Indiana Tribüne, Volume 18, Number 150, Indianapolis, Marion County, 17 February 1895 — Page 6
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Illic eine ZNodeelttfleht. B?n Fri Stahl.
Wie eine Mode entsteht? DaZ ist ine Frag?, der man eigentlich nicht ut ausweichen kann, wenn man das treiben unsrer Gesellschaft beobachtet. Warum tragen die Damen Heuer alle Keulenärmel, während sie vor zwei Jahren noch die Aermel nicht eng genug bekomm: konnten und im letzten Jahre die Form oder sagt man desser: die Mißtorm des Äallons bevorzugten? Warum tragen die Elegants Heuer den Cylinderhut. der sich in schönem Schwung nach oben verbreitet, während ein solcher im dortigen Jahr als ein Monstrum, als Gipfel der Lächerlichkeit galt? Als diese Frage zuerst auftauchte, hielt ich es für ung?mein laicht, eine Antwort darauf zu erhalten. Frage nur bei edlen Frauen!" dachte ich mir. Die muffen es doch sicher wissen. Wenn man am Beginn jeder Saison sorgsam zu prüfen hat. oo man das Vorjährige" noch tragen kann oder nicht, da muß man schließlich auch einmal vom Ob zum Warum gelangen. Ich begann also Umfrage zu halten. Ich trnude schwer enttäuscht. Nicht uur. das; ich keine besrieoig:nde AntWort erhielt, , meist wure die Frag: icht einmal verstanden. .Das sei nun einmal so, heute trag: man dies und morgen jenes, und einen andern Grund habe das w:iter nicht, als daß das Neue in den Modeblättern stehe. Das war alles, was "ich erfuhr. Nur eine würdige Matrone belehrte mich dahin, die Mode komme aus Paris. Im Grund: ab:r fanden alle Damen die Frage etwas überflüssig, wenn sie es auch höslicherweise nicht aussprachen. Eine höhere Tochter nur. ein Fräulein näher d:m Backfisch, weigerte mit leicht verändertem Dichterwort mir die Auskunft. Sie hat, glaube ich. allen andern aus der Seele gesprochen, als t brollig-ernslhast deklamirte: Und sprich: Wie kommt die Mode?" Sie kommt nicht, sie ist da! Ich habe dann andre Leut: gefragt irno in den geliebten Buchen gesucht. I: weiter ich kam, desto interessanter z?urde die Sache, so dafe ich die Vorstellung, die ich mir schließlich gebildet habe, zu Nut) und Frommen aller, die's nicht b:ssr wissen, nie? vortragen möchte. An die Rolle, die von den meisten Damen Den Modeblättern zugeschrieb:n würd:, konnte ich von vornherein nicht glauben. Sie vermitteln die Mose, abiz sie machen sie nicht. Sonst müßt: ja j?d:s Blatt eine eigen: Mode geben, während sie in Wirklichkeit doch nur im Geschmack sich unterscheiden, ober nicht im Sachlichen. Blieb also zunächst nur anzunehrn, forj die großen Moöisten. die Kleiderlünstler, die ihre Werk: für die Damen d:r internationalen Gesellschaft romponiren" und die :n:ist ihren S'ch in Paris haben, die Mo): machen. Und das ist zwar n'cht die g.inze Wahrheit, aber es enthält doch einen wahren Kern. Sie machen die Mode, aber sie sind von allerlei andern Faktoren Qbhänziz und können schließlich die Welt nicht zwingen, ihre Mode anzunehmen. Betrachten wir die Sache einmal etizas näher! Das Streben nach ergötzender Abwechslung, das dem Menschengeschlecht überhaupt, auf dem Gebiet der Kleidung aber seiner schwächeren und schöneren Hälfte insbesondere eigen ist, würde von selbst schon dazu treiben, in jedem Jahr; etwas Neues zu verlangen. Aber die Geschäftsleute, die an sich schon heute einen schweren Stand haben, sind viel zu klug, um ouf solche unsichern Gefühle und Wünsehe zu bauen. Sie warten also gar nicht erst, ob das Verlangen sich einstellt, sie rechnen von vornherein damit und füllen, wenn die Saison beginnt, ihre Schaufenster mit lockenden NouDeautes. Die sind, auch ohn: daß sie tonnn fragen.i.nmer verhindert. Denn die Fabrikanten verlassen sich wiederum nicht auf die Magazininhaber, die vielleicht einmal darauf kommen könnten, die theuer bezahlten Vorräthe erst derkaufen z..k wollen, sie werfen ungebeten zur Saison ihre Neuheiten auf den Markt. Fabrikanten der meisten Industrien haben Versammlungen oder Organe, in tenen sie sich über diese Neuheiten v-e-ständizen. Ein Beispiel! Die fraizösischen Seidenfabrlkanten, die in ncn alljährlich zusammenkommen, erschließen changirende Seidenstoffe für die kommende Saison zu bringen. Sie senden ihr: Vertreter zu den Großhändlern, diese ihre Reisenden zu den Magazininhabern, und am Anfang der Saison sieht man die Stoff: in allen Schaufenstern: Changce.nt ist Mode. Es kommt wohl mitunter vor, daß das Publikum einen Stoff ablehnt, wie vor einigen Iahr:n den großblumigen Mantelplüsch. Aber der Fall ist selten, das gleichz:!iige Erwinen in allen Magazinen führt den Stoff meist auch ein, es wirkt an sich schon stärker als die Überredungskunst des gewandtesten Verkäufers, die sich in den Dienst der Neuheit stellt. So geht es mit allen Stoffen. Man. sieh! also, der Modist schon nicht ganz frei be'e seinem Schaffen: das Material ist ihm gegeben. .Er ist aber auch bei dem Erfinden der Form nicht frei. Zunächst herrschen in der Entwicklung der Mode gewisse Ge'se??, die uns die Geschichte des Kofilim lehrt und di: nach aller Ersahrunz keine Ausnahmen dulden. Das wichtigste ist dieses: jede Mode hat das Schicksal, daß ihre Tendenz bis zur äußersten Möglichkeit getrieben wird und dann in ihr Gegentheil umschlägt. Das. klingt vielleicht zu gelehrt, aber man' kann sich die Bedeutung dieses
Schatzes durch die Erfahrung leicht klar machen. Man braucht sich nur an die Wandlungen zu erinnern, die der Nock in d:n letzten Jahrzehnten durchgo7nach! hat. In den sechziger Jahren da man doch irgendwo beginnen muß, .sonst könnte man auch weiter zurückgehen also in den sechziger Jahren herrschte die Krinoline. Sie herrschte und fiel. Der eng: Rock trat an ihre Stelle, er wurde von ah? zu Jahr enger, bis die Damen sich am Ende der siebziger Jahre kaum noch bewegen konnten. Dann wurde er in den achtziger Jahren wieder weiter und weiter, die Hinterbahn enthielt immer mehr Stoss, bis schließlich wieder der Neifrock nothwendig wurde, der diesmal ziemlich bescheiden in der Form der Tornüre auftrat. Darauf folgte wieder eine englische Periode, und schließlich herrscht seit ein paar Jahren der Glockenrock. In der Zukunft aber droht die 5!rinoline. Aehnlichen Wechsel kann man an den Aermeln wahrnehmen. Als sie fo eng geworden waren, daß man sie unten aufschneiden und mit Knöpfen uno Löchern verset,:n mußte, um sie nur anziehen zu können, trat der gebauschte Aermel ein, der zu Zeiten unglaubliche Dimensionen annahm und augenblicklich wieder zusammenzuschrumpfen beginnt. Diese Beschränkung empfinde! der Kleioerkünstler natürlich nicht: diese Gesetze wirken dadurch, daß sie ihn von vornherein nicht durchaus Neues, sondern nur das Neu: in einem gewissen gegebenen Kreise von Formen suchen lassen, und er folgt ihnen unbewußt. Um so deutlicher kommt der Einfluß zu seiner Wahrnehmung, den der Wille, oder sagen wir ruhig: die Laune seiner Kundin ausübt. Auch sie muß ihm Gesetz sein. Man kann sich denken, daß die Kundschaft dieser großrn Pariser Modisten, auf die es hier ankommt, nicht gerade bequem ist: es sind nur Damen, die Zehntausende für -eine Robe ausgeben oder, wozu fast noch mehr gehört, schuldig bleiben können: wenige Damen der Welt, di: großen Schauspielerinnen u. s. w. Es bedarf langer Conferenzen, bis der Besatz und die Form festgesetzt sind. Nehmen wir ein Beispiel! Sollte es schlecht gewählt sein, will sagen: niemals bestanden haben oder ein;n schlechten Geschmack verrathen, so mag man mir in Gnaden verzeihen, da ich ja nur ein Mann bin. Ich hab: mir eben ein Kostüm gewählt, wie ich es für diesen Zweck brauche. Also: die Sarah Bernhardt bedarf für ein neues Stück drei moderner Toiletten. Si: wählt für die eine die neue Changeantseid: und nimmt auf Vorschlag des Modisten als Besatz schwarze Perlen, els Form eine Bluse mit Keulenärmein und einen glatten Glcckenrock an. Sie trägt dieses Werk ihres Leiütünstlers der Öffentlichkeit im wahren Sinne des Wortes vor. Diese Staatsaliion ist der allgemeinsten Theilnahme sicher: die Presse bringt ausführlichere Berichte über die Toiletten als über Stück und Darstellung. Hat die Robe
bei Presse und Publikum keinen Erfolg. nun, so verschwindet sie eben. Hat sie Erfolg, so wird sie nachgeahmt, geht in die Modejournale über und veröreitet sich über di: ganz: civilisirte Welt. Alle Pariser und auch die andern Modeblätter entsenoen zu allen Gelegenheiten, bei denen Toilettenpremieren zu erwarten sind, sachkunoige Vertreterinnen. Außer zu ersten Tbeateraufführungen, also etwa zur Verninage. dem Eröffnungstag der Pariser Kunstausstellung, nach Paris, zum Nennen nach Longchamp-, zur Saison nch Nizza oder in die großen Seebäder. Man sieht, die Öffentlichkeit hat ihr Wörtlein mitzusprechen. Der große Modist, der schon an sich nicht ganz frei schasst, hat. überdies ihr gegenüber nur ein Vorschlagsrecht. Sie und ihre Vertrete? wählen oder verwerfen, ohne irgendwie ihr Urtheil zu begründen, ohne daß er auch nur in die Lage käme, sein Werk zu vertheidigen. Auf solche Teise werden in jeder Saison eine große Anzahl von Toiletten lancirt, so daß innerhalb einer gewissen Grenze für jeden Geschmack und jedes Bedürfniß gesorgt ist. Wenn man, was diese Ausführungen lehren, erwägt, kann man wohl überhaupt nicht mehr davon sprechen, daß irgend ein Faktor eine Mode macht . ein: Moe entsteht vi:5mebr aus dem Zusammenwirken vieler Faktoren, von dcnen jeder schiebt, aber auch j:oer geschoben wird. Ich hztte das Kostüm der Dame gewäylt, weil hier die beste und vielseitigst: Aufklärung zu finden ist. Auf andern Gebieten geht es ähnlich zu. Um nur noch ein Beispiel zu erwähnen: es kommen in jedem Jahre die Hutsabrikanten zusammen und wählen aus den vorgelegten Mustern die Neuheiten" aus. von denen nachher das Urtheil des Publikums s? uno so viel: zu Modeformen erwählt. Hatten jen: Damen recht, als sie meine Frage überflüssig fanden? Ich glaube nicht. Für den Cultursorscher sin) diese Dinge sicher interessant. Aber sollten si: es nicht auch für di: Damen sein? Schon als Waffe gegen den Vater oder den Mann, der in jeder Saison von Neuem übe? die ' vielen Toilettenbedürfnize inu?:. Die Art, wie eine Mode entsteht, läßt keinen Widerstand des einzelnen zu, man kann gar nicht sich entscheiden, ob man sie mitmachen will oder nicht. Eine Summ: von Kräften, die von unserm Willen ganz unabhängig sind, zwingen uns. das toll: und doch auch reizende Spiel mitzumachen. Ganz abgesehen davon, daß die Mode an sich eine sug gestiv: Kraft hat und. ohn: daß wir es merken, ja selbst gegen unser bewußtes Sträuben unsre Begriffe von Schön und Haßüch verschieb! und mitunter
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geradezu umkehrt. Und dann: em großer Theil unsres ganzen Geschäftslebens hängt von der Mode ab. lebt und blüht nur bei ihrem Wechsel. Eine Saison ohne Neuheiten und ganze Industrien gehen rettungslos zu Grunde, Tausende von Familien verlieren ihr kümmerliches Brot. Ich möchte damit nicht der blinden, Annahme jeder Mode daZ Wort geredet haben. Gegen solch: närrische Uebertreibung gibt es einen sichern Schutz: die liebe Eitelkeit. Eine kluge Dame versieht schon, jede Mode für ihre Persönlichkeit umzumodeln, und ich habe noch keine Form der Kleidung kennen gelernt, in der eine reizend: Frau nicht reizend gewesen wär:. Zur die Küche. Rauchfleisch. Man nimmt 5 Pfund Ochsenfleisch. Mittelschweifstück, nicht fett und an einem Stück, legt es fünf Minuten in siedendes Wasser, reibt es ordentlich mit Salz und ein wenig Salpeter ein. hängt es zum Erkalten in die Luft und dann acht bis vierzehn Tage in den Rauchfang. Ist es geräuchert, wird- das Rauchfleisch roh gegessen. Sauce tartarc. Man rühr: vier hartgesottene Eidotter durch ein Sieb, fügt zlvei rohe Eidotter, zwei Eßlöffel Senf, eine geriebene Chalotte, etwas gewiegte Petersilie und Estragon hinzu und vermischt allmälig sechs Löffel bestes Olivenöl damit. Man rührt die Sauce so lange, bis sie dick und steif ist, gibt hierauf einen Löffel kräftigster Bouillon, aus Liebig's Fleischeztract und einen Löfsel Essig, Salz, Pfeffer und nach Belieben noch etwas Eitronenschal: hinzu und stellt sie bis zum Gebrauche kühl. Gekochtes altes Huhn. Das Huhn wird hergerichtet, in vier Theile getheilt und mit Wasser nebst Zwiebel, gelber Rübe, Petersilien- und SellerieWurzel, Lauch (Porree) und Salz in einem Suppentopf zugesetzt und in zwei bis zweieinhalb Stunden weich gekocht. Die Fleischbrüh?, in welche man am besten als Einlage Nudeln gibt, wird vorzüglich, wenn man 1 bis 2 Pfund Ochsenfleifch mitsiedet. Das Huhn schneidet man in kleinere Stücke und richtet sie mit der Suppe zusammen an. Eingemachte Hühner. Junge Hühner richtet man her, theilt sie in vier Stücke, macht in einem Tigel ein Stück Butter heiß, legt die Hühner hinein, gibt einige Zwiebelscheiben, ein Stückchen Citronenschale, Salz, ein Glas Wein ode? den Saft von einer halben Citrone, zwei Schöpflöffel Fleischbrühe dazu und läßt es in einer halben Stunde weich kochen. Nun macht man mit einem Kochlöffel Mehl und etwas Wasser ein Teiglein, rührt es in die Sauce, läßt es aufkochen und richtet mit der Sauce, welche man noch mit Eigelb verbindet, an. Gibt man mit geschnittenen Nudeln, mit Reis, mit Pfannkuchen oder Kaiserschmarn. Feiner Butter- oder Blätterteig wird wie folgt bereitet: Ein Pfund feste, frische, zähe Butter wird ausgewaschen, d. h. das Wasser h:rausgedrückt, zuerst glatt und dann mit dem vierten Theil: eines Pfundes Mehl gut verarbeitet und nach der Form eines kleinen Backsteins gebildet; ma: stellt si: nun, in eine Serviette eingeschlagen, an einen kühlen Ort, hierauf streiche man die übrigen drei Viertel Pfund Mehl, nachdem es gesiebt, erhöht auf. mache oben ein: kleine Grube, gebe in diese ungefähr ein halbes Quart Wasser, nebst einer Messerspitze Salz und verarbeit: solches mit den Händen noch zu einem glätten Teig, wacher ungefähr di: Festigkeit der Butter besitzen muß; dieser wird hierauf zu einer viereckigen Platte ausgerollt, mit Mehl unten und oben bestäubt, di: Butter genau auf di: Mitte desselben, gesetzt und dann von allen vier Seiten mit dem hervorstehenden Teig überschlagen, so daß sie auf diese Art ganz in oe.i Teig eingeschlossen ist. Der Teig muß so ausgerollt sein, daß er von allen Seiten 5 6 Zi?ll breit an der Butter hervorsteht. Sodann wird er zu einem großen halbfingerdicken Biereck ausgerollt, (man muß sich sehr in Acht nehmen, daß die Butte? nicht ausbricht, und deshalb öfters Mehl ' unterstäuben), welches dann wieder von allen vierSeiten über sich zusammengesungen wird (Tour genannt). Nun läßt man den Teig zehn Minuten ruhen, rollt ihn hierauf in de? oben besch?i:ben:n Weise zum zweiten Male aus, schlägt ihn wieder auf dieselbe Art zusammen, läßt ihn nochmals zehnMinuten ruhen. wiederholt das ganze Verfahren noch einmal, so daß der Teig drei solcher Touren erhalten hat, und verwendet ihn nach einigem Nuhen zu den derschiedensten Bäckereien. Bayrische Dampfnudeln. In eine erwärmte Schüssel gibt man ein Pfund feines Mehl, macht eine kleine Vertiefung und schüttet zwei gehäufte Eßlöffel gute Hefe, welche mit ein wenig Milch verrührt wird, hinein, vermengt sie mit etwas Mehl zu einem Teiglein, stellt die Schüsse! an einen warmen Ort auf den Ofen und läßt das Teigleln gehen. Sollte die Hefe nicht gehen, nimmt man si: heraus, ohne das Mehl zu ve?de?ben, und e?setzt sie durch eine neue. Sodann läßt man 3 Unzen Butte? in. einem Viertel Quart warmer Milch vergehen,- gießt sie in die Schüssel, schlägt zwei Eier daran, gibt ein wenig Salz und einen Eßlöffel Zucker dazu, macht einen Teig und schlägt denselben ganz fein ab, so daß er sich von dem Kochlöffel loslöst. Nun nimmt man ein Nudelbrett, streut ein nxnig Mehl darauf, rollt den Teig länglich, schneidet kleinere Stücke ab, formt sie zu runden Nudeln, stellt sie auf das Brett und dieses auf dem Ofen
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I an einen warmen Ort und läßt sie ge- . hen. Hierauf gibt man in einen Tiegel : ein Viertel Quart Milch, 3 Unzen Butter, ein Stückchen ganzen Z:mmet, Vanille und Citronenschale, sowie Zucker und läßt es aufkochen, setzt die Nudein hinein, so daß sie sich nicht d?ücken. aber auch nicht von einander wegstehen, und soll die Milch bis oben an die Nudeln, jedoch nicht darüber gehen, dann bratet man sie in mittelmäßiger Hitze, bis die Milch eingekocht ist, worauf sie fertig sind. Der Deckel, der genau und fest schließen muß, darf nicht aufgehoben werden und muß man am Tiegel hören, daß die Dampfnudeln eine Zeit lang braten. Man muß sich ebenso in Acht nehmen, daß sie nicht anbrennen, als zu früh den Tiegel zu öffnen, da bei wiederholtem Zusetzen di: Nudeln zusammenfallen würden. Nun hebt man den Deckel auf. dann die Dampfnudeln mit ihren Krüstchen mittels ei ner Schaufel h:?aus und sollen sie auf de? Platte zittern und beim Essen nicht geschnitten sondern auseinander gerissen werden. Am besten paßt eine Vanillesauc:, auch gib! man Compot dazu. (Ihiucsisäzcr u?tts. Unsern Ehnännern sei der Trost gespendet, daß die kleinen Frauen des himmlischen Reiches in der leidigen Toilettenfrage ihren abendländischen Schwestern den Nang entschieden streiiig machen. Besondere Sorgfalt verwenden sie auf ihre Frisur, di: wohl die verschmitzteste ist, die man sich denken kann. Das Haar wird mit dusiendem Oel gesalbt, das da das Haar nur selten gewaschen wird allerdings einen ranzigen Geruch annimmt; goldene und silberne Filigrannadeln halten die schweren Haarmassen zusammen. Die Marquise Li, die Gattin des Befehlshabers des chinesischen Heeres Li-Hung-Tschang, ist eine der elegantesten Frauen des himmlischen Reiches. Die Zahl ihrer Haarfrisuren allein beläuft sich aus 50. Ihre Garderobe besteh! aus 2000 Ueberwürfen. 1200 Beinkleidern und 500 Pelzgewändern. Eines von diesen Gewändern aus den Fellen todtgeoorener Eichhörnchen gemacht ist von unermeßlichem Werth. Den größten Theil des Jahres verbringt sie auf ihrer wundervollen Besitzung in Tientsin, an den Ufern des Flusses Pci-teo. Dort verlebt sie ihre Tage irr stiller Beschaulichkeit einzig mit der Pflege ihrer chinesischen Schönbeit beschäftigt. Zweimal täglich nimm! si: ein Bad von Orangenöl, in welchem Akazienblüthen schwimmen. Ist ihre langwierige Toilette zu ihrer Zufriedenheit beendet, dann läßt sie sich, eine Lotosblume zwischen den Lippen, in ihrer Sänfte herumtragen Herzcnötakt. Es giebt eine Eigenschaft, von der Niemano gern einräumt, daß sie ihm fehlt, das ist der Takt; denn taktlose Menschen begehen eine Menge kleinerer Verstöße, und die Welt vergiebt eher einen inneren Fehler, als einen Mangel an richtiger Fo?m. De? Glaube, daß Takt angeboren ist. steht ziemlich fest und allerdings findet man ihn bei einem Menschen stärker ausgeprägt, als beim andern. Aber r?ahrer Tat! entspringt aus ganz anderen Beweggründen, als geselligen Rücksichten, es ist niebt eine Folge der Höflichkeit, sondern der Selbstlosigkeit und zeigt sich nicht nur in äußeren Formen, sondern in der Nücksichtnahm: auf dieGefühle anderer. Der Takt, der einer oberflächlichen Quelle entsprzt, wird siq:r nicht immer vorhalten. Der rechte Takt zeigt sich nicht nur denen gegenüber, die über uns, sondern auch denen gegenüber, die unter uns sieben. Wie viele Unannehmlichkeiten, Widerwärtigkeiten entstehen aus MangcI an Takt! Leider empfinden diejeniaen. die taktlos gehandelt haben, am wenigsten davon. Würden wir oft so lieblos die Plane und. Handlungen anderer beurtheilen, wenn wir den Takt hätten, uns im Geist an ihre Stelle zu versetzen? Wahrer Takt deckt die Fehlgriffe anderer zu, schont die verwundeten Herzen. tröstet die Betrübten und ist glücklich mit den Glücklichen. Er schlichtet die Streitigkeiten und gründet Freundsckiafien, er hilf! übe? peinliche Augenblicke hinweg und nimmt den Besänge nen ihre Verlegenheit. WenndasWerknichtden Meiste? lobt, lobt de? Meister das We?k. Auf?ichtig. Unterofficie? sin de? Inst?uktionsstunde): Was würden Sie thun, wenn auf dem Schlachtfelde rechts und links n?ben Ihnen Ihre Kameraden sielen?" Rekrut: 3ch glaub', ich wiird's gar iuch! abwarten, Herr Unterofficier." Nach der Vertheil igungsrede. Angeklagter: Hoher Gerichtshof, darf ich einen Antrag stellen?" Vorsitzender: Was wollen Sie denn?" Angeklagter: Ich bitte den Geisteszustand meines Vertheidigers untersuchen zu lassen!" Kein guter Vorschlag. Freund: Wenn Du sie so liebst, alte: Junge, warum hcirathest Du si: denn nicht?" Junger Dokto?: ..Sie h:i?athen? Niemals. Sie ist meine beste Patientin!" Der Pantoffelheld. F?au (als Xantippe bekannt): Es ist doch sonde?öa?, daß die Männe? so gerne Söhn: haben wollen. 'Denke Di?. mein Vate? bedaue?te imme?. daß ich kein Junge gewo?den bin." Mann (seufzend): Das bedauere ich auch, Earoline!"
Kacv: ? r a u c lz l i st. Bon Hermann Schröder. Vor dem Hause des Kaufmanns Winter hielt des Nachts gegen zwölf Uhr eine D?oschke; aus de?selben siiegen zwei Damen, unte? de?en üde?geworfenen Mänteln je ein Maskenanzug heroorlugte. Beide huschten schnell in die parterre gelegene Wohnung. Nun!" rief di: Kaufmannsgattin, .hatte ich nicht Recht. Frau Berg? Unsere Männer machen uns weiß, in Vurgheim frühzeitig Geschäfte zu haben, und dabei gehen sie statt dessen auf diesen ordinären Maskenball! O, diese Treulosen!" Nein", schluchzte Frau Berg, das hätte ich von meinem Manne nicht erwartet!" Ich auch nicht. Aber zufällig fand ich vorgestern das Vriefchen an den Maskenverleiher, durch das sich die edlen Ritter entdeckt haben. O, ih? Dummköpfe. Ih? kennt die F?auen doch noch schlecht, abe? ih? sollt uns noch kennen lernen !" Wie die Beiden so zärtlich waren und um einen Kuß bettelten. Ha, ha, es war aber die höchst: Zeit, daß wir verschwanden, wir hätten uns einer Demaskirung, nicht länger enteehen können." De? jüngeren Frau Berg war es nicht zum Lachen; sie wa? tief gek?änkt, mit feuchten Augen wünschte sie F?au Winte? gute Nacht und begab sich in ih?e im e?'sten Stockwerk gelegene Wohnung. Im Feldmannschen Etablissement wa? ein buntes Leben und T?eiben auf dem Maskenball. Zwei Männe? in h:??lichen Ritte?kostümen standen am Büffet und sp?achen miteinande?: Du", meinte de? Eine, ich möchte nur wissen, wo die beiden Masken geblieben sind?" Ja, das soll der Henker wissen, ein paar charmante Dinger waren das. Wenn das unsere Weiber wüßten!?" Ja, wenn! Na, ich danke schön, das würde ein Gezeter geben. Daran ist aber nicht zu denken, wi? fahren in der F?ühe mit dem e?sten Zuge nach Bu?gheim und wünschen von do?t telegeaphisch guten Mo?gen." Junge, das ist eine Idee! Doch keine Zeit ve?lie?en, wi? wollen uns wiede? in den St?udel hineinstü?zen". Ein neuer Tanz wurde aufgespielt und die beiden Ritter schlössen sich in der heitersten Siimmung den Tanzenden in. Acht Tage waren stit diese: Ball-j -nacht vergangen und wie gewöhnlich I pflegte Herr Winter die eingelaufenen! Briefe beim Frühstück in Gegenwart seiner Frau zu lesen. Ein kleines .! Schreiben m rosa Umhüllung, das er soeben entzifferte, brachte ihm einen nicht gelinden Schrecken bei; seine Gattin, die ihn beobachtete, fragte: Was hast Du nur Alfred, Du bist ja auf einmal so blaß; ist es eine unangenehme Nachricht?" Hastig stand Her? Winter auf. Ja, hm unangenehm, ich muß schnell fort. Geschäfte. Entschuldige mich." Nach diesen Worten stürzte er mit Stock und Hut eiligst und -mit flücht!gem Abschiedsgruß davon. Dumme Geschichten!" brummte er unterwegs, wer hätte das gedacht; Herrgott, dieser verflixte Maskenball kommt mir theuer zu stehen." An der nächsten Straßenecke rannte er an einen Menschen. Nanu! Ah. Alf?ed!" Donne?wette?, Otto. Du bist es: eben wollt' ich zu Di?!" Und ich zu Dir!" So, ich habe einen Brief bekomrncn." Ich auch!" .Du?" Ja, und was für einen! Na, das wird ein theurer Spaß von danials." Denke Dir, das eine Mädel schreibt mir, ich hätt: sie g:küßt, sie hätte Zeugen; kürzlich erst hätte sie meine richiige Adresse erfahren und gehört, daß ich verheirathet sei. Sie verlange zur Sühne einhundert Mark per Post zu senden unter Chiffre A. Z., widrigenfalls sie Alles meiner Frau mittheilen würde." Was sagst Du dazu?" Lieber Freund," sagt: Winter, g:nau dasselbe hat mir das andere Frauenzimmer geschrieben, nur unter anderer Chiffre. Wir sind da ein paar bösen Erpresserinnen zum Opfer gefallen, und ich glaube, das Beste ist, um di: Sache aus der Welt zu bringen wi? zahlen." Gesagt, gethan, die beiden gep?ellten Ehemanne? zahlten die einhund:?t Mark unter ren betreffenden Chiffren ein. Da eines schönen Tages, als die Freunde mit ihren Frauen in traulichem Gespräch bei einer Tasse Kaffee zusammen satzen, rnttet plötzlich Frau Winter ihren Ehegemahl, ihr eine soeben eingelaufene Kostümrechnung von netto einhundert Ma?k zu zahlen. Her? Winte? abe? b?aust auf. Abe? zum Donnc?w:t!e?! Schon wiede? ein. Kleid!" , .Ei gewiß, lieber AJsnd!"
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Pff&mjjpyj ' Das ist aber unerhört!" rief Wfa ier Ja, meinem Manne geht es nicht besser," wirft Frau Berg, etwas ironisch lächelnd ein, und überreicht ihrem Gatten ebenfalls eine Rechnung von einhundert Mark. Aber Zum Teusel, liebe Anna, wZZ fällt Di? denn ein; meinst Du, ich fände das Geld auf de? St?aße?" O. das nicht, mein Liebe?," sagte dies: lächelnd; abe? wenn Du doch Maskenballschulden für Damenbekanntschaften zahlen kannst, wird die eigeneFran doch auch noch so viel we?th sein!" Wi e sa gst Du," stottert Berg und starrt seine Frau erschrocken an. Auch Her? Winter saß da, wie zur Mumie erstarrt; seine Frau lächelt: aber triumphirend, drohte mit dem Finger und bemerkte: Jawohl, Alterchen, so geht's, wenn man auf verbötenen Wegen wandelt; übrigens beruhigt Euch, seht hier sind di: Quittungen für die beiden Kostüme, das Geld ging ük unsere Chiffre, wi? wa?en ja auch die beiden Damen auf dem Maskenball, um de?en Lieb: Ihr gebuhlt hattet. Wir fanden den Brief vom Maskcnverleiher, reimten uns das Andere zusammen und besuchten den Ball, um uns von Eurer Windigkeit zu üöerzeu--gen. Ihr seid nun bestraft, wir wollen diesmal Gnade vor Recht ergehen lassen und Euch di: Hand zur Bersöhnung bieten." F?eudig schlugen die beiden Uebelthäte?, die so leichten Kaufs davon kamen, ein, umarmten herzlich ihre Gattinnen und versprachen feierlichst, nie wieder solche dummen Junggesellensireiche zu machen. So leicht wie diesmal wurde ihnen die Zahlung de? Kostümrechnung noch nie. Degradirt. Die beifolgende Illustration veranschaulicht die schimpfliche Degradation des wegen Berraths verurteilten Capt. Alfred Dreyfus. Inmitten eines Carre, das aus Detachements alle: in Paris garnisonirenden Truppen gebildet war, wurden ihm von einem KürasDasZe?b?echendesSäbels. sie?-Unte?officie? die Abzeichen seines Ranges von de? Uniform gerissen und schließlich sein Säbel zerbrochen. Nach dem dies geschehen war, wurde er in das Gefängniß zurücktransportirt, um schließlich nach der Strafcolonie geschafft zu werden, in der er, dem Richterspruche zufolge, den Rest seines Lebens zubringen soll. 5n der, sächsischen Dorfschule. Lehrer: Aber bestes Gindchen. halte doch 'n bischen stille; ich kann d'r ja sonst mit 'm besten Willen de Jack: nich' ausklopfen!" Türkische Sprüche. Ihr müßt euch nicht mit Fragen müh'n Und 'von der Zukunft klügelnd sprechen: Ist's eine Rose, wird sie blüh', Ist's eine Distel, wird sie stechen. ' Die Hülle nicht, nur was die deckt, Dls sei von dir geehrt. Denn oft in schlichter Scheide steckt, Ein Stahl von hohem Werth. Hie rechts, hie links, da mein, dort dein! So bleib es heute auch wie gestern; Ein Brude? will ich ge?n di? sein. Doch unse?e Taschen sind nicht Schwe ste?n, Im Laub ein Rascheln und de? Zaze r:.ira! Dr Mensch, er fürchtet nur, was er nzt kennt lnt.
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Marschall (sanrodcrr.
Franois Certain de Canrobert, der letzte Marschall von Frankreich, ist nun auch zur Großen Armee abberufen worden. Der Verstorbene, welcher am 27. Juni 1809 geboren und im Jahre Canrobert. 1326 in die Militärschule von St. Cy'.' eingetreten war, hat an allen Kriegen theilgenommen, welche F?ank?eich seit seinem Eint?itt in die A?mce geführt hat. Im deutsch-französischen Kriege gerieth er in deutsche Gefangenschaft und nach dem Friedensschlüsse nahm er an derReuformation des Hee?es Antheil. Seit dem Jahre 1879 war er Mitglied des Senats. Gustav Gräf. Einer der berühmtesten Maler Deutschlands, Gustav Gräf, ist am 6. Januar 1895 im Alter von 74 Jahren gestorben. Seine frühe?en Bilde?, De? Judaskuß", Wittekind vo? Ka?l dem G?oßen", Auszug oftp?eußische? Landweh?" u. s. w. sind weltberühmt geworden. Ein Wendepunkt in Gräfs Leben und Kunst trat gegen Ende der siebziger Jahre ein, als er im Auftrage eines Pariser Freundes jene hüllenlos auf 'blumengeschmücktem Lager hingestreckte reizende Gestalt eines jungen blühenden Weibes malte, dem er den Namen .Felicia" gab. Gräf's künstlerische Wonne in der Malerei des schönen Nackten war dabei erwacht. Dessen Darstellung erschien ihm fortan als die höchste Aufgäbe seiner Kunst. DaZ vollendet gebaute und mit wundervollem Haar und Hautton begabte Modell. das er für ein zweites derartiges Bild. Das Märchen", fand, wurde die Ursache zu jener noch unvergessenen beklagenswerthen Verstrickung unseliger Umstände, durch die der Künstler bis nahe an den Rand des Verderbens, des bürgerlichen TodeZ geführt wurde. Die Freisprechung in seinem Proceß, die ihn davor rettetegab ihn der Kunst und seinen Freun den wieder. Der große Jauos und die kleine Liese. Das Pläne machen ist daö Seifenblasenspiel des Erwachsenen. Vom Himmel in die Hölle. Mein Fräulein, der höchste Wunsch meines Lebens ist, mir eine eigenen Herd zu gründen ..." So sprechen Sie doch mit meiner Mutter!" O, theure Laura, so dürfte ich hoffen...?" Warum nicht? ich glaube, meine Mutter würde ganz siern noch, einmal beiratbenl
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