Indiana Tribüne, Volume 18, Number 143, Indianapolis, Marion County, 10 February 1895 — Page 7

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SH'aico und Guatemala. Seit Jahren bildete der größte Th:il des m:xican:schen StcmteZ Chiapas eien Zankapfel zwischen fcsser Republik and Guatemala. Zu wiederholten Malen ist der Versuch gemacht worden, durch Coinmissionen eine' endgiltige Grenzregulirnng vornehmen zu lassen, allein bald war Mexico, bald Guatemala unzufrieden und Alles blieb beim Alten. In Folge der Ausbeutung der Naturschätze von Chiapas, welche mit dein Bau der Tehuantepec-Eisenbahn einen bedeutenden -Aufschwung genomnen hat, ist der Grenzstreit in ein acuies Stadium getreten, das in Blutverfließen enden dürfte. Das umstrittene Territorium liegt an dem Flusse Ufaniasinta und ist- auf dem beigefügten Situationsplan mit punctirten Linien bezeichnet. In beiden Ländern sind die Leidenschaften auf das Höchste erregt. In einem Conflict mit den Waffen in der Hand ist Mexico seinem füdöstliehen Nachbar zweifelsohne überlegen. Porfirio Diaz. Unter feinem Präsidenten Porfirio Diaz, der, im 65. Lebensjahr stehend, dieses Amt zum vierten Male bekleidet, hat das Land sich bedeutend entwickelt, wenngleich ihm der Vorwurf gemacht wird, mit eiserner Faust die Zügel der Regierung zu fuhren. In Mexico, das 11.980,203 Einwohner zählt, herrschen geordnete Verhältnisse und für die Entwicklung seiner reichen Hilfsquellen? wird viel gethan; seine Armee besteht im Frieden aus 2270 Qfficieren und 34.833 Mann, wird im Kriege aber durch die Reserve auf 166.000 Mann gebracht; die Flotte hat 16 Fahrzeuge. In dem verhältnißmägia kleinen Guatemala, das nur 1.432.003 Einwohne? hat, sind, wie in den meisten Mittel- und südamerikanischen NepuI. M. Neyna Varrios. bliken die Verhältnisse durchaus nicht stabil. Innere Unruhen sind an der Tagesordnung und machen die EntWicklung des von der Natur reich gesegneten Landes unmöglich. Sein gegenwärtiger Präsident I. M. Reyna Varrios, ein verhältnißmäß.-g noch junger Mann, besit durchaus nicht die Eigenschaften, welche dies hohe Amt erheischt. Er ist ein Tyrann im vollen Sinne des Wortes. Das hat er nicht nur seinen eigenen Mitbürgern, sondern auch ausländischen, besonders deutschen Plantagenbesitzern gegenüber bewiesen. Guatemala verfügt über ein stehendes Heer von 3768 und eine Miliz von 100.000 Mann; Kriegsschiffe besitzt es nicht. Xcv todte Kanzler Das Zarenreich hat in dem Tode seines Kanzlers Nikolaj Karlowitsch v. Giers. der im 73. Lebensjahre von der politischen Schaubühne abberufen ist, Nikolai K. v. G i e rs. einen schweren Verlust erlitten. Herr v. Giers ist in seiner langen politischen Laufbahn stets bemüht gewesen, das Ansehen- Rußlands auf friedlichem Wege zur Geltung zu bringen und die unheilvolle Thätigkeit der Panjlavisten nschädlich zu machen. Guter Rath. Vater (argerlich): .Du nichtsnutziger Junge, was sollte iÄ mit dem Stocke hier eigentlich machen?!" Knabe (w:inerlich): .Ihn verbrennen, Papa!"

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Sm jictöc 0er MSe. Der Erfindungsgeist der modernen Kleiderkünstler ermüdet nicht in der Composition" eleganter Neuheiten für die Damenwelt, vornehmlich auf dem Gebiete der Gesellschafts- und Balltoileiten. Wir wollen uns heute nur mit dem Ersteren beschäftigen, bringen aber deshalb eine Auswahl besonders geschmackvoller Costüme. Toilette mit Miederrock. Die erste Illustration veranschaulicht eine Theater- oder Gesellschaftstoilette mit Miederrock, die aus rehfarbenem Wollatlas und braunem Sammet zusammengestellt ist. Der Miederrock aus ersterem Stoff zeigt an der rechten Seite einen angeschnittenen Faltentheil, der mit schwarzer Marabubordüre: be grenzt ist, die sich am unteren Rande fortsetzt. Die faltig arrangirte Taille aus Sammet schließt mit einem Stehkragen ab und ist vorn mit faltigen Ga'rniturtheikn von Wollatlas ausgestattet. Aus letzterem Stoff bestehen auch die weiten Aermelpuffen, welche durch eine Rosette leicht gerafft, den Sammetärmeln aufliegen. Costüm mit Pelzgarnitur. Dieses Costüm aus sandfarbenem Tuch besteht aus einem hinten tütenartige Falten bildenden Rock, den eine schmale bräunliche Pelzbordüre ziert, sowie einer kurzen, am Taillenabschluß gefalteten Taille. Letztere ist mit einer aus Sammet und 6cru-farbenem Giri 'pllreeinsatz zusammengesetzten Passe garnirt, welche m:t einem Sammetstehkragen abschließt und durch Pelzbordüre begrenzt wird. Den Rand der Taille, die mit kurzen, mit Sammetbündchen abschließenden, Aermeln aus Tuch verbunden ist, deckt ein saltiger Sammetgürtel, der vorn durch Fischbein gesteift ist unv hinten unter einer Schleife mit langen Enden geschlossen wird. Kleid attfl Vouclöstoff. Der mit Steppsiichreihcn von Seide begrenzte Rock des beides aus dunkelbraunem Boucl6stoff tritt an einer Seite leicht gefaltet auseinander und läßt einen auf dem Futterrock angebrachten breiten Theil von gleichfarbigem Sammet sichtbar k,erden. Uebereinstimmend mit dem Rock ist die seitwärts mitSammet verzierte, vorn leicht gefaltete Taille gearbeitet, die mit einem Sammetgürtel begrenzt, mit sthmalen Sammetstreifen, sowie mit einem breiten gleichen Umlegekragen ausgestattet ist. Den Aermeln aus Sammet liegen weite offtne Puffen aus Vouclöstoff aus. Gute Au rede. A.: Aber, Wer Freund, was machen Sie denn ta, Sie halten ja die Zeitung ganz verkehrt. B.: Ja, wissen Sie, das ist Zznz erklärlich, ich bin nämlich links. Im Gebirge. Eine Anzahl Kleinstädter macht ihren ersten Auss'ug in's Gebirge. Auf dem höchsten Berge steht ein Aussichtsthurm; auf dessen Platform befinden sich mehrere Ceuic. Frau: Heinrich. Heinrich, tritt flicht so nahe an den Rand, daß Du nicht hinunterfällst! Du hast Deinen tcsien Anzug an!

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gsmffla Zyas ist ein Kind? Auf die Beantwortung dieser Frage batte eine der besten englischen Unterbaltungsschriften vor Kurzem einen Preis ausgesetzt, worauf aus allen Tbeilen des Landes Antworten eingeaanaen sind, von denen uns die besten der Wiedergabe wohl werth erscheinen. Denn sie alle enthalten mehr oder minder aut die Lösung der Frage: Was ist ein Kind?" wie es die folgenden Aussprüche beweisen werden: 1. Eine menschliche, von dem Finger der Sorge noch unberührte Blume. 2. Des Vaters Nebenbuhler in der Mutter Liebe. 3. Was am Morgen krakehlt, Mittaas schreit und um Mitternacht brüllt. 4. Der magische Zauber, durch welchen die Götter ein Haus in ein Heim umwandeln. 5. Ein Miniaturatlas, der die ganze-Wclt der Ebefreuden und Ehesorgen aus seinen kleinen Schultern trägt. 6. Ein von der Natur pünktlich präsentirter Wechsel. den' man nicht zurückschicken kann. 7. Eine aufgebrochene Knospe am Vaume des Lebens. 8. Ein kühner Verfechter des Rechtes der freien Svrache. 9. Der beste Förderer der schönsten Eigenschaften der weiblichen Natur der Selbstlosigkeit. 10. Ein zartes, nutzloses, sterblicbes Wescn. ohne welches jedoch die Welt seh? bald still stehen würde. 11. Dasienige Mitglied der Familie, welches immer schreit, wenn es schlafen soll; das immer schläft, wenn es wach fein soll, und immer schmollt, wenn es zur Schau gestellt werden foll. 12. Die letzte Ausgabe de? Menschheit, beider ein iedes Paar sich einbildet, daß es die beste Copie besitzt. 13. Ein Einaeborener alle: Länder, der doch die Svrache keines einzigen spricht. 14. Eine Erfindung, um die Menschen in der Nacht wach zu halten. 15. Ein aanz kleines Ding, das einen großen kaufen Aufmerksamkeit erfordert. 16. Eine verkleinerte Ausgabe menschlrchen Eigensinns, die man kaum errraaen könnte, wenn sie irgend einem Anderen angehörte, doch als unsere eiaene. ern unerschöpflicher Quell des Entzückens ist. 17. Ein Mann oder eine Frau, die einen Anlauf zum Leben nehmen. 18. Der unbewußte Vermittler zwischen Vater und Mutter und der Brennpunkt ihrer Herzen. 19. Am Tage ein Vergnügen des Nachts was zum Wiegen. 20. Ein kleines Wesen, das b:i Euch zu Besuch kommt, keine Garderobe mitbringt, nichts für seine Pension bezahlt, kern Wort t spricht, sich um nichts kümmert und mehr Aufwartung erfordert, als alle Uebrigen zusammen, und dennoch meist von Allen bewillkommnet wird. 21. Eine niedliche kleine List, genannt Unschuld gepaart mit Einfall und Liebe. 22. Ein winziges Wesen, dessen fröhliches Lächeln einen outen Menschen an die Engel denken läßt. 23. Der Sonnenstrahl des Äaufes, der die traurigen Sorgen verscheucht. 24. Ein Ding, von 'dem ein eder solange glaubt, daß zuviel Lärmens mit ihm gemacht wird.bis es sein eiaenes ist. 25. Das wichtigste Erforderniß für ein glückliches Heim. 26 . Das einzig vollkommene Kindchen in der Welt, und jede Mutter ist seine alückliche Besitzerin. 27. Die süßeste kleine Last, die in den Hafen eines trauten Heims einläuft. 23. Ein schreiender Teufel, den Du noch wütbcnder machst, indem Du ihn niederleast. 29. Ein kleiner Fremder mit einem Freipaß zu dem Herzen aller Menschen. 30. Die beste Verwendun für des Weibes Arbeitskraft. 31. Die Masse, aus der die Lebensblatter geschaffen sind. 32. Das Schloß an der Kette der Lizbe. . 33. Eine Rose mit allen ihren holden, doch noch geschlossenen Blättern. 34. Das süßeste von Gott je geschaffene Wesen, dem er nur die Flügel beizuaeben vergessen. 35. Das. was der Mutter Mühen vermehrt, des Vaters Kasse erleichtert, und als Alarmglocke für die Nachbarschaft dient. 36. Ein Vergnügen für Zwei, ein Aergerniß für jeden Anderen, und eine Nothwendigkeit für die Welt. 37. Ein Bewohnn von Lap"land. (Lap heißt der Schok im Englischen.) 38. Ein König, der. obgleich nur von schwacher Kraft, doch mit eiserner Strenge reaiert. starke Männer verzweifeln macht, und Frauen zwingt, auf jeden seiner Rufe zu hören. 39. Ein Schlüssel, der die Herzen aller Klassen, reich oder arm. und in allen Ländern öffnet. 40. Das, was das Haus glücklicher, die Liebe stärker, die Geduld größer, die Hände geschäftiger, die Nächte länaer. die Tage kürzer, die Börsen leichter, die Kleider schäbiger,-die Berganaenheit vergessen und die Zukunft heller macht! Das ist ein Kind! Nachruhm. Socrates war ein weiser Mann; Au seinen Schülern hub er an, Den Schierlingsbecher an der Livve: Was ich geschafft, verweht die Zeit, Jedoch hilft zur Unsterblichkeit. Denk' ich, mir meine FrauXantippe." Ungefährlich. Herr: Sie wollen uns doch nicht in dem schlechten Boot, mit dem kleinen Jungen über den Fluß schicken? Schiffer: Ach. haben Si: keene Angst, der Vengel kann schwimmen! Allerdings schirm m. Tochter: Ich bin heut schrecklich nervös, Mama. Herr . Wenzel will heut Nachmittag bei Papa vorsprechen und um meine Hand anhalten. Mutter: Ja, glaubst Du denn, daß Papa ihn zurückweisen wird? Tochter: Nein, das nicht, Papa wird schon sein Einwilligung geben. Mutter: Ja. aber, warum du denn so nervös? Tochter: Ich fürchte, Herr Wenzel wird nicht kommen!

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Morganatica. Die neuen Gothaischcn Kalender sind kürzlich erschienen. Trockene, langweilige Nachschlagebücher für die Mciftcn, die sie nur öffnen, um ab und zu das Alter einer hochgestellten Dame' zu kontroliren, das die Taschenbücher mit der der Statistik eigenen Indiskretion verrathen. Aber man kann doch eine ganze Menge interessanter Einzelheiten zwischen den Zeilen der allmälig zu kaum mehr handlichem Format heran geschwollenen Büchlein herauslesen, wenn man eben zwischen den Zeilen zu lescn versteht. Manche kurze sachliche An gäbe, manch dürres Datum enthüllt'ein ganzes Mcnschcnschicksal oder einen Her zcnöroman. Während noch bis zum Ansang dieses Jahrhunderts die Fürsten das ihnen vonottcs Gnaden" zustehende Recht der Standcscrhöhungcn in oft wenig fürstlicher Weise dazu ausnuMn. irgend einer Schönen, die cs ihnen flüchtig angethan, als Liebesgabe einen voll klin gendcn Titel und ein sauber gemaltes Diplom zu Füßen zu legen, fällt heute am 'Ende unseres Jahrhunderts die große Zahl der morganatischcn fürstli chcn Ehcn auf. das heißt, der Ehen zwi schon Angehörigen von Fürstcngcschlechtcrn mit gewöhnlichen, ihnen an Rang nicht ebenhürtigcn Menschenkindern. Es ist nicht uninteressant, die lange Reihe dieser Verbindungen, über die uns der neueste Jahrgang des Gotha" Aufschluß giebt, durchzusehen. Erwählt eine Prinzessin aus einem regierenden oder mcdiatisirtcn (den regierenden gleichberechtigten) Hause sich zum Gatten einen ihr nicht ebenbürti gen Sterblichen, so behält sie für ihre Person ihren angeborenen Rang, wie die Prinzessin Elisabeth von Bayern, deren romantische Flucht mit dem FreiHerrn von Seesricd noch in aller Ge dächtniß ist, wie ihre Cousine Elvira, welche die zweite Gemahlin des öftermchischcn ttrafen Wrbna geworden ist, oder wie die Prinzessin Luise von Groß britannicn, vermählt mit dem Marquis of Lorne, und deren Nichte, die Herzogin von Fifc. Nur die Herzogin Pauline von Württemberg, aus der Nebenlinie des Königshauscs, legte 1880 ausdrücklich den Tilcl Herzogin ab, um unter dem Namen von Kirbach die Gemahlin eines Bürgerlichen zu werden. Wenden wir nun zunächst unsere Aufmerksamkeit den gegenwärtig lebenden morganatischcn Gemahlinnen rcgicrendcr Fürsten resp, deren Nachkommen zu. so finden wir in Nsßland zunächst die bekannte Fürstin JekatcrinaMichailowna Tolgoroukow, welche 1880 von ihrem Gatten Alexander II. für sich und ihre 3 Kinder den fürstlichen Namcn Jurjewski erhielt. Ihr einziger Sohn, das älteste der Kinder, der bercits 1872, also acht Jahre vor dem Tode der Kaiserin, geboren wurde, ist gegenwärtig Fähnrich in der russischen Marine. Auch Victor Emanucl II., der erste König von Italien, hat aus seiner zweites morganatischcn Verbidung mit Rosa Vcrccllone Nachkommen hinterlassen, welche sammt ihrer 188! verstorbenen Mutter den romantischen Nunen Grafen von Mirafiorie Fontanafrcdda erhielten. In Lissabon lebt noch die Wittwe des Königs Ferdinand von Portugal, die Wienerin Elise Hcnsler, weiche vom Herzog von Eoburg den Name Gräsin von Edla erhielt. Speziell in Teutschland, habitt wir aus einer morganatischcn Verbindung eines Mitgliedes des preußischen KönigsHauses dieses Jahrhunderts nur die Grafen Hohenau, die Söhne des Prinzen Albrcckt Vater aus denen zweiter vxoe INI! jtoiaiie von Acaucy. Voycn-zollern-Sproffen dieses Jahrhunderts s nd gleichfalls die Grafen Nothenburg, Kinoer des legten Fürsten von Hohenzollcrn Hechingen und eines Frl. Schenk von Geyern. Fürstliche Geschlechter, welche aus uncbcnbürtigen Verbindunx:cn deutscher Prinzen in den legten hundert Jahren stammcn, sind: Battenbcrg (Prinz Alexander von Hesien und die Polin Juliane von Hauke), Urach und Teck (Württemberg). Ardcck (landgräflich hessischer) Hanau (kurfürstlich hessischer Abstammung), Leutenberg (Schwarzburg. 3!udolstadt). In Hessen, dessen Rcgcntenfamilie überHaupt eine Anzahl zum Theil noch cristircnde Geschlechter ihren Ursprung verdanken, sind bekanntlich die beiden einzigen außer dem Großherzog lebenden Prinzen mcrganatisch vermählt. Prinz Heinrich war in erster Ehe mit Frl. Willich gen. v. Pöllni vcrmahlt, einer Schwester des Majors W. v. P., welcher längere Zeit in Berlin bei dem 1. Gardc-Tragoncr-Rcgiment stand, mit seiner schönen Stimme, in dielen Wohlthätigkeits-Eonzerten mitwirkte und gegenwärtig etatsmäßiger Stabsoffizier bei dem 8. Kürassierr rt- p - Regiment in Köln-Teuh ist. Diese Ehe. der ein Sohn, Graf Carl zu Ridda genannt, entstammt, trennte der Tod 1879 nach einjähriger Dauer. Vor zwei Jahren vermählte sich der Prinz zum zweiten Male mit der Tarmstädtcr Hof.Opernsängcrin Emilie Hrzic aus Ungarn. Diese Dame und ihr Sohn führen den Namen v. Dornberg. Der Bruder des in München lebenden Prinzen Heinrich, Prinz Wilhelm von Hcffen, lebt seit 10 Jahren in glücklichster Ehe mit seiner zur Frau Von Lichtcnberg erhobenen Gemahlin Joscfine, gcb. Bender, einer Darmslädterin zu Rosenhöhe bei Darmstadt. Mehrere deutsche, nach Rußland verschlagcne Prinzen hadcn dort Verbinoungen mit Dmen gewöhnlichcnStandes geschlossen, so der L5jührige Herzog Georg Alexander von MecklenburgStrclik. Bruder der Prinzessin Albert von Sachscn-Altcnburg, mit Natalie Vanljarski, welche vom Großherzog von Mecklenburg den Namen einer Gräfin von Carlow erhielt; der 1886 verstor bene Herzog Nicolaus von Oldenburg mit Marie Bulazel, die ebenso wie ihre beiden Töchter den Namen Gräfin von

Osternburg führt, sein iünastcr Bru-

der, der russische General & la suite Verzog 0'on staut in. mit Agrippina Tjaparidze. mecklenburgische Gräfin von Zarnclan. Bei dieser Gelegenheit erwähnen wir noch gleich die morganatljcke Gemahlin des Bruders des Herzogs von urcmburg, Prinz Nicolaus von Nassau, eine Tochter dcs Dichters Puschkin, wclcke mit ihren Kindern den grafticycn camcn von Mcrcnbcrg erbielt. Von den beiden durch bobe Schönheit-ausgezeichneten Töchtern diees Paares, welche auch einen Winter n Bertin bei Hofe verkehrten, ist die jüngere, Sophie, bekanntlich seit 3 Jahren die Gattin dcs russischen GroßfurUcn Attchael Mlchailowltich von Rußland geworden. Der Großfürst. welcher auf Reisen geschickt worden war, um seine Hcrzensflamme, eine Tochter dcs Generals Grnfcn Jgnaticff. zu vergcjjcn, überraschte seine Kltcrn nicht weniger wie den Zaren nicht gerede angenehm durch die Nachricht von einer heimlich in San Remo vollzögencn Vermählung. TZ? Anmuth der junam Gräfin, we! si? lyr Onkel, der Grotzherzog von Luxemburg, dcn Namen Gräfin Torby für sich und ihr Töchtcrchen verliehen hat, wird voraussichtlich die russische Kaiserfamilie und namentlich den jungen. milde denkenden Zaren Nicolai II. zu ihren Gunstcn umzustimmen wisicn. Ist es doch 'nicht das erste Mal, daß russische Zaren ihre Einwilligung zu unebcnbürtigcn Eheschließungen ihrer nächsten Verwandten gegeben haben. Der Herzog Eugen von Leuchtenberg, durch seinen Vater ein Enkel Eugen's von Bcauharnais, durch seine Mutter Enkel dcs Kaisers Nicolai I., der mit seinen Geschwistern als zur kaiserlichen Familie zugehörig dcn Titel Romanowskl führt, vermählte sich zweimal morganatisch. Seine erste Gemahlin, ein Fräulein Opotschinin, wurde zur Gräsin Bcauharnais erhoben und starb 1890 nach nur einjähriger Ehe, indem sie ihrem Gemahl, der damals erst 22 Jahre zählte, eine Tochter hinterließ. welche die Gattm des Fürsten Kotschubey ist. Der Herzog verheiratete sich 1878 zum zweien Male mit Zenaide Skobelew, der schönen Schwester des bekannten Generals und Deutschenfrcsfers. Sie erhielt zunächst auch nur den Titel Gräfin Bcauharnais, 1889 aber die Berechtigung, sich Herzogin von Lcuchtcnbcrg zu nennen. Die immer noch blendend schöne Herzogin lebt in Paris und Air; ganz besondere Verehrung zollt ihr der Großfürst Alcxis und zur Saisonzeit kann man oft in Paris diese drei Herrschaften, zu denen sich auch ost die anmuthige GroßHerzogin von Mecklenburg - Schwerin und deren Gemahl gesellen, ohne den steifen Zwang der Etikette gemüthlich bei Voisin oder Paillard tafeln oder in einem kleinen Ehantant sich an den kecken Ehansoncttcn-Melodien ergötzen sehen. Wie der Name Bcauharnais führt uns in die napoleonische Zeit der Name Vernadotte zurück, den Prinz Oskar von Schweden, der zweite Sohn des Königs, angenommen hat, um der Gatte der zungen Hofdame Frl. Ebbu von Munk werden zu können. Vor zwei Jahren verlieh ihm dann derGroßherzog von Luxemburg, der Bruder seiner ZZ.!utIer, für sich und seine Familie den Namen Graf von Bismarck. Als solcher lebt er gegenwärtig als schwedischer Eommodore in Earlskrona. führte uns zu weit, wollten wir noch alle morganatijchen Heirathen aufführen, welche sich in unserem Zeitalter vollzogen haben. Noch weit zahlreicher sind solche Verbindungen naturgemäß in den ehemals reichsständischen Familien. Hier hat das Haupt des Ge.schlechis nach dem bestehenden Familiengesetze die Entscheidung darüber, ob ein: Ehe als ebenbürtig anzusehen ist, xesp. die daraus entsprossenen Kinder Kur Führungj des Geschlechtsnamens berechtigt sind. Es herrschen darin wesentliche Verschiedenheiten. Während bei den Wittgenstein. Hohenlohe, Stolberg, Erbach etc. so rigorose BeStimmungen existiren, daß Ausnahmen in dieser Beziehung niemals gemacht twerden, ist es dem Bankier Louis Freiberrn von Erlanger in Frankfurt a. Main gelungen, zu Gunsten seiner Tochter, als diese sich mit dem Prinzen Louis zu Solms-Braunfels vermählte, mit dem Chef des Hauses SolmsVraunfels ein exceptionelles Abkommen zu treffen, so daß Frl. von Erlanger richtige Prinzeß und auch ihre Kinder Prinzen und Prinzessinnen geworden lind. Die Zeit schreitet fort und auch die alten,' ehrwürdigen Privilegien und starren Familien-Paragraphen müssen manches Mal dem frischen Zuge des neunzehnten Jahrhunderts weichen. Pariser Bettler. Tie altehrwürdige Pariser Bettlergilde, deren Geschichte im Mittelaltcr Viktor Hugo zu seinem malerischesten Romankapitcl Ter Wunderhof" in Notre-Tame de Paris" begeisterte, hat mit der Neuzeit Schritt zu halten ge wußt, sie besitzt gegenwärtig ihre besonderen Wirthschaften, ihre eigenen Stcllenvermittlungs Bureaus, ihre Gcselligkeitsvcreine, ihre Klubs und vor Allem ihre Fachschulen, in denen die nöthige Vorbildung ertheilt und man ..bettlerfähig" gemacht wird. Und das Letztere ist nicht allein nöthig, um im Bcttlerklub Einlaß zu finden, es 'ist auch Allen dringcndst zu empfehlen, die durch dieses Gewerbe ihr Brod vcrdienen" wollen. Denn nichts ist irriger, als zu glauben, daß cs in der gu ten Stadt Paris genügt, sich einen Stand" auszuwählen und die Mütze nach Almosen auszustrecken, um auch schon standesgemäß leben zu können. Faul und frech ist bald Jemand, aber der berufsmäßige Ausbeuter der MildHerzigkeit und Nächstenliebe muß noch über andere werthvolle Eigenschaften und Kenntnisse verfügen: er muß sich

ein besonders, erbarmungswürdiges Aussehen zu g?ben. durch gewisse ,.Trul-s" das Mttlnd zu erzwingen wissen. Der Pariscr Bcrufsdettler wendet eine vollendete Kunst auf, sich eine besondere Jammcrmicne anzuschminken, aus deren Zügen das ganze grenzenlose wcltstädtische Elend dem Almoscnspender entgcgengrinst, er strömt am ganzen Körper die unsagbare Atmospäre der Armuth aus. Zur Erlangung dieser kostbaren Eigenschaften bedarf cs nun abcr der Erfahrung und

des Studiums,, und hierzu sind die Bettlerschulen da. die. nachdem der Kandidat jenen allernöthigstcn äußeren Schuft erhalten, auf Spczlallttrung" drinoen. Toch wird dcr öalina acwöh.lich vor der endgiltigen BerufsWahl noch auf die Wanderschaft" geschickt. Als Handwcrksbuch bekommt er ein Verzeichnis; dcr ..guten Thüren" Mit, d. h. eine Art Adreßbuch ;cncs Ouarticrs. welches der fahrende SchüIcr zunächst abzuklappern beabnchtigt und worin die Pforten, an denen cs u:n cin Almosen anzuklopfen sich verlobn!, merklich gemacht sind. Wie die Statntik lehrt und die fortichrittsfrcundlichcn Pariscr Bettler bedienen sich auch dieser neueren Wissenschaft , kommt auf vier Thürcn durchschnittlich eine gute". Tiefe Erfahrungsrcgel erweist sich jedoch nur wieder dann als eine goldene, wcnn der Schüler auch d:e beigefügten Eommcntare zu bcherziqcn weiß, die nach folgender Art vcrsaut sind: M. A.. Straße Nr 5!cichcr Hausbentzer. Giebt leicht ein Fünf-Frank-Stück; zahlt rückständige Miethe im Falle drohender Tclogirung. G. W. , xtxat Nr.. Giebt nie baares Geld. Man verlange Kleider. Wittwe C, Boulevard X Nr giebt nur Kindcrwäsche, auch stcrilifirte Milch, wenn man solche direkt in versiegelten Flaschen verlangt" u. s. w. Gelingt cs dem Anklopfenden, während dieser Lehrgänge" eine neue emvselcnswerthe Nummer zu entdecken, die geeignet ist, eine schätzbare Bereicheruna des Bettler-Adrcßbuches zu bildcn. so zahlt ihm der Herausgeber dcsselben noch 50 EentimeS für das Stück aas die Hand. Viele Scbüler des Vettlerhandwerkcs finden dann häufig, daß cs einen goldenen Boden hat, und sehen sich um eine Gesellschafterin um, mit der sich das Geschäft viel ergiebiger betreiben läßt. Man stellt sich hernach bei frommen katholischen Familien als wegen Geldmangels leider kirchlich noch ungctrautcs Ehepaar vor, giebt an, seine Kinder taufen oder firmen lassen m wollen; in protestantischen Häusern spielt man wieder die Rolle von wilocn Ehclcuten", die ihr Verhältniß zu einander zu regeln wünschen. Dies bildet Is ermüd jcu" den ausgiebigsten Truo der Pariser ambulanten Bettler. Denn die große Sünderin an der Seine" beherbergt stets eine Anzahl von frommen Leuten, die für derlei Seelcnrettungen mehr oder min der tief in den Säckel zu greifen bereit sind. AuS der Zeit der Lcibelgcnschaft. In der russischen Zeitschrift Russ. kaja Starina" sind jüngst Aufzeichnungen eines Dorfgcistlichen" zur Veröffentlichung gelangt, welche einen lehrreichen Beitrag zur Sittengeschichte des Zarenreiches, besonders in Bezug auf die Aufhebung der Leibeigenschaft bilden. Der russische Dorfgeistliche enthüllt vor unseren Augen ein grauenerregendes Bild von dem Verhältnis, das, foweit seine eigenen Erfahrungen reichen, mit wenigen rühmlichen Ausnahmen vor der befreienden That' Alexanders II. (19 Februar 1861) zwischen den Landherren und ihren Leibeigenen bestand. Auf der einen Seite unmenschliche Willkür und schwelgerischer Lebensgenuß, auf der anderen das bzammernswerthe Menschenelend, sklavische Unterwürfigkeit und Verkommenheit. Der geistliche Verfasser führt einige wahrhaft abschreckende Beispiele an, die es erklär-lich-ersche'rm lassen, daß er die AufHebung der Leibeigenschaft durch Alexander II. eine heilige That" nennt. Vor derselben lebte in jenem Wolgagouvernement ein Gutsbesitzer, der ehemals in der Garde gedient und mit dem Range eines Obersten seinen Abschied genommen hatte. Die Zahl seiner Leibeigenen belief sich auf siebenhundert Seelen. Er war ein feingebildeterWeltmann.der fast täglich zahlreiche Gäste mit der vornehmsten Liebenswürigkeit bewirthete; als begeisterter Freund der Musik hielt er sich ein eigenes Orchester and veranstaltete zu Ehren seiner Gäste oft theatralische Ausführungen. Und dieser Mann, der wegen seiner weltmännischen Bildung und Gastfreiheit den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens unter seinen Standesgenossen bildete und von diesen zum Adels marschall des Gouvernements erwählt wurde, war gegen seine Leibeigenen der grausamste und herzloseste Tyrann. Er hatte sich aus diesen einen Hauschor gebildet, den er oft vor seinen Gästen singen ließ. Einst war ein berühmter Eomponist geistlicher Lieder aus Petersburg zu Besuch bei N. I. . schreibt der Verfasser dieser Aufzeichnungen. ..Meine Brüder und ich waren auch geladen. Die Sänger erschienen; N. I... und sein Gast versenkten sich vollkommen in den Gesang, saßen da ohn: sich zu riih ren, den Athem anhaltend. Plötzlich sagte der Hauswirth in väterlichem Tone: Ach, F:dinka!" Sein Tenor erröthete, zog sich still zurück und verschwand endlich. Nach fünfzehn Minuten kehrte er, ganz roth im Gesicht, zurück, stellte sich wieder in die Reihe ':nd begann von Neueu' zu singen. Am Äöend fragte mein Bruder einen der Diener ach der Bedeutung dieses sonzerbaren Vorganges. Das will sagen, daß Fedinka sich in den Stall beaeben mußte, wo man ihm fünfurcd-

zwanzig Knu.'nh'.ebe aufdampfte, die auch sein Gesicht geröthet haben

Der Herr 'n,)t es ja nicht, demerkt: mein Vrud:r, es wäre ja möglich, daß man ihn nicht gezüchtigt." ..Nein, das ist bei uns nicht denkbar. Der Kutsch:rund die Ruthen, sind stets in Bereitschaft: auch befindet sich dort cin Judas, der eher noch einige Hiebe mehr aldt. als dan er welche ließe. Wenn aber gar nicht gehauen würde, ließe der Herr Alle zu Tod prügeln". In den v:erz:aer fahren herrschte in jenem Theil Rußlands eine fürchterliche Hungersnoth; die Bauern auf den Gütern des vornehmen Lebemannes, von dem hier die Rede ist. erhielten Brotmehl. das zu drei vierteln au Elcbeln beitand. Als er nun eines Tages eine seiner Leibeigenen fragte: Warum bist Du so gelb. Ännuschka?" und sie ihrem .Herrn erwiderte: Batercken. das Eichelinehl macht aelb" wandte er sich an seinen Begleiter mit dem Befehl: Gib der Annuschka sunfzig!" Das sagte er in so freundlichem Tone, als 'hab? er in herzlicher Theilnähme befohlen.ihr fünfzig Rubel auszuzahlen. Annuschla empfing auf der Stelle ihre wohlgemessene fünfzig. Auf der Hausbühne dieses ländlichen Tvrannen mußten seine hübschesten und talentvollsten Leibeigenen Fürstinnen oder Gräfinnen darstellen. Hatte er darin auch nur das Geringste an ibrem Spiel auszusehen, so begab er sich während der folgenden Pause hint:r die Coulissen und ließ den Betr'efsenden sofort Ruthenstreiche verabfolgen. . . Kein. Stahl, lein, Stein hatte ertragen, was hier der menschlichen Natur zugemuthet wurde'', schreibt der Propst. Wie man sich auch bemüht, es bleibt schwer begreiflich, daß Menscheu, noch dazu junge Mädchen, nachdem sie von KlUschern Ruthenhiebe erhalten hatten, sich mit würdiger Haltung" in Gräfinnen verwandeln,' lachen, springen! und tanzen konnten; und doch thaten sie es und mußten e thun, denn sie wußten aus Erfahrung, daß, wenn sie sich nicht sogleich nach empfangener Züchtigung drehten, lachten und sprangen, die Kutscher wieder da seien. Die bittere Erfahrung hatte sie darüber belehrt, daß man sie auch für das geringste Anzeichen fehlender Ungezwungenheit wieder und schrecklich züchtigen würde". . . Uebrigens betrachteten viele Gutsbesitzer ihre Bauern wie das liebe Vieh; nein, sie behandelten sie schlimmer als Hunde. Ein guter Bekannter von mir nannte seinen Diener Barfuß (ein Hundename) und pfiff ihn stets an. Die Hundezüchter, das ist allgemein ' bekannt, tauschten 'Hunderte von Bauern gegen einen Hund aus. Ganze Dörfer wurden für einen Jagdhund hingegeben. Die Besitzer kleiner Landgüter, denen es an jungen Mädchen fehlte, kauften, bei Sch... solche um 25 Rubel daZ Stück. Damals bezahlten Gutsbesitzer für junge Windhunde 3000 Rubel. Somit wurde ein solches Thier 120mal höher geschaht, als einensch. oder 120 Mädchen standen im Werth einer Hündin. Noch schlimmer als jener Adelsmarschall trieb es ein anderer Gutsbesitzer desselb:ni Gouvernements. Unmenschlicher als er hätte eö in der That Niemand treiben können. Stets war er von zwei mit Knuten bewasfneten Dienern begleitet, die kräftige Arme haben mußten, um die befehle ihres Herrn wortgetreu ausführen zu können. Die Gezüchtigten, ließ dieser Unhold in Menschengestalt stets mit gesalzenem Branntwein, übergießen. Ueber diesenHerrn könnte ich cin ganzes Buch schreiben." fügt der russische Geistliche hinzu, wenn es mich nicht anwiderte, alle seine Gräuelthaten auf zuzählen. Das Milltärvcryültniß. Eine sehr amüsante Geschichte, die man Militärische Disciplin und das Rccht der freien Kritik" betiteln könnte, hat sich, wie aus Madrid geschrieben wird, dieser Tage in Orense zugetragen. In Orense erscheint eine Zeitung mit dem Titel ,El Cinife". Das Blatt hat einen Redacteur, welcher Vidal heißt, nein, Sergeant Vidal, denn Vidal ist Sergeant d:r Reserve, und das Militärverhältniß" ist gegenwärtiz auch in Spanien ausschlaggebend. Trotz der ihm anerzogenenDisciplin bekennt sich Sergeant Vidal aber zu der gesunden Ansicht, daß man Generalcapitän sein und doch miscrable Verse schreiben kann. In Orense lebt auch ein Dichter, der nebenbei oder vielmehr vornehmlich Hauptmann der Reserve ist, und dieser Mann wurde Unglücklicherweise eines Tages vom Flügel des Genius berührt und fühlte sich gedrung:n. alles Ungereimte, was er zusammengercimt, herauszugeben. Sergeant Vi'dal von derRestrve las die traurigen Verse in seiner Eigenschaft als Redacieur desCinis:"und schrieb ohneReserve eine so bissig: Kritik, daß der dichtende Hauptmann in Harnisch gericth und seinen Untergebenen" rufen ließ. ben Sie diese niederträchtige Kritik geschrieben?" fuhr ihn an. Jawohl, mein Herr!" erwiderte der Redacteur des Cinife". Dann verantworten Sie sich." Sergeant Vidal erinnerte sich NUN plötzlich an sein Milttärverhältniß" und gestand, daß die Verse des Herrn Hauptmanns nicht ganz so schlecht seien, wie er anfangs geglaubt. Aber der Hauptmann gab sich trotz der überraschenden Meinungsänderung des Sergeanten nicht zufrieden und sorgte dasür. daß dcr Redacteur des Einise" in Kasernenarrest kam, wo er darüber nachdenken kann, daß die Verse eineZ Vorgesetzten für die Untergebenen stets vortrefflich sind und fein müssen, denn im MUitärdienstreglement stehj nichts vom Rechte der freien Kri-tik.

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