Indiana Tribüne, Volume 18, Number 192, Indianapolis, Marion County, 31 March 1895 — Page 3
Die wlls Aomteß. Rcma.l ron gmsi von Wo5zgg?n. (2. Fortsetzung.) Die Herrschaften schritten jetzt aus dem Hofraum hinaus in's Feld. Der Graf gab seinem neuen Verwalter Auskunft über die ungefähre Ausdehnung der einzelnen bebauten Flächen, womit sie im vergangenen Sommer bestanden gewesen wären, und beantwortete seine Fragen über die bisherige Art der Bewirthschaftung. Damit ging wohl eine gute Stunde hin; und dann übernahm es die Komteß, Norttig die weiter gelegenen Gebiethstheile zu zeigen. Man ging nach dem Stall. Die Komteß befahl für Norwig einen noch jungen Fuchswallach, mecklenburgischer Zucht, zu satteln, während sie selbst sich ihr Leibroß, einen feurigen Graditzer Hengst, vorführen ließ. Herr von Norwig hielt ihr derSitte gemäß seine Hand hin, damit sie beim Aufsteigen ihren Fuß hineinsetzen sollte; aber sie lachte ihn aus: LassenSie das nur bleiben. Mich kriegen Sie doch nicht hoch. Wissen Sie, was ich wiege?" Norwig lächelte fein: Sie haben mir gesagt, daß Sie leine Schmeicheleitn lieben, Komteß: und wenn ich Sie nun überschätzte? Das würden Sie doch nicht dulden, nicht wahr? Und unterschätzen kann ich Sie nicht!" Das wollte ich mir auch ausredeten haben!" rief die Amazone leicht erröthend. Nun, wir wollen einmal sehm. was Ihr Arm zu meinen hundert achtundsechzig Pfund sagt." Herr von Norwig bekam einen ge linden Schrecken, umfaßte aber doch muthig ihren Fuß und siehe da, sie sprang mit einer solchen Federkraft vom Loden ab, daß sie schon im Sattel saß, eh er ihres Gewichtes recht gewahr geworden war. DieKomteß schien mit ihm zufrieden zu sein, denn sie gönnte ihm einen wärmeren Blick, als noch je bisher. Im nächsten Augenblick hatte auch er sich mit edler Leichtigkeit in den Sattel geschwungen. Der Graf ging noch eine kleine Strecke neben dem ruhigeren Fuchs einher, während seine Tochter auf dem wilderen Hengste schon eine Strecke vorausgesprengt war. Geben Sie ein wenig acht auf meine Tochter," sagte der Graf. Sie ist ja eine perfekte Leiterin, aber ich bin doch immer etwa5 unruhig, wenn sie auf dem Hengst sitzt. Sie wird sich Jhnen heute vielleicht etwas zeigen wollen halten Sie sie wenigstens von zu großen Tollheiten zurück!" Herr von Norwig versprach, sein Vestes zu thun, und der Graf nahm von ihm Abschied mit den Worten: Na, liHen Sie sich nur recht gründlich informiren! Hier in unserm Walde sind übrigens auch Stellen, wo Sie 'Ihre Sonntagsandacht auf Ihre Art derrichten können. Ich werde hier inzwischen das Fräulein Sophie Bandemer erwarten. Ick, gestehe Ihnen, ich bin äußerst neugierig, haha! Muß nach dem Bilde ein bezauberndes Geschöpf sein! Verratben Sie mich nur nicht der Gräfin . ich habe ihr das Photogramm beute früh aus ihrer Schreibmappe stibitzt. Wissen Sie, um mich vorher etwas zu orientiren!" Mit jenem schalkhaften gedämpften Lachen, welches vornehmen alten Kavalieren so wohl ansteht, holte er ein Photogramm aus der Brusttasche und reichte es Norwiz hinauf. Der über
hatte nicht sobald einen Blick darauf . geworfen, als er zusammenzuckte, wie vom Blitz getroffen, und für einen Augenblick leichenblaß wurde. Pikantes Lärvchen, was?" fragte der Graf. Scheint Sie auch so auf fcen ersten Blick zu frapplren wie mich." Norwig lachte und stotterte einige unverständliche Worte hervor, während er dem Grafen das Bild zurückgab. Und dann setzte er dem Pferde die Sporen in die Flanken und jagte davon, als ob die dunklen verheißungsvollen Augen, die ihm aus jenem Kartenblatt entgegengeölickt, ihn in wilde Flucht gejagt hätten. Als Norwig das Hofthor erreichte, kam Komteß Marie in der Kastanienallee, welche sich bis an den Forst erstreckte, ihm bereits wieder entgegengetrabt. Wo bleiben Sie denn?" rief sie ihm ungeduldig zu. Hat der Gaul etwa Sperenzien gemacht? Brachten Sie ihn nicht vom Stall weg?" Norwig entschuldigte sich kurz damit, daß der Herr Graf ihn noch zurückgehalten habe; aber der Ausdruck verhaltenen Zornes im Ton seiner Stimme, und die fast drohenden Blicke, mit denen er seine Worte begleitete, machten die Komteß stutzig. Sie mußte annehmen, daß ihre schroffe Art ihn verletzt habe. Ein flüchtiges Roth huschte über ihr Antlitz. Sie war es nich? gewohnt, daß jemand seinem Mißfallen über ihre Art und Weise solchen Ausdruck gab. Sie war nun einmal nicht, was man für gewöhnlich rücksichtsvoll nennt, sie sagte jedem ihre Meinung frei in's Gesicht und kleinliche Uebelnehmerei war ihr ein 3reuel. Ah, mein Herr!" sprach sie bei sich selbst, wenn Sie mit Handschuhen angefaßt sein wollen, dann werden Sie auf das Vergnügen meiner näheren Bekanntschaft verzichten müssen." Sie setzte eine trotzige Miene auf und überließ es ihm. die Unterhaltung in Fluß zu bringen. Eine ganze Weile trabten sie schwergend nebeneinander her. Er blickte düster sinnend vor sich hin und schien mit seinen Gedanken weit ab zu sein von der Herrlichkeit dieses Spazierrittes in der frischen Kühle dreses dunklen Laubgewölbes. Sein Pferd empfand shn wohl als einen Fremden; er hatte schon allerlei Unarten versucht, ohne 'daß ihm eine durchgelassen worden wäre. Jetzt scheute daS Thier plötzlich
vor einer Krähe, die dich! vor fqm aufslcg, stieg in die Höh:, drehte sich kurz um und versuchte in entzegengesetzter Richtung durchzugehen. Da aber mußte es zu seinem Schaden seinen Meister spüren: denn Norwig nahm es mit mächtigem Druck zwischen die Schenkel, riß seinen Kopf mit solcher Gewalt herum, daß es nachgeben mußte und setzte ihm schließlich die Sporen derart in die Weichen, daß das Blut zu beiden Seiten in halbfingerbreiten Strömen den Bauch herunterrieselte. Dann aber ließ er dem Pferde plötzlich die Zügel und setzte es in Karriere, es durch Peitschenschläge und wilde Zurufe, wie er sie wohl von den Gauchos in Südamerika mitgebracht haben mochte, zu immer tollerem Laufe antreibend. Die Komteß, welche anfangs zur Seite abgelenkt hatte, um zu beobachten, wie er mit seinem unartigen Thiere fertig werden würde, gab nun dem lebhaften Dränge ihres Hengstes nach und sprengte in gestrecktem Galopp hinter Norwig her. Jetzt bog dieser aus der breiten Kastanienallee in einen Feldweg ab, der am Ufer eines kleinen Secs entlaug über die Wiesen und weiterhin in den Wald führte. Dem größeren und auch edlcren Thiere gelang es ziemlich schnell, den Mecklenburger Fuchs einzuholen, und beide sprengten nun in ziemlich glcichmäßiger Geschwindigkeit auf dem weichen Wiesengrunde dahin. Ein ziemlich breiter Graben wurde von bttdenPfcrden mit leichtem Sprunge genommen. Ebenso etwas später einige Schafhürden, die für den Tag zu vieren hintereinander aufgestellt waren. Die Komteß mußte sich sage.i, daß sie kaum gswagt haben würde, von Obotrit, so hieß der Fuchswallach, eine solche Leistung zu verlangen. Eine um so größere Kühnheit war dies von einem, der das Pferd zum erstenmal ritt. Ueberhaupt: dieser Norwig verstand zu reiten, das mußte man ihm lassen! Noch immer rannten beide Thiere, den Bauch fast auf der Erde, mit weit vorgestreckten Hälsen nebeneinander her. Das Neitkleid der Komteß war bereits mit Schaumflocken übe? und über bedeckt, ihr Antlitz glühte, ihr Busen wogte, ihr Athem hastete und Norwiz faß immer noch über den Hals des Pferdes gebeugt mit demselben düster gespannten Ausdruck in den Zügen im Sattel, nur hin und wieder einen wilden Zuruf zwischen den K?schlossenen Zähnen hervorstoßend. Die Komteß war völlig außer Athem, sie zog die Zügel fester an und setzte das Pferd ein wenig auf die Hinterhand. Der Mecklenburger dagegen jagte immer weiter. Erst nach geraumer Zeit bemerkte Norwig, daß die stolze Amazone nicht mehr an seiner Seite ritt. Er wandte sich um, schwenkte seine Peitsche wie triumphirend im Kreise, ließ einen langgezogenen, fremdartigen Ruf ertönen und dann erst mäßigte
auch er den Ganz seines Pferdes allmählich bis zum Schritt herab und ließ die Komtesse an sich herankommen. Als sie in kurzem Trab an seinem zitternden, ängstlich keuchenden Wallach vorbeitrabt:, zog er seinen Hut tief ab und fragte mit etwas schadenfrohem Lächeln: Nun. Komteß, was meinen Sie, nehmen wir's miteinander auf?" Sie stellte sich in den Bügel und hob die herrliche Gestalt etwas aus dem Sattel. Ihr armer Obotrit wird an diesen Morgen nock lange zuruckdenken!" keuchte sie athcmlos, ohne seine eigentliche Frage zu beantworten, und dann preßte sie die Linke auf dicBrust, um ibre immer noch tobende Lunge zu beruhigen. Verzeihen Sie mir, gnädige Komteß!" begann Norwig, nachdem er sich lange genug an ihrer Aufregung gewerdet hatte: Verzeihen Sie mir. daß ich Sie zu diesem tollen Nitt verführte und verrathen Sie mich nicht dem Herrn Grasen: ich hatte ihm versprochen, dafür zu sorgen, daß Sie es nicht zu toll trieben! Er lachte laut auf, aber das Lachen klang hart und gezwungen. Ich rathe Ihnen, meinem Vater dergleichen nicht wieder zu verfprechen!" rief die Komteß mit einem seitsamen Aufblitzen ihrer grauen Augen. Ich habe mrch sozusagen selbst m Freiheit dressirt, ich dulde weder Zaum noch Zügel! Sie warf den Kopf verachtllch zurück: Ueberhaupt müssen Sie es aufgeben, mich wie ein FrauenZimmer zu behandeln, wenn Sie mit mir gut Freund bleiben wollen! Ich verlange weiter nichts, als daß man sich der Form nach gegen mich beträgt wie gegen eine Dame: aber dem Wesen nach sehe ich keinen großen Unterschied zwischen mir und einem vernünftigen Menschen!" Wollen Sie damit sagen, daß Sie Ihr Geschlecht nicht zu den vernünstigen Menschen rechnen?" Ihr Männer rechnet es ja nicht da zu! Ihr setzt es auf einen Altar, wie eine vergoldete Holzpuppe und beräuchert es mit eurem Flauscndunst; aber nur, um nachher um so leichteres Spiel damit zu haben, wenn es sich benebeln ließ! Oder halten Sie es etwa eines vernünftigen Menschen für würdig, sein ganzes Leben auf einen fo blinden Zufall zu bauen, wie es die Ehelotterie für ein Mädchen ist?" Norwig ritt eine ganze Weile schweigend neben ihr und lächelte zu ihrem größten Aerger nur ironisch vor sich hin. Endlich konnte sie nicht länger an sich halten und rief: Ha! da haben wir's! Sie lächeln! Das ist die gewöhnliche Antwort der Herren, wenn eine Frau herbeiläßt, vernünftig mit ihnen zu reden? Wissen Sie auch, daß ich das Recht habe, so zu reden? Ich weiß sehr wohl, daß ich nicht begehrenswerth bin: ich habe ein Gesicht wie ein Pfannkuchen und kann zuweilen recht unliebenswürdig sein. Aber wissen Sie auch, daß ich mich trotzdem recht wohl befinde? Daß die Aussicht, eine alte Jungfer zu werden, gar nichts
77bschr:SeneZ für mC) 5a:? 33 habe mein Lebtag lieber mi! Wn:'.c:n verkehrt, als mit Frauen, weil mir die kleinen Wcibcrinteressen unendlich gleichziltig sind, und weil ich in tv.::: Manne niemals einen Gegenstand ds süßen Schreckens sehen konnte!" S-? lachte laut auf und gab ihrem Pctrini pos einen leichten Schlag auf den Hals, so daß er sich in Trab setzte. Norwig hatte sie zu verschiedenen Malen zu unterbreche versucht. Jetzt erwiderte er ihr. indem er sich gleichfalls in Trab setzte: Sie haben mein Lächeln völlig mißdeutet. Gnädigste! Es kommt mir so drollig vor, eine Frau mit solcher Bitterkeit von der Ehelotterie sprechen zu hören als ob für uns die Chancen' etwa andre wären? Was weiß denn ein Mann von dem Mädchen, dem er seine Hand anträgt? In unsrer guten Gesellschaft wenigstens, wo die Heirathen vor schriftsmäßig nach alter Sitte zustande kommen? Was ist aber ein Mann, der eine Niete gezogen hat, für ein bedauernswürdiger Geselle? Wenn alle Bande zerrissen sind, die er sich einst mit Wonne um den Hals legen ließ, so bleibt ihm doch immer noch die schwere Kette von tausend Pflichten zu schleppen übrig, die er nicht abwerfen darf, ohne in den Augen der Welt als ein Ehrloser zu erscheinen!" Nottvig sprach noch eine ganz: Zeit in diesem Sinne weiter, während sie ihre Pferde gemächlich durch den prächtigen LaubWald dahinschreiten ließen. Komteß Marie hatte niemals die Ehesrage in solchem Sinne besprechen hören. Was dieser Herr von Norwig ihr da sagte, leucktete ihr ohne weiteres ein, nur verwirrten sie seine bestimmten, ausführlichen Auseinandersetzungen für den Augenblick so, daß sie ihm nicht gleich zu antworten, oder den Bohrer eines Zweifels an einer bestimmten Stelle anzusetzen ver--mochte. Ihre Wangen waren noch von dem scharfen Ritt gcröthet, ihre Augen nachdenklich zu Boden gesenkt, ihre Lippen von dem Lächeln leichter Befangenheit umspielt. Sie war nicht häßlich in diesem Augenblicke Herr von Norwig fand das auch, als er so von der Seite den Blick an ihrer stolzen Gestalt hinabgleiten ließ. Sehen Sie wohl, gnädigste Komteß, daß Sie mir heute schon zum zweitenmal Unrecht gethan haben? Geben Sie mir nicht das Zeugniß, daß ich imstande bin, auch mit einer Dame mit Vernunft zu reden?" Muß ich Abbitte thn?" entgegnete die Komteß lächelnd. Gewiß nicht!" versetzte er höflich. Aber es würde mich glücklich machen, wenn Sie mir auch ferner die Erlaubniß geben wollten, so zu Ihnen zu reden so, was Sie und ich vernünftiz nennen. Wissen Sie, daß ich gestern die größte Lust hatte, mit dem
nächsten Zuge davonzufahren, nach den Erschütterungen meine Innersten durch das Fahrzeug des alten Hinrich? Aber da kreuzten Sie meinen Weg und Sie hießen ich darf es wohl vor Ihren Ohren wiederholen, was alle Leute sagen? die tolle Komteß! Das Wort übte einen merkwürdigen Zauber eis mich aus es zwang mich unbewußt zu bleiben; denn ich habe die Erfahrung gemacht, daß die Mensazm, welche der Allgemeinheit für toll gelten. m Wirklichkeit nur darum Ausnahmen sind, weil sie die wahren Vernunftlgen sind. Sehen Sie, Komteß, da sind wir wieder unter uns vernünftigen Leuten." Ah, das muß ich sagen, Herr von Norwig, so schwer es mir auch wird. zhnen das zuzugestehen, aber dies ist die erste Schmeichelei, die mir wirklich Spaß gemacht hat!" Dabei lachte sie freundlich auf und sah ihm voll in's Geucht. Ich habe so eine Ahnung, als ob ich von Ihnen etwas lernen könnte und ich lerne gern, besonders, wenn es ohne Bücher und so lustig zu Pferde abzumachen ist. Sie scheinen auch von uns Frauen mehr zu wissen, als ich selbst; Sie würden wohl nicht zu Jhren Anschauungen gekommen sein ohne eigne Erfahrung. Seine Züge nahmen wieder den düster gespannten Ausdruck von vorhin an. Er pfiff durch die geschlossenen Zähne und schlug sich mit der Reitgerte gegen die Stiefeljchaste. Als er empor sah, traf sie ein eigen leuchtender, forschender Blick, der sie zwang, ihre Augen niederzuschlagen: Ja, Komteß," sagt: er, Ihnen und den Bäumen hier sei es anvertraut: ich habe diese Ersahrunz gemacht: die Frau, die ich. aus Liebe, aus blinder, wahnsinnigerLiebe mir zu eigen gemacht hatte, hat mir mein ganzes Leben zerstört mit einer Grausamkeit, einer lächelnden Kaltblütizkeii...." Die Erinnerung übermannte ihn, er vermochte den Satz nicht zu vollenden. Mit innigem Mitgefühl wandte sich Komteß Marie zu ihm und sagte leise: Sie sind erlöst, nicht wahr? Sie ist lv V 4 i Sie waren eben an derselben Stelle angekommen, wo gestern die tolle Komteß zum erstenmal Norwigs Weg gekreuzt hatte, und gerade so wie ge stern kam auch heute in diesem Augenblick das leicht: Wägelchen dahergerollt, mit welchem Brinkmann das Fräulein Sophie Bandemer von der Station gzholt hatte. Nor.rtg und die Komteß erblickten gl:ichz:it:g das Fuhrwerk, und ersterer, der schon den Mund zur Antwort geöffnet hatte, schloß ihn plötzlich wie der, wandte sein Pferd nach der entgegengesctzten Richtung und machte Miene. davonz::fpr:ng:n, als die Komteß freundlich ihre Hand auf seinen Arm legte und ihm leise zuraunte: Wohin? Vollen Sie nicht unser neues Fräulein begrüßen? Sie sckeint sehr hübsch zu sein. Mein Papa ist schon ganz aufgeregt vor Erwartung." Norwig zwang seine Mienen u ei
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U.bjvi Ml WWltfe Wb.lt VVfc'.V langsam sich nähernden Wagen entgegen. Brinkmann ließ die Zügel lose auf der Pferoe Rücken liegen, 'Kitte sich ganz herumewendet und sich dermaßm in ein Gespräch mit dem Fräulein Sophie vertieft, daß er das Herannahen der Reiter nicht eher gewahr wurde, als bis das Fräulein, ein lustiges Gelächter plötzlich unterbrechend, ihn aufmerksam machte. Er setzte sich mit einem Ruck in Posiur, faßte die Zügel fester und grüßte mit der Peitsche; während die Dame ein sehr ehrbare, bescheidene Miene annahm und sittig den Gruß der Komteß erwiderte. Fräulein Bandemer, nicht wahr?" Allerdings, gnädige Frau!" erwiderte die Gefragte. Nun sehen Sie, Fräulein, wie feierlich Sie eingeholt werden!" lachelte die Komteß: Die älteste Tochter des Hauses reitet Jbnen mit dem Herrn Oberverwalter entgegen. Hier stelle ich Ihnen Herrn von Norwig vor." Norwig trieb sein Pferd zwei Schritte vor, denn die Komteß hatte ihn bisher vor drn Augen des Frauleins verdeckt, und nahm seinen Hut ab. Da öffnete das Fräulein im Wagen den reizenden kleinen Mund und ie dunklen Augen weit, alle Farbe wich aus ihren vollen rothen Lippen und ihre rechte Hand griff kramphaft nach der Seitenlehne des Sitzes. Kennen sich die Herrschaften dielleicht schon?" fragte die Komteß, verwundert über dies Gefahren. Da kehrte ebenso rasch, wie sie geschwunden, dem hübschen Gesicht die lebhafte Farbe wieder, und mit gut gefpielter Verlegenheit versetzte Fräulein Bandemer: O nein, doch nicht. Es war nur eine merkwürdige Ähnlichkeit auf den ersten Blick, die mich so frappirte. Aber nein, der Herr hat ja eine ganz andre Nase ich bitte sehr um BerzeihuLgl- . 4. Kapitel. Hzndklt von d?n schön? Auz? i:i u:vil:ni 0 p!ik, uns tm vkm llnfnj, u dlinit gejHi.'ht. Wi: PftsrZ Letk sich b:inz!-,k v.'rlsdt bitlf un5 nur irrn 3 4 n? 9" sin Di:a::nf3 U: l5. Saturn Dir toll. komkki; si.tz (vank.'n n-.adji uns n.'ch i-ät 1b:n0J )u:n Ocnfrr hinzuzjchauk. Und dann noch eins, liebes Fräulein," sagte die Gräfin zum Schlüsse eines Gespräches unter vier Augen ji der neuen Hausdame. Sie votn schon aus meine:.? Briefe, daß Sie in ein streng christliches Haus kommen ich habe also wohl nicht nöthig, Ihnen noch besonders an's Herz zu legen, daß Sie Ihren Lebenswandel auf das sorgfältigste selbst überwachen müssen. Es ist mir, gottlob, bis h?u!e gelungen, meine Töchter von jeder Berührung mit der sog:nannten großen Welt fernzuhalten, die meiner Ansicht nach schon längst verdient hätte, wieder einmal vom lieben Herrgott mit Pech und Schwefel gezüütigt zu weroen, wie einst Sodom und Gomorrha!" Ach ja!" seufzte das Fräulein Sophie und ließ die schweren Lider über ihre feurigen dunklen Augen und ihr feines Köpfchen aus die linke Schult! r sinken. Frau Gräfin haben leider nur zu recht!" Haben Sie etwa selbst die Lücken und Tücken des Satzns erfahren?" Die Gräfin firirte Fräulein Sophie mit einem Blicke, welcher eine drollige Mischung von Neugier und christlichem Erbarmen darstellte. O, Frau Gräfin," versetzte das Fräulein, wenn man, wie ich, schon in zarter Jugend in die Fremde hinausgestoßen worden ist, um sich sein Brot ollein zu verdienen, dann macht man viele herbe Erfahrungen. Aber ich glaube, ich darf sagen, ich habe die Welt überwunden! Ich betrachte es als eine ganz besondre Gnade vom Herrn, daß er mich in Ihr Haus geführt hat. Hier darf ich hoffen, den Frieden meiner Seele völlig wiederzufinden, hier, wo von der gütigen Herrin des Hauses ausgehend, ein Hauch der Liebe, der Ruhe in Gott das ganze Haus durchdringt." Die üppigen Wanken der alten Da-, me erglühten für einen Augenblick in lebhaftem Roth. Sie fühlte sich sehr geschmeichelt, rückte etwas verlegen mit ihrem Polstersessel hin und her und glättete die Falten ihres seidenen Kleides über den Knieen, ehe sie wieder zu reden begann. Geben Sie mir Ihre Hand, meine Liebe. Ich denke, wir werden uns verstehen. Wenn Sie etwas auf dem Herzen haben, so kommen Sie nur zu mir. Ich bin ja auch einmal jung gewesen und weiß, was so ein Herzchen bisweilen zwickt das heißt nicht etwa, daß ich jemals Geschichten gemacht hätte, nein; dazu bin ich viel zu gut erzogen worden. Auf eh3 muß ich Sie aber doch aufmerksam machen: ich nehme nie ein Blatt ro. den Mund. Wenn mir etwas an Ihnen nicht gefällt, dann können Sie sicher sein, daß ich es Ihnen gleich in's Gesicht sage!" Frau Gräfin können überzeugt sein, daß es stets mein eifrigstes Bestreben sein wird, Ihren leisesten Winken nachzukommen." Fräulein Bandemer verbeugte sich tief. Die Gräfin erhob sich von ihrem Sitze, um anzudeuten, daß di: Audienz zu Ende sei. Als aber die jung: Dame die Thür fast schon erreicht hatte, holte sie sie mit ein paar raschen Schritten ein, klopft: sie freundlich auf die Arme und sagte: ch will's Ihnen nur gestehen, wie Sie da vorhin zur Thür hereinkamen, da lriegte ich einen qehö- ; rigen Schreck! Ich hatt: nämlich schon einmal ein hübsches Fräulein na. ; und mit der habe ich schone Erfahrun gen gemacht! Und ich kann Ihnen sa gen, die war gegen re doch nur dürftig. Ach du lieber Herrgott ja, die 1 hübschen Lärchen! Es ist ein Jammer. was die für eine heidenmäßige Zucht i anrichten! Na atcr, da Sie der Wut ! entsagt habta. Uebriaens. der In spektor ist. ja Gott sei Dank in- Vc: äl
teste Pasiorstochter verschossen, Drinkmann ist ein Lengel. Da bleibt nur un-
st? neuer Ooeroerwaitcr ein angenchmer Mann er ist Wittwe? der hat aber trübe Erfahrungen hint:r sich!" i Das Fräulein hustete, und auf ihren Wangen erschienen, um die Backenknochen herum, thalergroß: othe Flecke. Die Grcf:n fuhr fort, ohne sich unterbrechen zu lassen: Denken sie nur stets daran, liebe Bandemer, daß Sie ein leuchtendes Beispiel für meine Tochter Viktoria sein sollen. Meine alte? Tochter nenne ich gar nicht die geht ihren Weg für sich und die rechne ich überhaupt gar nicht zu uns Frauenzimmern. Die hat Kräfte wie n Mann n zeder Beziehung, und wenn ihr was in den Weg kommt, dann wird sie es schon allein wegzuräumen wissen! Aber die Vickl, die ist, Gott seis geklagt, noch wie ein Rohr im Winde. Es ist ia ein sehr gutes Kind, aber sie läßt sich so leicht beeinfluten, daß ste geradezu verloren wäre, wenn sie unter einen schlechten Einfluß käme. Und darum leg: ich Ihnen die Lilti ganz befondttZ ans Herz." Das Fräulein küßte der Gräfin dewüthig die Hand, betheuerte ihren be sten Willen und zog sicq mit einer abermaligen Berbeuguna, die jeder Hofdame Ehre gemacht hätte, zurück. Ein ganz eigen nnnendes Lächeln stand auf ihrem reizenden Gesicht, als sie nun langsam die Treppe hinunterschritt. Zufällig kam ihr der alte Graf entgegen und sobald er sie erblickt hatte, leuckteten seine blauen Augen vergnüglickz auf und er stieg mit beschleunigten Schritten die Trepp: hinan. Fräulein Sophie wollte beiseite treten, um ihn vorbei zu lassen; aber ehe sie sick dessen versah, hatte der alte Herr sie beim Kinn gefaßt, indem er dabei zärtlich flüsterte: Na Lickichen?" Sie lieg sich aeduldig die glatte Wange streichen und flüsterte nur ganz demüthig zurück: Herr Graf irren r-x-ii" llW Der alt: Herr fuhr erschrocken zurück, versetzte in komischer Verwirrung seiner irre gegangenen Hand selber einen leichten Schlag mit der andern und stammelte: Ach, me:n Fraulem, ich bitt: tausendmal um Vergebung! Das schlechte Licht auf dieser Treppe... ich bin leider seh? kurzsichtig...." Dies: letztere Behauptung entsprach durchaus nicht der Wahrheit, indem Graf Pfung! sich vielmehr. eines unge mein scharfen u.: erjreute. So bemerlt: er denn auch, daß der Blick, mit welchem Fräulein Bandemer, das öpken schämig zur Seite geneigt. zu l?:n auszaüt:, durchaus nichts von Feindseligteit und Unversöhnlichleit in sich barg. Er nickt: ihr leutiellg za und schritt dann weiter die Treppe hinauf. Aoer ichon drei Stufen hoher wandte er sich und veranlaßte durch ein leises Räubern auch das Fräulein sich umzuwenden. Da spitzte er den !und und l:c.t: seinen Zeigefinger, an welchem er seinen in rothen Karneol aeichnittenen Siezelrina trug, zum Zeichen, daß sie das kleine Mißversiandniß für j:ch befallen möge, an die Lippen. Fräulein Sophie streckte mit vollendeter Grazie oen kleinenKopf auf dem schlanken Halse, sich leicht verbeugend, vor und huschte dann mit lindlich leichten Tritten vollends die Treppe hinunter. Süperb! Ganz süperb!" schnalzte der Graf leise für sich, wie wenn er eben einen Schluck eines köstlichen alten Weines mit verständnißvoller Zunge im Munde zerdrückt hätte. Süperb, süperb!" wiederholt: er immer wieder, naö'.dem er schon sein Zimmer betreten und es sich in einem eleganten, niedrigen Polsterstuhl bequem gemacht hatte, indem er die Füße auf einen Rohrstuhl ausstreckte. Er zündete sich eine sehr gute Zigarre an und nahm die Kreuzzeitung vor. Aber er schien nicht sehr von dem Leitartikel gefesselt zu werden, denn seine Augen folgten, über den Rand des großen Blattes hinweg, den zartblauen RauchWölkchen und seine Gedanken schienen mit ihnen in dem breiten Lichtstreifen, der vom nächsten Fenster ausging, hinauf zu sch'.oeben in das blaue Reich der lachenden Sonne. Er legte auch bald die Zeitung fort und langte sich einen Brief von dem Lesetischchcn ihm zur Rechten. Aus einem Umschlag von unbeschnittenem Büttenpapier, worauf ein altdeutscher Spruch in bunten Lettern gedruckt war, zog er einen ebenso stilvollen Briefbogen hervor und überflog die zierliche DamenHandschrift (zum drittenmal) mit leicht zugekniffenen Augen. Der Brief lautete: Hamburg, ien 10. August 18. J-rehrteste Frau Gräfin! Fräulein Sophie Bandemer, welche sich um die von Jbnen ausgeschriebene Stellung als englische Gesellschaftsdame und Stütze der Hausfrau bewarben hat, ist zwar nur wenige Wochen in meinem Hause gewesen, ha! sich aber unsre Zuneigung und unser Bertrauen so vollkommen zu erwerben g wuBt, daß ich nicht anstehe, Ihnen die Dame aur's wärmste zu empfehlen. Sie beherrscht die Umgangsformen wie eine Dame von Welt, bentzt eine incht gewöhnliche Bildung, welche sie, im Gegensatze zu unsern überstudirte- armen Gouvernanten, eigner Anfthau ung und Erfahrung verdankt, und ist endlich seh? umsichtig und selbstständig in der Führung des Haushaltes. Jh-. rer etwoL angegriffenen Lunze wegen sehnte rt sick nach einem ruhigen Aufenthatt in kräftiger Landlaft. Wenn nicht verschiedene Anzeichen uns darauf aufmerksam gemacht hätten, daß die Anmuth ihrer Erscheinung dem Herzen unsres einzigem , Sohnes , gefzhrlich zu werden drohe, so ließen wir ste gewiß nicht ziehen. Ich kann Sie jedoch versichern, Anädizste Frau Grä sin, daß ihr Böhmen meinem Sohne, fowie überhaupt der Herrenwelt gegenüber, nie zu den geringsten Zwei-
feln an ihren Grundsätzen Beranlassung gegeben hat. Alles übrige werden Sie aus ihren Papieren ersehen. Fräu
lein Band?mer kam mittellos und ohne eine Seele in Hamburg zu kennen, hier an. Sie wurde mir von einer Agentin zugeführt. Denken Sie, wie leicht ein junges Mädchen ohne die strengsten Grundsatze ur.'ter solchen BerHältnissen in's Unglück gerathen kann! Darum freute es mich ganz besonders. daß ihr guter Stern sie gerade m mein Haus führte. Möchte diese meine Empfehlung dem vortrefflichen Madchen auch das Ihrige eröffnen. Genehmigen Sie, gnadigste Frau Gräfin, den Ausdruck meiner vorzüglichsten Hochachtung, mit welcher ich verbleibe Ihre ganz ergebenste Frau Konsul Wuwermann. Der Graf steckte das Schreiben wieder in den Umschlag und lehnte seinen schönen Belasquez-Kopf auf den Stuhlruaen zurück. Sie ist charmant, trotz ihrer Grundsätze ha ha!" lachte er leise und dann hauchte er einige kunstvolle Rauchnnge in den Sonnenstreifen hinern und schloß endlich die Augen. Auch drüben im Wohnzimmer der Gräfin war Fräulein Bandemer de? Gegenstand des Gesprächs gewesen. Die Gräfin Mutter hatte nicht versäumt, ihre Weltentsagung bei so viel Reiz und Jugend den Komtessen Töchtern als leuchtendes Beispiel vor Augen zu stellen. Obwohl sie mit sittlicher Entrüstung die Gewohnheit des Mittagsschläfchens als eine ihr unbekannte menschliche Schwäche zu bezeichnen pflegte, fielen ihr doch regelmäßig zu einer gewissen Stunde nach Tische die Augen zu, und die fleißig strickenden Hände sanken ihr in 'den Schooß. So auch heute und sobald das wohlbekannte, sanft schnürrende Geräusch des mütterlichen Athems ertönte, verließen beide junge Damen geräuschlos das Zimmer. Ohne Hut, wie sie gingen und standen, traten sie aus dem Schloß und liefen. Arm in Arm, in den Park. Ist sie nicht reizend?" eröffnete Komteß Bicki das Gespräch. Die große Schwester nickte nur und ließ Bicki ungestört im Eeplauder fortfahren. Ach, Marie, solche entzückende Taille werde ich wohl niemals bekommen!" klagte sie drollig, indem sie die Hände fest in ihre starken Hüften setzte. Und dann, weißt Du, dunkle Augen sind doch auch zu was Schönes! So apart, so unheimlich und doch so süß! Blaue Augen haben hier ja alle denke doch bloß an die Pastorsgöhren! Weißt Du nicht, ob es etwas gibt, womit man sich die Augen schwarz färben kann? Ich thäte es gleich es könnte sogar ziemlich weh thun." Komteß Marie lachte laut auf. Ach, Du unglaublicher Kindskopf Du! Wen wolltest Du denn mit solchen herrlichen schwarzen Augen bezaubern? Vielleicht Vrinkmannl" Bicki stampste mit dem Fuße auf und schmollte: Ach, geh' mir doch mit dem dummen Jungen! An Männer denke ich überhaupt nicht. Aber es wäre doch schon zu reizend, wenn ich mich bloß im Spiegel so anfunkeln könnte?" Du eitle kleine Kahe! Du guckst ja schon viel zu viel in den Spiegel!" Und dann faßten sich die großen Mädchen gegenseitig um die Taillen und trabten den dunklen Tannengang, hinab nach dem Teiche zu Sie bestiegen den kleinen Kahn und ruderten sich ein Stückchen hinaus. Dann ließen sie das leicht? Fahrzeug treiben und begannen ihr vertrautes. Gespräch auf's neue. Glaubst Du, daß er sich auch gleich in das Fräulein verlieben wirdT" fragte Vicki. Wer? Er?" Na, 'Herr von Norwig natürlich! Ach so? Der ist also jetzt der Mittelpunkt Deiner Gedanken! Ich glaube nicht, daß der große Lust dazu haöen wird. Er ist schlecht auf die Frauen zu sprechen. Uebrigens Was denn?" Ach nichts!" Einen weiß ich, der sich ganz bestimmt in sie verlieben wird," rief Vicki triumvhi'rend. Pst! Nicht so kaut," beschwiaPigte sie die Schwester wir müssen ein bischen, auf Papa achten sonst muß er wieder bü'ßcn roie damals, als Albertine es ihm angethan hatte!" Und Vicki lachte lustig und schwatzte weiter: Er ist zu reizend, wenn er verliebt ist! Und fetzt hat er schon so lange nichts für fein Herz gehabt, daß ich schon fürchtete, er würde nächstens anfangen,. Pastors Beate den Hof zu machen! Ich fillde es zu nctt, wenn alte Leutrben reoÄ so ein iruraes Herz haben. Wenn ich einmal eir Dame in gesetzten Jahren bin, werde ich mir's auch gewiß nicht nehmen lassen hübsche junge Männer hübsch zu: finden." Was wird aber Dein: Mann daz5. sagen?" Ach, der wird doch rächt so affrös sein!" rief das Komteßchen mit eir wegwerfenden Beweau: des Kopfes. ! Und, dann beugte sie sich, plötzlich auf einen andern Gedanken, ubersprinzend, ! m ibrer Sckwester herüber und saote: Glaubst Du wohl, daß er miö auch gut leiden mag?" Komteß Marie Äickite herzlick. abe? Vicki ließ sich nicht irre machen, fon dein fuhr fort: Nein, ich sage Dir. wie n in den alöen gräßliches Ilomo snrn" hineinschnüffelte vnd dann Puh! machte, das war zu reizend!" Die Schwester lachie, bis ihr die Augen in Thränen standen. Ach Vickchen, was soll das noch werden mit Deinem butterweichen Herzen! Wenn rmer nichts weiter nöthig hat, , als Puh! zu machen, um es zum Schmelzen zu bringen, dann wird es wohl zerflössen sein, ehe sich ein Stück Brot daz' gefunden hat." (Fortsetzung folgt.)
Zur die Zükche.
Jngwerbäckerei. Ein halbe5 und Mehl, ein halöcs PsundStaubzucker, 3 Löffel gestoßenen Ingwer, oie feinghackte Schale einer Limonie, 3 Eigelb, ein ganzes Ei, eine Prise Salz werden gut durcheinander gerührt oder auf dem Brette durcheinander gearheitet. Man wellt den Tei fingerdick aus, sticht mit einer geeigneten Form aus. legt dieselben, mit der Rückseite, nach oben, auf das mit Wachs öestrichene Blech, läßt einen Tag oder über Nacht rasten und bäckt sie hellgelb. Es ist gut, sie einige Tage vor dem Gebrauch zu raachen. Reisauflauf. Ein halbes Pfund guten Reis, welcher aufgelesen und gewaschen wird.kocht man in 1 1-2 Quart Milch mit einem Viertel Pfund Zucker, welcher an einer halben Eitrone abgerieben wurde, sowie einer Prise Salz, langsam weich und dick, stellt ihn vom Feuer, gibt 3 1-2 Unzen Butter, welche mit sechs Eigelb schaumig gerührt wurde, in die erkaltete Masse, rührt schließlich den steif geschlagenen Schnee der sechs Eiweiß gut hinein und füllt sie in eine mit Butter bestrschene Form, gibt den Schnee von einem Eiweiß darauf, backt den Auflauf in etwa drei Viertel Stunde in mittelheißem Ofen, bis er oben gelb und schön aufgegangen ist, löst ihn oben von der Form, stürzt ihn auf eine Platte und bestreut ihn mit Zucker. Bringt . man mit einem Fruchtsaft zrr Tische. Behandlung, schlecht gewordener Butter. Hat man Butter, die alt geworden ist und einen schlechten Geschmack, angenommen hat, so kann man dieselbe wieder wohlschmeckend machen,, indem man sie emigemale mit frischer Milch gut durcharbeitet und dann mit kaltem Wasser so lange, nachwäscht, bis dasselbe ganz klar ist. Dieses Mittel ist höchst einfach, gibt aber der Butter ihren ursprünglichen,, frischen, Geschmack wieder. Ein anderes Verfahren, das aber nur in Landhaushaltungen gut anwendbar ist, ist folgendes: Gleich nach dem Buttern, sowie die frische Butter aus dem Faß genommen ist, schüttet man die alte, schlecht schme rlende. nachdem man diese in kleinere Stücke zerschnitten hat, wieder hinein und buttert sie in der frischen Buttermilch etwa eine Viertelstunde lang wieder tüchtig durch, worauf sie ebenfalls mit kaltem Wasser gehörig ausgewa schen werden muß. Um Butter, die längere Zeit aufbewahrt werden soll, vor dem Ranzigwerden zu schützen, hat man nicht nur für eine regelrechte BeHandlung bei der Bereitung sondern auch für einen zweckmäßigen AufbeWahrungsort zu sorgen. Da außer der Wärme auch das Licht sehr nachtheilig auf den Buttergeschmack wirkt, so hat man der Butter stets einen kühlen und zugleich dunklen Platz zu- geben. Verschiedenartige Verwendung der sauren Gurken. Aus sauren. Gurken läßt sich ein guter und äußerst erfn'schender Salat herstellen. Man schält sie, schneidet oder hobelt, sie. in feine Scheibcn und mengt diese mit Essig, Oel und feingewiegter Petersilie, auch wohl einer Prise Pfeffer.. Solcher Salat paßt zu dem feinsten Braten. Die marinirten Heringe werden bedeutend schmackhafter, wenn man . ihrem Beigusse einen Teller gewürfelter oder in Scheiben geschnittener, Gurken beifügt; dem Schöpsenbraten fügt man ebenfalls geradwürfelig geschnittene Gurken bei, wie diese-auch eine, angenehme Sauce zu Klops aus rohem Rind- und Schweinefleisch geben. Endlich ist die Unentbehrlichfeit der sauren Gurke zu Heringssalat: und Ragouts bekannt. Man pflegen die eingesäuerten Gurken aut; beschwere, sie nur mit eichenen Brettcyi, ?n Ermangelung dieser mit Porzellantellern, und stets mit peinlich reinem Stein, nehme,, so oft sich wieder Schaum gebildet hat, diesen sorglichst aö und koste von Zeit zu Zeit das Gurkenwasser, ob ss such nicht etwa faulig schmeckt.. Es ist in diesem Falle noch nichts verloren;, man gießt es sodann ab und macht? neues Salzwasser, auf 36 Gurken etwa 1 Pfund Salz und daä nöthige Wasser nehmend. Verzieht: sich die Lake,, ohne schlecht zu schmecken,, so muß man so viel Salzwasser nachgießen, daß. die Töpfe wieder angefülltsind.. Brorling.. In der amerikanichen Küche ist die unter diesem Namen bekannte Zuberritungsart gewisser Fleisch- und Fischsorten außerordent lich beliebt. Als die hauptsächlichsten Regeln, für Vroiling" beachte- man Folgendes: Das- Feuer muß hellglühend sein, es darf nicht rauchen, noch darf es während des Vroilinz"-Pro-. cessL zurückgehen. Man beginnt daher; sobald das Feuer seiner, höchsten Hitzegrad erreicht hat und hält es in d,ser Höhe durch die Dauer des Pro cesses. Eine Platte wird kißt gestellt. Lutter, Salz und Pfeffer kreifgehal ten. Nun schiebt man ds Fleisch in das Gärer l?nd hält es 2 Minuten wng ziemlich dicht auf die Gluth mlder. dann dreht man es urx. , Auf diese Weise verhindert man vor allm D:ngen das Entweichen des Safirs und kann dann ruhig kxitergehe.'r in der nothwendigen ehadlung. ES raufe dann aufmer'sam. beoöaötet und anhaltend, bald auf die eine, bald auf die andere Seit: gedreht werden.' Es wird für Beefsteak ungefähr 10 Minuten erfordern. Ist es innen nicht mehr bläu-liö-roih, dann wird es sofort auf die Viatte gegeben, mit Butter bestrichen, mit Pfeffer und Salz bestäubt, und nachdem man diese Behandlung auf der anderen Seite des Beefsteaks wieder holte, ist es zum Serviren bereit.
