Indiana Tribüne, Volume 18, Number 185, Indianapolis, Marion County, 24 March 1895 — Page 6

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JUte dir Vindcr gc.'zcn lernen.

Von Tr. C. Stein. Wem der Her: der Schöpfung" den Schauplah seiner irdischen, Thaten betritt, so ist er ein gar schwaches und hilfloses Wesen und bleibt dies auch die erste Zeit hindurch. Kein Thier, da drei Monate zählt, ist dann noch so gebunden und von 'fremder Hilfe abhängig, wie im gleichen Alter dasKind, in dem erst ganz allmälig die Sinne erwachen und dajj seelische Leben sich entwickelt. Während der feit sechs Wochen thut das winzige Wesen fast nichts Anderes als Schlafen und wieder Aufwachen, Schreien ud Saugen; das Letztere bildet die einzige instinktive Fertigkeit, die es mit auf die Welt gebracht hat, alle anderen müssen noch erworben werden. Nur langsam und nicht ohne Schwierigkeiten und Kämpfe geht das vor. sich, aber jeder Tag bringt neue Fortschritte, die namentlich die glückliehe Mutter mit wahrer Spannung beobachtet und verfolgt. Die Bewegungen, wslche das Kleine mit Armen und Beinen macht, sind anfangs rein impulsiv, und es vergeht Wohl ein Vierteljahr, bevor es seine Händchen zum Greifen benutzen lernt. Die Beine sind aber dann immer. .noch blos zum Strampeln da, das. indessen keineswegs als zwecklos betrachtet werlt7. darf, sondern die Muskeln allmäIiä erstarken läßt, so daß sie auf ihre spätere Aufgabe: den Körper, zu tractfir, vorbereitet werden, und das ferner rie allgemeine Circulation der Säfte befördert. Auch der Kopf wird schon energisch hin und her geworfen, und diese Bewecungen dienen dazu, die Hals- ujii l'ackenmuskeln kräftiger zu machen, damit sie. wenn das Kind erst sitzen kann, das im Verhältniß zu dem übrigen Körper noch viel zu schwere Köpfchen zu tragen vermögen. Die Unterschiede in der Entwickelung i:l Kindes sind mitunter sehr bedeutend, aber als allgemein? Negel läßt sich doch wohl angeben, daß die Kleinen cezen Ende des zweiten Monats ans27.gen, den Kopf zu heben und nach r.'m Lichte hin zu drehen. Gegen den fünften Monat können sie sich sitzend erhalten und dürfen kürzere Zeit auf-r-cht im Vettchen sien ; im sechsten Monat beginnen sie zu kriechen, wenn rr.zn sie auf den Boden setzt. Selbstslänöiges Gchen läßt sich nur bei etwa einem Fünftel alle? Kinder vor dem erJahre verzeichnen; bei dem wei::n und dritten Fünftel erfolgt es mit 34 bis 15 Monaten, bei einem weiteren fünftel mit 16 bis 18 Monaten und leim letzten Fünftel sogar noch. später. Wenn wir das Kleine in dem ange9:benen Entwickelungsstadium auf den !Zooen setzen, so wird es dortallerlei schen, daö nicht im Bereich seinerHände i'i und das es doch anfassen möchte. Crer ein Ball oder anderes Spielzeug c.itsällt ihm und rollt weg. Zuerst schreit das Kind, wenn aber die Geensiände nicht zu ihm kommen und iom nicht gereicht werden, so versucht es nun seinerseits, zu ihnen zu gelanaen. indem es hinkriecht. Es ist dies Kriechen ein Schritt zur Befreiung der im Kinde schlummernden Vewegungskräste, der, weil der erste, zugleich auch der wichtigste ist. Von höchster Erqöhlichkeit sind oft diese noch arg unbeholfenen Versuch: für den Zuschauer, zugleich aber auch interessant dadurch, daß sich in ihnen säon die Eigenart des Kindes ausdrückt. Das Eine schreit, wenn es bei seinen Vemühunaen auf die Seite oder cus den Leib fällt und sich nicht Ulrich nieder aufrichten kann; daZ Andere bleibt ganz gelassen liegen, wie es zu lieqen gekommen ist. Dies Kind fi;U6i sich, indem es sich irgendwo anklammert, auf dem Bauche vorwärts. Jenes dagegen läßt nicht eher nach in seinen Bemühungen, bis es damit 'zu Stande kommt, die Händchen und die Knie: als Stützpunkte zu benutzen, und dann wirklich auf allen Vieren kriecht. Der nächste Fortschritt ist. daß das Kind lernt, selbständig zugehen, was meist noch vor dem Ende des ersten Jahres erfolgt und womit es sich in seir?r körperlichen Entwickelung bereits über das gesammte Thierreich erhebt, womit es auch äußerlich Mensch geworden ist. Die meisten Kleiren kommen dazu, indem sie sich au einem Stuhl in die Höhe arbeiten, und man sieht ihnen deutlich den Stolz und die Freude a, wenn dieses Experiment geglückt ist. Diese nunmehrige Erweiterung des Gesichtskreises bringt es mit sich, daß es neue Gegenstände gewahrt, die es reisen möchte. Der Kopf wendet sich neugierig und unruhig hin und her, .wenn aber der übrig: Körper folgen will und dre Hände ihren sonst krampfbaft festgehaltenen Stützpunkt loslassen. dann purzelt das Kind um und erfährt dadurch, daß es auch das Balaneiren des Schwerpunktes erst noch zu lernen hat. Der Schreck über das Hinfallen wird meist rasch überwunden. und dann geht es an neu: Versuche, sich aufzurichten und frei zu steben, woran sich balö die ersten GehÜbungen anschließen. Es lerlt erst, sich mit nur einerHand siebend zu erhalten und dann, längere Zeit aar.g frei zu stehen. Meist ist es ein Stuhl, der dabei als Stütze dient, und um diesen herum sucht 5 alsdann auch seinen ersten Spaziergang anzutreten, indem es erst einen Fuß nach seitwärts schiebt und hierauf den anderen an diesen heranzieht. Am wichtigsten ist nun natürlich der Uebergana, von diesen vorbereitenden Versuchen'zum freien Gehen. Es muß dazu immer ein besondere? Antrieb

vorhanden sein, damit das Kleine die anfängliche Scheu verliert und die ersten ganz selbstständigen Schritt: wagt. Gewöhnlich kniet die Mutter in nicht zu großer Entfernung vor ihrem Liebling nieder, breitet die Arme aus und ermuntert das an einem Stuhle stehende oder an der Wand lehnend: Kleine, zu ihr zu kommen, wobei eine Bretzel oder ein Spielzeug oft noch als besonders wirksames Lockmittel dient. Endlich wagt das Kind es und eilt mit großer Geschwindigkeit auf die Mutter zu, die es rechtzeitig auffängt, bevor es fallen kann. Die dem Kinde angeborene Fähigkeit, sich in der nur dem Menschen eigenthümlichen Weise fort zu bewegen, ist nun durch einen geistigen Impuls geweckt worden, und damit ein ganz bedeutender Schritt vorwärts gethan. Häufig wird an freilich beobachten können, daß dieser erste Versuch, auch wenn er ganz geglückt ist. doch für einige Zeit der einzige bleibt, indem das Kind große Sckeu zeigt.ihn zu wiederholen. Das durch das Gehen verur sachte Vergnügen ist eben noch kein reines, sondern zu sehr mit anderen Empfindungen gemengt. Immer muß noch ein starker äußerer Anreiz es dazu bewegen, sich diesem Wagniß zu unlziehen, wobei es sich an den Wänden hält, oder Möbel aufsucht, um sich unterwegs an ihnen zu stützen. Auch bei diesen Versuchen treten VerschiedenSeiten hervor, die das Temperament eines jeden Kindes, sein geistiges Wesen klar erkennen lassen. Allmälig lernt das Klein: jedoch all: Hindernisse l:icht:r besiegen, es trippelt und stolpert, schiebt sich und tastet nicht m:hr, sondern setzt die Beinchen.langsam vorwärts, wobei ihm freilich noch jede kleine Unebenheit gefährlich wird, und es überhaupt ohn: zahlreiche mehr oder minder heftige Fqlle nicht abgeht. Die Nückke.)r der rinoline.

In nächster Zeit droht die Erinoline wieder Mode zu werden. Wir befinden uns bereits im Stadium der Noßhaarstreifen, die früher ebenfalls den stählernen Käfigen voranzugehen pflegien. Daher sind die amüsanten, paraboren Betrachtungen, die Henri' Bouchot soeben in der Vie contenipo raine" in einem Artikel über die Eleganz des zweiten Kaiserreiches diesem Thema widmet, recht eigentlich zeitgernäß. S? lange die Erinoline noch nickt ihre volle Entwickelung erreicht hatte," heißt es darin, setzt: auch das Kaiserreich seinen Gana in aunteiaender Linie fort. Die Erinoline war sein guter Genius, denn die Männer hatten sich zu viel über Ire zu ärgern, als daß sie noch für Anderes Z:it gefunden hatten. Nach der gewohnlichen Logik des Uniinns triumphirte sie aber desto mehr, je mebr man iüre? spottete. Und so ist sie denn auch so erschrecklich ungeheuerlich geworden, daß der Ursprungliehe Nokbaarstreifen sich aanz armselia dagegen ausnimmt. Die Amerikaner schoben ihr eine Art Kerkerzelle aus bewealichen Stahlreifen von unerhörten Dimensionen unter und die Franzosen erweiterten ihr eigenes System auf diese Kühnheit hin. Ein Fräulein Utilliet, früher Friseuse, setzt auf diese (-ache ihre mageren Ersparnize: in zwei Jahren ist sie Millionärin. Di: Crinolin: beginnt ihren Siegeslauf und die Mannigfaltigkeit ihrer Formen ist eine geradezu unendlich:. Man sieht solche, die hinten spitz, vorne glatt zulaufen, es existiren kreisrunde, ovale und 5!:aelformen; von Saison zu Saifern wechselt die Laune und führt immer neue Ideen -aus. die sie alsbald wieder verwirft. Der äußeren Seitsamkeit gesellt sich, der Wahnsinn der Unterkleider; man gibt seinem Gatten nicht mehr' den Arm. man hebt die Nöcke nur noch vermittels Schnüren zum Ziehen, nach Art etwa, wie man unsere heutigen Rouleaux in die Höhe hißt. Das Einsteigen in einen Waqcn ruft einen sonderbaren Effekt von Knistern und Rauschen hervor, mit Gesten, die an die kauernde Venus erinnern; und wenn man sich in Gesellschaft set. muß man sich Zeit nehmen, um sich nach allen Reaeln der Kunst zu verrenken. So paradox das scheinen mag. so ist es eine Thatsache, die ich gern feststelle, daß das' Kaiserreich in zwei absolut getrennte Perioden zerfällt: in diejenige der siegreichen Erinoline. die Europa unserem Ruhm zu Füken warf, die Gesetze unserer Aesthetik Enaland. Rußland und Oesterreich aufzwang und die ganze Christenheit rund wie einen Ballon formte, und in die andere, in die Periode der Futteralmode. eine schlimme Periode, in der man wieder einmal über unsere Unbeständigkeit lachte. Und dennoch, gerade hier sieht mair die Ungerechtigkeit der Menschen! Denn wer hatte sich zur Hobepriesterin der Svindeldürrheit gemacbt? Niemand Anders, als eine ausländische Botschafterin, eine Dame, die aus patriarchalischem Lande kam, die Fürstin Metternich!. ..." D e r modecneKunstjüng e r. Mama: . . . Und hast Du Deine schönen Malereien schon hergezeigt?" Wunderkind: Der Tante schon; aber dem Onkel zeige ich sie nicht! Mama: Warum nicht. Engels?" Wunderkind: Weil... der Onkel :mmer gleich wissen will, was es vorstellt!" Zu mißtrauisch. Bräutigam (der die jüngste dreier Schwestern heirathet): ..'..Ich bitt: Dich, lieber Freund, halte Dich stets in meiner Nähe! Bei meiner Kurzsichtigkeit fürchte ich immer, sie schieben mir am Ende während der Trauung die älteste . Schwester unter!"

Zlordischc Cultur. $a aus Stammesverwandtschaft, erwandtem Glauben und aemeinsa-

mer Cultur aeflochtene Band, das in vorgeschichtlicher Zeit von der Bevöllerung des skandinavischen Nordens zu den Völkern Germaniens hinüberreichte, wird in unsrer Zeit nach jährhundertelanger Entfremdung wieder geknüpft. Mehr und mehr wächst im deutschen Volke eine Bewegung an, die sich von der Cultur des klassischen Alterthums abwendet und auf die Ansänge der eigenen Cultur und der der Stammesgenossen zurückgreift. Dem Kirche in Vorgund. Zuge nach dem, Süden, der länger als ein Jahrhundert lang das geistige Leben Deutschlands beherrschte, tritt immer stärker der Zug nach dem Norden entaeaen. Es war zu Ende der vierziger Jahre, als man in Deutschland zuerst m großerm Manstabe d:e Be kanntschaft mit nordischer, besonders mit nsrweaischer und schwedischer Kunst machte, als iunae Maler, die in ihrer skandinavischen öeimatb nicht die richtige Förderung ihrer Kunst fanden, nach der rheinischen Kunst schule strömten, die vamals auf duHöhe ihres Ruhmes stand. In Düsseldorf lernten sie gut und solide malen, im romantischen Stile, wie im realistischen; im Uevrlgen beherrschte sie aber mit allmächtiger Gewalt die Liebe zu ihrer nordischen Heimath, deren majestätische Naturwunder, di: einsamen Fjorde mit ihren steilaufraaenden Felswänden, die schneebedeckten Sochaeoirasaipfel. die rauschenden Wasserfälle und die düstern Tannenwalder, sie darzustellen nicht inude Brautpaar aus Schoonen. wurden. . Viele von diesen Malern fanden in Deutschland ihre zweite Heimath; aber von Zeit zu Zeit zog es sie doch mit Macht nach der skandina vischen Halbinsel zurück, wo sie ihr Herz an der erhabenen Natur wieder erfrischten und neue Motive zu Bildern sammelten. Und sie machten Schule! Deutsche Maler zogen ihnen nach, und heute giebt es m Dusseldorf wie in Berlin eine ganze Colonie von Nordlandsmalern", die alljährlich einen neuen Fjord und ein neues Hochgebirgsthal Norwegens von allen Seiten malerisch ausbeuten. Auch mit der norwegischen Baukunst sind die Deutschen schon in den vierziger Jahren bekannt geworden. freilich nur durch emen seltsamen Zufall. Der in Dresden lebende norwegische Landschaftsmaler Johann Christiern Dahl, der Verfasser des ersten bedeutenden Werkes über norwegische Holzbaukunst, war im Besitze einer Holzkirche seiner Heimath, die er beim Abbruch gekauft hatte. Von ihm erwarb sie der preußische König Friedrich Wilhelm IV., der sie 1842 mit einigen Veränderungen und Umgestaltungen am Fuße des Riesengebirges, auf einem Hochplateau und in einer Umgebung von Waldesdunkel und Waldeinsamkeit, die an ihre ursprünglichen Standort erinnert, für die arme Gemeinde Brückenberg wieder aufbauen ließ. Kaiser Wilhelm II. hat, nachdem er gesehen, daß in Norwegen der alte Holzbau von tüchtigen Köpfen und geschickten Händen den modernen Bedürfnissen angepaßt worden ist, für sich selbst von dem Architekten Munthe aus Christiania ein Schlößchen und eine Kapelle auf seinem Jagdgebiet Rominten in Ostpreußen und einen Bootsschuppen, die sogenannte Matrosenstation an der Havel bei Potsdam, in norwegischem Holzbaustil errichten lassen. Er hat damit holzreichen Gegenden, in denen S!einmatc?ial nur mit großen Kosten zu beschaffen ist, nicht nur den Fingerzeig gegeben, wie sick'Z mit Benutzunq des von der Natur czbotenen Materials wohlfeil bauen läßt In der That wurzelt die nordische Cultur ganz und gar in dem Boden, dem sie entsprossen ist, und das. was wir noch heute an ihr am meisten bewundern und achten, ist ein durch und durch autochthones Gewächs. Der ungeheure Holzreichthum cs Landes hat den Skandinaviern gezeigt, wie sie die erste' Nothdursi des cidilisirten Lebens, die vier Pfähle und das schützende rr.x. cr.i.v.:. ...'s 1 1 . je orr ' i iXiaj, ucjncuiywii uuw uiu iuciuc;i lilteln sie dann ihren weiteren Leöensbedürfnissen genügen konnten. Je

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Kehr sich dann ihre Werkzeuge schärften. als das Steinbeil von dem Metallleil verdrängt wurde, um so mehr entwickelte sich auch aus dem dumpfen Beoürfniß der Kunsttrieb. Seine Ausbildunggeschah freilich nicht ohne EinWirkung von außen. Wie für den gesammten Norden, so war auch für die Norweger das Christenthum der erste Träger der Cultur. Es kam ihnen von den britischen Inseln durch irische

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Familie aus D a l e k a r l i e n. und angelsächsische Mönche, die auch die in ihrer Heimath übliche Art des KirchenbaueZ mitbrachten. Das übliöe Schema war die romantische Basilika. deren Steinbau aber mit einer don Jahrhundert zu Jahrhundert wachsenden Selbstständigkeit und mit einem Aufwand reicher Phantasie.- vielleicht !m -Anschluß an alte heidnische Tempel und an den Profanbau, in den Holzbau übersetzt wurde. Die Lokalforscher haben im Einzelnen nachgewiesen, mit welcher Energie die norwegischen Baukünstler die fremden Elemente verarbeitet, wie sie neue, im Material begründete Constructionen eingeführt, auf das Kühnste durchgebildet und schließlich auch die irisch-angelsächsi-..en Ornamente durch Einfügung von !l l t e r M a n n. Norwegisches Brautpaar. nationalen, der einheimischen Göttersage entnommenen Motiven umgestlltet haben. In ihrer letzten Vollendung stellt sich eine norwegische Holzkirche des Mittelalters mit ihren pyramidensörmig übereinander gethürmten, steil abfallenden Dächern und ihren von Drachenköpfen gekrönten Giebeln als das Gebilde einer nationalen Kunst dar, das nirgendwo in der Welt seines Gleichen findet. Einige Forscher yaben angenommen, daß der norwegische Schiffsbau auch auf den Kirchenbau einen vorbildlichen Einfluß geübt hat. und diese Annahme ist sehr wahrschemlich, da die Holz- oder Stabkirchen so elastisch gebaut sind, daß sie oel den starken, in Norweaen herrschenden Stürmen zwar in allen Fugen und Balken knistern und krachen, aber doch zumeist kräftigen Widerstand leisten. freilich nicht alle. Aon den 322 beZannten norwegischen Holzkirchen des r L a p p i n n d Lappe. Mittelalters ist ein Theil durch Stürme, ein anderer. Theil durch Lawinen zerstört, der größte Theil aber abgebrochen worden, wenn eine Gemeinde eine neue, größere Kirche brauchte. In Norwegen stehen nur noch etwa 25, von denen wir eine der berühmtesten und am besten erhaltenen, die um 1150 entstandene Kirche von Borgund unsern Lesern in einer Abbildung vorführen. Sie ist zugleich ein vollkommener Typus der norwegischen Stabkirchen, und auch in dieser höchsten Vollendung erkennt man, besonders an der halbrunden Chornische und an dem daneben stehenden Glockenthurm den Ursprung dieser von Bauernhänden aus Rundstäben und Aalken zusammengefügten Bauwerke aus den stolzen Steinbauten Italiens. Aber man muß immer an die verschiedensttige Natur der Länder denken und nicht den schlanken, hochaufstreöenden Campanile eines italienischen Doms mit dem schwerfälligen, sich gleichsam in den Erdboden hincinbohrenden Glockenthurin einer norwegischen Holzkirche vergleichen. Das Klima ist in Norwegen trotz aller Civilisation dasselbe geblieben nie im Mittelalter. Nur die Bewoh All haben sich mehr den Einflüssen des Auslands, namentlich Frankre:azs. hingegeben, als ihrer Ursprünglichst heilsam ist. Um so freudiger sind die sich stetig inehrenden Zeichen der Nm kehr zu begrüßen, die wenigstens in rer Baukunst an die Ueberlieferungen d:s eigenen Volksthums anknüpft. Rührige und zugleich künstlerisch be gabte Architekten haben ihren Lands leuten wieder den Geschmack an dem heimischen Holzbau nahe bracht, und

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Touristen und Kaufleute Wohlstand begründen und verbreiten, erstehen W l'i 0 tWvn u;-v? .,r,t l rvjrvs.- & m u 17 LJ S - Vrautkrone. 3 r u st kreuz. jetzt Hotels, Landhäuser und Bauern'zäuser in dem alten Stil, in der alten Technik, aber mit der Berücksichtigung aller Bedürfnisse, die dem modernen Culturmenschen unentbehrlich geworden sind. Schlechter als mit der Wiederbelebung der nationalen Holzbaukunst ist es mit der alten Volkstracht bestellt. Auch hier hat der Einfluß französischen Wesens, im Verein mit der modernen Zabrikthätigkeit. so nachtheilig gewirkt, daß die Hausindustrie immer mehr in den Hintergrund gedrängt wird. Früher suchte die einheimische Kunstfertigkeit. die sich auf das ihr täglich zuwachsende Material stützte, sich in der Herstellung uller Gefäße und Geräthe für den Haushalt zu bethätigen, und sie brachte selbst geschnitzte Kaffeekannen zustande, die sehr zierlich aussahen, zumal wenn sie bemalt wren. rVutterbüchse und Kanne (geschnitzt). Jetzt hat aber der reisende Kaufmann, der alles viel billiger, dauerhafter und moderner besorgt, selbst die einsam in ihren Thälern hausenden norwegischen Bauern ihrer mühsamen Hausarbeit überhoben. Wir stehen vor de letzten Resten einer Cultur, die nachgerade so schwach geworden ist, daß sie selbst ihre Lebenskraft aufgegeben hat. Heute tragen sich die norwegischen Bauern so. wie wir sie in unsern Abbildung zeigen, nur noch bei Kirmessen und ziur Hochzeit, wo die Braut ihre Krone aufsetzt und auch sonst noch alter Brauch in Tracht und Ceremonien manches auffrischt und lebendig erhält. Es wird nicht mehr lange dauern, bis der moderne Verkehr den letzten Rest ursprünglichen Lebens auch aus den Gebirgsthälern Norwegens weggetrieben haben wird! Chinesische Bogenschützen. Nachweislich ist den Chinesen schon das Schießpulver im grauen Alierthum bekannt gewesen, allein auf ihre Art der Kriegführung hat dasselbe keitatx nennenswerthen Einfluß ausgeübt. Noch, m unseren, Tagen der Schnellfeueraeschutze gibt es m der chinesischen Armee Bogenschützen, ja man kann sagen, da Bogen und Pfeile die chinesischen Nationalwaffeu sind. Unsere Arbildung veranschaulicht zwei solcherHeld.'n bei ihren Exercitien. Daß die ohne des Reiches der Mitte mit diesen antiquirteli Waffen nichts auszurichten, vermögen, liegt auf der Hand. Glückliche Zeit. I Sie haben vie? Schönes auf Ihrer Hochzeitsreise gesehen, Frau Lehmann. Was hat Ihnen denn nun miterwegS am besten qefallen?" Mein Mann!" Kleiner Irrthum. Betrunkener (mit den Füßen in der Gosse liegend, wähnend er sei im Bette): Husch! husch! Mei' Alte is aber doch recht 'boshaft, jetzt hat's gar a kaltes Wasser in di: Wärmflasch' gethan!" Verlockend. Er: Und wie: vl Schwestern haben Sie, Fräulein Gisela?" Sie: Sie&n, jedoch alle schon verkzeirathet." Er (freudicz): Da kommt ja auf den Glücklichen, der Sie heimführt, r:ur ein achtel Schwieg:rmuti?r? Gestatten Sie, daZ ich um Ihre Hand anhält? Höchste Zerstreutheit. Auf eine grauenvolle Weise kam UN längst der gelehrte Professor Müller um s Leben. Er war nämlich behufs wissenschaftlicher Beobachtungen mit einem Luftballon aufgestiegen und als er in einer Höhe von4000 Fuß Ballast auswerfen wollte, warf er in der Zerstreuung statt des SandsackeZ sich selber aus der Gondel.

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Jt Znspiraiionistc!! in Iowa.

Fern von dem geschäftigen Leben und Treiben der großen Welt blüht in dem County Iowa des gleichnamigen Staates seit vier Jahrzehnten eine Colonie von Jnspirationisten. Die Lehre dieser Secte, deren erste Gemeinden im alten Vaterlande zu Anfang des verflossenen Jahrhunderts entstanden, stimmt im Wesentlichen mit der evanaelischen Kirche überein. doch verwerfen sie deren äußere Institutionen, namentlich das Lehramt und die Sacramente. Ihrer Meinung nach erwählt sich der Heilige Geist jeweilig aus den Gläubigen seine Werkzeuge und ertheilt ihnen durch ein inneres Licht oder Wort" (lumea sive verbum internum) Offenbarungen. Nachdem schon 17131714 in Halle und Berlin Jnspirationsgemeinden entstanden waren, verpflanzten sie sich nach der Wetterau, wo sich ihnen der Führer der Separatisten. Eberhard Ludw:g Gruber (gest. 1728) und John F. Rock (gest. 1749) anschlössen. Bon dort aus zzogen inspirirte Misnonäre nach dem Westen und so kam Christian Metz nach der neuen Welt, wo er mit Gleichgesinnten die Colonie Ebenezer in Erie County, N. A., gründete. Für die wackeren Leute von Ebenezer galt der Krieg als ein Ueberbleibsel der finstersten Barbarei und ihrem Dafürhalten nach sollten alle Zwistigkeiten, zwischen Völkern sowohl wie Individuen, durch Schiedsgerichte geschlichtet werden. In Ebenezer verölleben sie bis zum Jahre 1854; dann verkauften sie in Gemäßheit mit dem ihnen bekannten Willen Gottes" ihre Besitzungen und wanderten weiter nach dem Westen. Häusergruppe. Nachdem sie in Iowa County.Jowa, bedeutende Ländereien erworben hatten, gründeten sie unter dem Namen Die Gesellschaft Amana" und nahmen eine Constitution an, welche im December. 1859 von allen volljährigen männlichen und weiblichen Mitgliedern unterzeichnet, am 1. Januar 18(39 in Kraft trat. Diese Gesellschast mit einer ausgesprochenen kommunistischen Tendenz gelangte unterChristia Metz. der im Juli 1857 starb, zu großer Blüthe. Das von ihm begonnene Werk wurde von Barbara Landmann foctgeführt. Es war dies eine bemertenswerthe Frau, welche außer ihrem religiösen Eifer eine sehr starke Willenskraft und ein bedeutendes Organisaiionstalent besaß. Namentlich auf den jungen Nachwuchs übte Barbara Landmann großen Einfluß aus und sie verstand, denselben den Principien der Väter treu zu erhalten. Seit ihrem Hinscheiden haben die Amaniten kein eigentliches Haupt und ihre Angelegenhciten werden von einem Verwaltumzsrathe geleitet, der alljährlich durch Abstimmung Mer erwählt wird; seine Mitglieder nehmen keine bevorzugte Stellung in dem Gemeinwesen an und sie sind zur Verrichtung aller Arbeiten verpflichtet. M 1rJj Hotel. Die Amaniten besitzen heute 25,000 Acres Land Weiden, Aecker und Wald und sie bewohne? sieben Dorfer, deren Namen und Gründungs jahre wie folgt sind: Amana -1855, Süd-Amana 1856, West-Amana 1856, Ost - Amana 1857, HochAmana 1858, Mittel-Amana 1859, Heimstadi 1860 und Neu - SüdAmana 1886; ihre Zahl beläufi sich auf etwa 1800. Alle diese Dorfe haoen einen ausgesprochenen delltjchen Charakter. Die Häuschen sind einfach und überall tritt die scrupulöseste Reinlichkeit zu Tage: saubere Vorhange an den Fenstern, freundliche Blumengärtchen verleihen den einfachen Hauschen ein anheimelnde Aussehen Ein jedes Dorf hat ein? Versammlungshalle, Kirche und Schule. Der Communismus ist strenge durchgeführt. In jedem Dorfe, gewöhnlich unter der Kirche oder der Schule, befindet sich ein Keller zur"5ufbewahrung der Vorräthe und in einer genznnsamen Küche (in den größeren Dizrfern gibt es zwei auch drei) werSpinnerei. den die eirifachen. aber kräftigen Spei sen bereit?t, welche gemeinsam eingenommen werden. Nach deutscher Sitte werden fünf Mahlzeiten verabreicht Frühstück, zweites Frühstück. Mittagefs. Vesperbrot und Abend essen. Tin den Schien wird die deutle und englische Sprache gelehrt. wäbrend die erstere die Umgangsspräche ist. Außer den gewöhnlichen Fächern umfaßt der Lehrplan einer jeden Schul: den Unterricht in Handarbeiten. Die Arbeiten werden einem

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Jeden von dem Verwaltunzsrathe zugetheilt und Jeder führ! dieselben nach besten Kräften aus. Di: Amaniten widmen sich nicht nur Aaeröau und Viehzucht mit großem Erfolge, son dern sie betreiben auch mehrere Wollespinnereien und Webereien sowie Mahlmühle:-. Die Vetriebskraft liefert ihnen der Fluß Iowa, dessen Bett durch planmäßiges Baggern rein gehalten wird. In Groß-Amana ist ein 1600 Fuß tiefer artesischer Brunnen gebohrt worden, dessen Wasser zum Waschen der Wolle benutzt wird.

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Mahlmühle. Durch keine äußeren.unheiloollenEinflüsse gestört, fließt dasLeben derAmaniten friedlich dahin. Alle rauschenden Vergnügungen, wie Tanzen, sind streng verpönt und von Allen wird die stricteste Mäßigkeit beobachtet. Krankheiten sind in Folge dessen sehr selten und die Meisten erreichen ein hohes Alter. Während die Amaniten sich in gewissem Sinne von der Welt abgeschlössen haben, haben sie doch ein Willkommen für Jedermann, der sie aufsucht, und sie erschweren Niemandem den Beitritt zu ihrem Gemeinwesen. Wer sich schriftlich zur Befolgung ihrer Vorschriften verpflichtet und seine Habe dem gemeinsamen Fonds überweist, wird auf Probe angenommen; besteht er dieselbe, so erfolgt die endgiltige Aufnahme in die Gemeinschaft. Dies bedeutet Obdach, Kleidüng und Nahrung in Gesundheit und Krankheit, sowie Fürsorge im Alter. Der Austritt ist zu jeder Zeit gestattet, auch wird dem Austretenden das Eingebrachte zurückgegeben. Sachcr-Masoch. Im Alter von 60 Jahren ist der bekannte Schriftsteller Ritter von Sa-cher-Masoch in Frankfurt am Main aus dem Leben geschieden. Geboren am 27. Januar 1835 zu Lemoerg alsSohn. des dortigen PÄizeidirektors Sacher, studirte Sacher Jurisprudenz und habilitirte er sich im Jahre 1855 in Gra; als Docent der Geschichte. Sein erstes literarisches Werk war Du Aufstand in Gent unter Kcnser Karl V.". dem bald der Roman Eine galizische Geschichte 1846" solare. In Folge de? beifälligen Aufnahme des Letzteren gab er seine Lehrthätigk'eit ganz auf. Ritterivon Sscher-Masoch. Der Dahingeschiedene, der auch eine Zeit lang, die Revue, Auf der Höhe" in Leipzig herausgab, war ein sehr fruchtbarer Schriftsteller lind ließ in rascher Folge Das Vermächtniß vou Kain-,, Die Liebe". Das Eigenthum", Falscher Hermelin",. Russische Hofgeschichten". Die Messalinen Wiens Der Emissär" und Die geschiedene Frau" u. s. w. erscheinen. Alle dieseWerke zeichneten sich durch flotte Schreibweise und großes Talent in derDarstellung aus, sind aber mit einem. Realismus durchsetzt der theilweise in. das Pikante und,. Sinnlich: hinübergreift, geschrieben',, und haben deshalb vielfachen Anstoß erregt. Vow seinen andrren Schriften sind Die geschiedene Frau", Der neue Hiob",, Die JÄale unserer Zeit,'' Galizische Geschichten", Judengeschichten", Der Jlau". Das Testament"' und Die: Seelenfängerin zu nennen. SacherMasoch war zweimas vcrheirathet. Zust 1873 mit Aurora v. Rümelin, die: don ihm im Jahre1875 geschieden- wurde, und in zweiter-Ehe-mit der. 'Schriftstellerin Huld Meister. A n z u-ireh m e n. OnkÄ: Ach Karl. Dein Durchfall hat mich sehr ge schmerzt, besonders weil er sv'unvorbe reitet kam." Karl: Aber Du wuß tt doch, daß ich in's Examm ging!" Höchste Eitelkeut. 1. Dier: Ich alaube gar. Dein Vara schminkt sir 2. Diener: Na usd ji! Im Gebirgskostiimi sogar die Kniee!" ATZ der Schale. Lehrer: .Wer kann mir sagen, an welchen. Orten unseres Vaterlandes komme? die meisten Donnerwetter sor?" Sohneines Feldwebels: Asf den ExercierPlätzen. Daher. Gztte: Aber, iZlise. Du ikft ja seit einiger Zeit so frostig gege mich. Jüzesoalo denn? Gattin: Soll ich nicht frostig sein, warn Du mir den gewünschten Pelz nuntel nicht kaufen willst V TOnfiInnnnS TO?V f V V V V fcWfcVkjW Onkel (aus Deutschland, dem sich ein eben herubergekommen-r Neffe vor stellt): Also ich soll Dich unterstütze welches Geschäft hast Du denn g leni?" Nfse: Ich bin Barbier Onkel: Nun gut. da kannst !h also jeden Sonntag foa mtrfi r."frrn!" "

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