Indiana Tribüne, Volume 18, Number 192, Indianapolis, Marion County, 31 March 1895 — Page 2
Per Zllischrauch van Arzneie'l und VcnusMiUcln. Zu allen Zeiten und in allen Leu betn ha! es sich für die Menschen als n?th:ndiz herausgestellt, den zu? ErHaltung be.3 Le5-:r.s erforderlichen Speisen und Getränken noch irgend einen anderen Stoff hinzuzufügen, der das Nervensnstem anregt und auf das Befinden wZHIthuend einwirkt. Ganz äußerlich betrachtet, ist ein solches Genußmittel für den Menschen unnöthig,, denn seine Erschöpfung nach Entbehrungen und Beschwerden würde auch ohne solche Anregung allmälig wieder dem Wohlbefinden weichen. Aber di Gleichmäßigkeit de5 Verlangens nach einem derartigen Stoffe bei den derschietensten Völkern und auf den vcrschiedensten Stufen der Civilisation läßt doch den Gedanken nicht schweigen, daß dabei ein wirkliches, begründetes Bedürfniß des Körpers vorliege. Außer dein Tabak rechnet man zu ren Genußmitteln besonders die derschiedenen alkoholischen Getränke (wie Wein. Jier und Schnaps), außerdem Kaffee und Thee, in fremden Ländern euch Hanf und Kokablätter, die bei uns fast nur als Arzneimittel bekannt sind. Am gefährlichsten von den eigentlitfjen Genußmitteln ist zweifellos der Alkohol, allerdings in sehr verschiedenem Maße, je nach der Ar! des GeIrans, worin er genossen wird. Außer der wirklichen Alkoholmenge kommt nämlich für seine üblen Wirkungen seh? hervorragend der Grad seiner Verdünnung und seiner Reinheit in Frage. Gutes Bier, das etwa 16 Procent. und Wein, der 312 Procent enthält, wirken lange nicht so ungünstig wie Branntweine, die 50 70 Procent Alkohol enthalten, auch wenn Vit Gesammtmenge des damit aufgekommenen Alkohols jedesmal dieselbe ist. Doppelt und dreifach gefährlich find die geringeren alkoholischen Geirankc. da bei sorgloser Herstellung und bei Benützung schlechterer Stoffe durch
abnorme Gährungen andere Alkoholarten entstehen, die weit giftiger sind. Auf Schnapsg-nuß sind fast alle Fälle von Säuferwahnsinn zurückzuführen. Von den annähernd 40.000 Geisteskranken, die in den preußischen IrrenAnstalten untergebracht sind, verdanken nach den Berechnungen etwa 15,000 ihre Krankheit dem Alkoholmißbrauch; bei mindestens 15.000 Epileptischen und bei ebenso viel Idioten in Deutsch.land ist Trunksucht des Vaters als Ursache des Leidens der Kinder anzunehinen. In der That sind den VerheeTangen des Alkoholmißbrauchs die Schäden auch der schlimmsten Jnfek'tionskrankheiten durchaus nicht an die Seite zu setzen. Das ist doppelt schlimm, wenn man bedenk:, in wie Z2hllosen Fällen das Uebermaß des Genusses auf Gedankenlosigkeit, aus Leichtsinn, auf Verführung beruht. Da Charakterschwäche die völlige Hinzabe an den Alkohol befördert, ist bei schwachen Menschen das gänzlich: Ver--bot auch der geringsten Alko7)olmenge nöthig. Für die große Menge, die Willenskraft besitzt, ist ein mäßiger Genuß von Bier und Wein nicht zu widerrathen; Belehrung über die Gefahren, Beschränkung des Schnapsausschanks, Förderung der öffentlichen Wohlfahrt und des Familienlebens, sucht zum wenigsten die Erziehung süchtiger Hausfrauen, .das sind die nichtigsten Mittel, dem Uebermaß entgegen z,u wirken. Die anderen Genu'ßmittel, Tabak, Kaffee und Thee, wcrden unendlich viel selterrer im solchen? Mengen genossen, daK sie Krnnkhciten erregen. Namen!lich zeigen sich ihre schädlichen Folgen in viel weninrr schlimmer Weise. Am häufigsten verursachen sie Nervosität, und zwar der Tabak besonders in der Form von Herzllopsen und Zittern, wozu sich vielfach als werthvolle Zucabe ein gewisser Ueberdruß nn dem sonst begehrten Kraute gesellt, der natürlich die Entwöhnung erleichtert. Die Nerdosiiät mach Kaffcemißbrauch hat man besonders in gewissen Industriestädten beobachtet, ivo die Arbeitersrauen in Abwesenheit ihrer Männer große Mengen schlechten Kaffees -trin-ken und darüber ihre geregelte Ernähiung versäumen. so größer und leider in bestänoiger Zuriahme begriffen ist der Miß'brauch von Arzneimitteln. Dem geroohnhertsmäßigen Genuß vo? Opium, von Morphiumeinspritzungen, von Kokam und so weiter hat sich der nicht weniger gefährliche Mißbrauch von ChloralhYdrat. BromsaZzen. Antipyrin und ähnlichen Mitteln hinzugesellt. Anfangs mit gutem Grunde auf ärztlichen Nath genommen, noch .häufiger -nach dem Gutdünken von Laien im Vertrauen aus die überall sich brnr machende Reklame mit Heilmitteln verwendet, werden 'diese n sich so werthvollen Mittel bald die ständigen Vegletter des .Kranken, dem -vst weite? nichts fehlt, als eine kraftige Warnung vor dem unüberlegten Arzneigebrauch und eine eindringliche Mahnung, sein Wohlvefinden dadurch wieder herzustellen, daß er den Rath eines ArzteS in lzolt un) dem entsprechendem gesundheitsgemäßes Leben fuhrt. Das Morphium ist in diese? Richtung besonders efarlich. weil sein Mißbrauch die Menschen energielos, pflichtvergessm und leistunqsunfähig macht, und we"L Vit quälende Empfindung dieser geistigen und körperlichen Gesunkenheit Zmmer nur durch eine neu? Morphwm einspritzung ans kurze Zeit zu befrist 5.eu ist. Ja wenn Alter Geizhals (zu einem Bettler): Ich gebe Ihnen ttichl viel, aber wenn Sie wüßten, wie schwer es mich ankommt, Ihnen überbaup! etwas zu geben, bann würden BrJt mir seh? dankbar sein.
Mcnschcnloose. Von Ludwig August Frantt.
Vom Himmel zog rauschend Viel Regentropfen sacht; Ich hörte lauschend, lauschendIhr Lied in dunkler Nacht: Wie wir so traulich wallen So hell, so klar, so rein. Welch' Loos wird, wenn wir fallen Auf Erden unser sein?" Auf Blüthen fiel der Ein? Und schwelgte ihm Genuß, -Geliebt vom Sonnenschein: Sia-rb er von seinen Kuß. Im Meere nahm den Zweiten Still auf der Musckel Schoos, Der ward für Ewigkeiten Zur Perl: hell und groß. Ein Andrer fiel auf Eisen. Das just von Flammen roth ' Und brannte sich mit leisen Und flücht'gen Seufzern todt. Der Vierte der Genossen Tcb mit den Lüsten Spiel Und war schon leicht zerflossen Eh' er zur Erde fiel. Zlhilippwe Wclscr. Der Augsburger Patricieriochter, deren Name in der Erinnerung des deutschen Volkes mit so lebendigem Klänge fortlebt, ist es wie vielen anderen geschichtlichen Persönlichkeiten ergangen: die unerbittliche Quellenforschung unserer Zeit hat den Nimbus zerstört, den Dichtung und historische Legendenbildung um ihr Haupt gewoden hatten. Aber wenn ihr Bild dadurch auch an romantischem Zauber große Einbuße erlitten hat, so strahlt es uns nun im hellen Lichte historischer Wahrheit um so freundliche: und anwüthender entgegen, als das einer wahrhaft deutschen Frau, die in treuer Ausübung der schönsten weiblichen Pflichten die eigentliche Bestimmung ihres Lebens sah. Alltäglich war der Weg ihres Daseins gewiß nicht, da er sie aus einem bürgerlichen Hause bis cm die Stufen des Kaiserthrones führte, und deshalb wird sich auch die Thellnahme an ihren Schicksalen lebendig erhalten. Als vielbeweinte Märtyrerin und Dulderin, welche die Schuld, das Auge zu einem der Höchstgestellten der Erde erhoben zu haben, mit dem 'Tode bezahlen mußte", kann sie jedoch fernerhin unser Mitleid nicht mehr beanspruchen, denn wenn man auch noch heutzutage im Schlosse Ambras bei Innsbruck die Badestube zeigt, in welcher Philippine Welser durch Ocffnen der Adern ermordet sein soll, so steht es doch urkundlich fest, daß sie am 24. April 1580 in Gegenwart ihres Gemahls und einer großen Anzahl von Personen friedlich eines natürlichen Todes starb. Philippine Welser wurde im Jahre 1527 zu Augsburg geboren; den Tag, an dem sie das Licht der Welt erblickte, meldet uns keine Urkunde. Ihre ganze Jugendzeit ist in vollständiges Dunkel gehüllt, von der Erziehung, die sie genoß. erfahren wir nichts. Ihr Vater, der eine Leinweberei betrieb, war ein wohlhabender Mann und zählte zu den angesehensten Bürgern Augsburgs, aber was, Reichthum anbetrifst, so konnte er sich doch nicht entfernt mit seinem älteren Bruder Bartholomäus vergleichen, der zu den unternehmendsten Handelsherren seiner Zeit gehörte und dessen Schisse von Sevilla aus Venezuela eroberten und colonisirten. Ein noch auf der Beste Koburg vorhandenes Bild Philippinens, das wohl aus ihrem achtzehnten Lebensjahre stammt, laßt es uns begreiflich erscheinen, daß ihre Schönheit die Zeitgenossen zu hoher Bewunderung begeisterte. Mit freundlichem und verführerischem Jugendreiz blickt sie hier in die Welt hinein, das Haar mit einer perlendesetzten Goldkette und einem Barett aus schwarzem Sammet geschmückt. Das Kleid aus rothem Sammet ist tief ausgeschnitten, aber weiße, mit seiner Spitzenarbeit verzierte Seide verdeckt züchlig Brust und Hals. Der wunderbare Glanz ZhreZ goldblonden Haares scheint besonders Ausländer entzückt zu haben, sogar Zu den Augen eines hohen geistlichen Würdenträgers fand sie mit ihrem Liebreiz Gnade. Am Schlüsse eines Schreibens, das der Erzbischof Granvella im Jahre 1551 an den berühmten Bildhauer und Erzgießer Leone Leoni richtete, spricht er von einer Medaille, die dieser am Anfang des genannten Jahres von der Bella Filipino ausgeführt habe; er (Granvella) habe davon einen Abguß in Metall herstellen lassen, den er ihm als Zeichen, daß die Arbeit dem Goldschmied nicht schlecht gelungen sei, nach Mailand sende. An Bewerbern fehlte es der schönen Arigsburgerin gewiß nicht, aber ein Jair nach dem anderen verging, ohne daß ein Freier nach der Wahl ihres Herzens ihren Weg kreuzte. Schon hattc sie das für ein Mädchen nicht undenkliche Alter vou dreißig Jahren erreicht, und es schien, als ob sie ihren Weg traf Erden ledig vollenden wollte. Da untrrnahm sie im Jahre 1556 zum Besuch ihrer Tante Katharina von Loxan eme Reise nach Böhmen, die sich für ihre Zukunft von höchster Bedeutung erwies. Jetzt traf sie von Xeuem mit dem Erzherzog Ferdinand zusaminen, den sie wahrscheinlich schon im Jahre 1551 in Augsburg kennen gelernt hatte. Doch wie dem auch gewesen sein möge, jedenfalls. 'entspranz aus dieser erneute Bekanntschaft der Beiden, rasch die innigste gegenseitige Zuneigung, denn schon am Anfang des Jahre's 1557 ließ, sich Ferdinand durch seinen Beichtvater mit Frauen Fili-
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pina", wie die Welserin- in einer zeitgenössischen Anführung der Vermählungs - Urkunde genannt wird, leimlich zu Vresnic trauen. Und ebenso wie der Act der Trauung wurde auch d Geburt des ersten Sohnes im folgenden Jahre sorgfältig vor aller Welt verborgen gehalten, indem man das Kind als vom Thurmwart gefunden ausgab. Jedoch schrn im Jahre 1559 erhielt der Kaiser von diesen sein Haus so nahe berührenden Vorgängen in Böhmen Kunde; allzu tragisch aber scheint er die unstandesgemäße Ehe seines Sohnes nicht aufgefaßt zu haben, da er ihm und seiner jungen Gemahlin ohne langes Zürnen voll: Verzeihung für das Geschehene gewährt?, freilich nur unter der für Philippine besonders unerfreulichen Bedingung, daß dieEhefckließ.'ng nach wie vor geheim gehalren wen--. Bald darauf siedelte die Erzherzogin In das al.rühmte Schloß Vürglitz über. das. we Boehein'. schreibt, als Königsburg und Kerker zugleich ftit dem 12. Jahrhundert Zeuge des hochsten Erdenglücks wie der dunkelsten Verzweiflung gewesen war. Hier gab Philippine im Lai'fe der näckstenJahre noch mehreren Kin'oern das Leben, die, wie das erste, zunächst an einem anderen Orte niedergelegt und dann als Findelkinder wieder zurückgebracht wurden. Ihre Herzensgüte, die sich ihr ganzes Leben hindurch im Wohlthun offenbarte, fand auf diesem böhmischen Schlosse eine besondere Gelegenheit zur edelsten Bethätigung. Mit dem Jahre 1567 begann für Philippine ein neuer Abschnitt ihres Lebens. Von nun an bildete sie auf dem. prächtigen Schlosse Ambras bei Innsbruck den Mittelpunkt eines glänzenden Hofhalts, nachdem sich im Laufe der Jahre für eine immer größere Anzahl von Personen der. Schleier von dem Geheimniß ihrer Ehe mit dem Erzherzog gelüstet hatte. Durch den freundlichen Zauber und die Bescheidenheit ihres Wesens gewann sie die Liebe der ganzen Bevölkerung von Tirol. des Adels wie der bürgerlichen Klagen. Hier noch mehr als m Bohmen. wo sie in größerer Zurückgezogenheir hatte leben müssen, entfaltete sie eine fo unermüdliche barmherzicIZöirksamkeit in mannigfacher Hinsicht, daß noch viele Jahre nach ihrem Tode der Schmerzensruf laut wurde: Wir haben an unserer gnädigsten Frau sehr übel verloren." Für Hilfsbedürftige, ob sie nun krank oder arm oder Beides waren, konnte es kerne bereitwilligere Helferin geben. Gemeinschaftlich mit ihrem Leibarzt pflegte sie eine große Anzahl von Kranken, darunter auch türkische Gefangene, einen Moskowiter, Handwerker und Landleute u. A. In ihrem Schlosse hatte sie sich eine Apotheke reich ausstatten lassen, in der sie mit dem sachkundigen Gorin Guaranta die Arzneien selbst bereitete. Noch heute wird auf der Wiener Hofbibliothek ihr Receptbuch aufbewahrt, da3 von ihren reichen Erfahrungen auf dem Gebiete der Heilkunde Zeugniß ablegt. Unverschuldete Armuth linderte sie, wo sie konnte, mit nie ermüdender, freigebiger Hand, aber ihre Menschenliebe fand noch auf einem anderen Gebiete reiche Gelegenheit zur Bethätigung. Aus allen Gegenden des Landes wandten sich Bittsuchende vertrauensvoll und selten vergebens an sie um Beistand: Frauen flehten für ihre verurtheilten Männer um Begnadigung, Gefangene um Befreiung. Schuldner um Stundung ihrer Zahlungsfrist, Mütter um Versorgung ihrer Kinder. Einige redeten sie dabei freilich als durchlauchtigsie Fürstin Frau Philippine von Oesterreich" an. Andere aber auch als Gnädiges Fräulein", woraus man schließen darf, daß auch damals die Kenntniß ihrer rechtmäßigen Ehe mit dem Erzherzog im Volke noch keineswegs allgemein verbreitet war. Vielleicht gibt es für sie kein schöneres zeitgenössisches Lob, als das, welches in der einen Anrede Liebhaberin aller betrübten Herzen" ausgesprochen ist. Die Sorge um das Wohl ihres Gemahls, arr dem sie mit der innigsten Liebe hing, hielt Philippine für ihre vornehmste Pflicht als Hausfrau, umsomehr, als seine Gesundheit häufigen Störungen ausgesetzt war. Er hatte sich denn auch, indem er ihreZuneigung treu erwiderte, im Laufe der Jahre so sehr an ihre Pflege gewöhnt, daß er, wie der venezianische Gesandte seinem Senate berichtete, keine Stunde ohne sie sein konnte. Auf seinen Reisen mußte sie ihn fast immer begleiten, und als Ferdinand sich um die polnische Krone bewarb, gaben die Vertreter der tirolischen Stände ihm zu seinem eigenen Besten den Rath, seine Gemahlin mit in's Reich zu nehmen, damit, wenn er mit der Schwachheit des Leibes beladen sein sollte, Ihre Gnaden ihm fleißig aufwarte, wie Seine fürstliche Durchlaucht solches gewohnt sei. Ueberdies sei sie auch still, fromm und gottesfürchtig und habe sich in Böhmen und in des Erzherzogs Landen stets so rühmlich und wohl gehalten, sei so geliebt worden und in so hohem Ansehen gestanden, daß auch im Königreiche Polen Niemand sich über selbe zu beschweren haben werde." Häuslicher Fleiß scheint neben der Mildthätigkeit eine der hervorragendsten weiblichen Tugenden der Welserin gewesen zn sein. Mit ihrem , noch jetzt in der Wiener Hofbibliothek aufbewahrten Kochbuch zählt Philippine nach dem Urtheil ihres Biographen zu den allsten und besten Autoren diese? Literatur. Zum Nutzen der Leserinnen und als kunen Beitrag zurKenntniß der deutschen Kochkunst des sechszehnten Jahrhunderts wollen wir hier aus , demselben wenigstens ein Recept mittheilen. Wenn Du willst einen Hecht einmachen, so nimm zwei Peterfilienwurzeln und sechs Zwiebeln und schütte selbe in einen Hasen mit zwei
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Viah Wasser darin. Siede sie durch zwei Stunden, nimm sodann d::Wur5?ln :nit den Zmiebelil heraus, gebe eine Schnitte gebähtes Brot dazu, treibe dieses gut durcheinander und gebe dieser Brühe etwas Essig. Scffran, Zucker und Pfeffer bei. Danach sen? den Hecht in's Wasser, und wenn er schön gesotten ist, so gieße das Wasser vom Fische weg und die.Bruhe über selben; laß ihn so eine gute Stuade laug dünsten, p soll er gut und ncht sein." Die Küche muß in der That aus verschiedenen Gründen im Schlosse Ambras ein seh? wichtiger Raum gewesen sein. Nicht allein liebte Ferdinand es, hier üppiyt Gastmähler gu veranstalten, sondein der üderaus zahlreiche Hofstaat des erzherzoglichen Paares stellte Tag für Tag gewaltige Ansprüche an jene Abtheilung des HauZWesens. Im Jare 1571 wurden, abgesehen vom Wildvret, täglich durchschnittlich 900 Pfund Fleisch und 50 Pfund Schmalz verbraucht, und die beständige Befriedigung solcher Bedürfnisse verlangte von Philippire, die nie das Scepter aus der Hand lgte, auch beständige unermüdliche Umsicht. Von ihrer G 'schicklich kei in kunstvollen Handarbeiten legt noch heute eine perlengeschmückte Ächseldecke, ein sögenannter Turnierdank, der in den kunsthistorischen Sammlungen zu Wien aufbewahrt wird, rühmliches 'Zeugniß ab. Zur geselligen Unterhaltung zog sie einen kleinen Kreis der ihrem Herzen nahestehenden Persönlichkeiten dem lärmenden Schwärm großer Hoffestlichkeiten vor. Wie gegen alle ihre Gäste, so war sie auch gegen Durchreisende, die sich nur wenige Tage unter ihrem Dache aufhielten, eine liebenswürdige und aufmerksame Wirthin. Ein Begleiter des Herzogs von Bayern schreibt in seinem Tagebuch: Als wir am 12. Februar 1579, von Venedig heimreisend, nach Ambras kamen, hatte uns die Philippina zu Nacht in ihr Zimmer geladen, alles auf Majoliken in kleinen Schüsseln zu essen und zu trinken gegeben, stattlich traktirt; nach solcher Mahlzeit ist ein Tanz gehalten, darnach ist ein jeder schlafen gegangen." Sogar in ritterlichen Uebungen scheint die Augsburger Patriciertochter eine für ihr Geschlecht ungewöhnliche Fertigkeit erlangt zu haben, denn bei einem Armbrustschießen im Jahre 1570 beschämte sie die an demselben theilnehmenden Herren, indem sie den ersten Preis in Gestalt eines Bechers gewann. Für alle vornehmen Gäste gab es bei. ihrem ersten Besuche auf dem Schlosse Ambras eine geheimnißvolle Uebcrraschung. Im oberen Garten befand sich eine Felsenhöhle, das Heiligthum des Bacchus", in die jeder Gast von Rang hineingeführt wurde. Ahnungslos betraten die Fremden den Raum; sie bewunderten die schön bemalten Humpen, die ringsherum aufgestellt waren, und merkten zu spät, daß man sie eingesperrt hatte. Plötzlich erschien eine Schaar von Priestern des dithyrambischen Dionysos mit gläsernen Trinkgesäßen in den Händen. Ihr Vorsteher las den Gästen mit ernster Miene die Gesetze des Heiligthums vor. Die Fremdlinge wurden gewarnt, den Zorn des stiergehörnten Gottes zu reizen, und gemahnt, stch in die Geheimnisse des Heiligthums gutwillig einweihen zu lassen. Die Einweihung bestand in dem Leeren eines GlasbecherS in der Form eines Fäßleins, etwa mit einem halben Quart guten Weines gefüllt, wonach der Eingeweihte der Ehre theilhastig wurde, seinen Namen in das Verzeichniß der Trinker einzutragen. Einige dieser Trinkgesäße des Heiligthums sind noch heute vorhanden. Die für die Damen bestimmten sind bedeutend kleiner, schiffchenförmig gestaltet und enthalten nur wenig mehr als ein viertel Quart. Ebenso werden in den kunsthistorischen Sammlungen zu Wien noch die Verzeichnisse als die Trinkbücher von Ambras" aufbewahrt. Auch Philippine hat sich 1567 mit dem Spruche eingetragen: Ich hofs.zu Gott." Diejenigen Gäste aber, denen es an der nöthigenUebung fehlte, die vorgeschriebenen Gefäße mit einem Zuge zu leeren, mußten auf die Ehre verzichten, ihre Namen in die Trinkbücher von Ambras einzuschreiben. Als der Herzog Karl Friedrich von Jülich und Kleve auf seiner Reise nach Jtalien im Jahre 1574 Ambras besuchte und mit seinen Begleitern jene Trinkprobe zu bestehen hatte, gelang sie freilich ihm und den meisten derselben als echten deutschen Männern ohne alle Beschwerde, aber Anderen sah man doch an ihrer Miene deutlich an. daß der Schluck ihnen etwas kräftig war. und ein gewisser Pighius, der die Reise des Herzogs in lateinischer Sprache beschrieben bat. mußte sich sogar schließlich für besiegt erklären: wie oft er auch den Versuch wiederholte, jedes Mal ging ihm zu seiner Schande der Athem zu früh aus. Seinem Namen fehlt deshalb auch der Ruhm, in den Trinkbüchern des tirolischen Schlosses verzeichnet zu stehen. In den letzten zehn Jahren ihres Lebens hat Philippine Welser ihren Wahlspruch: Ich Hofs' zu Gott" wohl oft mit gefalteten Händen vor sich hingesprochen, denn seit dem Jahre 1570 wurde sie alljährlich bis zu ihrem Tode im Jahre 1580 von derselben heftigen Krankheit, die sich in schweren Fieberanfüllen und Brustbeklemmungen äußerte, heimgesucht. In solchem Zustände hatte sie. wie sie selbst sagte, das Gefühl, als ob Himmel und Erde auf ihr lägen. Zweimal besuchte sie mit dem Erzherzog Karlsbad, um hier Linderung oder gar Heilung ihres alten Leidens zu suen, aber obwohl sie. wie ihr Leibarzt getreulich berichtet bat, täglich bis zu acht Seideln Karlsbader Wasser trank, so gewann jenes doch von Jahr zu Jahr größere Gewalt über ihren Körper, biZ eZ öiescn schließlich
zu völliger Gebrechlichkeit niederbeugte.
bevor sie noch ihr fünfzigstes Lebensjähr vollendet hatte. Ihre letzten Jahre Icheint sie m der That m bedauernswerthem Siechthum verbracht zu haben. und der Tod' ihrer geliebten Tante am 13. April 1530 brach volfendS den schwachen Nest ihrer Lebenskraft. Am 24. April empfing sie die Sterbesacramente in dem vollen Bewu!.tsein, daß das Ende ihrer irdischen Laufbahn unmittelbar bevorstehe. Um ihr Sterklager waren außer ihren nächsten Angehörigen die Herzöge Otto Heinrich von Braunschweig und Fcrdinand von Bayern, sowie eine große Anzahl befreundeter Personen versammelt. Dez- Erzherzog bat sie um Ver.eihung für den etwaigen Kummer, den sie ihm in ihrem Eheleben bereitet habe; ihre Söhne befahl sie Gott und ermähnte sie. ihrem Vater in kindlichem Gehorsam stets Freude zu machen. Als sie dann plötzlich mit freudigem Lächeln nach oben blickte und ihr Gemahl sie nach der Ursache ihrer heiteren Stimmung fragte, erwiderte sie: Ich sab etwas, das mich freut." Inzwischen hatte der Herzog von Bayern die Sterdekcrze angezündet ur.v hielt sie in der .'Zähe der Sterbenden. Als der Augendlick des Todes nahte, küßte sie das Kreuz und versprach Allen fromme Erinnerung, wenn ihr die Gnade des Himmels zu Theil geworden sei. Noch hörte man die Worte: Ich will bald bei Dir sein" dann entschlummerte sie ohn: jeden Todeskämpf für immer. So starb Philippine Welser im dreiundfünfzigsten Lebensjahre im Frieden mit Gott und der Welt. Ihre Menschenfreundlichkeit und Herzensgute, die sie in unermüdlichem Wohlthun offenbarte, habn um ihr Haupt den schönsten Kranz der Erinnerung geflochten: der unvergänglichen, werkthätigen Nächstenliebe. Wie sie gelebt und gewirkt hat, so soll sie auch im Gedächtniß der Nachwelt fortleben. o Die böse Photographie. Humorcökc Lon Karl Rode. Wie die Turteltauben lebten der Herr Premierlieutenant Kasimir von Dambrügge und sein junges Weibchen, Ludowika Marianna, geborene Freiin Leopsdorser; eitel Maienmorgensonnenschein durchfluthete ihre kleine elepante Häuslichkeit, und von früh bis spät hallten die trauten Räume derfelben von Frau Ludowikas Silberglockenlachen wieder. Das war aber kein Wunder, denn sie hatten sich beide unmenschlich lieb, waren erst seit einem viertel Jahr Mann und Frau, und hatten auch sonst Alles, wa? das Leben angenehm zu machen geeignet ist. Der Herr Lieutenant hatte in der Person seines Burschen Heinz ein Unikum, das der gnädigen Frau ebenso flink, gewandt und willig zu Diensten war als ihm, und Frau Ludowika in ihrer Ursula eine Köchin, wie es keine bessere gibt. Jungfer Ursel kochte in der That vorzüglich, sie war, gleich dem braven Heinz, vom ersten Morgengrauen bis zum letzten Abenddämmerscheine für ihre junge Herrin thätig, und dabei dissonirte von ihnen aus nicht der leifeste Mißton in die Zaubersphärenklänge ihrer Herrschaft hinein. Im Gegentheil, sie stimmten eher in diesen Singsang mit ein und bestrebten sich, einander das Leben angenehm zu machen. Da kam plötzlich das Manöver. Nun gab es Weinen und Wehklagen auf der einen. Trösten und Küssen auf der andern Seite, und dann schied man mit dem heiligen Versprechen unwandelbarer Treue und täglichen Vriefschreibens. Das war recht schön, aber versprechen ist leicht, haltenft schwer, im Manöver zuweilen sogar unmöglich. An der Treue vergingen sich selbstdend weder die männlichen, noch die weiblichen Partner dieses Quadri.'oliums; aber von den ersteren kamen schon nach zwei Tagen statt ausführlicher Briefe flüchtig gekritzelte Nachrichten höchst unregelmäßig an. Das ist schlimm für junge Gattinnen und llebende Köchinnen. In Ursels Kammer sowohl als in Frau Mariannas Boudoir flössen Thränen. Verrathen, verloren!" feufzte man hier wie d"rt, und endlich es iß ja bekanntgab Eifersucht und Langeweile die tollsten Dinge aushecken, begann Frau Ludowika Marianna ihres Gatten Briefschaften durchzustöbern, und nach Beweisen für seine Treulosigkeit zu fuchen. Ist das Weib eben erst dahin gelangt, dann schiebt ihm der Satan sicher etwas zwischen die Finger, das seinem Argwohn Nahrung gibt. Frau Ludowika fand in einem Geheimfache des Schreibtisches ihres Gatten eine fast noch neue Photographie, welche ein junges, üppiges Frauenzimmer in Trikots darstellte. Der Odem der Frau Premier-Lieutenant stockte und e'ne heiße Röthe stieg ihre Schläfen hinan. Warum verbarg ihr Gatte dieses Bild vor ihr? Er hatte doch andere Balletdamen oft in noch zweifelhafteren Costümen in den Albums stecken. Warum stak dieses , Bild nicht dabei? Und nun kam ihr gar so vor, als ob sie das Original schon gesehen habe, als ob diese lachenden Augen sie schon angeblitzt hätten, ja, als vb sie diese Person schon in unmittelbarem Verkehr mit ihrem Gatten beobachtet, sie in ihrer Gesellschaft empfangen hätte. Die Schläfen drohten der Frau Lieutenant zu zerspringen. So weit war es also schon gekommen, daß Er, oen sie mit aller Innigkeit ihrer Seele bliebt hatte, solche Weiber in ihreNähe brachte; und sie hatte dies ahnungslos geduldet. .Aber warte. Treuloser V
Frau Ludowika barg das böse Bild in den Falten ihres Gewandes; komme Du nur nach Haus, Deine Strafe soll furchtbar sein, und dann Trennung auf ewig!" Von diesem Tage an sah es trübe in der Lieutenantswohnung auö. Frau von Dambrügge geb. Freiin Leopsdorfer war finster, übelgelaunt und heftig, Jungfer Ursula infolgedessen eigenwillig und vorlaut. In allen Winkeln keifte und zankte es. Schon dreimal hatte Ursel der gnädigen Frau den Dienst gekündigt, und ebenso ost hatte diese erklärt, sie könne ihretwegen sofort gehen; und doch war manbei einander geblieben, um die Treulosen zu bestrafen und sie dann auf ewig zu verlassen.
Endlich war das Manöper vorbei. Der Herr Lieutenant un) sein Bursche kehrten zurück. Aber kein Willkommen" tönte ihnen entgegen, kein Arm breitete sich verlangend nach ihnen aus. Nanu?!" Der Herr Premier eilte nach Frau Mariannas Boudoir, und Heinz mit den Koffern hinter ihm darein. Tag, kleine Wika, da sind wir wieder!" Verräthe? !" Frau Ludowika wies die Zärtlichkeiten des Lieutenants zurück. Ja was ist Dir denn, Schatz? rappelt es irgendwo bei Dir?" Mein Herr wagen -Sie es noch so so zu fragen. Wer ist diese Person hier?!" Damit hielt Frau Lieutenant dem Herrn Gemahl die schändliche Photographie hin. Der aber brach plötzlich in ein unbändiges Lachen aus, in ein so unbändiges Lachen, daß Frau Ludowika ein Gefühl der Verlegenheit in ihrer Brust aufsteigen spürte. He, Heinz,. antreten hier!" befahl der Herr Premier endlich seinem Burschen mit einem Fingerzeige auf das Bild, das seine Gemahlin noch immer ernst und drohend in der Hand hielt; und nun fing auch Heinz laut aufzulachen an. Hahahaya! gnä' Frau; kennen denn nä' Frau den Heinz nicht mehr? Das bin ich ja! Habe beim Regimentsjubiläum vor den Herren Officieren Couplets singen müssen.und da haben sie mich photographiren lasf:n weil ich meine Sache so gut gemacht habe, als Dame. Hahaha! Freilich jetzt ist der Schnurrbart wieder gewachsen, den habe ich damals opfern müssen. Hahaha !" Unter den lachenden Worten des braven Burschen wurde das Gesichtchen der gnädigen Frau immer länger und ihre Augen immer größer. Wahrhaftig, jetzt sah sie es auch, daß dies dieselben lachenden Augen, dasselbe lustige Gesicht ohne Schnurrbart natürlich, war, kurz der Heinz die Dame in den Trikots dargestellt hatte, und nön barg sie ihr heiß erglühendes Antlitz an des noch immer lachenden Gatten Schulter. Abtreten! Marsch! Mund halten!" befahl dieser dem wackern Burschen und überflüssigen Zeugen dec weiteren EntWickelung der Scene, und Heinz entfernte sich eiligst mit einem lauten: .Zu Befehl, Herr Lieutenant!" Draußen wurde auch er plötzlich von zwei weichen Armen umklaftert und von zwei brennenden Lippen geküßt. Jungfer Ursel batte gehorcht und war dadurch üb Frau Lieutenants Mißstimmung aufgeklärt worden. Seitdem herrscht wieder Maienmorgensonnenschein in dem von Dambrllggeschen Haufe, der nur zuweilen ein bischen schwül zu werden droht, wenn der Hm Premier unter Anspielung auf die Dame in Trikots zu lachen begi'nt. Aber das kommt natürlich nur höchst selten vor. ExtraGratifieation. Director einer Schmiere: Meine Herren und Damen, ich habe Aie zu mir bitten lassen, um Ihnen Mitiheilung von einem freudigen Ereigniß zu machen. Meine theure Gattin hat l.nch soeben mit einem Zwillingspaar beschenkt. Sie Werder einsehen, daß ich durch dieses unvorhergesehene Ereigniß verhindert bin, Ihnen die längst versprochene rückständige Gage auszuzahlen. Sie sollen jedoch anderweitig glänzend entschädigt werden: In Anerkennung Ihres stets an den -Tag gelegten Eifers habe ich mit meiner theuren Gattin beschlossen, Ihnen Allen eine Extragratification zu Theil werden zu lassen. Ich gebe diesem Entschluß Ausdruck, indem ich Sie Alle hiermit feierlichst zu Taufpathen ernenne!" Moderne Ehen. Frau Müller: Ich habe mich riesig über Ihre Heirath gewundert, wie kamen Sie eigentlich dazu, einen so alten, urtfr dabei nicht reichen, häßlichen Mann zu heirathen? Frau Schulze: Ja, wissen Sie, ich habe mich eben getäuscht. Er war so häßlich, so albern, so, aufgeblasen, daß ihn alle meine Freundinnen für einen reichen Mann hielten! Grob. Patient: Sie verstehen ja gar nichts, ich glaube nicht, daß Sie überhaupt ein Arzt sind! Arzt: So? Dann fragen Sie nur 'mal bei allen meinen Patienten. Patient: Lieber Herr, ich spreche ja keine todten Sprachen! Noch besser. Arzt: Da Sie also heute Appetit haben, so soll Ihnen Ihre Frau ein Ei kochen. Patient: Ach, Herr Doctor, es wäre mir lieber, wenn Sie mir das Huhn gleich mitkochen lassen, welches das E! gelegt hat! S e h r r i ch t i g. Erster Bummler: Du, ich möchte reich sein. Zweiter Bummler: Wozu denn? Dann könnten wir auch nicht mehr bummcln, wie jetzt!. -
R9CS3t Nmerikanertn "Up t Zs. Sie weiß von Allem Etwa?, Doch von Wenigem genug; Sie liest nur Anfang und Ende, Doch nie die Mitte vom Buch. Sie kennt die Namen alle Der größten Männer im Lan Doch ihr Verdienst zu nennen. Das wäre sie nicht im Stand. Die Dichter sind bekannt ihr Von Homer bis auf Heinen, . Doch von der Dichtung Inhalt Versteht sie auch nicht Einen. Sie klimpert am Piano Und spielt die Mandoline; ' Sie bläst auf der Trompete Und kratzt die Violine. Sonntäglich geht sie zur Kirch? : Und faltet devot die Hände; ' Vergessen hat sie den Text schorr Bevor die Predigt zu Ende. Auf ihren Fingern trägt si: Viel' blitzende Stein' und Ring " Fast jede Agenwimper Ist eines Mannes Schlinge. Sie brach schon viele Herzen, Brach manchen Liebesschwur; Denn sie liebt von Allem Etwas, Liebt ganz sich selber nur. Die gute Tochter. Bitterkalte Winternacht. Auf der" Wiener Ringstraße ist es wie ausgestarben. Vereinzelte Fußgänger mit aufgeschlagenem Rockkragen und tief in die Schulter gezogenem Kopf, die Hände in den Paletottaschen, tauchen auf, um alsbald in einer der Seitenstraßen zu verschwinden. Vor dem Jmperial-Hotel steht ein unnumerirter Fiaker. Der Kutscher, ein ältliche? Mann mit etwas vertrunkenem Gesicht, sitzt vermummt und dicht eingewickelt auf dem Bock, wie in einem Schaukelstuhl zurückgelehnt, er spitzt die Lip pen und pfeift den Refrain vor sich hin: Ja, von an rund'lich'n Weana, Da kann Aner no' was lerna". ,Ein Mann mit einer Bortenmütze auf dem Kopfe tritt eilig aus dem Thor und gibt dem Kutscher einen freund.schaftlichen Puff: Dei' Herrschaft kommt!" Der Fiaker richtet sich auf und deugt sich vor, um den Flur deS Hotels sehen zu können. Ja, sie kommen. Ein junger Mensch, hohlwangig, blasirt, übernächtig glänzender Cylinderhut, lange, schlürfende Lackschuhe, - der Pelz allerletzten Zuschnitts. Neben, oder etwas vor ihm, trippelt eine kleine Blondine. Seal-skin-Jacke mit bauschigem Achseltheil; man hört die Seide der Unterkleider bei jedem ihrer kurzen Schritte rauschen, ein dünnes Regenschirmchen mit vergoldeter Krücke im Arm, eine Wolke starken Parfüms. Vom Theater. Ihr Cavalier läßt sich vom Nachtportier noch Feuer geben für seine Eigarette und fucht dabei in der Tasche nach. Kleingeld. Die kleine Balleteuse hat sich inzwischen dem Kutscher, der die Decken von den Pferderücken zieht, genähert. Gelt, kalt ist's schau, daß. wir z' Haus' kommen! Da hast!" Sie: steckt ihm, ohne daß es ihr Begleiter bemerkt, einen zusammengefalteteii Fünfer" zu. Dann setzt sie ihr blitzblankes Stiefelchen' auf den Tritt desWagens, drr Kutscher schnalzt mit der Zunge. Gutherzig sind sie Alle", sat ein berühmter Dichter es ist brav von der Kleinen, daß sie ihrem Vater ein splendides Trinkgeld gibt. Modethorheit. Mach dir det man ab!" lauter eins der neuesten geflügelten Wort? in Berlin, aber trok dieser zarten Aufforde- ' rung ist es doch gekommen, das Mo- ! nocle -der Damen nämlich, und zwar der Damen der guten Gesellschaft. Wie ein Orden minderer Güte wird es freilich noch am Bande getragen, doch das Band wird dünner und kürzer werden, und einesMorgens wird die überraschte Welt der der vollzogenen Thatsache gegenübcrstehen. Ach, und die langen Wimpern der Stolz des Auges, sie werden geopfert werden müssen, denn sie incommodiren natürlich. Aber Nie- ! mand kann eben zween Herren dienen, i entweder er wird das Monocle lieben und an den Wimpern klimpern, oder er wird den Wimpern anhangen und das Mono:le verachten. Klein und zierlich ist das Glas,von einem schmalen Goldoder Schildplattreif eingefaßt. Besonders der letztere ist beliebt, da er fester hält, wenn er warm geworden L Selbstverständlich hat das stärkere Geschlecht diese Herausforderung bemerkt und erwidert: jene . Thorheit mit eine? anderen, aber wie es den Männern ! eigen ist sie sind der Sache mehrauf den Grund gegangen, nämlich auf . die Stiefel. Was reitet oder wenig- : siens fo thut, natürlich abgesehen voi j den Reitern aus Beruf, trägt jetzt biszum Knie reichende, enganliegende harte, gelbe Stiefel. Wie einst vor Troja die Kämpfer nach den Bilden? alter Meister gelbe Beinschienen anhatten, so wiederholt es sich jetzt von Neuem. Es ist ästhetisch ein ungemem i wohlthuender Anblick, die gelben Roh ' ren so daherp:deln zu sehen, trotzden? der Berliner, um ein anderes geflüzeltes Wort von ihm zu gebrauchen, sagt: Der durfte ja nu nich kommen." . ! m M m I Er kennt ihn. A.: Da , geht unser Prediger, den mußt Du 'mal hören, der Mann predigt ausgezeichnet! B.: Nein, ich danke, iH habe den Mann einmal gehört, und habe mein ganzes Leben daran genug!! A.: Wiefo denn? B.: Na, derRann hat mich doch getrauU
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