Indiana Tribüne, Volume 18, Number 171, Indianapolis, Marion County, 10 March 1895 — Page 3

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Goms der TKttt. von nifx Ziemin. (15. Fortsetzung und Schluß.) Nicht doch." bat sie mit gerührte: Stimme, sprich doch so etwas nicht so hart auZ. Errege Dich und mich nicht so, lieber Papa; Dir schadet c urrb mich hat der Arzt vor Gemüthbewegunzen dringend gewarnt." Die Geschicklichkeit dieser letzten Vemerkung erbitterte ihn vollends. Wozu bist Du heut hier?" fragte er, und seine Augen flammten groß und schwarz, wie in der Zeit seiner Kraft, als er sie bei dieser Frage fest auf ihr Gesicht richtete. Sie brach in Schluchzen aus schlug das auch vor dasAntlitz: Bitte, bitte, Papa, keine Szene, schone mich!" Ich thue Dir nichts, mein liebes Töchtern," erwiderte er in einem eicenthümlichen Flüsterton, der sich heiß a::s keuchender Brust losrang, ich entschleierc Dir nur die Absichten, mit Denen Du bierher gekommen bist. Und das kann D i ch ja nicht umbringen!" Er hielt inne, unwillkürlich preßte er die gefalteten Häe auf die Brust, ein Gestus, den Annie nie an ihm bemerkt und der ihr ebenso aufsiel, wie daß sein aschfahles Gesicht plötzlich roth zu glühen begann. Du willst mir zu verstehen geben." fuhr er fort, daß ich den Namen Graaf enteh:t habe' ein Dieb bin- einer, der gesellen bzt daß ich jetzt wenigstens Gelo berauZrücken müe, recht viel Geld um euch zu entschädigen, daß ihr nun einmal mit mir verwandt sei) nicht wahr, so ist es? Du hast es Dir nur vielleicht noch nicht so recht klar gemalt, daß Du das wolltest aber Du glaubtest Äoch Du kämst mit einem Recht, zu fordern welches Recht hättestDu sonst an mich? Keins!" Er schwieg und rang nach Athem. Annie saß still weinend. Du drückst es alles so hart aus, Papa, aber Du hast recht," begann sie nach einer Pause, hast recht, wenn Du voraussetzest, ich käme mit einer Bitte " Und was gäbe Dir den Muth, mit diese? Bitte" zu kommen, wenn Du nicht dächtest: der Alte muß ja ein Mann in seiner Lage er darf sii) ja nicht weigern imNothsall trumpft man ihm mit seinerSchande auf!" Seine Stirn glühte, seine Augen drohten aus den Höhlen zu treten; man sah. es kostete ihm gewlisame Anstrengungen. zu sprechen, aber er überwad den Krampf in seiner Brust und brachte seinen Satz zu Ende. Da ließ Frau Annie das TuÄ sinken und erhob sich mit entschlossene? Geberde, richtete sich ganz auf und rief: Pava wie kannst Du mich so beschimpfen, wie kannst Du mir so empörende Gesinnungen zutrauen!" Aber ibre Pose war nicht die ehrlicher Entrüstung, hatte etwas Gewolltes. Schauspielerisches. ! Auch Heinrich Graaf fubr auf stemmte die beiden Fäuste auf denGaritntifch, der vor ihm stanV; versuchte zu sprechen, aber die Worte blieben ihm in d?r Keble stecken. Doch sein Drang zu reden, meisterte die Athemnoth. Niait beschimpfen nickt beschimpfe.',! Der Wahrheit den Schleier vom Gesicht zu reißen Dir das nackte Gesicht der Wahrheit zeigen!" Du uns er ihr seid im Bunde er der Verstand Du die ausführende Hand! Damit ihr euch heirathen konnte: mußte ich ehrlos gemacht werden der Aristokrat muß seine Rache haben an meinem Bllrgerstolz! Damit ihr die Mittel erhaltet zu dem Leben, das ihr begehrt muß ich umgebracht werden!" Stoßweise kam Phrase um Phrase seine Gedanken fuhren wil) umher, den stärksten Ausdruck für seine Idee zu finden. Plötzlich fI ihm ein Bild aus der GcsÄichte ein, das neulich ein Male? mit erschütternder Großartigkeit gemalt, das er in einem von Astas illustrirten Journalen gesehen: Wäre ich jener arme König Tullius von Rom. auch für euch würde der Weg zu eurem Ziel über meine Leiche gehen!" Das war ein Vergleich, wie er ihn nie gefunden, als in dieser Herzensnoth der letzten Aussprache, in der sein ganzes Wesen sich gewaltig steigerte. Die furchtbare Wahrbeit dieses Vercleiches traf Annie mitten in's Herz. All ihr Thun lag plötzlich erhellt vom fahlen Lichte diefes Gedankenblitzes vor ihr ein Schauer der Reue üöerrieselte sie allein, wie sie in dem letzten Iah? unter ihres Gatten Einfluß geworden war, vermochte sie sich gegen diese niederschmetternde Empfindung nicht anders zu wehren, c.ls indem sie sich verhärtete wie ein Felsenberg, der eruptiv aus dem Meere wächst, erhob sich plötzlich in ihrer Seele riefensengroß die kieselharte, siegende Selbstsucht sie fühlte sich wie fortgerissen und getragen von den mächrigen dunklen Schwingen des Genies der That ihre Augen glänzten in zornigemTrotz bell wie Stahl auf den kleinen welken Greis hernieder sie konnte nicht anders und wußte es kaum und stieß ein bartes, lautes Wort heraus: Ja, König Tulllus!" Dann schloß sie die Augen und blieb ticfathmend stehen. Denn es war ihr, als wolle Haus und Garten sich um sie zu drehen beginnen. Erst das jammervolle Aechzen, das ihr antwortete, brachte sie wieder zur .Besinnung, sie warb sich bewußt, welch grausamen Streich sie auf ihn geführt; heiße Thränen stürzten ihr aus den Augen, sie ranz die Hände gegen ihn und flüsterte: Verzeihung, Verzei hung. lieber Vater, o Verzeihung!" Es hatte ihn getroffen mit er vollen Wucht ctx letzten unerbittlichen Konse quenz jenes Richtersprnches, der ihn

bürgerlich vernichtet hatte fast an gleichem Tag. zu gleicher Stunde ein Jahr vorher. Es war sein Todsstreich geWesen er brach zusammen die Arme knickten, die ihn auf den Tisch stützten er drohte zu sallen. Annie erschrak heftig, als sie ihn so wanken sah. Seine blasse Stirn pkrlte von Schweißtropfen, sein Kopf bog sich hintenüöer, die grauenHalsmuskeln s-.ran-gcn wie Schnüre scharf heraus, die Augen flimmerten in Todesangst, die Nasenflügel arbeiteten, es zischte, pfiff und schnurrte in seiner Kehle und mit äußerster Anstrengung brachte er fast knirschend die Worte heraus: Hilfe, Hilfe, sie mordet mich!" Plötzlich war der Llnfall vorüber er sank erschöpft in die Bank zurück und that einige tiefe, stöhnende Athemzüge. FriiJV, Friede!" M er mit der Stimme eines Sterbenden, sobald er wieder reden konnte. Laß mich! Nimm daZ Gel?, nimm es, wenn ihr meinen Tod nicht erwarten könnt! Geh, rufe mir den Inspektor nein, d?r ist auf ttm Feld: rufe einen Menschen, nur nicht meine Tochter, nur nicht die Harpyie warum, warum schon heul? Jbr babt doch noÄ, habt doch noch auf ein Jahr, wenn ihr auch noch so toll verschwendet! Ach so. ich versiebe Du willst Vorsorgen, für Dein Kind, falls Du vor mir stirbst Du traust dem Geschick nicht, es könnte mich an euch täte recht so. recht so ich will alles geben, alles hingeben nur fort von mir geh, hole einen Menschen. die Köchin, einen Menschen ach, es kommt wieder! Geh doch! Ach. aÄ, ach!" Und der Anfall begann von neuem

die heftia: Gemütbsersülltterun hatte seine Heroen zu stark in Anspruch genommen. Annie stand erschüttert, wußte nicht. was beginnen. Geh herum, um's Haus," stöhnte der alte Mann, den der Krampf heftige? als zuvor gefaßt, hinten in der Küche die Köckin soll 2Ötf ser bringen soll kommen eil: Dich ich sterbe " Und Annie entfernt: sich eiliq durch den Garten am Hause entlang und suchte die Hinterseite desselben zu gewlnnen. D?r Schreck über den Zufall hatte sie furchtbar angegriffen; sie fühlte ihre Fuge so zchwer. suhlt: eine plötzliche Eiseskälte.ihren Körper durchströmen. als wiche das Leben von ihr. ein sel.tsamer a:windel ergriff sie ie war froh, als sie den Weg um's Haus mit Aufbietung aller Kraft zurückgelegt uno die Küche gesunden. Die alte Köchin reichte ihr Wasser und ihr ward wohW. Dann gingen beide eilends, nach dem Greise zu sehen. Als sie zu ihm kamen, saß er schon wieder still auf seiner Bank der Anfall war bereits vorüber. Beaierrg trank e? das Wasse?, das man ihm bot, und schickte dann die Magd fort tv wollte mit seiner Tochter noch ein wcnia allein sein, ehe Asta und Joseph ankämen. Er sammelte seine Kräfte für das. toas er noch zu sagen hatte, ehe sein Kmd ihn wieder vermuthlich wiederum auf lange Zeit ve?ließ. Und als e? dann reden konnte, sprach e? nicht mehr von dem Vorangegangenen, sprach er nur von Vreying. Annie salz jchwer m rhrem Gartenstuhl zu seiner Seite. Die Erregung war zu stark und zu unerwartet geWesen sie hielt sich mit Mühe aufrecht wie vorher auf dem kurzen Wege war ihr, als drehte sich Himmel und Erde um sie. Der alte Mann aber war zu sehr von seinen Gedanken in Anspruch genommen er sah nicht, wie bleich sie plötzlich geworden, wie tiefe Ringe sich um ihre Augen gelegt, er blickte starr vor sich nieoer zur Erde, aus den grünen Gartentisch oder hinaus in die Wipfel der fernen hohen Bäume an der Gutsstraße. ich bin zu hart gewesen Du bist nicht die.welcher ich grollen sollte," sagte er, Dein Gatte hat Dich geschickt Geichickt nein! E? hat nu? in Dir den Entschluß angefacht, zu mir zu fahren, mir eure Lage zu schildern, von mir zu fordern. Ich kenne ihn jetzt. Und Du wirst ihn auch noch kennen lernen. Ich will Dir die Augen nicht öffnen er wird es mit der Zeit selbst thun. Er war es, der die beiden Schurken zum Vezirksanzerger geschickt hat und die Intrigue in die Wege geleitet er war es, der die Flamme wieder anschürte durch seine ungeschickt entschultagenden Artikel in der Zeitung, als die Anklage des Winkelblättchens unter den Tisch zu fallen drohte, jene Artikel, welche die Welt erst aufmerksam machten auf die obskure Denunziation. Dann ließ er den Dingen ihren Lauf er hatte nicht mehr nöthig, weiter Hand anzulegen. Und warum hatte er alles so trefflich inszenirt? Er wollte Dich Deine Hand. Dein Geld er wußte, ich würde es nicht zugeben, ehe ich nicht ganz am Boden lag. Hast Du nie die Empfindung gehabt, er wolle meine unselige Lage zu Gunsten eurer Verbindung ausnützen?" Ein halbunierdrücLer Angstschrei des jungen Weibes antwortete ihm aber wie er aufblickte, hatte sie die Hände vor's Gesicht geschlagen er sah nicht den wehezerrissenen Ausdruck ihrer Züge. Ich will nichts weiter sagen." schloß er, alles andre kannst Du Dir selbst zusammenreimen. Du bist in diesem Augenblicke das Leben, die Kraft ich bin der Tod Du könntest es tragen, was ich Dir anthue ich aber will Dich schonen ich freilich kann es nicht verwinden, daß Du heut so zu mir kamst und warum Du kamst aber Du bist nicht in der Lage, daß wir uns ganz auseinandersetzen konpen. Und wenn ich Dir die Augen öffne, wenn ich Dir zeig.:, an wm Du

Dein Herz gehängt hast, so zeitige ich nur einen Schmerz, den Du doch einmal haben würdest, der je später, nur desto grausamer wäre!" Er sprach immer schneller, wie in einem Fieber, als fürchte 'er, abgerufen zu werden, ehe er geendet. Er gestikulirte dabei auch mit der dürren, braunen Rechten über dein Tische. Aber er sprach in die Luft, als säße Ännie vor ihm und nicht neben ihm. Er vermied ihren Anblick. Eines Tages wirst Du erkennen, daß er ein Mann ohneHerz ist, ein kühler, rücksichtsloser Egoist aber wie Du bist, wirst Du Dich dann zu trösten wissen ich stehe an der Schwelle des Grabes ihr we?det dann Geld haben soviel ihr braucht der Glanz, die vornehme Geselligkeit, wer weiß was noch, werden Dir dann 'das Glück ersetzen müssen und werden es Dir auch ersetzen, das Glück des Herzens, d-as Du an der Seite eines besseren Mannes hättest finden können. Aber genug! Ich will Dich nicht quälen der unglückliche Krampsansall wird Dich so schon genug erschreckt haben. Bleibe einen Augenblick hier, ich will hineingehen in mein Zimmer, werde an Engelbardt schreiben, daß er euch eine große Jahresrente in meinem Namen gable ich will es Dir ersetzen, daß ich Dich heut gescholten ich will euch jährlich orcißigtausend Mark aussetzen vorläufig, bis ich todt bin macht damit, was ihr wollt andres als Geld habe ich euch ja nicht mehr zu geben!" Damit erhob er sick) schwerfällig und ging, olme einen weiteren Blick auf sie zu werfen, lanzsam hinein, sich wie ein ganz erschöpfter Mann auf feinen Stock stützend. Annie hatte seine letzten Worte nicht mehr gehört ihr Haupt war auf die Brust gesunken, ihre Arme hingen schlaff hinab neben den Stuhllehnen sie wa? ohnmächtig. Äleich darauf rollte Astas Wagen auf der Gutsstraße vom Bahnhof heran der eben heimgekehrte Inspektor kam aus dem Hause, die Herrschaft am Gartenthor zu empfangen alle standen bestürzt, als sie beim Nähertreten bemerkten, in welchem Zustande die leblose Frau sich befand. XXII. Joseph halte sich mit Recht aus de?

Stadt fortgesehnt nach Bergholz was ihn dort an unerwarteten Pslichten überfiel, sobald er die Schwelle seines Hauses überschritten, war die Retiunz für ihn. Annie war bald wieder zu sich gebracht und wurde, da sie über grausame innerliche Schmerzen klagte, auf Astas Lager gebettet. Sie verlangte nach ihrem Vater Joseph ging hinauf auf des alten Herrn Zimmer und stand hier vor einem zwei'en Bil)e de-Schrecke7.s: HeinrichAraaf mochte sich wohl schwach gefühlt haben, als er die Treppe erstiegen, und hatte sich wohl zu kurzer Ruhe auf sein großes Ledersc-p gestreckt. So lag er da, die Augen geschlossen, das Gestcht ganz still und ohne jede Verzerrung der Angst, ohne jede Erregung, die Hände friedlich über dieBrust zusammengelegt uno in die Rockärmel geschoben, wie es beim schlummern seine Gewohnheit gewesen er lag wie ein recht Müder, still Ausruhender aber eine seltsame Unruhe, die jedes äußeren Archaltes entbehrte, überfiel Jofeph, als er den alten Mann so liegen sah. Er trat näher und er wußte nicht weshalb rief ihn an. Heinrich Graaf schlief fest obwohl nicht im leisesten Athemzuge seine Brust sich hob er antwortete nicht. Joseph blickte starr in das unbewegliche Gesicht legte .leise seine Hand auf des Schlummernden Stirn auch diese Berührung weckte ihn nicht, wohl aber fühlte diese runzlige, knochig Stirn sich so eigen kühl an, daß Joseph überrascht und erschreckt die Haitd rasch zurückzog. Run stand er wieder inmitten des sauberen, einfach ausmöÄirten Siüöchens blickte auf den Liegenden und vermied er wußte nicht weshalb vermied sich zu rühren. Die beiden Fenster waren geösfnet die milde Heröstluft wehte frei herein und spielte leise mit den weißen iiberhanglosen Gardinen. Auf den blankgescheuerten Dielen lag der voll: breite Sonnenschein. Und draußen und drinnen war es einzig still, so traulich still nur das Zeisiglein in dem Bauer am Fenster, das Asta dem Onkel geschenkt, trippelte auf dem Sande mit seinen kleinen Füßen umher und pickte zerstreute Körner. Plötzlich begriff Jofeph. und eine große Rührung überfiel ihn. Der arme müde Greis tatte geendet hatte hier im vollen Frieden seines letzten Zufluchtsortes geendet. Marenholz trat wieder an ihn heran zog die Hände auseinander, die jetzt ebenfalls begannen, die Lebenswärme zu verlieren und siehe, es war kein Zeichen des Krampfes an ihnen zu entdecken, die Finger waren nicht eingekrallt, die Han) nicht im Krampfe geschlossen der Tod hatte ihn in seiner freurrdlichsten Gestalt überrascht, sanft, unmerklich, im Schlafe. Der stille Mann mochte, wie cr sich auf das Sofa gebettet, entschlummert sein, da das Vorangegangene seine Lebenskrast erschöpft hatte, und dieser Schlummer war ohne Uebergang ein ewiger Schlummer geworden ein Herzschlag hatte das arme Flämmchen ausgelöscht. Joseph legte die Hände wieder übereinander und strich mit einer letzten Liebkosung darübe? hin dann übermannte es ihn und die gewaltigeSpannung seines Innern löste sich a? diesem jriedevollen Sterbelager in Thr'änen auf. Er .zog lautlos einen Stuhl heran und stützte den Kopf in beide Hände

alles, was ihn c.ed?ückt. floß stille j mit seinen Thränen fort.

Warum weinte der Mann? Dies einsame Stäbchen mahnte ihn in seiner Schlichtheit an jenes andre, darinnen er auch neben einem Lager gestanden, auf dem ein Menschenleben endlich die Auflösung all seiner Dissonanzen erfahren, zu Berlin am Kanal. Dort hatte der Fluch begonnen hier endete er er fühlte es hier endete er. Was ihm hatte helfen können, war eine Gemüthserschütterunz hier erlebte er sie. Plötzlich hörte er unten im Hausgange Astas Stimme laut und änzstlich seinen Namen rufen. Er erhob sich und ging hinaus, bog sich über's Treppengeländer, winkte ihr, stille zu sein und heraufzukommen. Erschreckt und im Sturm kam Asta die Treppe empor. Joseph umfaßte sie sanft, wie sie oben auf dem Flur bei ihm stand und hastig fragen wollte, und wies auf des Onkels Zimmer. Meine liebe Asta," sagte er leise und zog sie an sich, mein gutes Weib, mein treues, liebes Weib, erschrick nicht, es ist kein Grund, zu erschrecken, komm, laß uns stille zu ihm hineingehn dem armen Dulder ist kein Leid widersahren, sondern das Beste und Friedsamste, was ihm der Herr schicken konnte er schläst er ruht aus!" Todt!" stieß Asta heraus und barg sich an seiner Brust. Eingegangen zum Frieden fasse Dich komm herein zu ihm Du wirst es selbst sehen, wie sanft es ihm geworden ist wie still und ruhesam er entschlummert ist!" Er fühlte die starke Bewegung mit, die durch sie ging und ihren Körper beben machte. Leise führte er sie vorwärts eng aneinander geschmiegt überschritten sie die Schwelle. Und auch ich habe Dir etwas zu sagen, meine liebe Asta!" begann Joseph auf's neue, als sie sich wieder gefaßt. Ich habe schwer gerungen in diesen letzten Wochen. Alte schlimme Wunden waren wieder aufgebrochen. Diefes Aermsten Gram war auf mich übergegangen nun ist es vorbei nun ist auch sein Friede auf mich übergegangen. Und doch hätte ich fast etwas gethan, das Dich zu Tode betrübt hatte aber ich fühle jetzt, daß ich Dir versprechen kann und darf: Ich werde es nicht thun daß ich nun wieder fest und sicher Dein sein kann, meine liebe, geduldige Asta! Komm, laß uns an diesem Lager noch einmal die Hände ineinander legen!" Sie umschlang ihn fest und küßte ihn. Und es wird nicht wieder kommen?" bat sie. ' t Es wird nicht! Aber ich möchte in ein andres Land ziehen, in ein deutsches Land, darinnen die Menschen anders fühlen. Nicht wahr. Du folgst mir nicht wahr, wähle ich eine andre Heimath, so wird sie auch Deine Heimath sein?" 'Ich selbst würde es Dir in diesen Tagen vorgeschlagen haben, mein Joe, wenn ich endlich mit Dir redete!" erwiderte sie und drückte seine Hände. Dann breiteten sie eine Decke über den Körper des Schlummernden und verließen das Zimmer. Und nun zu den Lebenden!" sagte Asta draußen auf dem Gange. Es ist keine Minute mehr zu verlieren. Annie liegt unten und windet sich vor Schmerzen. Ich ahne, was die Gemüthserschütterung ihr zugezogen hzt. Wir Frauen thun inzwischen, was wir vermögen Du. Joe, eile, wirf Dich auf's Pferd, sprenge nach Potsdam und hole den Arzt. Die Kutsche hab: ich schon vorausgeschickt Du wirst sie auf der Ehaussee überholen und wirst dem Kutscher bestimmen, wo er in der Stadt auf Dich und den Arzt warten soll. Gesattelt ist für Dich inzwischen auch bereits. Vergiß nicht in Potsdam an Breying zu depeschiren. Er soll auf der Stelle kommen. Sage dem Doktor, was es ist Du ahnst es wohl?" Joseph nickte. Und bring gleich die nötbigen Arzneimittel mit! Adieu, mein Joe. Gott gebe, daß es nicht zu spät sei. wenn Du die Hilfe bringst!" XXIII. Johannes Graaf und Franz Graaf. die beiden einander so unähnlichenVettern. hatten sich bei Eberhard Graafs Begräbniß in Berlin ein wenig näher kennen gelernt bei der Beerdigung feines Bruders Heinrich, die still in Bergholz vollzogen ward, sahen sie sich wieder, reichten sich die Hand und beschlössen, gute Freundschaft zu halten die Alten waren abgetreten, die bei den Jungen waren nunmehr die Stammhalter der Familie. Sie blieben fortan in regem Briefverkehr; und Johannes, dem der andre vorher nicht sonderlich zugesagt, entdeckte mit Freude, daß Frinz in Hohenheim sich allmählich bildete, zumal durch den näheren Umganz mit einem jüngeren Dozenten, mit dem er zusammen zu speisen Pflegte. Diefer erfüllte ihn mit den Ideen, für die er selbst lebte und rcirttc und Franz schrieb an seinen Vetter in Hannover lange und lebhaft: Briefe über innere Kolonifation. Auftheilung des deutschen Großbesitzes in kleine bäuerliche Rentengüter, die Wirkung der Goldwäb runz auf die Landwirthschaft und andre Dinge mehr, nach Art der Jugcnd das leidenschaftlich predigend und lehrend, was er eben gelernt Qztit. Aber jedenfalls gelangte endlich ein Zug zur Ernsthaftigkeit und Streben in ihm zum Durchbruch, der Johannes gefiel und an die Art des verstorbenen Kommerzienraths erinnert?; und Jo- , , tf. 1 1 . f" f C r .r l 1lnnes o?,ireoie iiaj, oi.rq elugeyenoe Antworten das Sein: zu thun, um

Franz bei diesen würdigeren Beschäftigungen zu erhalten. Berglolz hatte Franz von seinem Schwager gekauft und ließ es vorläufig durch den zuverlässigen Inspektor, den er auf Tantieme gestellt, vermalten. Das macht: sich ganz gut, nur fürchtete der erfahrene kleine Herr Luther, daß eines Tages der junge studute" Agronom auf Bergholz auftauchen und warm von akademischer" Weisheit allerlei furchtbare Dummheiten machen werde. Indessen war er entschlossen, dann seinen Mann zu stehen und den jungen Herrn" seinerseits wieder in Erziehung zu nehmen, wie im Herbst vorm Jahr, wo er ihn zu allererst beim Dungspreiten beschäftigte, als jener in plötzlicher Liebe zur Landwirthschaft entbrannte. Herr Luther fühlte seinen Rücken durch das Kuratoriun- gedeckt, das des alten Kommerzienratys Vermögen einstweilen verwaltete, und auf Bergholz zumal fühlte cr sich etwa als der reaierende Hausmeier wovon die Folge war, daß das Gut unter seiner. Leitung sichtlich in die Höhe fom. Herrn Luthers beiger Humor war nur einmal dauernd und gründlich unterbrochen worden das war in der Zeit von jenem Tage an. als der Todesengel über das Herrenhaus geflogen war und nicht nur ein Leben ausgelöscht hatte, sondern drei: ein sehr alies, gebrochenes, 'das bereits die Augen müde vor dem Lichte der Zukunft geschlossen, Heinrich Graaf, den stillen Gast ein sehr junges, werdendes, das die Augen demselben Lichte noch nicht einmal aufgethan und durch das vorzeitige plötzliche Verwelken dieses Menschenknöspleins hatte er auch die stolze, junge Pflanze zum Absterben gebracht, die es getragen Anna Breying, die Vergholz nicht mehr lebend verließ. Ehe an jenem Tage der Arzt aus Potsdam endlich herbeigekommen war, befand sich Heinrich Graafs Tochter bereits in einem Zustand der wenig Hoffnung mehr gab. Eine innere Zerreißung von Blutgefäßen war infolge der gewaltigen Gemüthserfchütterungen, vor denen gerade sie unter allen Umständen sich hätte hüten müssen, eingetreten. Hätte sie sich in der Stadt befunden, so wäre eine Rettung möglich gewesen hier war der geringe Eisvorrath, den Asta im Hause hatte, bald verbraucht daß sie zu ihrem Zwecke den Vater auf dem Lande aufgesucht, ward ihr tödtlich. Und leider hatte man es ihr nicht verheimlichen können, daß der alte Mann nicht mehr imstande war. vor ihr Lager zu treten, ihr die Hand zu bieten. Sie schrie nach ihm, als sie sich in ihren Schmerzen wand; so sehnsüchtig verlangte sie nach ihm,, daß sie mit dem Scharfsinn der Scheidenden endlich errieth, warum er nicht käme. Und als sie dringend fragte, sah sie an den Gesichtern der widersprechenden Frauen, daß sie das Rechte getroffen da hatte sie mit einem herzzerreißenden Auffchrei das Antlitz gegen die Wand gekehrt und war dann ganz stille geworden der Rest war ein aussichtsloser Kampf ihrer Schwäche gegen die alles überwindende Stärke des Todes gewesen. Man wußte kaum, ob sie die Tröstungen des guten alten Pfarrers von Dorf Bergholz noch recht vernommen und verstanden, oder ob ihre Seele in voller unerlöster Verzweislung dahingefahren war. Breying, als er kam und vom Inspektor an der Station abgeholt wurde, begegnete verschlossenen Herzen. Herr Luther funkelte ihn, während er in bescheidener Haltung vor dem Grafen stand, ehe sie auf dem Bahnhofe das Gefährt bestiegen, mit feinen kleinen Augen so grimmig an, daß es Breying kalt durch die Adern ging und er sich sagte: Könnte der, er erschösse mich!" Asta und Joseph hatten gerade so vielTheilnahme für ihn, als eben schicklich war. Aus des Inspektors Mittheilung über den Wortwechsel zwischen Vater und Tochter, von dem Luther beimHeimkommen ein paar Worte aufgefangen, und aus Annie stöhnender Selbstanklage hatten sie entnehmen können, wie das Furchtbare so rasch gekommen. Und wie am Begräbnißtage die Familie beisammen war, und man Vater und Tochter nebeneinander aus dem Gutskirchhof einsenkte, da hatten sie alle vier. Asta. Joseph. Johannes und Franz, sich durch inniges Fühlen verbunden gefunden, eng beisammen gestanden und durch eben diese Gemeinsamkeit ihres Schmerzes den Fünften. Un Mörder, ausgeschlossen. Er wandelte einsam in dem Zwischenraum zwischen den Särgen und der Gruppe der'anören. mit allen schickllchen Zeichen der Trauer in Kleidung, Haltung und Antlitz er überlegte die Chancen seiner Zukunft er dachte daran, daß der Vater vor der Tochter gestorben, daß dadurch er der Erbe eines recht ansehnlichen Vermogens geworden. und die Todten konnten das Wort zu? Anklage gegen ihn nicht mehr erheben die Lebenden thaten es nicht, mußten ihm sogar die Hand drücken und seinen Händedruck empfangen. Als er Bergholz verlassen, war er aus der Familie ausgeschieden das Weitere zwischen Jobannes und ihm ordnete der Justizrath Riehm. Darauf hatte sich der Vesttzwechsel des Gutes vollzogen Asta und Marenholz waren ausgewandert nach dem Lande, das der alte väterliche Freund Joseph einst senannt nach der Schweiz. Ich will nicht in die Fremde gehen erklärte Marenholz. unter Leute andren Stammes, andren Fühlen, andrer Zunge unter Yankees, Romanen oder Welsche. Ich will leben in einn Lande, da. .wenn man tl auch

nicht Wort haben will, germanl,cs Volksthum, Empfinden und Gesin-' ni?.ng deutscher Art so rein blühen, w'.e in meinem Vaterlande,' in ein Land, unter ein Volk, wo ich ein deutscher Mann wieder Wurzeln treiben kann!" So hatten sie zur Probe erst an den lieblichen Ufern des Zürchersees ihren Wohnsitz aufgeschlagen, wo zuerst vielleicht einst Alemannen in den Vorbergen des großen Alpenlandcs gesiedelt und ihre Siedelungen zur Blüthe gebracht; dann hatten sie es mit dem katholischdemokratischen Volksthum der Urkantone versucht schließlich war ihnen durch einen geschickten Freiburger Agenten ein Schloßgut angeboten worden nicht weit von der stelle, wo de? grüngraue Rhein aus dem Untersee austritt und die politische Grenze zwar zwischen dem großen deutschen Vaterlande und dem Schweizerbunde bildet, aber nicht eine Grenze, sondern eine bequeme Verbindung zwischn Menschen da?stellt, die gleichen Stammes die gleiche Munda?t spnchen und innerlichst an deutschem Empfinden und deutscher Gesittung einander gleich sind. Da saßen sie auf ihrem Burgberge, blickten auf die Kegel des Hegaus, auf die fernen Eisgebirge, auf den jungen, schäumenden Strom, hießen Herr Marenholz und Frau", bewirthschafteten das Ihre getreulich, hielten gute Nachbarschaft mit den Deutschen jen seit des Rheins und den Diessenhosener Schweizerbürgern diesseits, die alle es so gar nicht verstanden habeir würden, hätte je einmal in vertrau!!cher Stunde Marenholz einem von ihnen (etwa dem wackeren Major Amrhyn vom Thurgauer Auszug ode? dem Nationalrath Matzinger, die beide ihre liebsten Gäste waren) sich geoffenbart und ihm die Nothwendigkeit dargethan, sich das Leben nehmen zu müssen, weil das verletzte Ehrenwort es verlangte. Ich geb' kein Ehrenwort," hätte ihm in solchem Falle wohl der Schweizer Kriegsmann auseinandergesetzt. Wenn ich es aber geb', halt' ich's auch. Freilich! Und wenn ich es doch brech', dann sehe ich mich auch für einen Lumpen an. Aber dann begeh' ich nicht noch eine größere Lumperei und erschieß' mich, sondern ich sehe, daß ich wieder ein ordentlicher Mann werde. Und danach ist's gut." Es ist Marenholz unter dem Einslusse seines guten Weibes, unter dem Einflüsse der großen Natur, die eine Feindin und Medizin alles komplizirten menschlichen Empfindens und jedes Selbstvorwurfs ist, und unter dem Einflüsse der schlichten, halbbäuerlichen Verhältnisse seiner neuen Heimath, die alles Grübeln ausschließen und Gespenste? de? Vergangenheit in die frischdurchwehte, sonnige Landschaft gar nicht hineinlassen es ist ihm da geglückt, die Anschauung des biederen eidgenössischen Truppenführers zu der seinen zu machen. Mit Johannes Graaf, der sest in seinen Schuhen stand und in seinem Beruse langsam auskam, als junger Regierungsbaumeister fleißig alle alten Amtsgebäude an den verschiedensten Ecken de? Mona?chie ausflickte, standen sie in gutem, lebhaftem Verkehr seine spärlichen Urlaubsfristen verbrachte der Sohn des alten Berliner Bürgers regelmäßig auf Hohenrodeln bei Asta. Und wenn er da war, half er ihnen mit Rath und That beim Ausbau des atlen Felsennestes und bei der Ausdehnung der schwierigen Bewässerungsan lagen, durch die Marenholz das Seine zu' verbessern trachtete. Auch Franz kam, solange er drüben in Schwaben die landwirthschastliche Hochschule besuchte, oft einmal herübe? zu ihnen als Gast; und Asta freute sich, ihn zu sehen er war in gutem Zuge und gedieh "dabei auch körperlich. Der Verkehr mit Breying ruhte gänzlich das Genie de? That" hatte erreicht, wonach es getrachtet er wa? ein reicher und vornehmer Mann, lebte behaglich; dllettirte es ihn einmal, so griff e? zu? Fede? sonst wa? sein gutes Bewußtsein'seine? selbst in keiner ?.eise getrübt. Reich und ein freier junggesell obenein was hätte er rwch wünschen sollen? Fritzi gefiel sich und manchem andern, nur nicht dem Prinzen Cretzulesco, durch ihre Extravaganzen und Abenteuer zu den Geburtstagen wechselten die Geschwister etwas steife Briefe. Einmal war sie auf Hohen?odeln angezogen gekommen mit einem T?oß von tausend Toiletten abe? das schlichte Leben der beiden Gatten war

nicht nach ihrem Geschmack. Sie schwelgte drei Tage in dem entzückenden, romantischen, alten Nest" da ihr aber weder der Major Amrhyn noch der Nationalrath Matzinger die Kur machten, sondern die erotische Gastin mit ehrlichem Kopfschütteln betrachteten, so zog die Prinzessin rasch wieder ab. ging nach Baden-Baden zur Saison! Ueber des alten Graaf und seiner Tochter Annie Gräbern auf dem Bergholzer Friedhofe blühen wilde Rosenstöcke. die ihnen Luther an Hecken und Graben auszehben und dort gepflanzt. In seinen Mußestunden okulirt und veredelt er sie. Sie ranken herüber und hiniiöer. Drunten aber im alemannischen Lande, der Vrcut des Rheinstroms, wenn da ein Fremder zu Dampfer von Schasfhausen nach Konstanz fährt und etwa einen Matrosen fragt, wenn er droben der Burg Hohenrodeln ansich tig wird: Wem gehört das?" so ist die Antwort: dam Harrn Maren holz!" Stutzt der Fremde bei dem landesunüblichen Nan?n und fragt er: .Wer ist das?" so heißt es wohl: 3'isch c Prüß aber en Ehrenmann!" (Ende.)

' Zlnter uns Trauen.

Fie 5rau am Krankenbett. Ueber die Besähiaung und .Berechtig gung des Weibes zu me)icinischenStu d:en, und zur Ausübung des ärztlichen Berufes wurden und werden auch heute noch lebhafte D:-cunwnen geführt. Wer schließlich Recht behalten wird, ob die weiberfreundlichen oder -feindlichen Elemente, ob sich wirklich das befürchtete Proletariat von weiblichen Heilkünstlern unangenehm bemerkbar machen dürfte, das läßt sich heute noch nicht definitiv entscheiden. Indeß studiren. practiciren, cunren die grauen als Aerzte wacker darauf los, und trotz alledem hat sich die Sterblichkeitsrate der Menschheit nicht vergrößert. Weder sind die Aerztinnen selbst aus Mangel an physischer Kraft dem anstrengenden Beruf erlegen, noch aber ist es den liebenswürdigen Damen Aerztinnen gelungen, ihre Patienten rascher in Jenseits zu befördern, als dies früher von den Jürgern Aesku laps ohne jedwede weibliche Eoncurrenz besorgt worden. Abgeseben von der physischen hat die Frau Doctorin am Krankenbett bisher mehr moralische Kraft bewiesen, als man ihr anfänglich zutraute, ja sie übt die weise und für den Arzt unbedingt nothwendige Kunst der Aerschwiegenheit, der absoluten Discretion und der wohlthätigen Nothlüge mit feinem actaefübl. Auch ist sie überhaupt ernster, milder, umsichtiger, uncrmüdlicher, gewissenhafter, geduldiger, stiller, als man es von der berüchtigt schwatzhaften, obeylachlichen Frau jemals erwartet hätte, so daß es im Interesse des Publikums aufrichtig zu wünschen wäre, die gebildete Aerztin würde ihren wohlthätigen Einfluß nicht nur auf das Befinden des Patienten selbst, sondern auch auf dessen mehr oder minder rücksichtsvolle Umgebung erstrecken. Hiermit sind erstens die wohlmeinenden Besucherinnen und superklugen Trösterinnen gemeint. Gewiß haben schon viele Perwnen den bodenlosen Unverstand, die krasse Gedankenlosigkeit, den absoluten Mangel an wahrem Verständniß und Herzenstakt an den sogenannten theilnehmenden Freundinnen wahrgenommen. Unter dem Vor wand zu trösten, regen sie den Kranken und dessen nächste Angehörige mit lauten Seufzern, Klagen, neugierigen Fragen und Vermuthungen nur unnöthig auf. Und es ist durchaus nichts Ungewöhnliches, daß eine solch' echte Samariterin, wenn sie vielleicht eben vernommen, daß der schwerkranke Mann glücklich die Krisis überstanden hat, zur Erhebung de? ohnedies geängstigten Gathn un Krankenzimme? allerdings flüsternd die Aeußerung thut : Ja, wenn es mit der einen Krankheit nur abgethan wäre, aber zur Lungenentzündung kommen gewohnlich noch allerlei gefährliche Eomplicationen hinzu und Rippenfellen!zündung bleibt selten aus!" Nichts ist besser geeignet, den Zustand des Kranken zu fördern und jedenfalls die müh fam bewahrte ruhige Stimmung de? Frau wohlthätig zu beeinfussen, als solche rechtzeitige Klugrednerel. Was der Arzt oft wochenlang sorgfältig und mühsam verhütet, nämlich, daß de? Patient klare Einsicht in seinen Zu stand gewinnt, das vermag eine solch schwatzhafte Krankenbesucherin in we niaen Minuten fertig zu oringen. So fand ich vor Jahren eine Frau, die eben eine lebensgefährliche Krebsoperation überstanden hatte, einmal vz Thränen gebadet, zitternd vor Aufre gung mit fliegenden Pulsen im Hosp! tal auf ihrem Krankenbett ausgestreckt. Eine liebe Bekannte hatt: ihr eben die trostreiche Mittheilung gemacht, daß solche Operationen vollständig zwecklos und überflüssig seien, denn wenn selbst das vom Krebs berührte Organ entfernt sei, würde sich das Leiden an einem anderen wieder einstellen. Alle ezentheiligen Berathungen, die auf Erfahrung fußenden Versicherungen des Chirurgen waren von diesem Weibergeschwätz wie Spreu im Winde verweht worden. Aber außer der Fernhaltung un liebsamer Einflüsse und Elemente vom Krankenbett fällt den weiblichen Aerzten noch eine zweite weit größere wichtigere soziale Aufgabe zu. sie müßten mit allen Mitteln darauf binwirken, die Mangelhaftizkeit der häuslichen Krankenpflege zu verringern Der Arzt allein genügt nicht, um heimtückischen Krankheiten erfolgreich ent gegenzuarbeitcn, er oder sie muß von, einer verständigen aufmerk sanrenPflege und Wartung unterstützt werden. Und wie viele Frauen, junge Mütter und Mädchen mochten gerne ihre Kenntnisse erweitern, nur für den Nothsall für den eigenen Gebrauch in der Familie die Kunst der gewöhnlichsten Handreichungen am Krankenbett erlernen, wenn ihnen dazu Gelegenheit geboten würde, durch Vorträze und Lehrkurse für Frauen, die nicht Wärterinnen von Profession werden wollen. Ueber die hervorragende Brauckbarleit der Tranen als Vfle?innen besteh! kein Zweifel" wurde jüngst u einer bedeutenden deutschen- Zeitung geschrieben, und die Aere und Ärztinnen des weiblichen Gefck'lcchteA fü? die Kran kenpfleoe mit Nachdruck aufmerksam zu machen, und die Ausbildur.g von häuslichen Pfegerinnen sorgsam zu überwachen und zu ermöglichen." Wenn 'kes gzschiebt. dann wird die Frau noch mehr als es bisher geschehen konn'.r. zum wahrhaft rettenden Engel am Krankenbette. Kasernenhofs üthe. Unterofficier: Sie. Rekrut Damel.nun dreben Sie sich blos 'mal und ducken SieJhre Patronentasche von hinten au!