Indiana Tribüne, Volume 18, Number 211, Indianapolis, Marion County, 21 April 1895 — Page 2

ZlnschreFlicheS"Mild

Max war das einzige Kind .feinet ältern, eigentlich ein Prachtkerl, aber durch seine ungewöhnliche Wildheit und Naseweisheit der Schrecken des ganzen Hauses Belih. Das Ueberirdische, weil Unbegreifliche, interessirte ihn am meisten. Ob meine Erklärungen zu undeutlich waren oder was sonst daran Schuld trug, er war im Stande, die klarsten Begriffe zu verwirren. Tante, was ist di: Sonne?" Ein großes Feuer, Kind." Wer steckt das alle Morgen an?" Es ist ein Himmelsfeuer, das ewig brennt!" Heizen sie mit Holz im Himmel, oder mit Preßkohlen?" ' Ich weiß nicht " Tante, ist das wohl 'n ganzer Wagen voll Preßkohlen?" 3a ja " Was kosten im Himmel die Preßkohlen?" Geh'. Max spiele doch mit Deinem Baukästen und laß mich lesen!" Das war immer das Ende seines Examens, bei dem man stets der Blamirte blieb. Eines anderen Tages sah er mit Erstaunen die neue Kirche mit ihren großen gothischen Fenstern und Tausenden kleiner Scheiben. Mama, was ist das für ein'komisches Haus?" Das ist ein Gotteshaus, mein Mäxchen!" Max überfliegt die Fenster mit seinen Schwarzaugen: O Mama, was hat dem lieben Gott seine Jette Sonnabends für viele Fenster zu putzen!" fragen stellen konnte das Kind, daß selbst die größten und stärksten Leute in die Enge geriethen. So erkundigte er sich eines Tages bei mir: Tante, wie heißt die Frau vom lieben Gott?" Der liebe Gott hat keine Frau," antwortete ich. Tante, hat er eine Jette, die ihm was zu essen kocht?" Ich glaube, ich habe mit Ja" gentwortet, um ihn los zu werden; aber so einfach ging das nicht. Liebt er auch so sehr Eingemachies?" Liebes Kind. Du bist noch zu klein, um das zu verstehen Gott ist ein Geist, der überall ist und nicht wie die Menschen der Speise und des Trankes bedarf " Ueberall ist Geist Gott, Tante? Auch in dieser Kommode?" Mit einem Ruck hatte er die Schieblade aufgezogen es war im Schlafzimmer bei mir man trug damals Chignons, und in dieser lag ein ausgedientes. Mäxchen faßte danach und Znquirirte: Tante, ist dies der Geist? Mama hat auch so was, das ist aber ganz hellblond l" Der Blumentisch. Der Stolz 'des Salons oder ZimznerZ. der Blumentisch, 'hat nicht nur eine Schattenseite, sondern .mehrere. Zu diesen sind zu zählen: daß nicht cttt Pflanzen genügend Licht und Luft erhalten, um sich in ihrer ganzen Schönheit entwickeln zu können; daß em großer Theil derselben nothgedrunen nur nach innen, also vom Fenster abgewendet, aufgestellt werden kann, und daß ferner ,wegen Dichtstehens der Pflanzen manche von ihnen bald an Trockenheit, bald an Nässe leidet, weil sich bei den weniger zugänglichen der Grad der Feuchtigkeit der Topferde richt erkennen läßt. Aus dem Gesag tat ergibt sich, daß der Blumenlisk nicht als beständiger Cnlturort der Topfgewächse anzusehen ist, wenigsbns nicht aller und fcafj gar mancherlei oder auch gar viele Topfgewächse nur vorübergehend und nicht ständig auf ihm Platz finden dürfen. Dracaeviert, Palmen und andere ansehnliche Mattpflanzen, sind auf einen Blumentisch, wenn dieser emen HÜnstiAen Platz inne ihat, meist besser aufgehoben als um Zimmerfenster; an demselben dagegm stehen die Blüthenpflanzen besser als rn tvnn Pflanzengruppe auf einem Blumentisch nicht für .beständig, sonfoeni nur vorübergehend an. UeberHaupt ist ja der Blumentisch mehr für Glatt- als Blüthenpflanzen bestimmt. Um den Pflanzen aus einem Blumentisch ein behaglicheres Dasein zu fchaffen, überfülle man ihn nicht mit solihen, stelle diejenigen, vi sich unbehclgZich zu fühlen scheinen, öfters an's Fenster, drehe von Zeit zu Zeit den Alumentisch um, damit 'des Lichtes beraubten Pflanzen wieder einmal rnehr Licht genießen können, nehme einzelne Pflanzen, welche kein gutes Gedeihen zeigen, öfters hinweg und Pflege sie für sich allein und .schlichlich bringe man teme Gewächse auf den Vlulmentisch, welche aus ihn nicht zgshören, ode? auf dem angewiesenen Plätzchea nicht zu gedeihen vermögen. Der Älbibewers. Erster Gauner: Hast Du mied einmal .gesessen? Zweiter Gauner: Ja, ein Jahr, wegen Pferdediebstahls. Erster Gauner: Konntest Du denn 2)ein Alibi nicht nachweisen? Zweiter Gauner: Ja. für mich schon, aber icht für das Pferd, ich faß nämlich drauf, wie sie mich kriegten! Bescheiden. Dame: Sie schreiben also die kleinen Plaudereien für die Morgenzeitung. Die sind ja ber nie unterzeichnet, wie kann mau fit den da erkennen? Journalist: O. das ist sehr einfach, die besten Saeben sind immer von mir! 'Die vielen Mahlzeiten. Doctor: Sie sollten sich angewöhnen, nach jeder Mahlzeit, auch wenn Sie noch so wenig genossen haben, ein halbeS Stündchen zu ruhen. Patient (seh? dick): Ja, lieber Herr Doctor, da käm' ich ja den ganzen Tag gzi Zimmer vom Sofa 'runter!

Frühlttz. Aus engem Haus . Jn's Freie hinaus Zieht mich's mit zwingender Macht; Möchte wandern weit, Von allem befreit. Durch des Frühlings duftende Pracht. Wo die Veilchen blüh'n. Wo die Wälder grün. Wo die Quelle lustig rauscht, Wo im sonnigen Ried Auf der Lerche Lied Die trunkene Seele lauscht. Dann höher hinauf In wagendem Lauf, Wo freier die Lüfte weh'n,

Auf dem Felsenjoch Ueber Wolken hoch Möcht' ich nahe dem Himme: steh'n. O wonnig: Schau! Im unendlichen Blau Der Sonne gold blitzender Stern Und weit und breit Nur Einsamkeit, Erfüllt vom Atem des Herrn. Kirchlich getraut. Bon I. Ronisch. So laß doch das dumme Pfeifen, Richard!" Du weißt wohl gar nicht, was ich eben gepfiffen habe?" Ich bin kein vagabundirendes Zigeunermädchen!" Aber ich ein Zigeunerbaron!" Dir würde es ja vollauf genügen, wenn uns der Dompfaff" traute." - Wenn wir nur Mann und Frau sind!" Richard!" Pardon! Komm' her, Mie; komm', setz' Dich wieder zu mir an's Fenster. Siehst Du, das kommt davon, wenn Du immer wieder den alten Streit beinnst. Du weißt ja, daß ich Deine Anhänglichkeit an gewisse kirchliche Ceremonien nicht tadle. Gewiß ich kenne ja Deine Vorliebe für den Dom und etwas Poesie liegt ja auch in der ganzen Feierlichkeit " Aber Richard! Etwas Poesie"? Wie darfst Du nur so reven? Du weißt ja gar nicht, wie es in der Seele Deiner Mie aussteht!" Du. süßes Närrchen. Ob ich Dich kenne? Wie meine Westentasche. Das heißt, die kenne ich lange nicht so genau. Da habe ich noch nie hineingesehen. Aber Deine Augen, die kenne ich. da weiß ich so gut Bescheid, wie mein Bureauchef in seinen Acten. Wirklich. Mie, er ist ein großartiger Arbeiter" Aha, Du willst wieder entschlüpfen? Was gehen mich Deine Schreiber an? Deine Frau will ich werden, Deine rechtmäßig angetraute Frau " Rechtmäßig? Das wifl ich ja auch!" Das heißt kirchlich!" ' - Rein. Mie. rechtmäßig heißt ftandesamtlich." .Nein!" ..Ja!" Nein, nein, nein, nein! Dir Kirche geht vor." Wieso?" Sie ist älter als der Staat und stammt von Gott!" Hm ja nun ja was soll ich. da sagen? Komm', begraben wir die Streitaxt und gucken wieder zusammen zum Fenster hinaus." Na also, Du siehst doch selbst ein, daß ich im Recht bin." Ja doch! Ich kann doch aber nicht!" Nein, nein, nein. Du willst nicht. Sag' doch die Wahrheit, Du willst eben nicht. Und warum denn nicht? Weil Du Candidat für die radikale Partei bist? Weil Deine Eltern nichts glauben? Weil Du am liebsten aus der kirchlichen Gemeinde austreten möchlest? Weil Du als Atheist in der Welt herum läufst? Oder, weil Dir die Trauung zn viel Trubel bringt, und Du Dich nach alter Gewohnheit nur im allerengsten Kämmerlein wohlfühlst, wie ein menschenscheuer. Griesgram, weil " Na ja, eben weil " Natürlick, ausreden willst Du Niemanden lassen. Mundtodtmachen Yoila-toxit. Wir Madchen sind doch auch schlieWch Menschen und haben doch auch eine Meinung und auch Ideale!" Die ich Dir wahrhaftig nicht rauben will. Aber komm' mal her, Schatz, wa$ streiten wir uns denn da mit großen Worten herum und nehmen den Mund voll, als ob wir vom Theater herunter sprächen? Du hast mich doch lieb, nicht wahr, von innerstem Serben lieb? Nicht?" Wie kannst Du nur fragen?" Na. siehst Du und' ich hab Dich auch lieb. Wahrhaft es ist zum ersien,Male. daß . ich Jemanden weiß, dessen Glück nnd Zukunft mir höher steht, als alle Mine anderen Ideale und Neigungen." Na also, wenn Dir meine Ideale höher stehen, warum erfüllst Du .sie denn nicht?" Höre nur zu Ende, Schatz!! Wir sind verlobt und wir heirathen uns; wir haben eine rosige Zukunft vor uns. Meine Liebe wird wie ein weicher Teppich unter Deinen Füßen liegen, ich werde für Dich arbeiten und schaffen, ls ob es gälte, in zehn Jahren Millio när zu werden. Ich will Dich mit Vergnügungen überHaufen und wÄ doch auch mit . Dir gemeinsam alle Sorge und Arbeit, meine Kenntnisse und P7äne theilen und will Dich in Deinen Liebhabereien nicht stören. Du darfst Dich, putzen, so schön wie Du willst. Du darfst den ganzen Tag herumspringen und singen und lachen meinetwegen auch beten und und auch die Kinder beten lehren abe?

nich. meine ganze Individualität, das, Das ich in den letzten 15 Jahren müh-

sam im Kampf: mit der Welt und mit nir selbst aus mir gemacht habe, mein innerstes Wesen, die Aufrichtigkeit meier Gedanken und meinen Glauben an die Wahrheit, die ich als solche an sehe, das darfst Du mir nicht nehmen. Siehst Du, ich bin nicht blos ich. ich. bin auch eine öffentliche Person, eine ilanze Partei sieht auf mich, meine Fegner lauern nur darauf, in meinem Privatleben etwas zu finden, was ein schlechtes Licht auf meine Ueberzeugung eisen könnte und ich wie sollte ich mich selbst länger achten können, wenn ich etwas thäte, was für mich eine Lüge väre: wenn ich vor den Altar träte und cen priesterlichen Worten mit aefälschler Andacht lauschte, wenn ich das veste, das Heiligste, das Größte, was kch in meinem Leben je erleben werde: Deinen Bcsttz, mit einer Lüge, mit einer für das mir gleichziltige Publikum g:spielten Komödie begänne? Du selbst verlörest all: Achtung vor mir!" Das lst die Hauptsache. Dir kommt :s vor Allem darauf an, mir zu imßoniren. '" Du sagst Dir. nur nicht lachgeben, sonst kommst Du unter den Pantoffel!" Das will ick auch nicht!" Nun ja, und da heißt's: Gleich zunst fest auftrumpfen. Wer macht denn jetzt die großen Worte"? Wer? Und beruft sich auf Individualität und die politische Partei und die zu spiesende Komödie, die Dein Herz beleidiRen würde? Mein Gott! Wir .spielen doch so oft im Leben Komödie! Auf kinmal mehr., was kommt's darauf an? Wir Frauen, wenn wir lieben, da sind vir sofort bereit, jedes, ja wohl! jedes Opfer zu bringen, wenn es der Geliebte verlangt. Da dürfen wir uns nicht aus unsere Individualität, auf unsere Vergangenheit berufen, da heißt's ganz einfach: Wenn Du mich wahrhaft liebst, dann zeig' es! Und wie gerne thun wir das Alles. Unsere Liebe ist ein beständiges Nachgeben, und Gehorchen. Wir selbst, wir verschwinden 'ganz in unserer Liebe und wenn wir aus diesem Vlückstraume erwachs, da sehen wir aus, wie ein abgeblühter, entblätterte? LZaum. der die kahlen Aeste in die leere Luft streckt. Aber Ihr? Lei Euch heißt's nur immer: Ich bin ich. Ich bringe der Geliebten jedes Opfer, nur mich selbst nicht. Ich gebe ihr mein Portemonnaie, meine Bekannten, meinen Titel, meine Einkünfte, meine Zukunft nur mich selbst nicht. Ich bin ein Rührmichnichtan. Ich darf mich nicht verlieren, ich darf , meinen Principien nicht untreu werden, ich. ich, ich und immer ich. Das ist Eure Liebe!" So weine doch nicht, Mie. Hör' doch auf. Du weißt, daß ich das Weinen nicht vertragen , kann. Ich will Dich doch nur überzeugen na, komm' doch, sei doch wi:der gut und nicht so aufgeregt. Es schüttelt Dich ja förmlich!" Ach Du geh' weg! Dein: Principien liebst Du mehr als mich!" Ach was Principien hin, Principien her! Wir wollen die Sache ein andermal durchsprechen jetzt sei nur wieder gut. Du bekommst auch von mir eme wundervolle goldene Bonbonniere!" Zeig' einmal, ist sie wirklich golden?" So ist's recht! Weg mit den Thranen und da sagt man: Gold ist nur Chimäre! Thut es nicht 'Wundn? Trocknet unstillbare Thränen im Handumdrehen!" - Du .willst: mich bestecken! Ueberhaupt, immer behandelst Du mich wie ein Kind! Sei still, mein Mäuschen, hier hast Du ein Stuck Chocolade so so und jetzt mußt Du auch recht artig sein!" Das ist Euer Recept. Ich bin aber kein Kind mehr, ich bin Deine ??rau d. h. ich werde es werden, wenn Du Dich mit mir trauen läßt." Donner und Dorrn! Schon wieder die alberne Traugeschichte!" ' Was sagst Du, Schatz?" Ich sagte, ich laß mich ja mit Dir trauen, am liebsten schon-heute, aber nur civiliter. Dixi!" Zu Befehl, Herr Oberst!" anu, mach' keinen Unstnn. Ich mein' es Zanz im Ernst!" Ich auch! I)!xi"! Das heißt links um. kehrt marsch! So viel Latein dersteb7 ich auch. Ach, wie häßlich doch das Leben ist! So sieht also ein Brautstarrt) aus. Nichts wie Zank und Streit. Na. es geschieht mir schon recht. Warum habe ich dem Rathe der Anderen nicht gefolgt und Dir einen Korb gegeben? Sie sagten gleich. Du seiest ein Radikaler und hättest nichts im Herzen als Paragraphen und Parteiprogramme. Richard, ist denn das wahr? Ist wirklich kein einziges Plätzchen in Deinem Herzen, wo sick Deine kleine Mie verkriechen kann? Und wenn ich auch da eingepfercht sitze -zwischen Civilproceßordnung rechts und Strafgesetzbuch links und nrir die UmsturzVorlage und die Handelsverträge den Platz zum Athmen nehmen, ich fühlte mich dennoch unendlich glücklich bei Dir. Du begreifst ja gar nicht, wie lieb ich Dich habe. Noch nie hat Dich Jemand geliebt, wie ich Dich. Es kann Dich ja Niemand so lieb haben, wie ich Dich!" ' . Also wirst . Du Dich mit der bürgerlichen Trauung begnügen?" So, das glaubst Du doch wenigstens, daß ich Dich lieb habe, wie nichts mehr auf der Welt, und daß. wenn ich auf der kirchlichen Trauung bestehe, ich meine schweren und guten Gründe dazu habe. Für uns Frauen ist die Ehe doch ein ganz and:?:s Ereigniß als für Euch, und da können doch die Männer nicht verlangen, daß wir uns damit begnügen, ein schwarzseidencs Kleid anzuziehen und in einem ' Coup6 aufs Standesamt zu fahren, um nach zehn Minuten wieder zu Hause zu sein.

Und dann soll die Welt glauben, daß man in diesen zehn Minuten den wichtigen, weiten,, unwiderrufliche WeF vom Mädcken zur Frau durchgemacht hätte! Das ist doch lächerlich, das ist doch geradezu komisch. Auch später in der Erinneruiz! Wenn ich dann an stillen Wintertagen am Fenster sitze und nähe und sinne und auf Deine Heimkehr warte und zurückdenke an die Zeiten, wo Du mir den ersten Kuß gabst, und an den großen Tag, hörst Du. an den großen. seieichen Tag. an dem ich Dir die Hand zum ewigen Bunde reichte, wo die Glockenklänge über die ganze Stadt sich schwangen bis zu den Schwalben an den Thurm hinauf, und die Orgel über unseren Köpfen brauste und die Jubelgesänge an den hohen Kirchenpfeilern widerhalten: nicht wahr, Schatz!, das ist doch wenigstens etwas, an was man zurückdenken kann; das ist doch ein Markstein im Leben! Dafür lohnt es sich doch, 22 Jahre alt zu werden und Tag für Tag zu warten, bis der Rechte und Einzige, der Erlöser kommt! Bester. Liebster, bei Deiner Liebe beschwöre ich Dich, thu' mir den Gefallen, nur diesmal, dies einzige Mal! Es ist die erste ernsthafte Bitte, die ich an Dich richte! Zerstöre die feierliche Stimmung nicht, die in meinem Innern wohnt, seitdem ich Deme Braut bin. Es ist ein Theil meiner Seele, meine? kleinen, dummen, kinderhaften, Seele, die sich an's Gefühl und auch an die Religion anklamniern lnuß, weil sie zu schwach ist, auf dem grcßen Meere der Gedankenwelt ihren Halt zu finden! Und dann, es werden auch traurige Zeiten für uns kommen, wo ich meine Zuflucht zur Religion werde nehmen müssen, wo auch Du vielleicht " Aber SHätzchen, ob wir uns nun auch noch in der Kirche trauen lassen, der nicht, das ist doch nur eine formelle Angelegenheit. Das trifft doch gar nicht Deinen Glauben, Dein inneres Verhältniß zu Gott! Denk' doch, es gibt noch viel frommere Leute, als Du bist, und die lassen sich auch nicht kirchlich trauen, einfach weil es zu theuer ist, weil das ein Brautkleid und tausend andere Ausgaben, herbeizieht. Also steh' die Sache nicht so tragisch an. Du weißt ja, daß ich weit davon entfernt bin, mit rauher Hand an Deiner naiven, glücklich gestimmten Kinderseele herumzimmern zu wollen. Ein Thor wäre ich und ein Frevler, wenn ich das wagte." Martha, Frieda und Anna haben sich auch in der Kirche trauen lassen, die wußten auch ganz gut, warum sie es thaten. Und ich, ich will's nicht schlechter haben, wie meine Freundinnen. und will nicht von meinem Elternhaus in das Deine lausm ohne jede Ceremonie, die dasHerz feierlich stimmt und den Kopf aufmerksam macht auf den größten Moment meines Lebens!" Er lächelte ihr nachgiebig zu, wie einem Kinde, ließ die Arme fallen und küßte sie inbrünstig. Die kirchliche Trauung wurde angesagt. Sein Vater schalt ihn einen weibischen Hysteriker, der schon reif für

die Nervenanstalt sei; seine Freunde erblickten in ihm einen Decadenten, der den Weg zur Mystik gefunden hätte; seine Parteigenossen sahen in ihm einen abtrünnigen Streber, der in . die Staatsanwaltscarriere hinein wollte; und er selbst schämte sich ein wenig seiner Schwäche' und war doch im allerinnersten Winkel seines Herzens glücklich, glücklich über dieGr'öße des Opfers, das er seiner Braut mit diesem Zugeständniß gebracht hatte. Er hatte nun den Beweis in Händen, daß er kein krasser Egoist und zu Opfern fähig war. die ein Theil seines Herzblutes kosteten. Dieses Gesllhl entschädigte ihn für alle Unbill, die er erlitt, für alle ironischen Bemerkungen und die offene Feinseligkeit seiner radikalen Genossen. Dieses Gefühl that noch mehr an ihm. Es umhüllte ihn, wie eine Senatorenioga, und wo er ging und stand, da fühlte er etwas'Neues, Feierliches, Opferfreudiges in sich, so etwas, was die ersten Christen" . gefühlt haben mußten. So kam der feierliche Moment heran! Die Civiltrauung ging glatt und eindruckslos vorüber. Er war aufgeräumt und voll lauter Freude; am liebsten hatte er sie sofort vom Standesamt in seine neu eingerichtete Wohnung geführt. Mie war doch jetzt vor Gesetz und Recht seine Frau. Mie aber vertröstete ihn auf morgen: Nach der eigentlichen Trauung." Die zunge Frau blieb im Elternhaus und schweren Herzens trennte sich Richard von seinem Weibchen, das noch 24 Stunden seine Braut sein wollte. Als er aber an die nächste Straßenecke gekommen war. da drehte er kurz um und schlich sich durch den Garten wieder in's Haus seiner Schwiegereltern ein. Er wollte zu seiner Frau, koste es, was es woll Und dann. war es nicht auch ein bischen romantisch: heimlich rn nachtu eher Stille sich einzuschleichen, um seiner eigenen Gattin noch ein paar Küsse zu rauben? Ich hab' jetzt keine Z:it mehr, Liebster; wirklich! Bitte, geh' nach Hause und störe mich nicht ! Mach' auf, Frauchen!" c- Morgen!" - Nein, nein, gleich, oder ich schlage Lärm!" Ach. Du bist wirklich unausstehlich; Du compromittirst mich ja vor d:n Dienstboten." , Er hörte etwas rücken, wie wenn Möbel verstellt würden, dann wurden einige Lichter ausgeblasen. Ein Rauschen und Knistern von schwingeni'er ?e:de erklang und er lag in ihren Ar!NN. " " Was war das nur? Wie kamen denn drei große Toilettenspiegel hier in ihr 'Zimmer? Und zwischen diesen gläsernen

Wanden das klein? Bkumentrepchen auf dem sonst die Begonien und Alpen-

Veilchen standen? Und wozu so viele ,i t , . w plazier angebest Mie stand verlegen da. Das machte ihm Spaß. Er drang in sie, immer lebhafter, im.ner stürmischer. Er wollte nicht, daß sie .irgend einen Gedanken bor ihm verberge. Stockend, zögernd nur brachte sie heraus, daß sie es ihm später sagen wolle. Hast Du je so schöne Atlasschuhe gesehen, Männchen? Sieh doch. Goldsohlen und Brillantenschnallen. Der Schuster hat gesagt, noch me hatte er so kleine Atlasschuhe für eine Braut gemacht. Siehst Du. der Schuster ist galanter als Du. Alle meine Freundinnen beneiden mich um meine wundervollen Füße." Nun za. das weiß ich ia. Deine Füßchen sind ja stadtbekannt. Indeß, wozu dieser ganze Apparat 'von Spie geln und Treppenstufen u. f. w.?" . .Du wirst boje sein, wenn ich Drr's sage." I wo!" Versprichst Du's. daß Du nicht böse sein willst, auf Dein Ehrenwort?" Was risknst Du denn jetzt noch? Gar nichts! , Wir sind doch vor dem Gesetze Mann und Frau. Dieser Goldreif ist stärker als mein Wille oder mein Zorn." Na gut, da will ich's Dir in's Oh? sagen: Ich habe eben " Na, fahr doch fort!" Ich hab' eben vrobirt, wie ich morgen die Altarstufen emporsteigen werde und und wie ich das Kleid heben muß, damit Alle die wundervollen Atlasschühchen sehen können. Das ist doch gewiß eine unschuldige Freude, icht wahr. Schätzchen, und beinahe hättest Du sie mir verdorben mit Deiner dummen Antipathie gegen die kirchliche Trauung!" Es trat eine Pause em. Wie dumm doch Dein kleines Frauchen. ist, nicht wahr. Bester? Ich hätte ! Dir Nicht sagen sollen!" Er sah sie groß und verständnißlos an. dann blickte er auf die blinkenden. winzigen Atlasschuhe und zum Schluß auf seinen Trauring, indem er wie ein Pagode mit dem Kopfe nickte. Er drehte den Reif um seinen Finger und sah auf die kleinen Füße seiner kleinen Frau. Mie aber nahm seine Hand, steckte ihm den Trauring energisch wieder fest, küßte und drückte ihn lachend mx Thür hinaus. ' Als er unten am Thore war, dachte er nach und blickte lange in die Gasflamme der Straßenlaterne, als ob er in die Augen seiner kleinen Mie .sehen wollte. Richtig, jetzt wußte er, was er suchte. Viel ruhiger, als er gekommen war, ging er zum letzten Mal in seine Junagesellenwohnung. Dort lag ein Band Turgenjew. Er griff langsam danach und las, laut und monoton, wie er als Junge seinen Bibelspruch aufgesagt hatte: Die Seele eines Anderen ist wie em finsterer Wald." Die Träume eines ZNathema' tikers. Ein Penny! Ein armseliger Penny! Wie unscheinbar mit seinem schmutzigen, rothbraunen Aussehen! Niemand achtet den so geringwerthigen Penny, niemand schätzt ihn. , nicht einmal der Arme, der von der öffentlichen Wohlthätigkeit lebt! Und doch! Ist das keine Sinnestauschung? Wie ein lebendes Wesen hat der todte, metallene Penny seinen Schoß geöffnet und einen zweiten Penny geboren! Und nach einig Zeit haben sich wieder die zwei Penny' vermehrt, verdoppelt und das geht so fort, unaufhaltsam. Bald bringen die Penny nicht mehr Penny hervor, sondern Gold, gleißendes, schimmerndes, glänzendes Gold. Und nach einer langen, langen Reihe von Jahren ergießt sich ein mächtiger Goldstrom, der dem armseligen unscheinbaren Penny seinen Ursprung verdankt, über die ganze Erde, er reißt mit sich hinweg alle Armuth und alles Elend; er schwemmt allen Kummer und alles Unglück weg und aus der von ihm befruchteten Erde entsprießt ein Wunderbäum menschlichen Glückes und Wohlcrgehens! Durch welchen Zauber ist der Schoß des metallenen, armseligen Penny fruchtbar geworden? Welcher Zauber hat dieses Wunder gewirkt? Der Zauberer heißt:. .Der Zins-fuß!- . . - . Den Traum des. allgemeinen Reichthums, diesen phantastischen Traum hat Herr M. I. Holt-Schooling, ein englischer Mathematiker, geträumt. Jawohl, auch Mathematiker, die Vertreter einer angeblich trockenen und pbntastelosen Wissenschaft, träumen u.rd phantastren manchmal. Nur unterscheiden sich die Träume und Phantasten dieser Gelehrten von denen gewohnlicher Sterblicher dadurch, dafc sie stets Kopf und Fuß haben und daß, wenn sie auch die tollstenSalto-Mortale schlagen, sie doch immer wieder auf den festen Boden der Logik zu stehen kommen. ' - Herr Holt-Schooling hatte einen philanthropischen Traum. Er träumte davon, die Armuth von der Erde zu bannen. Und als Mathematiker nahm er schnell den Bleistift zur Hand, um zu berechnen, welchen Theil seines Vermögens er, ohne der Verschwendung geziehen zu werden, seiner humanitären Anwandlung widmen ' könne. Wahrlich, da kam er zu keinem erfreulichen Resultat! Nur einen Penny, einen einzigen armseligen Penny' konnte er dem Wohl der Menschheit widmen! Aber Herr Holt-Schooling verliert

nicht den Muth. Er nimmt den einen Penny, den er entbehren kann, und

trägt ihn in die Bank. Dort hinterlegt er diese Summe" mit dem Auftrag. Zins aus Zins und Zinseszins auf Zinseszins zu legen durch teufend Jahre hindurch. Und stolz erhodenen Hauptes kehrt er heim im Bewußtsein, für die kommenden Geschlechter die sociale Frage gelöst zu haben. Denn er hat das Eigenthum des Penny und seiner Jntereen der Gesammtheit der am Ende des Jahres 2895 lebenden Menschheit vermacht. DieRechnung hat Herrn Holt-Schooling gezeigt, daß in jener fernen Zeit die Zahl der Menschen auf zwei.hundertzwanzig Milliarden gestiegen war und daß die Summe, die durch den auf Zinseszinsen angelegten Penny hervorgebracht sein werde, in jenem Augenblick sechs Sextillionen vierhundert Quintillionen Pfund Sterling ausmachen werde. Es wird also jeder im Jahre 2895 lebende Mensch ein Vermögen von neunundzwanzig Millionen Pfund Sterling ausbezahlt bekommen! Wahrlich, wenn Herrn Holt-Schoo-ling's Traum in Erfüllung gehen würde, so wäre in tausend Jahren die sociale Frage gelöst! Und der englische Mathematiker träumt weiter; ' diesmal nicht von der fernen Zukunft, sondern von der fernen Vergangenheit. Er sieht sich in das Jahr Eins unserer Zeitrechnung zurückversetzt; der stolze Englander hat sich in einen ebenso stolzen Römer verwandelt. Im Traum geht er 'durch die Straßen des alten Rom und tritt schließlich in eine römische Bank, die dazumal für ebenso sicher galt, wie heutzutage die englische Bank. Ja ja! Die Zeiten ändern sich! Der alte Römer Holt-Schooling tritt an den Schalter der römischen Bank heran, greift in die Tasche seiner Toga und entnimmt ihr eine kleine Münze im Werthe eines Penny. Diese unansehnliche Münze übergibt er dem diensthabenden Beamten mit dem strengen Auftrag, die fünf Procent Zinse und Zinseszinsen aufeinanderzulegen, bis auf neue Ordre. Der alte Römer Holt-Schooling ist kein Menschenfreund wie der modern empfindende Holt-Schooling. Denn er bestimmt nicht, wie dieser, daß Capital und Zinseszinsen unter der leidenden Menschheit zur Vertheilung kommen sollten. Nein! Er ist egoistisch und kennt keine Nächstenliebe! Und das ist kein Wunder; wurde doch erst in jenem Jahre der Begründer der Religion der Nächstenliebe geboren! Nach Hause zurückgekehrt, verfällt der alte Römer Holt-Schooling in einen todtähnlichen Schlaf. Er schläft lange, lange Zeit. Jahre, Jahrhunderte, Jahrtausende; Reiche vergehen, Reiche entstehen; Völker tauchen auf und verschwinden und Holt - Schooling fchläft noch immer. Endlich im Jänner 1895 erwacht er aus seinem bleiernen Schlaf. Wie merkwürdig doch Träume, selbst die eines Mathematikers sind! Als Römer sah sich Herr Holt-Schooling einschlafen, als Engländer wacht er auf! Sein erster Gedanke beim Erwachen gilt seinem bei der römischen Bank erlegten Capital. Er erschrickt, als er von der finanziellen italienischen Misere hört; vielleicht spielt gar sein mühsam erschlafenes" Vermögen eine Rolle in dem finanziellen Rettungsplan Crispi's! Doch nein! Es fällt ihm wie ein schwerer Alp von der Brust, da er eine an ihn gerichtete Zuschrift erblickt, daß die Bank von England das Depot und die Vermaltung seines Vermögens übernommen habe. Schnell eilt er in die Bank von England, um über den Stand seines Vermögens Auskunft zu verlangen. Man übergibt ihm die Abrechnung. Er nimmt Einsicht in dieselbe und bleibt niedergedonnert, sprachlos stehen. Denn daß er so reich sei, hätte er sich nicht einmal im Traume träumen lassen! Die im ersten Jahre unserer Zeitrechnung auf Fünf Procent Zinseszinsen angelegte Münze im Werthe eines Penny war in den verflossenen. 1895 Jahren zu einer phantastisch großen Summe angewachsen. Holt-Schoo-ling's Vermögen betrug: iNeunundfünfzigZ Sextillionen Pfund Sterling. In der Instruktion sst u n d e. Lieutenant: Lehmann, was würdest Du machen, wenn Du auf Patrouille bist und plötzlich links und rechts der Feind auftaucht? Soldat Lehmann: Ich würde mich ruhig gefangen nehmen lassen und das Weitere dem Herrn Lieutenant überlassen! Wohl bekomm' s. Arzt: Aber sagen Sie mir nur, wo ist denn der diele Thee hingekommen, den Sie gestern für Ihren kranken Mann erhalten haben? Der kann doch unmöglich verbraucht sein. Bäuerin Ja wissen S', Herr Doctor, den bat er in die Pfeiff' g'stopft und graucht! Ein guter Mitmensch. Du bist gesund und kräftig, arbeite doch auch endlich 'mal! sagt der Onkel. Ja, als ob das so leicht ginge! Etwa Andern die Arbeit wegnehmen, vielleicht 'gar Familienväter brotlos machen?! Nein, dreimal nein! Ehemannsrache. Unser Freund Naumann hat seiner Frau einen hübschen Streich gespielt, wie sie im Seebade war. So? Wieso denn? Er brachte seinem Papagei die Worte bei: Quatsch nicht so viel! Grausam. Vater: . . .Mein Herr,' Sie haben meine jüngste Toäter .geküßt... Sie heirathen meine Aeltestet -

?as Trauer'vis'l Ses üetters. In vier Actjchlüsse.

Yi m M u: i SsBF Die Unglückliche hat sich schon über das Brückengeländer gebeugt, 'ihrem Lebensjammer durch einen Sprung in den Strom ein. 'Ende zu machen, als sie sich von der Hand des plötzlich daherkommenden, unbekannten Retters gefaßt und zurückgezogen fühlt. i .."V A.i il L v .- -n 'Syslt n i . I 1 iA m . n yn Der Retter ist zum Tröster geworden. Er liegt zu ihren Füßen, er schlingt seine Arme um sie.sie beugt sich liebevoll zu ihm nieder. Er besiegelt sein Rettungswerk, e? führt sie zum Altar. Nach dem ersten Jahre der Ehe. Schauplatz: Derselbe wie im ersten Act. Jetzt aber springt er in's Wasser... Unverhofft kommt oft. i ! Papa: .Guck', guck'! ' W. Schwiegermama: Da da!" K u r g e m ä ß. ' Warum malt der Maler 5tlezel jetzt nur in Wasserfarben?Der braucht ,'ne. Kneippkur!" i T h e i l w e i s e. Frau: ' Sie haben wohl Zahnschmerzen, Minna? Dienstmädchen:' Ja. ' Zahnschmerzen hab' ich, aber ein bischen Heimweh ist' auch drunter! , ' i j Kein Vertrauen. Sie: Du hast kein Vertrauen zu dem Doctor Schmidt? Er: Nein, ich glaub', der hat net richtig studirt, sonst könnt: er doch als ehemaliger Student nicht allen Leuten das Bier verbieten! Astrologie. Herr: Die Astrologie lehrt uns, daß ein Mädchen, das im Januar geboren ist, klug, gesittet und etwas putzsüchtig wird. Ein imFebar geborenes ist liebevoll, energisch und putzsüchtig. Ein im. März geborenes etwas leichtfertig und putzsüchtig. Ein im April geborenes Dame (unterbrechend): In welchen Monaten werden denn' eigentlich die Mädchen geboren, die nicht putzsüchtig sind? Herr: In gar keiul

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