Indiana Tribüne, Volume 18, Number 143, Indianapolis, Marion County, 10 February 1895 — Page 2

Die Speckseite von flnnmow. 5D:r Flecken: Dunmow in. England t durch ditf sonderbare Ceremonie bekannt. Man überreicht nämlich unter gicßer Feierlichkeit demjenigen Ehepaar, welches sich während eines Iah ?es nicht einmal gezankt hat, eine Speckseite. Dieser eigenthümliche Brauch verdankt seinen Ursprung nachstehender Begebenheit. Im Jahre 1193 lebte in der Nähe von Dunmow ein Varon Namens Walter Fitzwaltcr, der schon jahrelang unter dem nicht allzu leichten Joche seiner herrschsüchtigen Hausfrau, seufzte. Eines TageZ entschloß sich der geplagte Ehemann, der Sache ein Ende zu machen, und vertraute den Mönchen der Abtei DunmoÄ sein Lud. Seine Aussagen, welche von den Mönchen zu Protokoll glommen wurden, befinden siel) noch in den Archiven der Abtei. Darin heißt es: Sie will mich zwar im Kriege Waffen und Rüstung tragen, laen, euer im Hause will sie die Hosen tragen." Der Prior, welcher ein loser Schalk war, redete dem armen Pantoffelhelden gewaltig zu, dem Hade: ein Ende zu machen, und schlug dazu folgendes Mittel vor. Der Baron seife seine Frau zu einem Zweikampfe nach allen Regeln, herausfordern und der Kampfpreis solle die Hose sein. Die große Halle des -Schlosses war bald zum Kampfplatze hergerichtet und sämmtliche Diener des Barons, sowie auch die Mönche, den Prior an der Spitze, hatten sich versammelt, um Zeugen des eigenthümlichen Kampfes zu sein. Die rothe Sammethose iti Barons, welche derselbe nur bei hohen Ziesten anzulegen pslegte, war an der Decke des Saales aufgehangen, um dem glücklichen Sieger zuerkannt zu Zverden. Man hatte geglaubt, die grimmige gestrenge Gattm würde den seltffamen Kampf ausschlagen; aber," sßgt der olle Chronist, die Dame toax befreit von dem Wunsche, ihrem Gatten ihre Verachtung zu zeigen und lich auch an dem Prior zu rächen, der ischon zu verschiedenen Malen ihren Stolz beleidigt hatte." Ein altes Bild zeig! uns noch die schöne Amazone zum Kampfe gerüstet. Die erwählten Waffen waren Knüttel von BuchenHolz, hart und schwer a?nug. daß, fcenn von starker und sicherer Hand tzefübrt, ein Schlag hinreichte, um eineu Mann niederzustrecken. Der Zweikampf begann und mit bewunderungswürdiger Geschicklichkeit Handhabte die Dame ihre Masse; haz:ldicht fielen die Hiebe auf den galanhn Ehe Herrn, welcher sich wohl hütete, itint Gegnerin zu verletzen, und der nur deren wohlgezielte ,i:fa zu pariitn suchte. Eine halbe Stunde lang währte fc Kampf, endlich jedoch wurde es kern Baron zu arg; du?ch einen ent scheidenden Schlag entwaffnete er seine Gegnerin, und als sie sich bückte, um die Waffe wieder auszunehmen, tückte auch er sich, ihre Lippen begeg rieten sich und die in diesem Augenblick herrschende feierliche Stille wurde durch men schallenden Kuß unterbrochen. Die milder gestimmte Dame erklärte sich durch die Sanftmuth und Galanttzk ihres Gemahls für besiegt und überreichte ihm selbst die rothsammelne Hose. Zur Erinnerung seines Sges stif ictc nun Fitzwalter für ewige 'Zeiten einen Preis, bestellend in einer Speckieite, welche demjenigen Ehepaare über leicht werden sollte, welches vor dem Altare der Kirche zu Dunmow, die Hand auf der Bibel, beschwören könne, hab während eines Jahres und eines Tages der Hausfrieden nicht ein einziges Mal durch häuslich: Zwistigkeittn gestört worden sei. Jedes Jahr steht di: Speckseite den iaau Berechtigten zur Verfügung, ber leider wird sie selten beansprucht, und seit dem Jahre 1761. wo 'sie einem gewissen John Shakeshanls und seiner Gattin zuerkannt wurde, hat sich bis vor zwei Jahrzehnten kein Bewerber um den Preis gemeldet. Derjenige ober, roelcher damals das Andenken is braven Walter Fitzwalter geehrt bat. war kein Anderer, als Benjamin Disrael, zu jener Zeit Lord Beaconssield, Premierminister der Königin Don England.

VcdankenspMter. Mrkfreude ist schwieriger als Mitleid. Wir Mancher hat auf der Rennbahn des Lebens nur deßwegeu den Sieaespreis .errungen, weil rc das Steckenpferd ines Mächtigen zu rnien verstand! Und wenn &u dir das Bern zerschellst. Die Welt, sie lächklt wenn du fällst. Zuerst macht der Erfolg den Namert und dann der Name den Erfolg. Es gibt Leute, die es einem rat vergeben, daß man sie nicht braucht. $yi eine Frau öen Mann überzeugt, so handelt er t-mgemäß; hat daaeaen ein Mann eice Frau überzeugt, so möchte ich fctn Mann geru einmal kennen lernen. Am steifsten geht es dort zu, tot die zzeisten Verbeugungen gemacht werden. Manche Leute täuschen sich bis an ihr Lebensende mit den Worten: .Ja, wevn ich wollte!" Die Verlegenheit, die wir beim' Anblick eines Menschen, der uns verpflichtet M, empfinden, ist der erste Grad der Undankbarkeit. Häßlich" ist sür ein Weib ' fint schlurunere Censur, als schlecht".

Eine Cc.lZamcntsausnalime. Nach einer wahren Beqcbcnhcit erzäh.t von P. I.

Das plötzliche Verschwinden des Doktor M., eines in weiteten Kretien sehr bekannten jungen Arztes, erregte die Gemüther der ganzen ProvinzialHauptstadt in hohem Grade. Doktor M. war an dem ersten städtischen Krankenhause thätig gewesen und hatte .sich durch einige glückliche Erfolge bereits einen ebenso viel versprechenden Ruf als Arzt erworben wie er wegen seiner persönlichen Liebenswürdigkeit in Verbindung mit einem sehr ansprecöenden Aeutzeren und gewandten Venehmen der Löwe vieler Salons gewesen war. Eines Abends war er, wie seine Wirthin gehört hatte, erst nach Mitternacht nach Hause gekommen nd hatte sich anscheinend sogleich schlafen legen wollen, als gleich darauf seine Glocke gezogen wurde und die Wirthin draußen eine männliche Stimme zu vernehmen geglaubt hatte, welche leise und lebhaft auf ihn einsvrach, worauf er nach einigen Erwi -derungen anscheinend mit dem Fremden fortgegangen war. Von diesem Augenblick an war der junge Mann verschwunden, ohne faifj sich eine Spur von ihm entdecken ließ. Die verfchiedensten Gerüchte! tauchten auf, denn da er in ganz geordneten Geld- und Familienverhältnissen lebte, so war eine freiwillige Flucht aus der Stadt oder gar ein Selbstmord von vornherein ausgeschlossen. Viel eher schien .die auch geäußerte Meinung alaubhatt zu sein, daß er der Rache eines Nebenbuhlers oder beleidigten Gatten zum Opfer gefallen sein mochte, denn ein so tüchtiger und eifriger Arzt auch de: Verschwundene gewesen war, so war doch auch über seinen Leichtsinn im Punkt der Liebe ebenso wie über seine Leidenschaft für das Spiel Einiges in die Oeffentlichkeit gcdrungen. Nach diesen Richtungen stellte die Criminalpolizei mit allem Eifer ihre Forschungen an, ohne jedoch zu irgend einem Resultat zu gelangen. Der Verschwundene war in der Nacht von Niemandem gesehen worden, was sich auch durch die etwas abgelegene Lage seiner Wohnung in einer noch ziemlich unbebauten Straße, an die sich bald Gärten und Heckenwege anschlössen, wohl erklären ließ. Eine wichtige Spur schien allerdings einige Tage später durch eine Postkarte ohne Namensunterschrift gegeben zu werden, in welcher der Criminalpolizei mit anscheinend verstellter Handschrist mitgetheilt worden, daß Doktor M. am Abend seines Verschmindens bis nach Mitternacht irgendwo in der Stadt Hazard gespielt und anscheinend ziemlich beträchtlich gewonnen habe. Wo aber und wann? Davon war nichts gesagt worden, aber allerdings hatte sich auch keine besonders große Summe in der Wohnung des Arztes vorgesuniden. War diese Mittheilung rcahr, dann konnte wohl ein Raubmord vorliegen, an den man vorher, da die rechte Begründung dafür zu fehlen schien, kaum ernstlich gedacht hatte. Bergebens wurde durch öffentliche Aufforde rungen, dann durch das Ausbieten einer Geldprämie der unbekannte Briefschreibe? dringend ersucht, sich zu melden, verschiedene Verdächtige kamen in Untersuchung, mußten aber bald wieder freigelassen werden der geheimnißvolle Fall schien für immmer ohne Aufklärung bleiben zu sollen, und die Karte konnte wohl auch der schlechte Scherz eines rohen Patrons sein, der die Polizei nur anführen wollte. Ich lebte damals als Amtsgerichtsrath in derselben Stadt und hatte den junaen. liebenswürdigen Arzt recht gut gekannt, da wir uns sowohl gesellschaftlich, als auch in demselben Club häufiger trafen. So ging mir öenn begiflicher Weise die Sache sehr nahe, und wieder saß ich gerade eines Abends mit meiner Frau in Erwägungen über die verschiedenen Lösungen des Ge heimnisses vertieft, als er plötzlich leise, fast ängstlich an meiner Entreethür klingelte. Da unser Mädchen gerade hinuntergegangen war, so öffnete ich selbst die Thüre und fand hier ein -örmlich gekleidetes Mädchen von 10 12 Jahren vor, welches mit schüchterzier Stimme sagte: Valer läßt den Herrn GerichtZrath doch bitten, schnell mal in's Haus zu. kommen. Onkel will sterben und möcht' doch schnell vorher sein Testament machen." Wer ist Dein Vater, wo wohnt und wer ist der Onkel?" fragte ich, nicht sehr erfreut über die Aussicht, bei dem -schlechten Wetter noch in den Dienst eben zu sollen. Sie nannte mir den Namen des Vaters, der mir unbekannt war und die Wohnung, die in einem Tiichi wohlbeleumundeten Viertel, jedoch nicht zu weit von mir lag. Und Onkel lebt bei uns", fügte sie hinzu mehr wußte sie aber vom Onkel" Nischeinend nicht. Ich entschloß mich mit zu gehe?, beruhigte meine über meinen spätenWeggang ängstliche Frau und verließ rnöglichst schnell das &rns in Begleitung des KindcZ. Im Vorbeigehen- sprach ich bei meinein Sekretär vor und bestellte ihn, da er nichi zu Hause war. ber jeden Augenblick zurückkommen sollte, gleichfalls nach dcm bezeichnete Sterbchaufe. Durch ein Geirirr von kleinen Straßen kamen wir in eine ziemlich dunkle Seitengasse, und hier hielt meine Führerin, die schweigend vor mir hergetrappelt war, vor einem kleinen baufälligen, einstöckigen Häuschen still. Auf ihr dreimaliges, in bestimmten Pausen, abgegebenes Klopfen, wurde die niedrige Thür von innen aufgeschloßen und vor mir stand, mit einer kleinen Lampe in der Hand.ein Mann,

dcssen Velleidung den Arbeiter zu verrathen schien. Vater, hier ist der Herr Gericht5 rath", sagte das Mädchen und schloß die Thür ab, worauf sie in einem Hei nen hinteren Naume, anscheinend einec Art von Küche verschwand. Der kleine ungedielte Flur war dü, ster, und in dcm matten flatterndem Licht der kleinen Lampe fast unheimlich; Schmutz schien mir überall an be;i Wänden, auf der Erde in jeder Eck? entgegenzustarren, eine kleine morsch: Treppe führte wohl nach einer Wlar. sarde. eine andere dich! neben mir in den Keller hinab; weitere Menscheu schienen in dem dem Hause nicht z't wohnen. Ich warf einen Blick auf den Main vor mir; er war von großem, starkem Körperbau, und die Kraft seiner mus; kulösen Arme und massigen Händ schien mir ungewöhnlich groß zu sein; wie fein Kopf von dichtem röthlicheul Haar buschig bedeckt war, so rahmte auch ein röthlich blonder, kurzgcschnittener Vollbart sein unschönes Gesicht ein, in dem ein paar Augen in unruhig cem, fast wilden Feuer glühten, ode? spielte mir meine erregte Phantasie diei nur vor? Ich will nicht leugnen, daß ich mich in einer gewissen Erregung befand und die ganze Sache mir etwa'5 unheimlich vorkam. Man bedenke, da ich, ein nicht sehr starker noch große? Mann, und schon im Anfang der Se ziger befindlich, in dieser Umgebunz einem Goliath von so wenig vertrauenerweckendem Aeußern gegenüber stand. Wo ist hier der Testirende?" fragte ich möglichst ruhig und in freundlichem Tone. Wollen der Herr Rath nur hie? eintreten", erwiderte der Mann, indc er eine Thür nebenan öffnete. Ich trat in. Eine dicke, warme, die Kehle zuschnürende Krankenstubenluft schlug mir entgegen, doch kannte ich von meiner vierjährigen Praxis derartige un angenehme Zugaben zur Genüge und ging daher unter Ueberwindung eine.? augenblicklichen Ekels weiter. Das Zimmer war etwas wohnlicher.als man es nach dem Aussehen des Flurs hätte erwarten können, die Einrichtung trotz dem nur ärmlich. In einer Ecke stand ein Bett, daneben war ein sonst wohl in der Mitte befindlicher Tisch gerückt worden.' In dem Bett, unter hoher Kissen fast begraben, befand sich, wie ich bemerkte, ein menschlicher Körper, der Kranke, der seinen Kopf nach der Wand gedreht hatte und mein Eintre ten gar nicht zu bemerken schien. Aus dem Tisch lag bereits Papier von dem üblichen Format, eine halbzerbrochcne Flasche mit Tinte und eine Feder wa? gleichfalls vorhanden:' man hatte mich also schon erwartet und wollte die Sache beschleunigen. 3$ war im Begriff, Äch demKran ken zu nähern, !5 mir plötzlich mein Begleiter fast den Weg vertrat. , Es ist mein Schwager, Herr Rath," sagte er leise, als fürchte er, den Kranken zu wecken, aber dabei abgerissen, unsicher und in sichtbar erregtem Tone. J5z hat mir Alles vermacht, schon vor her, ich weiß, wo er sein Geld unterge. bracht hat ...er kann aber nur schlecht sprechen jetzt . . . war eben noch be ganz klarem Bewußtsein, Herr Rath, gerade eben. alsSie klopften... Wenn Sie nur Alles so ausschreiben wollten... dann unterschreibt er es woh! mit meiner Hilfe auch . . . Hat mir Alles vermacht... bei Gott im Himmel. Alles!..." Fast schien eZ, als wäre ihm diese Vetheuerung und die Anrufung Gottes selbst ganz ungewohnt. Bitte, schreiben Sie das nur, Herr Nath," fuhr er immer dringender fort, ich kann Ihnen schon Alles sagen, was Sie wissen müssen ... Er kann ja blos so schlecht sprechen, mein Schwager, aber unterschreiben nachher, das geht schon da helfe ich ihm denn auch das thue ich öfters, das kann ich schon ..." Damit schien er mich fast gewaltsam auf den Stuhl drücken zu wollen. Mit einer gewissenKraftanstrengung machte ich mich los und trat schnell auf den Kranken zu, um mich durch einige Fragen von seiner geistigen Dispositionsfähigkeit zu überzeugen. Nun... Also Sie wollen Ihr Testament machen? Wie heißen Sie denn?" sragte ich den Kranken, der noch immer keine Bewegung nach mir hingemacht hatte. Ich erhielt keine Antwort. Schreiben Sie nur. Herr Rath, dann unterschreibt er schon," hörte ich dicht neben mir mit einschmeichelnder aber heiserer Stimme wieder flüstern. Seien Sie endlich still, Mann, ich weiß, was ich zu thun habe," platzte ich vrdentlich heftig heraus. Die Augen schienen mir drohender als je zu funkeln. Der Kranke rührte sich noch immer nicht. Hören Sie mich nicht, mein Lieber?" fragte ich jetzt des Kranken lauter und legte zugleich meine Hand auf seine. Stirn, aber erschreckt fuhr ich iu demselbm Augenblick zurück. Das Gesicht war eiskalt. Der im Bett liegende Körper gehörte schon seit längerer Zeit keinem Lebenden mchr an. Aber Man" rief ich wirklich entsetzt zu dem Rothhaarigen Leben mir aevandt aus, was bedeute: tos? Das ist ja eine Leich:, was rufen Sie mich da her, um ein Testament zu M2chen?" Weit vor streckte der Angeredete seinen buschigen Kopf, seine funkelnden

Auaen waren mit einem zugleich so lauernden und drohenden Ausdruck auf mich gerichtet, daß es mich unheimlich ' überlief. Di: Stimme sank .zu noch ' 'leiserem Flüstern herab, aber scharf' klanaen' dennoch die einzelnen: Worte. zwischen den Zähnen hervor. Herr Rath, ich gebe fünfhundert ' Mark, wenn Sie schreiben. Er hat mir Alles vermacht, ich schwöre tf,

I5n:n bei Allem, waZ heilig ist, Herr Ziath. und ganz klar wir er dabei im Kopf, was thut's da, wenn er eben gestarben ist. Herr Kaih. tausend Mark, wenn Sie schreiben, die Unterschrift von ihm, die setz: ich dann schon d'runter." Aber Mann, was unterstehen Sie sich . . Ist's zu wenig?" hauchte mir der unheimliche Verbrecher zu, .ireitausend Mark, die Hälfte des ganzen Geldes. ich gebe Sie Ihnen sofort, morgen früh bring: ich sie Ihnen, aber schreiben Sie. dreitausend Mark, ein schönes Gelo, was? die volle Hälfte beim Gott im Himmel..." Die letzten Worte zischte er nur noch, da er wohl das Vergebliche seines Beginnens erkannte, und immer drohender wurde sein Blick, während er zualeick seine rechte Hand schwer auf meine Schulter gelegt hatte, um mich anscheinend wieder gewaltsam auf den Stuhl niederzudrücken. Unter ' der Wucht seines Druckes knickte -ich sast zusammen. Nur mit äußerster Gewalt riß ich mich los und trat hastig zur Seite. Zum Donnerwetter, wollen Sie mich wohl !n Nuhe lassen!" rief ich so bestimmt und heftig aus. als ich nur konnte. Da hielt ich plötzlich an und Entsetzen lähmte für einen Augenblick meine Zunge. Bei dem Schritt oder Sprung zur Seite war mn Blick unwillkürlich auf etwas Blinkendes gefallen, das auf der nahen Kommode stand und das Blut stockte mir in den Adern, ich erkannte deutlich, ganz deutZich die alterthümliche, goldene Taschenuhr meines armen, jungen verschwundenen Freundes, des Arztes. Wie oft Hatte ich nicht dies alte kunstvoll gearbeitete Erbstück bewundert, von dem er sich nie trennte, ich wußte ganz genau, es war seine Uhr, bei Gott, auch das ist keine Täuschung, dort in der Ecke steht sein Spazierstock, mit der weißen von einen Schlange umwundenen Krücke! Wie ein Blitz durchfuhr mich die Gewißheit, ich befand mich einem Mörder gegenüber, der andere lag vielleicht dort neben mir auf dem stillen Lager! Alles dies war das Resultat nur eines Augenblicks: blitzähnlich hatten sich Beobachtung und Schluß bei mir verbunden, aber der schreckensvolle Blick hatte doch ebenso unmittelbar das Auae meines Gegenübers auf den Punkt gelenkt und, ich erkannie es deutlich, auch er wußte, was in mir vorgegangen war. Gott verdamm mich!" brüllte er förmlich auf; er war jetzt ganz zum rasenden Thier geworden. Mit einem Sprung war er wieder bei mir, seine stämmigen Arme hoben sich und seine schweren Hände schienen meinen Hals umspannen zu wollen, instinktmäßig erhob ich mit aller Kraft meinen Stock, ich fühlte es, nein, ich wußte es. er wollte in rasender Wuth denEntdecker seines Geheimnisses ohne jede Rücksicht auf die weiteren Folgen nicht lebendig aus der Stube kommen lassen. 5Zn diesem Augenblick rüttelte es draußen an der Thür, und deutlich hörte ich die Worte meines Sekretärs: Herr Natb. sind Sie da?" Zu Hilfe, zu Lilfe!" rief ich mit. aller Kraft der Verzweiflung noch so laut ich konnte, während schon, trotz meines kräftigen Stockhiebes, die Hände des Rothhaarigen meinen Hals umllammerten. Da warf er mich mit voller Kraft rückwärts, so daß ich auf den stummen Körper dort im Bett niedersiel und stürzte mit einem nicht mehr menschlichen Ton, in dem sich die fürchierlichste Wuth zugleich m!i dem Ausruf getäuschter Gier und dem Schrecken der Ueberraschung vereinigte, nach einer Tapetenthür zu, die ich vorher nicht aesehen hatte, ich hörte noch, wie er in Äem Nebenraum aus dem Fenster sprang, dann vergingen mir die Sinne Als ich nach kurzer Zeit wieder zum Bewußtsein gekommen war, fand ich mich meinem Sekretär gegenüber, der mich mit Hilfe seines mitgekommenen halbwüchsigen Sohnes- durch Vesprengen mit kaltem Wasser und sonstige Hilfeleistungen wieder zu mir gebracht hatte. Nasch wurde die Polizei geholt und der Thatbestand festgestellt. Der Entflohene, alsbald steckbrieflich verfolat. wurde 'nach einiger Zeit ergriffen und legte nach längerer Untersuchungshaft auch endlich ein Geständniß ob, das in die räthselhafte Angelegenheit unseres armen Freundes ein schreckliches Licht bringen sollte. Danach war Dr. M. an jenem für ihn so verhängnißvollen Abend der Einladung eines herumziehendenSpielkonsortiums, welches die größeren Städte des Landes zu bereisen pflegte, um überall die der Leidenschaft des Hazardspiels Verfallenen zu einem kleinen Jeu" in einem Hotel garni zu versammeln, leider gefolgt, wie dies wohl schon öfter vorgekommen war. Außer ihm und den Bankhaltern war an jenem Abend nur noch ein auswärtiger Mitspieler anwesend gewesen, der auch während der Untersuchung unbekannt geblieben ist. Der junge Arzt hatte ungewöhnliches Glück entwickelt und viel gewonnen. Wenigstens hatte Äer Wirth des Hotels garni, der, um leinen Verdacht zu erregen, seine unerlaubten Gäste selbst bedient, bei seinen häufigeren Erneuerungen derSekt flaschen mehrfach gesehen, wie jener .Geldscheine in seine Westentasche t' steckt hatte. Hiervon hatte er seiner Frau, ohne daran zu denken, daß er belauscht werden könnte, erzählt, wahrend sich um diese Zeit an das offene, nach dcm Hofe führende Fenster gerade iener Nothhaarige herangeschlichen hatte, da er gehosft hatte, hier vielleicht Gelegenheit zu einem einfachen Diebstahl zu finden. Angelockt durch diese Mittheilung, kennte in seinem Innern sofort der teuflische Plan. Durch trü-

perische Darstellung ein:r schweren Krankheit hatte er den durch seinen Gewtnn wohl besonders freundlich gestimmten Arzt sofort veranlaßt, noch bevor er sich ausgekleidet hatte, ahnungslos mit dem Mörder zusammen zum Thatort des Verbrechens sich zu begeben; hiev wuroe der Unglückliche überfallen und erdrosselt. Um den Verdacht möglichst zu vermeiden, brachte der Schwager die ganze Beute von über sechstausend Mark nach einer Nachbarsta'ot und deponirte sie dort bei der Bank auf seinen Namen. Nach einiger Zeit wollte der Mörder mit dem Hehler 'zusammen nach Amerika gehen, als der plöhlicbe Tod des lchteren den ersteren um seinen ganzenMordgewinn zu bringen drohte. Der Wirth des kleinen HotclZ, in dem gespielt worden war. hatte die vorher erwähnte Karte an die Kriminalpolizei gerichtet, ohne mehr thun zu wollen, da er sich nicht der Strafe wegen des unerlaubten Glücksspiels und der Gefahr einerKonzessionsentziehunc aussehen wollte.und auch über das eigentlich: Verschwinden des Arztes nichts weiter zu sagen wußte. Das kleine Mävchen war erst kürzlich von einer alten Großmutter, die gestorben war, zu ihrem Vater gekommen: sie wußte von der Mordthat nichts und war bei dem Lärm, der am Abend meiner Anwesenheit entstanden, nur aus Angst durch das Küchenfenster gesprungen und auf das nahe Feld gelaufen, wo sie sich bis zum nächsten Moraen versteckt gehalten hatte. Den Mörder erreichte die Strafe des irdischen Richters nicht mehr; eines Morgens fand man ihn in seiner Zelle todt vor: er hatte sich erdrosselt an demselben Tage, an welchem man gerade die Ueberreste seines unglücklichen Opfers zur Ruhe brachte, die man nach seinen Angaben endlich in einer Ecke des Kellers emgegraben vorgefunden hatte.

Der Zoologe. Humoreske von Wilhelm Herbert. Bankier Frohmert hatte eine kleine Herrengesellschaft zu Tische geladen, die in sehr animirtem Gespräch die Freuden der 'Tafel genoß. Ah, Forellen!" hieß es, als man eben ein neues Gericht auftrug, und die Augen der verschiedenen Feinschmecker wendeten sich von dem hübschen Haustöchtereben ab, der prächtigen Fisckvlatte zu. Am längsten blieben die Blicke des jungen Prokuristen an Fräulein Pauline hängen; denn er schwärmte für sie mit einer Begeisterung, die unter dem Bureaupersonal längst ein offenes Gebeimniß war. Ja," sagte er, indem cr seinen goldenen Zwicker fester klemmte und eine gelehrte Miene annahm, die Forelle ist ein vorzüglicher Fisch. ?nitta fario heißt die lateinische BeZeichnung der Zoologen dafür. Man unterscheidet Wald-, Bach-, Teich-, Fluß-, Stein-, Mai-, See- und Meerforellen " Er setzte einen Augenblick aus und legte sich eine respektable Portion auf seinen Teller, worauf er mit einem triumphirenden Blicke im Kreise umhersah und die Wirkung beobachtete, welche seine gelehrte Auseinandersetzung erzeugt hatte. Vaulinchens Augen ruhten bewundernd auf dem belesenen Manne der Bankier aber hatte vollends im Essen innegehalten und rief nun mit lautem Lache?: Na, da sieh' einer bloß an, mein lieber Benk, Sie ',ind ja der reine Polyhistor. Dachte ich mir immer, die Prokura nehme Ihre ganze Seele ein und fülle Ihren ganzen Kopf aus, und ient entwickeln Sie auf einmal über einen Fisch, den ich schon hundertmal aeaessen habe, ohne mir, ehrlich gesagt, dabei etwas anderes zu denken als der ist mal gut!" ein' Specialwissen, daß ich geradezu staune! Allen Respekt! Wie kommen Sie nur dazu?" . Ach Gott!" meinte Benk mit niedergeschlagenen Augen und spielte mit seinem Zwicker, indem er geschmeiielt läckelte. Man treibt nebenher dies und das ich habe mich ein wenig mit Zoologie beschäftigt so ein Lieblingsstudium von mir!" Aber Sie verstehen auch das Tausendste!" erwiderte ein Hrr, der ihm aeaenübersaß. Wenn ich nicht irre, haben Sie uns vor acht Tagen auf dem Kellerfest einen sehr eingehenden Bortraq über das Haarkräuseln der Pavuaner gehalten?" Ist's die Möglichkeit?- rief Frau Frohmert erstaunt. Ja, ja," sagte der Bankier, angenehm von dem allgemeinen Lobe seines Prokuristen berührt, wir wissen gar nicht, was wir für eine Perle an unserm bescheidenen, liebenswürdigen, immer fleißigen und rastlos strebsamen " Aber, Herr Frohmert," wehrte Benk mit einer Verbeugung. Bitte, ausreden lassen!" unterbrach ihn sein Chef. Was wir für eine Perle an ihm haben! Ich schlage vor, wir lassen mal für einen Augenblick die Forellen in allen ihren Abarten rechts und die Papuaner mit ihrem schönsten Haarschmuck links liegen, in -der Mitte aber unsern Hausgelehrten Benk hochleben. Prosit, Sie achter Weiser. Sie!" nd fröhlich klangen die Sektgläser aneinander und ein besonders warmes Lächeln kräuselte die Lippen Paulincbens, während ihr Auge sich in das ihres Gegenüber senkte. Aber nun hören Sie mich n!" fuhr dann der Bankier fort. Egoismus muß einmal sein! Wenn wir den Kaffee getrunken haben.werden Sie sich ein wenig in die grünen Zimmer hinüberbegeben, da werden Sie eine kleine zoologische Sammlung antreffen: lauter neue Sachen, die mir mein Brud:r. der Naturforscher, aus Kamerun lekte Woche zum Geburtstaq geschickt Hai. So was soll man natmlich mit

der einem älteren Bruder gebührenden Pietät aufstellen und in Ehren halten; aber weiß der Kuckuck.ich verstehe nichts davon und kenne all das Vogel- und Schmetterlingszeug nicht auseinander; es sind auch einige, wie er mir schreibt, sehr werthvolle Fischskeletie dabei! Da kommt mir ja Ihre Wissenschaft wie gerufen! Schauen Sie sich die Sachen mal an und sagen Sie mir, ob Sie sie mir nicht ein wenig ordnen mögen eine kleine Privatgesälligkei. was?" Dem Prokuristen schoß die dunkle Nöthe in's Gesicht. D, gewiß mit Vergnügen!" stammelte er. Aber wer ihn schärfer angesehen hätte, konnte statt des Vergnügens ein gar tiefes Mißbehagen aus seinen Zügen lesen. Unter munterem Geländer verstrich die Mahlzeit, der Kaffee kam. Benk, mein zoologisches Museum nicht vercessen!" hatte der Bankier schon zum zweitenmal gemahnt und mit einem leisen Seufzer mußte sich der Prokurist entschließen, die angenehme Gesellschaft und die guten Cigarren aufzugeben und sich in die grünen Zimmer zu verfügen. Eine Reihe von größeren und kleineren Kisten, nur zur Hälfte ausgepackt, standen dort herum und wiesen eine große Anzahl von ausgestopften Thieren. Knochengebilden und anderen zoologischen Merkwürdigkeiten auf. Aber der junge Mann schien plötzlich sein wissenschaftliches, Interesse vollständig verloren zu haben: er schlang die

5)ände ineinander und staunte alle die Wunder mit einem unseligen Blicke a?, als ob er sein Todesurtheil vor sich sähe. Nun bin ich fertig," stammelte er. mein ganzes Ansehen ist zum Teufel! Als ein ganz gewöhnlicher Renommist und Lügner stehe ich da dieser unglückliche Hang, von allem et was verstehen zu wollen!" Mehrere Minuten hatte er so gestanden. als sich leise hinter ihm die Por iiere hob und Paulinens Schelmenkopf erschien. Darf ich Ihnen helfen. Herr Benk?" fragte sie. Aber was ist Jhnen denn?" rief sie im nächsten Aug?nblick, als er sich entsetzt umsah und sie seine verstörten Züge erblickte. Gnädiges Fräulein!" entgegnete er mit einem tiefen Seufzer. Ich bin tief unglücklich!" Was ist Ihnen denn?" fragte sie erschrocken noch einmal. Recht ist mir geschehen!" antwortete er. Hineingelegt habe ich mich endlich mit meiner ganzen nichtswürdigen Prahlerei! Hier soll ich Ihrem Herrn Papa diese Sachen ordnen und verstehe absolut nichts davon, ich kann kaum einen Frosch von einem Hering unterscheiden " Aber Sie haben doch vorhin erst ein so eminentes Wissen an den Tag gelegt?" sagte das junge Mädchen erstaunt. Und ich erinnere mich auch, vor vier Wochen einmal haben Sie mir Nachmittags eine ganze Vorlesung über die Schwalbennesteuin China gehalten " Ach ja! Das ist's ja eben!" murmelte Benk beschämt. Wenn die Nemesis nicht so jäh über mich hereingebrochen wäre,würde ich Ihnen vielleicht morgen allerlei Neues über die Bereitun des Kaviars und übermorgen das Genaueste über den alten Dichter Homer erzählt haben je nachdem ich gerade etwas im Conversationslexicon erwischt hätte!" Im Conversationslexicon?" sragte Paulinchen verblüfft. Ja, natürlich, gnädiges Fräulein!" rief der junge Mann. Ich will's nur gestehen! Auch ich bin einer jener Unglücklichen, die tagtäglich morgens um eine halbe Stunde früher aufstehen und in ihrem stillen Kämmerlein iraend ein Kapitel im ConversationsZericon lesen, mit dem sie dann tagsüber zu glänzen trachten zu glänzen, gelte es, welchen Preis es auch wolle! Mögen Sie tausendmal von der letzten Premiere, vom bevorstehenden Künstlerball oder von dem neuesten lyrischen Tenor sprechen, ich werde nicht eher ruhen und rasten, bis ich die Unterhaltung aus die Vorzüge des Indigos gebracht habe.weil ich eben meine allgemeine Bildung heute gerade darauf im Conversationslexicon ausgedehnt habe! Und so ist es heute die Forelle gewesen " Die Forelle?" Ja, die Forelle! Ich weiß von ldiefem unschuldigen Thierchen nichts weiter, als daß es gut schmeckt und viel kostet alles übrige habe ich erst heute morgen gelesen. Aber mit dem abscheulichen Renommiren bin ich nun ZUM Zoologen gestempelt worden, soll diese Sammlung ordnen, blamire mich für ewig, verscherze mir die Gunst Jhres Herrn Vaters, muß aus dem Hause, werde unglücklich für immer, denn " Plötzlich stockte er. Aber wis eine süße Ahnung war es ihr durch das Herz gezogen. Denn?" Denn alles gesaah doch nur Ihretwegen!" fuhr er kühn und entschlossen fort. Nur weil ich in Ihren Augen 'etwas gelten, Ihnen 'besser als die j Anderen erscheinen wollte, habe ich mich ! mit solchem Eintagswissen geschmückt, habe ich mich mit fremden Federn gevutzt, und nun, da sie mir fKMich vom Leibe fallen, stehe ich vor Ihnen, als ein ganz erbärmlicher Wicht, der gar nichts für sich selber hat, an dem gar nichts echt ist als seine wahre, tiefe, inige Liebe zu Ihnen!" j Es-war still geworden im Natura- ' :ienkabinett...Erst als Frohmert eintrat, wurde das Pärchen aus der Fensternische aufgescheucht; es gab ein Reden, ein Erklären hm und wider, schließlich Härte man den Bankier un- ' auslöschlich und aus tiefstem Herzensarunde lachen, dann führte er seinen Prokuristen unter dem Arme heraus. Na, kommen Sie nur mit," sagte er , tröstend, das wollen wir schon ma- ' eben ich weik. meine Frau kann Sie . aut leiden!"

Und Paulinchen schritt leise m:d Kückseliger Miene hinterher, während die beiden Arm in Arm bei Frau Froh--mert eintraten. Denke Dir nur," rief er hier, von den Forellen versteht er garnichiö, rein garnichts aber von den Backfischen umsomehr! Den unfern da möchte er für sein Aquarmm Kaben. was mdnst Du dazu?" Natürlich war der Schluß wieder einekreuzlustig: Verlobung und eine Glückseligkeit, wie sie in keinem Conversa--tionslexicon steht.

An öcr Königsciöze. Eine traurige Jag!crinncrunz. Ein froher Tag war c2 gewesen, der-. Hochzeitstag des vraven Försters vom D'schcn Revier in Oberschlesiv'ns Hei--deland. Die brav:n Rothhirsche, die. sanften Rehe hatten noch niemals scerstaunt verhosst, als da der Zug froher Gäste mit dem glücklichen Brautpaare unter Hörnerruf und Peitschenkuall die Schneise heraufgefahren war zum fichiengeschmüäten Jägerhäuschen. Kam der Abend, so heulten zwar draußen die Novemberstürme und ris sen mehr denn einen kahlen, abzestorbenen Ast zu Boden drinnen aber war das Glück eingekehrt, das Glück mit seinem Sonnenschein im Jägerhause. 'So waren drei Tage v:rslossen,Tagc voll Freude und Wonne für die Neuvermählten. Wie sehnte sich das junge Weib, wenn der Förster sein weite. Revier durchstreifte, nach der Heimkehr des Gatten, wie jubelte sie ihm entgegen, sah sie ihn die vor dem Forsthause gelegene Blöße überschreiten. Dann begannen beim Scheine der Lampe die Stunden trauten Beisammenseins, indessen .draußen der Sturm rast: und wie neiderfüllt in ohnmächtigem Grimme das Jägerhäuschen anfiel, in dem das Glück wohnte. Ach, laß mich doch diesen Abend nicht allein, was suchst Du denn im kalten, sturmdurchheulten Forst, o bleib', schicke den Waldhüter" Kind. nur ein Stündchen, ich muß etwas nachsehen; Du weißt, die Königseicheist dem Sturze nahe und sperrt den Fahrweg, so sie zu Falle kommt leb' wohl, ich bin ja bald wieder zurück! Ein Kuß, ein Umarmen, ein letztes? Furchtbar tobt der Sturm das rechte Wildererwetter. Den Birschpfad schreitet hinab der brave Förster, vom Waldhüter geleitet. Sie nehmen ihren Weg nach der Kö--nigseiche. Aber die kann doch noch Jahre hindurch dem Wetter Trotz bieten und dann wird der Stellweg, der an ihr vorbeiführt, doch so selten befahren! Was thun die beiden alsoan der Königseiche? Und jetzt lädt: der Förster ja die Doppelbüchse, der Waldhüter sieht bei seinem Gewehr nach dem Rechten' ein prüfenderGriff nach dem Hirschfänger hast du dein Weib wahr berichtet, Förster? Dort, wo die Königseiche, ein wet ierbarter Kämpe aus der Zeit der Altvordern, stolz emporragt, beginnt eineFichtenschonung, ein mäßig hoher Be--stand. An ihrem Rande kauert ein Mann mit schußsertiger Büchse; etwa zwanzig Gänge von ihm hat sich ein Zweiter niedergeduckt. Am Himmel, ziehen, riesigen Unholden vergleichbar, gewaltige Motten einher, jetzt hüllen sie i die Mondscheibe in Dunkel em, zetzt. i treibt sie der Sturm wieder weiter, es Wird Büchsenlicht, aber nur schwach und doch hinreichend für den Tod. Im' Forsthause lauscht bange dasZunge Weib. Nahen nicht Schritte?' Aber jetzt? Ach, es ist nur der Sturm Leise haben sich die zwei Forstleutezur Königseiche geschlichen. Der Förster kauert hinter dem Niesenstamme, der Waldhüter etwas abseits hinter einem kleinen Frchtenhorst. Das Auge des Försters entdeckt einen der Wilde--rer. ach. nur einen, armes Weib, der Waldhüter hat von seinem Platzeaus keinen Umblick und darf doch nicht weit-rkriechen! Jetzt erscheint dasSchmalreh auf der Lichtung, dann Ricke und Kitz. dann, der Wilderer packt leise die Büchse an, ein dürrer Bruch knackt und. und da steht der Bock. Ein Schuß, der Bock bricht nach einer gewaltigen Flucht verendend zusammen, wieder ein Schuß und wieder einer, auch der ' alte Waldhüter feuert, ein Fluch und das Geräusch eines Fliehenden in der Schonung. O Gott, ich bin getroffen, Franzl, grüß mein Weib und" der Waldhüter sieht vor zwei Leichen. Im Forsthause ist der Jammer eingezogen. Die Königseiche steht immer noch. An ihrem Stamme ist eine Tafel angebracht; sie zeiqt die Worte: Hier verschied der gräflich D.'sche Revierförster . . . in Ausübung seinesBerufes, von der Kugel eines Wildschützen getroffen den ...ten Nov:mbcr 183.. ' . Aus der Schule. Lehrern Weißt Du, was das Wort g:horchere bedeutet? Schüler: Ja wohl, iä' geyorcye meiner 2cui:er. cnrer, Gut. NUN sage mir aber warum Du Deine? Mutter gehorcht. Schüler: Weil sie mich sonst verhaut! Ein guter Kerl. Hausirer (der bereits zweimal hinausgeworfen wurde, zum dritten Male eintretend): Na. nu' aber Spaß bei Seite!" Gewisfeuaf't. ...Du hast doch, da Herr Bummel nicht zahlte, den Rock gleich wieder mitg: fM tf)! Xs rl 4iViil4l4l Wfciifc IjiAl ItylM. nicht mehr ausgelassen... aber ein: Aermel bab' ich doch noch erwilchtl