Indiana Tribüne, Volume 18, Number 157, Indianapolis, Marion County, 24 February 1895 — Page 7

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Mgranc uns Migrenin. Bon Tr. Hugo Licbig.

(5s jibt wohl kein Uebel, das in der Jetztzeit, besonders unter dy; Frauenwelt, so start grassirt. wie die Migräne. Noch gar keine allzu lange Zeit ist cs her, daß die Aerzte mit 'diesem Uebel kurzen Proceß machten, s kurzweg in den großen Tops der Hysterie warfen. Damit war auch selbstredend der Stab über die Migräne gebrochen, denn die Hysterie erfreute sich von jeher nicht des besten Rufes bei den früheren Aerzten und galt für wenig mehr als Wahrheit und Dichtung. Alles Ueberireibung,' Verstellung, Klage ohne Grund! Daher geschah es, daß die Miräne ein Stiefkind der Medicin ward, dessen Leiden auf taube Ohren und harte Herzen stieß und höchstens mit etwas Bibergeil und Baldrian, Hirschchornsalz und. Senfspiritus abgefertigt wurde. Dies ist nun Gottlob anders geworden, 'denn heutigen Tages wird fcer Migräne, seitdem der berühmte Professor Romöerg sie von dem weitläufigen schwankenden Gebiete der Hyzsierie ablöste, allgemein eine gerechtere Würdigung, eine, gewissenhaftere BcHandlung zu Theil. Bekanntlich äußert sich die Migräne in überaus hestigen Schmerzanfällen, die in Orcar.cn der Schädelhöhle ihren Sitz ha ben. etwa ein bis zwei Tage andauern nd dann in schmerzvolle Intervalle übergehen. Ein derartiger Schmerzanfall pflegt sich für gewöhnlich schon einige Stunden vorher durch das Gefühl der Mattigkeit, Abspannung, Verstimmung, Gereiztheit, eines leichten ZZröstelns. durch Neigung zumGähnen, iiurch Unlust zum Een und pappigen Geschmack im Munde anzukündigen, aber es gibt auch einzelne Personen, welche es schon am vorhergehendenTaze vorhersagen können, daß sie den nächflen Tag einen Migräneanfall betont itv& werden. Zu diesen Verboten gesellt sich dann in Anfangs mäßiger, aber bald ein sich zu großer Heftigkeit steigernder, drückender, bohrende? Schmerz im ö?opfe, meistens' halbseitig, bisweilen chx auch doppelseitig, der am heftigsten in der Stirne tobt und im HinterZopfe geringer wird, der Empfindungen erregt, als wolle der Kopf zerspringen, als wühlten Messerklingen in ihm um5 er, und so furchtbare Qualen dem Leidenden bereitet, daß derselbe, zumal euch seine Gehirn- und Gesichtsorzane in diesem Zustande höchst empfindlich sind, schleunigst Ruhe und Dunkelheit sucht und am liebsten allein in einem verdunkelten Raume auf bequemer Ruhestätte verweilt. Mit der Sieige?ung des Schmerzes pflegt sich für cewöhnlich auch noch eine entsetzliche Uebelkeit einzustellen, die sich in starken Würgeschauern und Erbrechen Luft macht, womit dann in der Regel her Anfall seine Heftigkeit verliert. Der Abend und die Nacht pflegen dann völlige Beruhigung zu bringen, so das; der Patient am anderen Morgen, wenn uch noch angegriffen, doch schmerzensfrei erwacht. Besonders disponirt für die Miräne zeigen sich bleichsüchtige und hyfrische Frauen und alte Jungfrauen, auch sitzende Lebensweise und geistige Aufregung scheinen von ganz besonderem Einflüsse zu sein; denn vornehmlich sind es mehr oder weniger geistreiche, intelligente Menschen mit lebend'.gem Geiste, die von der Migräne heimgesucht werden. Ist nun auch ge;enüber der Migräne, um ihr entgeenzuwirken. vor Allem ein diätisches Berhalten, bestehend in einer strengen Regelmäßigkeit der Mahlzeiten, in Mäßigkeit bei denselben, im Fernhalten von Ueberarbeitungen, Nachtwachen und überhaupt schwächenden Einflüssen als unbedingt erforderlich zu erechten, so ist doch auch, um einen zeitweilig drohenden Schmerzanfall am Ausbruch zu verhindern, die furchtbaren Qualen eines solchen dem Leidenden zu ersparen, die rechtzeitige AnWendung eines migränewidrigen Mekaments nicht zu entbehren. Wir viele Mittel indessen zu diesem Zwecke schon empfohlen und in Anwendung gebracht worden sind, so haben sich doch dieselben durchgängig als mehr oder weniger die gewünschte Wirkung verfehlend erwiesen. Man hat gegen die Migräne eine ganze Anzahl angeblicher Specifika, such alle neuen antineuralgischen Mit izl versucht, aber .bei ehrlicher Prüfung des Erfolges entweder ohne jedwede wesentliche Wirkung oder, wenn auch mit einem gewissen prompten Erfolge, doch wieder nur unter gleichzeitiger Beobachtung gewisser störender und äußerst schädlicher Nebenwirkungen. Erst in jüngster Zeit ist man glücklicher gewesen und hat ein Mittel ausfindig gemacht, dessen Erfolge in der That so Aufsehen erregende sind, daß die Annahme, in diesem Mittel nunmehr endlich das Specifikum gegen die Migräne erlangt zu haben, ganz und gar als eine vollberechtigte erscheint. Es ist dies das von dem Medicinalrath Dr. Overlach entdeckte Migränin, ein Präparat, das sich aus Antipyrin mit Eitronensäure und Coffein, also Stoffen zusammensetzt, von denen ja auch schon der Laie weiß, daß sie von einem gewissen Einflüsse auf die Migräne sind. Gleichwohl hat sich eben erst das eigenartige Mischungsproduct dieser Stoffe, das Migränin, die ganze Bedeutung eines zweckentsprechende znigränewidrigen Mittels zu erringen vermocht. Es resultirt dies daraus, daß sich in dem Migränin die Wirkung des Antipyrins, das sich besonders dem auf neurasthenischen Zuständen beruhenden Kopfschmerze gegenüber so ausgezeichnet bewährt hat, mit der die Er?egbarkeit empsrdender Nerven herab setzenden Wirhna, der Citronensaure

und der des Cosseins, das seinerseNs auf die Nerven angenehm erregend und belebend wirkt, ein Gefühl von Behaglichkeit, Frohsinn, Rührigkeit hervorruft, die Verdauungsthatigkcit anregt, vereinigt und daß sich diese Ernzelwirkungen zu einer Gesammiwirlung von so ausgesprochen migrän'ewidrigem Charakter verdichten, wie er bisher noch keinem Mittel eigen war. Es ist in der That aber auch auf's Höchste überraschend, wenn man wahrnimmt, wie eine einmalige Dosis Migränin in Stärke von 1.1 Gramm, mitten im schmerzhaftesten Anfalle verabreicht, binnen Kurzem den rasendsten Kopfschmerz des Kranken zum -Still-stand bringt, auch bald die übrigen Symptome .fifiwinden läßt'; wie das Migränin, wenn vom Patienten rechtzeitig bei den ersten Symptomen des Herannahens der Affection genommen, den vollen Schmerzausbruch überhaupt niemals mehr in Erscheinung läßt, es selbst in den Fällen, wo das Leiden schon Jahre lang von frühester Jugend an bestanden und sich allmählich zu seiner ganzen Schwere ausgebildet hat, die schmerzfreien Intervallen immer mehr Verkürzung erfahren, die jedesmaligen Qualen sich auf's Aeußerste gesteigert haben, das Leiden allen sonst uns zu Gebote siehenden Mitteln Trotz bot. wie selbst da es nur ein einziges Mal erforderlich ist. die milde Mitteldosis von 1,1 Gramm zu verabfolgen, um den Qualen ein schnelles Ende zu bereiten, das Allgemeinbefinden in'S Normale wieder zurückzuleiten. Eine so prompte, niemals versagende Wirkung hatten wir wahrlich noch nie Gelegenheit, bei einem anderen Mittel zu beobachten, wir haben daher auch allen Grund, das Migränin als das lang ersehnte Mittel gegen die Migräne zu preisen, zu dem auch alle die. die sich schon längst jeglicher Hoffnung entäußerten und ihrer sind wahrlich nicht wenige, volles, festes Verbrauen auf Herabminderung der Heftigkeit und Häufigkeit ihres Leidens, auf sichere Bewahrung vor dem Ausbruche der schmerzhasten Symptome fassen dürfen. Bei einer so außerordentlich günstigen Wirkung des Migränins lag naturgemäß auch der Gedanke sehr nah?, dasselbe zur Hebung einer schwereren Form der nervösen Kopfschmerzen, der auf Nervenschwäche beruhenden, heranzuziehen. Die hierauf bezüglichen, in langjähriger Praxis erfolgten Versuche haben nun zur Evidenz gezeigt, daß das Migränin auch gegenüber dem auf neurasthenischen Zuständen basirenden Kopfschmerze nicht nur seine schmerzlindernde Wirkung ausübt, den Schmerzanfall ausgezeichnet coupirt, sondern daß es auch diesem gegenüber als ein um so angezeigteres Mittel zu erachten ist, weil es nichj diej 'schädlichen Nebenwirkungen anderer Antineuralgika. nicht die furchtbare, Geist und Körper zerrütsende Wirkung des Morphiums zeigt. Nicht minder: wirkungsvoll ist das Migränin auch bei dem im Gefolge der Influenza auftretenden Kopfschmerz, es ist hier, da es frei ist von der dem Antifebrin. der Salicylsäure, dem salicylsauren Natron eigenen, die Gehirn- und Herzfunctionen in oft sehr bedenklicher Weise vermindernden Einwirkung, als ein unbedingt zweckentsprechenderes Mittel als. diese anzusehen. Aber vornehmlich ist doch die Migräne dasjenige Gebiet, über welches das Migränin unumschränkt gebietet, denn noch stets hat es sich jedem Migräneanfalle gegenüber als ein äußerst prompt wirkendes Mittel gezeigt, ein Erfolg, der um so höher anzuschlagen ist, wenn wir der vielen schweren Fälle von Migräne gedenken, denen wir bisher so vollständig machtlos gegenüberstanden, die durch keins der uns zu Gebote stehenden Mittel gebessert, ja nicht einmal gelindert zu werden vermochten. Das Migränin ist das einzige Mittel, mit dem auch diese schweren Fälle, selbstredend unter gleichzeitiger Beobachtung eines zweckentsprechenden diätetischen Verhaltens, der Heranziehung eines gewissenhaften Arztes, Linderung und Hebung ersah-ren.

Fasching fiir die Kinder. Wenn Prinz Carneval sein blumenbekränztes Scepter schwingt und Maslenfeste an der Nachtordnung" sind, dürfen natürlich auch die Ansprüche der kleinen Dämchen und Herren an die Freuden des L:b:ns nicht ganz unberücksichtig! bleiben. Auch die jüngste Welt möchte sich ein bischen emüsiren, ein wenig aus des Eintönigkeit des Lernens. Klavierüöens. Stillsitzens in der Schule herauskommen, and überdies gibt diese frühreife kindliche Sehnsucht der zärtlichen Mutter ein: willkommene Ausrede, in die Reih: bix endlosen langweiligen Neceptions, Di ncrs u. s. w. etwas Abwechslung zu bringen, einmal etwas Anderes zu bieten. als all' ihre Freundinnen bisher gethan. So wird denn der Plan gefaßt, einen Kinder-Costüm-Ball zu arrangiren, und zur besonderen Belustigung der jungen Welt, einige lebende Bilder vorzuführen. Am meisten Erfolg verspricht man sich von einer kleinen Geschichte in drei Tableau?, unter dem vielversprechenden Titel: Frn in Love with tlie Man in tiie Mooa." Die erste Scene soll cci.- kleinen Mondmann darstellen, wie er hoch oben zwischen den anderen Gestirnen recht gemüthlich in der himmlischen MondWohnung einquartirt ist, während seine zierliche Anbeterin noch auf .terra firnia" weilt und sthnsüchtigeBlicke zu dem fernen schelmischen Geliebten emporsendet. Das zweite Tableau zeigt, wie der männliche Mondbewohner sich auf seiner silbernen Sichel einherschwebend der Erdkugel, vielmehr der allerliebsten kindlichen Syrene freundlickst genähert

Tjak, uno nun ein stummes, deshalb nickt minder zärtliches Liebesduett zwischen der zierlichen Erdentochter und dem weißen Mondjüngling stattfindet. Auf dem dritten und letzten Bilde dieser rührenden Liebestragödie gibt die kleine Eva durch einen graziösen phantastischen Tanz der freudigen Aufregung über den errungenen Erfolg ihres ersten himmlischen Verhältnisses Ausdruck, und reicht schließlich dem Manne vom Monde ihr kleines PatschHändchen. Die Tochter des Lord LoudeSborough hat in Scarborough mit diesen drei Tableaux die anwesende englische große und kleine Gesellschaft zu einem kolossalen Beifallssturm hingerissen, unv wir zweifeln nicht daran, daß mit Zuhilfenahme des nöthigen scenisch: Apparates die rührendo Geschichte von dem Mann im Monde auch auf unserer neuweltlichen Halbkugel großes Gefallen erregen wird. Ferner fand noch ein lebendes Bild aus Mikado" mit der reizenden Yum-Yum", und ein entzückendes Tableau unter dem Titel WashingDay" die ungetheilte Bewunderung Aller. Auch unseren Müttern fehlt es sicherlich nicht an guten Ideen, um zu diesem angeführten noch eine Anzahl anderer Bilder zusammenzustellen und der jungen Welt eine unschuldige Freude zu bereiten. Krauenbildung imJaren.eich. Die .junge Kaiserin Alexandra Fedorowna wendet der Frage der weiblichen Bildung in Rußland nach wie vor ihre volle Aufmerksamkeit zui Wenn man zum Theil in den höheren Kreisen geglaubt hatte, daß es sich hierbei nur um eine vorübergehende Spielerei handle, so ist man jetzt von dieser Anficht gründlich zurückgekommen. Man fängt an, zu begreifen, daß es ein Herzenswunsch der Kaiserin ist. die Bildung des weiblichen Geschlechts mit allen Mitteln zu fördern, welche ihre hohe und einflußreiche Stellung bietet. Besonders lebhaft interessirt sich Ale. xandra Fedorowna natürlich für di Institutionen der Kaiserin Maria" mit ihren zahlreichen niederen und mittleren Lehranstalten, deren oberster Chef noch immer die Kaiscrin-Wittwe ist, welcher auch der Dirigirende dieser Institutionen, Generallieutenant Protassow - Vachmetjew, Vortrag zu halten hat. Der Zar hat infolge .dieses Interesses seiner jungen Gemahlin Gelezenheit genommen, 'dem Grafen Proiassow - Bachmetjew zu sagen, derselbe möge auch der regierenden Kaiserin eingehenden Bericht über die Jnstiwtionen der Kaiserin Maria" abstatten. Herr Protassow - Bachmetjew hat sich natürlich beeilt, diesem kaiserlichen Befehle Folge zu leisten, man kann aber nicht sagen, daß scinDebut bei der jungen Kaiserin glücklich abgelaufen ist. Die junge Kaiserin wünschte auf das Eingehendste darüber informirt zu werden, wie der Lehrganz in den verschiedenen Lehranstalten des Nessorts der Kaiserin Maria beschaffen ist, welche Fächer in den einzelnen Klassen behandelt, welche Lehrbücher gebraucht werden, welche Lehrmethode befolgt wird. Der Graf, der sein Amt stets als Grandseigneur verwaltet hat, konnte auf alle diese Fragen nur seh? unbefriedigende Auskunft geben, so daß die Kaiserin aus der Unterhaltung mit dem Grafen absolut kein klares Bild über den wirklichen Stand der Ding: gewinnen konnte. Die Kaiserin erklärte daher dem Grasen, daß es das Beste sein würde, wenn er ihr die Programme der einzelnen Lehranstalten vorlegte; da sie in der russischen Sprache noch nicht alle technischen Ausdrücke beherrsche, so wünsche sie, daß ihr diese Programme übersetzt würden und zugleich eine kurze Charakteristik der in den Schulen der verschiedenen Kategorien gebräuchlichen Lehrbücher gegeben werde. In dem Nessort des Grafen Protassow - Bachmetjew gehen nun eifrige Arbeiten, um schon dieser Tage den Wunsch der Kaiserin zu erfüllen, vor sich. Graf ProtassowBachmetjew - ist aber durch diesen Wunsch in ine neue eigenthümliche Verlegenheit gekommen. Er weiß so wenig von seinem Nessort, daß er der Kaiserin berichtet hat, daß. die höheren weiblichen medicinischen Kurse in Nußland noch existiren. Seine Untergebenen sind nun in heller Verzweiflung, wie sie der Kaiserin ein Programm dieser nicht existirenden Kurse vorstellen sollen, und man nimmt in Hofkreisen an, daß dem Grafen schließlich doch nichts Anderes übrig bleiben wird, als einzugestehen, daß er irriger Weise geglaubt hat, daß in Rußland noch eine höhere Lehranstalt, für die Ausbildung weiblicher Aerzte besteht. Ein solches Eingeständniß machen , zu müssen, ist natürlich für den Chef der Institutionen der Kaiserin Mariaeine furchtbar bittere Pille, aber die Wahrheit muß doch Sieger bleiben. TrinkrcgeZ im Winter.

Erst, wenn die Nebe grünt am Stock Sollst Du der Neben denken, Im Winter auf st e i f e n G r o g k All Deine Sinne lenken, Denn draußen herrscht der grimme Frost Macht eisig die Gelenke, Nimm Grogk von Arac drum getrost, Der Winter will warm Getränke! Höflich. Wirth (Nachts zu den Gästen): Bitte, meine Herren, es is Sperrstuno. Wollen's freiwillig geh'n oder wünschen Si: 'nausgeschmifsen zu werden?!" Nobel. Der berühmte Tenorist Proculli ist so a n s p r u ch svoll, daß es cls Lohengfin" pk nur v i e r s ch w ä n i g sähet.

Wiener Kafferlzäuscr. Won Manuel Schnitzer. Anno dornini 1083, kurz nach der Befreiung Wiens aus Kriegesnoth und Türkengesahr, wurde einem Manne, Namens Kolschitzki, die she obrigkcit liche Genehmigung ertheilt, in einer der engen, winkeligen Gassen der Kaiser stadt eine Kaffceschenke zu errichten, all wo der schwarze, seltsam dustende Trank zunächst bereitet wurde aus den in den gelten der muhamedanischen Fcldher rcn erbeuteten Borräthen an Mokka bohnen. Allerdings ist seit 1683 das Wiener Kaffeehaus ein viel verlockenderer Aufenthalt geworden. Der wackere KoU schihti, der Stammvater der Kaffecsicder", hat es sich in seinem engen Bei sei" nicht träumen lassen, wie bedeu tungsvoll seine Gründung für das spä tcrc'Wicn werden sollte, das mit Recht die Stadt der Kaffeehäuser genannt worden ist, die Stadt, darin eö Keinen giebt, er sei arm oder reich, Fürst oder Bettler, Gelehrter oder Müßiggänger, der nicht Stammgast eines Cafes wäre, das Kaffeehaus ist dem Wiener und Jedem. der eine Zeit lang die Wiener Luft geathmet, ein Bedürfniß. Daran ist etwas Merkwürdiges: das richtige Wiener Kind ist nänlich durchaus kein lei denschaftlichcr Freund des Kaffeetrin kens. das gilt auch von der Frau. Wo es die Wahl bat zwischen Wein und Kaffce, wird es sicherlich den Wein vorziehen, zu dessen besten Würdigern ei gehört, aber wenn der Wiener sich auch den Wirthshausbesuch abgewöhnen kann, wcil sein Wciberl die Zwetschgentnödcl bester zu bereiten versteht als die Mchlspeisköchin im Restaurant, und ihr das Backhuhn knuspriger gcräth, das Suppenfleisch mürber und saftiger, den Kaffeehausbesuch einzustellen, weil ihm auch sein Schaler! Schwarz" oder Braun" daheim weniger nach Feigenkaffce schmeckt, das würde ihm niemals einfallen. Tas Höchste, wozu er sich entschließen kann und das ist mit einem starken Scelenkampf verbunden ist, daß er sein Stammlokal wechselt. Mehr dürste kein Mensch von ihm verlangen. TaS ist aber auch nicht wenig, denn cs heißt nichts Geringeres, als sich an neue Gesichter gewöhnen, an einen anderen Zahlmarqueur, der cs wieder lernen muß, zu bedienen, ohne erst nach den Wünschen des Gastes zu fragen, und der vielleicht das Habe die Ehre, Herr von nicht mit demselben vertraulichen Respekt ausspricht wie der Ganymcd des früheren StammCafees. TaS sind Tinge, die dem Wiener, dem schon ein Lokal verleidet ist. wenn ein Wechsel in der Bedienung eintritt, ans Herz greifen. Alle heilgen Tag" (d. h. äußerst selten) sucht der Wiener freilich auch mit Gattin und Ländern eines der feineren Cafes auf, womöglich ein Ringstraßen- oder Gra ben-Cafe, den Fcnsterguckcr" an der Kärnthnerstraße, oder das Cafe Centra! in der Herrengaffe, aber er thut das nur ehrenhalber, behaglich fühlt er sich da nicht, da hier die Marqueure ihn als laufenden" Gast behandeln, den sie zwar mit ausgesuchter Höflichkeit betrachten, ohne ihm Protektion und be sonders liebevolle Aufmerksamkeit an gedeihen zu lassen. Tinge, auf welche nur der ständige Besucher Anspruch crheben darf. Zur Würde eines Stamm gastcs aufzurücken ist dabei sehr leicht. Hat man ein Cafe" drei Mal mit seiner Gegenwart beehrt", dann weiß der Marqueur zweifellos mehr über uns, als Clsa von Brabant nach langjähriger Che von Lohengrin. - Cr braucht nicht zu fragen, wie unser Nam' und Art, ohne daß wir ahnen wie, hat cr das herausgebracht. Cs steckt ein kleiner Detektiv in ihm,aber dieses Talent mifct er lediglich aus, um unser Behagen zu erhöhen. Und das ist es, was dem Wiener sein Cafe so theuer macht. Diesem Charakterzug der Wiener Bevölkerung cntspricht cs, daß das Cafe solcher Beliebtheit sich erfreut, und daß für Jedermann und jede Neigung ein paffendes Lakal vorhanden ist. Weit weniger als in Berlin trägt deshalb das Wiener Cafe internationales Gepräge. Cs wird Niemand beifallen, Berliner Wescn im Cafe Bauer oder einem anderen Cafe Unter den Linden kennen lernen zu wollen, in Wien giebt es einfach kein Kaffeehaus, wo man Wiener Art und

Wcscn nicht auf 'S Gründlichste studircn könnte. Am allcrechtesten freilich treten uns die Wiener Typen in den sogenannten Vorstadt Kaffeehäusern entgegen, in den die Innere Stadt" umgebenden Bezirken, wo das Leben der Metropole nicht mit solchem Glanz und solchem Geräusch sich äußert, wie im Centrum der Kaiserstadt. Hier verkehrt Hauptsächlich die nächste Nachbarschaft, Handwerksmeister mit bürgerlichem Wohlstand, Beamte, ein paar Officiere. Einjährig - Freiwillige, Studenten, Kaufleute und beffcre Handlungsbcflissene. Hier wird dem behäbig eintretcnden alten Herrn seine bereits gestopfte Pfeife entgegengetragen, daß er seine Tarock- oder Klabrias-Partic ohne Un geduld abwarten kann, und für den Zeltunaswüthcrich, der drei Stunden hintereinander liest, ein Riesenstoß von Blattern zurcchtgesckichtct. An den großen Spicgclsckciben sitzen Gruppen von Männern in anacleaentlickem GeI sprach, hie und da c'nen Blick auf die Strafe werfend und einem vorübergehenden Müdch.'n zuläckelnd. Gutmütbige giebt es da, die dem Schuster, buben draußen, der mit frech-lustigcr Neugier in den Raum späht, die neue sten Witzblätter mitlesen lasten und sich über die Grimassen des der böhmischen Nation angehörenden Jungen weidlich amüstrcn. Ter Marqueur achtet darauf, daß seine Gäste fortwährend mit frischem Hochquell" versorg? werden, jenem köstlichem Waffer, das keine Großstadt der Welt in solcher Güte besifet. v Auch Schlibowitz" und der

Kcgnat" erfreuen sich zahlrelcyer Freunde in. allen Gcsellschaftsschichten. Cs giebt Spczial-Cafcs, die zumeist von Lcderhändlcrn oder Mchlagenten besucht werden, solche, wo die Künstler, die Schriftsteller, die Officiere sich einsinden, eines sogar, das Cafe Ruthmeyer" an der Kelingaße, wo zu bcstimmten Tageszeiten die Localreportcr der Zeitungen anzutreffen sind. Merkwürdig ist das Cafe Spieß an der Freyung". In grauer Frühe, drei Stunden nach Mitternacht etwa, wenn auch die Nacht-Cases" geschlossen sind und die' legten Bummler heimgeben, da füllt sich die Freyung" und der Hohe Markt" mit einer Unzahl von den Wägelchen, die ziemlich weit her kommen, aus Mähren, von der ungarischen Grenze her. Sie sind bis hoch hinauf beladen mit Körben, voll von Gemüse jeder Art. Da entwickelt sich denn beim Scheine kleiner Laternen, in denen Talgkcrzen brennen, der große Gemüsemarkt. Glmüschändlcr und Händlerinnen Ulit ihren Hundekarren feilschen mit den noch ein wenig schlaftrunkenen Slovakinnen. und schrill tönen die Rufe: Schöne Krauthappel hätt' i da!" Ax Spinat!" Paradeiser, Paradeiser!" Kren. Kren. Beterüllie!" ür diese

Leute, für die drallen Mährinnen, ist das Cafe Spieß" d:e Warmestube und zugleich die Bör,e. So hat Jedermann rn Wien seine Freude an der durch Kolschitzki begründeten Institution, sowohl der Kaffee-Haus-Bummler, der in fünf Localen täglicher Stammgast ist, als der clcgante Jungung von geringem Cmkommen, der für 20 bis 30 Kreuzer in dem feinsten Cafe den Cavalier svielen und mit viel Selbstbewußtsein den noblen. lronijch lächelnden Marqueur, der seine Leute kennt, mit dem Rufe: Bitte, zahlen" zu sich befehlen kann. Die grökte Nase. Humoreske von Hugo Marotzke. Ter Lieutenant Emil Haffcnfelden hatte im letzten Manöver wegen eines unverzeihlichen" Fehlers wie der Herr Commandeur sich auszudrücken beliebte von diesem in Gegenwart sämmtlicher Officiere einen scharfen Verweis, vulgo Rüffel, vulgo Nase er halten. Tiese Nase" übertraf alles Aehnliche der letzten Zeit und seit dem Tage hieß Lieutenant Emil Haffenfelden im ganzen Bataillon, der Mann mit der größten Nase. Zuerst bedienten sich die Ofsieiere dieses Epithetons, bald fanden sie bei den Unterofficieren ein williges Echo und schließlich verpflanzte sich dasselbe auch auf die Mannschaft. Ter gemüthliche Lieutenant Haffenselben hatte sich darein gefügt, cr hörte sogar schon auf den neuen Tml. Es ist doch merkwürdig", sagte eines Tages Lieutenant von Hertzberg im Casino, wie schnell solch Spottname herumkommt. Ich wette um zehn Flaschen Sect, daß bei unserem ganzen Bataillon der dümmste Rekrut sofort weiß, wer gemeint ist, wenn man ihn nach dem Manne mit der größten Nase fragt." Oho, das möchte ich doch bezweifeln," antwortete Lientenant Rumland. Ta ist zum Beispiel der Grenadier Tämelinski, der Bursche unseres Ka mcraden von Bülow. Ich behaupte, daß der Mann von Lieutenant Haffenfclbcns Beinamen keine blaffe Ahnung hat." Haha, gerade die Offiziersburschen sind in dergleichen Sachen zuerst einge weiht," sprach Hertzberg siegesgewiß. Zehn - Flaschen Sect halten Sie also die Wette?" Einverstanden!". Wir sind Zeugen," ertönte es rings um. Ich denke, wir arrangiren die Sache in folgender Welse," lien sich Lieutenant von Bülow vernehmen. Sie, Kamerad Hertzberg, schreiben auf Ihre Bisttenkarte eine Einladung, etwa wie folgt: Sie werden dring llchst ersucht, nch innerhalb emer hal bcn Stunde im Schwarzen Adler" zu einer fidelen Sectkneipe einzusinden. Weiter nichts. Acußere Adreffe: An den Mann mit der größten Nase" sonst kerne Nähcrc Bezeichnung. Tie fes Billet übergeben wir im Borbclge hen meinem Burschen Tämelinski zur sofortigen Beförderung und bestellen dann im Schwarzen Adler" den Sect. Erscheint Lieutenant Haffenfelden, so bezahlt Kamerad Rumland; kommt Niemand oder etwa gar ein Anderer so ist Hertzbcrg oer 'Reingefallene. Bitt selbst gespannt, wie die Sacke verlau fen was Tämelinski für ein Gesicht machen w:rd." Aber es bedarf doch gar keiner Ein ladunq," meinte Lieutenand Rumland. Wir fragen Tämelinski einfach, ob er weiß, wer der Mann mit der größten Nase ist oder nicht, und sind sofort am Ziel." Jedoch durch diese Erledigung würde die ganze Geschichte zu wenig spaßhaft werden", wandte Bülow ein. Ein ! Billet mit vorgeschlagener Aufschrift mun unter allen Umständen zur Befor derung übergeben werden. Tas ve'rursacht ja gerade den Hauptulk, wenn Tämelinski an falsche Adressen gerüth und uns nachher erzählen muß, wen er oues für den Mann mit der größten ?!ase gehalten und wie es ihm bei den etwaigen Opfern seines Irrthums er ganqen." Tie Officiere stimmten Lieutenant von Bulow bei. Fünf Minuten später befanden sich die jungen Lieutenants auf dem Wege nach Bulows Wohnung. Unterwegs kam ihnen der Gesuchte, Grenadier Tämelinski, mit dem Paletot seines Herrn entgegen. Heda, Tämelinski!" befahl Lieutenant von Herkbera. hier dieses Brief chen befördere es sofort an. seine

Adresse. Lesen hast Tu ja wohl ge-lernt?"

Tämelinski betrachtete aufmerksam die Aufschrift und sein Gesicht verrieth grenzenlose Bcrdutzthelt. Lieutenant Rumland warf einen triumphirendcn Blick auf Hcrtzberg. Aber Tämelinski", sprach dieser unruhig, merkst Tu denn nichts ? Es handelt sich um einen kleinen Ulk wer hat denn im ganzen Bataillon die größte Nase ?" Ta ging s wie Erleuchtung - über Tämelinski 's Züge. Ah, weiß ich jetzt Bescheid !" Na, Gott sei Dank", rief Lieute nant von Hertzberg aufathmend. Ja, ja, Rumland, Ihr langes Gesicht nützt Ihnen nichts. Bestellen Sie nur den Scct. Also m cmcr halben Stunde, Tämelinski verstanden ?" Zu Befehl, Herr Leitnant!" Böller Erwartung saßen die Offi cicre im Schwarzen Adler". Lieute nant Rumland war die Zielscheibe aller ''Vprfsrexni M 9 Haben Sie auch das nöhige Kleingeld mitgebracht für den Sect?" O, ich pumpe Ihnen!" ,.Er hat ja im schwarzen Adler" Credit!" So tönte cS durcheinander. Pünktlich nach einer halben Stunde erschallten Schritte im Flur wie auf Zauberwort richteten sich alle Blicke n.'.ch der Thür Grenadier Tämelinski kam über die Schwelle gestampft und meldete sich zur Stelle. Nun, Tämelinski?" fragte Lieutenant von Hertz.berg mit stockendem Athem. Tämelinski 's Gesicht verklärte ein L?.chcln. O. Panie Leitnant, war sich doch nicht schwer. Richtigen zu errathen bei das Ulk denn wie man schaut auch auf Länge, Breite und Dicke von ganzes Bataillon hab' ich größtes Nase!" Drei Frauen. AuS gcheimcn Papieren. Tagelang saß der H:rr Vicomtc in dem großen historischen Saale in Paris, er vergrub sich oroentlich in wichtiaen Staatsdocumen::n, Büchern und Aufschreibungen, dann reiste er plctzlich in das Ausland und ließ sich in Wien nieder. In einer vom Wissenschaftlichen Club ristb:nTni:i Versammlung setzte er einem' mit Spannung lauschenden Auditorium den Inhalt der gehetm?-i Papiere auseinander. Also ein Verräter? Jawohl, rn Verräther von noch nicht bekannten Details der Geschichte, ein Gelehricr. dessen Vaterland ihm Dant wdß für die Enthüllungen. Vicomte de Lapan: Hai in seine? leßten literarisch?n Conserenz über jene drei Frauen gesprochen, die aus Ludwig XV. und sohl':: auf 'Z:a7.Z reich einen mächtigen Einfluß ausgeübt: Mademoiselle de la Balliere. Marquise de Montespan und Madame de Maintenon. In der Natio-nal-Bibliothek von Paris hat er den Staub von den Archiven einst geheimer Papiere entfernt und köstliche Entdeckungen gemacht. Die erste der drei Maitresscn des Königs, Mademoiselle de la Valliöre, lernte der Herrscher auf nicht gewöhnliche Weise kennen. EinesAbends war cr im Schloßpark in einem Gebüsche verborgen, gerade als drei junge Ehrendamen der Königin vor der Statue der Diana plauderten. Ich liebe, Diana." sagte die Erste, sxräulein de la Balliere. Ich Ziehe Endy'mion vor," meinte die Zweite, Fräulein v. Chemirault. Ihr Närrinnen," rief Fräulein v. Dous, Ihr liebt mythologische Gestalten und die Wirklichkeit ist doch so schön!" Und wen liebst Du denn in Wirklichkeit?" Die drei Damen ließen alle Persönlichkeiten des Hofes Revue passiren, es setzte manche boshafte Bemerkung ab, aber zwei der Conversirenden bezeichneten dennoch ibre Herzenscavalicre. Warum nennst Du keinen Namen, la Balliere?...." Ich möchte wohl," erwiderte sie, den Kopf senkend, wenn es nicht der 5!ame des Königs wäre" Es raschelte in dem Gebüsche, als ob cs Ohren gehabt hätte, und die drei Ehrendamen flüchteten. Der König hatte .aber geschworen, seine bescheidene Verehrerin wiederzufinden. Einige Tage später besuchte er die Königin. Mademoiselle de la Valliöre las einen Roman vor, der Monarch erkannte sie an der Stimme und von da an datirt der Hofdame Lebensroman. Sie hatte lange M't sich gekän.pft, che sie die Geliebte des Konigs wurde, und zweimal wurde sie verhindert, sich imKlosier einzukerkern. Immer hatte sie Neue über ihren Lebcnswandel, die so weit ging daß' sie ihre vierKmder nicht legitimiren lassen wollte. . Sechs Jahre später die Montespan war inzwischen in der Gunst des Königs ihre Nachfolgerin geworden waren die Schwestern vom Carmeli-ter-Kloster zusammengctreien, um eine Novize aufzunehmen. Die r Damen des Hofes waren zugegen, an ihrer Spitze die Königin. Die junge NoVize aber war la Balliere. Man schnitt ihr di schönen blonden Haare ab. man bekle.iete sie mit dem Tuche des Todes und nun war sie vor Gott nur mehr Schwester Louise de la Misericorde. Sie war eine der strengsten Büßerinnen und wählte den Tod des Lerdürstens. Ueber die Marquise v. Montespan, die fünfzehn Jahre lang den König beherrscht und auf das Land, einen zu-

weuen unyei.rouen iinztun genommen, circulirte nach deren Tode ein: auf einem Wortspiele basirend: Anekdote. Für Eingeweide und gute

Gefühle hat die franzosisoze Sprache ein gleichlautendes Wort: mtrailis. In ihrem Testamente hatte nun die Marquise verfügt, daß ihre Einge weide im Convent von Ct. Joseph beigesetzt werden. Ihre ovtrnilws," riefen die Pariser, wie pretenhos, ha! sie denn welche gehabt?" Es ist merk würdig, daß diese Einacweide beim Transporte auf der Straße in Verlust gcriethen. Von Madame de Maintenon, der Erzieherin der Kinder der Montespan und nachmaligen heimlichen Gattin des Königs, erzahlt Vicomte de Laplane: Hat Diejenige, welche ihrem ersten Gemahl, dem Dichter Scarron, als Entschädigung für verbrannte Braten so hübsche Geschichten erzählte, wirklich Ludwig XIV. geheirathet? Es exlstirt über diesen Akt ke:ne einzige Aufzeichnung, wohl aber über das Verschwinden der auf die Trau-ungs-Ceremonie bezughabenden Tocumente. Die Trauung wurde am 12. Februar 1683 durch den Bischof von Paris, Harlay. vollzogen. Als der Bischof drei Jahre später plötzlich starb, wurde in seinen Apartements eine Inventur aufgenommen. wobei man zum Erstaunen aller Anwesenden in einem Eichenschranke vierzig Paar Scidenhosen (culottes) fand. In den Taschen mehrerer der Hosen waren Papiere, es schien, als ob der Bischof die Hosen als Aufbewahrungsoi'! heikler und geheimnißvoller Dokumente benützte. In der Hose No. 34 fand sich der Akt der Vermählung des Königs mit Madame de Maintenon vor. DaS Dokument wurde der National-Bibliothek übersendet, verschwand aber dort auf Vefehl des Monarchen. Die Entdeckung des Inhaltes der bischöflichen Hose ist aber in einem Bibliothels-Schriftstücke verzeichnet geblieben und dieses Vapier dem Vicomte in die Hände gefallen. 'aö gcschlisfcttc Schwert. Das Rathhaus der Kreisstadt Alsselb in Oberhessen ist ein Meisterstück mittelalterlicher Holzbaukunst, wie nur wenige in Deutschland vorhanden sind. Das theilweise noch in früherem Zustände wohlerhallene, theilweise im gleichen Stil wiederhergestellte Gebäude sowohl wie die darin aufbewahrten werthvollen Alterthümer erwecken das Interesse d:r meisten Alsseld b:suchenden Fremden. Unter den Allerthümern befinden sich zwei von besonderem Werth, nämlich ein prachtvolles Missale, welches mit sehr kunstvollen Jnitialcn und kostbarer Malerei verziert ist. und ein altcs, mit selten:? Eiselirarbeit versehenes Schwert,' welkes der Sage nach einst von Karl dem Großen geführt wurde und welches 'daher als der größte Schatz unter den'Alterthümern des Nathhauses gilt. Den letzteren haben auch die Großherzoge von Hessen, wenn sie als Landesherren Alsselb besuchten, stets ein lcbhaftes Interesse zugewendet. Bei ein:r Vesichtigung des Rathhauses, welche zur Mitte der fünfziger Jahre der GroßHerzog Ludwig III. vornahm, ereignete sich folgender erheiternde Vorfall, welcher geschichtlich verbürgt ist und noch heute im Volksmunde weiterlebt. Als dfe größte Merkwürdigkeit, da3 Schwert, dem Landesherrn vorzuzeigen war, zog es de? Bürgermeister, welcher bei der Besichtigung des Nathhauses die Ehre des Führers genoß, im Gefühle der Bedeutung des Augenblicks iuhn mit den Worten aus der Scheide: Das Schwert Karl's des Großen!" Welcher Esel hat denn das Schwert schleifen lassen?" fragte erstaunt und enttäuscht der Großherzog, da sich das iauscndjährige Alterthum frisch geschliffen darstellte, als habe cs eben dk Werkstätte verlassen. Ich. königliche Hoheit." versetzte selbstbewußt der Vürgermeistervelcher Wunder meinte, was er für einen glücklichen G:danken gehabt hätte, das Alterthum zu Ehr:n des hohen Besuchls ctzs ktuern zu lassen. Grüö Gott, Hc,r GcM'cd ' Präsident Faure w:ilt: einmal in Gesellschaft mehrerer Herren, unter denen sich der Gesandte Baridre, Herzog von Montebcllo und Kcrjegu befanden, in Effcrdina, Ober-ZD:sterreich. zur Jad, wo er b:irn Hofwirth abgesti:g:n war. Bei dieser G:!?genhe:t besuchte er ma! um fo!b 8 Uhr früh den in Efftrding anf'äjsis.kn Gerbermeistec Franz Mdelsperaer. Im er als Geschäftscollcn begrüß.. Beim Eintritt: in's Haus ri:f er Madclsperger zu: Grüß Gott. Her? College!" Er besichtigt: dort verschiedene Gattungen Leder und Häute, informirte sich übcr den Geschäftszag, sowie über die Handelsverbältniffe und brachte geraume Zcit bei Madelsperaer zu. Der Präsident hat die Jagdstiefel und den 'Vn:t noch beim Hofwirth n Aufbewahrung gelassen, und man hofft deshalb in Efferdina. den Jagdgast nocbmals begrüßen zu lönncn. Lluö der Lebt ZspraxiS. Wenn du dich in böser Zeit 3ei den Freunden wirst beklagen, Allsogleich sind sie bereit Trosteswortc dir zu sagen. " Werden dir stets Muth einflößen: Keinesfalls noch zu verzag:n!" Aber ob du Geld bcnöthigst. Danach wird dich keiner fragen.