Indiana Tribüne, Volume 18, Number 185, Indianapolis, Marion County, 24 March 1895 — Page 7

In ärztlicher Behandlung

Von N. Röttger. Der Nechtsanwalt Sportelwald ist der bekannteste und gesuchteste Jurist Zu Dingsda. DaZ ist nicht blos sehr ehrenvoll, sondern auch sehr einträglich für ihn; denn er verdient Geld, soviel er will. Da er etwas auf gutes Leben hält und demgemäß nicht schlecht und nicht wenig ißt und genügend dazu trinkt, so erfreute er sich bald neben sei nes Rufes auch eines vollen runden Eesichtes mit entsprechend rother Nase, wie sie die Dichter schildern, wenn sie im Bilder des stillen zufriedenen Glütfes verlegen sind. Auch sein Bauchlein ist rund und voll, so daß in Dingsda, so oft die Rede vo-n einem glücklichen Manne ist, derGeld in Fülle verdient und von Gesundheit strotzt, Herr Sportelwald als Beispiel angeführt wird. Aber eines Tages, gerade als er eine Kostenrechnung nachsieht, die ihm sein Schreiber vorlegt, wird Sportclwald sehr unwohl, so unwohl, daß tx auf ein Haar die Hälfte der Gebühren als Zu hoch gestrichen hätte. Vor Gericht lai er denn alle Mühe, da er einen t rüchtigten.' Halsabschneider vertheidigen soll, an sich zu halten und nicht zu sagen: Mein Client ist bekanntlich einer der niederträchtigsten Hallunken 5rn ganzen Kreis Dingsda, was doch ceroife viel sagen will." Er beineistert sich noch einmal und hätt eine gkanzende Vertheidigungsrede. Dann aber muß er hinaus, um frische Luft zu schnappen. Denn er fühlt außer den erwähnten Symptomen von schwerem Aebelsein noch Beklemmung, Schwin del, Herzklopfen, Ohrensausen neben enteren ungewohnte Empfindungen. Da erinnnt er sich denn, daß ja idie ersten Aerzte von Dingsda von der Universität her gut kennt, und daß es ihm mit ihrer Hilfe schor gelingen iuhb, des Uebelseins Herr zu werden und so eine größere Krankheit im Keime zu ersticken. Es sind dieses die Doctoren der Medicin Adler, Börncr und Kraus. Sportelwald begibt sich also, ohne sich länger zu besinnen, zu Dr. Adler und theilt ihm die beunruhigenden Symptome mit. Die Anwandlungen bei der Eebührenrechnung und vor Gericht verschweigt er aber, als eines Rechtsanwaltes zu unwürdige Schwäeben. Dr. Adler hört ihn mit der überlegenen Miene des Arztes an. der eigentlich gar nicht mehr zu wissen braucht, wo es dem Leidenden fehlt, der bei ihm Hilfe sucht, da seine große Praxis ihm darüber hinweghilft und er eigentlich nur hinzusehen braucht, um -fcie Person festzustellen und die Krankbeit sofort zu kennen. E: läßt sich Sportelwalds Zunge zeigen und fühlt ihm den Puls, um dann ein Recept, zu schreiben. Was ist's also?- fragt Sport:!wald. Ein noch gelinder Anfall von Platzangst. Agoraphobie." antwortet Dr. Adler. Platzangst!- schreit der Rechtsanwalt, hätt' ich Angst, daß ich platzen Zonnte!" .Beruhige Dich." sagt Dr. Adler, ich habe Dir ja zum besseren Ver ständniß gleich den griechischen Namen rnitgesagt. Darin liegt Nichts vom Platzen, sondern nur vom Platze. Die Krankheit ist trotz ihres alten Namens neu und von mir, wenn auch nicht gerade erfunden, das heißt entdeckt, so doch zum ersten Mal genau beschrieben. Der davon Befallene sieht sich entweder auf einem großen leeren Platze, oder, wenn er über einen Platz el)t, tauchen unheimliche Gestalten, aus, die ihn umringen. Das liegt theilweise in dem zerrütteten Verdauungssystem." Aber ich verdaue ganz ausgezeichnet; ich habe noch nie Verdauungsbeschwerden gehabt!" ruft Sportelwald. Einbildung! Pure Einbildung, al Uz Junge! Das bildest Du Dir ein, gerade wie Du Dir einbildest, den leeren Platz oder die unheimlichen Gestal.ten auf demselben zu sehen. Wahrscheinlich ist Dein Magen verdorben, ioenn Du auch noch so viel issest oder trinkst. Dazu kommt nun noch die Zerrüttung des Athmungssystems und .in deren Folge eine Erschlaffung aller .Gefäße, des lymphatischen Drüsensystems. der Arterienwändc, der Secretionsorgane " Um Gotteswillen, halt ein!" fiel Sporielwald dem alten College in's Wort, da et unwillkürlich dachte, daß die Aufzählung all' der Uebel bei der Kostenrechnung sehr in'sGewicht fallen könne. Trotzdem fuhr Dr. Adler fort, ist die Sache nicht so schlimm, da Du noch rechtzeitig zu mir gekommen bist rnd das Ganze sich von dem eigentlichen Angriffspunkte, dem Magen, aus kamen läßt. Du mußt also Diät halten, möglichst wenig und vor allenDincen nichts Erhitzendes essen. Dünne Äassersuppe mit Reis. Hafermehlbrei. Gerstenschleim, dann Erfrischendes wie Salat, aber ohne Oel und mit mög lichst wenig Essig, mußt Du Vorzug'sweise genießen. Von Bier- und Weintrinken ist natürlich gar keine Rede. Wenn Du Dich danach hältst und das hier gewissenhaft einnimmst, so garantire ich Dir, daß in spätestens vier Wochen jede Spur der Krankheit fort ist." Der Nechtsanwalt verabschiedete sich von seinem Studiengenossen und ging. Die Schilderung der Platzangst hatte bei seinem ohnehin in größerer Wallung befindlichen Blut großen Eindruck auf ihn gemacht. Er glaubie sich jetzt mit einem Male seine seltsamen Gefühle vom Vormittag erklären zu können. Und als er ü:er den Platz am Gericht ging, sah er plötzlich die unheimlichsten Gestalten, von denen der

lrzt gesprochrn hat::. Aus. dem gro-1

ßen Thore des Gerichtsgebäudes kamen sie wie ein Bergstrom hervorgequollen, alle Diejenigen, deren Processe er durch unnütze Vertagungen verschleppt und denen er dadurch Kosten verursacht, untermischt mit Denen, deren Kostenrechnungen er in jeder Weise bis auf's Aeußerste gespannt und geschraubt hatte. Um diesem Schwärm auszu weichen, ging Sportelwald rechts. Aber da schien es ihm, als ob sämmtliche Fälscher, Betrüger, Halsabschneider u. s. w.. die er schon mit größtem Erfolg vertheidigt hatte, auf ihn zu sä men und ihn freudig begrüßten, die Lebensmittelfälscher boten ihm sogar von der Butter, dem Käse an, die er vor Gericht für vorzüglich erklärt hatte, ja. einer derselben, der Wurst aus dem Fleisch von gefallenem Vieh gewerbsmäßig herstellte, den aber Sportelwalds Veredisamkeit vor dem wohlverdienten Gesängnisse bewahrt hatte, wollte so schien es dem Rechtsanwalt diesem einige Pfund von der vorzüglichen" Waare zum Geschenk machen. Sportelwald wich auch dieseni Sckiwarm aus und eilte naS Hause, wo er schweißtriefend ankam und sich rasch in's Bett legte. Als er am Abend Nichts genossen und anderen 'Tages nach Dr. Adlers Vorschrift gelebt und eingenommen hatte, da beruhigte sich, sein Blut nicht unbedeutend, und er fing an, über seine Phantasien vom Tage zuvor zu lachen. Er sah darin nun einen Erfolg der vorgeschriebenen, Kur seines Freundes Adler und nahm sich vor, ganz nach dessen Vorschrift zu leben und so die unerwartete Heilung in vier Wochen ZU finden. Aber bald kehrten die alten Symptome wieder: Angst, Beklemmung. Schwindel, ganz wie früher. Anstatt des Platzes, den er wieder überschreiten konnte, ohne die unheimlichen Gestalten zu sehen, sah er jetzt seine Schreibstube immer im Geiste und in Wirklichkeit. Sie kam ihm groß vor wie ein weiter Platz, aber auch ebenso leer. Dr. Adler tröstete ihn und sagte, daß dieses nur aus dem zwar ziemlich leeren, aber in völliger Heilung begriffenen Magen käme. Auch sonst war die Kur nicht von vortheilhafter Wirkung auf Sportelwalds äußere Erscheinung. Er magerke sichtlich ab und verlor seine gesunde Nöthe. So waren vier Wochen verstrichen, ohne daß sich, diese Abmagerung abgerechnet, irgend etwas Wesentliches in des Anwalts Befinden geändert oder gebessert hätte. Als er's nun vor Magenleere und den daraus entstandenen Visionen nicht mehr aushalten konnte, Dr. Adler aber bei seiner Kur beharrte, da ging Sportelwald eines schönen Tages zu Dr. Börner und klagte diesem sein Leid, wobei er di: Ansichten, sowie die BeHandlungsweise Adlers erzählte. Dr. Börner hörte ihn ruhig an und sagte dann: Des College Adler Ansichten sind ja streng wissenschaftlich; aber er hat dabei eine Hauptsache ergenen. Wenn, er Dir auch mit vollem Recht das Trinken von Wein, Bier u. s. w. untersagte, so durfte er doch den Organismus nicht durch Entziehung des Essens schwächen. Außerdem leidest Du gar nicht an der Platzangst; das ist dummes Aeug. Dein Uebel besteht in der natürlichen Abspannung der Nerven in ffolge von Ueberanstrengung im Beruf. Da heißt es nicht schwächen, sondern stärken. Ich kenne das Uebel

aus eigener Erfahrung und habe schon längst ein stärkendes Elixir dagegen aukgedacht, das wahrhaft Wunder wirkt. Ich fange heute Abend selbst mit der Kur an. und Du kannst sie gleichzeitig anfangen. Da nimm diese fflasche mit und nimm jeden Abend drei Eßlöffel voll vor dem Schlafengehen m einem Glas Wasser. In drei Wochen, garantire ich Dir, ist die Geschichte wie weggeblasen. Geistige Getränke darfst Du natürlich nicht genießen; aber essen kannst Du, was Du willst." Sportelwald dankte dem Freunde, dessen Kur ihm sehr einleuchtete, nahm die Flasche und ging. Nachdem er sich durch gutes Essen wieder etwas gestärkt hatte, nahm er die Medicin in der vor geschriebenen, Weise. V)e? das war kein leichtes Stück. Der Geschmack des Elixirs war fürchterlich! Doch der Rechtsanwalt hielt Stand, im Vertrauen auf die Zusicherung, daß sich das Uebel binnen drei Wochen legen werde. Aber die drei Wochen verstrichen ohne Abnahme des eigentlichen Uebels: im Gegentheil gesellte sich dazu jetzt eine starke Uebligkeit mit Brechreiz, die jedes Mal nach dem Einnehmen der Medicin eintrat. Sportelwald ging also zum Dr. Börner und berichtete ihm über den Erfolg der Kur. Der Doctor zackte die Achseln und antwortete: Es ist manches Mal mit denKrankbeiten eine verfluchte Geschichte; sie sitzen fester, als man glaubt. Du willst wohl noch eine Flasche von dem Elixir, um die Kur fortzusetzen?" Nicht um Alles in der Welt! Gib mir etwas Anderes was Du willst! Das Zeug bringt ja ein Vieh um, wie viel mehr einen Menschen!" Na.. na. nur nicht so schlimm machen die Sachen!" beschwichtigte der Doctor. Hast Du denn selbst das Teufelszeug während der ganzen Zeit eingenommen?" fragte Sportelwald. Ich? Eigentlich nur am ersten Abend, nachher habe ich's unterlassen und Grog! statt dessen getrunken." Grogs!" schrie der Rechtsanwalt. Hättest Du mir das gesagt, da hätte ich auch lieber Grogk getrunken während der drei Wochen und wäre jetzt wahrscheinlich gerade so weit." Du mußt immer den Unterschied machen zwischen dem Arzt und dem Kranken. Was sich für den Einen schickt, paßt nicht für den Anderen.

Du als Advocat thust auch nicht Alles, was Du Anderen räthst, und glaubst auch nicht Alles, was Du behauptest Mit dieser weisen Lehre war eigentlich die Consultation und die Kur zu Ende. Sportelwald ging und trank jetzt einige Tage lang Grogk ohne ärztliche Anweisung, um sich zu entschädigen. Das brachte ihn Anfangs in die angenehmste Stimmung. Dann aber stellte sich das alte Uebel mit doppelter Kraft wieder ein. Da Sportelwald nun erkannt hatte, daß weder Adler noch Börner ihm helfen konnten, so suchte er jetzt den Dr. Kraus auf. den dritten seiner alten Studiengenossen. Als er diesem zunächst die Krankheitsgeschichte und dann die Behandlung der beiden Collegen mittheilte, schüt telte Kraus unaufhörlich den Kopf mit dem langwallenden Haar, das ihm ein so vertrauenerweckendes Aussehen verlieh. Unglaublich, unglaublich!" stieß er dabei hervor. Wie sich sonst verdienst volle Collegen nur so irren können! Du hast weder die Agoraphobie, noch ein Nervenleiden, und hast auch nichts von den beiden jemals gehabt! Du hast blos den Bandwurm und weiter nichts!" Bandwurm!" schrie Sportelwald entsetzt, der unwillkürlich dabei an die Bandwürmer dachte, zu welchen er seine Processe ausreckte. Und das nennst Du weiter nichts!?" Vor der heutigen Heilkunde ist der Bandwurm gar nichts mehr." erwi derte Kraus überlegen. wr haben Mittel in Menge dagegen. Ich will Dir das neueste verschreiben, und wenn Du in vier Wochen noch etwas vom Bandwurm spürst, kannft Du mich als C falber oder Naturheilarzt ausschreien. Es schmeckt zwar auch nicht gut, das Mittel, aber es wirkt unsehlbar. Natürlich mußt Du Diät dabei halten!" Also wieder Diät,- dachte der Nechtsanwalt, der bald kein Fleisch und kein ffett mehr zuzusetzen hatte, da von seinen früheren runden Linien so ziemlich Alles verschwunden war. Aber was thut man nicht, wenn es sich um das höchste Gut, die Gesundheit, handelt. Er entschloß sich also muthig zu neuen Entsagungen und neuen Follern; denn darin hatte der Dr. Kraus vollkommen Recht: das neue Mittel gegen den Bandwurm schmeckte nichts weniger als gut, und wenn es auch ein Mensch, Dank seiner Vernunft, die ihm sagte, daß es gut sei als Heilmittel, einige Wochen einnehmen konnte, ein richtiger Bandwurm, der lediglich den Eindrücken seiner Geschmacksnerven folgte, konnte es dabei keine acht Tag: aushalten. Das tröstete unseren Freund Sportelwald und er 'würgte frisch drauf los. während er auf der anderen Seite Diät, für ihn halbe Hungerkur, hielt. Aber die vier Wochen vergingen und die Symptome des Uebels nahmen eher zu, als ab. Von dem den Platz räumendenBandwurm aber zeigte sich keine Spur; er mußte also entweder sehr zäher Natur bei empfindungslosen Geschmacksnerven sein, oder Doch lassen wir dem Dr. Kraus das Wort darüber, der nach Ablauf der gestellten Frist wieder seinen alten Studiengenossen Sportelwald bei sich sah. Als er den getreuen Bericht über den Verlauf der Bandwurmkur und des ausgebliebenen Ergebnisses vernommen, brach er in den zufriedenen Ruf aus: Ei. so freue Dich doch! Dann hast Du ja gar keinen Bandwurm!" Sportelwald freute sich allerdings, obschon es ihn noch mehr gefreut haben würde, wenn er das schon vor vier Wochen durch den Doctor erfahren hätte. Was hatte er aber, oder was fehlte ihm eigentlich? Platzangst war es nicht, an den Nerven litt er nicht und den Bandwurm hatte er auch nicht! Es bleibt ihm jetzt noch der Pfarrer Kneipp, der das Räthsel dielleicht löst. Eine schlimme Woche.

Montag Nachmittag war das Unheil geschehen. Tags zuvor noch hatte Papa altchrwürdigcm Brauche gemäß, dreiviertel des auf ihn cntiallcndcn Quan tums Sonntagsruhe dem Bräunen seiner geliebten Mccrfchaumcncn gewidmet, und heute Papa hatte soeben eine achttägige Dienstreise angetreten war die nun völlig entfesselte Neinmachcwuth meiner sonst anbctungswürdigcn Mama der Spitze zum Henker geworden. Auf der Erde in Stücken lag Papa's Sonntagsspitze, auf dem Stuhle , in wortlosem Schreck Mama. Aber zwischen Beiden stand ich mit dem ganzen Borrath meines Sekundaner Wissens, und so war nicht alles vcrloren! Das Anschaffen einer neuen Meerschaumspitze ist ja nicht weiter mit Echwicriglcitcn verknüpft, zumal wenn einem dazu der Inhalt von einem halden Dutzend Sparbüchsen opferwillig dargebracht wird. Und so hatten wir denn noch am selben Nachmittag ein sehr fostspieliges Exemplar in Händen, dem dahingcmcuchclten zum Bcrwechseln ähnlich bis auf die doch so wünschcnswerthe kunstvolle Bräune. Diese Bräune noch bis zu Papas WieVerkehr, am kommenden Sonntag, tauschend zur stelle zu zaubern, war ich der Mann dazu, ich fühlte es. und mit dem Brustton unbegrenzten WohlwosIcnS sprach ich zu Muttern: Nur den Kops oben! Ich rauche den Mangel zu recht." ..Tu? Ich denke. Tu rauchst nicht!" ..Aber, Mutter! Ich weiß, ich rauche!" Schaff' Tu nur eine Kiste von Papas Besten auf meine Stube, und was gemacht werden kann, wird gemacht." Am nämlichen Abend schon ging ich mit dem Feuereifer eines ?!eulings an

meine Ausgabe um alsbald ein niederschmetterndcs Fiasko zu erleben! Tienstag über gähnte Leere auf meinem Klassenplatz. Mittwochs jedoch schon warb ich für den Abend in meinen Klasscnnächsten opfcrmuthige Mitkämpfer. Indeß auch sie. anscheinend mehr gewohnt, in heimlichsten Ecken odiöseste Strempel zu paffen, als frei aller Schranken anständiges Kraut, fielen kurz nachcinan der mit Eklat ab. Ich sah ein, die Sache verlangte ein weniger gewaltsa mes Vorgehen. Ich liefe also den ganzen Donnerstag die Unglücksspitze, stets mit brennender Füllung versehen,' von der Decke mci ner Stube hcrabdaumeln, und wer just im Haushalte Zeit hatte, trat herein, um ein paar Ziige fürs gemeine Beste zu verüben. Abgesehen davon, daß Mama einmal eine ganze Ladung hintcrschluckte und so für einige Stunden total kampfunfähig wurde, und daß Schwester Elfe in der Schnellig'cit das verkehrte Ende, die schwelende (Ugarre, in den Mund steckte, ging Alles gut. Es herrschte im Hause ein derartiger Eifer, Papas Sonntagsruhe intakt zu erhalten, daß eigentlich nur Großmama in ihrer Hinterstube und mein jüngster Bruder Mar. ein knapp fünfjähriger Stift, die Fahne jungfräulicher Nichtraucherschaft hochhielten. Am nachhaltigsten arbeitete aber doch Guste, die Köchin; die qualmte wie eine Panzerfregatte. Sie hatte freilich auch einen Tragonerwachtmeister zum Schatz. Der Familienrath war just dabei, die persönliche Hinzuziehung besagten WachtnicisterS zu unserem Nauchuntcrnchmcn zu dckretiren, als eine Gemeinheit des Schicksals, ein am selbigen Tonnerstag Abend über uns hereinplatzender Logirbcsuch, all' unserem heißen Bemü hen den Garaus zu machen drohte. Wer dachte im ersten Trubel noch an seine Pflicht! Als aber endlich am Freitag Mittag Jemand daran dachte, da war das Aergste geschehen: die Spitze spurlos verschwunden! Eine geheime, angstvoll stöbernde Nervositöt durchzuckte sofort das ganze Haus und nahm mit der Zeit Dimensionen an, die der Ausübung von Gastfreundschaft nichts weniger als förderlich sein konnten. Sonnabend früh verschwand o:r Besuch schleunigst, um gewiß nie wieherzukommen. Er hatte an uns eine unheimliche Familie kennen gelernt. Und doch war .inzwischen im Schoße derselben ein Fall liebcnswcrthcr Opfcrfrcudigkcit vorgekommen; denn wo fanden wir schließlich Papas Meerschaumene? Oben in Großmamas abgelegenem Hintcrstübchcn, zwischen den Lippen dieser ehrwürdigen Dame! Brave Matrone! Sie hatte einen tröstlos langen Tag hindurch, trotz ihrer anerkannt schwachen Befähigung für Rauch- und andere Kunststücke, dafür gesorgt, daß der bräunende Funke nicht gänzlich erlosch. Wir trafen sie im letzten Stadium von Lethargie, in ihren Armsessel versunken, das Haupt hintenüber, die Spitze einen ersterbend dünnen Rauchfaden zur Tecke sendend. Ihre nächsten halbwachen Momente mit Bemerkungen ausfüllend, völlig eines dclirircnden bemoosten Hauptes von 30 Semestern würdig, verdichtete sie wciterhin das Gefühl ihrer grenzenlosen Wchlcidigkeit in den thränenfeuchten Seufzer: Mein Herr und Heiland, ich dacht' in Ehren grau zu werden und muß nun auf die Art enden!!" Nun, sie endete nicht so bald, aber ein Geist keckster Selbstentäußerung war mit diesem hehren Beispiel in uns gefahren, so daß wir uns auf Wunsch berufen gefühlt hätten, bis Sonntag (und schon war's Freitag Abend!) noch 20 Meerschaumthürme braun zu rau chen. Es heißt, jedes Haus hat sein Gespenst; ein gutes halbes Tutzend. Wie gezeichnete Verbrecher schlichen wir durch die Räume, mit Gesichtern gleich Wachs, und Mage die jedem anständigen Verglich Hohn sprachen. Aber unser Werk schritt erfreulich vor, und als um die fünfte Nachmittagsstunde der kleine Max schlaff und leblos an uns vorüber in's Kinderzimmer getragen wurde, ergriff es uns einzig wie Neid; er war gefallen wie ein Kriegcr, ein Held, im Kampf um ein großes Ziel, er hatte heimlich fünf Minuten lang wie eine Esse geschmaucht, der Bcngel! Endlich war der Sonntag Morgen da. um dessen peinliche Heilighaltung wir so heiße Opfer gebracht. Tie neue Spitze lag, ganz erträglich braun marmorirt, an ihrem Platze in Papas Schrank, und alle ohne Ausnahme saßen wir das Stehen wurde heute keinem leicht! mit verkaterten Mienen umher. Papas Eintritt erharrend. Und jetzt war er da. jetzt erstrahlte sein Antlitz in vorschmeckender Wonne und jetzt schritt er nicht den altgewohnten Gang zum Schrank, sondcrn mehr. seitwärts zum Kleiderrechen, wo sein Paletot hing, entnahm demscl den ein niedliches Packet in gcschmack vollem Umschlage und sprach; Tas soll jetzt 'ne Sache werden, Kinder! Endlich hat's Euer Papa zu einer cchten Meerschaumenen gebracht. Mit so imitirtcm eug (ein leiser Streif blick zum Schrank) plagt und plackt man sich und '3 wird doch nichts Recht's!" Wie er selig lächelte und wie wir Andern alle mit einem großen, qualvollen Seufzer in uns zusammcnrutschten! In unseren Blicken zudem lag's wie gramvolles Erstarren! Wir hatten

mehr auf Acfrnlichkcit um jeden Preis, : als auf (5chtlzcit gesehen. O, wir hatj tcn das Märtyrerspielen gründlich dick! I Papa aber fuhr fort, zu mir ge- . wandt: Junge, die im Schrank des ist Dein!" Ich konstatire, daß ich heut Nicht raucber aus Uebercuauna bin. Modern. Ich glaube. ' Spund.mein Schneider ignorirt mich!" Natürlich! Wie kann er auch viel Achtung vor Dir haben, nachdem Du - ihm so wenig schuldig bist!?"

Kranksein. ES -gibt liebenswürdige und unliebenswürdige Menschen: beides Manner und Frauen. Den Satz wird Niemand anfechten. . Aber es ist um die Liebenswürdigkeit Vieler ein eigen Ding. Er kann sehr liebenswürdig sein!" hört man wohl über -Einen urtheilen. Das heißt also: Er kann auch sehr unliebenswürdig sein." Sein: Liebenswürdigkeit: ist demnach nichts, was eigentlich zu ihm gehört, mit ihm unauflöslich verbunden ist; er kann sie nach seinem Belieben an- und ausziehen. wie einen Rock, den man je nach

Lag? der Sache wechselt. Wenn ich dieses: Er kann " höre, dann ist mir der. von dem es gilt, von vornherein eine zweifelhafte Persönlichkeit; ein Mensch, vor dem man beständig auf seiner Hut sein muß, daß er nicht plötzlich bei irgend einem unbedeutenden Anlaß das Staatsgewand abwerfe und in ganz unftandesgemäßer Kleidung seines inneren Menschen vor einem dastehe. Wie ganz anders klingt da das Lob über einen Mann oder eine Frau: Er (oder sie) bleibt sich immer gleich!" Das heißt: Er (oder sie) hat einen unbedingt zuverlässigen Charakter, der sich weder durch Laune von innen heraus, noch durch Klatsch und Zufälligleiten von außen her beeinflussen läßt; das heißt ferner: Er (oder sie) ist ein vornehmer Charakter. Wie das Ideal eines sogenannten aristokratischen! Gesichtes" in der gleichmäßigen, edlen Ruhe der Züge gefunden zu werden pflegt, so wird das Ideal eines vornehmen Herzens auch in der gleichmäßigen, edlen Ruhe der Empfindungen zu suchen sein, in allen Lebenslagen, in guten und bösen Tagen. Das ist ja aber ganz unmöglich!" wirft man mir ein. Man kann doch schlechterdings nicht immer gleich gut gelaunt oder aufgelegt sein; man ist ja doch abhängig von seiner Umgebung, von seinen Verhältnissen, von Sorge und Freude, ton Gesundheit und Krankheit, die alle mehr oder minder über uns Herrschaft ausüben " Halt!" muß ich da bitten. Sie sagen abhängig" und Herrschaft ausüben." Hier kommen wir auf den Kern der Sache. Damit bekennen Sie also, daß Sie nicht frei sind, ich lbleibe fortan beim Femininum, nicht diejenige sind, die über den VerHältnissen steht, nicht die, welche durch die Kraft ihres Herzens ihrerseits die Herrschaft über Alles das ausübt, was um Sie her ist; daß Sie also nicht so unumschränkt in großartiger Unabhängigkeit über den Aeußerlichkeiten stehen, wie Jener, der das majestätisch große Wort aussprechen konnte: Ich habe gelernt, bei welchem ich bin, mir genügen zu lassen. Ich kann niedrig sein und kann hoch sein; satt sein und hungern, übrig haben und Mangel leiden, ich vermag Alles ". Hut ab vor der Frau, die dazu mit dem Haupte nickt und im Stillen sagt: Ich auch!" Aber wo Eine auch nur das Gefühl hat: Es fehlt doch noch viel dazu, daß Du so als Freiherrin über den kleinen und großen Ausgestaltungen des Lebens stehst," da erkennt man vielleicht doch, daß man nicht nöthig gehabt hätte, immer diesen so weichlich und schwächlich nachzugeben. Und in solcher Erkenntniß nimmt man sich zusammen; man wehrt sich dagegen, sich durch alle möglichen und augenblicklichen kleineren oder größeren Bosheiten des Alltagslebens sofort verstimmen zu lassen, man arbeitet an sich. Allen zu aller Zeit ein freundlich heiteres Gesicht als Spiegel einer freundlichen, heiteren, starken Seele zu zeigen; und es geht! Man sieht mit einem Male, daß man wirklich mit dem Leben viel leichter fertig werden kann und fertig wird mit besserem Willen, als man dachte; bis plötzlich einmal die Probe auf das Exempel gemacht werden soll! Bis man. nehmen wir nur Eines heraus, etwa: krank wird! Das ist eine von den Lebensklippen, an welchen die Meisten, auch die Menschen von stärkerem Willen, gewöhnlich elendiglich scheitern! mit all' ihren schönen Vorsätzen und Grundsätzen. Und doch, wo gerade wären sie mehr am Ort! Da ist über ein Haus das Kreuz hereingebrochen. Der Hausherr hat sich zu Bett gelegt, und der Wagen des Arztes hält mit großer, trübseliger Regelmäßigkeit vor der Thür. Ich kann Ihnen noch gar nichts Bestimmtes sagen." lautet des Doctors Ausspruch. Geben Sie ihm möglichst regelmäßig " nun, und so weiter! Die Frau drückt ergeben und in einer gewissen stillen Freudigkeit die Hand auf's Herz und saat sich leise: An mir soll's nicht fehlen!" Mit einer Art Freude, daß sie zeigen kann, was an Liebe und Kraft und Treue in ihr ist. geht sie an di: Arbeit, unermüdet, starken, reinen Herzens. um todtmüde und abgehetzt, an Leib und Seele erschöpft und halb gebrochen, am Ende dazustehen mit dem nicht zu unterdrückenden Bekenntniß, d. ch. vor sich selbst: Er ist ein unausstehlicher Kranker." Sie hat ihn kennen gelernt in diesen Tagen und Wochen; sie weiß jetzt, daß er ein selbstsüchtiger, im Grunde rücksichtsloser, kleinlicher und vielleicht gewöhnlicher Mensch ist. Der Trieb, zu gefallen, geht jedem Kranken mehr und mehr verloren, je kränker er ist; der natürliche Mensch kommt zum Vorschein; und da ist es denn keine Freude, wenn unter der weichenden Politur ganz gemeines, wurmstichiges Holz da zum Vorschein kommt, wo man dergleichen nicht glaubte finden zu können. Es ist eine Qual für die Umgebung, wenn der Kranke Alles, was Selbstbeherrschung, Geduld, Freundlichkeit, was äußerer Anstand beißt. me:nt ganz o?ne Weite-1

res über Bord werfen zu können; mit einm Worte, wenn die Kranken sich selbst aus der Selbstzucht entlassen; wenn der Mensch vergißt, daß er auch in bösen Tagen zeigen soll, dgß er der ist, in dem Kraft wohnt, freudig oder doch still ergeben die Schultern unter sein Kreuz zu stemmen. Krankheit ist kein Grund zur Ungezogenheit!" ist eine goldene Regel, die Manchem mit großen Buchstaben an die Wand gemalt werden könnte; kein Grund zur Ungezogenheit, weder bei Großen noch bei Kleinen! Da komm! uns in einem befreundeten Hause eine rechte Range entgegen,

die seit Monaten die ganze Familie tyrannisirt durch Eigenwillen und sonstige Untugenden. Ja," klagt diz Mutter, das hat er sich in den Masent so angewöhnt, und nun wissen wir gar nicht, wie wir's wieder hinausbringen sollen!" 'Und wir möchten ihr antworten: Verehrte Frau, das ist Ihre eigene Schuld! Warum haben Sie aufgehört. Ihr Kind zu erziehen, während es krank war? Warum haben Sie es für nöthig gehalten, all' seinen Launen nachzugeben, all' seinen sich kreuzenden Wünschen Folg? zu leisten, all' seine eigensinnigen Einfälle zu er tragen, seine ausgesprochenen Ungezo enqeiren zu ouloen s 5 in ourcyaus litt Mhig. daß Sie ds,rnltKwd , i. e i rr- - !ft C . aufreaen durch lange, heftige Schelt reden oder gar zu Züchtigungen schreiten; aber lassen -Sie das Kind nur in aüer Ruhe ausdauernd merken, daß nach wie vor Ihr Wille gilt und Ihr Fürguthalten, nicht seines; daß auch jetzt 'noch Ihre Liebe eine Kraft und keine Schwäche Ihres Herzens ist, und die Arbeit der Erziehung wird keine Unterbrechung, sondern eine Förderung haben !urch das Krankenlager. Sagen Sie aber in Gegenwart des kleinen Patienten bedauernd zum Hausarzt: Die Medicin wollte er durchaus nicht nehmen: ich konnte wirklich nichts mit ihm anstellen!" oder entschuldigen Sie den Teller mit Kuchen am Bette des Fiebernden: Er ißt ihn so furchtbar gern, und er wollte ihn durchaus haben ", ja, dann wundern Sie sich nicht, daß, wer Wind säet, auch hier Sturm erntet!" ' Kranksein ist eine Kunst, die nicht Jedermann versieht! Aber ein echter Künstler gewinnt überall die Herzen; und wer's versteht, recht, d. h.'in rechter Weise krank zu sein, der wird gerade in seinem Leil.en ein Segen für die Seinen, inöem er ihnen die 'Tage des Scbmeczcs vcrkuht und durchleuchtet. Ein geduldigei Kranker"! Was liegt für ein stiller Glanz über solchem Siechenlager! Wir meinen natürlich nicht einen Kranken, der stumpf und fchlaff Alles mit sich ansiellm läßt, nein, einen, der selbst mitträgt, was zu tragen ist, und es zugt, daß Fleisch und Blut kran! sein können zum Sterben, aber abei die Seele gesund und lebenskräit:a. Noch schöner klingt ein anderes Lob: Ein zufriedener Kranker!" Das Heißt einer, der sich mitten im Leid und Streit ein Plätzchen aufbehalten, wo er Frieden hat, und der darum auch Frieden hält mit seinem Gott übe? ihm und mit den Menschen um ihn her, und der nicht gleich loswettert und losweint, wenn's mal nicht nach seinem Kopfe geh oder wenn sich wir sind ja Alle Menfchen die Pflegenden einmal versehen haben. Es ibt einen köstlichen Lohn nach einer am Krankenbette durchwachten Nacht: einen freundlichen Blick, einen matten. Händedruck, ein geflüstertes Wort des Dankes! Es gibt ein köstlichcs Erinnern in stiller Stunde am gefunden Tage, eine Zwiesprache, di: geh! bis auf des Herzens Grund im süßen Behagen: Ich habe Dich nie so lieb gehabt als damals, da Du krank warst!" Das klingt anders und bringt andere Frucht, als der Seufzer: Unausstehlicher Kranker!" Winterblumen. Naht der Winter deines Lebens. So bescheide dich ergeben. Und erquicke dich der stillen Heitern, schlackenlosen Freuden Die sich, dir von selber geben. Ford're nicht mit grauen Haaren Gaben, wie sie überquellend Nur der Lenz des Lebens bietet: Vom krystallnen Edelweiß Und den schönen Farrenblättern, Die der Winter an die Fenster Unserer trauten Stube malt. Daß sie Aug' und Seele uns Mild durchwärmen ford're nicht Bunte Schönheit, füßen Duft Und die farbentrunkne Gluth Jugendfroher Frühlingsblumen. Trumpf. Mei Herz hat a Thür'l, Sagt's Dirndl und lacht, Des is dir aus Eisen Und Riegel d'ran g'machr. Da kimmt Koaner ein! Und D'u erst rech! nit...! Mei," moant d'rauf da Bua, No' hätt i a Bitt': Geh', sei do' so guat, Thu' 's Thür'l gut schmier'n Des gar arg Geknarr' Muaß d' Leut ja schenir'n!" Humor ist der Schwimmgüriel auf dem Meere des Leöens. Vom Kasernenhof. Un terofficier: Einjähriger Cohn, passen Sie gefälligst besser auf, wenn ich commandiere. Mit Ihrem Ahnenstolz kommen Sie bei mir nicht durch!" Was ist Pech? Wenn eine schwiegersohnbedürftige Familie von tu nem aoisirten Freier in dem Momente überrascht wird, wo gerade alle sechs Töchter Schwarzbeerkuchen gegessen haben!

Todtcn'HochzcZten.

Die Ehe wird bei den Chinesen si!? etwas so Wichtiges und NothwendigeA gehalten, daß. sie nicht nur die Lebenden. sondern auch die Todten verheiratben. Die Geister aller männlichen Kinder, di: jung sterben, werden nach einiger Zeit mit den Geistern weiblicher Kinder, die im gleichen Alter aus dem Leben geschieden, vermählt. Stirbt z. B. ein zwölfjähriger Knabe, so trachten seine Eltern segs oder sieben Jahre nach seinem Tode; seine . Manen mit denen eines gleichaltrigen Mädchens zu verehelichen. Sie wenden' sich an eien Heirathsvermittler, der ihnen sein V;rzeichniß todter Jungfrauen vorlegt; nach getroffener Wahl wird ein Astrolo u Rathe gezogen, der den Geistern der beiden Abgeschiedenen das Horoskop stellt. Erklärt er d Wahl für eine günstige, so bestimmt man eine Glücksnacht für die Hoheit. Diese geht folgendermaßen vor sich: Im Ceremoniensaale des , Elternhauses des todten Bräutigams wird e,ine papierene Nackbildun" des Letzteren in vollem Hochzeitskostüm auf einenStuhl gesetzt. Um neun Uhr, oder noch später, senden die Eltern ein: kleine .ichzeltssänfte auS Palmenrinde m Namen des Gelrr. . . , . , . '2,u.'.: Ä&Ä I rfJlUUl UIU VIIU) U rnvu.vu vuu Geiste des Mädchens gestaiten, sich in die Sänfte zu setzen, um in ihr neues Seim gebracht zu werden. Die Chinesen glauben, daß jeder Mensch drei Seelen habe, und daß die eine nach seinem Tode bei seiner Ahnentafel bleive. Dieser Glaube führt dazu, daß die Ahnentafel der todten Braut vom Ah nenaltar genommen und riebst ihrer papierenen Nachbildung in die kleine Sänste gelegt wird. In manchen Fällen werden auch die von dem Mädchen zu seinen Lebzeiten getragenen Kleidunqsstücke in's Elternhaus des versiorbenen Knaben überführt. . Sofort nack Ankunft deS von zwei Musikanten eröffneten Hochzeitszuges werden Ahnentafel und Papierbraut aus der Sänfte genommen; die Erstere findet ihren Platz nunmehr auf dem Ahnenaltare des schwiegerelterlichen Hauses; die Papiergestalt wird auf einen Sessel gesetzt, den man neben denjenigen stellt, auf dem der papierene Bräutigam sitzt. Sodann rückt man einen mit verschiedenen Speisen besetzten Tisch vor da papierne Brautpaar, das von einem halben Dutzend tauistischer Priester mittels mehrerer Lieder und Gebete ermahnt wird, den Ehebund einzugehen und das Hochzeitsmahl zu genießen. Den Schluß der Feier bildet die Verbrennung des papierenen Paares, sowie einer großen Menge von vapierenen Dienern, Dienstmägden,Sänften,GeldNachahmungen, Kleidern, Fächern und Tabakspfeifen. Winke für die Ernährung. Rohe Eier sind, wie die Untersuchungen von Croce, Eichenberg u. a. eraeben haben, nach 1 1-2 Stunden verdaut, weich gekochte erfordern dazu die doppelte Zeit, während ganz harte 3 bis 6 Stunden den Magen belasten. Reis ist eine leichte Speise und schon nach einer Stunde verdaut; schon dadurch scheint es erklärlich, welche enormen Quantitäten davon beispielsweise die Chinesen ihrem Körper zuführen können. Kartoffeln dagegen erfordern schon 2, Bohnen 2 1-2, Linsen und Erbsen 4, Brot etwa 2 bis 3, ganz schwarzes 4 Stunden zur Verdauung. Auch Milch hält sich ca. 2 Stunden im Magen auf. ebensolange Acpfel und Kirschen, während Rüben, Spinat und Schneidebohnen 3 bis 4 Stunden die Magenthätigkeit in Anspruch nehmen. Auch das gebratene Fleisch gehort krneswegs zu den leicht verdaulichen Sachen, denn Rinder- wie Scheinebraten sind nach 4 Stunden noch nicht völlig verdaut, dagegen gekochtesHirschfleisch schon nach 2 Stunden. Fisch endlich wird in etwa 3, Sio'fl aber kaum in 5 Stunden verdaut. Das Einnehmen von etwas Salzsäure, entsprechend mit Wasser verdünnt, bcschleunigt den Verdauungsprozeß um etwa 10 Procent, ebenso di: Beizade von Senf, weniger die von Pfeffer, sowie der Genuß kleiner Quantitäten spirituöser Getränke. Dagegen verzögert das Trinken größerer Wassermengen zum Essen die Verdauung ganz erheblich, waZ daher entschieden zu vermeiden ist. Außer Alkoüol und Gewürz regen auch Kochsalz undZucker, sowie Käse die Verdauung an. Viele unsrer Gewohnheiten entsprechen bei der Auswahl der Speisen, wen dafür in Wirklichkeit auch noch andcre Gesichtspunkte maßgebend waren, guten bvaienischen Grundsätzen. Wenn wir eine reichliche Mahlzeit mu einem Kaviarbrötchen und einem Gläschen Shcrry oder dergleichen e'mb:le;t. so regen wir die Thätigkeit anseres Magens durch Zufuhr von Kochsalz Kaviar),. bzw. Zucker und Alkohol (Sherrv) an. Und genießen wir hinterher Käse und einen Likör, so b:fördern wir auch damit die Verdauung. Legen wir Sardellen auf hartes Ei, streuen wir Gewürze auf unsere Speisen, so ist damit nicht nur der Wohlgeschmack, sondern vor allem auch die Bekömmlichkeit erhöht. Unangenehme Wendung. ' Als ich um meine Hznne warö, Wie melodisch, wie bell. Entzückend ihre Rede war: Der reine Silberquell. , V Doch jetzo keifet sie zumeist. Mit starkem Donnerschall Und ohne zu erschöpfen sich: Wer reinste Wasseral.

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