Indiana Tribüne, Volume 18, Number 178, Indianapolis, Marion County, 17 March 1895 — Page 6

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(E i t c l fe c t t. Von . 0:o5. Nein, mein: Damen, so sehr ich mi euch bemühe, ich nij nickits Bessere, als mit Jhn:.. etliche Minuten über eine Sache zu plaudern, mit der man Ihr Geschlecht allezeit mehr oder wenier intim in Verbindung gebracht hat: über die Eitelkeit. Machen Sie keinen Versuch. Mangel an Interesse für diese Sache zu fingiren; im Innersten sind Sie überzeugt, daß der besagte Gegenstand einer der wichtigsten ist, die es auf Erden gibt. Sie wissen, daß man Ihnen vorwirft, leibhaftige Verkörperungen der lieben Eitelkeit zu sein. Ein großer Frauenkenner, der sich um des Effects willen auf den profejsionellen Frauenfeind hinausspielte, Vogumil Golz. hat behauptet, daß, wenn eine Welt im Untergang: begriffen wäre, eine Frau noch rafch ihren Kopfputz in Ordnung bringen, würee. Von Charlotte Eorday wiro erzählt, sie habe auf dem Wege zum Schaffst ihr Haar noch möglichst zierlich arrangirt. Nehmen wir an, daß das richtig sei, wer ist Barbar genug, darin den Llnlaß zu einem Tadel zu finden? Die Frauen haben von einem gütigen Schicksale die Gabe mitbekommen. AI les anmutiger zu machen, als wir un--schlachten Männer. Ich muß es offen sagen, auf die Gefahr hin, Ihnen eine Waffe gegen uns in die Hand zu liefern: Wenn man mich einmal henkt, werde ich dabei vielleicht nicht die minteste Grazie entwickeln. Nur eine ??rau bewahrt sich auch vor dem Scharfrichter ihren Neiz. denn auch dem Scharfrichter will sie gefallen. So teure also doch etwas an Ihrer Eitelkeit und deren Bethätigung zu tadeln? Nein. Wer schön sein will, muß eitel sein, und schön zu sein, ist entschieden ein Beruf, des Schweifes aller Eoeln werth. Glauben Sie mir: Wenn das Modell zur Venus von Milo gelebt Hat, fo war es das eitelste Geschöpf, üöer das der griechische Himmel gelacht lat. Womit nicht gesagt sein soll, daß die Nachbeter überkommener Phrasen N:2;t haben, die da ruhia behaupten. t:e Eitelkeit se! ein Privilegium des '..-eibllchen Geschlechts. Vielleicht ist es unklug. Ihnen daS zuzugestehen, chi wir Männer sagen ia immer die Wahrheit, nichts als die Wahrheit, und 1-shalb sei ibr auch bier ein: Gasse geconet wer Augen hat. um zu sehen, und Ohren, um zu kören und dazu die nöthig: Dosis von Aufrichtigkeit, der wird ehrlich bekennen, das es von Rechtswegen heißen müsse: Eitel wie ein Mann." Nur vielleicht, daß zwischen der Eitelkeit der Frauen und jener der Männer ein klaffender Unterschied cbwaltet. Wir sind die Plumperen. Sie sind d?: Feineren, die mehr Erfinderischen sogar in der Kunst. Ihre? Eitelkeit Befriedigung zu verschaffen. Den Nächsten." so meint Nietzsche, zu einer guten Meinung verführen und hinterdrein an diese Meinung des Nächsten c laubig glauben: wer thut es in diesem Kunststück den Weibern gleich?!" Also sprach Aarathustra: In der That verstehen Sie es in einem ben?undernswerthem Ma:. uns Huldigungen abbringen, auch wo wir zum Huldigen nicht gelaunt sind. Sie zwingen uns nr Lied: und sagen dann: Xon oM!" Nun aber wir Männer! Wir zcgern nicht, bis unsere Eitelkeit eine greifbare Satisfaction erfährt. W'ir sehen Windmühlen für Niesen an, und wo kein: Fata niorana sich zeigt, da schafft unsere Phantasi: sich willkürlich ein: solche. Sie warten wenigstens in den meisten Fällen ab. daß man Ihnen in aller Ehrfurcht sage: Ich lieb: Dich!" oder dj bewundere Sie!" Für uns sind solche Kundgebungen überflüssig. Ohne daß Sie ein Sterb:7wörtch:n äußern, hegen wir die Ueberzeugung, ein: Lilie brauche uns nur zu begegnen, um auch schon geknickt zu sein. Es ist rein menschliches Mitleid, wenn wir Ihnen gegenüber nicht immer unseren ganzen Zauber spielen lassen. Wir geben an unzähligen Gelegenheiten zu Triumphen vorüber, weil wir der letzteren übersatt sind und sie keinen Reiz und Werth mehr für uns haben. Ein Grobian behauptete einmal, nachdem er ein Glas Wein zuviel getrunken hatte, jeder Mann sei nach vollendetem vierzigsten Leb'nsjahre ein alter Esel. Und er dacht: oufoi sveciell an unser Verhältnin zu Jfaeir. Aus guten Gründen möchte ich dieser zoologischen Behaupiunz nicht blindlings zustimmen. Aber, wenn Sie es nicht weiter verrathen wollen beichte ich Ihnen: Ein Körnchen Wahrheit lieg! darin. Beobachten Sie gefälligst einmal, welche Wirkung das Erscheinen einer Frau inmitten eines Kreises von Männern hervorbringt. Wie wir da sitzen, nehmen wir dann im Nu eine veränderte Position ein. ceben uns eine interessante Haltung, werfen schmachtende Blicke, zwirbeln den Schnurrbart auf, und zum Mindesten zupfen wir die Manchetten möglichst weit aus den Nockärmeln hervor, weil dadurch Frauenherzen bekanntlich in siegreicher Weise bestrickt werden. Und merkwürdig: je älter wir werden, für desto gefährlicher halten wir uns. Der Johannistrieb, der selbstverständlich seine Erwiderung finden mutz, dünkt uns etwas ganz Natürliches. Ja, es kommen die Jalj, m denen wir einen Ehrgeiz darein setzen, uns mit irqend eine? Frau zu cömpromittiren. Es hält dann sehr schwer, uns zur Vernunft zu bringen: wie wir gerne annehmen.. stützt unser Alter die Frauen nicht vor Thorheit; wie häßlich und wie unangenehm wir auch sein mögen, wir können nicht glauben, daß jemals für uns die Zeit vorüber sei, unterwegs jede Blume, die uns gefällt, zu pflücken. Noch mehr: selbst wenn wir gewahren, daß unsere Schwäche miß-

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braucht wird, bilden wir uns noch immer ein, datz auf Ihrer Seite nicht das bloße Naffinement im Spiel: sei. Ich berufe mich für den Fall, als Sie in meine Worte Zweifel setzen, auf einen Ausspruch, den Thackeray in scinem Eitelkeitsmarkt" thut: Wenn Männer eines gewissen Schlages verliebt sind, so schadet es nichts, wenn sie Angelhaken, Schnur und den ganzen Apparat sehen, mit dem sie gefangen werden sollen; ein unwiderstehlicher Drang treibt sie, sie schnappen nach dem Köder, um sofort zappelnd an's Land gezogen zu werden." Thackeray hat gut spotten; er kann nicht leugnen-, wie süß es für uns in ergrauenden Haaren ist, uns ein wenig in die HalbVergangenheit zurückträumen. Die vollen Flechten, die verführerischen Lippen, das blitzende Auge eines Weibes winken uns. und uns wird, als umwallten Locken unser eigenesHaupt, als schwelle unser eigener Mund im Korallenroth, als loderte eine versengende Flamme aus unserem eigenen Äuge. Sie müssen es uns nicht übel nehmen, meine Dirnen! Wie groß Sie sich unsere Eitelkeit vorstellen, Ihre Begriffe bleiben hinter der Wirklichkeit zurück. Am eitelsten sind diejenigen unter uns. die in der Öffentlichkeit sieben, die Politiker, die Redner, die Künstler, die Poeten. Lesen Sie in Heine's Buch der Lieder" nach. Sie finden dort in der Abtheilung Heimkehr" die Selbstkritik des Dichters. der seiner Geliebten zuruft: Und wenn Du schilt'ft und wenn Du tob'ft. Ich werd' es geduldig leiden; Doch wenn Du meine Verfe nicht lob'st. Laß' ich mich von Dir scheiden." Eine Entschuldigung mag darin liegen, daß wir ohne Eitelkeit gar keine Lust hätten, irgend etwas zu produciren. Die Eitelkeit," so meint Heinrich Laube, ist der nothwendige Fehler aller .großen Leute, namentlich Derer, welch: die Welt mit Worten oder mit Tönen erobern. Ein Künstler, der nicht eitel ist, gleicht einem Weibe, das nicht gefallen will Beide sind langweilig." Um gerecht zu sein und Ihnen, meine Damen, nicht vorzuenthalten, was Ihnen von Rechts wegen gebührt, sei es offen gestanden: Es gibt eine Unmenge von Eitelkeiten, auf die wir kein Monopol haben und die uns Männlein und Weiblein gemeinsam zu eigen sind. Ich wette mein Herz darauf, daß Sie z. B. Niemand ohne Unterschied des Geschlechts finden, der Einem Auskunft darüber gibt, was er im Eonversationslexikon sucht, .wenn man ihn. mit einem Bande dieses unschätzbaren Hilfsmittels in der Hand, überrascht. So eitel sind wir Alle, daß wir uns nicht gerne in unser: Vildungskarten sehen lassen. Wie selten verleugnet Einer oder Eine die Eitelkeit so weit, aus eine Frage schlicht und einfach zu antworten: Ich weiß nicht!", auch wenn diese Frag: dahini geht, wie der Kaiser von China hieß, der im Jahre 1234: regierte. Etwas Gemeinsames ist, um noch ein Ezempel zu nennen, die Eitelkeit, die sogar über das Grab hinaus reicht und sich mit Leichenbegängnis; und Beerdigung befaßt. Seit es weibliche Bergsteiger gibt, haben wir Männer nicht einmal mehr das alleinige Anrecht, unsere Eitelkeit damit zu kitzeln, dawir ein hohes Eisfeld gemacht" haben, denn heutzutage bringen Sie es nicht nur ebenso weit, sondern auch ebenso hoch wie wir. Und unten, inmitten von uns Beiden sind die Eitelsten, Diejenigen, die da steif und fest versichern, baß ihnen nichts ferner liege, als eitel zu sein, die Anonymen, die sich um keinenPreis nennen und um jeden Preis errathen sein wollen, die Incognito - Menschen, die sich tief unglücklich fühlen, wenn wir uns refpectvoll hüten, ihr Incognito zu lüften. Keine Eitelkeit ist entwickelter, als diejenige, die dem Ruhme aus dem Wege geht, der Hoffnung voll, der Ruhm werde ihnen nachlaufen. Ercessive Bescheidenheit ist oft verkappter Größenwahn. In unseren Tagen gefallen sich einige Frauen und Männer darin, ihre Individualität mit allem Nachdrucke auszuspielen und !urz und bündig zu erklären, man müsse sie nehmen, wie sie sind. Ja, aus Eitelkeit schminken wir uns sogar Eigenschaften an. die keine Sympathien erwecken können. Der alte Lessing kommt zu Ehren mit seiner Behauptung, daß wir unsere Fehler nie so sorgsam verbergen, wie unser: Tugenden. Und damit gerathen wir auf ein Feld, wo Sie, meine Damen gestatten Sie mir diesen Ausdruck aus der Billardtechnik uns ein Doubl6 vorgeben können: aus Eitelkeit verhüllen Sie nicht selten die besten Seiten Ihres Wesens, und die reinste Tugend macht die Mode mit. die Geberden des Lasters nachzuahmen. Wenn wir die Rechnung mit einander abschließen, dann zeigt sich das Ergebniß, daß wir einander nicht vi:l vorzuwerfen haben: Vanitas vanitaturn" gilt für uns Alle. Man pflegt Hunger und Lieb: als die hauptsächlichen Triebfedern unsere? Handlungen zu bezeichnen. Die dritte Tueöfeder: die Eitelkeit, wird man um de? Genauigkeit willen hinzurechnen müssen. Deshalb ziehe ich meinen Antrag zurück, der aus die Verbreitung des Dictums abzie-'B: Eitel wie ein Mann." Ich bringe dafür einen anderen ein. S:ien wir ehrlich und sagen wir: E.tel wie ein Mensch." Einstimmig angenommen? Sonderbar. Nun, wie vertragen Sie sich mit Ihrem jetzigen Compagnon?" Ach, hören Sie mir auf! Mit dem muß man sich fortwährend herumstreiten, wenn man mit ihm gut auskommen will!"

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pie hcuttge jrca als UZuncr. Cin Einziges aus Crfctn rur gifct c5, la schwer uud lzcdrrr ali dcs ecfcte Ciii TaZ ist tie echte Mutter." Wenn ich von einer heutigen" Frau spreche, so möchte ich nicht mißverstan'den werden. Ich halte den Geist unserer Zeit nicht für unbedingt identisch mit den Begriffen: Ezcentricität, Ueberspanntheit, Thorheit. Wer unsere Zeit richtig erfaßt und versteht, sieht auch noch andere Züge, die als die Consequenzen des Fortschrittes, der allen Volks-schichten zugänglichen Durchschnittsbildung gelten müssen. Was ich unter der heutigen" Frau verstehe, 'oas ist ein Wesen ernst, zielbewußt, zu selbstständigem Denken gereift, in dem einmal gewählten Berufe aufgehend; ein Wesen, dem als Höchstes die Ideale des Lebens vorschweben und das selbstverleugnend den oft schweren, aber für solche Na turen befriedigenden Pfad eiserner Pflichterfüllung wandelt. Eine solche Frau hält nichts von den sogenannten weiblichen" Schwächen und Fehlern, beansprucht das Recht von deren AusÜbung nicht für sich und verlangt für ihre Fehler keinen anderen Maßstab, als der auch an alle übrigen Menschen angelegt wird. Eine Frau dieser Art. und 'sie sei 2vch so hochgebildet, zu seiner Gattin, zur Mut ier seiner Kinder zu wählen, davor braucht kein Mann sich zu scheuen. Das Leben, wie es heute ist und wie es sein wird, wenn erst unsere Kinder den Kampf mit ihm aufnehmen sollen, erfordert eine andere Vorschule, als man sie vor 30 Jahren benöthigt:. Ob unsere Töchter dereinst glückliche und beglückende Gattinnen und tüchtige Mütter werden ob sie einsam, ans ihrs Hände und ihres Kopfes Arbeit angewiesen-, im Leben stehen werden, was immer aus unseren Söhnen werden möge sie werden sein, was dieMütter aus ihnen gemacht. Die Seele, das Gemüth, der Geist des Kindes ist unter der Führung der Mutter, was der Thon unter des Bildhauers Händen ist. Und in den Worten: Das habe ich meiner Mutter zu verdanken!" kann ebensowohl ein Segen wie ein Jluch für uns liegen. Auch ist es das Seelenleben des Kindes durchaus nicht allein, dem die auf der Höhe ihrer Zeit stehende Frau ihren Stempel aufdrückt. Die gebildete Mutter pflegt auch die Hygiene in allen ihren Neöenzweigen in anderer Weise, als Mutter und Großmutter sie pflegten (womit deren Verdienste wah?lich, nicht geschmälert werden sollen!). Deren Methoden entsprachen eben einer Periode, die der unseren so verschieden ist. als läge ein Jahrhundert und mehr dazwischen. Die Frau mit klarem Denken, weit ausschauendem Blick und fester- Hand duldet keine Verweichlicbuna. sie erzieht nicht ätherische, nervöse Persönchen, die in unserer Zeit und unter unseren Existenzbedingungen so überflüssig, so unnütz, so störend für sich und Andere sind, als wie ein Krüppel es inmitten einer Schlacht sein würde. Die heutiae Mutter steuert der Empfindelei, sie sucht die sich gerade jetzt so breit machende Ueberschatzung der Bedeutung von Aeukerlicbkeiten zu unterdrücken und ihren Kindern gegenübe? mehr die des inneren Werthes m den Vordergrund zu schieben. Sie lehrt sie und beweist es durch ihr eigenes Beispiel, daß Fort schritt, Bildung, Klarheit des Geistes. Schärfe des Verstandes, Thatkraft und Eharakterstärke recht gut vereint sein können mit der Herzensgute u;id Gemütbstiefe. der Demuth und ZurückHaltung, dem häuslichen Sinn und der Selbstverleugnung, die man. seitdem die Welt steht, an der Frau schätzte und ehrte und auch ferner an ihr schätzen, und ehren wird, so lange die Welt steht. In die Hand der Mutter, b'ie die künftigen Männer und Frauen heranzubilden hat, ist es gelegt, zu beweilen, daß eine Frau, um aus der Hohe ihrer Zeit zu stehen, nocy lange nickt nöthia hat. die Schranken zu überspringen, die ihrem Geschlecht gezogen sind und ewig gezogen bleiben müssen zum Segen der Menschheit im Allgemeinen und des Familienlebens im Besonderen. Wenn wir unseren Söhnen die Achtung vor der gebildeten Mute beibringen, unseren Töchtern als Beispiels edeler Selbstverleugnung zu gelten uns bemühen, dann wird man ln der nächsten iseneration anders über die oft bespöttelte gebildete Zvrau" urtheilen und es wird keinem Manne einfallen, zu behaupten, daß nur ein solches Wesen zur Gattin, Mutter und Hausfrau tauge, das über ein blödes, stereotypes Lächeln und ein Ja, ja Nein, nein, nicht hinauskam men kann, noch auch will. Der moderne Amor. Nicht ernst, meint Ihr, sei ich zu nehmen, Und meine Pfeile streifen nur, Sie dringen nicht in Herzenstiefe, Und schnell verwischt sei ihre Spur?" D, traut mir nicht. leichten Thoren, Wähnt nicht, Ihr könnet mit mir ktändeln. Und mit behendem Spott sodann Entflieh' den lock'ren Liebeshändeln!" Ob alter, ob moderne: Amor, Gleich sicher ziel' ich auf die Beuten Nicht anders trifft mein Pfeil, wie einst. Er sitzt so fest, wie einst noch heute." Beweis. Die junge Frau Doktorin (zu ihrer Mutter): b mich ölrthur liebt, fragst Du? Ich kann Dir sagen, als 'ich neulich krank war. da ha! er sogar einen andern Arzt holen las sen!"

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Eine Mcstrsalzrt von Müttöcn bis Ättluclu. Von Ä. Schrot. Endlich sah ich sie, die Weser, diesen 'deutschesten aller heimischen Ströme (sie allein gehört mit ihrem ganzen Gebiete deutschem Boden an) und auch einer der klassischsten. Im Weserlande erhielt die römische Herrschaft, die sich am Nhein und an der Mosel so stolz aufgebaut, endlich den Todesstoß. 2ln ihren Ufern hausten jene Cherusker, deren mächtiger Wuchs, trutziger Sinn und derbes Wesen noch in den heutigen Bewohnern fortlebt. Auf jenen Bergen hatten sie ihre Heiligthümer, ihre Wohnstätten in jenen Wäldern, bei deren Betreten du angehaucht wirst von den Schauern einer großen Vergangenheit. Aber auch in landschaftlieher Hinsicht darf die Weser sich sehen lassen. Ihre Ufer gehören zu dem An muthigsten und Schönsten, was in deutschen Landen zu finden ist, sie sind umkränzt von einer guten Anzahl historisch merkwürdiger und architektonisch interessanter Städte, das Ganz: ,st verklart vom Helldunkel der Sag; le. rav3& ultBM M n Nathhauszu Münden. Münden ist gleich einer der Glanzpunkte der Fahrt. In einem romantischen, tiefen Thale, auf der durch den Zusammenfluß von Werra und Fulda gebildeten Halbinsel gelegen, macht 'er mit seinem Schloß, der St. Alasiikirche. dem 1619 erbauten Nathhaus im Renaissancestil, der königlichen Forstakademie mit botanischem Garten und der schönen Eisenbahnbrücke über die Werra, wie überhaupt durch die zum Theil alterthümliche Bauart einen bedeutenden Eindruck. Im Mittelalier ein blühender Stapelort, machte jedich die Zerstörung durch Tilly im Mas 1626 dieser Herrlichkeit ein Ende und selbst bis heute hat die Stadt sich von je.'iem Schlage noch nicht wieder erholt. An der Außenseite der Garnisonskirch: sieht, man den Leichenstein des Dr. Eisenbart. der sich 1727 hier auf der Durchreise auf seine Art zu Toe kurirte. gHaHLiWj'i) '"") 1irft" ! i il- 0iLfiK.SILhk; i tfk J&MflA C&W3 'if&A fi.i7lWfirTiv:' V jtfy " v-ÖWFPisTtsaioatfw tyufctfni rM ;j6im:iyiuJRw rr'it u.uuri m tyc VR" ei riAT m Dr. Eisenbart's Grab in Münden. Ein kleiner Dampfer trägt uns die Weser hinab, vorüber bei Earlshafen, an der Mündung der Diemel, wo das Flußthal, obschon erheblich enger, an manche Partien der Nheinfahrt zwischen Koblenz und Binzen erinnert, vorüber an Fürstenberg, wo der So!lingwald hervortritt, an dem herrlichgelegenen Hörter mit seinem weltberühmten Kloster, an der 822 gegründeten Abtei Korvey und nach einigen Stunden Fahrt gelangen wir nach Holzminden, in dessen Nähe der höchste Berg des Wesergebirgs, der 529 Meter hohe Köterberg, emporragt. Weserboö bei Potte. Eine halbe Stunde unterhalb Holzminden verengen sich die Ufer der Weser wieder, die nun in mehreren gewaltigen Krümmungen das Gebirg: durchbricht. Ein pittoreskes Lndschaftsbild eröffnet diese Enge. Es ist daZ Städtchen Polle mit dem durch eine Burgruine gekrönten sogenannkn Weserbock. Nach einer Stunde genreicher Fahrt Station ÄodenweQer. x:w!m . j . rT4V: iäääw - -- ?SMM5Z " yA .2 Hameln mit d e m Lachsfang. Geburtsort des weltberühmten Freil'errn von Münchhausen. eines der Männer, auf die wir Deutschen besnnders stolz sein können, ebenso stolz wie auf den Doktor Faust, Till Eulenspie

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5SS3 s$i, zel und die Sieben Schwaben. EZ I folgen nun Hameln mit stattlichem Schloß des Grafen Schulenburg, Station Grohnd: mit alter Burg und Station Emmerthal mit Eisenbahnbrücke über die Weser und der Hämmelchenbürg, eines an Stelle einer alten Burg 1583 bis 1612 erbauten Schlosses im Renaissancestil, unstreitig der erste architektonische Glanzpunkt der ganzen Strecke. Wir nähern uns nun dem Endpunkt der Dampferfahrt. In der Ferne taucht auf die vielthllrmige Nattenfängerstadt . und ehemalige Festung Hameln. "Immer deutlicher tritt das in den Rahmen einer anmuthigen Um gebung gefaßte Bild hervor; endlich Nathhaus in Hameln. ein Zeichen mit der Glocke, und wir können festen Fuß fassen. Da es noch früh am Tage ist, benützen wir die uns verbleibenden Stunden zur Äesich'iSung der Stadt, die mit ihrer thurmbewehrten Ringmauer, ihren dielen alxerthümlichen Häusern, daruni:r besonders merkwürdig das Rattfängcrhaus und das sogenannte Hochzeits haus, dem alten Nathhaus und der Münsterkirche (ursprünglich Slipskirche des heiligen Bonifacius, im 11. Jahrhundert gegründet, nach dem Brande im 14. Jahrhundert n'u erbaut. 1870 bis 1875 rcstaurirt) einen recht stattlichen Eindruck macht. Nachdem wir noch den Lachsfang und die Das Rattenfängerhaus in Hameln. Fischzuchtanstalt im Schliekersbrunnen in Augenschein genommen, besteigen w:r den jenseits der Weser sich crhebknden. ehemals stark befestigten 2r,l Mete: hohen Klütert. Im Abendsonnensd',ern liegt die Stadt uns zu Füßen. Südlich gewendet, verfolgen wir den Lauf der Weser weithin und verzegenwärtigen uns noch einnral im Geist: die lieblichen Bilder, die in mannigfatigem Wechsel heute an unseren Blicken vorüberzogen. Rosa Tuchcr. Frau Rosa Sucher, die berühmte Wagner-Sängerin der Berliner Oper, gastirt gegenwärtig in New York, wo die deutsche Oper, nach kurzer Unterdrückunz Seitens der berühmten" Vierhundert, ein Auferstehungsfest feiert. Frau Sucher ist die Gattin des ersten Musikdirektors der Berliner n.m M? Oper. Ihre Glanzrollen siiä Brunhrlde in der Walküre" und- in der Götterdämmerung, sowie Isolde" in Tristan und Isolde. In der letzteren Rolle wird sie gegenwärtig wohl von kiner Rivalm ' ubertrosfeir. Frau Sucher ist eine herrliche Vühnenerfchemung. Wir ormgen :h2 wohlactroffenes Pertratt. Immer heuchlerisch. Dame: .Habm Sie 5?nabenspÄ zeug, das auch am Sonutag benutzt werden kann?" Geschäftsmann: Gewiß, nehnien Sie eine Schachtel Soldaten." Dame: Wi kann nun am Sabbath mit Soldaten spielen!" Geschäftsmann: Ja. denn diese Bleisoldaten gehören ja zur Sawation Armv"." Neu-Deutsch. A.: Ms fch neulich den grünen Weg überquerte, bin ich beinahe im Schmutz stecken geblieben!" V.: Das ist anderswo auch nicht besser. Mir passirte dasselbe, als ich gestern die Maxstraße durchlängste!" Feierlicher Moment. Freund (in's Zimmer tretend): Wie, eine Flasche Wein bei der Arbeit . . . hast Du Geburtstag?" Schriftsteller: Das nicht aber die Heldin meines Romans v e r l o b t sich eben!"

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?cr Zlckcrzicycr. Ein Abenteuer von Bliemchen. Wenn Se edwa nich glooben, daß ä guder Sachse noch Kurrasche un Energi? endwickeln gann. wenn's Nohd an Mann gehd. da will ich Sie änne Reibergeschichde erzählen, die mir in Gaf5 Boomeel in Leibzig bassierd is. Ich sitze gans wollig in änner Ecke un drinke mei' Schälchen Heeßen un denke an garnischd. Da gommd Sie so ä lufdiges Gerlchen in eenfachen Som-mer-Reckchen 'rein, setzd sich an Ofen un beschdelld ooch ä Schälcken Heeßen. Na." denke ich. Du gannst's brauchen. daß De Dich wärmst." denn 's waren draußen blos drei Grad Wärm: UN das noch derzu Zelsius; da leefd doch gee verninfd'ger Mensch ohne Jberzieher in der Welt 'rum! Das Gerlchen am Ofen schien sich aber gar nich behaglich zu fiehlen; immer schbazierden seine Oogen in gansen Logale 'rum, un immer schielde cr nach den Leiden, die um mich 'rum safan un die mehrschdendheels Schlad schöielden. Der sucht verleichd Eenen.der sein'n Gaf'e bezahld," denke ich bei mir aber da hadden seine Oogen schon Zvieder änne andere Schußlinie. Jetzt dhad er die Jberzieher beschnubbern, i?ie dichte bei'n Ofen hingen. Das gloobe ich. so eenen mecht'ste coch haben." sage ich vor mich hin, aber weeß Gnebbchen, grade als wenn er'sch gehcerd hädde, zudschd er gemiedlich seinen Gasfee aus, schdehd uff un langd midden in de Jberzieher 'nein. Nanu." denke ich. das is amende gar ä Jberzieher-Marder! Er werd aber doch wenigstens nich meinen nchmen!" . Aber richdig wie's das Unglück will, langd der Gerl meinen Jberzieher von Haken 'runder un rudschd in meinen rechden Aermel, als wenn das nur so sein mißde! Da fällt mir uff eemal ein, daß . ich meinen Hausschlissel in der Jberzieherdasche schdeckcr. hadde. Na, mei Schreck! Oh' Jberzieher heeme gehn un zu Hause :.ich ämal 'nein gennen nee. das war zuviel, da hieß es handeln. Ich schbringe uff, renne dem Gerl nach, halde'n an meinen Kragen feste un sage: Ach, endschuldigen Se, mei gudestes Herrchen, mei Hausschlissel is noch in der Dasche, lassen Se mich den gefällizst erschd 'rausnehmen!" Das Gerlchen guckd mich erschd gans verdutzd an, dann sagde er aber mid der greeßden Heeflichgeed, indem er mir den Hausschlissel ieberreichd: Ach, bidde sehr, Herr Bliemchen. so war'sch nich gcmeend, der Hausschlissel geheerd unzweifelhaft Ihnen!" Un mid den Worten: Ich habe die Ehre," war er mit dem Jberzieher was haste was gannste zur Dhie 'naus un ich schdehe da mid'n Hausschlissel wie'n siegreicher Held. Ji, Kurrasche muß der Mensch haben. Verblümt. Gast: Liebe Rosalie, die letzte Maß brachten Sie mir, wie's schien, ganz von der Neige! Ich hosfe, da& Sie Ihre Neigung mehr durch die Blume ausdrücken! NeueVezeichnung. LehrZunge (sehr aufgeregt): Meister, Sie möchten doch gleich nach Haufe kommen! Schuster: Schockschwerenoth! daß man keine Ruhe kriegt. WaZ ist denn los? Lehrjunge: Die Meisterin hat einen Buben doppelt belommen! .

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ilÄ Gewitter. Trübe Aussicht IWff Bewölkter Himmel. 17 V ;j c Veränderlich. M-W' y 0 l k e n l 0 s. Nebel. Heiter. Dunst. - Zarter Wink. f jerm Ich meine, der Rock wirft hier iLer die Brust Falten!Das kommt nur davon, daß ich mir erlaubt habe, die Rechnung gleich in die Brusttasche zu stecken'." , Böses Gewissen. Vater (bei Tische): Binder, das riecht jcr so nach Wtöse!" Der kleine Felix (weinend): Ich hab' heut' welche. ! der Schule bekommen!"

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