Indiana Tribüne, Volume 18, Number 150, Indianapolis, Marion County, 17 February 1895 — Page 3
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der S!m Ven rnst Zlemin. '(12. Bfotifc&ung.) Schon," sagte er plötzlich kalt, aber mit zusammengebissenen Zähnen. Schön, Du hast Dich entschieden. Du willst ihn behalten. Nun, so behaltt ihn! Sei glücklich mit ihm! Aber geh mir aus den Augen. Ich will Dich Tiicht mehr sehen. Geh zum Onkel. Laß znich und mein Unglück allein. Wer nicht für mich ist, wer in dem El?nd, das uns getrosfen hat, da? Herz hat, sich zu verlieben und verloben, gehört nicht mehr zu uns. Du packst auf der Stelle Deine Sachen verlässest auf der Stelle mein Haus! Ich habe keine Tochter mehr. Setze Dich hin, schreib Deinem Onkel! Da hast Du Dich ja immer wohler gefühlt, als unter meine'.'.i Dach. So geh für immer dahin. Ich werde es ja nicht mehr lange machen. Kann bist Du ein una-bhängies, reiches Mädchen und hast Dein Thun und Lassen." Da lag Annie mit einem Male zu seinen Füßen, hob die bittenden Hände und das hränenübersirömte Gesicht zu ihm auf. Fort!" knirschte er und stieß mit beiden gehobenen Fäusten nach ihr, die dünnen alten Lippen von den gelben Zähnen ziehend und scheu sprang sie aus, floh vor ihm zurück bis an ihr Bett, an dem sie in die Knie brach, in das sie ihr nasses Gesicht wühlte, schluchzend und zitternd am ganzen Körper. Einen Augenblick schaute er mit böhnischer Grimasse auf das knieende Mädchen dann lief er aus dem Zimmer, die Thür wild hinter sich zuwerfend. Ach, so lanoe hatte er geschwiegen, hatte seinen. Grimm und seinen Gram in stck gefressen, die Lippen zusammengebissen, nur hie und da ein Wort über sie gehen lassen jetzt war es endlich dazu gekommen, er wute nicht wie, daß er sich einmal Lust machte, alle Verzweiflung, allen Zorn ausschüttete es war am unrechten Orte geschehen, er hatte es alles über sein Kind ausgeschüttet saß nun wie vernichtet in seinem Rohrstuhl an seinem altenPult ächzte stumm, daß er den letzten Menschen von sich gestoßen, den er außer Johannes noch besaß preßte die Fäuste auf seinen Mund, wankte mit dem Oberkörper nach -vorn und hinten und fühlte in greulicher, herzzerreißender Freude, daß nur noch eine Arücke ihn mit der Menschheit verband sein Sohn. Und es drückte ihn fast in der Erregung des Augenblicks, daß er diese Noch nicht abgebrochen. Johannes war nicht zu Haus, hatte nichts von der Szene erlebt: und es war ein Glück, daß er nicht jetzt gerade heimkam dmn der alte Mann hätte r.icht gewußt, was er thäte, wäre der Jüngling ihm nunmehr unter die Augen getreten. Als er eine Zeitlang so gesessen, zog er seine Schlüge! aus der Tasche, nahm Geld aus dem Geheimfach des Sekretärs, versuchte im Kopfe auszurechnen, wie vi-el er zu seinem Vorhaben brauchte, brachte es aber ohne Feder und Papier nicht heraus. Als die Rechnung stimmte und er das Feten wieder hatte in seine Feder springen lassen, ging er hinüber in die Wevkstätte ui:d gebot Feierabend. Der Werkführer mußte die Arbeiter aus den drei Stockwerken des Seitenflügels. wo di: Feilen und Zwickelsägen raspelten, die Fräsmaschinen gingen und das alt: Durchsioßeisen noch in Thätigkeit wcr. zusammenrufen, und als die Leute alle um den Herrn herumstanden. tfejj es. die Werkstätte rnüsse geschlossen werden. Ihr wißt alle, was geschehen," sagte Heinrich Graaf, es ist mir seit beute morgen keine Ehre mehr, mich c!s preußischen Staatsbürger zu betrachten, ein arbeitendes, mitthätiges Glied dieses Gemeinwesens zu sein. Ich scheide aus dem Gewerk. In kur5?r Zeit werde ich wegen eines gemeinen Diebstahls verurtheilt und in's Gefängniß gesteckt werden. Einen solchen A.beitsherrn sollt ihr. ehrliche Arbeiter, nicht haben. Der Betrieb ist zu Ende. Es ist Feierabend. Ihr seid alle gekündigt. Euer Lohn für die abgetanfene Arbeitswoche und auf sechs fernere darüber hinaus werde ich euch fofort auszahlen. Seht euch nach anderweitiger Arbeit um. Wer heute über sechs Wochen noch keine gefunden, komme wieder zu mir ich will ihn dann weite? unterstützen. Ihr habt alle stets treu zu mir gestanden, so lange ihr mich für einen ehrlichen Mann hieltet ich danke euch dafür und möge es euch gut gehen. Wir haben zusammsn Tüchtiges geleistet, das wird euch allenthalben Empfehlung sein. Aber es würde über kurz oder lang doh nieknand mehr von mir Waare b:z!ehn mögen.Darum höre ich lieber ohne weiter: Kränkungen selbst auf. Noch einmal, Jungen, laßt's euch gut gehen! Friedländer," er wandte sich -tu dem Werkführer, da hast Du da? Geld, zahle sie aus, wie ich es eben tefammt habe. Es ist in Ordnung ich hab' 5 selbst nachgezählt! Adieu!" Damit wendete er sich rasch nf und lief hinaus. Er wollte nicht sehen lassen. daß er die Thränen in den Augen hatte. Als nachher der Werkmeister zu ihm lim, um ihm den Dank der Arbeiter zu sagen gern hätten sie noch einzeln von ihrem alten Herrn Abschied genomknen da stellte ihm Heinrich Graaf frei, sich von den vorhandenen Maschineu, Arbeitsmitteln und Nohmaterialien so viel zu nehmen, als genügte, um einen selbstständigen kleinen Betrieb zu beginnen. Und obenein gab er dem Manne, der gegen sieben Jahre in seinem Dienst gestanden, eine Summe, die ihm helfen sollte, sich zu
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etabliren. Mit vielem Dank und in ehrlicher Rührung ging der so sorglich Belohnte davon. Alle diese werden nicht schlecht von mir denken," sagte sich Graaf, so lange wenigstens, wie das Geld reicht. Aber für unklug werden sie mich halten bah!" Es dunkelte schon beinahe. Aber er hatte sein Werk noch nicht vollendet. Er nahm Stock und Hut und ging in seine Ladengeschäfbe, deren er drei in verschiedenen Theilen der Innenstadt unterhielt, eins am Werder'schen Markte, eins in der großen Friedrichstraße. eins in der Königstraße unweit der Kolonnaden. Diese Geschäfte wurden von alten Mamsellen" geleitet, denen Graaf die Waaren lieferte, mit denen er allwöchentlich abrechnete und die auch von seinem Hause aus beköstigt wurden eine Einrichtung noch ganz aus der
vergangenen Znt. Sonntags und an besonderen Festtagen mußten , sie an seinemTische speisen oder erhielten, na-
vtcniIiü) imommer. wo er die drei alten Mäo&er gern iu's Grüne nach dem Srunewal) schickte, dafür eine Extraterqütigiing. Wie erstaunt w.ir Fräulein Julie in der Friedrickstraf'.e, eine Angehörige der französischen Kolonie, in der FamiHe Jilly" genannt, als heute Abend der Herr be! ihr eintrat, ein eigenthümlich verstörtes Gesicht zeigte und sie fragte, ob sie das Geschäft kaufen rsolle. Herr was, dazu reichen meine Mittel nicht!" Alt: Heuchlerin," das war unzefähr der Ton gemüthlicher Grobheit, in dem Graaf mit den Mamsellen verkehrte, ich weiß besser, was Sie sich bei mir erspart haben, als Sie selber, denn keine? hat es Ihnen je angelegt, 5ls ich. Sie haben jetzt etwa sechszehnrausend Mark beisammen " Du meine Güte!" rief Fräulein Jilly. So viel ist es ja nicht. Nach meine? Rechnung sind es man knappe dreitausend Thaler!" Sei'n Sie still! Ich weiß es besser," fuhr der Herr sie an. Ich werde Engelhardt sagen lassen, daß er Ihnen die Abrechnung schickt. Sie sind beinahe dreiundvierzig Jahre bei mir. Ihren Lohn von all der Zeit haben Sie fast immer sparen können, denn was Sie gebrauchten, dafür hat meine Frau g.esorgt; und Essen und Trinken hatten Sie. Das ist alles angelegt, mit Zins und Zinseszins, den Sie alte Thörin natürlich zu berechnen vergessen; und mit dem, was Sie am Kursgewinn dazu haben, macht es soviel. Sie lesen wohl keine Zeitungen thun auch ganz recht daran! Sonst würden Sie wissen. Jilly. daß die italienische Nente. die ich Ihnen vor Jahr und Tag mit 63 gekauft. 93 steht." Achtundneunzig?" Und die alt: Jungfer schlug in freudigem Schreck die Hände über dem Kopf zusammen. Da hat Sie Ihr Geld beinahe verdoppelt!" Ich hab' wohl bisweilen im Kurszettel danach gesucht und gesehen, daß es stieg aber so viel!" Na. und im Anfang hat Sie genug im stillen geschimpft und gebangt über die Anlage, die ich Ihr gemacht, was?" meinte der Herr. Nun können Sie sich das Geschäft kaufen" und er siel wieder in das modernere Sie zurück da ich es doch einmal verkaufen will und Sie unter einem neuen Herrn Ihr Ärot verlieren würden. Für einen Fremden kostet es dreißigtausend Mark. Sie sollen es mit zwanziztausend haben. Firma, Kundschaft, Vorräthe und Ladeneinrichtuna. Sie zahlcn fünftausend an, den Sfost in vierteljährlichen Raten von einhundertundfünfziz Mark an meinen Sohn ab oder verzinsen ihn mit drei Prozent. So ist für Sie gesorgt, bis Sie 'mal die Augen zu machen. Sie nehmen sich im Hinterhause Stube und Küche und ein junges Mädchen, das Sie für den Laden anlernen. Dann sind Sie nicht allein. Wird Ihnen die Sache 'mal zu schwer, so verkaufen Sie Ihr Geschäft und haben dann etwa fünfhundert Thaler Rente; damit kommen Sie aus. Alfo. ich werde es alles, wie ich eben gesagt, ausfertigen lassen rder haben Sie etwas einzuwenden, Jilly?" Der letzte Satz ?am wieder in streitbarster Grobheit heraus. Das alte Fräulein stand, wie vom Donner gerührt plötzlich kam ihr Knochengerüst in Bewegung. Sie lief um den Ladentisch herum fing dabei an zu schluchzen, als ob ihr das Herz brechen wollte, und zog, ehe Graaf sich's versah, seine Hand an ihre welken Lippen. Alle Donner!" fuhr der Herr auf. Verfluchter Firlefanz! Ich dachte, das hätte ich Ihnen längst abgewöhnt, altes Frauenzimmer, diese hündische Leckerei! Also, wir machen es so! Adieu, Jilly!" Damit war er zur Thür hinaus, die er aber gleich noch einmal unter tiefer Verbeugung von außen öffnete, um eine Kundin einzulassen. Ebenso sorgte er für seine andren beiden Mamsells, die gleicherweise bereits ein Menschenalter' in seinem Dienste standen. Die Verträge mußte am nächsten Tage Johannes bei Riehm machen lassen und seine Unterschriften neben die des Vaters setzen. Sein Sohn sah mit Unruhe, daß er sein Haus bestellte, wendete aber nichts ein. Er hatte ja einen andern Beruf ergriffen, und das Familienvermögen minderte sich durch die Liberalität des Vaters nur unwefcntlich auch war zwischen ihnen beiden früher schon besprochen. daß im Falle plötzlichen Ab lebens in ähnlicher Weise für die alten Treuen desHauses gesorgt werden solle. Am nächsten Tage auch ging Johannes im Auftrage des alten Herrn hin und inferirte Haus und Fabrik. So fest
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Heinrich Graaf an dem Namen Werk statte für ferne Kcrmmsabrrk gehalten, für die Verkaufsanzeige ließ er sich stillschweigend das modernere Wort, das der Sohn aufgeschrieben, gefallen. i Was soll werden, Papa, fragte . Johannes an diesem Morgen endlich, wenn wir alles verkauft haben? Ich will mich zur Ruhe setzen, bin alt genug!" Und wo?" Weiß noch nicht. Hier nicht hier bleib' ich nicht! Warst Du bei Deinem Onkel? Will er Deine Schwester zu sich nehmen, bis alles in Ordnung ist?" Ja er mochte Dicq gern emmalsehen, läßt Dich herzlich grüßen. Du sollst die Dinge nicht so schwer, nicht so sentimental nehmen!" Sentimental? Er hat gut reden!" XVIII. Graf Breyinz war ein kluger und tüchtiger Mann! In diesem einen halben Jahre hatte er es wirklich zu voller literarischer Notorietat gebracht. Er war aufgetaucht, wie ein Metcor in allen Zeitungen und Z?itschristen von Ruf war sein Name, befanden sich Beiträge von ihm. Er schrieb tag.rch zweihundert Zeilen so hatte er (bei unverbrüchlicher Sonntagsruhe) in diesem Sommer zwei längere Romane, fünf Novellen und einundzwanzig Feuilletons, Skizzen. Novelletten in stetiger, allerdings etwas handwerksmäßiges Arbeit zustände gebracht, welche Summe von Fruchtbarkeit ihm sozusagen überNacht seine Stellung in der Zunft geschaffen. Des Morgens lag eine gewisse Anzahl von Blättern weißen Papiers geschnitten aus seinem Schreibtisch Abends waren sie aufgebraucht er ging nicht eher zu Bett, ehe sein Tagespensum abgearbeitet. Woher bekommt der Mann denn alle diese Stoffe?" fragt der stets swffhungrige moderne Auror. Graf Breying war eine praktische Natur. Sein Grundsatz lautete: In Heuiiger Zeit kommt es nicht so sehr darauf an, etwas zu können, als etwas ZU thun!" So that er etnxls. Er las geläufig Französisch, einigermaßen Englisch. Die französische, die englische Literatur ist ja so reich kleine Anleihen schaden ihr Nichts. Hatte er einen Noman von sagen wir: Gaboriau, Ponson du Terrarl oder sonst einem weniger Uebersetzten gelesen, so vergegenwärtigte er sich noch einmal die Handlung, vereinfachte sie. komprimirte sie sozusagen, bis ein Novellen- oder Novclettenstoff daraus geworden. Der Schauplatz wurde verlegt, immer an ernrn Ort, den Breying aus eigener Anschauung genau kannte des Lokalkolorits tot gen. Die dem deutschen Publikum nicht zusagenden Jndecenzen in Personen und Handlung wurden sorglich ausgemerzt und ersetzt; selbstredend wurde jeder französische Krämer ein deutscher Onkel aus der Provinz", jede Grisette ein naives Pensionsfräulein. jede Type von jenseits des Rheins in eine der guten alten stets wirkungsvollen Figuren des deutschen Nomans oder des deutschen Theaters umgewandelt, die von jeher entzückt, belustigt, gerührt und Erfolge gemacht haben. Ein gewisses Maß von Intelligenz und Feder gehörte zu diese? Art Arbeit immer noch aber das und den entsprechenden Fleiß befaß er ja. Die Idee war übrigens nicht von ihm selbst er hatte sie einem andern abgeguckt und für praktisch befunden. Als er einmal in einem Berliner Blatt eine höchst dezente und spannettde Skizze fand, die er sofort als eine geschickte Umarbeitung eines der zweifelhaften Stoffe aus Boccaccios Dekamerone erkannte, da war ihm seine künstige Arbeitsmethode klar; er beschloß, es ebenso zu machen, nur geschickte?, so daß man die Quellen nicht nachweisen könnte. Allein er beschränkte sich nicht auf Umprägung" französischer und englifcher Arbeiten er nahm seine Stoffe überall, wo er sie fand. Hat es doch der große Shakespeare ebenso gemacht!" sagte er sich stolz, das Genie geht eben andre Wege, als die Stupidität. Was Neues saugt ihr euch doch nicht aus den Fingern, ihr stecht nur die alten Stoffe und Ideen der Menschheit immer wieder um! Und was ihr da mühselig thut, das thue ich bewußt und spielend, ich. der klug: Mann!" Der große Brite hat einen König Lear geschrieben welch herrlich:? Stoff. Turgenjeff ist so begeistert davon gewesen, daß er alsbal) einen König Lear der Steppe" n russischemBauernxolorit daraus machte schön, seien wir ebenso begeistert, schneiden wir un- aus dem Konigsinantel einen moderncn Gehrock, verlegen den SZ-au-platz nach Schöneberg zu den reich gewordenen Bauern, denen ob ihres plctzlichen Millionensezens überhaupt schon die Köpfe wackeln, und wir haben eine rührende Berliner VorstaÄtGeschichte", eingedickt natürlich auf etwa sechshundert Druckzeilen und mit treuqter Lokalfarbe überpinselt. Man neame es tarn mch: übel er besaß nicht genug künstlerisch: Bil duna. um künstlerisches Gewissen v. haben. Sein literarisches Streben war das des großen uteranichen Lands knechtsbaufens: Gedruckt werden, a: nannt werden, bekannt wetten, erst den Redaktionen, dann dem Publikum überall zur Mitarbeiierschzst aufge fordert werden, in allen Quartals'an noncen der Blätter als aesckäkte Kraf namentlich mitaufgeführt werden, ein bequemes Auskommen yQven ja was soll denn ein Schriftsteller izent lich noch mehr von seiner Muse ver langen, Narren diejenigen, die sich zum 1 verlorenen Hausen schlagen, voran
springen, eine ehrenvolle erste Lanze in den Feind werfen wollen, sich dru:n reißen, di; Geistesschlachtcn deZ Jahrhundert mitzuschlagen! Breyings Arbeiten waren in keiner Weise originell, packend, zündend, be-
geisternd aber sie waren immer gut brauchbar, stets von der genehmen Länge, sich in den Rahmen des Tagcsbedarfs einfügen zu lassen, stets glatt, unterhaltend, das Lesebedürfniß esriediaend nein, er war einer der beliebtesten Erzähler", sein war der Erfolg! Und als er ein halbes Jahr lang das Tagesstroh der Lokalredaktion gedrosehen, machte ihn sein Vrelcger zum Leiter des Feuilletons, gewahrte rym em großes Gehalt, einen langen Kontrakt er kone seme Hände rewen und den Segen ehrlicher Arbeit preisen. Von Annics Ueberuedelung zu ihrem Oheim hatte er am nächsten Morgen durch ein Billet des Mädchens erfahren. Sie bat ihn darin, rasch bei ihrem yapa den entscheidenden Schritt zu thun, sie vorlausig bei dem Ontel Nicht zu besuchen, aber alle Mittwoch und Sonnabend zur gewohnten Zeit die bekannte Allee bei Schloß Äellevue hcrabzukommen, wenn er sie sehen olle. Areyinz wartete zunächst, bis er von ihr die näheren Umstände erfahren, die zu ihrer Ueberstedclunz geführt hatten. Dann entschloß er sich zum Besuch in der Heiligengeiststraße. Allein dort wurde er mqt angenomMkN. Er kam in anständiger Frist wieder und wieder und hatte das gleiche Schicksal. Nun schrieb er Herrn Graaf. Die Antwort war kurz und bündig. Hochzulxrehrender Herr," lautete sie, Ihr Antrag ehrt mich und mein Kind. Doch ist es mir nicht möglich, ihn anzunehmen. Sie sollen nicht die To-chter eines Mannes heirathen, der in wenigen Tagen in's Gefängniß gesteckt werden wird. Wären Sie selbst jetzt hochherzig genug, keinen Anstoß daran zu nehmen, so ist es doch leicht möglich Sie halten diese Aeußerung meiner alten Weltkenntniß und Ersahrung zu gut daß es Sie später reute. Vor dieser Reue fühle ich die Pflicht, Sie sowohl, wie mein Kind zu bewahren. Nehmen S:e gleichwohl meinen aufrichtigen Dank für Ihre Anhangllch'eit an mein Haus u.s.w. Breying schrieb zurück, daß er unter Verpfändung seines Ehrenwortes versichere, keine V:sorgniß vor Zukunft und Neue, wovon der alte Herr spräche. zu hegen, daß er seiner iicher jei, heilig verspräche, nie, nie Annie an das gegenwärtig Unglück, das über dem ehrenhaftesten Hause Berlins schwebe, zu erinnern, uno von neuem bäte, seinem Wunsche zu willfahren. Ehe er hierauf noch eine Antwort erhalten, waro e3 bekannt, dafr Heinrich Graaf fein Haus und sein: Fabrik verkauft habe der Tag der Verhandlung gegen den alten Mann war da, und dieser wurde unter Annahme aller mildernden Umstände zu einem Tage Gefängniß verutheilt. Er hatt: nicht hingehen wollen es hätte ihm nichts geholfen Johannes mackie ihm klar, daß er sich damit nur der zwanzsweisen Abholung durch Schutzleute aussetze. Er hatte auch daran gedacht, zu flie hen allein er sagte sich, daß dann vermuthlich in allen Zeitung? hinter ihm Steckbriefe erlassen würden, und daß er damit semer Familie noch mehr schade, als wenn er sich stelle, Urtheil und Strafe über sich ergehen lasse und die Zeit dann ihn uno sein Leid allmählich in Vergessenheit brächte. Aus der Verhandlung war wenig Bemrrkenswerthes zu berichten. Der alte Justizrath suchte ein Bild der Zeit zu aeben, aus der Graaf mit seinem ganzenEmpfinden stamme. Man sei damals nicht so streng gewezen. Stadt und Bürgerschaft hätten sich mehr eins gefühlt. Wie wir Leute aus Alt-Berlin gern mit Hab und Gut für unser Gemeinwesen eintraten, ihr z. B. Nicht jeden Quadratsuß Landes, den sie brauchte, zum höchsten Preise verkauften und mogllchn viel baare Geld dafür der Gemeinschaft abzudrü cken suchten, gern auch einmal bei Pfla sterungcn und dergleichen mit eigenem Material, wenn es gerade bei der Hand war und den städtischen Arbeitern sehl te, einsprangen, so nahmen wir es uns auch nicht übel, wenn wir andrerseits irgend ein werthloses, altes Ding, das im Grunde städtisches Eigenthum war, auf der Straße auflasen und uns aneigneten. Graaf hat draußen am Wedding Berlin im Jahre 1873 von einem Stück Land, das ihm gehörte. Terrain zum Straßenbau geschenkt; Graaf hat, wie ich selbst, einmal mit angesehen, als vor seiner Thür gepflastert wurde und den Männern draußen der Sand gerade ausgegangen war, ihnen einfach gesagt: Km der, ich habe da zufällig noch etNe halbe Fuhre auf'm Hof liegen und brauche ihn nicht meyr nehmt euch da ruhig, waö ihr nöthig habt!" Und so hat er sich auch den alten Stein oerwmmen. den die Stadt sonst doch weg geworfen hätte oder in irgend einem Vorratbsjchuppen verkommen lassen. hat ihn ohne ein Gefühl eines Unrecht genommen und sich nichts dabei gedacht. Das kann man doch winuch nicht als Dubstahl betrachten. wollen!" Ich bin überzeugt," erwiderte ihm schneidend nachher in seiner Rede der Staatsanwalt, daß der Herr Justiz rath ein ausgeprägteres Nechtsbewußtsein hat. als er uns glauben machen will, und daß er selbst den Stein nicht genommen hatte. Der andre Vertheidiger Graafs 'wiei auf dessen Gemüthszustan'd hin, stellt alle die thörichten Schritte dar. die der ölte Mann unternommen, seit dre An gelegenheit wieder aufgelebt, und zeigte,
wie er sich selbst in der öffentlichen Meinung vernichtet hatte. Er folgerte daraus, daß der Angeklagte die geistige Schärfe nicht befäße, di: nöthig gewesen wäre, in dem vorliegenden Falle die rein juristische Streitfrage zu lösen, ob die Wegnahme des Steins Diebsiahl sei oder nicht. Er hätte denselben ja thatsächlich vorher bezahlt und konnte bei seinen unklaren Vorsiellunzen und Empfindungen wirklich nicht die Tragweite seiner Handlung übersehen Als der Vertheidiger soweit war, ge schah das Unerwartete, daß sein Klient in vollster Erregung aufsprang und ihm zurief: Zum Verrückten wollen Sie mich stempeln? Sie irren sich, Herr Nechtsanwalt, ich bin völlig klar, war mir völlig klar über die Tragweite meine? Handlungen! Glauben Sie ihm nicht, meine Herren. Ich brauche solch: Ausflüchte zu meiner Entschuldigung nicht. Der Stein war mein ich war im Recht, und daran können tausend richterliche Erkenntnizze nichts ändern!" Der Vertheidiger und der Vor-
sitzende gleichzeitig brachten ihn zum Schweigen aber die Stimmung im Saal war von diesem Augenblick an die. daß der unkluge alte Mann sich tbt den Hals gebrochen habe. Einer der Schossen erbat .sich erne nrage an den Angeklagten. Entsinnen Sie sich genau, daß der wtein von Ihrem Vater bezahlt worden ist, als er gesetzt wurde?" fraate er. )en Stein kenne ich von meiner Kindheit an, war Graafs Antwort. ,Erst stand er mit einem olerchen an unsrer Thoreinsahrt, links einer, rechts einer. Dann bat sich der hochseliaePriNZ Karl für seine Sammlung einen von den beiden von meinem Vater aus. Er wollte ihn kaufen mein Vater aber litt das nickt, sondern machte ihn Seiner Könvglichen Hoheit zum Präsent, 'was huldvoll angenommen ward. Dieser Stern befindet sich noch jetzt in der Sammlung zu Schloß Glienicke. Jeder, der dort Einlaß findet, kann aehen, sich ihn aniehen. Der andre wurde, als die Stadt jenseits des schma len Bürgersteiges bei der Einfahrt zur Quergasse einen Prellstein brauchte. um ungefähr vier Fuß vorgeruckt und stand seitdem nicht mehr unmittelbar an unsrer Hausthür, sondern jenseits des Rinnsteins am Straßendamm!" Haben damals Verhandlungen zwischen Ihrem Vater und der Stadt über das Besitzrecht an dem Stern stattgesunoenk Weiß ich nicht. Ich war noch zu jung und zu dumm dazu, mich um dergleichen Dinge zu kummern. Ich habe :hn rmmer als unzren Siern angelehen. Er war aber nicht mehr der Ihre!' bemerkte der Richter. Es unterliegt keiner Frage, daß er von Ihrem Vater der Stadt geschenkt worden ist, als er auf den Damm gesetzt wurde. So hat auch der Zivilrichter entschieden. Und das war Ihnen auch klar sonst wa ren Sie nicht bei Nacht und Nebel hingegangen, ihn aus der Baubude wegzunehmen. Ihr Glück ist nur, daß es eine offene Baubude war sonst wür den Sie damals im überquellenden Dränge JhrcsNechtsgefuhls einen Embruch begangen haben!" Der Schluß aller Verhandlungen war, daß die Schöffen Graaf schuldig fanden, wenn auch unter Zubilligung der mildernden Umstände in vollstem Umfange. Der alte Mann sank nicht vernichtet zusammen, als er das Urtheil vernahm er erhob sich von seinem Sitze, wuchs stolz empor, betrachtete Richter ;rid Schöffen mit einem langen, in bitterer Geringschätzung brennenden Blicke und wenn jemand das Wort verstanden hätte, das auf seinen höhnisch geschwellten Lippen bebte, so hätte er den guten Berliner Kernfluch verstanden: Lumpenpack! Es hing an einem Haar, daß Heinrich Graaf es nicht laut herausschrie und sich dadurch einer neuen Strafthat schuldig machte aber er blieb dies' mal Herr seiner selbst. Als er sich abwenden wollte, fragte der Vorsitzende, bemüht, den Prozeß aus den Akten und der Welt zu schaffen: Sie verzichten wohl auf eine Bermuna? Und Graaf, ehe noch der Vertheidiger dazwischentreten konnte, in selbstmörderischer Freude: Ja, ich verzichte auf jede Berufung verzichte darauf, vor preußischen Gerichten Recht zu bekommen!" Am - Nachmittage desselben TageS war Breyinz bei ihm, hatte in der häuslichen Verwirrung sich Eintritt erzwungen und brachte endlich seine Werdunq mündlich an. Nehmen Sie sie," fuhr Graaf auf. Ehrenmann, der Sie sem müssen. eines Diebes Tochter zu ehelichen! Ich will mit ihr nichts mehr zu thun haben. Sie werden ja wissen, wo sie wohnt nehmen Sie sie!" Breying sah sehr ernst und feierlich aus, war in vollster Toilette: Ich ver arge Ihnen Ihre Erregung nicht, Herr Eraaf," erklärte er. Ich nehme Ihnen nichts übel, was Ihnen nach der unverdienten Kränkung dieses Tages gegen mich über die Zunge läuft. Wie ich von der Sache denke, ersehen Sie am besten daraus, daß ich gerade heute komme. Sie um die Hand Ihrer Tochter zu bitten!" Lala!" unterbrach ihn Graaf. Sie ist ein hübsches, reiches Mädchen. Warum sollten Sie sich Nicht rn sie verliebt haben? Mit dem Schwiegen vater. verspreche ich Ihnen, sollen Sie nicht mehr viel zu thun haben. Der geht morgen nach Plötzensee. seine Strafe abzusitzen, und dann heidi in die weite Welt. Lange überlebt man ia wohl so etwas auch nicht, wenn man schon em anges Leben aus dem Rucken hat. Also ich bin Ihnen für den Edelmuth Ihrer Handlungsweise nicht welter dankbar.
Feiches ' Wfi&aiT ' Dies HSoil
nahm Breying auf. Ich versichere Sie, Herr Graaf, deswegen " Will ich ja auch gar nicht gesagt haben!" Er saß in sich zusammenge funken in seinem Rohrstuhl, blickte neben sich in die Zrmmerecke. erhob den Blick nicht zu dem andern; seine Hände I rr. .... r c ... cf t . rurzien icywer aui oen rmieonen ves . Korbgeflechts, und er sprach mit apa t'hl'icher, dumpfer Stimme, als sei er nicht recht bei der Sache. -Uebrigens gebe ich nur eine siebenzigtausend Mark mit. Sie sagen mrr ja-, daß Sie sie nicht des Geldes wegen nehmen und allein ernähren, können. Es ist ja alles aus. Mag sie nehmen, wer will. Hab' mich selbst Nicht schützen tonnen wie soll ich mir erlauben, anzuneh men, ich munte uifd konnte am besten im Strudel dieser neuen Welt die Hand über sie halten. Sie ist alt genug hat selbst gewählt mag sie selbst die Verantwortung tragen! Es ijt alles aus, alles aus! Unser alter Kaiser liegt krank er wird sterben, Moltke ist alt, Bismarck ist alt, der Krönprinz wird auch schwerer leidend sein, als man's wahr haben will: Berlin ist umgebaut, mein Haus ist verkauft. meine Werlstatt ist geschlossen, meine Geschäfte sind in andern Händen. mein Sohn ach, der ist das Emzrge. der ist das Einzige aber ich, ich bin verurtheilt. bin hin. Es ist alles aus. Nehmen Sie 'das Mädchen, damit sii meinen Namen los wird, emen aebrandmarkten Namen los wird!" Und er klappte mit der Hand auf die Stuhllehne. Breying saß stumm, suchte nach Worten. Junger Herr," wendete sich Graaj plötzlich mit festerer Stimme und einem prüfenden Blick aus den tiefuegenden. finsteren Augen zu ihm um. 'junger Herr, sagen Sie mir wenigstens. und nehmen Sie dazu den über, zeugendsten Ton, den Sie in Ihre: Stimme haben sagen Sie mir we Nigstens, daß Sie den ehrlichen Willen hegen, das Mädchen glücklich zu machen! Der ächzende alte Mann that Brey- ; 1411 14 Vnytil lUl4lllUy 14-4 j ' richtig leid. t rt ry ntftsftrn Mlit Ann; trl ä Vtn f I tJK 1 1 Ich will! sagte er und arm nach i Heinrich Graafs Hand. Er hatte das ! Bedürfniß, den Kopf vor des andren Blicken zu senken so war dies d bequemste Gestus. Aber Graaf zog die Hand zurück. Nicht doch!" murmelte er. Wei I wird einem Diebe die Hand drücken! c . r t ? r w. , I uno er verani in oie sruyere Äparme. Eine dumpfe Pauie entstand . Breying nahm seinen Zylinderhut auf. i der neben seinem Stuhle stand. Ich will Ihnen eins sagen," begann 'der ane Mann auss neue, eine unglückliche Ehe trifft nicht nur den einen Gatten sie trisft beide. Macht man feine Frau leiden, so straft man sich .damit selbst. Es ist. Egoismus, wenn kman sich alle nur erdenkliche Muh l niht Vnnn rnnn nTT nritsftf slntnmf S V V fr -tr V V V fri bet, sich das Verhältniß zu dem Men- , icyen, an oen man nun oocy wenig ftr 3 it-C rtfw &?rriit2 AAfitV- sf jltHS UU Uijlv IIHUU VVUUVt 41 ; nicht trüben zu lassen. ES ist Egolsmus, nichts als Egoismus man frtt Tmt rvpn nrnhinn vnrf-h(tT h.thrm t .tu ivvi. w. uhvn.vit w . w t . !den häuslicherBehaglichkeit. Und häusiliche Behaglichkeit wieder ist Arbeits;kraft, Erwerbsfahlgkelt, laßt sich be iquem m Geldwerth umsetzen. Wollen 'Sie diese abgedrofchene Weisheit von seinem alten Narren amiehmen. so thun : Sie gut daran wenn Sie eben nich jauch von vornherein überzeugt sind. ;daß. was ich sage, Unsinn "ist!" Breying wollte widersprechen. Rein, nein!" sagte-Graaf, es ist schon fo. Wie soll das, was ich sage, fortan Werth haben? Ein verurtheilter Mann! Wann wollen Sie meinen Segen haben jetzt oder übermorgen früh, wenn ich aus dem Gefängnisse entlassen werde? Wissen Sie, ich will ! meinen Segen lieber für mich behalten. Hat er selbst Kraft, so tonnte er Ihnen vielleicht nur schaden. Ich bin nicht abergläubisch ich meine die innere Wirkung was soll Ihnen denn das sagen und nützen, wenn ich über Sie und meine Tochter die Hände ausstrecke, und Sie beide denken dabei: Der alte Dieb!" und meine Kleider riechen vielbleicht dazu noch muffig nach Gefängnißluft. Am besten, Sie machen alles .. ' . .... cyi.. . v w r-. mir meinem ruocr ao unv, ua on nun meine Einwilligung haben, lassen Sie mich im übrigen ungeschoren!" Siebziqtausmd oder nicht!" dachte Breying, als er die Treppe hinunterging. Das ist jetzt egal. Der Alte ist o gebrochen wer maazr niajt lange mehr." Aber leid that ihm Heinrich Graaf doch. Er nahm eine peinliche, drückende Empfindung von oer seltsamen Unterredung mit aus denl Hause und fühlte das Bedürfniß, ein paar Glas Sekt irgendwo rafch hinunterzustürzen, um diese Empfindung los zu werden. Aber wie hätte ich's denn sonst machen können? Er hat sich die Sache ja in seiner Unbesonnenheit selbst einr c r ... . I . l 1 georoal, sie euren leine yarinaalgicir selbsi verfahren. Soll auch ich Deswegen mein Lebtag den Holzhacker spielen? Er kann nock froh sein, daß ein anständiger Kerl kämmt und seine Tochter heirathet. SlebzigtausenD oder nicht man muß vorläufig damit seine Schulden bezahlen und auszukonimen suchen mit dem. was dann noch bleibt. Wollen übrigens 'mal sehen, was die Sache in der Welt für einen Effekt macht und ob man es mir sehr verargt, daß ich mich mit der verlobe. Und ich glaube, wenn ich ihm heut gesagt hatte, es mußte mehr sein er war so widerstandZloZ heut er hätte die Summe vertsppelt. Aber es wäre wider den Anstand gewesen. Man muß auf feiner.eWe.ise zu kriegen suchen'. (Fortsetzung folgt.).
Zjie Mittwc.' I?ach Im Ungarischen von Victor Rrofl
Eines SommerabendS begab ich mich mit der Straßenbahn in Kai serbad". Eine ganz in Schwarz gc kleidete, korpulente Dame saß nebe? IjC XX'lUl K. ...7 lt. 1 n imi, ijj uiuiuc uc uui iurc iyo Pfund.. Sie ließ ihren Fächer fallen, ich hob ihn auf; sie ließ ihr Taschentuch fallen, ich hob es auf; sie trat mir auf den Fuß, ich machte kem Aufhebens. All' das rührte sie so sehr, daß sie mich ansprach: Lieben Sie das Horngebläse?" Ueberrascht blickt: ich auf sie. Wie meinen Sie das. meine Gnä dige?" Ich meine, ob Sie das Horn tfe ben. wenn es geblasen wird?" Ich muß gestehen, meine Gnäd'a. darüber noch nicht nachgedacht zu ha ben." Nun, ich liebe es nicht, und es macht mich ganz n:rvös. daß dieser Kutscher unaufhörlich bläst." Jetzt verstand ich. was sie meinte. Uebrigens" fuhr sie fort vielleicht wirkt dieser Klan,i nur deshalb so auf mein: Nerven, weil er mich an die Nothsignale der Schiffer ermnert." Knüpfen sich daran für Sie woh traurige Gedanken?" Ach, wie traurige! Das Scheitern des Albatros " Der Herr Gemahl Seemann?" forschte ich mit tiefem Mitgefühl. Ja, mein Herr! Aber er legte sein Examen auch auf Süßwasser ab." Vielleicht auch auf Sauerwasser?'' fragte ich voll Empressement, wurd5 ber im selben Moment meines Verstoßes inne und war froh, daß sie di: Frage überhörte. Wir beweinten nun den Albatroß" und die Wittwe gab der Meinung Ausdruck, daß ich ein gutr Mensch sein . müsse. 2lls wir uns trennten, versetzte ich ihr einen Handkuß und sie verrieth mir, an welcher Haltestelle und um welche Stunde sie morgen, wieder die Straßenbahn besteigen werde. Lange blickte ich ihr nach. Kein Zweifei: sie ist Wittwe. Ihr Gatte versank mit dem Albatroß" und ruht nun auf dem Meeresgrunde, eingesal zen wie ein Häring. Am nächsten Tage, am zweitnächsten Tage, alle Tage begegnete ich meiner Wittwe auf der Straßenbahn. Mit dem Schwinden des Sommers ward auch sie immer trauriger und ich dachte, sie denke an die Vergänglichkeit alles Bestehenden. Doch verrieth sie mit keinem Worte mehr, als was sie mir schon bei unserer ersten Begegnung mitgetheilt hatte. Trotzdem war ich entschlossen, sie zu meinem Weibe zu machen, und eineZ Nachmittags, da der Regen in Strö-, men niederprasselte und nur wir Beide im Wagen saßen, eröffnete ich ihr. meine Absichten. Ihr Auge leuchtete, ihr ganzes Antlitz wurde zinnoberroth, sie schüttelte meine Hand und sprach: Ich bin die Ihre, aber sprechen Sie mit meinem Gatten " Ich schnellte vom Sitze empor. Sind Sie denn keine Wittwe? Und der Albatroß"?" Der Albatroß"? Das war ein Geireideschlepper auf der Donau und versank mit unserem ganzen Vermögen der Vater starb vor Gram darüber " Und Ihr Gatte?" Lebt und ist Schiffscapitän." Auf dem Ocean?" Die Frau sah mich einfältig an. Ne n. mein Herr, aus der onau. zwischen Titel und Szegedin. Ich bin bereit, mich von ihm scheiden zu lassen. wenn Sie es wünschen! .Meine Gnädige, das kann ich nicht verantworten. Die Route Titel-Sze-gedin ist langweilig genug, warum sollte ich die qualvolle E?l tenz iyres Gatten noch mit einer Familien-Tra-gödie beschweren! Ich hätte Sie gerne zur Gattm genommen, unter oer e dingung, daß mein Vorgänger zwi sehen den Korallenklippen der canarrschen Inseln im Kreise altersgrauer Wallfische den ewigen Schlummer schläft; daß ich aber die Wittwe eineZ zwischen Titel und Szegedin lebendig) fahrenden Seecapitäns nicht eheliche kann, ist klar. Gott befohlen auf im merdar!" 5tö stiea ab. Seit Zener Zeit aber befällt mich, so oft ich einen Wagen ' . - 1 . ' r. . I . der Straßenbahn vezleige, oie krankheit. Daö Jwischen".Tpiel. Frau Dr. 3c., die Gattin eines be kannten Schriftstellers und Abgeordne ten, die mit Ernst und Eifer ihren jungen Mutterpflichten obliegt, erhielt jüngst Besuch von einer ihr befreun deten, ebenfalls .schriftstellerischen Krei sen o.nghörenden Da,me. Man plauderte von allerlei Neu-Erscheinungen auf tbeatralischem und und besonders literarischem Gebiet, wobei man zu fälligerweise del? bekannten Jensen fchen Roman Zwischen zwei Welten". und daran anschließend eine neu er schienen? Gedichtsammlung Zwischen zwei Nächten" und endlich das Lust, spiel Zwischen zwei Herzen", dessen Neu-Aufführunz bevorsteht, berührte. Da werden Sie doch gewiß hingehend sagt die Besucherin. Glaube kaum", entgeqnet Frau Dr. X. Mich inter,ssirt jetzt wirklich bei Weitem mehr als zwischen zwei Welten", zwischen zwei Nächten" und zwischen zwei Her zen", zwischen zwei Fläschchen" ' die einzige Zeit nämlich, in! welcher ich überhaupt ausgehe... Je ttrockener va Witz ifl. um so leichter zündet cr.
