im Himmel! Das Herz schien ihr zerspringen. AU wollen! Argwöhnisch warf sie einen Seitenblick aus ihren Herrn Gemahl, der Athem schien ihr ausgehen zu wollen. Dann entnahm sie dem Kästchen den - verrätherischen Ning und ließ ihn über ihren. Finger gleiten. Er saß wie angegossen. Gott sei Dank dafür. So war ihr schrecklicher Verdacht doch grundlos gewesen. In tiefster Reue, zerknirscht daß sie auch nur auf einen Moment solch schlechte Gedanken hatte in sich aufkommen lassen, warf sie sich reuevoll über ihren Gatten, der so unschuldig und friedlich dalag,und Gottlob nicht ahnte, wie niedrig sie soeben von ihm gedacht hatte. Etwas überrascht von der großen Zärtlichkeitsäußerung seiner besse-. ren Hälfte, wachte der liebe Gatte mit einem recht verdutzten Gesichte auf, das etwas enttäuscht, darüber' zu seire schien, daß es nur sein Weibchen war, das ihn nun mit einer mcht endenwollenden Anzahl von Küssen bedeckte. Was seine Frau zu diesem Ausbruche ihrer Leidenschaft und dem Ueberschüt" ten mit allen möglich: Schmeichelwo ten verlassen, mochte, war ihm zum Mindesten unklar: Du bist doch mein einziger, süßer Mann," rief sie aus. ihre Worte gelegentlich mit einer Salve von Küssen unterbrechend. Wie gut, wie aufmerksam Du immer gegen mich bist, selbst in den Stunden, in denen Du mit Geschäften überbürde, bist, findest Du noch so , viel Zeit, um an mich zu denken. Einige Dutzend Küsse Nicht wahr Du dachtest daran, daß ich nächste Woche meinen. Geburtstag feiere? Oh, Du lieber Kerl. Wiederholte Küsserei. Du. Du bist ber beste, süßte, gütigste Doch wozu diese heißen Worte des Gefühls und wonniger Liebe mit kalten Buchstaben der gefühllosen Welt an-

vertrauen! Der Börsenmagnat von der Wallstraße erhob sich endlich in seinem Bette. Wenn er nur erst begreifen könnte, was feine sonst so vernünftiges Frauchen so vollständig aus dem Häuschen gebracht hätte. Da fielen ine Blicke auf die Beinkleider mit den umgekehrten Taschen, und zugleich auf den Diamantring, den ihm sein Weib so ostentativ vor dasGesicht hielt, er versuchte zu sprechen, aber die Kehle war wie zugeschnürt. Was mochte ihm nur fehlen, war ihm die stürmisthen Liebkosungen seiner besseren Hälfte s? in die Knochen gefabren. . Schnell zog er sich an, eilte dann nach unten und mischte, sich hier einen stehen dswt rappc?. Vielleicht gab ihm das seinen Gleichmuth und seine Fassung wieder. Wenige Stun den später finden wir unseren Börsta ner allein' in der Officce der Herren Putt, Call & Co., deren Theilhaber er ist. An seiner rechten Seite sitzt 0 Wunder seine hübsch: Privatschreiberin,' Miß Uptosnuff. Nachdem er ihr mehrere Briefe dictirt und der ältere Geschäftstheilhaber zum gewohnten Frühstück gegangen war, warf das schüchtere holde Wesen, an seiner Seite einen jener himmlischen, seelen vollen Blicke zu ihm auf, denen er nie hatte widerstehen können. Mit ihrer süßen melodischen Stimme flötete sie dann: Billy. Geliebter, hast Du es für mich bekommen'?" Ja. mein Liebling", antwortete der gut; Billy. Wo denn?" klang es in fi:b:r:scher Aufrezung. 2i den Nacken. Was w?icer ge schah, roir wollen es dahin gestellt sein lassen. Unser Billy trägt aber jetzt Aorlegeschlosser an seinen Taschen. ,