Indiana Tribüne, Volume 18, Number 192, Indianapolis, Marion County, 31 March 1895 — Page 6
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rTTTH.I M.M1 iiupunhiiKSjßcit. aufgelöste Verlobung machte in unfcr:n Kreisen vo? sich reden. Ich ins mit Spencer Sich; an., dem ehemaligen: Bräuten des reizenden Mädchcnl, -das er aufgegeben, bald darauf zusammen. Er sah blaß ur.b traurig aus. Wie toi: zu einander standen, konnt? ich die Frage schon wagen, weshalb e? diesen Bande gelöst, wenn ihm das ersichtlich so sckn?er gefallen. Weil ich mich nicht für's Leben unglücklich machen wollte." gab er zur Antwort. Was hätte Sie unglücklich machen können?" UnPünktlichkeit, un.verbesserliche UnPünktlichkeit!" Ich lachte ihm in's Gesicht. Ihr Engländer Kabt doch mehr ode? mirdr b:n Spleen", entschuldigte ich mein unhöfliches Benehmen. Er h'xtb unerschütterlich ernst. .Sie sagen ou so, Madame, weil Sie über die Sache noch wohl niemals ernstlich nachgedacht haben. Sie ist das Grundübel, aus d:m alle anderen hervorzu$eh:n Pflegen. Aus der wenig harmor.ischenEhe meiner Eltern hab: ich meir.z traurigen Erfahrungen geschöpft, die mich vor einem gleichen Irrthum bewahren sollen. Meine liebe Mutter war eine gute, liebcnswürdige und von meinem Vater Lb.'r alles geliebte Frau, aber behaftet cnit diesem unüberwindlichen' Fehler. Wclche Scenen hat es deshalb in uns:rem Hause gegeben! Zu welchen scharftn Worten ist es gekommen, die den Z'äuslichm Frieden für Tage störten, lis mein Vater die Sache als hoffungslos aufgab und, um nicht immer neuen Aerzer zu erfahren, seine eigenen Wege ging. Sie lächeln, Madame, galten diesen Trenungsgruad für kleinlich, gesucht, nicht wahr? Und och versichere ich Sie, daß Unpünktlich Zeit einen ordnungsliebenden Mens.en zur Verzweiflung bringen kann, friil sie das erste Glied in einer Jlette von taufend Unannehmlichkeiten wird. Von einem Beamten weiß ich zum '.spiel. daß die UnPünktlichkeit seizier Frau bei fcen Gesellschaften seiner Vorgesetzten ihm als LZücksichtölostgkeit cusgelezt wurde, die i'hn in seiner Carriere störte. Einem jungen Officier ioar dieselbe Unannehmlichkeit nicht r.ur hinoerlich in seinem Fortkommen, sondern man bedeutete ihn zuletzt, daß ünktlick'keit ein unerläiches Erforücrniö militärischer Eigenschaften sei, und daß man ihm rathe, in einem anl:rc;i Berufe sein Hei! zu versuchen. Bei Lucy hab: ich es mit Bitten. s'Ibst mit Drohungen vergeblich verY"lt. Sie war nicht frühzeitig an Sclbst - Eontrolc, an Rücksicht gegen crre, nicht einmal an Selbstachtung f.enz'öhr.t, denn wer sich selbst achtet, scheut sich vor gerechten Vorwürfen, und greift nicht zu haltlosen Ausflücht:n, um eine unentschuldbare Nachlass'gkeit zu beschönizen. Denken Sie sich in die Lage eines scinsühlenden Menschen, der durch die hi lässigst eines anderen zu spät hl Theater. Concert u. s. w. erscheint u:'d durch die wüthenden Blicken Ses cfiorten Publikums abgestraft wird; c :;r in die ldes erschöpft aus seinemJer::fe heimkehrenden Mannes, der lar.ge ?-'it auf sein Mittagesse Watten muß. Gruben Sie. daß das seine Laune tabuer und das Wiedersehen zu eir.em erfreulichen macht? Und vas sind r.och die Heineren Leiden m dem Zusamrnenleben mit einem Menschen, der sich nicht an jene Pünktlichst gewöhnt, cus der alle anderen Tugenden gewisstrinaßen erst entspringen. Aber es cht auch schwerere, an denen manches L.bensglück scheitert. Wie kann eine L.'utter ihre Kinder zu pünktlichem l.:Inhalten ihre? Pflichten, eine Haussrau D'.enstooten zum Respcktireu der cngesetzfen Stunden anhalten, ?enr. sie selbst nrcht tos Vorbild gibt? W'.e lim einer, der zum Ernste des Lebens erzogen wurde, unpünktlich sein? Unpunktlickkeik ist für mich gleichbedeui.Tid mit UnHöflichkeit; sie ist mir ein L:rve:s, daß derjenige, der sich ihre? dauernd schuldig macht, ohne Selbstzchtung. lässig m der Erfüllung jede? Pflicht sein und nichts wirklich ernst nehmen wird. Lachen Sie mich aus, wenn ich es Ihnen gestehe, daß der Wunsch. alleZ in mir und um mich peinlich ordentlich zu sehen, mich vor dem Wagniß zurückschrecken ließ, mein Leben an eine Gefährtin zu knüpfen, die mit ihrer Zeit nicht Haus zu halten versteht. Und nun lassen Sie mich, verehrte Freundin, nach dieser trübseligen Herzählung der Trennungsgründe meiner eigenen Liebesgeschichte, Ihnen noch eine kleine heitere Episode aus einer anderen vortragen, die auch aus Un Pünktlichkeit hervorging. Unseren Hausdiener, der sich neulich zu seiner Hochzeit Urlaub erbeten, am folgenden Tage aber wieder in's Geschäft gekommen war, fragte ich ganz verwundert, warum er sich so bald wieder ein,zeiiellt? Ja, Herr Bickham." sagte er treuherzig, vas kam so: Die Caroline hat wohl nich mit ihren Staat fertig werden können. Unterwegs haben wir schon von wegen dessen uns jezankt, un als wir uff'n Standesamt ankummcn, schließen sie uns jerade die Thür vor die Nase zu. Das hielt ich vor 'nen Wink des simmels un hab ihr uff de Bänke clleene sitzen lassen un bin nach Hause jejangen, um nich wieder zu kommen, denn so 'ne UnPünktlichkeit is aller Lasier Anfarg un macht mich am Ende mir liederlich davor danke ich'.- " Gedankensplitter. Die meisten Meineide werden von Verliebtcn geschworen!
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?ie Entführung. Humoreske von Aden. H?rr Vutzke war einer von jenen grämlichen alten Hagestolzen, die mit der ganzenWelt zerfallen sind, die nicht recht wissen, was sie wollen, und dies niemals zugestehen, daß ihre Junggesellschaft an dem allem schuld ist. Er war reich und etwas geizig, sonst hätte er vielleicht seine Haushälterin, die Nosaura. noch geheirathet, die schon in der Mitte der Vierzig, aber doch noch eine recht stattliche Erscheinung war. Sie war s:hr energisch, hatte ein kleinesSchnurrbärtchen und beherrschte den Herrn Butzke fast ebenso, als wenn sie sein leiblich Ehegespons gewesen wäre. Sie hatte die Hoffnung noch nicht aufgegeben, Herrn Vuhke, der schon in den Sechszigern war, zum faktischen Mann zu bekommen, oder ihn dev.'inst mit vielen Krokodil-thränen zu b:eröen. Da änderte sich die Scen?. Eine Nichte des alten Herrn Juhk erschien auf der Bilofläche. die Tochter eines entfernten Verwandten, der eben gestorben war. und das alleinstehende Mädchen suchte eine Zuflucht bei dem gestrengen Herrn Oheim. d:e ihr denn auch nach einigem Brummen und Kopfschütteln gewährt wurde. Lieschen war ein sehr hübsches Mädchen, blond, rosta und blauäugig und von üppigenFormen, Grund genug für den ariesarämiaen Oheim zu dem festen Entschlüsse, sie von der Männerwelt möglichst hermetisch abzuschließen. Das war für Lieschen um so betrübender, als sie mit einem jungen Kausmann sich heimlich verlobt hatte, der leider noch keine besonderen Aussichten und es erst bis zum einfachen Buchhalter gebracht hatte. Nosaura sah den neuen Ankömmling gar nicht gern, denn nun war wegen der Erbschaft starke Eo.'.currenz entstanden. Aber sie war, wie so manche Haushälterin, eine diplomatische Natur und machte einstweilen gute Miene zum bösen Spiel. Es dauerte gar nicht lange, so hatte sie sich in Lieschens Vertrauen geschlichen, und diese erzählte ihr mit Zittern und Zagen von ihrem Liebesverhöliniß. Nun entwarf Nosaura einen äußerst fein angelegten Plan. Nur Muth!" sagt: sie. Man muß immer gerade au's Ziel losgehen, das ist der beste Weg." Wie denn?" fraate Lieschen. Nun." sagte Rosaura. Ihr Verlobter soll einfach bei Herrn Butzke um Ihre Hand anhalten, damit die Verlobung officiell wird." Aber der Onke! wird es abschlagen!" Nun, dann sieht man, was sich weiter thun läßt. Frisch gewagt ist halb gewonnen. Ich werde Älles'aufbieten, um Herrn Butzkes Einwilligung zu erreichen." Das schlug durch, und so erschien denn eines Vormittags Herr Hugo Neumann, Lieschens Geliebter, in schwarzem Frack, weißer Weste und allen solchen zu? Brautwerbung erforderlichen Ausstattungsstücken bei Herrn Butzke, um sich Lieschens Hand zu erbitten. Er ward mit Hohn und Grobheit empfangen. Solch' ein Habenichts, solch' ein armer Schlucker!" tobte Butzke zu der Nichte. Nun. wenn er sich noch einmal blicken läßt, so werfe ich ihn die Treppe hinab!" Lieschen schloß sich weinend in ihr Zimmer ein; da klopfte es leise. Nosaura erschien. Nur ruhig." meinte sie, noch ist gar nichts verloren. Den wollen wir schon kriegen!" Ich habe keine Hoffnung mehr," sagte Lieschen unter Thränen. Ist das junge Volk doch gleich so verzagt, wenn's einmal nicht nach dem Kopse geht. Als ich jung war, da hatte ich mehr Eourage." Aber was sollen wir denn thun?" Lassen Sie sich von Herrn Neumann entführen!" Abscheulich!" sagte Lieschen. Sie spotten meiner zu allem Unglück!" Ganz und gar nicht!" sprach die Haushälterin entschieden. Muth muß man dazu haben. Sie lassen sich entführen, ersuchen dann Herrn Butzke um seine Einwilligung, und er wird sie geben, um den offen!lichen Skandal, der sich an seinen guien Namen hängen könnte, zu vermeiden." Die arglistige Haushälterin wußte wohl, daß sich Herr Butzke niemals durch eine solche Entführung zu seine? Einwilligung zwingen lassen werde. Aber auf diesem Wege konnte si: die lästige Eoncurrentin in Bezug auf die Erbschaft los werden. Wenn Lieschen entfloh, dann war es für Nosaura ein Leichtes, ein: Aussöhnung zu verhindern. Lieschen, ein argloses Kind, ging in die Falle. Der Kaufmann.' ein feuriger junger Mann, der bis über die Ohren in Lieschen verliebt war, wie auch umgekehrt, ließ sich ohne Mühe zu dem Unternehmen bestimmen, dessen romantische Form allein schon ihn unwiderstehlich anzog. ' ' Nosaura vermittelte geschäftig, und so ward denn beschlossen, die Flucht der
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Liebenden zu bewerkstelligen, und zwar an einem Abende, da Herr Butzke mit Nichte und Haushälterin das Theater zu besuchen pflegte. Lieschen sollte sich bis zur erlangten: Einwilligung bei Bekannten ihres Geliebten aufhalten. Nach Schluß der Vorstellung sollt: das junge Mädchen in eine ihr näher zu bezeichnende Droschke steigen, wo sie ihr Hugo" erwarten sollte. Dann sollt: es im Galopp zur Bahn gehen und von dort mit dem nächsten Zuge in die Welt hinaus. Das war Alles schön angelegt und für das von dem Onkel streng bewachte Lieschen eine der schönsten Gelegenheiten. zu entkommen. Rosaura hatte dafür zu sorgen, daß der Onkel zurückblieb, während Lieschen sich wie absichtslos im Gedränge verlieren und an die Droschke eilen sollte. Aber der Herr Vutzke hatte scharfe Augen.
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nU m iim wmA m ;.' yfTfiewfcWOT?! A y) 1 1 5 &y VrS -yAxrft V Er sah, wie Lieschen und Neumann, der in der Nähe saß, zärtliche Blicke wechselten, und er witterte, daß etwas im Werke sei. Er konnte seine Aufregung kaum verbergen und ging dicht ror Schluß der Vorstellung hinaus, um zu sehen, was da kommen werde. Draußen standen zwei Droschken, und Herr Butzke stieg in die eine einstweilen hinein, um von dort besser beob achten zu können. Das war aber gelade die Droschke, welche sich Herr Neuann bestellt hatte. Der schläfrige Kutfcher sah einen Herrn einsteigen, den er im Halbschlafe und im Dunkeln für Herrn Neumann hielt, und wartete nun noch auf die Dame, um im Galopp davon zu sahren. Lieschen war in furchtbarer Aufregung. Sie stürzte hinaus, ohne sich umzusehen, verwechselte in der Garderobe ihren hellgrauen Mantel mit dem dunklen Rosauras und rannte nach der Droschke. Sie gab dem Kutsche? das verabredete Zeichen, stieg ein. und das Gefährt fuhr wie toll davon. Drinnen aber warf sich das junge Mädchen voll Gluth über den vermeintlichen Liebsten und erstickte ihn schier mit ihren Küssen und Umarmungen. Nun hab' ich für Dich Alles gewagt!" stöhnte sie; alle Versuche des Herrn Butzke, zu Wort: zu kommen, starben im Geräusch des Wagens und in den wilden Küssen Lieschens. Er gab endlich die Versuche zum Widerstände auf, ja er ertappt: sich sogar auf dem Gedanken, daß ihm Lieschens Zärtlichkeiten gar nicht so unangenehm waren. Da hielt der Wagen. Du bist etwas merkwürdig heute." sagte Lieschen, als der Wagen still hielt, der Kutsche? öffnete und man stieg hastig aus, erst Lieschen, dann der gestrenge Onkel. Welche Entdeckung wurde jetzt seitens Lieschens mit Entsetzen gemacht! Nosaura mußte wohl oder übel Lieschens Mantel anziehen und stieg eben in die noch dastehende andere Droschke, als der feurige Liebhaber und Entführer heran kam. Als er den grauen Maniel sah. rief er dem ebenfalls halb schlafendenKutscher leise zu: Schnell!" Dann stieg er ein und schnell ging's von dannen. Nun faßte er seine Dame und überdeckte sie so mit Küssen, daß sie kaum mehr athmen konnte. Es ging wie bei Herrn Butzke; auch die brave Rosaura leistete im. Widerstand nicht viel, und Neumann sah in seinem Feuer nicht, wohin man fuhr. Da hielt der Wagen, man stieg aus und befand sich vor Herrn Butzkes Hause. Welch' eine Ueberraschung, welch' ein gegenseitizes Staunen! Gleich daraus kam der Herr Oheim mit seiner ohnmächtigen Nichte angefahren, und als er Neumann mit Rosaura verdutzt dastehen sah, ahnte er den Zusammenhang, die Anderen auch. Butzke wollte mit einer Strafpredigt soeben beginnen, aber die Stimme versagte ihm eine Art Lachkrampf befiel den alten Herrn. Die Anderen lachten mit, und Lieschen fand es für gut. aus der Ohnmacht zu erwachen und mitMkachen. Der Kutscher sah verblüfft d'rein! Kurz und gut. der alte Butzke ward an diesem Tage einmal vernünftig; der Spaß gefiel ihm. Er gab seine Einwilligung zur Verlobung Lieschens mir Neumann; er selbst heirathete Rosaura. s:ine Wirthschafterin. Selb st verrath. Nun, Herr Sckmidt. Si: hinken ja. was ist denn los?" Ich hab' mich erkältet, und da wirst sich, seit ich den Beinbruch hatte, halt jede Erkältung sofort dahin." Ja. das ist 'ne alte Ersahruna; die Erkältungen werfen sich immer auf den schwächsten Theil; wenn ich 'mal 'ne Erkältung hab', so hab' ich oft wochenlang die gräßlichsten Kopf schmerzen."
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f v , j r Wo heute Kinderherzen schlagen und helle Kinderaugen in die Welt sonniz lachen, da ist auch die Thüringer Puppe zu Hause. Von den tannenumrauschten Bergen ihrer lieblichen Heimath hat sie ibren Weg genommen über alle Meere, in alle Länder. In Ballen und Kisten wohl verpackt, wandern alljährlich viele Millionen Puppen hinaus, Glück und Frohsinn zu verbreiten, in den kindlichen Herzen die ersten Empfindungen mütterlicher Fürsorge zu wecken, den Geburtstagstisch zu schmücken, den Zauber des WeihnachtsfesteZ zu erhöhen. Die Puppenstadt WalterZhausen. In de? Herstellung der Puppen scheint man nun bald aus dem Gipfel der Vollendung angekommen zu sein. Wenigstens wäre kaum noch etwas zu ersinnen, um diese kleinen Wesen noch menschenähnlicher zu machen. Könnte man ihnen das letzte noch geben, ihnen Lebensodcm einblasen, dann dürften sie aufstehen und sich unbemerkt unter das Menschengeschlecht mischen. Eine moderne, gute und theure Puppe kann einfach fast alles. Hände, Füße. Oberleib. Hals und Kopf bewegt sie in natürlich ungezwungener Weise. Sie kann stehen, sitzen, sich beugen, umdrekzen, die Hände rinqen, die Augen schließen und wieder schalkhaft öffnen und immer verklärt ein heiteres Lächeln ihr rundlich gesundes Gesichtchen. Jene Puppe, welch: ihr Sprachvertnögen nur durch ein halb schnarrend, halb singendes Mama" und Papa" beweisen konnte, gehört bald in die Rumpelkammer. Erfindung und Wissenschaft hat man sich zu Nutzen gemacht und wem es auf einige Goldstücke nicht ankommt, der kann sich heute eine Puppe für seine Kinder erstehen, welche mit deutlicher Stimme ihr Mittag- und Abendgebet herstammclt, Fabeln und Kindcrreime deklamirt und zulegt noch, wenn bereits die Augen müde niederfallen, Gute Nacht. apa!" und Gute Nacht, Mama!" den kindlichen Eltern wünscht. Was will man noch mehr? Einsetzen der Augen. An der Herstellung der Puppen arbeitet ein großer Theil der Thüringer Waldöevölkerung mit. Im Süden ist . . das Meininger Oberland, dessen 'Z'StUt sich um das stattlich aufblllt .lide Sonneberg schaaren; am andern Ende des Gebirgszugs sind es die Waldnester de? nördlichen, Abdachung, deren Einwohner für die Puppenstadt Waltershausen die Hände regen. Sonneberg und Waltershausen theilen sich in den Ruhm, die ganze Welt mit Puppen zu versorgen. Von beiden Städten liefert Sonneberg freilich noch immer die meisten. An Güte, Wohlfeilheit und äußerer Schönheit aber gibt Waltershausen' in seinen Erzeugmssen nichts nach, an Erfindungsgabe ist es sogar der ersten Stadt noch uber . Aber auch sonst deutet vieles darauf hin, daß sich hinsichtlich der zlsfermaßigen Herstellung em allmallges Steigen durch Gründung neuer Fabriken vollzieht. Alt und Jung, Groß und Klein. Männer und Frauen, sind dabei thätig. In den Fabriken der beiden Städte werden zumeist nur die Puppen zusammengesetzt. Die einzelnen Theile dazu strömen von allen Seiten herbei. Manches Dorf schnitzelt nur Beine oder Arme, formt Köpfe, Körper ode? dreht Gelenkkugeln. Das geh! Zusammensetzen der Gel e n k P u p P e. vom Morgen bis in die Nacht. Haus für Haus; nach Vollendung der Schularbeiten müssen auch die Kinder wacker mit angreifen. Da gibt es Bälge auszustopfen, umzudrehen, das Dutzend oft nur für ein paar Pfennige. Aber wo eben alles hilft, da kommt denn eines zum andern und schafft zusammen. Wo ein Maler wohnt, da sieht man an den Fenstern längs des Ha.uses und Gartenzaunes Holzgestell neben Holzgestell mit frisch bemalten Puppenköpfen. Der eine ist Meister und Specialist ia rothen Lippen und
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Wangengrübchen, der andere hat auf
Augen und mandelförmig geschwungene Brauen gelernt". Eine Reihe anderer Maler sind nicht weiter in der Kunst gediehen, als die Einzelglieder nur in eine dickflüssige, fleischfarbene Masse zu tauchen. Sonnabends Morgen wird dann alles auf Schiebkarren geladen und dann geht's hinab m die Stadt, abzurechnen und neue Austräge in Empfang zu nehmen. Vielseitiger ist dann noch die Beschäftigung des Volkes in der Stadt selbst, wo überall außer der Fabrikarbeit noch die Hausindustrie blüht. Wer da langsam durch die Gassen schlendert und durch die niedrigen gardinenlosen Fenster in die Stuben schaut, der wird cineReihe interessanter und eigenartiger Wandelbilder in sich aufnehmen. Zu den Künstlerinnen" zählen auch noch außer den Malern die Frauen und Mädchen, welche mit geÜbler Hand alljährlich den langwallenden Haaren der Puppen eine neue Form zu geben haben. Auch hier spricht die Mode ein gewichtiges Wort mit. Es ist daher natürlich, daß dann gewöhnlich diese meist hübschen Kinder an ihrem eigenen Kopfe die Mode zur Schau tragen, welche ihre Fabrik für dieses Jahr als maßgebend anerkannt hat, so daß man an den Frisuren leicht erkennen kann, welchen Gesch'äftsfirmen die einzelnen lebenden Puppenköpfe" angehören. Ist die Puppe zusammengesetzt, lackirt, bemalt, frisirt. m $ m ?K t i. KMSAz mAmm ffFivViV H a u s i n d u st r i c. glänzt der Täufling" voll frischem Liebreiz wie ein junger Frühlingsmorgen, dann- gehts an seine Ausstattung und Verpackung. Das setzt wieder eine Reihe Hände in Bewegung. Auch hier tritt die Hausindustrie hinzu. Die eine Familie fertigt buntschillernde Lackschuhe an, die andere näht zierliche Hemdchen; hier werden die Kartons zusammengeklebt, dort in einem Saal wird der Täufling", rnii blauen Schleifen kreuzweise umwunden, eingesargt. Karton neben Karton kommt dann in mächtige, blechgefütterte Kisten. Noch vor Ostern, der Schnee liegt auf den Bergen noch immer und Sonnenschein und Schneewehen wechseln noch fröhlich tagüber, da wird es rege in den Mustersälen der Fabriken. Da kommen die Einkäufer aus England, Amerika und noch we:ter her, ihre Auf träge für das nächste Weihnachtsfest zu ertheilen. Das ist die eigentliche Malen und Anstreichen. goldene Zeit für die Fabrikherren. Die Messen thun dann ein Uebriges. Von da ab beginnt ein geschaftige'ZArbeiten; in all den großen Fabrikräumen, wie in den vielen Stuben und Stäbchen, welche die Hausindustrie dem lohnenden Erwerbszweige außerdem zur Verfügung stellt, beginnt ein Regen ohne Ende der fleißigen Hände", das bis zum Weihnachtsfeste wächst. Erst mit dem neuen Jahre tritt ein kurzer Stillstand ein, em Ausruhen, ehe es zu neuem Kampf und Sieg geht. Denn die Thüringer Puppe hat bis heute immer noch allein das Schlachtseid behauptet. Ein intelligenter Bursche. Bursche (dem das Thermometer zu Boden fiel): Gott sei Dank, der Meter ist ganz, aber das Thermo ist leider kaput!" Treffend. Er: Aber Emilie. Dein fortwährendes Singen macht mich schon nervös!" Sie: Ich singe, wie der Vogel singt " Er: "Gut. so nimm Dir ein Beispiel am Eanarienvozel " Sie (einfallend) : Aber Närrchen, der singt jaooch den ganzen Tag!" Er: Bitte, laß mich nur ausreden: am EanarienvogelWeibchcn, meinte ich!" Vorsichtig. A.: Wie. Du willst um die Tochter Deines Chefs anhalten? .... Wenn er Dich nun aber hinauswirft?!" V.: O. ich habe mich natürlich schon nach einer neuen Stelle umgesehen!"
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Freiherr v. Tchor:mcr-2llsi. Im Alter von 63 Jahren 6 Monaten ist der streitbare Führer des kathoIischen Adels von Deutschland, Burghard Freiherr v. Schorlemer-Alst, aus dem Leben geschieden. 'Als Sohn einer der ältesten Familien Westfalens geboren. diente er 12 Jahre im 8. UlanenRegiment und widmete sich dann der landwirtschaftlichen Thätigkeit. Er erwarb sich auf diesemGebiet bald durch praktische Reformen so großes Ansehen, daß er vom Jahre 1863 in seiner Heimathsprovinz eine leitende Rolle spielte. Seit 1870 gehörte er dem preußischen Landtag und dem deutschen Reichstag an. Als Parlamentarier war er einer der schneidigsten und schlagfertigsten Redner des Centrums und wurde er. in Anerkennung seiner rcgen Thätigkeit für die katholischen Interessen, vom Papste zum Geheimkämmerer ernannt. Im Jahre 1885 legt er inFolg: vön Meinungsverschiedenheiten mit seinen Parteigenossen über wirthschaftliche Fragen seine Mandate nieder. Aristokrat vom Scheitel bis zur Sohle war Freiherr v. Schorlemer-Alst dem Emporkommen des bürgerlich-demokratischen Elements nie hold gewesen und nachdem er sich aus dem parlamentarischen Leben zurückgezogen, ging seine ganze Thatkraft in den Bemühungen auf, dem Niedergaug der Landwirthschaft zu steuern. Er gründete den Westfälischen Baucrnbund". deren Vorsitzer er bis zu seinem Tode war. 2r. I. V.Pioda. Die Schweiz wird zur Zeit bei der Bundesregierung in Washington durch den Gesandten Dr. jur. I. B. Pioda vertreten und zwar ist er der dritte schweizerische Gesandte in unserem MMW m I 7 J Vv- Lr' v r r iK . V - X J Lande; der erste war Oberst Emil Frey und der zweite Alfred-de Clapa-tt-de. Dr. Pioda ist in Locarno. Canton Tessin, als ein Sohn des AltBundesrathes und früheren Gesandten in Florenz. Pioda, geboren und war seit 1884 Legationsrath bei der schweizerischen Gesandtschaft in Rom. Kolibri nd Falke (Zur Mode.) m Allseitige Ueberraschung. A.: Was hast Du denn Deinen Kindern geschenkt B.: Der Walli ein Klavier, dem Pepi eine Violine und dem Scharn eine Kindertromvete." A.: Und was hast denn Du bekommen?" 33.: Vom Hausherrn die Kündigung!" I m zoologischen Garten. Sieh' mal." sagt die Mama, auf einen Storch zeigend, zum kleinen H'änschen, solch' ein schöner Vogel hat Dich auch gebracht!" Nachdenkend bleibt das Kind siehcn.v Plötzlich läuft ein Storch auf Hänschen zu. Mama, Mama!" ruft der Kleine, der Storch will mich wieder holen!" Vom Kasernenhofe. Hauptmann: Das geht heut wieder unter aller Kanone! Kommt natürlich vom Löhnungs-Appell: derEine steckt's Geld in die linke, der Andere in die rechte Hosentasche da klappt nie der Parademarsch!"
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Zcisic-'5cü:c!. Während schon, neunzehn verschi:dene Oceankabel den atlantischenOeean zwischen Europa und Amerika durchqueren, gibt es im Stillen Ocean noch nicht eine einzige durchgehende Kabellinie. Zwar hat im Süden deö gewaltigen Wasserbeckens die britische Negierung mit der Kabellcgung den Anfang gemacht durch Linien, welche von Sidney in Australien bis nach Neu - Seeland führen, und durch eine Linie von Aukland, Neu-Seeland. bis nach den Fidji - Inseln. Es ist die Absicht der Engländer, das Kabel von Fidji nach Samoa und von dort nach den Hawaii'schen' Inseln weiter zu bauen und dann ferner dieses Kabel über die erst im letzten Jahre speciell für diesen Zweck erworbene britische Insel Fanning nach Vancouvcr in Britisch - Columbia auszudehnen. Ein solches Kabel würde aber in erster Li nie den britischen militärischen Jnteressen dienen, welche lxkanntlich mit den Interessen, welche die Ver. Staaten im pacifischen Ocean haben, scharf collidiren. Es ist nun in der letzten Congreß sitzung der Versuch gemacht worden, das Geld zum Bau einer Kabelverbindung zwischen San Francisco und Honolulu zu. verwilligen, oder vielmehr die erste Rate davon, nämlich $500.
000. Gegen diesen Plan erhebt sich eine mächtige Opposition. Es wird geltend gemacht, daß damit ein bedenklicher Präcedenzfall geschaffen würde, daß es der erste Schritt sei zur Verstaatlichung des Telegraphenwesens Seitens der Ver. Staaten. Diese Vedenken sind in der That nicht unberechtigt, aber so lange keine Privatgesellschaft das Risiko übernehmen will, steht kein anderer Weg zur Schaffung eines von Amerikanern controllirten Kabels im Pacific - Ocean offen. vaw - r -ru "3 o . y'r"k 0 r'i-r.i-Die beigefügte Karte ist felbstverständlich Zukunftsmusik. Bei dem rafchen Aufstreben Japans und bei der berechtigten Erwartung, daß China nach dem jetzigen Kriege dem Beispiele Japans wenigstens einigermaßen folgen wird, dürfte jedoch die Zukunft, in welcher die auf der Karte angedeutete Musik" gespielt wird, nicht in allzu nebelhafter Ferne liegen. Die Ber. Staaten haben bereits alle Vermessungen beendet, welche sich auf die Legunz des Kabels San Franci-co-Honolulu beziehen. Der Kostenanschlag stellt sich für diese Linie auf $2,528,000. Es hat sich bei den Vermessungen herausgestellt, daß die unterseeischen Vulkane, welche man auf dieser Strecke antrifft, ganz sicher umgangen werden können; auch gegen einen der schlimmsten Feinde' der Kabel, die Korallenthierchen, glaubt man sich schützen zu können. indem man das Kabel bei der Landungsstelle inHonolulu durch einen Stablpanzer zu schützen gedenkt. Eine Depesche von San Francisco nach Yokohama kostet gegenwärtig 52.86 per Wort. Die Route geht übe? das atlantische Kabel, dann über Suez. Aden. Bombay. Singapore etc. Durch das pacifische Kabel würde der Preis für amerikanische Depeschen nach China, Japan und auch nach den Straits - Settlements und Indien wesentlich herabgesetzt werden und de? Verkehr ungemein, erhöht werden können. Im Vertrauen. Eine schöne Empfehlung von mei nem Chef und er laßt um sofortige Begleichung der Rechnung ersuchen !" Wie? Glaubt denn Ihr Herr etwa, daß ich ihm .durchgehe!" Das nicht .... aber im Vertrauen gesagt mein Herr will idurchzehen!Ahnenstolz. A.: Cl. gehen Sie mir mit Ihren Ahnen! Ich z. B. stamme in gerader Linie von Adam ab!" v. B.: Adam? Adam? das wird auch so'n Kerl ohne Vorfahren sein!" Fatal. Verleger (zum Redacteur): Die erste Nummer unser Zeitung sieht so weit ganz gut aus, nur eins gefällt mir nicht. Redacteur: So, was denn? Verleger: In, dem; Briefkasten ist eine Bemerkung mit Ein langjähriger Abonnent" untere zeichnet!
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