Indiana Tribüne, Volume 18, Number 218, Indianapolis, Marion County, 28 April 1895 — Page 2

j Weichsucht und ZZwtarmuth. ' Die Bleichsucht, diese jetzt so weit verbreitete Krankheit, ist nicht etwa zu Verwechseln mit Blutzrmuth. Es hat lich bei vielen Patientinnen hrausgestellt, daß sie nicht zu wenig, sondern ZU viel Blut haben. Bleichsucht ist ine Abnahme der Anzahl der in der Blutflüssigkeit enthaltenen Vlutkörperchen, welche der an und für sich farblo sen Blutflüssigkeit durch ihre große Anzahl die rothe Färbung verleihen. Die Bleichsucht wird im Wesentlichen durch Mangel an Bewegung, durch Schnüren des Körpers und schlechtes Athmen hervorgerufen; sie ist daher vorzugsweise eine Krankheit der in Geschäften und am Näh- und Schreibtisch thätigen Damen, und aus diesem Grunde könne diesen nicht genug an das Herz gelegt werden: das an und für sich so unschöne Schnüren des Körpers und dadurch das gesundheitschädliche Zusammenquetschen der oberhalb der Hüften liegenden Körper theile zu lassen. Zu der erforderlichen Bewegung fehlt freilich den erwerbenden Frauen häufig die Zeit und Gelegenheit; sie sollten es daher aber ja nicht unterlassen, einen Theil des freien Sonntags in der frischen Luft zuzubringen, im Sommer einige Stunden spazieren zn gehen und im Winter 12 Stunden Schlittschuh zu laufen, um so dem Körper die nöthige Bewegung zu verschaffen. Dieses ist sowohl den kranken wie gesunden Damen drin gend anzurathen; vor allen Dingen ist aber das Hauptaugenmerk auf ein gut:s Athmen zu. richten; hiergegen wird sehr viel gefehlt, und dazu trägt in nicht geringen Maße die schlechte KörErhaltung vieler Damen bei. Eine jede Dame muß darauf bedacht sein, möglichst ries zu athmen und dadurch die Lumzenthätigkeit zu fördern. AlS ine Art Lungengymnastik: des Mor gens ungefähr 5 Minuten früher aufzustehen und dann (natürlich bei im eingeschnürtem Körper) den Armen eine der Schwimmbewegung ähnliche Bewegung zu ertheilen. Diese Uebung muß aber consequent' durchgeführt werden und ist nicht etwa als eine Art Spielerin zu betrachten. Ein unbedingt wirkendes Heilmittel gegen die Bleichsucht ist noch nicht gesunden. Die jetzt so beliebte Behandlung mit Eisen in den verschiedensten Präparaten hat in vielen Fällen Erfolge gehabt, in sehr vielen aber auch den Gesundheitszustand noch mehr

erschüttert, denn es ist eine unleug' bare Thatsache, daß durch das Einneh men von Effen. in welcher Zusammen setzung es auch genommen wird, der Magen Schaden leidet und daß es einer sorgfältigen Kur bedarf, ihn wiein Ordnung zu bringen. Es richttt sich eben der Erfolg der EisenbeHandlung ganz nach der Jndividualität. In letzter Zeit ist man übrigens auf ein sehr altes Mittel zurückgekom?nen. nämlich den Aderlaß; mit demsel" ben haben die Aerzte sehr günstige Re sultate erzielt. Woher diese günstige Wirkung kommt, kann noch nicht mit Bestimmtheit festgestellt werden, doch nimmt man an, daß, nachdem ein ge?inger Theil des Blutes dem Körper entnommen ist, das Blut reger circulrrt. Es ist nun aber ganz und gar verkehrt, jetzt alle Rettung und Hilfe von dem Aderlaß zu erwarten. El muß eben dem Arzt überlassen bleiben, as Richtige zu treffen; durch ein geziaues Studium des-kranken Körpers von feiten des Arztes wird ihm dies auch sehr bald möglich sein. Wenn aber die oben, angeführten Punkte, die der Bleichsucht Vorschub leisten. Don allen Damen beachtet werden, ss ist es unzweffelhaft, daß bald eine Ao nähme dieser jetzt leider so verbreiteim Krankheit, die nicht selten in -SchwindsuHt ausartet, constatirt werden kann. Glühlicht. Geht unser Mrth zum Keller, So braucht der Mann kein Licht, Er fehlt im dicksten Finstern, Das Wrmfaß sicher nicht. Noch eh, was erst erfunden Ward in der jüngsten Zeit, Hat unser Wirth schon lange Uns ja damit erfreut. Er trägt 7a sondergleichen Ein Glühlicht im Gesicht, Drum hat er auch im Keller Ein and res nothig nicht. Enfant terrible. Tante: ... 1 3ott, da habe ich jetzt in GedanZn Eu'ren Kuchen aufgegessen!" Der kleine Reffe: .Ein Stück hast Du in Gedanken sogar .m die Tasche gesteckt, Tante!" Im Zorn. A.: Also Meier ist Irans; woran leidet er denn?" B.: An verdorbenem Magen. Aus Aerger nämlich, daß ihn ter Vegetarierverein ausgeschlossen, hat er gestern sieben Beefsteaks gegesserr!" "! Ein Tapfeier. AH. wenn wir doch 'mal wieder so recht schienen Frost hätten!" .Ja. warum denn, Herr Lämmchen? Lafen Sie denn Schlittschuh?" Ree. das nich'! Aber (flüsternd): bei zehn Grad Kälte er. Zoobt mer meine Olle wenigstens schon n kleenes Grögchen!" Allerdings! Lieutenant: .Die Baronin sieht aber heute etwas eil aus. . . So alt hat sie noch nie ausgesehen!" Hauptmann: Das glaube ich wohl. So alt wie heute war sie auch noch nie! Boshaftes Mißverliandniß.' ...Ich sage Ihnen, Herr Professor, der junge Mensch hat' in meinem Hause diel GuteS erfahren!" JitUt was Urnxr . .

Cpatz und Spätzin. Auf dem Dache sitzt der Spatz, Und die Spätzin sitzt daneben. Und er spricht zu seinem Schatz: Küsse mich, mein holdes Leben! Bald nun wird der Kirschbaum blühn, Frühlingszeit ist so vergnüglich; Ach, wie lieb' ich junges Grün Und die Erbsen ganz vorzüglich!". Spricht die Spätzin: Theurer Mann, Denken wir der neuen Pflichten, Fangen wir noch heute an. Uns ein Nestchen einzurichten!" Spricht der Spatz: Das Nesterbau'n. Eier brüten. Junge füttern Und dem Mann den Kops zu krau'n Liegt den Weibern ob und Müttern.". Spricht die Spatzin: Du Barbar! Soll ich bei der Arbeit schwitzen. Und du willst nur immerdar Zwitschern und herumstipitzen? Spricht der Spatz: Ich will dich hier Mit zwei Worten kurz berichten: Für den Spatz ist das Plaisir. Für die Spätzin sind die Pflichten!" Ein wild cs Derz. Von C. Eckberg. Der Frühling Italiens küßte daS Tyrrhenische Meer und entlockte ihm sein strahlendes Lächeln. Gleich einem tiefblauen liebeverklärten Auge lachte es den Himmel an, der seinen Uebersluß von Sonnengold darauf herniederströmte. In diese leuchtende Meeresbläue hinein trug der Tiber träge seine gelben Wogen. Er muß durch das Gebiet des Todes, ehe er in den seligen Ottatt mündet durch die Maremmen durch die verrufenste Einsamkeit des Landes. Scheidend grüßt er Ostka und Portus. Wenn er die marmornen Stufen eines geftürzten Heiligthums. den Fuß einer gebroichenen Säule küßt, träumt er von den Zeiten, da man hier durch Tänze und Festspiele die Götter feierte, wie ein Greis von den ersten Tagen seiner Juend träumt. Der' Frühling hatte blumige Kränze auf die Dünen gelegt, die auf ihn herabschauen, bis er sich in der Unendlichkeit verliert. Blumengewinde, volle üppige Pracht, längs der Ufer. Aber unter der Pracht der Athem des Todes, der Hauch des. Fiebers. der in der Nacht wie ein böser Geist emporsteigt und vernichte:. . Für mich hatte die menschenverlassene üppige Gegend einen bestrickenden Reiz. Wie ein Märchen kam's über mich, wenn mich die Ruinen von Portus grüßten. Ich mußte diese Eindrücke mir greifbar zu eigen machen! Gelang es mir auch nicht, den vollen Zauber der Natur auf meine Leinwand zu übertragen, so sollte mir mein Pinsel wenigstens Stückwerke liefern, die jederzeit die Erinnerung naturwahr beleben konnte. Ich henutzte, mit reichlichem Mundborrath versehen, zeitig die Bahn jjis Ponte Galera, schlenderte von dort aus auf der alten vereinsamtenLandstraße zwischen den Sümpfen dahin und kehrte gegen Abend auf die nämliche Weise heim, ehe der Gisthauch aus den Gründen quoll. So hatte ich an einem herrlichen Tage mein fliegendes Atelier in den Ruinen des altenPortus ausgeschlagen. Die in einiger Entfernung sich vor mir erhebende rosenumrankte Säulenrotunde, wohl das einstmalige Atrium eines stolzen Römerpalastes, beschäftigte meine Kunst. Jetzt war der größte Theil der Säulen gebrochen. . Um ihre Trümmer hing eine Fülle von Ranken, Rosen und Gaisblatt. Aus den gähnenden Spalten der versunkenen Bodentäfelung drängten, sich duftend Eyklamen und Narzissen. Die Sonne schien heiß und heiter. Ein Asphodelenstrauch umwob mich mit seinen Schatten. Ringsum Einsamkeit. tiefe Stille., Plötzlich ein Geräusch, wie das leise leiten einer Katze. .Ich sah auf. An der rosenumrankten Säule, der einzigen, die bis zum Kapitäl hinauf erhalten, lehnte ein Weib in der Fülle südlicher Schönheit. Ein Weib? Ein Mädchen mochte es sein-von siinfzehn Jahren. Sie starrte mich mit einem Paar großer leidenschaftlicher dunkler Augen an. Ihren schwarzen Scheite! bedeckte das gefaltete Tuch.welches über den Nacken 'hinabwallte. Nase und Mund sowie der Schnitt deZ ovalen bräunlichen Gesichtes waren von llassischer Schönheit. Sie möcht: schon eine Weile so beobachtend gestanden haben; ih lässige Stellung bewies es. Die Hände, Derschlangen sich lose über dem feuerfarbigen rothen Rock; die schlanken Glie der ruhten aus. während sie sich zugleich gegen den Marmor stemmten. So steht nur das Kind aus dem UalieNischen Volke. Ein Weib im Vollbesitz der Gesundheit hier in dieser verderbenbringenden Einöde! Die Gestalten, denen ich bisher begegrut. waren gelbe, hag:re Männer, denen das Gift des Fiebers bereits die Rundung der Wangen, die Farbe der Lippen gestohlen; Hirkn oder Banditen, welche Letzteren, dem Arme der Gerechtigkeit fliehend, in den Sümpfen ringsum ihr Leben fristen, bis daö Fieber ihnen den sicheren Tod brachte. Frauen hatte ich nur am Meeresstrande gesehen. Mein Erstaunen über dies Bild deZ Lebens fand daher in den-Wort5nAus-druck: Wo kommst Du her, Mädchen?"' Von den Bergen, Herr." Von den Bergen?" .Ich fooir:; aus Rocca di Papa.

Hierher? Und waS suchst Du tzier?" Sie schwieg. Seit wann bist Du hier?" .Seit gestern." . y Wie, Du warst die Nacht hier?" Ich versteckte mich zur Nacht dort in jener Grotte." Und Du fürchtest das ' Fieber nicht?" Sie zeigte lachend ihre weißen Zähne. Das Fieber fürchtet mich. Herr. Ich bin gesund, es wird mir nichts anhaben." Mit tiefem Bedauern blickte ich auf das schöne blühende Geschöpf. Nur einige Nächte, dachte ich, und Du bist ein Kind des Todes. Was hat Dich hierher getrieben? Wie lange willst Du in Portus bl:iben?" Wieder schwieg sie. Hast Du zu essen?" wHeut nichts mehr." Das arme Geschöpf hatte Hunger. Gierig verschlang sie das Brot und die Früchte, die ich ihr reichte. Ich werde Dir jeden Tag zu essen lieben und zwei Lira dazu, wenn Du einige Stunden täglich wie heut an j:ner Säule lehnen willst, damil ich Dein Bild male." Wie eine Madonna? . Genau so." Sie aber schüttelte den Kopf. Ich kann' Euch meine Zeit nicht schenken." Was in aller Welt hast Du zu thun. Mädchen?" Sie schwieg. 'Ich hatte während dieses Zwiegefprächs eine neue Leinwand aufgespannt und begann nun, mit Kohle die Umrisse ihres Kopfes zu skizziren. Sie bemerkte es , und sprang auf. Bleib' noch einen Augenblick!" rief ich Ux Enteilenden nach. Giulia! Carlotta! Nina!" Sie war fort. In das Blüthengedirr hinter der Rotunde war sio'.hinabgeglitten, wie eine Schlange. Einen Augenblick noch hörte ich's rauschen bann wieder Stille Einsamkeit. : Seltsam! Wenn sie hungerte, dann mußte sie, wiederkommen. Es gab ja nichts, gar nichts Eßbares ringsum. Wenn die krmen Hirten, die sich in diese' Gegend verdingt hatten, ihren Rikotto und Vüffelkäse nicht mit ihr theilten, vder wenn sie nicht bis an's Meer nach Fiumicino ging und die bettelarmen Fischer sich ihrer erbarmten, so.verhungerte sie noch, ehe sie' am Fieber starb. Sie würde wiederkommen, ich wußte es ganz gewiß. Mit überreichlichem Imbiß versehen zog ich am andern Tage aus. Ich fing heute gar nicht erst die Arbeit an meinein Landschaftsbilde an. Unter den Llsphodelenstrauch gestreckt, durch das kleine Zeltdach meines Schirmes gegen den blendenden Himmel gedeckt, warHit ich auf sie. . Und sie kam. Ihr gabt mir zu essen, Herr. Habt Ihr heute wieder etwas?" fragte sie unmuthig und zutraulich. Ich gab ihr und sie aß. Und Ihr sagtet gestern, daß ich an ber Säule stehen soll und daß Ihr mich malen wolltet." Und daß ich Dir zwei Lira geben wollte, wenn Du es thust." Ich will, Herr. Aber ich mag kein Geld. Gebt mir dafür zu essen und ?ebt mir dafür einen kleinen Karabiner." Eine ' Pistole,, meinst Du?" fragte Ich erstaunt. Ja. Herr." erwiderte sie und in ihren Augen erglänzte die Gier des Verlangens. Eine Pistole! Wozu willst Du eine Vistole? Kannst Du denn schießen, Rädchen? Wie heißt Du?" Marietta, Herr. Ihr sollt, es mich lehren; ich werde es bald können.glaubt mir!" ck versprach ihr einstweilen die Pisiole und meine Anweisung in deren Behandlung und sie stand mir zwei Stunden Modell. Bringt sie mir aber schon morgen, sonst komme ich nicht wieder," sagte sie, ehe sie im Gesträuch verschwand. Ich kaufte in' Rom einen einfachen preiswerthen Revolver und , nahm ihn Indern Tages mit mir. Mit den Worten: Habt Jhr.Hert?" tauchte ihr Kopf hinter den blühenden Kosen empor Ich hob die Waffe und ließ sie in der Sonne blitzen. Sie sprang herzu, erzriff sie, preßte sie an's Herz, drehte sich, kurzum Lcöerdete sich ganz ungestüm. Ich begriff diese wilde Freude dicht. Zunächst hieß ich sie ruhiz gegen die Säule lehnen. Aber es war nichis mit ihr anzufangen. Erst lehrt mich schießen, Herr! Erst lehrt mich schießen!" Nothgedrungen ertheilte ich ihr den ersten Unterricht. Herrlich war es, diesen weichen runden Arm sich ausstrecken, diesen elastischen Körper sich gerade aufrichten zu sehen. Sie hatte ein gutes Auge, ' zeigte Unerschrockenheit und Verständniß. Noch ein Vormittag, und sie verstand mit der Waffe umzugehen. Am nächsten Tage verbarg ich den Preis, bis sie mir gestanden. Dann erst begann die zweite Lektion. So etwas hatten dieTrümmer von Portus gewiß noch nie vernommen. Ein kurzer scharfer Knall nach dem andern; hin und wieder ein halb erstickter Jubelruf aus weiblicher Kehle, wenn sie :dr Ziel traf. Endlich nahm ich den Revolver an mich und sagte ihr, sie könne nun schießen. Aber vrdient habe sie ihn noch nicht. Wie ihre Äugen funkelten! ? . - Wie oft muß ich noch stehen.Herr?" Noch sechs Mal." .So gebt mir einstweil: dir Ku

K:ln." schmeichelte sie plötzlich ganz vervandelt. Die habe ich mir heut und vorgestern doch gewiß verdient." Was konnte ihr die Munition nuhen, wenn sie den Revolver nicht be saß? Ich gab sie, ihr. Sie war überglücklich. Sie kam die folgenden vier Tage mit strahlendem Gesicht; sie stand wie ein Bild aus MSrmor, Dann, plauderte sie noch Dies und Jenes, erzählte von den Bergen, von ihren Angehörigen, von Rom. woselbst sie einmal gewesen; lauter harmloses, dummes Zeug. Von einem Liebsten sprach sie nie. Lächelnd stellte ich ihr endlich diese Frage. Da brach ein wildes Feuer aus ihreit Augen, ein verhaltener Zorn stählte ihre Glieder und sie spie die Worte mehr von 'sich, als sie sprach: Er hat ihn todt gemacht!" Wer?" fragte ich betroffen. Francesco." Ein Blutstropfen perlte von ihrer Lippe. Sie hatte im aufwallenden Schmerzt hineingepreßt. Wer ist Francesco?" Der, den ich heirathen sollte!" Und Du mochtest ihn nicht?" Sie schüttelte heftig das Haupt. Ich liebte, meinen Martins, mein frr?!" Sie schlug die Hände vor die Augen; ich glaube, sie weinte. Ich ahnte Alles. Hat man denThäter aufgegriffen?" Nein, Herr, er floh," sagte sie schluchzend. .Hierher?" In die Sümpfe." . Und Du kamst herab von den Bergen, ihn zu tödten?" .Ja!' " ' " .' Sie stand da, als wollte sie mit ihrer ganzen Person für dies Jaeintreten. , . Schämst Du Dich nicht des Verbrechens?" Nein, Herr. Er 'verdient es. Er ahm mir weinen Liebsten', dasür nehme ich ihm das Leben." Sei überzeugt, daß er schon .todt ii sagte ich. Das Fieber trifft sicher." Nein, Herr, ich habe ihn gesehen, am Morgen des zweiten Tages, da Ihr kamt. Möglich, daß auch er hier genächtigt hat. Dort über jene Jrüstung sprang er, nach dem Tiber zu." Warum floh er vor Dir?" Ich war sehr dumm. - Seht, ich rannte mit dem Dolch in der Hand auf ihn zu. Der Zorn übermannte mich. Da mußte er flüchten. Ich hätte ihn zu mir rufen ' sollen, ihm schmeicheln und dann, aber ich glaube, er hätte mich durchschaut!" Marietta, wie! Du Zeige mir Deinen Dolch!" Sie zog ihn aus dem Hemde und warf ihn mir vor dieFüße. ' ' Da! Mir nütztr nichts mehr, denn Francesco weiß es." I Glaubst Du, jaß vh Dir kxch diesem GeständnißV die Pistote geben werde?".-.' '. ) Dann, gebt mir die versprochenen Lira." , , . Ihr Blk schweifte blitzschnell nach Rom hinüber. Sie wollte sich die ersehnte Waffe dort kaufen. Höre, Marietta; ich gebe Dir nichts von alledem; denn ich will Dir bei der Ausführung Deines Verbrechens nicht dienlich sein." Sie zuckte zusammen, als hätte ich sie in's Herz getroffen. Ihr habt mich betrogen, Herr!" stammelte sie tonlos. Nichts da. Ich will Dein Bestes. Komm mit nach Rom. Mische Dich unter die Modelle. Du bist schön; Du wirst zu leben haben Ich selbst will Dich den Malern empfehlen." . Sie schien nicht auf meine Worte zu hören. Ihre Arme hingen schlaff am Leibe nieder, der Kopf neigte sich auf die Brust, so stand sie da, gleich einer welken Blume. Ich redete sie abermals an. Sie achtete es nicht. Ich versuchte es nach einer Weile nochmalö.vergeblich dann ließ ich sie! Ich arbeitete wieder an der Ruine. Mit den glühendsten Farben setzte ich die Rosen auf das säulenumwindende Grün. Wie herrlich der Purpur das Blau des Himmels grüßte! Schade, daß nicht ein , Stück des schimmernden Meeres In diesem Augenblick sah ich, daß Mariette eine blitzschnelle Bewegung machte. Auf meinen Lippen brannte ein Kuß,, ein heißer, brennender, schmerzhafter Kuß; ich fühlte mein Haupt umschlungen. Das war der Biß einer Schlange! Im Schmerz schleuderte ich Palette und Pinsel von mir. drängte die eine Hand gewaltsam zwischen Mariettas Zähne, die sidm mein Lippe gebohrt, so daß sie sialosien; mit der andern stieß ich sie zurück. Ein gellender Jubelschrei fuhr . über Portus hin. In der erhobenen Hand wies sie mir triumphirend .die mir tückisch entwendete Waffe. Dann huschte sie dahin wie eine Eidechse. Ich ihr nach! -Ich setzte über das rosenumrankte Gemäuer, ich drang -in den SKlupsweg. in ein Gewirr von Asphodelen. Gaisblatt und Orchideen 1 ich strauchelte ich fiel. ... Vergebens! Die fand ich nimmermehr! Ich rafft? mich' auf und kehrte zürück. Mein schmerzende Lippe trieb mich heimwärts. Jn'tieser Verstimmung packte ich zusammen, mit der linken Hand das Taschentuch gegen den Mund drückend. Ich erreichte noch gerade den Zug. ' In der Rocht zog 'ein furchtbares Unwetter über Rom auf. 'Ich hatte eZ geahnt, denn die Hitze während des Rückweges war . geradezu tropisch ge-Wesen.-Es entlud sich gegen Morgen und sammelte seine letzten unheil-

schwangeren Wolken über den Maremmen. über Ostia und Portus. Arme Marietta!. ,Wohl acht Tage mußte ich mtim Wunde halber das Zimmer hüten. Arg entstellt machte ich mich endlich wieder uf den Weg. meine Sknze zu vollenden. Ich langte in Portus an; ich nahm den gewohnten Platz, ein. Wohl zehn Mal glaubte ich ein menschliches Wesen in meiner Nähe' zu ahnen. Allein ich täuschte mich. Endlich aber trieben mich meine Zweifel an das Mauerwerk, woher ein leises Geräusch zu dringen schien. Ich schaute hinüber. Da kauerte sie. , Marietta!", ,,. . . Sie that eine kopslose, scheue Vewegung und schaute zu mir empor. Ich erschrak. Mein Gott, wie sah sie aus! Hunger und Krankheit starrten aus ihrem Gestcht. Krankheit? 4 Nein ' der Tod! Gelb, mager, brennenden Auß;s, die dürren Hände im welken Schooß. Ein unsägliches Erbarmen ergriff mich. Marietta, willst Du etwas zu essen baben?" Gebt mir, Herr, ich rrhielt nur etwas Brot und Rikotta von einigen Hirten." Ich lief und warf.es ihr zu. Es fiel auf etwas Hartes, auf die Waffe, von welcher sie die Hände erhob. Hast Du's gethan?" fragte ich tiefernst. Nein, Herr." Sie konnte kaum essen. Du hast ihn nicht mehr gesehen?"? Doch, Herr. Aber als ich schießen wollte, fehlte mir die Kraft; ich konnte den Karabiner nicht halten. Es hat mich doch gepackt, das Fieber, nach jener Wetternacht Aber ihn auch ." Sie warf einen dankbaren Blick gen Himmel, der ebenso matt und ersterbend war, wie ihre Worte? Ich sagte ihr abermals, daß ich sie mit nach Rom nehmen wolle, daß ich mit einem Carrettino wiederkommen wollte, um sie zu holen; daß ich sie in ein Spital bringen wollte. Sie aber schüttelte den Kopf; ihr fehlte jegliche Hoffnung und jede Lust zu leben. Laßt' mich hier. Herr. Habe ich, Martino nicht rächen können, so will ich sterben, um mit ihm vereint zu sein. - Die Waffe nehmt sie nutzt mir nichts mehr." Das waren ihre letzten Worte. Ich wollte sie 'niederlegen auf mein Tuch, sie wehrte stumm ab. Sie wollte nichts mehr. sie wollte sterben. nur sterben. Am Tage darauf war sie todt. Ein Earrettino kam und hat sie geholt. Man hat sie christlich begraben. Arm Marietta!

Im KampfgewUhle. Eine wahre Episode au? er WSrther Schlacht von Chr. Fleischhauer. ! Ha, reichn Toner! Wucher Kamps! ir svkirrn Hlamm' und Hod: -Wir rrandkltkll in stauch und Tampf. . Schwarz wie der Höllengott.(Eleim: Liegeslikd nach der Schlacht bei Nöbbach.) Hinter uns, auf den Höhen-' von Gunstett. blitzt es und kracht's; dort stehen die Batterien des 11. Corps im Heller. Ihre Geschosse schmettern hinüber in den Niederwald, sie bahnen uns den Weg zum Sturme. Dort, links und rechts der Morsbronn - Froeschwiller Strafe, hat der Feind sich festgesetzt in günstiger Stellung. Doch umsonst ist all' sein Mühen, sein zähes Festhalten, unsere Geschütze gestatten ihm nicht, den Waldrand zu behaupten; ihr donnernd Zurück!" bringt ihn zum Weichen. Aber hinter Baum und Busch setzt er sich fest und erwartet ruhig den Ansturm. Und wir kommen! Von Gunstett herauf, ver SUdspitze des Waldes zu, mit fliegenden Fahnen, rücken wir 83er zum Sturm. Die Schützenschwärme voran, ihnen nach die Halbbataillone! Links die Musketiere, rechts das FUsilierbataillon. und auf beiden Flügeln die Brüder verschiedener Regimenter. Wie hat uns am Morgen das Herz qebebt, als die Feldzeichen, enthüllt, im Winde flatterten! Wie Manchem werden sie heute den Weg zeigen zum frühen, Tod! Soldatenloos! Drum kein: bleichen Gedanken! Vorwärts! Vor uns liegen unsere Schützen im Feuer. Jetzt! Die Befehle fliegen! Die Tambours schlagen! Die Bataillone gehen gegen den Wald vor. Marsch! Quer über die Furchen der Aecker geht's, rascher wird der Schritt. Marsch, marsch! In vollem Laufe erfolgt der, Sturm! Die Schützenlinie hängen sich an unsere Flügel, narsch, marsch! Die ganze Linie stürmt! Da! Noch eine Salve des Feindes, auf 60 Schritt Entfernung nur. Wie sie niedersinken, die Tapferen, rechts und links. i Eine Kugel kam, geflogen, Gilt sie mir oder gilt sie Dir?" - Sollte nicht Manchem das alte Lied durch den, Sinn fahren? Doch hier gilt kein Bedenken, kein Halten mehr. Ein letztes Hurrah, das Ziel ist erreicht, der Feind geworfen, der Waldrand genommm. Aber noch lauge nicht ist der Kampf zu Ende! ; Nun wogt der Kampf im Niederwald. ein schrecklicher, ein grauenvoller Kampf! Der Boden ist bedeckt mit Astwirk und Splittern, mit Todten und Verwundeten. Im grünen Moose ruhen sie. mit blutenden, klaffenden Wunden, gebrochenen, verglasten Augen, die Hände krampfhaft geschlossen oder vor Schmerz hineingewühlt in Gras und Erd?. Mancher, der noch die Kraft dazu hatte, hat sich verkrochen hinter Busch und Gestrüpp, hinter raende Stämme. Denn um ihn. tobt der Kampf, der Nähekampf im Walde, über ion hin schreitet unbarmherzig d mäuMNnordendeSchlchi.

Welche Feder vermöchte eS, ihn nur annähernd in seiner grauenvollenGröße zu schildern den Nahekampf im Niederwalde bei Wörth?! Vor uns der Feind, der von Norden, von Elsaßhausen her, immer neue Mas sen in den Kampf führt, uns zu verdrängen; und wir,- w Schützenlinien aufgelöst, bald dichter, bald dünner, vermischt mit den Truppen unserer Nachbarregimenter, langsam vorwärts, dann wieder zurück, wieder vorwärts und wieder zurück, Deckung suchend hinter Baum und Strauch vor den pfeifenden Kugeln. Wie zischen ste herüber, hinüber! Wie schlagen sie klatschend in die mächtigen Stämme, raschelnd in's grüne Laubwerk des kämpfumtobten Waldes! Von Baum zu Baum! Da vor uns huschen sie dahin, die Rothhosen. Wie leuchtet die Farbe zwischen dem Buschwerk. Und dort schleichen sie, die schwarzen Gestalten, deren Heimath das heiße Afrika. Diese Turkos hat uns die grobe Nation entgegengestellt und hier bei Wörth haben wir uns zum ersten Male gemessen mit den schwarzen Söhnen der Wüste. Wer' könnte sie je vergkssm, die kampses- und blutgierigen Gesichter, die blitzenden,' perlenden Zähne, die funkelnden, rollenden. Augen?! Raubthieren gleich - stürztm sie in den Kampf und wche dem, der ihnen auf Gnade und Ungnade in die Hände fiel. Aber Furcht vor ihnen kannten wir nicht und im Niederwald bei Wörth lernten .sie deutsche Hiebe kennen. : x Von Baum zu Baum! Vorwärts! Vergebens! Der Andrang ist zu groß, wir müssen zurück! Kinder, wir dürfen nicht weichen!" ruft General v. Gersdorff. Die Gewehre glühen; die Kugeln zischen; die Aeste, brechen; die Geschütze dröhnen; der Erdboden bebt! . Fester das Gewehr und wieder vorwärts, von Baum zu Baum. Der Feind scheint zu weichen.. Einen Augenblick steht der Kampf. Es ist, als wären die Hände es müde, das Morden. Schein! Es ist nur, wie wenn der Sturm, der das Meer peitscht, Athem holt, um mit desto vernichtenderer Kraft das . vergeblich mit ihm kämpfende ' Schiff emporzuheben, um es zu zerschmettern am felsigen Riff. 'Einen Augenblick nur, und doch, wie wohl thut die Ruhe. Meine Augen schweifen hinüber zu den kämpfenden Brüdern, nach rechts und links. Mein Nebenmann dort hinter dem gewaltigen Eichbaume wischt sich den triefenden Schweiß aus dem Antlitz. Er ist geschwärzt vom Pulverdampf. Er lacht und winkt herüber. Da, was war das? Er wirft die Arme in die Luft, das Gewehr entsinkt feiner Hand, er bricht zusammen! Sein Blick irrt noch einmal umher, als suche er den Schützen, der das tödtende Blei sandte. Wo mag er stehen? Da vorn? Unmöglich. der Kamerad stand gedeckt. Wer mag es entscheiden bei dem Gewehrfeuer, das eben wieder mächtig zu rollen beginnt? Mächtig drängt der Feind. Zurück! Und wieder ein Stillstand. Aber rastlos brüllen die Geschütze, rasselt das Gewehrfeuer durch den Wald, stöhnen die Verwundeten. Wir müssen vorwärts, Kinder!" von Gersdorff hat es gerufen. Und eS geht wieder vor, wenn auch die Kräfte erlahmen, die Munition knapp wird. Hurrah. hurrah! Die Tambours schlagen, wir avanciren. Ueber Todte und Verwundete geht der Weg. in dichten Linien erfolgt der Ansturm, es gilt die Entscheidung. Vor uns springen die Rothhosen durch's Buschwerk, setzen die Turkos, Katzen gleich, in mächtigen Sprüngen durch das Gewirr des Waldes. Da! Ich halte ein im Laufe, zucke zusammen! - Ich fühle einen feurigen Strabl. einen , brennenden Schmerz, der sich vom Fuße heraufzieht. Blitzschnell wende ich mich herum. Halb aufgerichtet, zum Theil versteckt durch niederes Buschwerk, liegt hinter mir ein Turko. Seine Aug?n funkeln voll Blutgier, aus dem halb geöffneten Munde fletschen die weißen Zähne, in der Hand hält er die noch rauchende Büchse. Vor meinem Blick sinkt die Gestalt in sich zusammen; hätte ich nicht soeben erst Leben in der Bestie bemerkt, ich hielte sie für todt. Aber im Moment ist mir Alles klar! Der Kamerad von vorhin, der drüben am Eichbaum zusammenbrach er fiel, aus dem Hinterhalt niedergestreckt, getroffen von der Kugel eines tückischen, dazu verwundeten Feindes. Und der brennende Schmerz an meinem Bein? Der Feuerstrahl aus dem Gewehre des Schwarzen hat mir die Hose versenkt, aus der Entfernung von wenigen Schritten nur ist der Schuß gefallen. Doch eine höhere Macht hat mich gnädig beschützt. Vor mir tobt die Schlacht, tönt daö Hurrah der Kameraden, um mich pfeifen die Kugeln, klatschend schlagen sie ein in die Stämme, rieseln einen Regen von Blättern und Astwerk herab. Aber diesmal stürme ich nicht mit. Mit zwei Sätzen bin ich zurück beim Todfeind. Eine grenzenlose Wuth ist

über mich gekommen,' eine Wuth, wie ' sie nur der mörderische Kampf zeitigt ' und das heimtückische Verhalten, des Afrikaners. Ich denke Augenblicke sind's ja oft nur, in denen man eine gewaltige Spanne Zeit durchlebt ich . denke heim, an Weib und Kind, denke daran, daß ich. meine Brust im offenen, ehrlichen Kampfe dem Feinde geboten, denke, daß um Haaresbreite ich schnöder Rächgier zum Opfer gefallen. Ich renne den Schwarzen mit dem Kolben in die Seite. Er schlägt die Augen auf. wie müde, als ob er eben erwache. Seine Hand hält noch imme? das Gewehr. Wie viele der heimtücki

scheu Kugeln mag der Turko aus ihm entsandt haben? Seine Augen öffnen sich weiter, mein Blick, mit dem ich ihn durchbohre, mag ihm nichts Gutes verheißen, ihn lehren, auf seiner Hut zu sein. Pardon!" Und er hebt die Hände. Soll ich ihn schonen? Damit er weiter sein schändlich Handwerk treibe, ehrliche Soldaten niederstrecken aus dem Hinterhalt? Hund!" schreie ich ihn an. Hund! Konntest Du nicht hier in Ruhe das Ende des Kampfes erwarten? Niemand hätte Dich angerührt. Dir ein Haar gekrümmt und als Gefangener wär's Dir wohl gut ergangen, besser als uns, die wir vor dem Feinde stehen." Er versteht meine Worte nicht, aber ihren Sinn. Seine Augen funkeln sein Körper krümmt sich, wie der Körper des Raubthieres, das zumSprunge ansetzt. Noch immer ist der Kerl g fährlich. Ich hebe die Büchse. Doch schade um die Kugel, die Patronen sind' rar. Ein Stoß! Das Bajonnett bohrt stch in die Brust des Schwarzen, bis tief in das Moos des Waldes. Ein Blutström dringt aus der Wunde, die Augen verdrehen sich, daß ich das Weiße sehe, die Zähne fletschen und knirschen, die Hand läßt das Gewehr fallen, lon Dieu!" Der letzte Seufzer! Dann strecken sich die Glieder im letzten Kampfe, ein schrecklicher Anblick. Vor mir schlagen die Tambours, gellen die Hörner, das Ganze avancirt. Der Feind ist geworfen, wir sind am Ausgang, am Nordrand des Waldes, und von Elsaßhausen her überschüttet uns der Feind mit seinen Granaten. ?kch'bin mitten drin im Gewühle, ich .Weib nicht, wie ich zu den Meinen gekommen! Und dort nahen sie heran, die stolzen Reiterregimenter des Kaiserreichs, sie werden vernichtet! Im . Blute schwimmt das Feld, Blut nur sieht das Auge, Blut, Rauch. Leichen und Blut. Und immer weiter vorwärts! Der Abend kommt, der Sieg ist unser, ein glorreicher, ein herrlicher Siegl Dann lagern wir uns, bunt durcheinander gewürfelt, und suchen die Ruhe. Wiri sind ermattet, müde zum Sterben! Ich liege und schaue hinauf nach dem Himmel. An meinem Geiste ziehen sie noch einmal vorüber die schrecklichen Bilder des Tages; die Hände falten sich zum Gebet, dem da oben zu danken, der in schwerer Stunde mein Beistand gewesen. Danken, danken will Jeder heute Abend, und mächtig braust über das Schlachtfeld das Dankes- und Siegeslied: Nun danket Alle Gott Mit Herzen Mund und Händen " Mir fallen die Augen zu. ich schlafe traumlosen Schlaf, den Schlaf der Erschöpsung. Oft hat der Kamerad, der die eben geschilderte Episode erlebt, sie erzählt im Kreise der Freunde und ost steht noch vor seinem geistigen Auge jenes Kampfgewühl der Wörther Schlacht. Ein Händedruck ihm. der in schwerenAugenblicken nicht Muth und Besonnenheit verlor; ein Pfui! der großen Nation", die jene Teufel in Menschengestalt auf den Kampfplatz warf gegen unsere Truppen; ein Hurrah aber all jenen Braven, die Blut und Leben daran setzten, um jene Bestien fern zu halten von unserem Vaterlande, vom. heimischen Haus und Herd. .

Gelungene Probe In einem Wirthshaus hat sich ix Gast total bekneipt. Einer der anderen Gäste, der ihn vom Sehen kennt, sagt dem Wirthe die Wohnung des ersteren, welche sehr weit entfernt ist. Wenn er nicht verheirathet ist", schlägt der Wirth vor, könnte man ihn ja da lassen und hie? in ein Betk legen!" Ja", meint der erwähnte Gast, das weiß ich nun nicht, da müßte man eben die Probe machen!" Probe machen?" entgegneten der Wirth und die noch anwesenden üb?: gen Gäste. Nun, das ist ganz einfach! Sie, Marie," ruft der Herr, der Kellnerin, bringen Sie doch einmal ein Kopfkissen und die Speisekarte!" Man wird immer erstaunter, als jedoch das Verlangte zur Stelle ist, erreicht das Erstaunen den Gipfel, denn der erwähnte Gast bedeckt den Bedusel ten mit dem Kissen und ersucht die Kellnerin, die. Speisekarte mit recht lauter Stimme und dicht vor den Ohren desselben abzulesen. Die Kellnerin schreit also: Schlegelbraten, Nierenbraten.Gradbraten, Sauerbraten mit KartoffelknZ. deln, Gans, Huhn, Ente, Kalbskopf, Ochsenschweif u. s. u' Die Wirkung auf den benebelten Gast war eine eigenthümliche. - Bis zum Beginne des Wortschwalles aus dem Munde der Kellnerin hatte er ruhig auf der Bank, auf die, man ihn gebracht hatte, gelegen, sobald derselbe jedoch begonnen hatte, sich über ihn zu ergießen, fingen seine Hände an eifrig umherzutasten und als er mit diesen das au ihm liegende Kissen erwischte, zog er dasselbe über den Kops. Der Mann ist verheirathet!" entschied der Arrangeur dieser Scene. Sie sehen, meine Herren, er dünkt sich in seinem Bette und da er die Gardinenpredigt seiner Gattin zu hören glaubt, so sucht cr sich derselben dadurch zu entziehen, daß er das Deckbett Über die Ohren nimmt ein Mittel, das in demselben Falle alle Ehrmänner gebrauchen!" Wir träumen uns entweder in das Glück hinein, oder wir verschlafen es. '