Indiana Tribüne, Volume 18, Number 197, Indianapolis, Marion County, 7 April 1895 — Page 6
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Die Gfllf.
r on August Nlcman. STenn ich alles Wissen hätte und IjHti allen Glauben, hätte aber der Liebe nickt, so wäre ick ein klinaenoe Erz und eine tönende Schelle, sagt der Apostel. Was hier Liebe genannt wird, ist dem Sinne nach wohl iqent Iichjbie Güte, wie denn die christliche Nächstenliebe überhaupt wesentlich in der Güte besteht, nämlich m einer We sinnung, die aus Wohlwollen. Nachficht, Bereitwilligkeit zum Helfen und zuin Verzeihen zusammengesetzt tjt Bei einigen Mensche ist dieGüte vor wiegend das Ergebniß ihrer Jntelli o,enz. Sie sind von überlegenem S3cr stände, sind auch stolz und lassen des: ba!b Beleidiaunaen nicht an sich kom men, während sie zugleich einsehen, daß sie stö durch Gute ffreunde erwerven durch Härte aber Feinde. Diese haben Mitleid mit den Schwächeren, wett es i';r Selbstgefühl befriedigt, wenn sie ihnen helfen. Aber bei. anderen Menfen wieder entspringt die Güte einem angeborenen Triebe, der Gluck verbrelien will, der nicht auf das eigene sieht, sondern fremdes Unglück bemerkt, schmerzlich empfindet und eö -sogar aufsut. um es zu lindern. Die Güte ist die köstlichste Eigenschuft des Menschen, sie ist das Versöhnende und Vereinigende der menschli(5?n Gesellschaft, ohne die Güte wär: Menschengeschlecht nur das fcKimmsie, weil fähigste Geschlecht von N.iubthieren. in beständigem Kampfe cl'er mit allen l-egriffen. . während der Gütige allen Dingen die beste Seite abzugewinnen fucht und feiner Gesellschaft ein heiteres Gesicht zeigt, freundliche Worte gibt, ungeschickte oder beleidigende Wendungen überhört, klein? Aufmerksamkeiten und Geschenke mit Dank annimmt, da er auf die Gesinnung, nicht auf den maseriellen Werth sieht, mit , Rath und That dem Bedrängten beisteht, thut der Bösartige von dem allem das Geczentbeil. Er wittert Unheil, er zeigt eine finstere oder spöttische Miene, er stachelt mit seinen Bemerkungen. er nimmt leicht übel, er macht auf die vorgefallenen Beleidigungen aufmerksam und er erschwert anderer Leid dadurch, ,daß n gleich einer Fliege immer auf die wunde Stelle kommt. Je intimer der Umgang ist, desto unangenehmer und peinlicher zeigt sich die Bösartigkeit, und leicht kann der Gütiae.wenn er nicht zugleich stark und klug ist, dann von dem Bösartigen unterjocht werden. Alle seine Sanftmuth kann des anderen Galle nicht tilgen, und da das Leben auch im besten Falle fci:l Schweres, viel Unglück mit sich lringt, scheint dir giftige Schwarzseher sehr oft im Necht zu sein und kann sich 'dann höhnisch über des anderen Opti-rci-inu-und Einfalt, wie er dessenGüte nennt, erheben und ihn selbst verzagt und bitter machen. Güte soll sich des.halb hüten, von der Bösartigkeit in fesseln ' geschlagen zu werden. Der Gütige soll sich vom Mitleid nicht zu weit hinreißen lassen, sondern seine Se'östständigkeit bewahren und die Mienen und Worte des Freundes oder G:':llschafters nicht pachten, wenn er deren üblen Einfluß fürchten muß. Ich re?e hier nicht von der 'ganz .schlimmem Bösartigkeit, die sich darin zeigt, daß Jemand geradezu darauf ou-qehi, durch Verleumdung. Betrug, Diebstahl oder Mord dem Nächsten zu schaden, sondern nur von den geringeien Graden, die sich im Gegensatz zur Güte tagtäglich im gesellschaftlichen Leben kund geben. Jen? hervorragend schlechten Handlungen sind ja selten, irie auch die Güte nur selten GelegenZheit hat, sich in Lebensrettung und großen Aufopferungen der Person und des Vermögens kundzuthun. Aber im gewöhnlichen Leben zeigt sich der Gegensatz unaufhörlich und hat darum eine groß: Bedeutung, namentlich im Umgänge derMänner und Frauen miteinander. Die Frauen sind wesentlich, wie Schiller es in seinen herrlichen Gedichien aufspricht, verehrungZwürdig, weil sie himmlische Nosen in's irdisch: Leben flechten. Die schönste unter den himmlischen Nosen aber ist die Güte. Sind Frauen bösartig, so ist der Anblick noch abscheulicher, als wenn Mänuer es sind. Dazu haben sie im häus liehen Leben weit mehr Macht zurBösartizleit als die Männer, während die Männer wieder in großen und öffentliehen Angelegenheiten die größere Macht besitzen. Die Frauen finden das Feld ihrer Thätigkeit im Hause und in der Familie, sie haben den Frieden und das Glück der Dienstboten, der Kinder und endlich des Mannes selbst in der Hand. Welch unzählige Gelegenheiten, Güte zu zeigen! Welch: Gelegenheiten aber auch, dem Zorn,, der Zanksucht, der Unzufriedenheit, dem Ausbruch des Neides freien Lauf zu lassen. Die bösartiae Frau ist unzufrieden mit ihrem Loose und beneidet ihre Freundinnen, sie sieht alle Schwächen bei ihren Kindern, ihren Angehörigen und ihrem Mann, und sie rückt sie allen. Hauptsächlich aber dem Manne, immer wieder vor. Sie macht ihn darauf aufmerksam, welch: Erfolge andere Männer haben, und sie erzählt ihm, was die Leute hinter sein. m Nücken Uebles von il',:n reden, indem jie ihn auffordert, 5as nicht auf sich sitzen zu lassen oder auch jenen beipflichtet. Sie geht sinsteren Gesichtes umher und erzürnt sich, wenn der Mann sie trösten will. Dcr Mann aber fühlt sich, wenn er guten Charakters ist. verantwortlich für das Glück seiner Frau und ganzen Famiii;. und wird traurig. wenner klagen und zanken hört, ohne daß er helfen lann. Ist er von großer Güte, so
I wendet er alles auf. um seiner Gattin 1 nr- .A rj: r. . c . r.
in KDiua ja verfassen, oas ooaj unerreichbar ist, da die Unzufriedenheit in rhrem Charakter liegt, und das macht ic . rf i7n ungiuaiia?, zumai wenn er aumälig wirklich glaubt, er sei im Unrecht, sei ein schlechte? Mensch. Deshalb ist es für den Gatten einer bösartigen Frau sehr gefährlich, gütig zu sein, wenn er nicht zugleich Scharfblick und Energie besitzt. Und es ist schwer für einen Mann, im Hause ständig energisch zu sein, weil er sich im Hause von seinen Berufsgeschästea erholen will, weil das Haus sein Ruheplatz, der Schauplatz seiner Freuden sein soll. Daher kommt es denn, daß viele sonst sehr tüchtige Männer, angesehene Beamte. ja Kriegshelden, wenn sie eine bösartige Gattin haben, daheim nur eine unbedeutende Rolle spielen und geradezu die schweigsamen Unterdrückien sind. Bösartigen Männern, auch wenn sie in ihrem Berufe wenig taugen und ihre Familie .in's Elend bringen, passirt so Etwas nicht. Sie besiegen die bösartige Frau mit den eigenen Waffen, und für die gütige Frau sind sie ein: schlimme Geißel. Verständige Leute sehen deshalb, wenn es sich um Verlobung und Heiraih handelt, weniger auf Rang und Stand. Schönheit. Geld oder einflußreiche Verwandte, a'ls auf den Charakter. Und da junge Leute wenig Ersahrung haben, ist es sehr nützlich, wenn altere mitsprechen. Der gütige Charakter ist bei Mann und Frau die sicherste Bürgschaft ehelichen Glückes. Und er ist nicht so schwer zu erkennen. Die Güte ist dem Menschen in's Gesicht geschrieben, sonderlich , in's Auge. Leider geht es aber bei den Verbindungen oft nach dem Schriftwort: Die Kinder der ftinnernift sind kluger als die Kinder des Lichts. Denn selten wählt ein bösartiger Mann eine bösartige Frau, der es weniger schaden würde, sondern in der Regel weiß er einen wahren Enael u berücken. Und ebenso gehen den bösartigsten Frauen meistens gerade die gütigsten Männer in's Netz. 2er Tpielteufel unter nglanös Frauen. Einen interessanten Beitrag zur Vwcholoaie der Engländerin liefert das Ergebniß einer Enquete, welche eine philanthropliche Gesellschaft veranstaltete, um zu ermitteln, ob die Leidenschaft für das Spiel bei den englischen Frauen Fortschritte gemacht hat oder nicht. Das Ergebniß war ein für die modernen Engländerinnen sehr unallnstiaes. Es scheint darnach, daß die Leidenschaft für das Kartenspiel unter den Töchtern Albions einen er. schreckenden Umfang! angenommen ha:.' Aber nicht blos am Spieltisch sucht nach diesem Bericht die Englän derin Aufregung und Gewinn, nein, auch in anderer Form zeigt sich die schreckliche Leidenschaft. Kann sie ihr icht durch eine direkte Betheiligung auf dem Turf und an der tock Ezchange fröhnen bei beiden ist ja eine selbstthätige Mitwirkung dem schöneren Geschlecht bisher nicht gestattet . so beweist sie doch ihr ungeheueres Inieree an den Vorgängen daselbst auf ihre eigene Weise. Es giebt .wohl kaum einen Salon in den drei Königreichen, in dem nicht den Sweepstakes" gehuldiat wird. Wenn mehrere Engländerinnen sich zusammenfinden, so geben ,sie sich mit Vorliebe diesem nationalen Zeitvertreib hin. Mai nimmt ein Nennprogramm und nachdem jede der ' Spielerinnen dieselbe Summe gesetzt, loost man die Rainen der Pferde aus. Diejenige, die, das Glück gehabt, den des Siegers zu ziehen d. h. dessen, der sich spater als der Sieger erweist , erhält den Einsatz. Wie ersichtlich, gehört weder Verstand noch eine sehr gefüllte Börse dazu, um sich an einem Sweepstake u betheiligen; aber unter den Frauen des Volkes findet dieses, wohl weil sie nicht viel Zeit zu gesellschaftlichen Zusammenkünften haben, doch wenig Anklang; sie tragen lieber ihr Geld zu den Buchmachern und verkaufen haufig alle nur entbehrlichen, ja selbst manche unentbehrlichen Gegenstände, um sich dasselbe zu verschaffen. Ebensowenig, wie ihr Ausschluß vom Turf sie hindert, aus Pferde zu wette?, laßt sich die Britin davon abhal:en, in Börsenwerthen zu spielen, wenn ihr auch das Betreten des Merkurtempels versagt ist. Um ihr die Sache recht iguem zu machen, haben sich in den vornehmen Straßen des Westens Vureaux von Maklern aufgethan, die sich hauptsächlich dem Verkehr mit dem zarten Geschlecht widmen. Dutzende von hocheleganten Equipagen mit Dienern und Kutschern in reichen Lioröen halten täglich während der Stunden von 11 i Uhr vor diesen mit dem höchsten Luxus ausgestatteten Etablis. sements. in denen die englischen Damen auf schnelle aber angenehm aufregende Weise ihr oder ihres Gatten Geld an den Mann bringen. Es sind meist verheirathete Frauen, die ihre Mußestunden hier so abgemessen ausfüllen, von der Herwqin herunter bis zur einfachen Ehehälfte eines biederen Shopkeepers. ZweiGründe. Ist's möglich, Sie wollen oie Haushälterin Jhres verstorbenen Onkels heirathen?" Was soll aus der armen, alten Person denn werden .... und überdies ist sie von meinem Onkel zur Universalerbin eingesetzt worden." I n einer Tragödie. Lieutenant: Begreife nicht, daß meine Nachbarinnen fortwährend weinen! Sollten Sie sich vielleicht unglücklich in mich verliebt habend .
Die Ittdianerschille zu Carlisle.
Die Lösung der Jndianerfrage hat den Staatsmännern unseres Landes von jeher große Schwierigkeiten berei tet. Während die Einen der Ansicht waren und noch sind, daß nur ein todter Indianer ein guter Indianer ist, behaupteten Andere, daß auch den Nothhäuten gegenüber die Feder sich starker als das Schwert erweijen würde, und sie unternahmen das schwierige Werk, dieselben für die modeine Civilisation zu gewinnen. Die Bundes-Regierung hat seit der Beendigung des Unabhängigkeitskrieges die einzelnen Jndianerstgmme als unabhängige Völker betrachtet und mit ihnen. wie mit solchen. Verträge abgeschlössen, um in den Besitz ihrer Ländereien zu gelangen. Schließlich wurden den Stämmen gesonderte Reseroationen zugewiesen und Agenten bestellt, welche die den rothhautigen Pfleglingen vertragsmäßig zustehenden Subsistenzmittel zu vertheilen und Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten hatten. Unter diesen Agenten gab esaber Leute, welche ihre Stellungen in der schamlosesten Weise mißbrauchten und sich auf Kosten der Indianer zu bereichern suchten; Unzufriedenheit sowie Llufstande waren die Folge und wiedertolt konnten die auf dem Kriegspfad? befindlichen Rothhäute nur mit einem Aufgebote bedeutender Heeresmacht zur Raison gebracht werden. Die Kämpfe mit den Comanches, Apaches, Sioux und anderen wilden Stämmen sind noch in frischer Erinnerung, und deshalb erübrigt es sich wohl, auf jene Kriege näher einzugehen. Welche Verluste sie für die Weißen gebracht, ist ebenfalls sattsam bekannt und soll hier nur an das Blutbad vom Little Via Horn im Juni 1876 erinnert werden, wo der tapfere Custer mit 250 Mann in der grausamsten Weise hingemetzelt vurde. -rr-f Bruce Patter so n, Apache. Unter den Männern, welche für die Lösung .der Jndianerfrage auf friedlichem Wege eintraten, nimmt Capt. R. H. Pratt vom 10. Bundes-Caval-lerie-Regiment einen hervorragenden P.latz ein. Seinen Bemühungen ist es 5u danken, daß die Bundes-Regierung km Jahre 1879 ihre Zustimmung zur Errichtung einer Jndianerschule gab und zu diesem Zwecke das seit Jahren unbenutzte Casernemen! zu Carlisle, Pa., zur Verfügung stellte. Capt. Pratt unternahm unmittelbar darauf eine Tour nach Dakota und dem SüdWesten, wo er 136 Jndianerkinder für seine Schule gewann; später wurden ihm noch 11 andere überwiesen und mit diesen eröffnete er am 1. Rooemver desselben Jahres das Institut. Seitdem sind über 2400 Rothhäut? beider Geschlechter der Segnungen der Schule theilhaftig geworden und nach eem letzten Jahresberichte stellte sich die Zahl der Zöglinge auf 696. 413 Kniben und 283 Mädchen, und iiiiitz ihnen sind alle Stämme von Alaska bis zum Rio Grande repräfentirt. Die Bundes-Regierung verwende: auf die Schule jährlich Z1.S00.000. Rosa White'T hunder. Sioux. Die erste Aufgabe des Instituts besteh! darin, die jungen Rothl)2u:e in der englischen Sprache zu unierweisen und ihnen, neben den gewöhnlichen Schuldisciplinen, wie Lesen.Schreiben, Rechnen u. s. w.. Unterricht im Land bau und in der Anfertigung der alltäglichen Gebrauchsgegenstände zu crtheilen. In dem Unterrichtsplan ist wohlweislich auf die Thatsache Bedacht genommen, daß die Zöglinge bis zum Eintritt in die Schule an ein Leö:n in der freien Natur gewöhnt waren, und die Stunden sind zwischen dem eiqenrlichen Unterricht in der Schule, bezw. der Werkstatt, und der Arbeit im Freien getheilt. So lernen die Knaüen das Anfertigen von Schuhen und ftlei dern. die Herstellung von Schmudeund Klemvnerarbeitcn. das Baum von Häusern u. s. w.. während die Mädchen im Nähen, Waschen, Büg-b?, Kochen und allen anderen Hausarbeiten unterwiesen werden. Die Zöglinge fertigen, neben der Bestellung einer 300 Acres großen Farm, alle Kleidungsstücke an. die von ihnen gebraucht werden; außerdem liefern die Werkstätten Wagen,Blechwaaren undZaum zeug für bk Bundesregierung. Neben den Elementardisciplinen wird auch Musik gelehrt. Ein interessantes Departement der Schule ist die Druckerei, in welcher Lwei Zeitungen, Tli Red
Man" und Tlie Indian ITelper' hergestellt werden.
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D e n n i so n W h e e l o ck, Oneida. Die Disciplin ist halb militärisch und wird die Aufsicht von Officieren sowie Unterofficieren ausgeübt, welche aus den besten und zuverlässigsten Zöglingen gewählt sind. Während der Ferien werden die genügend vordere!teten Knaben und Mädchen beurlaubt, um in den Häusern und auf den Farmen von Weißen thätig zu sein. So erlangen sie Gelegenheit, durch .den Umganz mit den Letzteren, nicht .'nur ihre Kenntnisse zu erweitern, sondern sich auch durch eigene Anschauung von den Segnungen der Civilisation zu überzeugen. Daß nur ehrenwerthen Familien Zöglinge überlassen werden, versteht sich wohl von selbst. . Für die körperliche Entwickelung des jungen Volkes wird in einer gut eingerichteten Turnanstalt gesorgt, auch wird Gesang und Musik gepflegt. Ihre Vorliebe für diese Künste ist bemerkenswerth und die Schule verfügt über ein 30 Köpfe starkes Orchester, das unter der Leijung eines jungen Oneida-Jndianers Namens Dennison Wheelock steht und Gruppe der Schriftsetzer. welches auf Concerttouren in Washington, Baltimore, Philadelphia, New ?)ork, Brooklyn, Wilmington und anderen Städten des Ostens anerkennenswerthe Proben seines Könnens abgelegt bat. Daß die Schule im Großen und Ganzen einen segensreichen Einfluß -aus die Förderung der Cultur unter den Rothhäuten ausübt, kann nicht bezweifelt werden, wenngleich nicht in Abrede zu stellen ist, daß manche Zöalinge nach ihrer Rückkehr zu ihren Stämmen in die frühere Wildheit zurückoerfallen. Allein daran tragen die bösen Umgebungen und Beispiele die Schuld, aber nicht das Institut; gibt es doch keine einzige Schule für Weiße, aus welcher nicht schwarze Schafe hervorgegangen sind. Bescheidener Wunsch. Vagabund (bei strenger Kalte): Wenn s' nur einmal einen Automaten machen thäten, aus dem, wenn man einen Knopf hineinwirft, ein ganzer Anzug herauskommt!" Falsch verstanden. Lieutenant Graf v. X. (An hwzn. neuen Birschen): Aeh FriedrÄ. was ich noch sagen wollte. Du scast, Jf Ht tfl w, wie icq oemerli yaoe, ms jrrr Lieutenant" zu mir; -nenne mich Leber yerr Graf!" Verstanden?" Bursche: Zu Befehl. Leb Herr rnf'" Graf!' Nurdarum. ychiwLlehren: Welche FrauenaesZalt aus der griechischen Mythe gefäM Jh?en am ttezr Höhere Todter: .Die Petixe" 5nWutslekrerin: Gut wiegen?" Höhere Tochter: Sie litte yunoert Freier!" Theaterastronomie. 5 in sehr kahlköpfiger Herr im Theater, sesscn, PubNkum zumeist aus Kahlk'öpen besteht, zu seinem Nachbar: .Die B,.setzuna des Stückes ist sehr töl'.ckt! Man fußt, aar kein: künttkriscbe Größe, keinen sogenannten Sta" mehr hier im Theater'." Nachbar sich umblickend): .'Aber sehr viel Mondschein.
Zm Uurllclpratcr. Das Barometer des unverwüstlichen Wiener Humors bildet das Leben und Treiben im Wurstelprater. Welch ein Gewoge! Welche Fülle von originellen Typen, gemüthlichen Familienbildern und fidelen Gruppen. Wie viele Tausende ziehen da hinaus, denen der Zeiten Noth schwere Tage des Kummers und der Sorge gebracht. Aber wenn sie unter die rauschenden Wipfel des grünen Domes gelangt sind, fällt der bedrückende Panzer der Alltagssorge von ihnen ab und ihr Anspruch an Daseinsfreude und LebenZlust ringt sich empor an's Licht. Vergessen ist das Gestern, und Niemand denkt an das Morgen in den wenigen frohen Stunden. Der Himmel blaut, das Grün der Bäumen erquickt Aug' und Herz, auf allen Gesichtern der dichtgedrängten Menge spiegelt sich Frohsinn und Bebagen. Wer könnte die Momentbilder alle erfassen und abschildern. die aus dem munter treibenden Strom der Praterbesucher austauchen und wieder verschwinden, gerade so, wie die tausendfachen Töne, zusammengesetzt aus den Klängen der Musikcapellen, der Drehorgeln. derRingelspiele, den lauten Anpreisungen der Ausrufer und dem Jauchzen und Durcheinanderschreien der Angeheiterten und Kinder. Diese WurstelpraterSymphonie ist eine derbe Kost für gebildete Ohren, den Tausenden aber gibt ihr wüste: Lärm den Brummbaß für ihre eigenen lauten und fröhlichen Aeußerungen ab. Das anheimelndste Bild aus diesem Volksstrom ist der Familienvater, der mit Weib und Kind in den Wurstelprater zieht, und der den Kindern den Genuß all der Herrlichkeiten ' verschafft, nach denen vor langen Jahren auch seine eigene Kinderseele gelechzt. Ein gemischtes Gefühl von väterlicher Geduld und behaglichem Mitgenießen' veranlaßt ihn, bei jeder Bude stehen zu bleiben. Zu-
D e r W u r st e l. erst kommt der Wurstel dran, dieser gutmüthige naiotäppische Ahnherr aller darstellenoen Künstler. Und die Kinderseele sieht in ihm die Offenbarung ihres eigenen harmlos fröhlichen Gemüthes und schwelgt voll Entzücken. Merkwürdiger Weise ergötzen sich auch noch andere naiv-einfache Seelen an den tollen Streichen des putzigen Kerls. Die Kinder sitzen auf den rohgezimmerten Holzbänken in bunter Reihe neben einander. Neben dem ärmlichen Knaben des Handwerkers sitzt an der Seite ihrer Bonne das reizende. goldlockige Baby der vornehmen Dame, die gelangweilt in ihrer Equi Page auf die Rückkunft ihres Lieblings warter. Aber als Publikum sind sie alle einander. gleich. Sie bringen alle das gleiche Verständniß, dieselbe wohlwollende, entgegenkommende Stimmung mit. Ihre Augen leuchten, um ihre Mundwinkel zuckt ein willfähriges Lächeln, das jeden Augenblick bereit ist; in laute Lachkrämpfe aufzubrechen. Und wenn der Wurstel seinen Servus" macht, so klatschen sie in die kleinen Hände und verlangen noch mehr. Es ist das dankbarste Publikum der Welt. Dem Wurstel ist noch nie ein Stück durchgefallen. Und hinter den Kindern stehen die Alten, Handwerker, Dienstboten, Soldaten und ihr Antlitz zeigt dasselbe naiv-herzliche Kinderlachen wie Las der Kleinen. , Und weiter geht es zu den Ringe!spielen, ohne welche der Prater für die Kinder kein Prater wäre. . Nur hercinspaziert," schreit der Ausrufer, gleich ist die Abfahrt nach Paris, London, Petersburg mit Locomotiv, Kameel, Pferd. Löwen. Elephanten oder Giraffe. Fünf Kreuzer, die Person!" Der Vater ist bereits in der Stimmung, Alles mitzumschen. Er stößt seine Gattin mit dem Ellenbogen an und sagt: Na. was is'. Alte. machen wir den G'spaft mit?" Geh' was Dir net e?nfallt, wir werd'n den Leut'n an Nairn vormachen." sagt die Frau. Aber die Kinder umspringe schon schreiend und jubelnd ihre Eltern und rufen: Ja, ja, das is cscheidt! Der Vcrter soll auf'n Girafferl reiten. Der Zimmerherr und die älteste Tochter haben sich bereits eingesetzt und nach einigem Widerstreben folgt auch dir Mutter. Der Vater muß sich aber ,zu ihr in den: Wagen setzen. Dafür darf der Gust! auf dem Girafferl" reiten. Einsteig'n. einsteigen!" ruft de? Jmpres:rio und das Werke! öeginnt: Wam der Auerhahn balzt, duliäh. duliä'jr Ein Kichern und Lachen, die Zuschauer rufen ihre.? Bekannten lustige Bemerkungen zu. de? Franz! sitzt auf seinem Schimmel ernst und wurdevoll, wie der Vater Raoetzky. und Fraulein Kathk ruft anqstbeklommen: Anhalten! Aus steig'!?: was den ZimmerHerrn in unbändig: Heiterkeit versetzr. Doch kaum fühlt die Katöi wieder festen Boden unter ihrenFüßen, schlägt sie schon selder vor. die Haspel zu ' besteigen, und die ganze Familie läßt sich haspeln. Dann werden noch einige Wunder des Neunzehnten Jahrhunderts besichtigt: die Riesendame und die Kuh mit den fünf Füßen, der
Taucher, der in ein Gefäß mit einer Flüssigkeit steigt, die wie Feigenkaffee aussieht, di: Sonnambule, die die
Prater-Symphonie. merkwürdigsten Prophezeiungen macht, der Menschenfresser, der unter schrecklichem Gebrüll ein Hendl rupft, ein Kunststück, das die Wirthshaus-Köchin jeden Täz in aller Stille vollbringt, und viele andere höchst merkwürdige Dinge. Zuletzt kommt noch das Wasser-Carroufsel dran mit Fomtaine lumineuse, wo die Schiffe sich auf wirklichem Wasser schaukeln und wo man wirklich seekrank werden kann. Man hätte noch viele andere Merkwürdigkeiten aufgesucht, wenn nicht bei der letzten Fahrt nach Amerika ein Mann über Bord" gefallen wäre, der kleine Gustel nämlich, der sich gar zu ungeberdig benommen hatte. Als er im Wasser zappelte, sah er, von der Fontaine lurniueuse beleuchtet, wie ein Feuersalamander aus. Dieser Zwischenfall veranlaßte den Familienvater, die letzte Station beim Hirschen" aufzusuchen. Gustl wird in die Küche geschickt, wo man ihm die Kleider trocknet und der Vater hat sich mit seiner Familie bei einigen Bekannten niedergelassen. Das Bier hat eine angenehme Kellerfrische; vom dritten Kaffeehause klingt sanfte Musik herüber. Man spricht von Politik, von den schlechten Zeitverhältnissen und schimpft über den Gemeinderath. Das macht Durst und die Zeit vergeht dabei wie Nichts. , Bis zum späten Abend sitzt die Menge in den Prater-Wirthschaften beisammen. Nach einem heißen Tage gibt es nichts Erquickenderes, als die Abendstunden in den kühlen Praterauen. Da singt es und klingt es aus den großen und kleinett Wirthschaften. Hier spielen Bratlgeiger zum Tanze auf und in dem engen Locale stehen sie dicht beisammen, die Marianka und der Jstvan, der Schorschl und die Poldi, der Aufhackknecht und die Wäscherin. Sie können sich kaum durch die Menge winden und doch nennen sie diese mühsame Arbeit Tanz, und doch glühen ihre Wangen, blitzen ihre Augen. Sie sind glücklich! Haben sie sich doch die ganze Woche nach diesem auserlesenen Genuß" gesehnt. Hier spielt eine Damen-Capelle flotte Weisen, dort hört man die melancholischen Klänge einer Zigeunermusik; dazwischen die Rufe des Salamucci" und desBrodSchani". c5HJV X 7 I a, so zwa..." Doch nicht überall im Prater sind die Menschen so dicht gedrängt. Viele ziehen es vor, in den weitgedehnten einsamen Auen unter den uralten Bäumen zu lustwandeln oder auf moosigem Boden sich hinzustrecken zu einem traulichen Picknick, während die Kinder zwischen den dickstämiTiigen Säulenhallen des Waldes Indianerkämpfe ausführen und Abenteuer aufsuchen, als wären sie im wilden Westen. Selbst im Winter, wenn die Bäume ihr kahles Geäste wie ein feines Adernetz am blauen Himmel projiciren, und dü? heilige Stille nur von dem Gekrächze der Raben gestört wird, entwickelt der Prater noch mannigfache Reiz?.. Und so bleibt unser Pratrr, soviel besungen und viel gerühmt er schon geworden, doch ewig unerschöpflch in . ) rf i. inner oieigeMmgen mzen2rr. Erblich. So wie die Rose mählÄh Aus zartem Roth erglüht. Ist mein? Nase schmählich Vom Weme aufgeblüht. Sie naht in kühnem Werbe Der Purpurfarbe sich.... Mein Sohn der wird sie erben. Denn der sauft ssrsd' wie ich. Aus dem Leben. O schmerzvoll hoffTurngsloses Sehrrn, )as lautlos nur er stillen Thran Sich aus dem Mmscbenberzen woat! Beklag' nicht den. der noch kann klagen; Wenn Einer sagt: ich will entsagen. Hat er noch larg: nicht entsank. Ein poeiischerBuchhalter. Prinzipal: Diese Bummelei kann unmöglich so weiter gehen! Unser Ladenmädchen war gestern schon wieder zum Ball! Buchhalter: Ja. es ist das reine Balladen-mädchen!
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?ie verfehlte Thüre. Der Hieselbauer, der ein paar Stunden Weges von üer Hauptstadt wohnte, hatte am Samstag ein Kalb hereingetrieben und gut verkauft; er wollte sich daher am Abend, ehe er den Heimweg antrat, noch eine frische Maß Vier gönnen. Leider irrte er sich aber im Wirthshaus in der Thüre und kam statt in die allgemeine Gaststube in das Separatlokal einer StudentenVerbindung.
- Jatzt woaß i net," stammelte der biedere Landmann, als er das fremde, lärmende Treiben fah, bin i' da recht ode? net?" Bist schon recht!" rief ihm der fidele Corpsdiener zu, der sich durch einen raschen Blick mit den sofort auf Ulk bedachten Studenten verständigt hatte. Setz' Dich nur her 5U mir in's Eck!... Weißt", flüsterte er dem Bäuerlein zu und füllte ihm einen Maßkrug, sei nur ganz stad sonst bist D' verloren, denn das da sind lauter Geheimbündler und Verschwörer! Wer hereinkommt, ist ihr Gefangener; mich haben s' schon zwanzig Jahr'! Wenn ich Dir rathen darf, mach' Alles mit, was Du hörst und siehst sonst ist's gefehlt!" Dem Hieselbauer stieg das Blut in den Kopf. Er dachte an das schöne Geld für das Kalb und das sollte jetzt Alles verloren sein?! Nein, lieber dulden und aushalten! Mit Schweißperlen auf der Stirn fang er aus Leibeskräften den Landesoater" mit, trank einen Krug um den andern leer, qualmte wie ein Schornstein aus der erhaltenen Pfeife, kam nach" und rieb den Salamander mit Todesverachtung ja, als man schließlich einen Gänsemarsch hielt, stiea und kroch auch er tapfer mit. Wie er dann aber unter dem letzten Tisch hervorkrabbelte, da war ihm die Geschichte denn doch zu bunt geworden. Mit einem raschen Sprung hatte er Hut und Stock erreicht und eilte zur Thüre hinaus aber die ganze Studentenschaar jauchzend und schreiend hinterher, so daß er bald eingeholt und umzingelt war. Strafe! Kriegsgericht!" jubelte es. An die Laterne!und zwanzig kräftige Arme hoben ihn am nächsten Laternenpfahl empor. I' bitt'. Euer Gnaden", ächzte der Geängstigte, laßt's mi' am Leb'n!" Gut", rief eine mächtige Baßstimme, sein Lebenslicht sei ihm geschenkt, wenn er das der Laterne aus blasen kann!" Ein neuer Jubelsturm dann schob man das Bäuerlein ganz hinauf und es begann aus Leibestraften zu blasen. Plötzlich aber ging unten ein Flüstern herum und im nächsten Augenblick war die ganze Schaar lautlos verschwunden. Willst Du wohl herunter da. Du Sapramentsbursche!" brüllte es und der entsetzte Hieselbauer sah einen Gendarm vor sich. Aber ich muß ja die Lasern' ausblasen sonst hän gen mich auf!" stammelte er. DaZ ist doch eine bodenlose Frechheit! schimpfte der Gendarm und zerrte den Zappelnden herunter. Marsch mit zur Polizei!" Da half kein Bitten und Erzählen der Mann des Ge sctzes blieb unerbittlich. Solch ein kauderwelsches Zeug", brummte er voll sittlicher Entrüstung, muß der einenRausch haben! Ich sag's ja, die Welt wird immer verderbter: . Icht löschen die Bauern auch schon d$e Latern aus!" Ein Sammler. Feldwebel (beim Exerciren zu einem Rekruten): Huber, ich glaube immer, Sie machen, absichtlich falsche Gewehrgriffe, um mich zu reizen, und freuen sich noch, wenn ich Sie ordentlich verdoLnere!" Rekrut: Gewiß, Her? Feldwebel! Ich sammle Kasernenblüthen!" Aurückaeaeben. Mutierl ! Mein Serr. 3br Antraa ebrt . miü. ' aber ich muß Ihnen bemerken, daß ich in der Wahl eines Schwiegersohnes . etw2s wählerisch bin. Freier: Wir passen zusammen! Auch ich bin in der ' Wahl meiner Schwiegermama fa gar lehr wählerisHl
