Indiana Tribüne, Volume 18, Number 197, Indianapolis, Marion County, 7 April 1895 — Page 7

Ein fideler Fechtbruder. Ein Ehepaar, Dorfsrme aus beni Gebirge, er 69, sie 66 Jahre alt, naturgetreue Typen aus dem .Austrazstübel", sitzt im Hintergrund des Sitzungssaales im Münchener Amtsgcricht. Die beiden Leute hatten gegen ein amtsgerichtliches Urtheil, wonach sie wegen Bettels zu je drei Tagen Haft verurtheilt worden waren, die Berufung eingelegt. Der Mann, eine hagere, knorrige Gestalt mit verwetterten Gesichtszügen, buschigem Schnauzbart. blickt mit Besorgnis auf seine zusammengekauert? Lebens- undSchicksalsgenossin, welche sich offenbar den schlimmsten Befürchtungen hingiebt. Als das Gericht sich zu einer Urtheilsberathung zurückzog, glaubte der Alte, die günstigste Zeit zum Frühstück ge kommen, er zsg ein großes Stück Schwarzbrod aus der Tasche seiner Lodenjoppe und reichte seiner Frau eine gewaltige Schnitt? mit den Wortcn: Sah Wab'n! spinns z'samina. mmli dengerscht hungri' sein, hast cpn heunt no nix g'noss'n! wenn die G'schicht gu?t autzz g:ht, ?aaf dr i' drei Paar Planitzerl, du G'schleckgöschei!" Die Alte schien keineswegs bei Avvctit zu sein, denn sie ließ das Brod schleunigst im Nocksacke verschwinden und erwiderte vorwurfsvoll: Du ganzer leichtsinniger Loder! bei der schwaar'n Sach' denkst du an's (?si und mir bumbert's Herz wia a Hammerschmied'n, so viel Angst han i'. Gleich darauf wurde in die VerHandlung eingetreten. Die Frage, ob er schon bestraft sei, beantwortete der Alte mit nein, und auf Vorhalt, daß für ihn drei Monate Gefängniß wegen Wild:rns vorgemerkt seien, meinte er: 28er schreibtdenn dös so gut auf? Hab's meiner Soll eh' verzess'n g'habt und war dengerscht am mehrern dabei! Sell is' ja do' scho' a zwoaradreißig Jahrln her! Warum wird denn so was überHaupts aufg'schrieb'n? Hab ja do' die ganze Zeit abg'sessen und net a Minut'n mehrer z'guet?" Richter: Es ist nach Gendarme-r:e-Anzeige constatirt, daß Sie am 5. Januar beim Großen Wirth Ihres Heimathsrorfes von Tisch zu Tisch, Ihre Frau daqeaen in der Wirtbskückie

gebettelt haben. Deswegen hat das Amtsgericht gegen Beide auf je toei Tage Haft erkannt. Wie wollt Ihr Eine Berufung begründen?" Angeklagter: Schaug, du moanst leicht, mir that'n betteln wia a Handwerksbursch, da bist am 5)olzweg. Moanst, a Bauer schenkt dir was, wennst sagst: bitt' gar schön? Bon unsere Bauern kriegst höchstens was, wenns b'suffa san, und da mueßt eahna entweder an Lipperl macha, daß sie sie's Gwaff auskögeln vor Lacha, oder mueßt's so oiel schimpfa wia a Hallodri, na' glaub'ns dran. An Bauern hast no nie mildthäti' g'sehgen. Qls wenn er an Rausch hat. Siehgst, unser Pfarrer mueß sogar dös, was eahm von rechtsweg'n zuakimmt, außapredig'n, und bei die Siebent undDreißigt, wenn's opfern geh'n, thuan die Haupterbe:: aften an Hosenknopf für a Zehnerl eina. Wenn's mit aeitschtlin Herrn so schmutzi' san, na kannst dir denka was erscht mit Unseroan thuan. Am selm Tag war a Holzversteigerung, und da san a Masse Lcut' beim Wirth g'wen und l'ab'n den sauern Plamp z'samma a'lunelt. Na! denk i-mir, Hansl gehst aa eina, ' leicht daß a Maßel außaspringt; woaß die Milli und alleweil Milli, sell is dengerscht a fads G'süff, und mein Mog'n is gar schlecht beieinand." Hier fiel die Frau des Angeklagten dem Mann ins Wort: Geh Hansl! thua mer d' Wahrheit sag'n, kunnst leicht meineidi' wer'n. Mir ham ja no a Flasche! Kronawitter dahoam g'habt, hast mi' so viel plagt, bis i's hergeb'n hab." Sei stad mit deiner fad'n Plausch'n! überall mueßt du dreinpappeln; der ha! ja für's Bauchweh g'hört, net sür'n Durscht. Also gehn i zum Wirth und setz' mi' an d' Ofabank; d' Kellnerin fragt: Hansl, hast an Zehnernickl!" Meiner Six! sag' i', den bat wieder der Feutnbauer in der Tasch'n, gibst eam herer, du Loder!" Da sagt der: An Zehnernickl kriegst, weil i' d' Lumperei gern unterstütz' thua, aber s'sell Liedl mueßt singa: I bin der boarisch Hiesl, koa Jagz hat a Schneid, der mir an oanzigs Federl vom Huat obatreibt." Na. jetz'n hab' i' g'sunga und i' hob dir fein a sauberne Stimm'. Landrichter! willst 's schöne Gamsgebirg hörn? Nit, na' Zs mir aa recht, du versiehst halt nizn vom G'sang. I' mueß alleweil mehrer singa. d' Kellnerin hat d' Zither q' lazwg'n und z'letzt hams no' plattelt ca. Umasunst han i' dös net thuan . und dann bin i sammeln ganga und hab fünfadreißig Pfenning z'sammz bracht. Dö is' wohl a schöns Geld, wennst koan Heller im Sack hast, und wia i' zum reichen Hinterlechner kimm, saqt der Neidskrog'n: Helf Gott! lunn mir nijn geb'n. Schaug, sag V, Laustödter. armer, z'samm! dein groß'n Hos timmst in d' Höll eine und in dös Winker?, wo's mit buchene Block und !?akoln einafeuern.- Wie i' dem gaet ins G'wissen red' und er gelangt scho' halbert in d' Tasch'n um a Fünseil, da kimmt der Herr StationsZommandant und schreibt mi' wegen Betteln auf." . . . ; Richter: Und wie steht es bei Ihnen. Weiberl? Haben Sie auch gesunae? und gesammelt?" Angeklagte: Na! beilei' net! Mei' Stimm' hat scho a zwanz'g Jahrl an Zittere? und an Ueherschlog. Frühender auf der Ochsenalm, Bua, da sollst mi' g'hört ham. da is' no' außaganga, loia von die Glöckein z'Weycrn; aber ' jetz'n, o meine Leu!', ma' sollt's net

glaub'n, daß ais so verkimmt. Der Hansl, ja der is raucher. sell halt länyer an, wenn's aa nimmer so arg is', wia er moant. Wie er do g'sunga hat, bin i' halt aa in's Wirthshaus, daß er si' net übernimmt, woaßt. i' kenn' eahm. In d'Stub'n kann i' do' net eina. da g'hör'n nur d'Mannerleut und leicht a jungs Moid hin; na bin i' halt in d'Kuchl; d'Wirthin hat mir an Scherb'n voll Kaffee kocht, und da hamer allerhand plauscht, und i' han ibr a paar Hausmitt'l verrath' für's Kinderzahna und füi die fliagend'n Hitz'n. woaßt ja. was ais gibt, wo ka Doktor helfen kann! Jetz'n i's der Wirth außakemma und hat g'sact: So Wab'n. woaßt scho' wieder a anders Mitt'l für d'Sommerspross'n. na kriagst a Zwanzgerl! Im letzt'n Auswarts han i' eahm, weil er zu seine brennroth'n Haar a G'sicht voll Sommermirln hat. verrath'n. er soll sich in der Fruah vor Tags unberuf'n hinter'Tn Haus mit 'n frischen Wiesenthau - G'sicht einreib'n. Dös hat er tbuan. aber jed'smal hat er z'erscht d'Ehehalt'n aufg'weckt. und na' san eahm seine Mirln blieb'n. Ja! sag' i'. Wirth, in der Silvesternacht um

Äwölfe saast dreimal andächti': ?(m Namen der Dreifaltigkeit, weich' von mir. Abscheulichkeit!" und wenn's da r.tt vergenga, na' mueßt's g'balt'n, so lang als d'lebst. Der Wirth hat jetz'n recht g'lacht und hat mir a Zehnerl g'schenkt; z'weg'n dem bin i' aa anzoagt wor'n. Schaug, dös wär do' scho' aus, wenn i' z'weg'n an Zehnerl so viel kriaget. wia der Hansl um fllnfadreiß'g Pfennig." Drauf der Hansl: Du g'freust mi'! Dös is net ohne! I' müaßt g'wiß vier Wocha hab'n. wenn's nach die Zehnerl gang? Du kennst scho' gar nixn von der Handlschaft. Mich that's no' einreib'n. sei froh, daß di' net we-ge-n deiner Doktere! fass'n! Und singa kunnt i' aa nimmer schön, hat's g'sagt. Woaßt was. Richter! Jeds an Tag, und d' Schul is' aus!" Hier fing die Alte bitterlich zu weiren an und verzehrte in aller Stille ihr Stück Brod, als das Gericht sich zurückgezogen hatte. Der Hansl visiiirte seine Retourbillets, dann wurde der Geldbeutel revidirt: Dös is' a Maß und vier Planitzzrln im Sterngart'n. dös is a Stehmaß in Holz- j kircha. a Maß dahoam und fufz'g Pfennig Ueberfchuß; 'naus geht's." -Gleich darauf wurden beide Anc:klagte freigesprochen. Der 5ansl machte einen Luftsprung und rief: Halt Spatz! jetz'n wird der Ueberschuß aa no' verhaut!" Gin politischer Abenteuere:-. Als im Januar des Jahres 1801 der General Mercier. des aufständischen Georges Cadoudal GeneralstabsChef, von den Soldaten des Consulates in einer Schzune des Dorfes La Motte getödtet wurde, fand man bei ihm den Plan einer ronalistischen Verschwörung. Ein Schiffsfähnrich, de Rivoire mit Namen, sollte mit Hilfe großer ihm zu diesem Zwecke ,von den emigrirten Bourbonen-Prinzen geWährten Summen es versuchen, durch einen Putsch die Stadt Brest, den Hafen und die in demselben befindlichen Schiffe für die royalistische Sache zu gewinnen und die Herrschaft Ludwig's VXIII., d:s legitimen Königs, auszurufen. Nötigenfalls sollte die Unterstützung des Auslandes zum Gelingen -des Planes angerufen werden. Wie aus den bei der Leiche des Generals Mercier aufgefundenen Papieren hervorging, hatte sich Rivoire bereits mit dem Admiral eines vor der Rhe.de vor Brest liegenden spanischen Geschwaders in Verbindung gesetzt und dieser hatte versprochen, ihm gegenüber wohlwollende Neutralität zu beobachten. Da außerdem die französische Armee in Italien weilte und die Bretagne voll aufständischer Freicorps war, so hatte der Streich alle Aussicht auf glückliches Gelingen, Wenn er dennoch nicht zur Ausführung kam. so hatte das seinen Grund darin, daß man eine kostbare Zeit versäumte, um einig: endgiltige Jnstruktionen von den Emigranten in London zu erwarten. Darüber ging der italienische Feldzug siegreich zu Ende, die Armee kehrt: nachJrankreich zurück und in Brest selbst wurde ein Corps von 15.000 Mann gesammelt, das von hier aus nach San Domingo eingeschifft werden sollte. Damit war jeder Versuch sines Aufstandes unmöglich gemacht. Es blieb nunmehr nur übrig, den Urheber des kübnen Planes zu ergreisen, .der es unternommen hatte, eine ganze Stadt, sammt Hafen und Flotte, den Feinden der Regierung seines Vaterlandes auszuliefern. Wenn dies an und für sich schon Hockverrath bedeutete, so war Rivoire's Verbrechen noch ein um so schwereres.als er activerOfficier war. Er wurde in Calais in rmt Augenblick verhaftet, da er ein Schiff besteigen wollte, das ihn nach Dov:r bringen sollte. Wer war Rivoire? Er entstammte einer adligen Familie aus der Provinz Dauphins und war im Jahre 1775 in Lyon geboren. Bereis im Alter von dreizehn Jahren trat er in die von Ludwig XVI. zu Alais gegründete Marinz-Schule ein und wurde 1781 zum Marine-Aspiranten in Toulon ernannt. 1792 emigrirte er und trat in das Rastelli'sche Husaren-.Frei-. corps der österreichisch-sardinischen Ar-' mee ein. Als dann Toulon sich den Engländern ergab, kehrte er dorthin zurück und entkam nach der Wiederein nähme der Stadt durck die Truvven des Convents auf der Fregatte La Perle", einem der französischen Schiffe, welche der englische Admiral Hood mit

sich 'davon führte. Auf .der'' Perle" gelangte er nach England und trat alsbald mit den bouröoni.schen Prinzen in Berührung. Bon ihn:n wurde er zu manch:? g:fährlich:n Mission verwandt. So hatt: er zum Beispiel die Dreistigkeit, da ihn ein Auftrag nach Süd-Frankreich führte, sich mit Hilfe falscher Papiere für einen Officier der aus den ehemaligen venetianischen, im italienischen Feldzuge erbeuteten Schiffen gebildeten F!otten-Divi-sion auszugeben. Er wurde entlarvt, in Toulon verhaftet und nach dem Fort La Malgue gebracht, um dort vcn einem Kriegsgericht als Verschwörer abgeurtheilt zu werden. Die Untersuchung gegen ihn mußte indessen wegen mangelnder Beweise eingestellt werden, doch wurde er in dem Fort als Gefangen zurückgehalten. Nach kurzer Zeit gelang es ihm, durch einen kühnen Fluchtversuch zu entkommen. Die nächsten fünf Jahre brachte er in Abenteuern v:rschie2enster Art, immerfort auf der Reise, zu. 1800 entstand dann in ihm der Plan, den Hasen von Brest an die Royalisten auszuliefern. und er gewann die Einwilligung und Unterstützung des Grafen von Artois dazu. Alsbald kehrte er nach Frankreich zurück und wirklich erreichte er es.in der Marine als Schiffsfähnrich wieder angestellt und nach Brest entsandt zu werden. Hier trat er .mit Cadoudal, Mercier und den Hauptsächlichsten Führern der Chouans" zur Ausführung seines künen Projectes in Verbindung. Nach der siegreichen Beendigung des italienischen Krieges sah er ein, daß sein Unternehmen gescheitert war. und er beschloß, nach London zurückzukehren. Da wurde er. wie schon oben erwähnt, am 23. Januar 1801 in Calais verhaftet. Bis dorthin hatte man auf Grund der bei dem General Mercier gefundenen Papiere seine Spur verfolgen können. Auf besondere Anordnung des gefürchteten Fouch wurde er in Ketten gelegt .und nach Paris geschafft. Hier wurde er im Temple untergebracht. Neun Monate später transportirte man ihn nach Brest, wo er sich vor dem 'Kriegsgericht verantworten sollte. Ein besonderes Decret der Consuln U

schuldigte ihn: er sei als Agent einer Lerschwörung thätig gewesen, welche daruf hinziele, die Republik umzustürzen, das Königthum in Frankreich wieder herzustellen, den Bürgerkrieg im Westen neu zu entfachen und den Feinden des Staats die Stadt Brest mit dem Hafen und dem dort versammelten Geschwader auszuliefern". Die Kriegsgerichte waren damals doch noch nicht alle einfach dienstbare Werkzeuge des allmächtigen Bonaparte. Trotzdem der erste Consul mit nicht m!ßzuv:rstehenber Deutlichktit kundgab, welchen Urtheilsspruch er gefällt zu sehen wünschte, hatten die Richter so viel Rückgrat", wie man heute sagen würde, nach ihrem eigenen Gutdünken zu entscheiden. Rivoire wurde freigesprochen und eigenthümlicher Weise wird in der Begründung des Urtheils gesagt: Er sei der ihm zur Last gelegten Vergehen überführt, aber dennoch nicht für schuldig befunden worden." Wie er in seinen Memoiren" behauptet, wäre er im Voraus sicher gewesen, freigesprochen zu w:rden, da seine Richter seine Freunde wann. Aber der erste Consul verstand keinen Spaß, wenn man seinen Willen mißachtete. Er annullirte das kriegsgerichtlich: Urtheil, cassirte die sieden Qfsiciere, welche als Richter fungirt hatten, und ließ sie nach Paris bringen, wo sie nun selbst im Temple eingeschlossen wurden. Rivoire seinerseits wurde vor ein neues Kriegsgericht in Rochefort gestellt. Man sollte denken, daß hiernach der zweite Urtheilsspruch ganz besonders streng ausfallen mußte. Keineswegs. Rivoire wurde zur Deportation verurtheilt. Er schreibt darüber: Die neuen Richter fanden sich bereit, mich für schuldig zu erklären. Trotzdem hatten sie Muth genug, hinzuzufügen, es wäre nicht erwiesen, daß ich zuGunsten äußerer Feinde Frankreichs gehandelt hätte, und das auszusprechen, dazu gehörte damals viel." Er entging also der Todesstrafe, aber auf Befehl des Justizministers wurde das gegen ihn ergangen? Urtheil der Deportation nicht zur Ausführung gebracht, sondern er wurde in ein Staatsgefängniß, das Schloß in Lourdes, geschafft. Hier schmachtete er bereits vier Jahre auf dem feuchten Strohlager des Kerkers", als es seiner Gattin mit dem Beistande des russischen Gesandten in Spanien, Stroganoff, gelang, ihm zur Flucht zu verhelfen.- Er ent.kam nach Spanien, von dort nach Poriuaal und dann nach London. Der Empfang, der ihm hier von den Bourbonen und überhaupt von den Emigranten zu Theil wurde, entschäüigt: ihn für alle ausgestandenen Schrecknisse. Man versprach ihm glänzende Belohnungen für seineTreue und Ergebenheit sobald das Bourbon:nthum wiederhergestellt sein würde. Und er wartete. Vier Jahre blieb er in England. Indessen 1810 erhielt er die Nachricht von -der schweren Erkrankung seines Vaters und aö:rmz!s unternahm er es, mit eimm falschen Passe versehen, sich nach Frankreich zu begeben. Er wollte nach Lyon, um seinen Vater zu sehen. Am 5. November landete er in Holland und S::reits am 7. wurde er verhastet, wahrscheinlich von denen verrathen, w:Iche ihm seine gefälschten Pässe tt sorgt hatten. Zunächst wurde er wied:r nach Paris in das Gefängniß La Force, dann nach Vincennes. von dort nach Ham und schließlich nach Rouen gebracht. Erst die Ereignisse des Jahres 1814 gaben ihm die Freiheit wieder. ' Am

Z. April wurde in Rouen das Königthum feierlich proklamirt und alsba'd befreite der Präfekt den, der so eifrig für die Wiederherstellung des Bourbonenthums wäbreno der Herrschaft des Usurpators g:!ämpft hatte." Nun glaubte er am Ende aller Leiden zu sein. Hatt: er doch das Versprechen des Grafen von Artois, daß er königlich für seine Dienste belohnt werden sollte, erfreute er sich doch der Gunst der Vornehmsten des Königreiches. Aber vergebens erbat er sich eine Versorgung, vergebens verwandten sich seine mächtigen Gönner für ihn. Allerdings waren seine Bitten ansangs nicht ganz bescheidener Natur. Zr verlangte, zum Geschwader-Chef :rnannt zu werden, er, der nur als Ufpirant und Schiffs-Fähnrich Dienst gethan hatte. Aber allmälig wurden seine Wünsche immer geringer. Trotzdem erfüllte Ludwig XVIII. keinen derselben, so viel sich Rivoire auch auf iie Versprechungen seines Bruders, ves Grafen von Artois, berief. Und das hatte seinen guten Grund. Die Acten der Geheimpolizei hatten nämlich ergeben, daß Rivoire bereits 1808 in Frankreich gewesen war und cem Polizeiminister FouaX' seine Dienste angeboten hatte. Der hatte sie llngenommen und Rivoire hatte ihm seitdem regelmäßig über die bourbonischen Prinzen berichtet. Aber auch Fouch6 war von ihm betrogen worden, denn er benutzte die zu den geheimen Mittheilungen verwandten Boote, um verbotene Waaren nach Frankreich einzuschmuggeln. Deshalb hatte Fouch6 jede Verbindung mit ihm abgebrochen. Die 1810 angeblich zum Besuche seines kranken Vaters unternommene Reise hatte lediglich den Zweck gehabt, seine Beziehungen zu der napoleonischen Polizei wieder herzustellen. Aber Fouch6 wollte nichts mehr von ihm wissen und beeilte sich, ihn verhafien zu lassen. Man darf daher in dem Chevalier de Rivoire keinen jener begeisterten, opsermuthigen Vorkämpfer des Königthums sehen. Er war vielmehr weiter nichts als ein gewissenloser Abenteurer, der seine Dienste meistbietend verkaufte. Er strab am 7. Oktober 1815 im größten Elend, von Allen verlassen. Für sein Begräbniß mußte einer der wenigen Freunde, die ihm geblieben, Sorge tragen, da er selbst nichts hin-terließ!

Sonderbare NechtSbräuche. Die Auspfändung des säumigen Schuldners erfolgte in den früheren Jahrhunderten stets unter Bcochachtung gewisser Formalitäten. Nach dem Torsrechte zu Machtolshcim in Württemberg begab sich der Gläubiger, falls der Schuldner die ihm geliehene Summe nicht zur Bcrfullzeit entrichtete, zum Schulzen und beantragte die gesetzliche Pfändung des Schuldners.' Diese durfte ihm nicht verweigert werden. Hierauf ließ er sich von Um Schuldner einen Pfennig geben und überbrachte denselben dem Richter, der die Münze acht Tage behielt. Erfolgte während dieses Zeitraumes die Bezahlung der Schuld nicht, so begab sich der Gläubiger wiederum in die Wohnung des Schuldners und verlangte von diesem essende Pfänder". Unter diesem Aus drucke verstand man Schafe, Pferde, Rinder :c. Er brachte das Bieh nach einem Gasthause und stellte cö dort acht Tage ein. Ließ der Schuldner auch diese Frist ungenützt verstreichen, so führte der Gläubiger die Thiere um die Kirche, den Torsbrunncn oder einen bestimmten Baum herum und bot sie, wie es in dem Rechte hieß: Christen, Juden und Heiden feil". Waren keine essenden Pfänder" vorhanden, so nahm der Gläubiger einen Span von dem Hause oder, wenn auch ein solcher fehlte, eine Erdscholle von dem Acker des Schuldners und ' trug sie gleichfalls nach Berlauf von acht .agcn um den vorgeschriebenen Ort herum. Durch diese symbolische i Handlung setzte er sich in den Besitz de ' seinem Schuldner gehörigen Grundcigenthums und verkaufte daclbe an den ersten Käufer, der ihm einen angemesscncn Preis bot. In dieser. Zwangsvcr stcigcrung fuhr er so lange fort, bis er aus seiner Forderung an .Kapital, Zinsen und Kosten vollkommen befriedigt war oder der Schuldner nichts mehr hatte. An anderen Orten herrschte die Sitte, daß der Gerichtödiencr sich nach erhobener Klage in die Wohnung des Schuldners begab und von den Pfand objektcn Besitz ergriff, indem er ein Kreuz auf das Hofthor oder über die Hausthüre aufsteckte. Dem Schuldner wurde sodann eine gewisse Frist bcstimmt,in welcher er täglich eine gewisse icurninc als Strafe erlegen mußte. Hatte er nach Ablauf dieses Zeitraumes seine Sckuld nicht neiifnt ! so wurde dem Gläubiger das Eigenthum des säumigen oder böswilllgen Schuldners zugesprochen. (?S zog.

Sie zog mich an mit ihren Gluthen blicken, Mit ihrer Stimme sanfter Melodei, Mit ihres Köpfchens anmuthsvollem Nicken, Mit ihrer allerliebsten Schelmerei. Ich warb um sie und sie erhört' mein Flehen, Wild pocht' mein Herz voll Jubel und voll Lust. Als in der Fliederlaube ung:h:n Die Herrliche ich zog an meine Brust. Wir lebten selig in den Flitterwochen, Dann zog ich einsam in die Welt hinaus Mein Glück vernichtet und mein Herz gebrochen. Ein Bettler, denn mein Weib sie zog mich auö.

ZZ'änslichkcit. Die Lampe wirft in ruhevollem Schim mu Ihr Dämmerlicht Um Tisch und Bett durch's kleine, enge Zimmer Und flackert nicht. Das Reisig knistert heimlich im Kamine Und flammt und knackt; Die Uhr. die alte, an der Bettgardme Tikt leisen Takt. Die Eltern lesen in vergilbter Bibel Einträckilich; Die Kinder in die bunte Bilderfibel Vertiefen sich. Großmutter spinnt am Rade freundlich leise, Gedankenvoll; Sie murmelt eine alte, liebe Weise, Die längst verscholl. Doch draußen wirft an's Fenster dürre Reiser Der Herbstessturm; Die Wetterfahne knarrt unheimlich heistr Vom nahen Thurm. .Was kümmert uns des Wetters wildes Schauern, Was Sturm und Wind, Wenn wir in Lieb' in unsern sichern Mauern , Beisammen sind?" .

VicZrauimKunstgewcrbe. In der Zeitschrist Der Existenzkämpf der Frau" widmet Georg Büß der Frau im Kunstgeweröe eine längere Betrachtung, welche sich zwar direct an die Verhältnisse im alten Vaterlande anlehnt, aber auch für die grauen unseres Landes manches Beachtenswerthe enthält. Büß' Ausführugen kann man im Allgemeinen wohl zustimmen, wenn sie auck im Einzelncn zum Widerspruch herausfordern. Namentlich seine folgenden Auslassungen über den Kunstdilettantismus wird das weibliche Geschlecht sich zu einem gutcn Theil zu Herzen nehmen können: Unleugbar haben die Frauen an der kunstgewerblichenBewegung inDeutschland' seit einem Vierteljahrhundert re($n Antheil gehabt; aber ein freimüihia.es Urtheil über diese Antheilnah.Md wird auch den Dilettantismus kennzeichnen, der sich in erschreckendem Maß; auf Kosten der wirklich zielbewußt strebenden Frauen breit gemacht kzat. Gerade das Kunstgewerbe ist zum Tummelplatz der Schaffenswuth höherer Töchter" geworden, die im Vertrauen auf den angeborenen guten Geschmack" mit bewundernswerther Kühnheit die fragwürdigen Ergebnisse ihrer Arbeit in Bazaren und Messen zum Verkaustellen, sich als Künstlerinnen aufspielen und im Grunde genommen durch ihr Verhalten die Anstrengungen Derjenigen, die sich mit Ernst und Gewissenhaftigkeit ihrem kunstgewerblichen Berufe hingeben, schädiqen. Ihnen zu verwehren, sich mit Malen. Tuschen. Aetzen. Kerbschnitzen und verwandten Arbeiten jn beschäftigen, geht nicht an. denn die Kunstübunq im Hause hat ihre Berechtigung. Aber solche Leistungen dilettantiscber Art gehören nicht vor die Oeffentlichkeit. Hier fällt für die Werthschötzung der Arbeiten das Moment der Pietät, die Verwandtschaftlich: oder freundschaftliche Beziehung zur Verfertiaerin, vollständig fort, und einzig in's Gewicht fallt die wirkliche Tüchtigkeit des Geleisteten.' Es gibt liebenswürdig: Dilettantinnen. und zwar sind es ;ene. die sich nicht überheben und sich die klar: Erkenntniß hinsicktlich der Bedeutungslosigkeit ihrer Leistungen bewahrt haden. Aber die Zahl dieser liebenswürdigen Dilettantinnen ist gering. Jener hingegen, die vermeinen, mit erhabenem Scheitel dir Gestirne zu berühren, wenn sie einen Porzellanteller mit Blumen bemalt oder einen Stiefelknecht mit Kerbschnitzereien geschmückt baben, ist Legion. Ihr künstlerische? Drang geht in der Regel so weit, daß sie soaar das Staubtuch besticken und den Kehrbesen mit Farben bekleren; auch vergikt ihr poetischer Drang nicht den Sinnspruch, der dem Staubtuche und Kehrbesen die höhere Weihe verleihen soll. Aus diesem dilettantischen Schaffen mit seinem Dränge, jegliches Ding, maq es auch für die profansten Zwecke bestimmt sein, reich zu verzieren, oder überhaupt decorative Dithyramben zu liefern, ist wesentlich jener ornamentale Karneval und hohle Aufputz erwachsen, an dem das moderne deutsche Kunstgewerbe so unaemein leidet. Kunstgewerbe und ornamentale Kun.st werden geradezu für identisch gehalten, und unter dieser Auffassung wird die BeNutzbarkeit der Geräthe erheblich beeinträchtigt. wenn nicht aar illusorisch gemacht. Alles spitzt sich auf den AtelierGeschmack zu. der nur darauf berechnet ist. ein Interieur" zu schaffen, das mehr zum Ansehen, als zum behagllhen Bewohnen geeignet ist. Mit Spielereien und ornamentalem Wust schasst man kein Seim, in dem sich eine Familie wohl fühlt und in dem sich jener gediegene und wohlthuende Ernst zu erkennen gibt, der im Hause unserer vorfahren so charakteristisch zum Ausdruck kam und der überall walten soll, wo Kinder zum Wahren, Guten, Schönen erzogen werden sollen. Spielerei aber ist der Grundzug aller dilettantischen Kunst, und wenn diese sich in einer so übertriebenen Weise in der Oeffentlichkeit breit macht, wie es geschehen ist, so ist leicht einzusehen, daß sie auf den Geschmack des Publikums

nicht ohne nachteiligen Einfluß blei ben kann und sich diesem auch der Kunstgewerbetreiöende, der san?Kirnd schaft behalten will, beugen muß. Und das Publikum kauft die Arbeiten der Dilettantinnen, weil sie fcheinbar billig sind. Die Töchter des Hauses haben ja nicht nöthig, von dem Ertrage ihrer Arbeit zu leben, denn hinter ihnen steht schützend der Herr Papa, der ihnen die Sorge um das tägliche Brot abnimmt. Man will also nur ein hübsches Taschengeld verdienen, um häufiger Theater, Concerte und Bälle zu besuchen und vielleicht auch der Toileite höheren Glanz zu verleihen. Diese Tändeleien verderben einmal den guten Geschmack und dann, was noch schwere? in's Gewicht fällt, drücken sie die Preise, welche der berufsmäßige Kunstgewerbetreibende in Rücksicht auf seine Existenz fordern muß, ganz erheblich herab. Will die Frau wirklich etwas Ersprießliches im- Kunstgewerbe leisten und sich auf diesem Gebiete einen Lebensberuf schaffen, so hat sie sich klar zu machen, daß auch hier Talent und Fleiß den Ausschlag für den Erfolg geben. Natürlich ist eine gute Borund Fachbildung unerläßlich, um zur künstlerischen Selbstständigkeit. zur BeZerrschung der Technik, zur schöpfenschen und zugleich financiell fruchtbaren Wirksamkeit hinzuleiten. Welche Aussichten bieten sich nun der Frau im Kunstgewerbe? Unter den Aussichten ist zu verstehen eine ersprießliche Wirkmkeit, die einen ang?messeen Lebensunterhalt gewägt an mit einer achtbaren socialen -Stellung verbunden ist. Etwas Positives, in Zahlen .Ausdrückbares läßt sich selbst. verständlich nickt geben. .Naturgemäß werden die Aussichten zu der fachlichen Vorbildung und Ausbilduna. kurz zu den Leistungen im Verhältniß stehen; theilweife richten sie sich auch nach der Bedeutung und dem Umfang des Fahes. drm die Frau sich zuwendet. In gewissen Zweigen wird sie in schwierigem Wettbewerb mit den Leistungen des Mannes kämpfen müssen: leicht wird der Frau auch hier die Erringung einer eigenen Existenz nicht gemacht, und auch in diesem Kampfe können nur Tüchtiae bestehen, während Halbe und Unvollkommene unterliegen. Es ist ferne? zu beachten, daß die allgemeine Laoe des Kunstgewerbes der Frau den Wettbewerb erschwert. Unser Kunstgewerbe entbehrt noch der sicheren Unterlage, die darin wurzelt, daß Jedermann eine kunstgewerbliche Leistung zu schätzen weiß und zu erwerben sucht. Es fehlt deshalb die URternehmungslust. und die. Bezahlung der thätigen Kräfte ist gering. Gerade Zeichner und Modelleure werden nur selten ausreichend bedacht. Aber immerhin fände die Frau ein Feld ihrer ThätigZeit. Auf feste Anstellung wird sie allerdings nur in Ateliers für Stickerei und Eonfection zu rechnen haben; ihr Schaffen wird alfo in der Regel ein freies sein, sie wird sich Aufträge beschaffen oder bereits angefertigte Skizzen und Entwürfe zum Kauf anbieten müssen. Muster werden auf dem ganzen großen Gebiete der Textilindustrie verlangt, in der Tapeten- und Linoleumindustrie, im graphischen Kunstgewerbe und der Papierconfection. in der Fayence- und Porzellanindustrie, ferner Entwürfe für Holzbrand, für Arbeiten in Schmiedeeisen, für Geldschränke, für Möbel etc., etc., kurz es bietet sich hier der Frau ein großes Feld, das bisher nur d Tummelplatz der Männer war. und auf dem eine Zeichnerin und Modelleurin, die mit fruchtbarer Phantasie begabt ist. eine tüchtige Vorbildung undi Fachbildung mit praktischer Geschästskennwiß vereint, ihren Platz findet. Rettender Gedanke.

Am Stammtisch wurde eben eine Bergpartie geschildert da ergreist Fritz Neumann das Wort: Na. ich sage Ihnen, meine Herren, wenn ich von 's Jebirge höre, erinnere ich mir immer an meine Hochzeitsreise. Meine jeliebte Luinde. een: Berlinerin vom schwindelfreisten Spreewasser, wollte partout eene Hochiebirgstour machen. Ich, der ich ebenfalls Wort Schwindel aus meinem Conversationslexikon jestrichen, war dabei. Wir fahren also nach der Schweiz und besteigen das Matterhorn, selbstverständlich ohne Führer; keene kleenen Kinder sind wir ja nicht, dachte ich. Wir nahmen ooch keenen Strick mit; zwei Jebirgsstecken und een Rucksack bildeten uns're janze alpine Ausrüstung. Wir waren vielleicht 4000 Meter weit oben, da beugt sich meine frisch' anjetraute Jattin an eenen Abjrund etwas vornüber und stürzt ab. Sie können sich denken, welcher Schmerz mir durchzuckte! Doch schnell entschlossen, nehme ich een paar schwere Gletscherstücke, packe sie in den Rucksack und stürze mich dem jeliebten Wesen nach. Beschwert durch den künstlich belasteten Nucksack, hole ich Luzinden in der Lust ein und komm: viel früher nach unten,, so daß ich die Jattin in meinen Armen auffangen konnte. Die Affaire, bei der ich mir Lbrigens die Füße ekllch verstauchte, hat mir und Luzinden so verdrossen, daß wir nicht nochmals auf ' Malterhorn 'ruffjekletlert faV Auf d e r Promenade. Sieh' mal, welch' prächtiger Unterofficier!" Ja, das ist mein indirekter Pflegebefohlener." Wie soll ich das verstehen?" Es ist der Schatz meiner Köchin!" Kathederweisheit. Professor (in einem Vortrag über Culturgeschichte): ..'. Unter den Kannibalen hat man noch niemals Vegetarianer gesunden!"

Vopf oocr F)?rz? Wissen Sie schon, bei Frau A. ist das Scharlach! Die arme Frau ist ganz hin, sie weicht nicht vom Kinerbet: und pflegt ihr?n Karl mit einer AufOpferung. . Ja, es ist eine vorzüglich: Mutter! Wenn man bedenkt, wie leicht andere solche ernste Erkrankung nehmen. . . . Frau V. sah ich gestern auf der Promenade, während eine Wärterin die arme kleine Marie pslcgt." Frau I., welche dergestalt die bösen Zungen herausforderte, war die Gattin eines vie-lbeschästig-ten Rechtsanwalts, der die Sorge um die Erziehung ihrer vier Kinder sie hatte drei schulpflichtige größere Kinder außer der kleinen Kranken sowie die Lasten des' Hausstands ausschließlich seiner Frau überlassen mußte. Frau A. hatte außer dem kranken Karl zwei, schulpflichtige Töchterchen von zehn, und zwölf Jahren. Sie war durch und durch Gefühlsnatur, lebhaft, etwas aufgeregt. Kaum hatte der Arzt den, Ausbruch der Krankheit bei dem lleinen Patienten constatirt. so war sie in laute Klagen ausgebrochen, und hatte unter Thränen das arme ZNnd bedauert. Sie nahm 'den kleinen Patienten? sofort in ihr Zimmer und war von diesem Moment an in Wahrheit nur noch für Karl vorhanden. Keinen Augenblick gönnte .sie sich Ruhe, ihre stete geschäftige Ausregung erhöhte die Ausgeregtheit des Kranken, aber hartnäckig weigerte sich die müde Frau, ihren Platz aus Stunden an Andere abzutreten. Mem Herz hält mich hier fest". war die einzige Antwort auf alle Gegenvorstellungen. Wenig Widerstandsfähig W sie war. hatte sie sich bald aufgerieben, brach bei dem geringsten Anlaß in Thränen aus. und ihre nervös Reizbarkeit stieg von Tag zu Tag. Ihre beiden Töchterchen'waren sich unterdessen selbst überlassen, denn den; Dienstboten gehorchten die kleinen Fräulein nur unter den Augen der Mutter. Sie nutzen die Freiheit von der Schule, die ihnen deö Brüderchens Erkrankung brachte, nach ihrer Meinung auf 'das herrlichste aus. Die Dienstboten, waren anderer Ansicht, denn täglich verbreitete sich die Kunde .... - it.K,.i v; r nr

von einer neuen, unujui, it I" übt. Lenchen war auf er dünnen Eisdecke des kleinen Teichs im Garten eingebrochen und mit knapper Noth dem kalten Bad entronnen, und Hertha hatte es beim Schlittenfahren den Wilden Jungen gleich thun wollen, war auf einen eisernen Schlitten gefalle und hatte sich das Gesicht so zcrschunden, daß der Doctor einen zweiten Patienten an ihr bekam. "Ihr Gatte endlich vermißte alle und jede gewohnt: Gemüthlichkeit; ihm fehlte die Frau Morgens am Frühstückstische; Mittags gab es Gerichte nach Minnas, der Kuchenfee, Geschmack und Gutdünken; das ganze Hauswesen enllxchrte der Ordnung und Beaufsichtigung. Wie es in den Wirthschaftsräumen, in Speisekammer und Waschküche aussah, daran wollte er schon gar nicht denken! Auch bei Frau B. hatte das Scharlach, wie wir wissen. Einzug gehalten. Innerlich ties erschrocken, hatte Frau B. das ominöse Wort Scharlach von den Lipm d?s Ar,tes vernommen. Aber sie zwang sich zur Ruhe, ztvang sich zum sicheren, planmäßigen Anoronen nee nöthigenorbeugen.den Maßregeln, damit die übrigen Kinder, soviel als möglich, von der Krankheit verschont blieben. Sie selbst hatte Scharlach noch nicht gehabt, sie war nicht kleinmüthig bange vor einer Ansteckung, aber es flog ihr blitzschnell durch den Kopf, daß sie nicht krank werden durfte. Von ihr hing 'das ganze Hauswesen, hingen die Kinder ab. Ihre eigene Erkrankung hätte den Hausstand schwer betroffen, außergewohnliche Hilfskräste beansprucht, große Kosten verursacht. Sie mußte sich also, es war dies ein Gebot der Klugheit, ihren Kindern erhalten. Sie isolirt: daher zuerst die kleine Patientin und sorgte für eine gewissenhaste Pflegerin. Sie selbst zoo mit den anderen Kindern in ein anderes Stockwerk ihres Hauses. Sie machte .sich täglich fleißig körperliche Bewegung im Freien, um den Körper zu kräftigen und seine Widerstandsfähigkeit zu stärken. Wie sehr drängte sie ihr Herz, die kleine Kranke in den Arm zu nehmen, den kleinen Mund zu küssen, aber sie bezwäng sich und versagte sich jede Liebkosung, wenn sie auf Stunden die Pflegerin ablöste. Dabei beobachtete sie .die vom Arzt gebotene Vorsicht, zog einen waschbaren Anzug über, wenn sie das Krankenzimmer betrat, desinfizirte sich die Hände beim Austritt u. s. w. Sie konnte, da sie gesund blieb, all die kleinen Wünsche, die in der Krankenstube laut wurden, auf das genaueste erfüllen, kennte die Kozt für die kleine Patientin nach Vorschrift selbst bereiten und nahm so Theil an der Pflege, dabei für dic.Anforderungt des Hausstandes stets bereit. Kam ihr Gatte Abends ermüdet heim, so erholte er sich an ihrem ruhigen wohlthuendselbstbeherrschten Wesen. Als endlich die Krankheit wich, die Pflegerin entlassen wurde und die Reconvalescenz begann, da hatte sie Kräfte genug, um die Genesende mit hingebender Sorgfält gesund zu pflegen. Und bei Frau A.? Die zärilick Mutter konnte. die Pflege nicht zu Ende führen.- sie brach bald zusammen und mußte selbst gepflegt werden, und erst dem thatkräftigen Eingreifen einer Verwandten, die zur Hilfe eilte, gelang es. langsam gut ?u machen, was in all den Wochen versäumt wurde. Ein Schlimmer. Wissen Sie. was mein Mann sagt, wenn ich ihm sein vieles Trinken vorwerfe?" Was sagt er denn?" Gar nichts ik'L Wirthshaus geht er!"

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