Indiana Tribüne, Volume 18, Number 150, Indianapolis, Marion County, 17 February 1895 — Page 2
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Iie ZNüttcr in der ZUcttgcschichte
McphistopheleZ: Ungern entdeck' !ch höheres Gehe!innch, Göttinnen thronen hehr in Einsamkeit Um sie kein Ort, noch weniger eine Zeit; Won ihnen sprechen ist Verlegenheit. Die Mütter sind es! Faust (aufgeschreckt): Mütter! . Meph-stopbeles: Schaudert's Dich? Faust: Die Mütter! Mütter, 's Hingt so wunderlich! Ja, in der That, es klingt wunderlich, denn selten noch ist ein Dichter so sehr Prophet gewesen, wie dieser, der zur Charakteristik der unmittelbarsten Gegenwart in einer weit zurückliegenden Zeit das merkwürdige Wort geprägt hat: Die Mütter sind es!" Wie dieser Ausdruck zu deuten ist. wird man leicht begreisen, wenn man sich an die Thatsache erinnert, daß eine Mutter es war, die einen folgenschwercn Einfluß auf die Schicksale der französischen Republik ausgeübt hat. Im Juli 189-4 wird Herr Jean Paul Pierre Casimir-Perier zum Präsidenien der französischen Republik gewählt und er folgt dem Rufe, weil seine Mutter, ihm zugesprochen hat, das tisr.it anzunehmen. Im Januar 1893 soll Herr Jean Paul Pierre CasiiniiPerier ein neues Ministerium bilden und er tritt in's Privatleben zurück, weil seine Mutter ihm zugesprochen hat, das Amt niederzulegen. In beiden Fällen steht, wie man sieht, hinter den Coulissen per Weltgeschichte eine mütterliche Frauengestalt, die die Fä"den des Schauspiels in der Hand hält. Wäre dies nun eine vereinzelte Erscheinung, so würde darüber kein Wort zu verlieren seif., denn weshalb sollte in Staatsmann, den die Verdienste eines Großvaters und Vaters an die Spike eies Volkes gestellt, nicht eine Mutter haben, auf deren Urtheil er den größten Werth legt? Aber das ist es eben: es ist kein Einzelfall, der sich hier darbietet, denn fast allenthalben, wohin wir auch unsere Blicke lenken, sehen wir am sausenden Webstuhl der Zeit geschäftige Mütter sitzen. Faust und Mephisto steigen zu den geheimmißvollcn Müttern hinab. wir wollen zu ihnen hinaufsteigen, hinauf . zu den Soffitten der Zeitgeschichte, wo Mlkerschicksale und Familieninteressen lit kundigen Fingern verknüpft werden. Beginnen wir mit Großbritannien. Nicht weil sie Mutter ist, sitzt hier eine Frau auf dem Throne, aber wie sehr sie Mutter ist. hat siels kluge Heirathsstifterm gar oft bewies sen. Spanien und die Niederlande werden von Müttern regiert. Neben diesen offiziellen gibt es aber noch eine Anzahl nichtofficieller Mütter von bedeutendem Äewicht. So hat beispielsweise das große Rußland ebensogut sein Mütterchen wie das kleine Bulga?ien. und dap Mutter Natalie und die vereinsamte Mutter von Farnborough Hill noch immer gern die Karten mischcn, wenn sie können, ist ein kaum zu bestreitendes Faktum. Ueber die Bedeutung der Kaiserin-Exregentin von China Tsu-Hßi ist kein Wort zu derlieren, aber wir brauchten nicht bis nach China zu gehen, um für das Ansehen und den Einfluß einer kaiserli$m Mutter ein Beispiel zu finden. Wenn alle diese Mütter sich die Hände reichten, könnten sie rnit ihrer Machtsülle fast den ganzen Erdkreis umspannen, und deshalb wird man fortan gut thun, bei den meisten Ereignissen, die sich in der Welt vorbereiten oder abspielen, und bei der Frage nach ihren inneren Motiven nachzuforschen, ob nicht das Wort Mephistos gelte: 2 i e Mütter sind es!' Vorsicht besser als Llrznci. Es läßt sich seitens der Familien und namentlich der Mütter viel thun, um derVerbreitung ansteckender KrankSeiten, wie sie jetzt so vielfach auftreien, entgegenzuarbeiten. Erscheint ein Kind zur Zeit einer Masern-, Schar-.lach-ect. Epidemie auch nur unpäßlich, -so ist es unbedingt aus der Schule zulückzubehalten. Oft ist ein leises UnWohlsein der Beginn schwerer Krankheit; bisweilen auch verlaufen manche Krankheiten so leicht, daß sie kaum wahrgenommen, werden. Erfolgt aber überhaupt eine Ansteckung, so kommt sie gerade dann zu Stande, wenn die Krankheit noch nicht völlig zum Durchbrach gekommen ist und das Kind die Schule noch besucht. Jedes unpäßliche Kind bildet daher in solchen Zeiten die größte Gefahr für seine Mitschüler. Entwickelt sich aus den, Unwoblsein keine ernstliche Störung, so versäumt 'das Kind einige Schulstunden, ein Schaden, der sehr gering ist; stellen sich aber Masern, Scharlach etc. ein. so haben die Eltern durch ihre Vorsicht vielleicht eine ganze Anzahl Kinder vor der Ansteckung bewahrt. Zarter Wink. Sie (zärtlich): Sage mir nur. wie bist Du denn eigentlich dazu gekommen, mir einen HeirathZantrag - zu machen, woher wußtest Du denn, daß ich Dich liebte? Er: Ja, ganz ausrichtig gestanden. Dein Vater fragte laich neulich, ob ich ernste Absichten hatte oder nicht, sonst sollte ich meine Besuche nur einstelIen. Unter Freundinnen. Laura: Als? unsere Freundin Adelbeid ist setzt verlobt, ist ihr Bräutigam denn ein hübscher Mensch? Klara: Nein! Laura: Ist er reich? Klara: Nein! Laura: Ist er aus guter Familie? Klara: Ach das nicht! Laura: Aber mein Gott, warum heirsthet sie ihn denn? Klara: Weil er fr hm Viül
ünscr ersten Sogirbcfudi.
Ucn Scholast.kz chnurlö. Eigentlich ist es doch eine recht schone öZabe. wenn man den nöthigen Geist und offenen Blick hat. seine lieben Mit menschen mit kritischem Auge zu beobachten, verständig zu beurtheilen und diese Studien zu eigenem und anderer Nutz und Frommen in gefälliger Weise ZU Papier zu bringen. Man braucht nur um sich zu schauen, so springen einem interessante Persönlichkeiten gewissermaßen von selbst in die Augen, wie zum Beispiel unsere Tante Hulda, über die ich mich heute des Nähern verbreiten will. Es ist jetzt vierzehn 'Tage her, da brachte uns beim Frühstück der Postböte einen Brief mit dem vielversprechenden Stempel Notenbeke i. W. Meine Lieben!" so schrieb Tante Hulda, ich werde euch in der nächsten Zeit wohl einmal besuchen müssen. Natürlich nicht zu meinem Vergnügen, denn ich bin garnicht für all das Reisen. Aber meine Freundin, die verwittwete Obersteuerräthin SchulteSchmöim, hat vor einigen Jahren, als sie noch lebte, mal so heftiges Ohrenreißen gehabt, und damals gab es bei Euch in C. einen Arzt, von dem es hieß, daß er für Ohren und Alles, was damit zusammenhängt, sehr gut wäre. Nun machen mir in der letzten Zeit meine Augen recht viel zu schaffen. Es flimmert mir so davor, uud sie thun auch wohl mal wehe, sodaß' ich fast fürchte, wenn ich nicht mal was daran lege, dann muß ich später immer eine Brille tragen. Da will ich doch lieber einmal das Reisegeld nicht scheuen und mich auch an diesen Arzt wenden, als nachher immer die Kosten für Brillen und zerbrochene Gläser zu haben. Es ist Euch ja wohl recht, wenn ich heut in acht Tagen bei Euch eintreffe, wo ich mich dann für ewige Zeit in Eurem Heim einlogiren kann. Bis dahin grüßt Euch Eure Tante Hulda. Nachschrift: Ihr könnt Euch wohl schon nach dem betreffenden Arzte erkundigen." Mein Mann, etwas boshaft wie alle Schriftsteller, hatte den Brief mit einer bscheulichen Übertreibung der West sälischen Aussprache vorgetragen, die ihm nach meinen Erzählungen über Tante Hulda von ihrer Persönlichkeit unzertrennbar war. Hm! sagte er jetzt nachdenklich. Dann legte er sich in seinen Stuhl zurück und entlockte seiner Cigarre mächtige blaue Wolken. Auch ich schwieg. Mir war feierlich zu Muthe. Unser eheliches -Fremdenstübchen hatte bis jetzt noch niemand unter seine gastlichen Fittiche genommen und sollte nun zum erstenmal an die Oefscntlichkeit treten. Welch ein denkwürdiger Augenblick! Dann aber konnte ich mir auch ein behagliches Gruseln nicht derwehren, wenn ich mir ausmalte, wie Tante Hulda und mein Mann miteinander verkehren würden. Wie interessant würde es für mich werden, den Reibungen dieser so grundverschiedenen Naturen zu lauschen und ihre Funken sprühen zu sehen! Das trifft sich 'eigentlich ganz gut, unterbrach mein Gestrenger endlich das dumpfe Schweigen, indem er etwas verlegen mit derMorgenzeitung spielte. Ich hatte halb und halb vor, nächste Woche eine kleine Studienreise in den Rheingau zu machen; ihr beide seid dann ganz unter euch und werdet gar nicht durch meine Anwesenheit belästigt. Ich sah ihn durchbohrend an, was ihm anscheinend sehr unbehaglich war. Ganz wie du meinst! sagte ich dann möglichst eiskalt. Vielleicht wird es übrigens deine gewohnte Bequemlichkeit noch weniger stören, wenn ich meiner armen Tante eine Erholungsreise nach dem Blocksberg Vorschläge und sie gleich dorthin begleite, dann bist du ganz ungestört! Nun, nun, nun, nur nicht gleich so hitzig! sagte der Gute, ich dachte bloß mal so, ich kann ja auch hier bleiben! Er seufzte leise, und ich hatte geWonnen. Der Aermste! Er hat wirklich ein goldenes Herz und thut mi: viel zuliebe; aber manchmal möchte er so ganz anders als ich, und das ist dann recht lästig. Nun, diesmal war mirs geglückt, und ich versprach ihm zum Dank dafür, ihn in der kritischen Zeit möglichst wenig zu behelligen und mich, so viel es irgend anginge, mit Tante Hulda allein zu beschäftigen. Am Morgen des großen Tages legte ich im Fremdenstübchen noch einige gehäkelte Deckchen auf, die meiner Ersahrung nach für Tante Huldas Behaglichkeit unentbehrlich waren, und stellte einen frischen Strauß auf den Tisch. . Mein Mann war ziemlich still. Seine Stimmung schwankte merkwllrdig zwischen einer ihm ganz reizend stehenden rührenden Wehnulth und sanfter resignirter Ironie; aber er nahm sich zusammen, das merkte man deutlich. Und deshalb ließ ich auch, ehe wir zur Bahn gingen, eine Flasche tun unserm Besten heraufholen, um ihm leichter über sein etwas schwierigs Naturell wegzuhelfen. Es wird eben den Männern nicht so leicht wie uns Frauen, sich in alles zu finden und dabei liebenswürdig zu bleiben, 'und wenn man nun einmal weiß, daß der gute Kern in seinem Mann etwas tief sitzt, warum sollte man ihn da nicht in geeigneten Augenblicken mit einem guten Tröpfchen etwas mehr an die Oberfläche spülen, besonders wenn es ihn erfreut und einem selbst zu statten wmmt? Er trank denn auch und war aerübrt. Dann machten wir unZ auf den Wea. und freute mich von gangern Kerzen, als endlich der Zug heran-
Sraulte. der uns Tante ulda wirklich braute. Gott sei Dank! Da seid ihr ja! seufzte Tante Hulda uns erleichtert entgegen und fing an, uns ihr zahllo ses Handgepäck herauszureichen. Zuletzt stieg sie selbst vorsichtig aus und begrüßte unS etwas ruhiger. Es freut mich, deinen Mann und eure Häuslich keit nun auch einmal kennen zu lerren, sagte sie und betrachtete den Aermsten von Kopf bis zu den Füßen mit einem durchbohrenden Blick. Er verbeugte sich und murmelte etwas wie ebenfalls sehr erfreut! Dann bat er um den Gepäckschein und besorgte uns eine Droschke. Das Reisen ist doch rech! kostspielig! meinte Tante Hulda unterwegs. Was habe ich allein wieder an Uebersracht zahlen müssen, und das nur wegen der einen Kiste! Aus der Eisenbahn scheinen sie ja nichts anderes mehr zu thun zu haben, als immer nur auszurechnen, wie sie armen Leuten den letzten Groschen am sichersten aus den Zähnen ziehen. Du lieber Gott, so 'n Zug hat doch so viele Waggons, und in jedem ist so viel Platz, und was kann so eine Locomotive nicht alles ziehen! Da könnten sie doch schon etwas gefälliger sein und brauchten sich nicht so jedes Eckchen bezahlen zu lassen. Es ist so schön, wenn man etwas nur aus Liebe thut! Ich trat meinem Manne mal auf den Fuß, aber der sah zum Fenster hinaus und schwieg, wahrscheinlich im Gefühl feiner Ohnmacht, die Eisenbahnverwaltung zu Tante Huldas Ansichten zu bekehren. So kamen wir denn zu Hause an. Um des Himmels willen! schrie Tante Hulda entsetzt auf, als unser kleiner Teckel uns mi! Freudengebell begrüßte, haltet die Bestie zurück! Er zerreißt einem ja alle Kleider! Daraus hättet ihr mich auch vorbereiten können! Der Schreck! Aber so thut ihn doch sort, sonst steige ich nicht aus! Ich nahm das liebe 'Thierchen auf den Arm, beruhigte es freundlich und trug es in die Küche, während mein Mann die Tante tröstete und ihr beim Aussteigen behülflich war. Dabei hielt ich mich absichtlich etwas länger als nöthig aus; denn erstens hatte ich mich geärgert, daß unser guter Hund so angeschrieen und verkannt wurde, und brauchte ein paar Minuten, um diese Pille zu verschmerzen und wieder liebenswürdig auszusehen; dann hielt ich es aber auch für heilsam, meinen Mann etwas mit Tante allein zu lassen, man findet sich zu zweien eher als in Gesellschaft eines dritten, und es war ihnen gewiß eine ganz gute Vorübung für ihren fernern Verkehr. Ich gab dem armen Hunde also ganz langsam nacheinander einige Stückchen Zucker und Leberwurst, immer umschichtig, und begab mich dann allmählich ins Wohnzimmer. wo die beiden andern sich schon niedergelassen hatten. Tante Hulda hatte Hut und Mantel abgelegt und saß mitten auf dem Sofa. In ihrer äußern Erscheinung hatte sie sich nicht sehr verändert, seit ich sie zum letzten Mal gesehen hatte; nur die Haare waren mit der Zeit weiß und sehr spärlich geworden und ihre Enden verschwanden unter einem winzigen rothgoldenen Zöpfchen, das unbegreif licherweise noch die Grundfarbe beibehalten hatte. Nun rathet mal, was ich euch mitgebracht habe! riefTante Hulda vergnügt aus. Oder noch besser, kommt eben mit auf mein Zimmer, da könnt ihrs gleich auspacken! Ich war höchst überrascht; an die Möglichkeit hatte meine Seele noch nicht gedacht, daß Tante Hulda Jemand ein Geschenk machen könnte. Sie mochte mir wohl, etwas derartiges ansehen; denn fast verlegen fuhr sie fort: Ihr hab! ja auch von eurer Hochzeit her noch was zugute; damals wußte ich gar nichts., was ich euch hätte geben können, und diesmal, dachte ich, ginge es zugleich als Freigepäck mit durch. Nun. UM das bischen Uebersracht will ich mir auch keine grauen Haare wachsen lassen. Hoffentlich macht euch der kleine Gruß aus Westfalen Freude! Erwartungsvoll begleiteten wir sie zum Fremdenzimmer, wo das Gepäck inzwischen Platz gefunden hatte. Ich glaube, es ist eigentlich kindisch, wenn man sich so'üb:r Geschenke freut, wie ich das stets thue; aber ich finde es doch auch wieder sehr begreiflich; denn in einem frisch verheiratheten Haushalt, wie dem unsrigen, lassen sich noch recht viele nette Sachen anbringen, und man kann sich doch nicht alles selber kaufen. Was gab es mit wohl wieder für Schönes? Meine Phantasie erging sich in den höchsten Tönen. Vielleicht gar eine Bowle? Die haben wir nämlich noch immer nicht, und ich finde, die muß man anständigerweise doch eigentlich haben, besonders bei uns amRhein! Es wurde mir viel zu lang, bis Tante meinem Fremdenstübchen ihre wirklich freundlich? Anerkennung ausgesprochen hatte. Endlich öffneten wir die Kiste. Sie entkielt lauter Pumpernickel! Ein frommer Spruch sagt: Geben ist seliger als Nehmen." Das habe ich nie besser verstanden als in diesem Augenblick; denn Tante Hulda schien wirklich sehr seli zu sein, und ich war eher alles andere als das. Mein Mann, mußte mir wohl so etwas anmerken; cr legte stützend den Arm um mich, und es zuckte dabei so merkwürdig um seine Lippen, als er in unser beider Namen unsern herzlichsten Dank aussprach. Der hatte gut lachen was sollte ich mit diesem Berg Pumpernickel anfangen? Er mag nämlich keinen. EZ sind zwanzig Stück, sagte Tanke Hulda strahlend, da könnt ihr euch eine Zeit lang recht satt daran essen; sie halten sich schon ein Weilchen, und
w:nn sie auch zuletzt etwas trocken wer den. nahrhaft sind sie dann doch noch! .0 ja! sagte ich mit ergebenem Lätheln, und überlegte in meinem Herzen, wie viele von den Broten wir in unserm Bekanntenkreis los werden könnien : der Rest blieb immer noch .überwältigend. Während ich das Mädchen beauftragte, die kostbare Sendung in die Vorrathskammer zu schaffen, zog mein Mann sich leise zurück, und Tante Hulda machte sich's in ihrem Zimmer bequem. Was ich übrigens sagen wollte, bemerkte sie nach einer Weile, dein Mann macht ja einen ganz netten Eindruck. Das will ich meinen! platzte ich los; ich war dicht an der Grenze meiner Selbstbeherrschungsfähigkeit angekommen, und ich sürchte, man konnte das such schon deutlich merken. Ja sieh, fuhr Tante Hulda fort, als ich hörte, daß er Schriftsteller sei, wurde ich etwas mißtrauisch, und das kannst du mir kaum übelnehmen; denn bei uns in Rothenbeke sind auch zwei, und die können recht unfreundlich sein. Es ist ja überhaupt ein etwas leichtfertiger Beruf, wenn ich so sagen soll. Ich muß allerdings gestehen, daß ich auch einmal einen schriftstellerischen Versuch gemacht habe, indem ich einen meiner Ansicht nach sehr beherzigenswerthen Artikel zum Schutz der Katzen schrieb. Aber die Zeitungen sind leutzutage so an allerlei Schund gewöhnt, daß ihnen vollkommen derSinn bgeht, ernste Sachen zu würdigen. Er wurde gar nicht angenommen. Unter solchen erquicklichen Gesprächen packten wir Tantes Sachen aus und gingen dann zum Abendbrot, welches bei uns in der Rege! aus Thee und kalter Küche besteht usd an diesem Abend natürlich mit besonderer Sorgfält bereitet war. Wir hatten uns kaum gesetzt, da klingelte es an der Hausthüre, und gleich darauf wurde mein Mann durch das Mädchen herausgebeten. Er kam nur noch einmal mit Hut und Ueberzieher ins Zimmer, um sich zu verabschieden und zu entschuldigen, da er einer dringenden Besprechung wegen zu einem Verleger gebeten würde, und bei so etwas muß ein Schriftsteller natürlich immer aus dem Sprung stehen. Während er sich die Cigarre anzündete, sagte er noch: Na, verschlaft euch nur nicht morgen früh. Dr. S. hat um acht Uhr Sprechstunde, und wenn ihr nicht bei Zeiten dort seid, kommt ihr am Ende gar nicht vor, es sei denn, daß ihr dem Diener ein ordentliches Trinkgeld gebt. Ein wohlgespicktes Portemonnaie müssen Sie sowieso mitnehmen, liebe Tante; gewöhnlich nehmen solche Specialisten zwanzig Mark für eine Consultation, manchmal aber auch mehr. Nun, das werden Sie ja sehen. Und nun nochmals, recht vergnügten Abend! Ich bedaure unendlich, daß mich grad heute die Pflicht aus dem Hause ruft! , Ich begriff meinen Mann nicht recht; er wußte doch ebenso gut wie ich. daßDoctor S. gar nicht so theuer war; deshalb wich er auch meinen fragenden Blicken aus, als er von dem vielen Gelde sprach. Wahrscheinlich war er ärgerlich, daß er fort müßte, und wenn sie ärgerlich sind, haben die Männer ja immer das Bedürfniß, auch andere zu ärgern. Er that mir übrigens wirklich leid. Den - ganzen Tag hatte er nichts verkehrt gemacht, und nun sollte er nicht mal einen ruhigen Abend haben. sondern mußte sich hungrig in die Arbeit stürzen. Ich hörte noch, wie er in der Zerstreutheit dem Hunde pfiff und den mitnahm. Bei dem Verleger konnte er das Thier dock gar nicht gebrauchen; aber mir war alles gleichich war recht verdrießlich! Tante dagegen sagte ganz ruhig: Er hat recht, Verdienst geht immer vor Vergnügen. Das ist nun mal so im Leben. Dabei setzte sie sich behaglich im Sofa zurecht und ließ sich die aufgetischten Leckerbissen prächtig schmecken. Sie schien aber etwas müde zu sein, denn sie war ganz still und nachdenklich geworden und zog sich bald nach dem Essen zurück. Als ich ihr gute Nacht wünschte, sagte sie: Weißt du, mit dem Arzte, das hab ick mi? doch anders überlegt, so viel Geld gebe ich für so etwas nicht aus. Das ist ja fürchterlich! Nein, da gehe ich doch lieber zu unserm guten alten Doctor in Rotenbeke; bezahlen läßt der sich ja auch, das kann er nicht anders, denn er hat Frau und Kinder, aber für zwanzig Mark curirt der mich jährelang. Weil ich aber nun einmal hier bin und es mir bei euch so gut gefällt, so will ich euch zu Liebe gern noch die paar Tage bleiben, da ich doch einmal das Geld für die Eisenbahn ausgegeben habe. Und nun schlaf wohl, mein Kind, ich will mal sehen, was ich die erste Nacht unter eurem Dach träume. Am andern Morgen Punkt scchsUhr klopfte Tante Hulda schon an unsere Thüre und fragte, ob wir immer so lange schliefen. Ich fühlte mich noch recht müde und rief, in C. stände kein Mensch vor sieben Uhr auf, erhob mich aber doch seufzend und versuchte, meinen Mann zu wecken. Natürlich vergeblich! Der hatte gewiß bis spät in die Nacht mit dem Verleger gearbeitet. So ließ ich ihn liegen und ging hinunter zum Frühstück, wo Tante Hulda sich schon ganz in ihren Thee versenkt hatte. .Sie sah im Morgenrock und Häubchen übrigens recht sauber und freundlich aus und kam mir auch in ihrem Wesen nicht so schlimm vor wie gestern. Vielleicht löste sich noch alles in Wohlgefallen auf; jedenfalls hatte ich wieder mehr Muth, ich war ja nun auch schon etwas abgehärtet. Als toi: ungefähr ein Stündchen zusammengefesten hatten, erschien auch meinMann, und das war wirklich recht nett von ihm. Wahrscheinlich wollte er heute o!3 guter Hauswirts allcZ nachholen-
was er gestern Abend leider Geschäfte halber hatte versäumen müssen. Aber es sollte anders kommen! Kaum hatte er uns begrüßt und Platz genommen, so hörte ich. wie unser liebes Hündchen leise an der Thür kratzte; es war gewöhnt, mit uns zu frühstücken. Vielleicht war Tante heute nicht so gereizt, es hatte bis jetzt alles gut gegangen; so beschloß ich noch einen kühnen Versuch, die beiden miteinander anzufreunden, und öffnete die Thür. Hätte ich sie doch zugelassen! Aber freilich, wie konnte ich ahnen, daß das Unthier wie ein Blitz in's Zimmer schießen und im Maul fröhlich und beuiestolz ein goldenes Zöpfchen. Tante Huldas Zöpfchen ,tragen würde! Von dem Sofa her drang ein dumpfer Schmerzensschrei meiner erbleichenden Tante. Ich stürzte auf den Hund los. der durch die offen geblieden: Thüre entwischte, und verfolgte ihn kreuz und quer durch den Garten und endlich bis auf den Speicher. Dort gelang es mir zuletzt, ihn in einem Winkel zu stellen und ihm den Raub zu entreißen. Als ich athemlos die vier Truppen wieder heruntergestiegen war, fand ich das Eßzimmer leer. So nahm ich denn meinen ganzen Muth zusammen und begab mich in's Fremdenzimmer. Hier stand Tante Hulda in ihrem Neisekleid, beschäftigt, die letzte Hand an ihre Koffer zu legen, ein Bild des Jammers. Es rührte mich tief, sie so bleich und gebrochen zu sehen, und indem ich ihr das schnöde geraubte Krönlein zurückgab, sprach ich ihr mein herzliches Bedauern aus. Sie dankte kurz und bat um eine Droschke. Zum Bleiben war sie nicht mehr zu bewegen, und ich muß gestehen, so leid sie mir that, ich hatte nichts gegen ihre Abreise. So begleitete ich sie denn zur Bahn und bemühte mich, bis zum Schluß recht freundlich gegen sie zu sein; aber sie war zu geknickt, um viel davon zu merken, und auch ich athmete erleichtert auf, als sie mit all ihrem Kummer und Gepäck wieder nach dem geliebten Rotenbeke abgedampft war. Beim Verlassen des Bahnhofs traf ich die Frau eines befreundeten Colleen meines Mannes. Ich muß doch auch mal Ihr Hündchen besehen kommen, sagte sie nach der ersten Bcgrüßuug. mein Mann wußte nicht genug davon zu erzählen. Der drollige kleine Kerl hat ja gestern Abend allgemeine Bewunderung erregt. Unser Hund? fragte ich zweifelnd. Wo denn? Ach, Ihr Mann lag wohl noch in den Federn, als Sie ausgingen, lachte die Frau Collega; na, meinem ist das Aufstehen auch sauer genug geworden. Als er ihn gestern Abend abholte, ginaen sie in das neucRestaurant nebenan, und cs scheint, sie haben dort mehr als eine gute Flasche getrunken, und das Hündchen hat auch Wein getrunken und Kunststücke gemacht. Es muß ein reizendes Thierchen sein! . Sobald ich kann, sehe ich mirs mal an! Guten Morgen, Frau Collega! Gruß zu Hause! Damit war sie um die Ecke, und ich ging gedankenvoll weiter, um meinem Manne den Gruß zu bringen. Also das war die dringende Besprechung mit einem Verleger!" Es war doch eigentlich schändlich! Und heute Morgen war er wieder bei der Katastrop'he verschwunden und nicht mehr zum Vorschein gekommen. Jedenfalls saß er wieder in dem Restaurant und ließ den Hund vorturnen, statt seine Stellung im Hauswesen auszufüllen und seiner armen Frau helfend zur Seite zu stehen. Wer konnte wissen, wann er wiederkam! Unter solchen trostlosen Betrachtungen langte ich zu Hause an. Alle Zimmer lagen wieder still und behaglich da, als ob nie eine Tante ihren Frieden getrübt hätte. Die einzigen Spuren der letzten vierundzwanzig Stunden waren ein gräßlicher Naphthalingeruch im Fremdenstübchen und das Bewußtsein, daß mein Mann mich scheußlich h'.ntergangen hatte. Als ich noch so am Fenster stand und mich darüber ärgerte, fühlte ich mich plötzlich umschlungen und im Kreise gedreht. Es war natürlich mein Mann, der einen Freudentanz aufführen wollte. Geh du nur. sagte ich kalt, indem ich mich losschälte; tanz doch mit deinem Hund in dem neuen Restaurant herum und lehr ihn, noch mehr Leuten die Zöpfe stehlen! Ach, lachte cr lustig auf. hast du's schon gehört? Eben wollte ich dir alles erzählen. Aber sage selbst, war das nicht schlau von mir? Was sollten wir uns zu dreien langweilen, ich dachte, zwei wären genug. Sei mir nur nicht böse drum! Das war ich dein; auch nicht mehr, denn mein größter Charakterfehler ist der, daß ich viel zu gut bin, und das weist mein Mann leider ebenso genau wie sein Hund.
Echter Humor. Humor ist wie der echte Wein, Der still gereift im Sonnenschein. Er muß wie der dein Herz erwärmen; Doch was gepantscht ist als Arznei, Ob der Geschmack pikant auch sei Ist wirksam nur in den Gedärmen! Unnn,n?km 9s "Yfir ........ jj .... y .... " V) i t" i : !..; ' js- I ivnui um grameren, inoer, icy vin mit Fräulein Speier verlobt. B. u. C. zusammen): Mein herzlichste Gratulation, ich war auch einmal mit ihr verlobt! Vers cknavvt. Cbef: Wenn jemand heuteNachmittag nach mir fragt dann sagen Sie, ich wäre in dringenden , Geschäftes fortgegangen. Hausknecht: Schön, Herr Prinzipal. (Eine halbe Stunde später.) Kunde: Ist Herr. Lehmann nicht zu sprechen? Hausknecht: Nein, er ist in dringenden GeWöen zum, Wettrennen gefahren!
C arnev al. Ein altchrisilicher Brauch gönnte Denjenigen, welche sich die strenge Faftei.v:it vorschriftsmäßig kasteit hatten, am Schluß der Bußedauer, am Osterfest, ein köstliches Festessen mit gesegneten Speisen. Bald trat zu diesem Brauch der andere: auch am Beginn des Fasiens die bevorstehende Entbehrung weltlich:? Genüsse durch vervielfältigte Lustbarkeit an einem einzigen Tage einzubringen. Und im Lauf der Zeiten geschah es, daß es nicht bei dem einen Tag blieb, daß schließlich die Fasttage selbst theilweise zu Festtagen wurden, daß die Fastenzeit eigentlich hauptsächlich für solche geschaffen schien, welche nicht fasteten, sondern faselten", um ein altdeutsches, soviel wie Possen treiben bedeutendes Wort zu gebrauchen. In dem heiligen" Köln und vielen anderen rheinischen Städten beginnt die Carnevalszeit schon am Tage der hl. drei Könige (6. Januar). Die Süddeutschen und Oesterreicher nennen den Carneval gut deutsch: Fasching. Wenn dies Wort nicht, wie Viele glauben, von dem b'ösenFasten", sondern nach der Meinung Weniger von dem schon früher erwähnten lustigen Faseln" abstammt, so paßt es wohl am besten auf Wien. Hier war das Faseln, das Possentreiben, das Lustigsein von jeher heimisch, und einer der älteren Fürsten ausHabsburgs Hause, Otto der Zweite, führte sogar oö seiner unverwüstlichen Heiterkeit, die auch cuf sein Land während seiner ganzen Regierungszeit überging, den Beinamen der Rosenbekränzte". Und gar erst die Zeit seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts, seit dem Beginn der Maskenbälle in den Redoutensälen; da gab es. besonders in der vormärzlichen Zeit, während des Faschings Ball auf Ball, bei Hofe, in den Palästen der Aristokraten, in den Häufern der Bürgerlichen und bis herab zu den primitivsten öffentlichen Valllocalitäten. Die Bälle der Künstler, Juristen und Mediciner spielten schon damals eine große Rolle, nicht minder die Balle der Fiaker und Wäschermädel. In Lerchenfeld hielt man alljährlich einen Bettler-Ball" ab. wohl einen Vorläufer des späteren Lumpen - Balles". Einen regelmäßigen Schriftsteller-Vall gab es auch schon lange vor dem Concordia - Ball", allerdings keinen öffentlichen, sondern einen privaten, beim Humoristen Saphir. So glänzend und prachtvoll die Ballräumlichkeiten der Aristokraten waren, so einfack, oft beinahe armselig zeigten sich die Localitäten, in denen die öffentlichen Bälle und Maskeraden stattfanden. Wer heute in den elekirisch beleuchteten Sälen des Sophienbades. der Gartenbaugesellschaft, des Musikvereins oder Schwender tanzt, kann sich keinen Begriff davon machen, wie simpel cs vor einem halben Jahrhundert noch in der, Mehlgrube" auf dem Neuen Markt, bei der Oesterreichischen Kaiserin" in der Weihburggasse, beim Sperl" in der Leopoldstobt oder gar in noch kleineren Localen zuging, wo Großväterchen und Großmütterchen auf ungewichsten oder gar ungehobelten Dielen und beim Schein trüber Lampen oder flackernder Talgkerzen nach den neuesten Weisen ihrer beiden Walzerkönige Josef Lanner und Johann Strauß sich drehten. Später als alle Länder lernte Rußland die Freuden des Carnevals kennen. und zwar, wie alles Europäische, zur Zeit Peter's des Großen. Um seinen Leuten den Unterschied zwischen Einst und Jetzt - klar vor Augen zu führen, veranstaltete der Zar Maskeraden, die dort also, neben dem Bergnüglichen. auch den Zweck des Lehrreichen hatten. Bei Gelegenheit der Hochzeit eines Hosnarren wurde einmal ein Carnevalsfest veranstaltet, welches die Unbequemlichkeit der altrussischen Sitten und Gebräuche illustriren sollte. Zu diesem Feste mußte Alles in Kleidern erscheinen, die man vor Jahrhunderten getragen. Auf sonderbar geschirrten Wagen kamen die Bojaren in unförmlichen Eostümen mit ungewöhnlich hohen Mützen herangeritten. Die Frauen fuhren dich: verschleiert in unbequemen zweiräderigen Tatarenwagen, welche über jeden Stein stolperten und fielen, so daß die Insassinnen sich in einem ewigen Kreischcn und Jammern befanden. Ihre Kleidungen waren ebenfalls nach längst verschwundenen Moden geschnitten. Dicht gekräuselte Hemdärmel reichten bis über die .fiände hinunter und fünf Daumen hohe Absätze machten die 'Schuhe beinahe zu Stelzen, auf denen die Schönen hin und her balancrren mußten . . . Einmal ließ er zur Carnevalszeit seinem Jugendlehrer Sotow. einem vierundachtzigjährigen.halb blödsinnigen Mann, eine hübsche junge Wittwe unter großen Festlichkeiten antrauen. Die vier Personen, welche nach russischer Sitte zu der seltsamen Hochzeit einluden, waren die größten Stammler, welche man im ganzen Zarenreich hatte finden können. Zu Marschällen und Brautführern wählte der Zar steinalte, zu Läufern dickbeleibte, podagrische Personen. Unter Läuten aller Glocken kam der Hochzeitszug in die Hauptkirche, wo das ungleiche Brautpaar vor den Altar gebracht und von einem hundertjährigen Priester aetraut wurde, dem schon Gebör. Gettcht und Gedächtniß fehlten. Man bielt ihm zwei Lichter vor die bebrillte Rase und schrie ihm in's Ohr, was er für thöricktes Zeug dem Brautpaar vorbeten sollte. Aus der Kirche ging es zur Hochzeitstafel, wo die tolle Lustigkeit ihren Höhegrad erreichte. Dies wird pohl der wunderlichste Carnevalsscherz zesen sein, den die Welt cklebt hat!
?cr Wnndcrmann der Süncburgcr Haide. Dort wo die Lüneburger Dulde am trostlosesten erscheint, zwischen Harbürg und Lüneburg, liegt das kleine Dorf Radbruch, welches in jüngster Zcit eine ähnliche Berühmtheit erlangt hat wie Wörrishofen, wo der Pfarrer Kneipp seine übrigens ganz vernünftige Naturheilmethode ausübt. In Radbruch wohnt der kluge" Schäfer Ast, ein Wunderdoktor des echten Schäserschlages, so eine Art von Nach-, ahmer des berühmten Schäfers Thomas. Ast's Geschäft blüht in unerhörter Weise, denn die Dummen werden bekanntlich nicht alle. Neulich
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S ch ä f e r A st. stand er wegen Kurpfuscherei vor Gericht und da sagte er aus, daß er auseiner Familie stamme, welche schon seit 900 Jahren drauf los kurirt und welche der kranken Menschheit ungezählte Wohlthaten erwiesen habe. Bon. Geschlecht zu Geschlecht habe sich die Kunst, Krankheiten richtig zu erkennen in der Familie fortgeerbt und die Mit--tel, welche er darreiche, seien schon vorvielen hundert Jahren von seinen Ahnen entdeckt worden. Das Gericht, verurtheilte Ast zu 150 Mark Geldstrafe. Aber diese Beurtheilung hat dem Kurpfuscher weit mehr genutzt, als geschadet. Durch die Zeitungen wurde die Nachricht von der Aerurtheilung verbreitet und jetzt strömen in. dem einsamen Dörfchen die Patienten aus allen Theilen Deutschlands, ja sogar aus dem übrigen Europa zusammen, um durch den Schäfer kurirt zu. werden. Die Diagnose" dieses Bic-' dermannes ist die denkbar einfachste. Er läßt sich Proben der Haare seine?' Kranken vorlegen, beurtheilt danach, den Fall" und verabreicht die betrefsende Medizin. Die Drogucn, aus welchen er seine T?änke zusammenbraut, bezieht er von einem benachbarten Apotheker. Es sind lauter harmlose Mittel, mit Gisien gibt sich der Schäser nicht ab. Der Andrang zu diesem Wunderdoktor ist so groß, daß Landgensdarmen beständig in Radbruch anwesend sein müssen, um die Menge in SchranZen zu halten. Oft hat Äst bis zu 500 Patienten an einem Tage. Bon jedenr läßt er sich eine Mark für die Medizingeben, die Behandlung ist kostenfreie VorAst'sHaus. Dabei laufen , noch täglich Hunderte von Briefen mit Haaren ein. Ast's Weib und Sohn fungiren bei der VeHandlung als Assistenten. So schneidet z. B. die Frau Ast den Gläubigen, die zur Diagnose nothwendigen Haare ab. Ast kann weder lesen noch schreiben. Die Kranken müssen oft tagelang warten bis sie zur Behandlung vorgelassen werden. Das eine erbärmliche Gasthaus in dem Neste hat nu ein paar Betten. So sitzen die Kranken Nächte durch auf Stühlen und' Bänken herum, die Stunde erwartend wo sie endlich vom Schäfer vorgelassen' werden. Aber sie warten mit Engelsgeduld. GerechteVerwunderung. Freund (zum schwitzenden kahlkopfiaen Amateur-Photographen): Na, Sie sind ja ganz naß am Kopfe! Ich denke Sie arbeiten mit einer Trockmvlatte! Jede? Mensch besitzt seinen Ocean, von den Ho ff nun g e n, die ihm zu W a s s e r geworden. Mildernder Umstand. Vertheidiger: Und meine . Herren, ziehen Sie behufs milderer Bestrafung in Betracht, daß der Angeklagte sich bei dem Einbruch eine starke Erkältung zugezogen hat!" Berechtigt. Madam:: WeshzVb haben Sie denn Jhen letzten Dienst verlassen? Dienstmädchen: Ja, wissen Sie, ich sollte alles bezahlen, was ich zerbrochen hatte 'und da mußte ich 'denn noch schließlich Geld zu reinem Lohne Tuleam!
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