Indiana Tribüne, Volume 18, Number 171, Indianapolis, Marion County, 10 March 1895 — Page 6
ZAoöcrnc f$a::5l;allungs" und
Tr :cdJdjt!lcn. Von Er.nl.e Äratzkq. Es ist nicht zu verkennen, daß unsere Zeit große Umwälzungen auf allen Gebiete?. hervorgebracht hat, viel des Alten und Veralteten wurde heruntergerissen, und an seiner Stelle blühte bliutl, Werdendes empor. Neue Begriffe und Anschauungen bildeten sich, die in zahlreichen Fällen mit sieghafter Ueberzeugung vertheidigt und zur Gel:ung gebracht wurden. Ob freilich alles,was an Meinungen, und Anschauungen zu Tage trat, auch wirklich g,esund uns lebenskräftig sein wird, wird erst die Zukunft lehren. Zu denjenigen Neuschöpfungen aber, die sich als cußerzrdentlich zeitgemäß und zweckdienlich bereits, in der kurzen Zeit ihres Besteh:ns erwiesen haben, gehören die modernen Haushaltungs- und Kochschulen, die in Berlin in den letzten Jähren entstanden sind. Die rasche Entwickelung dieser v?n denkenden Frauen errichteten Schulen zeugt von il)rem segensreichen Einfluß. Die Haushaltungsschule in der Elisabeihfirafr, eine Filiale des Lettevereins, hat in den acht Jahren ihres VeGehens schon weit über tausend ZögIlnge ausgebildet, und zahlreicheStäote Izoiv. sich bei ihr Nath und Belehrung zur Begründung gleicher Schulen erfreien un) ihre dafür bestimmten LehIrinnen in dieser nachahmenswerthen Anstalt ausbilden lassen. Die Schulerinnen stehen meist im Alter von 16 bis 18 Jzhr.'n. und für ihre Ausbildung vi ein volles Jahr bestimmt, für welcheZ 400 Sftarf gezahlt werden müssen. Ein grundloser früherer Austritt zieht eine Strafe von 50 Mark nach sich, doch ist dieser Fall noch nicht vorgekom K a r t o f f e l p u e n. Xht Schul: war anfänglich bestimmt, Zungen, Mädchen Gelegenheit zu c.eben. sich acheirüä für einen ordentlichen Dienst ausbilden zu können, üato Zn)eg erkannt: man, daß die Grenzen zu eng gefleckt wzren, und die G-chuIe wurde demzemäJ erweitert. Die Zöglinge: der, H:ushal!ungs schule cehören heute allen Ständen an. Wir sehen neben der Tochter des Offieiers die des einfachen Maurers, neben der des Gutsbesitzers die des kleinen Beamten u. s. w. Die junzen Mädchen sind l'ier jedoch niemals Damen oder Fräulein, welchem Stande sie auch angehören möcn. sie gelten als Binder" einer Familie. Hier herrscht die strengste Arbeitsteilung, sorgfältig un) planmäßig durchgeführt, soda in bestimmten Intervallen jede Schülerin cn jede bestimmte Arbeit kommt und sie von Grund aus verrichten lernt. Die Ausnahme der Schülerinnen erfolgt vier Mal im Jahr, beim Beginn eines neuen Jahres theiles", wie man in der HauZhaltungsfchule sagt, wo kein Fremdwort verwendet wird. Im sin Vierteljahr lernen die jungen Mäochen Schnittmusterzeichnen. Masch!n:7.nähen. Schneidern, das Nähen von W:.iz:uz. und besonders das Erliefen. Jede muß sich selbst ein paar :.eue Kleider machen, ein paar andere umarbeiten, sich Hemden nähen u dgl. eben der Selbständigkeit ist größte Sauberkeit bei jeder Arbeit die vornehmste Bedingung. Acht Tage hindurch bleib! für die Schülerinnen die Arbeit gleich; nach dieser sind sie entfcese: Stuben-, Wasch-, Koch-, HolzAm Kochherde. ode? Eisenkinder, je nachdem sie die Zimmer, die Wäsche oder Küche zu besorgen. Holz oder Eisen zu scheuern baben. An den kleinen Batisttüchern, die sie bei ihren Arbeiten in gefälliger Weise um das Haar legen, erkennt man. welche Arbeit ihnen zur Zeit obliegt: die Stubenkinder tragen rosa, die Waschkinder blaue und dis. KochünUi weiße Tüchlein. Gemeinsam wird die einfache, gefünde Kost eingenommen, die von den Mädchen unter gewissenhafter Leitung und Unterweisung selbst, bereitet wird, abwechselnd müssen die Mädchen bei Tische bedienen. Die zweite uns hier interessirende Berliner Haushaltungsschule ist mit der Volksschule in der Müllerstraße verbunden: sie beschäftigt sich mit der wirihschafllichen Entwickelung noch schulpslichtiger Mädchen von 13 bis 14 Jahren. Schülerinnen der ersten Klasse aus der 133. Gemeindeschule, die hier wöchentlich einmal theoretisch und praktisch unterrichtet werden. Leider Uuz unmer nur eine sehr beschränkte
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Zahl zu jedem Kursus zugelassen werden. Ein Zwang besteht nicht, doch müssen die Mädchen, die sich dazu gemeldet haben, auch während der Dauer des Kurses diesem beiwohnen. Für Ungehorsame und Pflichtvergessene trcten die üblichen Schulstrafen ein.
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Abwäschen. Man ha! mit dieser Volksschule eine Küche verbunden, in der je vier Mädchen an einer von fünf Kochmaschinen unterrichtet werven. sodaß also stets zwanzig Kinoer zugleich des Unterrichtes theilhaftig sind. Zu jedem, höchst zweckmäßig ausgestatteten Herde gehört ein Regal mit dem nöthigen Küchenzeraib. eine Wasch- und Spülwanne, ein aeriffeltes Waschbrett, ein Tisch mit Schublade, in der Messer. Gabel und Löffel, sowie Kellen. Quirle u. dergl. aufbewahrt ' werden, un) endlich vier Schemel. An den Querseiten des Tiisches befinden sich runde Holzstanzen zum Aufhängen feucht gewordene? Trockentücher, genug, alles ist zwar einfach, aber höchst zweckmäßig cingeriebtet. Die Lehrerin kann vom Katheder aus die Küche mit den Koeböfen genau übersehen, die Kinder müssen an ihren Tisch kommen, um die vorber in der Markthalle eingekauften Waaren in Empfang zu nehmen.d.h. um sie von ihr gegen Marken einzukaufen. Man bezweckt damit, daß die Kinder rick)!iz einkaufen un) den Werth des Geldes kennen lernen. An der Wand hängt eins. Tafel, auf 'der das zu bereitende Mittagsmahl, das immer für zwei Personen qedacht ist. mit allen dazu gehörenden Jngredientien und den Preisen dafür, genau verzeichnet ist. Auf eine? anderen 'Tafel ist der Nahrungswerth der Speisen angegeben, sodaß die Kinoe? auch hierin auf's beste belehrt werden. Die fertigen Speisen, die wirklich schmackbas! und sorgsam zubereitet werden, kommen gewöhnlich dem mit der Schul: verbundenen 57inderhort" zu Gute. Wenn man bedenkt, daß gerade in den. besitzlosen Ständen bisber so au! wie gar nichts für die Ausbildung des weiblichen Geschlechts in Vezug auf Haushaltung geschah, dann wir) man diele Ansänge gar nicht hoch genug r3u v vv;-: i . -'V A C-. - V.. 1 '. Av' vv Kehraus. schätzen können. Schon die Theilnahme der vielen Kinder und noch mehr die Zahl der sich Meldenden zeizt.daß man auch in den besihlosen Ständen jenen Mangel empfindet. Man muß endlich lernen, auch die Hausniirthschaft von einem höheren Standpunkt aus zu betrachten, denn die wirthschaftlicheTüchtigkeit der Frauen ist eine Bedingung des Volkswohlstandes. Für das gerinzste Handwerk bedarf der Knabe einer mehrjährigen Lehrzeit; von dem Mädchen verlangt man aber, es solle ohne Lehrzeit als fertige Haushälterin dastehen. Wer aber eine Sache nicht gründlich erlernt hat, wird es in den seltensten Fällen zu einer Meisterschaft bringen. Von dem Unterricht in der Hau-baltungskunst, den solch ein junges Mädchen während eines. Jahres methodisch erhält, wird immer etwas Wurzel schlagen, was der später zu gründenden Familie zu Gute kommt. Die Wichtigkeit dieses Unterrichts ist längst bekannt; das Verdienst, 'den Kochunterricht in den Volksschulen obligatorisch gemacht zu haben, gebührt einer Dame, dem Frl. Förster in Kassel, die. von den Behörden beauftragt, Ostern 1389 damit begann. Der von ihr entworfen: Lehrplan ist bis jetzt für alle derartigen Einrichtungen mustergiltig gewesen. Nur wenige Jahre sind inzwischen dahingegangen, doch die schnelle Entwickelung, die diese? Haushaltunzsunterricht überall genommen hat, liefert den Beweis, daß er einem wirklichen Bedürfniß entspricht. Soll eine Belehrung des Volkes, seine sittliche und wirthschaftlich: Hebung heröeigesührt werden, so muß sie von unten herauf beginnen! Man baut ein Haus nicht vom Dach aus, wenn man es auch von oben herab zu reinigen beginnt. Verschiedene Städte haben mit segensreichem Erfolge solche Hausbal-tung-schulen eingeführt, so Zwickau und Naumöurg a. S. 1889. Chemnitz. Hanau un!) Marienburg 1890. Karlsruhe 1891. Planen un) Eberswalde 1892. In Berlin beabsichtigt man, die Haushaltungsschule in der Müllerstraße nunmehr noch mit anderen Bolksschulen zu verbinden, was dadurch leicht ermöglicht wird, daß man die einmal eingerichtete, bisher nur Mittwoch benutzte Küche an den übri
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ge. Wochentagen anderen schulen zu? Verfügung stellt. Der Badische Frauenverein, der sich unter dem Protektorat der Grosherzogin Louise reicher und segensreicher Wirksamkeit erfreut, hat Wanderkurse eingerichtet, auf denen die Lehrerinnen transportable Herde und Kücheneinrichtungen mit sich führen. Die Gemeinden haben Transport- und Reisekosten, sowie ein geringes Gehalt zu zahlen. In Frankreich und Belgien wird die hauswirthschaftliche Ausbildung der Mädchen vom Staate geleitet. London besitzt ebenfalls mit den Volksschulen verbundene Musterküchen, in denen jede Schülerin über elf Jahre verpflichtet ist. jährlich mindestens einen Kursus von zwanzig Stunden durchzumachen, und in Schweden haden die Haushaltungsschulen ein: groe Verbreitung. So drängt alles daraus hin. tüchtize Hausfrauen aus dem Volke und für das Volk heranzubilden, und es Wäre gar nicht so übel, wenn für Mädchen aller Stände nach de? aösolvirten Schulzeit ein Iah? Hausbaltungszwang von Staatswegen eingeführt werden könnte, wie für die Söhn: die Dienstzeit. Wenn ein Mädchen auch in der Lage ist. niemals selbst solche Arbeiten verrichten zu müssen, so getoinnt sie doch einen Maßstab für deren Beurtheilung und wird bei Führung eines Haushaltes genau wissen, was sie zu verlangen berechtigt ist. L:n:crisa's rctözste Z?raut. Frl. Anna Gould. Tochte? des gewaltthätigsten alle? Geld-Haifische ve? Ve?. Staaten, verheiratet sich diese? Tage mit dem französischen Grafen Castellane. Da viele unserer Leserinnen doch absolut wissen wollen, wie
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. I 1 rlJ 4 W " IV Anna Gould. Amerikas reichste Braut aussieht, so Präsentiren wir dieselbe im Brautstaat. Das Bild hat außerdem noch den Zweck, dag die schönen Leserinnen da? en die allermodernste Haarfrisur studiren tonnen. Jrcd Dottqlasz. Der hervorraaendste Vertreter de: afrikanischen Race in den Ver. Staaten ist dieser Tage gestorben. Seine Stammesgenossen verdanken ihm unendlich viel. E? wa? ohne Zweifel eine? de? besten Köpfe. w:lch diese Ge r.e?ation der Amerikaner hervorgebracht hat. Er wa: ein wirklich geistvoller Mann und er hat mehr als jeder andere Farbige dazu beigetragen, das Ansehen der afrikanischen Race zu erZz'öhen. Er kämpfte sein Leben lang für die Mischung der beiden Racen, als er aber vor noch nicht lange? Zeit das was er stets gepredigt hatte, persönlich zur Ausführung brachte, indem er eine weiße Dame heirathete. da verlor er augenblicklich die Achtung der sog. vornehmen Negerkreise. 9leut Erfindung zur Regulirung der modernen PuffAermel. Was die Frauen nicht haben-. Jede Frau hat den treuesten Mann, die intellige.. testen Kinder, den größten Aerger mit den Dienstboten. die besten Kochrecepte. die billigsten Einkaufsquellen. aber nichts zum Anziehen. Auf dem Jall. Tochter (schüchtern): Papa, da ist ein H?:, der schon mehrere Male mit mir getanzt hat. und der sich Dir vorstellen will " Vater (eifrig): Wenn er Skat spielen kann, da laß ihn nur kommen: wir warten hier schon lange auf den dritten Mann!" AusjedeWeisegefährlich. Bliskins ist in seh: bedenllichem Zustande; der Kuchenwagen hat ihn gestern überfahren und dabei hat er beide Beine gebrochen." Was Sie nicht sagen! Und Swifkins leidet auch an derselben Ursache schrecklich!Was? Ist er auch überfahren worden?" Nein, aber cß etnen der Kuchen!"
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IMfil M es noch? Von Licsbet!) Lindemann.
Sie mühten sich ab und arbeiteten rastlos; doch die Sorgen, die bitteren Sorgen! Was half's, das sie sich lieb hatten und noch jung waren? Sie konnten ihres Lebens nicht froh werden. - Wenn die Binder schliefen, saßen sie Abends beieinander; er über seine Lücher gebeugt und sie mit einer Handarbeit, die sie doch bald in den Schoofc sinken ließ. Dann lehnte sie den Kopf zurück und sagte manchmal leise: Ich bin so müde, so müde!" Dann seufzte er und strich ihr liebkosend über Haar und Wangen und sie küte seine Hand. Ach, sie hatten sich ja so lieb, so lieb! Aber auch die Liebe braucht Sonne, um fröhlich zu gedeihen, und die Sorgen warfen so kalte, düstere Schatten. Beide waren überreizt und überarbeitet; da aab es manchmal ein ungerechtes Wort, und das das war das Litierfte. So verging Jahr um Jahr. Endlich erhielt er eine gute Stellung und groß: Gehaltszulage. Die Kinder wurden versorgt; sie gingen iu die Welt hinaus, ihrem Berufe nach, und die Eltern sagten: Mögen, sie fröhlich scheiden und Gott segne, ihren Weg!" Nun waren sie wieder allein, wie zu der Zeit, da er sie als junge Frau in fein Heim geführt hatte. Doch es wa? ein eigen Ding; sie waren nicht mehr daran gewöhnt, beieinander zu sitzen ohne Sorgen, ohne Quälereien, so Zeit für einander zu haben. Wäre das früher gewesen! Es war Sommer. Da kam er eines Tages nach Hause und sagte: In acht Tagen haben wir Ferien!" Ach. das ist gut", sagte sie ruh' Dich nur aus." Ja. aber Du sollst Dich auch ausruh"n " 'Ich? Ich thu' ja fast nichts mehr." Doch, Du mühst Dich noch viel zu sehr ab; und daß ich's nur kurz sage: ich hab: auf dem Lande eine hübsche Wohnung für uns Beide gemiethet; man fahrt jetzt in einer Stunde hineus. Ich hab: das neulich am Nachmittag besorgen können, ohne daß Du es gemerkt hast. Auck das Essen im Gasthaus ist bereits bestellt Alles so bequem wie' möglich. Du sollst Dich nicht mit der Wirthschaft plagen; wir wollen gemeinsam Ferien haben was meinst Tu?" Ja aber " sie sah ihn ganz erschrocken an. Du denkst an die Kosten?" Sie nickte. Jetzt können wir's!" sagte er o:ücklich. Sie wohnten draußen in dem klein:n. waldumgebenen Seebad. Der Sommer war köstlich und bot warme, mild: Tage und Abende. Den Veiden an Arbeit und Mühen Gewöhnten kam der Uebe?fluß an Zeit seltsam vo?. Und dann dieses trauliche Alleinsein! Oft betrachteten sie einander verstohlen, wie man Jemanden ansieht, der lange fort gewesen und nun wieder gekommen war. Sie machten weite Spazierg'änge zusammen und kehrten. Abends bei Sonnenuntergang heim. Da war es einmal sie gingen durch den Wald; die niedertauchende Sonne beleuchtete die Fichtenstämme und gab Allem einen wundersamen Glanz, da war es. daß er plötzlich stehen blieb und ihr in's Antlitz sah. Das war von dem weichen, warmen Schimmer ganz durchleuchtet, und es lag etwas Liebes. Sehnsüchtiges darin Etwas, das sie wieder jung rnackte. Weißt Du es noch?" fragte er plötzlich. Da kam die Erinnerung übe? sie. Als Brautpaar waren sie mit der Mutter und den Geschwistern hrer gewesen; diesen Weg waren sie beim Sonnenuntergang zurückgekommen, und wie jetzt war ihr Gesicht und ihre , Gestalt beleuchtet gewesen. Sie blieben hinter den Anderen zurück und er hatte sie immer ansehen müssen, hatte sie geküßt und gesagt: Wie schön Du bist!" Sie hatte gelacht, so froh, so berzlich, wie man es kann mit achtzehn Jahren. Weißt Du es noch?" Ein schmaler Pfad führte durch die Schonung zur Düne hinauf; sie gingen Hand in Hand. Auf einer Anhöhe blieben sie stehen: vor ihnen das in der Abendsonne sch'unmernde Meer und die weiße Düne, um sie her die duftenden Fichten, auf Allem tiefer Friede. Da sahen sich die Beiden in die Augen, diese beiden Menschen, nen das Herz so voll von treuer Liebe zu einander gefüllt gewesen aber die Sorgen, welche das Herz beschwerten, hatten mit ihren düsteren Scbatten die Liebe verdunkelt und zu Boden gedrückt. Und nun kam sie hervor, so groß, so herrlich. Spät zwar, doch nicht zu spät; wann kommt Lieb: zu spät? Damals war's fröhlicher gewesen reiner, schöner nicht. Er nahm ihre Hände und lehnte den Kops an seine Brust, wie in der Stube, in welcber der starke Mann vor ihr stand und sie bat, sein Weib zu werden. Weiß! Du es noch? Weißt Du es noch?" Ach all' die Sorgen waren verschwunden und die Liebe war gebliebcn. Die Arbeitstag: lagen hinter ihnen und es war Sonntag für sie geworden; Sonntag für beider Herzen. Ringsum die wundersame Stille. Bon Ferne klangen Glocken herüber; sie läuteten den Feierabend ein. Arger Druckfehler. 'des-Anzeige: Am Montag, den 10ten, endete ein sanster Tod d!e SausöZn meines Mannes!
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ZI c r g r i f f c n. Nach jahrelangem vergeblichem Arbeiten hatte Peter Mißlich nun endlich für seinen neuesten Noman Das schwarz? Berhängniß" einen Verleger gefunden und schwelgte ein paar Wochen lang in Wonne und Erwartung von Gold und Ruhm. Aber er wurde schrecklich enttäuscht; denn sämmtliche Kritiken, welche er über sein Werk zu leserr bekam, rissen dasselbe fürchterlich herunter, so daß naturlich nicht ein Ezcmplar davon abgesetzt wurde. Menschenscheu und mit sich und aller Welt zerfallen, brütete er Tage lang in seinem Dachstübchen, bis er sich endlich doch aufraffte und beschloß, sein Herz seinem Jugendfreunde Fopphauser auszuschütten, der ein äußerst schlauer Mensch wa? und sich in Folge dessen auch längst eine gute Stellung in einem Bankhause erworben hatte. Fopphauser hörte die Jeremiade seines unglücklichen Freundes schweizend an, legte dann beide Beine behaglich auf's Sopha. schloß die Augen und schien seinem ungeduldigen Besucher bereits eingeschlafen zu sein, als er plötzlich aussprang, in ein fröhliches Lachen ausbrach und rief: Hör' mal. alter Schwede, was kriegst Du denn, wenn die ganze Auflage abgesetzt wird?" - - Die ganze Auflage?" stotterte Tausend Mark bekäme ich Mißlich. da!" Topp!" rief der Andere, einen Korb Sekt? Die hast .Gilt's Du in einer Woche!" Es gilt!" murmelte der Dichter verwirrt. Aber Du willst mich bws foppen?!" Ah pah!" wehrte sein Freund ab und griff nach dem Hute. Doch noch Ein's: In Deinem Buche kommt jedenfalls auch eine Heldin vor jung, blühend, geistreich nicht wahr? Wie heißt sie denn?" Olga Fein!" stammelte Mißlich... Aber ich begreise nicht " Hast's auch nickt nöthig!" lachte der Andere. Es leb: Olga Fein! ... Nun komm'!" Am anderen Tage las alle Welt in sämmtlichen größeren Zeitun cen der Stadt folgende fettgedruckte Annonce: Gutsbesitzer mehrfacher Millionär jung und hübsch, wünscht sich zu verehelichen und sucht auf diesem Wege das Ideal, welches er anders nicht zu finden vermochte. Die Auserwählte seines Herzens braucht nichts weiter als alle jene Eigenschaften zu besitzen, welche Olga Fein in dem Noman Das schwarze Berhängniß" von Peter Mißlich aufweist. Briefe Photographie erwünscht! bef. die Exped isv SArvjs jt-ucc väpr-smxr Vif lwj:TI väes?5S'ß vrsiAi Drei Tage später prangte an allen Buchhandlungen der Anschlag: Das schwarze Berhängniß erste Auflage vollkommen vergriffen zweite in Vorbereitung," denn jede Dame ob jung, ob älter hatte sich das Buch gekauft. Daß Fopphausers geniale Idee mit wahren Fluthen von Champagner begössen wurde und Mißlich seinem fchlauen Helfer in der Noth ewige Freundschaft schwor, versteht sich von selbst. Unbilliges Verlangen. Erster Student: Wie, wir wollen schon heim gehen?" Zweiter Student: Ich soll wohl warten, bis Du so betrunken bist, um inick nickt meür beiinfübren zu kön nen?" - Nicht die richtige Antwort. Lehrer: Was sehen wir an einem klaren Tage über uns?" Tommy: Den blauen Himmel." Lehrer: Richtig. Und an einem rea irischen Tage?" Tommy: Einen !ttegenlcylrrn!"
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Z)e!erancn ocr ?clDzi:ge 1813-15. Bon den preußischen Helden, welche fo den gewaltigen Kämpfen der Jahre 1813 15 Blut und Leben eingesetzt haben, um das Joch des korsischen Eroberer Napoleon abzuschütteln sind nur noch fünf Männer am Leben. L i e u !. Q. D. v o n I a e r. Der Aelieste diese? Veteranen ist der Lieutenant a. D. von Baer zu Rar.it in West-Preußen. Derselbe ist am fi. März 1793 als Johann Leopold Neumann in genanntem Orte geboren und trat als löjährize? Jüngling beim Pionierbataillon zu Graudenz in di? Armee, welcher er 7 Jahre angehörte. AIs Lieutenant nahm er den Abschied un) wurde er im Jahre 1827 unter dem Namen von Baer geadelt. Er kann ein Mann des Schwertes und de? Feder genannt werden, denn er war auch auf wiuenschaftlichem Gebiete thätig. Er hat einen von ihm selbst gestochenen Atlas herausgegeben und sich als Mitglied der Akademie der Künste in Berlin einen Namen gemacht. JL h a n n Christian Kauf man n. Nettgenstadt whnfit; des ?ei Cölleda ist 'der Zweitältesten unserer s?ünf. des Tischlermeisters Johann Ehristian Kaufmann, welcher dortselbst am 4. Januar 1794 das Licht derWelt erblickte. Er trat als Hautboist in das 31. nfanterie-Neaiment und marschirte am 5. Februar 1814 nach Frankreich, wo er an der Belagerung von Maubeuge theilnahm. Als Knabe hatte er die Stellmacher erlernt und erst im 40.Leöensjahre wurde er Tischler. Im Besitze volle? körperlicher Rüstigkeit hat er dieses Handwerk bis in sein hohes Al:e? oet?ieben. August Schmidt. Als flotter Jäger hat Papa August Schmidt, geb. zu Anklam am 11. Februar 1?9Z, den Franzosen weidlich die. Jacke geklopft. Er hat ' vom 17. März 1813 bis zum Ende des ??eld zuges und Wieder vom 1. April bis 22. Dezember 181 dem Vaterlande gedient, focht bei Bautzen, Jüterboz, Großbeeren und Dennewitz mit. nahm Theil an der Belagerung von Mittenberg. Von dort ging's in Eilmärschen nach Leipzig. In der großen Schlacht stand Schmidt tapser seinen Mann. Zweimal hat er den Rhein überschritten; beim ersten Male begrüßte der alte Blücher seinen Truppentheil mit den Worten: Na, ji ollen Pommern, nu sol'n ji französisch lier'n." Bei Ligny und Belle-Alliance hat unser alter Krieger im dicksten Feuer gestanden. Seinen Lebensabend beschließt er in der Stadt Wollgast. v GottliedNölte. Der Bierte im Bunde ist der Beteran Gottlieb Nölte. Geboren am 10. August 1796 zu Liebenwaloe alssohn eines Ackerbürgers, lernte er schon in früher Jugend die Gefahren und Mühen des Krieges kennen. Bereits im 12. Lebensjahre (1807) mußte er Kriegsfuhren" für die französischen Bedrücker leisten, und im 17. Lebens fahre wurde er zum 3. Knrmärkischen Landwehr Jnfanterie-Regiment, 3. Bataillon, 3. Compagnie, eingezogen. Er machte den ganzen Feldzug von 1313 15 ohne Verwundung mit, obgleich bei seiner Compagnie die Offiziere um ihn herum fielen und aus seiner Vaterstadt 17 Mann getödtet wurden. Er nahm Theil an den Kämpsen 'vei Havelberg, an der Schlacht bei
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L5e'ü e -1751a ptt un? v7e7en zrm55n, an der Belagerung von Maz:eburz und Wesel; drei Aockien stand er vo? Paris, ja sogar über Paris ist er hinausgekommen. NaÄ seine? Entlassung betrieb Nölte eine Neihe von Jahren Schiffbauer:! und später einen Handel ix Betten und Käse nach Berlin. Prof. Franz N e u m a n n. Ein Mann der Wissenschaft ist de? jüngst: Kamerad, Dr. Franz Neumznn, Excellenz. Wirklicher Geheimer Nath uno frühere: Profeuor der Phns:k an der Universität zu Königsberg. Geöoren am II. September 1793 zu Joachims :hal bei Berlin und Besucker des Werderschen Gymnasiums, trat der Sechzehnjährige anno 1815 als freiwilliger Jäger in's Kolberzer Reziment. In der Schlacht bei Ligny wurde er schwer verwundet, eine Kugel zerriß ihm die Zunge und ging durch den Oberkiefer. Ein Freund (Baerwald. später Direktor der Gasanstalt in Berlin) zog den Niedergestürzten zu? Seite, bis zu einem Graben, woselbst er lange bewußtlos lag, bis er sich mit anderen Verwundeten mühsam zu Fuß und auf Pulverwagen weiterbrachte, bis er :n Düsseldorf geordnete Pflege erhielt. Nach sechs Wochen geheilt, konnte Neumann zur Armee zurückkehren und noch die Belagerung von Giveh mitmachen. Nach beendigtem Kriege ging der jungeHeld auf's Gymnasium zurück, ftudirte von 1817 20 in Berlin und Jena und wurde 1826 zum Dokto? promoöir! und als Privatdocent an die Universität Königsberg berufen, woselbst er 1829 zum ordentlichen Professor der Physik und Mineralogie ernannt und ZmLaufe de? Jahre den Geheimrathstitel mit dem Prädikat Excellenz und hohe Or-densau-zeichnungen erhielt. Oerettet. Von vul zahl?eichen Passagieren weiblichen Geschlechtes, welche auf der Elbe" sich befanden, als diese von der ..Crathie" in den Grund gebohrt wurde, ist Frl. Anna Boecker einzig und allein gerettet worden. Die junge Anna Boecker. Dame, deren Bild wir hier bringen, befand sich auf der Rückreise nach Portsmouth. wo sie eine Stellung als Gouvernante bekleidete. Ihre Rettung hat sie in England zur Heldin des Tages gemacht und wurde sie sowohl von der Königin Victoria wie von deren Tochter Kaiserin Friedrich empsangen. Der Dampfer Cralyi c". Die nachstehende Illustration veran schaulicht den Bug des britischen Dampfers Erathie" nach dem für die Elbe" so verhängnisvollen Zusammenstoß. Wie die Abbildung, welch: 5 nach einer im Dock zu Rotterdam et machten photographischen Aufnahme gezeichnet ist. zeigt, war die Hadarie der Erathie" weit über der Was serlinie, so daß der Eapitan Goldon wohl auf der Unglücksstätte hätte kreu zen können, um durch Nettun? der Schiffbrüchigen das von seinem Schiff: angerichtete furchtbare Unheil rvzn'xj stens nach Kräften wieder gut zu !NZchen. Stimmt. Arzt: Wie steht es denn mit Ihrem Appetit?" Patient: Das ist verschieden, bald habe ich Hunger und bisweilen gar keinenArzt: Wann haben Sie denn großen Hunger? Morgens?- Nein, immer, wenn ich noch nicht gegessen habe!" Genügend. Leidtragender (zum Leichenbesorger): Werden Sie denn auch Alles, was zur Bestattung erforderlich ist, ordentlich besorgen? Leichenbesorger: Haben Sie UÜJt ffurcht, von all' den Leuten, die ich habe begraben helfen, hat sich auch noch nicht ein einziger bellagtl" k
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