Indiana Tribüne, Volume 18, Number 197, Indianapolis, Marion County, 7 April 1895 — Page 3
!ie tolle Komteß.
2venun von rnß von Wgszozsn. (3. Fortsetzung.) Ich mache ja auch nur Spaß. Du 'weißt, ich denke gar nicht an's Heirathen! Die Männer sollen alle sehr schlimm sein. Wenn ich nur wüßte, ob das wirklich wahr ist. Ich werde einmal Fräulein Bandemer fragen." Während die beiden Schwestern so lustig fortplauderten, erschien am Ufer der Diener und meldete, daß der Herr Pastor Mensel mit seinen Damen zum Kaffee gekommen sei. Die beiden Komtessen fanden die Kaffeegesellschaft in der Glasveranda versammelt, welche an die linke Seitenwand deZ Schlosses angebaut war, als ein Anhängsel des sogenannten Huber-tussaale-, und in der rauhen Jahreszeit zum Wintergarten umgestaltet wurde. Die Frau Gräfin, durch ihren kurzen Schlummer sichtlich erquickt und mit gutsitzendem Gebiß, präsidirte auf frein Nohrsofa der kleinen Tafelrunde. Ihr zur Rechten saß der Pastor loci, einer von der wohlfrisirten dunklen Art, mit kurz gehaltenem Backenbart und glatt ausrasirterMittelparie. Ihr zur Linken saß Herr Inspektor Reusche mit ungemein sorgfältig gebürstetem Anzug, sehr hart gewichsten Bartspitzen, feuchten, unruhigen Augen und stark geröthetem Antlitz. Der gute Herr Inspektor hatte auch eine höchst gewaltsame Anstrengung hinter sich; denn er batte den Pastor mit seinen beiden Mäöchen von der Pfarre nach dem Schloß begleitet und unterwegs dem Fräulei Veate seine auf den solidesten Absichten beruhende glühende Liebe zu erklären versucht. Fräulein Beate oder vielmehr Ve-oäte war noch von der ausgestandenen Freudenangst kaum minder roth, als ihr schüchterner Ludolf denn der Herr Inspektor Reusche führte diesen sanften Vornamen. Leider war er mit seiner Erklärung nicht ganz fertig geworden, da er erst beim Parkgitter angefangen hatte! Aber was vorher sein Mund verschwiegen. das schienen nun seine Stiefeln lunter dem Tifche zum Ausdruck bringen zu sollen, indem sie mit verliebter Andacht auf Beatens Zehn ruhten, welchen es hierdurch in den überengen Sonntags stiefelchen durchaus nicht etwa gemüthlicher wurde. Pastors Aelteste war recht schlank, schmalschulterig und dünnarmig. Die Wespenhaftigkeit ihrer Taille fiel trotz der allgemeinen Schlankheit dennoch auf, weil das Fräulein doch nicht ganz Äer Büste entbehrte. Der Kopf mit seinein losen blonden Haar war hübsch, die Formen des Gesichtes angenehm und die Haut zart es störten nur etwas die leicht verklebten Augen und das allzuweichliche Kirschenmündchen. Ueörigens sah Be-oätens Schwester, Fräulein Agnes (sprich Achneßy Meusel, ihrer Schwester so ähnlich, daß man sie für dnen um einige Jahre jüngeren Zwilling hätte halten können! Der einzige' Unterschied war der, daß Fräulein Achneß" an einer beständigen leichten Reiche des linken Rasenflügels litt und daß die Umrie ihrer Gestalt noch etwas schüchterner waren. Fräulein Achn?ß" fand im stillen, daß Herr Brinkmann ein sehr liebenswürdiger junger Mann sei, doch war sie noch nicht so fest entschlossen, -ihm ihre Hand zu reichen, wie es zur Zeit ihre Sckwester in Bezug auf den sanften Ludolf war. Als die beiden Komtessen eintraten, erhob sich, natürlich mit Ausnahme der Gräfin, die ganze kleine Gejellschaft zur Begrüßung, welche von seiten der ersteren durch' ' kräftige Händedrücke ausgeführt wurde, wobei es Vicki einen ganz besondren Spaß machte, den Pastorsmädchen ihre scheuen Pfötchen mit überraschender Plötzlichkeit vom Körper abzureißen. Auf Wunsch der Mama. 'welche nicht wollte, daß man ihren Töchtern einen gewöhnlichen Adelsstolz nachsage, mußte sich Vicki noch immer mit den Pastorstöchtern duzen, obgleich ihr die beiden, seit sie in langen Kleidern steckten, so langweilig geworden waren, daß sie kaum mehr' anders mit ihnen zusammenkam, als bei den üblichen vierzehntäglichen Sonntagsbesuchen. Vicki war es ganz unverständlich, wie die Konfirmation aus den früher doch rccht munteren Pastorsmädchen solch? Trauerhllhnchen" zu machen imstande gewesen war. Vom Vater hatten sie die Duckmäuserigkeit nicht, denn der war ein recht wohlwollender, harmloser Fröhlichkeit nicht abgeneigte: Herr, welcher sogar beim traulichen Glase Wein mit dem Grafen allein sich nicht ganz unbewanbert zeigte im klassischen Repertorium altehrwürdiger Schwänklein und Meidingereien. Auch heute wieder gaben sich die beiden jungen Damen des Hauses revlich Mühe, ihre Besucherinnen in's Gespräch zu ziehen, ohne jedoch etwas andres aus ihnen hervorzulocken als das ewige ach ja" ach nein." Und so wäre au6 dieser Pastorssonntag" wieder stnau nach dt.m Mustec aller früheren verlaufen, wenn nicht der Eintritt des Fräulein Bandemer. welches mit der Kuchenschüssel dem das Kaffeegeschirr tragenden Bedienten voraufschritt, eine unvermuthete Bewegung in die Gesellschaft gebracht hätte. Gs war augenscheinlich, daß die reizende Erscheinung der jungen Hausdzme sowohl auf den Pastor wie auf seine Töchter einen ganz eignen Eindruck machte, besonders aber auf Ludolf Reusche, welcher das Fräulein bei dieser Gelegenheit zum erstenmal erblickte und dermaßen von ihrer Anmutb betroffen schien, daß er sogar vergaß, seiner Beate weiter auf den Fuß zu treten. Es mochte sich wohl durch 'das plötzliche Aufhören jenes Zehendruckes und das dadurch bedingte Zuströmen des Bluies nach dieser Ertremität physikalisch erklären, daß
Frliulein Beate nunmehr ebenso blaß wurde, wie sie vorher roth gewesen war. Fräulein Agnes schaute kaum minder betroffen drein als ihre Schwester. Vor Erstaunen über den Liebreiz des Fräuleins Sophie vergaß sie sogar ihr wattenweiches Mllndchen zu schließen. Das Niesenmaß und die stolze Ueppigkeit der Komtessen Pfungk hatte sie stets als nothwendige Attribute ihrer Gräflichkeit, und auch die ländlich gefunden Reize der andern Gutsbesitzersund Pfarrerstöchter aus der Nachbarschaft neidlos anerkannt; diese junge Dame aber trat wie ein Fremdling aus einer unbekannten Welt in ihren Gesichtskreis, sie erschien ihr als ein höheres, anbetungswerthes Wesen. Agnes Meusel stand noch mitten in dem Alter, in welchem den jungen Mädchen die Schwärmerei ein Bedürfniß ist; wo sie sich noch ganz selbstlos an der Bewunderung fremder Vorzüge entzündet und entweder einen alten Herrn oder eine bevorzugte Person des eigenen Geschlechtes zu ihrem Fetisch erkiest. Beate dagegen hatte auf den erst?n Blick in der Fremden ein: möglich:rweise gefährliche Nebenbuhlerin erkannt und war s-ch sofort bewußt, daß sie sie hasse. Fräulein Bandemer bereitete den Kasfce mit vieler Anmuth und nahm dann zwischen den Pastorsmädchen Platz. Als die Gräfin erzählte, daß Fräulein Bandemer erst kürzlich aus den Vereinigten Staaten zurückgekehrt .sei, wurde auch des Pastors Antheilnähme lebendig und er hatte so viel über amerikanische Zustände, besonders das Sektenwesen, zu fragen, daß das Fräulein bald den Mittelpunkt' d:r Unterhaltung bldete. Der Graf hatte für sich und seinen Oberverwalter den Kaffee auf sein Zimmer bestellt und sich entschuldigen lassem Als die Rede darauf kam, daß Fräulein Sophie nach ihrer Rückkehr zuerst in Hamburg in Stellung gewesen sei, wandte sich Pastor Meusel mit der Frage an die Gräfin, wann denn der junge Maler aus Hamburg'eintrefsen weroe. der dazu ausersehen war, ihr Vilvniß für den Ahnensaa! zu malen. Wir erwarten ihn noch im Laufe dieser Woche," erwiderte die Gräfin. Denken Sie sich, Herr Pastor, unsere Vicki hat ihm schon einen Spottnamen angehängt: er unterschreibt sich nämlich immer Hans W. Fink, und daraus macht das lose Ding Hans-Wurst-gin!." Ein ganz bescheidenes kleines Gelächter lohnte diese Erfindung Vickis, von welchem sich nur Fräulein Bandemer ausschloß, weil sie gerade in diesem Augenblick einen leichten Hustenanfall bekam. Er ging rasch genug vorüber, aber das Husten klang hart und
trocken und um Die Backenknochen bildeten sich wieder jene thalergroßen rothen Flecke. Neymen Sie sich nur recht vor Zug in acht, Fräulein," mahnte die Gräfin. Heute Abend werden Sie mir aanz artig eine Tasse Brustthee trinken das löst wundervoll!" tfiau Gräsin sind sehr gütig," versetzte das Fräulein, ich denke, die herrliche Landluft wird mich hier bald luriren! Als am Abend die guten Pastorsmädchen sich zur Ruhe legten, hatte sich durch die Schwärmerei der jüngeren für und die Empörung der älteren gegen Fräulein Sophie Bandemer der bo)t Geist der Zwietracht bereits derartig in diesem jungfräulichen Schlafgemache eingenistet, daß die beiden Schwestern statt mit einem herzlichen Gutenachtkuß ' mit verweinten Augen und grollend gerunzelten Stirnen in. ihre Betten stiegen. Du bist überhaupt noch ein qanz dummes Uez!" rief Beate mit innigem Zorn. Und Du ewe alte, gräßliche Person!" gab Agnes schlagfertig zurück. Und dann versanken die beiden erhitzten Mädchenköpfe in den gewaltigen Federbergen der Kissen. Eine halbe Stunde später betrat auch Komteß Marie das Schlafgemach, das sie mit Vicki gemeinsam mne hatte. Sie glaubte die Schwester schon schlasend zu finden, da sie noch eine ganze Stunde, nachdem Vicki hinaufgegangen, mit einem Buche aufgesessen war. Zu ihrem Erstaunen aber schallte ihr ein lautes Gelächter entgegen, als sie daS Zimmer betrat. Die Lampe brannte noch. Vicki lag im Bett und das Friiulein Sophie saß bei ihr und hatte den Kopf neben der jungen Komteß in's Kizien gedrückt. Ach Marie," rief Vicki der Schwester entgegen, Fräulein Sophie hat mir zu komische Geschichten erzählt ich habe mich immer noch nicht ausgelacht." Das Fräulein gab dem jungen Mädchen noch einen raschen Kufe auf die Wange und erhob sich dann eilig, um zu gehen. Also wir sind gute Freunde." rief sie ihr noch lachend zu, und dann verbeugte sie sich leicht vor der älteren Komteß und sagte: Ich will nicht länger stören oder darf ich Ihnen vielleicht meine Dienste anbieten. Komteß?" Ach, Marie," rief Vicki, sich im Bett' halb aufrichtend; sie hat mir das Haar gebürstet und dann so mit allen zehn Fingern den Schädel geknetet es war prachtvoll! Das mußt Du Dir auch machen lassen!" Aber geh doch, Vicki," versetzte die ältere mit leichtem Vorwurf, wie werde ich dem Fräulein so etwas zumuthen! Ja, ja, Fräulein Bandemer. verwöhnen Sie uns unsre Kleine nicht, sie schlief sonst immer so artig ein. Seien Sie ja nicht zu gut zu ihr; fängt man erst so mit ihr an, dann ist mit Vickichen nicht mehr auszukom men' Sie reichte Sophie gütig die Hand, und diese betrachtete sich als entlassen und zog sich zurück.
Werabe wie die kleine Agnc? rn der Psarre. so gab auch Komteß Vicki ihre: Begeisterung über die neue Hausgenossin in den köstlichsten Superlatioen Ausdruck und war recht ungehalten darüber, daß die große ihr nur so lau beipflichtete; endlich aber ergriff Marie das liebe junqe Ding bei den Schultern, küßte es tüchtig ab und drückte es in die Kissen nieder. Nur fchläfst Du mir aber. Kind!" Und Vicki bewährte sich als gutes Kind und schlief. Komteß Marie war heute ungewohnlich langsam beim Auskleiden. Sie hatte einen Frisirmantel lose um die entblößten Schultern und Arme gehängt und kämmte sich das reiche, dunkelblonde Haar wohl eine Viertelstunde lang. Die einzige Kerze auf dem Spiegeltifch erhellte nur matt das ziemlich groe Zimmer, so daß man die blaßblauen elektrischen Fünkchen knisternd über die Zinken des Kammes hätte springen sehen können. Im unteren Stockwerke hörte man noch einige Thüren dumpf zuschlagen. Schritte verhallten in dem entfernten Korridor, die Hinterthür nach dem Hof wurde geöffnet und auf einen Pfiff des Dieners kamen mit einem leichten Gebell die beiden großen Hunde heröeigesprungen, um ihre Schlafstelle unter ter Treppe einzunehmen. Dann wurde unten der Riegel vorgeschoben und gleich darauf ward es totenstill im Hause bis auf die tiefen Athemzüge des großen Kindes dort im Bett und auf das leichte rasche Ticken einer Standuhr. Die tolle Komteß ließ den Kamm sinken, stützte ihren rechten Ellenbogen auf' den Tifch und dachte nach. Sie hatte wohl bemerkt, welchen überrafchenden Eindruck das liebliche Gesicht und die zierliche Weise der neuenHausgenossin auf alle Bewohner desSchlosses und zumal auf die Männer hervorgebracht hatte. Ihre Gedanken wurden durch diese Beobachtung auf einen Weg geführt, den sie wohl noch nie betreten haben mochten. In dem ganzen, allerdings nicht großen Kreise ihrer Bekannten befand sich nicht ein einziges weibliches Wesen, welches so sehr alle die Eigenschaften in sich vereinigt hatte, durch die der Männerwelt der Kopf verdreht wird, wie dieses Fräulein Sophie. In ihren Kreisen wurde gesäet und geerntet, geheirathü und getaust, anständig erlebt und nobel begraben. Und sie selbst hatte diesen Kreislauf der Dinge bisher wohlzufriedm als goldene Regel hingenommen. Ihre Schwester Viktoria war trotz ihrer sechzehn Jahre immer verliebt, und das fand di: tolle Komteß ganz natürlich und überaus spaßhaft. Sie selbst hatte nie auch nur eine Anwandlung von sol
cher Schwache aehabt und glaubte annehmen zu müssen, daß sie eben nicht danach organisirt sei. Sie meinte wie ein Mann zu fühlen und zu denken. und betrachtete ihre Weiblichkeit gewissermaßen als ein Versehen des Schöpfers, ohne ihm jedoch allzusehr deswegen zu grollen; denn der Umstand, daß sie Weiberröcke tragen mußte. schützte sie doch vor mancherlei Untugenden, welche ihr oft die Manner unangenehm oder lächerlich erscheinen ließen. Sie brauchte ihren Mund nicht zum Schornstein zu machen, sich me zu bernnken, nicht zu fluchen wie ein Stallknecht und war sicher, niemals wegen eines dummen Mädels in Ungelegenheiten zu kommen! m Genusse so vieler eigenthümlicher Vorzüge war sie bis aus den heutigen Tag glücklich ohne Ueberschwang, zufrieden ohne Einfalt gewesen. Bis zum heutigen Tage! Ja wie sie da so saß und sa-nn, überfiel sie zum erstenmal in ihrem Leben jene Bangigkeit. welche garstigen und doch liebebedürftigen. Frauen so grausam die Jugendjahre zu verbittern pflegt. Und dies Gefühl war über sie gekommen durch die Beobachtung des machtigen Zaubers, welchen Sophie Bandemer ausübte auf alle Männer des Hauses, von ihrem alten Papa angefangen herunter bis zu dem windigen Brinkmann, ja bis zu Friedrich dem Bedienten; denn auch diesen hatte sie dabei ertappt, wie er heimlich das Fräulein mit gronen verliebten Augen anstarrte. Das alles hätte sie aber sehr kalt gelassen, wäre nicht Herr von Norwigs Benehmen dieser Dame gegenüber so auffallen) gewesen. Nicht nur bei der ersten Begegnung im Walde, fondern auch wahrend des Mittagsessens, wo er. der Gesprächige, kaum drei Worte zur Unterhaltung beigesteuert hatte. Der tolle, herrliche Morgenritt hatte sie diesem Manne so nahe gebracht, seine Reden hatten ihr die frohe Hoffnung erweckt, daß im Umgange mit diesem Vielerfahrenen ihr Leben an Inhalt, rhr Denken an Tiefe gewinnen wurde und nun erfaßte sie plötzlich die tf'Jicht, daß die Reize jener hübschen Person ihn gleichfalls bestricken und bewirken würden, daß er ihr auch den Antheil entzöge, den er ihrer schönen Verwegenkeit und ihrem Hunger nach geistiger Speise zu schenken so bereit schien. Komteß Marie war immer so klar über sich selbst gewesen: sie .rußte sich zu ihrem eigenen Schrecken ein geliehen, daß diese plötzliche Angst vor dem drobenden Verluste dessen, was sie noch gar nicht besessen, nur ein Beweis sei. daß sie nach dem Besitze, getrachtet vielleicht sogar als Weib darnach getrachtet habe! Ein flüchtiger Blick traf den Spiegel und ein bitteres Lächeln trug nicht dazu bei, den breiten Mund, zu verschönen. Sie sprang vom Stuhl auf und schlang hastig das üppige Haar zu ?inem leichten Knoten für die Nacht zusammen. Dabei glitten die weiten Aermel deS Frisirmantels hinauf und gaben ibre starken, prächtig modellirten Arme bis zu den schwellenden Muskeln hinaus Uno als sie Haarnadeln befest hatte, da toonb sie diese nackten. rosigen Arme Einander und reckte sie gerade vor sich auS. Ein leichterSchauer
überlief sie. sie stand mitten im Zimmer. tief athmend, und blickte auf ihre Arme hinab. Da drang durch die Stille derNacht ein Geräusch an ihr Ohr, welches sie zusammenfahren ließ wie einen Dieb auf nächtlichem Schleichwege. In dem Zimmer ihr zu Häupten war ein Stuhl gerückt worden. Nun erklangen einige feste Männertritte, dann ein Klavpern und Schurren, welches leicht dahin zu deuten war, daß da oben sich jemand die Stiefel auszog. Es war Norwigs Zimmer, welches über dem der jungen Gräfinnen lag. Sie wußte das und sie sagte sich, daß der Oberverwalter jetzt erst sein Lager aufsuche, nachdem er bisher Briefe geschrieben habe oder dergleichen. Einen Augenblick horcht: sie noch hinauf mit jener Gespanntheit, womit man in stiller Nacht jedes Geräusch zu verfolgen pflegt, und dann, als alles ruhig war. warf sie rasch ihre Kleidung vera sich und war eben im Begriff, sich niederzulegen, als ein neues Geräusch von da oben sie stutzen machte. Das batke geklungen wie ein gedämpfter Schrukensruf sie glaubte plötzlich zwei Stimmen zu hören! Aber das währte nur wenige Augenblicke, dann war wieder alles siiT und dann begann es da oben hin, und her zu wanöern mit schweren: Schritten! auf weichen Sohlen, welche aber doch die Decke so erschütterten, daß die Ampel ganz leise davon erzitterte und klirrten Konnte sie recht gehört haben? War wirklich jemand Herrn von Norwig in das Zimmer getreten? Oben im zweiten Stockwerk war auch Fräulein Bandemer untergebracht, allerdings durch mehrere unbewoh.Tte Räume von dem Oberverwalter getrennt. Sollte sie aber nein, das war ja ein unsinniger Verdacht! Komteß Marie schlüpfte hastig in ihren Morgenrock, löschte das Licht, tappte im Dunkeln nach demjenigen Fenster, welches gerade unter dem der kleinen Stube da oben lag und öffnete es vorsichtig. Aus dem oberen Fenster,' fiel ein matter Lichtschein auf die dunklen Tannenwipfel im Park. Die Komteß beugte sich weit hinaus; die übrigen Fenster da oben waren alle dunkel;: sie hätte den schwächsten Lichtschein bemerken müssend Sie lauschte mit angehaltenem Athem hinauf, vernahm aber nur das ferne Rauschen des künstlichen Wasserfalls weit hinten im Park, das Flüstern der leicht bewegten Wipsel und hin ur?o wieder den Pfiff einer Fledermaus oder das Lachen eines Käuzchens. In dem Augenblick aber, wo sie sich wieder in's Zimmer zurückwandte, meinte sie da oben die Thür gehen zu hören. Sie lehnte sich wieder zum Fenster hinaus, so weit sie vermochte und siehe da! nach wenigen Sekunden erhellte sich das erste Fenster der Reihe droben, das Fenster von Fräulein Ban? demers Schlafzimmer. Sie faß auf dem Fensterbrett, spähte und lauschw hinaus, bis in den beiden Zimmern da oben die Lichter gelöscht wurden und sie fröstelnd der kühlen Nachtluft gewahr ward. Da endlich begab sie sich zur Ruhe. Sie saß noch eine Weile aufrecht im Bett und sann nach. Und dann ballte sie imFinstern die schlanken Hände und flüstert vor sich hin: Schlange! Schlange! Wenn ich Dich fasse!" Komteß Vicki lachte !n diesem Augenblick laut auf, indem sie sich auf die andre Seit: wälzte. Sie mochte wohl von der lustigen Geschichte träumen, die ihr das reizende neue Fräulein heute Abend erzählt hatte. 5. Kapitel. handelt von ürta Prinzipien' und ßarf.f.fjsat- und nimm: ein linöt mit Lchreckkn. Mit wahrer Augustgluth zitterte am andern Morgen hellster Sonnenschein über den Wiesen, und Feldern und sluthete in breitem Strome durch, den dunklen Tannengang des Parkes, als Fräulein Sophie ihr Fenster öffnete. Sie zog die Nadeln aus ihrem, leicht
gelockten dunklen Haar und ließ mit Behagen den morgenfrischen und doch warmen Lufthauch mit den: weichen Ringeln spielen, und die blen.dende Weiße ihres Halses, ihrer zarten, runden Schultern, ihrer bloßen Arme kosen. Da sah sie den Grafen um die rechte Ecke des Schlosses in den Kiesweg einbiegen, der an ihrem Fenster vorbei und dann in den Tannengang führte. Rasch wandte sie den zierlichen Kopf zur Seite und begann mit lässiger Anmuth mit ihrem Haar zu spielen. Des alten Herrn, erster Blick aber galt ihrem Fenster und als er die holoe Fee dort oben gewahrte, trat er rasch vom Wege aus das Gras, des Morgenthaues nicht achtend, schritt unhörbar vorwärts und blieb, nachdem er sich durch, einen raschen Umblick überzeugt hatte daß er unbeobachtet sei. in möglichste? Rache des Fensters stehen. , Die kleine Hexe da oben gönn?: seinen hellen Jcrgeraugen reichlich Zeit, sich an ih?rm Anblick zu weiden, ehe sie. den Spähe? scheinbar jetzt erst gewahrend, mit. d nem ganz leisen Schreckensruf unk die Hände züchtig über den Busen deckend, afch Iv.'s Zimmer zurückwich. Eine kleine halbe Stunde spQöe? betrat Fräulein Bandcmir oerriiä das Frühstückszimmec nno küßte tet Frau Gräfin mit einer tiefen Aeebeugung die Hand. Die ungewöhnliche Warme des Tages rechtfertigte die Wahl eines leichten KattunkleideS von ör hellem, gelblichem Tone, das zwar ieh einfach gefältelt uns ausgeputzt roir, aber sich ihrem Körper mit tadelloser Eleganz schmiegte Komteß Mr.rie. welch? gleichfalls, mit denVorbmitungen zui Frühstück, beschäftigt, anwesend war. erwiderte ihren mfc ziemlich tihl, richtet aber ihren festen, klaren Blick forschend auf das Fräulein, alä sie sie fragte, wie sie mit ihrem Zimr?er und ibrem Lag zufrieden, ob fr gut ge- . . . c , l c::c , c Mäzen und nlyi zu jiuu von oer zut dringlichen Sonn? gewebt worden sei.
d:e in den oberen Zimmern des Dststti gels durch die dünnen Vorhänge allerdings etwas gar zu leichten Zutritt habe. Komteß sind zu gütig versetzte Fräulein Sophie mit einem dankbaren Aufblick. Ich fühle mich in meinem Zimmer sehr gut aufgehoben und bin es von jeher gewohnt, mit der Sonne aufzustehen." Ah um so besser! Ich meinte nur, Sie hätten vielleicht nach der gesingen Reise, die Ihnen 7a auch einen Theil der Nacht gekostet hat., die nothwendige Ruhe nicht gefunden, weil ich noch recht spät Liebt bei Ihnen sah Die junge Gräfin legte absichtlich einen gewinen Nachdruck auf ihr? letzten Worte und ließ ihnen ein leichtesRäuspern folgen, welches so viel heißen sollte, wie: ja. horche nur auf!. Du. bist erkannt! Aber das Fräulein verrieth durch keine Miene, keine Bewegung irqend etwas wie Schrecken oder Schuldbewußtsein sondern erröthete nur' ganz leicht und erwiderte, der Hausfrau zugewandt: Als ich meine wenigen Habseligkeiten in die Schubfächer einord--nete, fand ich darin ein Büchlein vor, 'das mir schon so manches Mal in den schwersten Stunden meines Lebens der liebste Freund nnd Tröster gewesen ist: das theure Neue Testament! Ich' irre gewiß nicht, wenn ich Ihnen,, gnädigste Frau Gräfin, für diese geistliche Fürsorge meinen innigsten Dank ausspreche. Em armes, schutzloses Mädchen, wie ich betritt wohl oft mit Zittern und Zagen ein neues, fremdes Haus: weiß es doch nie, was seiner darin wartet ach! Hier aber,, in diesem kleinen schwarzen Buche., sah ich gleichsam die Hand des Höchsten selbst sich mir entgegenstrecken, um mich zu leiten und zu schirmen. Ich habe mich in meiner Herzensfreude über 'die gute Vorbedeutung noch in die Lektüre einiger Lieblingskapitel vertieft und darüber eine Zeitlang selbst meiner Müdigkeit vergessen."' Mein gutes Kind!" rief die' Gräfin, indem sie aus ihrer Fensternische, wo sie mit. dem Einordnen der. Lesezeichen in ihre Andachtsbücher- beschäftigr gewesen- war-, mit froher Hast cmf die Bandemer zusteuerte und dann, ihren Lockenkopf energisch mit beiden Händen, umschließend, ihr einem vernehmlichen Kuß auf die-Stirn drückte:' Mein gutes Kind,, an mir soll es wirklich nicht liegen, wenn Sie in meinem Hause Schutz und Schirm vermissen. Der Herr segne Ihren Ausgang, und Eingang das heißt natürlich, vorlaufig nur den Eingang:. mitdemAusgang hat es hoffentlich noch guwWege! Es sei denn, daß Sie uns jemand entführt, der der potztausend ja! Ich kann mich nicht so gewählt und schrnirrdiburr ausdrücken wie- Sie. Sie verstehen schon: so ein Epouseur von Gottes Gnaden." Ach was! Ein- Mädchen- muß immer darandenken, wie es einen Mann bekömmt," brauste die Gräfin gutmüthig auf.. Die Männer taugen zwar meistens nicht viel aber dafür steht eben geschrieben: nimm' Dein Kreuz auf Dich!. Meine Marie ist. auch immer so von oben herunter auf die Herren zu sprechen und thut.'s ihnen ja auch wirklich in manchen. Stücken gleich ; aber dafür heißv sie auch bei den Leuten die tolle Komteß" und wenn sie keinen findet, wird sie's schon bereuen " Aber Mama! Bitte' Na, schön, schön ich sage ja nichts weiter. Du hast j'cr auch Deine guten Seiten und (zu Sophien ge wendet) der Graf behauptet immer, sie wäre ihm mehr werth als zwei, drei, vier Jungens. Aber mit Ihnen, mein Kind da ist das doch etwas ganz an dres! Sie sind doch nun einmal Mädchen, nichts als Mädchen: und noch dazu so nüt und feinl Was wollen Sie also- Vessres thun als heirathen? Wenn, ich ein Mannsbilo wäre hol' mich 1 Ach ne, war denn! (sie versetzte sich selber einen leichten Ermahnungsschlag auf btn Mund) solch süße kleine Dirn sollte nicht lang auf, mich zu- warten haben! Uebrigens: unser Herr Pastor Sie haben ihn jcn gestern, gesehen ist Wittwer. Eim hübscher, lieber Mann und in den. allerbesten Jahren!. Er bat sich so um--ständlich nach Ihnen, erkundigt, es warurdentlich auffallend! Ra freilich, die. großen Töchter im Hsuse das magja wohl solchem Herrn etwas störend. km für die Frühlingszefühle. Wer sehen Sie, die Beate, die soll doch schon so gut wie verlcA sein mit unserm. Inspektor natürlich weiter ist jcr. nicht recht was, in der Nähe! und die Agnes: ja;, die hätte freilich, noch Zeit; aber man kann ja nicht wissen sie kriegen ja wohl auch ein bischen: was mit und dann mag ja auch? mancher solch." kleines Gössel: ganZ; gerne." Aber lÄe Mama," sagte die' Ksrr? teß, während sie die erste Tasse heißen Kaffees aus der kleinen Maschine enr goß. Hat: Dir denn der Pastor jMrrkZ irgettd solche Neigung becrathen;. sich noch einmal i den heiligen Ehefküzd hinein DwaFen? Außer unserm Inspektoe Neusche mit sein verliebten Frschsugen wüßte ich wirklich keimn, der hie-r in unsrer unmittelbaren NLe für eine heirathslustize Jungfrau in Betracht käme. Und r.?as urHru neuen
Hausgenossen, Herrn von Nsrwkg, beteifft, der scheint mir all: Ursache zu Labert, von uns W,ibern ebenso gering zu denken, wie ich von den Männern." Ach ja, Herr von Norwiz fiel die Gräfin ein. und that dru Stuae Zuaee rn ihren Kaff. Wa2 man sagt, em interessanter Mann! Ich tazire ihn auf eine bewegte Vergangenheit. Kin derloser Wittwer, Vermögen verZoren, halbe Wett durchstreift. Denk Sie. zuletzt lst er gar bet den Bamw'ns ge sen schrecklich!" Mama meint die Pampas." Ach was, Bambams oder Pampas,
elende Schlampampen und Heiden werden es 'doch sein, womöglich Kannibalen. Die Geographie ist schon ganz schon, wenn nur die fremden Namen nicht alle waren. Schon allein die Missions berichte wimmeln nur so davon. Ich bringe sie nicht mehr alle in meinen Kopf hinein,, d Hannepampels und wie die Kerls aTe heißen." Aber liebe Manra, die Par?oas sind ja die großen Steppenländer in Südamerika, wo die berühmten Heer,dcn gezüchtet werden." Also dort war Herr von' W?rwig zuletzt?" bemerkte Sophie. Was sollte sie auch anders sagen? Dennoch fiihlte sie wohl, 'daß diese garstige, unbequeme Komteß fedem Worte, das sie sprach, mit Argwohn lauschte, jedem ihrer Blicke nachspähte. Sie konnte einen leisn Zug übermüthigen Spottes um' ihren reizenden Mund nicht, ganz unterdrücken, als Gräsin Marie'nun mit absichtlich übertriebener Warme Norwigs außerordentliche Reitkunst zu rühmen begann. Dies plumpe,. Pferde--tolle Landedelfräulein wollte sie überlisten sie! Ja. wenn sie eine Ahnung gehabt hätte, gegen wen sie kämpfen wollte. Sie schien ja fast die Absicht zu haben, ihre. Eifersucht zu erwecken, um sie autt ihrem. Hinterhalt herauSzuireiben! Hahai. Eifersucht auf dies Gesicht! Der alte Graf' erschien nun auch am Frühstückstisch und unmittelbar hinterdrein polterte Vicki in's-Zimmer, sthr betrübt, daßsie es nun' doch nicht ganz erreicht hatte, endlich einmal schon vor dem Papa beim Kaffee zu sitzen. Aber- auch schon diese Leistung im FrühTufstehen erregte das Erstaunen. der. beiden Eltern. Es - stellte sich heraus,, daß es Fräulein Sophie durch liebenswürdige Neckerei gelungen war, das große-Mädchen aus feinem geliebten Bett herauszubekommem.Der Graf verfehlte, natürlich nicht, daraufhin der' jungen Spitze seiner Hausfrau eine Artigkeit zu sagen, stellte sich jedoch dann, sogleich wieder ganz, vertieft in seine Morgenzeitung. Das weitere Gesprach derrDmen vermochte .auch nicht, seinen Antheil zu erwecken,. da es sich meist um Wrthschaftsangclegenheitcn drehte. Nur als Sophie sich die Erlaubniß ervar die Blumcn'.und das Obst für die 'Tafel selbst pflücken und anordnen zw. dürfen, während Vicki mit" ihrer: engiischen Ueberfetzung- beschäftigt sei. horchte der alte-Herr hinter seiner großen und langweiligen Kreuzzeitung heimlich auf.'. Als man sich vom Tische -erhob gescllte sich Komteß Marie zu.uhrem Vater und, erkundigte sich, was Herr von Norwig fürten Morgen unternommen habe: Er ist nach' den Senthiner GrenMderm hinausgeritten. Sie fangen heute mit dem.Dampfpfluz am. WennDu hinüberreiten, willst, soll es mir i sehr angenehm sein. Du kannst ihm ja "ebenso gut Bescheid sagen wie ich und meine Korrespondenz wird. mich, hente wot-ziemlich lange aufhalten."." Die. Komteß wußte freilich ? nichts daß. die: Frühpost dem Grafen nichts gebracht hatte, als eine Einladung, zur Hamburger Lotterie, mehrere Empfehlungen von deutschem Schaumwein mrid.
einen Bettelbrief eines Verfchämtenivon-. guter. Familie. Er erledigte denn-auch diese dringende Korrespondenz ziN' sehr eigenartiger Weise, indem er -sich mit semeu Zeitung an das offene. Fenster.' seines Arbeitszimmers setzte und.über den. Rand des Blattes hinweg' etwa sünfxnal.in der Minute , hinaushorchte und lugte: Nachdem er. so: eine halbe' Stunde lang vergeblich gewartet -hatte,. vernahm. er endlich draußen .auf. demi KieH einen leichten Trltt.Sie war:es. die. Reizende, Berückende.'. Derr Grast öaexte.-ruch ein paar .Minuten. . dann. griff eunach seinem flcufchigen' Jägern Hütchen umd eilte mit jugendlichraschen: Schritten hinaus. Den Obst-, Gemüse- und 'Blumen. garten bildete die nordwestliche Eckt: des. grnßen gräflichen .Parklandes.Da? hinten dehnte sich, am Fuße .etnes sanst: ansteigenden Hügels entlang,-dns-Dors aus., und die ziemlich hohe Mauer. an welche? Wem und Pfirsiche' gezogen wurden, bildete zugleich einen Theils der Einfriedigung des Pfarrgartens. Es,Le.sand sich auch eine Thur-.m. dieser Maurer, welche vor weniaen Jabm noch,, als die kleme Komteß' noch f!eit mit den Pr.'vlgertoaztern zu.s'eieii ging, viel oenuyl: wo.roen Mi. Scicher aber lptte der-Wein sich so :if darüber kjÄgerankt,.daß sit' nicht w leicht zu öffnen gewesen wäre; selbst wenn das veostete Schloß, ms& dein 'Schlüssel nachgegeben hatten Der Graf hatt: dagute.GW auf 5nem Schleichwege zum OMgarten -Memertt zu blelbm. Derr Gärtner vxo sern Barsche w5.-?en zufalle erade heute mit 3er RaseTfchurrim.Park beschäftigt. Der verli'bte alte HM durfte l.lio auf unaestortes Sckarerstund:?in mit '?er holden. fetützsiein Frau öZemahliz hoffen. Sein scharfes Auge .attc fctaii von ferne u. HeQes Kkid, Tut auUx Wsnmaue? erspäht: jetzig .Kl. . Vjtrii V. r.i zuiz ei.- zunall)!? naa) on iiinen nc?jznhaF vor d,m Treibhause. wäht& sine runderv'Äe, nur, fofö erschlossn 1 1 France ozs, und schluderte dann. Ne "ölume lnter dsn Röcken verbe.rcen. auf Fräulein Bandemer zu. ErrnjD lie oarnit otfchasngt, oit ?et 5nne aw meisten angesetzten Trau-i l'n auf chre Reife zu prüfen. Nun., mein lbeL Fräuleins redete 2 die ?ch lächelnd Verneigende an. ,3ie seinen vergebens zu suchen. Tr "epteinber ist bisher recht Uc,l mm sn.Ich sollte doch mn die letzten rarmen Tage müßten w?nlgstens einlne Trauben zur Reise gebracht haUn" . Aber wohl nur dre zuhöchst hängnden. Ich werde Ihnen wohl helfen n'üffen. wenn es Ihnen nickt ergeb:?, scll wie drn Fuchs in sm FabeN" . (Fortsetzung sslgt.)
Zur die DiZche. Frrschgeschlachtekes Fleisch tiüzit zu machen. Welche Hausfrau tuf -renr Lande ist nicht schon in die größte Verkgenheit gekommen, wenn, sich zum nächsten öder zum selben Abend Besuch nmelvet und man keinen passenden Braten- im Hause hat? Sehr oft muH man dann ein Stück Fleisch brate? das noch viel zu frisch geschlachtet" tfrö daher loch nicht zart ist.. ' Oder es NZnd Fedeieh geschlachtet, das dann uch nur kaum einen Tag liegt, statt' zwei bis drei Tage So sissches Fleish kann' m m aber docr fehr gut zart bekommen, man muß esnur genügend vorbereiten. Scheint einBraten,, der am nächsten Mittag getraten werden soll, noch zu' frisch, danw setzt man ihn Abends vorher in den warmen Bratofen. Ebenso verfährt man mit Geflügel, wenn es deZ folgen-' den Mittag schon .braucht werdew. muß und erst am Nachmittag oder' Abend geschlachtet ist.. Das Federvieh, muß aber vorher augenommen wer-' öen. Das Fleisch kann am nächsten. Morgen so lange im Nratofen bleiben,, bis er. heiß wird. Dain kann es. nochso: lange, am warmen. Herd stehen, bis es gebraten werden folC Das Fleisch wird auf diese Art. ungM zarter und' kürzer.. P r e frS ü l z e.'. Zunächst kocht: man eine frische, Ochsenz-.mge mit einem' halben Schweinskopf, znei Kalbsfüßen' und einigen Schweinlfchwarten in' Wasser.mit Salz.',Zwiebelu und Wur zelwer! weich, löst .dann: sämmtliches Fleisch von den Knochen und schneide!: es.' m dünne Scheiben oder Würfel. Hierauf breitet mawein großes Leinen -tuch in eine Schüssel, legt. einen Ster' von frischen Lorbeerblättenr'oder ausgezackten Eitronenscheiben.darauf.danu . die. vom Kopf abgelöste 'Schwarte uni : in diese -dann das? geschnittene Fleisch, welches zuvor mit. Salz, gestoßenem Pfeffer, gehackter EitronOTfchale und ein-wenig gestoßenen Netten, gewürzt wird. Zuletzt bedeckt '.man. das Fleisch wieder mit Schwarten, nimmt di Tuch. sö. fest wie möglich darüber zu sanrmM,' , unbindet. es. mit: Bindfaden. legt:die Sülz: in d:e''n?ieder zum Ko chen gebrachte Brühen läßt sse eine Vier, telstunde darin kochen, nimmt sie her, aus '.preßt sie zwischen 'Zw?i beschwer, ten Brettern und gibt sie nach dem Er kalten , in Scheiben geschniiten mit Es sig und Oel, Remouladeosauce odel nnr-mit Senf auf.'. Vraisirtes Rindfleisch mitiBouillon-Kartofftln.. Dies ein fachste. aller Gerichte, das neuerdingZ beladen feinsten. Diners i'servirt wird, gehört auch mitznn besten, voraus gesetzt, daß es'sörglia? bereitet wird. Man nehme sünf Pfind Mittel, schwanzstück von einem jungen Ochsen,, das einige Tage inkühler-Luft gehangen hat. wasche es Reicht .uainetze es mit : Bindfaden, lege es--in- einen sauber -emaillirteni oder verzinnten, Bouillon--topf, fülle soviel 'kochendes Wasser über, daß es gerade davon bedeckt ist, gebe etwas Salz hinein, schliche den Topf ' fest und lasse dasMifchdrei Stundengelinde kochen. . Nach erlauf dieser.Zeit gibt man das'Wurselwerk hinein, läßr das Fleisch'abcrmalS drei Viertes, stunden an heißer rStelle: ziehen, nimmt:
es dann keraus.: ilt den Blnvsaoen. lege es auf eine?SÄWt'. füllt zunächst ' voa dem Bouillönfitt-iiber. bedeckt es'mit einem Bogen Papier und stellt es irr die warm: Röhre. Inzwischen hatman die Brühe'dvrrtz M Haarsieb )ge--gl?ssen und geklärt.', sie in eine reine Kasserolle gefüllt mit: dem Zusatz eineS--halben! Theelöffels vifl Fleischer, tract: versehen und mit: Salz abgeschmeckt.Nachdem sie kurz'ejnF:)ampft istwird. ?e über das -FleiM gegeben, das vordem Anrichte? in Scheiben geschnitten,-. oollkommen wWund saftig sein muß. Zu beiden Seiken. Miirt ma::-es mitbesonders iri.'BouilüÄ zubereiteten, mit: gewiegter Petersilie.- geschwenkten Kartoffeln, denen mam ebenfalls '.inen Zu-s satz von Fleischzxtlci gab. Matt'd-etonöe. Zmeii Psund Zucker werdev.-M!i elf Q'uxn nd etwas;, abgeriebener- Mrnenschale ne halbe: Stunde zu: SÄaum gerührt, zwee: Pfund, süße: Modeln, di? gemahlen: oder keftößen:w7Nden, wiri man nun: hinzu. rmd- rütlÄ dies eine Biertelstun-. de, dnn-gieb'i: man znei Unzen Sem?, melbkösel daW. rührt w äder noch IQ Mir ten und: f2gt zuletz t den Schnee: der elf Eierihnizu. M-.ji streicht -die: McFe.nn ein mit Butter.-ausgestriöSne: un?) mit' Sviebackbröseln bnente Frn' und läßt sie ete gute lbe Stunde backen. Bl a,',? etöchter.Hecht. Jach 'sin- derr Mch unter Kopf cingt $r,tttT., ton aufge-xacht, ausBN nen unÄ gewaschen ist, wird mä Äm-Bauck auf den Knsak derwsch wanns gFegt und imx Kopf M jinn Schwanz leicht mtz Bindfaden frst bunden, ls" stelk man den Ersatz, mit: dem Fische, dessen Rächn man ük Stuck Holz zugeben ha, in die Fckwxmne. übzießt denHecht mit eÄM Quart senden Esdg, worauf 'der Fisch blau. wird, und gießt dann tn der Seite f? viel siedoes SalzWasser dazu, daß die Flüssigkeit sin gerhoch über Htm Fische Znht. Hierauf teeeckt man die FischwWe mit einen! mit Butter gestrichenen Bogen Papier, gibt den Teckel darüb? und läßt des Hecht eir?s Stunde stehen, währet?' welcher Zeit der Sud immer si:d?rd heiß sem muß. zedoch nicht kochen ks. Der Fisch wird sodann mit dem Einsatz he?auszenomen. abgebunden und vorsichtig auf dk Schüssel g:lJt, die man mit Eitronenschalen un PeterW garnirt. Der Hecht wird mit But kr 'britischen und dazu zerlassene Vut ie? oder Holländer Sauce ftrvirt. Der Muth 2s tauen ist der Wankelmuth,
