Indiana Tribüne, Volume 18, Number 136, Indianapolis, Marion County, 3 February 1895 — Page 7

Zm Sctdjc des Prinzen Carncval.

Das Vergnügen, in einem vhantasti , scheu Costüm allerlei Scherz ?u treiben, bat einen ganz besonderen Reiz, den die junge Welt alljährlich zur Zeit des Faschings genießt. Da nun die Herrschaft des lustigen Prinzen Carneval in kürzester Zeit mit Maskenbällen allGemein inaugurirt werden wird, ja in manchen Gegenden thatsächlich schon begonnen hat, so bringen wir heute einige recht geschmackvolle und anmutbiae Costüm?, die sämmtlich hübsche deen verbildlichen, in Wort und Bild. Brieftaube. Da .verkörpert zuerst Figur No. 1 ine zierliche Brieftaube. Das Costüm Qus weißem Tuch besteht aus einem knappanliegenden, ziemlich kurzen Prinzeßkleid, das am unteren Rande, sowie oben schoßartig und am Ausschnitt mit Schwanpelz verziert ist; benso sind die kurzen Aermel daraus oebildet. Hinten ist ein breites lüelpaar und auf dem Kopf ein Täubdien mit ausgebreiteten Flügeln befestiqt. An rothem Sammetbande bangt in ersichtlicher Weise der Brief um den Hals, und an gleichen Bandern an der linken Seite ein Täschchen us weißem Tuch, das in der Form eines Briefes gefertigt und mit einem Taubenflllgelpaar geschmückt ist. Rothe Eeidenstrümpfe und gleichfarbige Atlasschuhe mit Schwanbesatz passen zu iem Costüm. Marienkäfer. Voll .Anmuth und Jugendreiz erscheint Figur No. 2, ein Marienkäsei". Ein aus rothem Atlas mit dunklen Punkten bedeckter Rock ist am Rande tief ausgebogt und läßt ein rotbes Pliss sichtbar werden. Oben ist Ux Rock mit stark gebauschten Paniers ton glattem, rothem Atlas ausgestatiei und von einem Mieder aus schwarzem Sammet umspannt, dem sich oben eine Drapirung aus lichtblauer Seidengaze anschmiegt. Aus gleicher Gaze sind auch die kurzen, sehr bauschigen Puffärmel gebildet. Dem Rücken ist ein doppeltes Flllgelpaar angesetzt, deren unteres aus brauner Gaze, und eren oberes aus rother, schwarz gevunkteier Gaze besteht. Als Kopfschmuck dient ein fliegendes Käferchen. Rotbe Seidenstrümp'fe und arze Lackschuhe geben dem zierlichen Costüm den letzten Chic. Diana. Sehr geschmackvoll ist die Diana' ??!aur No. 3. Das Gewand aus gelbweißem Kaschmir ist mit einer peplonartigen Bluse versehen, die auf den Schultern mit goldenen Ägraffen zusammengehalten wird. (S&i 5?ldene Sorte umgiebt den Rock, der überdies rnit goldenen Hirschiöpfen geschmückt ist. Ein Tigerfell ist in ersichtlicher Weise auf Brust und Rücken dravirt und auf der linken Schulter mit einem aoldenen Hirschkopf gehalten. Seitlich länat an ldener Kette das Hifthorn

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und das Waidmesser, und in der Hand darf der antike Bogen mit veraoldetem Pfeil nicht fehlen. Schuhe aus geldem Leder mit dielen Spangen und ?in Halbmond im Haar vollenden das Costüm.

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1. r-m j MW l . . m .? Aßmannshäuser. Hübsch stellt sich auch der mannshäuser" Figur No. 4 dar. Das alatte, anschließende Kleid aus weinrothem Atlas ist mit einem gleichfarbicen. in ersichtlicher Weise gerafften Gazetteide im Empirestil bedeckt und mit Weinranken und blauen Trauben aeschmückt. Das Haar ziert ein Kranz von Weinlaub mit Trauben: die Füße sind mit rothen Seidenstrümvken und traubenblauen Atlasschuhen zu bekleiden. 2er schweizerische BundeSpräsident. Dr. Joseph Zemp, der neugewählte Bundespräsident für das Jahr 1895, wurde 1834 in Entlebuch, Canton Luzern. geboren. Er absolvirte seine Studien als Jurist in Müncben und Heidelberg, an welch letzterer Universität er sich den Doktorhut holte. In die Schweiz zurückgekehrt, errichtete er in Entlebuch und später in Luzern ein Advokaturbureau, dem er bis zu seineei Eintritt in den Bundcsrath (17. Dr. JoscphZemp. December 1891) vorstand. Sein Beins war ihm lieb, und nur auf Drängen seiner Partei hin unterzog er sich der Wahl, die ihn ständig nach Bern berief. Der Gewählte gehörte schon seit langen Jahren nicht nur zu den bedeutendsten Politikern seines Heimathscantons, sondern auch der ganzen Schweiz. Bereits 1863 war er in den luzernischen Cantonsrathi eingetreten, woselbst er sich rasch zur Fühnrschaft aufschwang. Der Canton wählte ihn 1871 in den Ständerath und sein Wahlkreis 1872 in den Nationalrath, dessen Präsidium ihm auch während einer Periode zufiel. Zemp gehörte der katholisch-conservativen Parteigruppe an und stand unausgesetzt an der Spitze derselben. In der Bilder - Galerie. Olga, schwärmst Du mehr für die antiken oder für die modernen Maler?" Natürlich ;iir die modernen; die antiken können einen doch nicht heiratben." Reflexion. Der Schnee ist naß, meine Füße sind naß. auswendig bin ich überhaupt naß, da ist's nur gerecht, wenn ich mich innerlich auch noch anfeuchte!" Auch ein Grund. Balletianzerin: Wie konnten Sie sich crlauben, Herr Baron, mich Nachts um elf Uhr zu einem Rendezvous zu bestellen?" Baron: Verzeihen Sie. Gnadigste tanzten wie eine E.lfe. und die sind doch nur Nachts zu finden!" Entschuldigt. Sie melden sich als Korrespondentin! Ihr Brief ist aber nicht frei von orthogravbischen -Fehlern!" Das thut mir leid: ich kann jedoch nichts dafür ick bin erblich WM: m?me Mutier und meine Großmutter können ebenfalls nicht orthographisch ""n!" Modern. Wollen S mich der blond Dame da drüben nicht vorstellen?" B.: Gewiß, aber wissen Sie denn nicht, sie war ja vor fünf oder sechs Jahren Ihre Frau!" A.: Gewiß weiß ich das, aber ich mc ,Jt doch nicht ohne Weiteres anreden, ich weiß doch nicht, wie sie jetzt heibt!"

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Zlntcr uns Zraucn.

i lunsl l 5parrn. Wa Tu von fest Minute anSqesHkagen. Bringt keine Ewigkeit zurück. Bei Beginn eines 'neuen Zeitabschnittes, wie eben jetzt in den ersten Wochen des jungen Jahres, sind ' wir leichter denn je geneigt, ernsten Gedanken nachzuhängen. Lebensphilosophie zu treiben, vergleichende Beobachtungen anzustellen zwischen nnst und jetzt, Vorsätze zu fassen und Veränderungen zu planen für die nächste Zukunft. ftn solchen Augenblicken der Einkehr stellen wir Gewissensfragen an uns ' selbst, und wir versuchen, uns Rechen schaft darüber abzulegen, warum wohl Dieses und Jenes so ganz anders gekommen, als wir es zu erwarten berechtigt schienen. Namentlich mochten viele Frauen gerne erfahren, woran der Fehler wohl liegen mag, daß sie so manches Jahr ihres Lebens hindurch stets mit den gleichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, ohne daß 'jemals eine merkliche Besserung dieser peinlichen Verhältnisse eintritt. Denn fast alle weiblichen Wesen, namentlich aber sämmtliche MUtter werden von vielen kleinen und hauptsächlich von drei großen Uebeln gequält, und diese Letzteren sind Zeit-, Geduld- und Geld-Schwindsucht. Durch vielerlei Kuren und Behandlungsweisen waren unzählige Frauen schon jahraus und jahrein bemüht, sich von diesen Erbleiben der Menschheit zu befreien, und trotzdem dürfte all' ihre Liebesmühe vergeblich gewesen sein, wenn sie nicht das einzig rationelle UniVersalheilmittel angewendet haben, das all: drei Uebel sammt ihren kleinen Nebenerscheinungen unfehlbar heilt und dies Mittel heißt: Sparen. Man spare die Zeit, so heißt das erste Recept, indem man lerne, die Augenblicke zu benutzen, denn die Minuten machen die Stunden, die Stunden die Tge. Ost geht aber mit der einzelnen Minute der Werth von Iahren und Tagen verloren, die man durch die Arbeit eines ganzen Lebens nicht wieder einbringen kann. Man lerne ferner, das rechte Ding zur rechten Zeit und auch auf die möglichst beste und kürzeste Weise thun. Es ist kaum zu glauben, was Alles geleistet werden kann, wenn man seine Zeit weise benutzt. Es kommt unendlich viel auf eine vernünftige Eintheilung der Zeit an, und dabei gewährt es einen großen Wortheil, wenn mit dem Gegenstände der Beschäftigung abgewechselt wird, und das können Frauen- bei ihrer vielseitigen Thätigkeit leicht thun, denn bei wechselnder Beschäftigung ruht sich der Mensch von der einen Arbeit bei der anderen aus. Und wer Kraft svart, der spart auch Zeit. Ist man gar zu sehr ermüdet, dann gönne man sich einige MinutenRuhe, denn sobald man schlaff und abgespannt fühlt, kann man seine Arbeit nur unvollkommen verrichten, sie muß also bei einer späteren Gelegenieit abermals in Angriff genommen werden, und dies tödtct ja neuerdings Zeit und Kraft. Spare Geduld, heißt das zweite Universalmittel. Man gehe ja vorsichtlg mit dem kostbaren Inhalte dieser Phiole um und verliere kein Bischen an unnütze Dinge, denn man vermag nie vorauszusehen, wie sehr man es bei ernsten Ereignissen und im Unglück wird gebrauchen müssen. Zu diesem Geduldmittel gehören aber noch zwei wichtige Bestandtheile, und diese heißen: Spare die bösen und die guten Worte. Man vergeude seine Lungenkraft, seinen Athem nicht für Schelten und Zanken, denn meistens ist die damit verbundene Kraftanstrengung eine vergebliche, da man sehr wenig oder eigentlich nichts erreicht. Hingegen sammle und spare man sorgfältig jedes Wörtchen der Liebe und Zärtlichkeit aus dem Munde der Kinder; es wird das Mutterherz selbst dann hoch beglücken, wenn die Kleinen vielleicht auf immer das Erdendasein verlassen miis sen, und diese geduldige Sparsamkeit wird im Stand: sein, einen Lichtschimmer selbst in des Lebens Trübsal zu verbreiten. Spare 3eld, heißt die dritte Heilmixtur, und diese besteht aus verschiedenen Ingredienzien, die man aus lauter theueren Stoffen gewinnt. Die erste davon ist. vergeude das Geld nicht für übermäßige, luxuriöse, aber auch nicht für billige, schlecht: Kleidung. Kaufe stets verläßlich Gutes und Dauerhaftes, aber nur Dinge, die man wirklich braucht, bei denen nicht etwa die herabgesetzten Preise des Special Säle" angelockt haben. Man vergeude das Geld nicht für überflüssigen Tand und Trödel, ist der zweite Bestandtheil des Heilmittels, kause keine Schaustücke für's Haus, sondern nur praktisch: EinrichtungsGegenstände, die Bequemlichkeit und Dauerhaftigkeit garantiren, und sehe erst in letzter Linie darauf, ob sie auch modern und efegant aussehen. Und schließlich verschleudere man keinen Cent - durch lüderlich: Wirthschaft in der Küche, heißt die letzte Zu that zu dem Spar-Recept. man aebe den Kindern gesundes und genügendes Essen,, aber gewöhne sie nicht an reich: Leckereien und überflüssiges Rafchwerk und Candy, und ferner verwende man genießbare Reste, indem sie in irgend einer anderen appetitlichen Form auf den Tisch gebracht werden. j Jene Frauen nun, welche das heilsame Mittel -richtig anwenden, welche darauf achten, daß all' seine Bestand-, theil: gewissenhaft vertreten sind, die Zeit. Kraft. Geduld. Athem, Liebe, Geld in Kleidung. Wohnung undKüche redlich zusammenhalten, die arbeiten der entnervenden Schwindsucht all' dieser Dinge erfolgreich entgegen und werden dann beneidete Meisterinnen i de: dlen Kunst de- Sparens. .7

Im Moskauer vtntralGefängnib.

Von Tr. Hermann NoSkoschny. Weitab von dem geschäftlichen Trci den der Großstadt, an den äußersten Marken derselben erhebt sich in Moskau das Riesengefängniß, in dem Jahraus Jahr ein aus dem ganzen Reich die Gefangenenzüge zusammenströmen, um dann von hier aus in großen Abthci lungen die Wanderung nach Sibirien anzutreten. Dieses Gefängniß, das durch seine vier mächtigen Thürme das Aussehen einer Festung erlangt, beher bergt im Laufe des Jahres nicht wcni ger' als 45,000 Gefangene. Die vorhandenen Zellen sind zur Aufnahme von 20, 40 oder 80 Menschen bestimmt, während mehrerer Monate aber ist der Zufluß so groß, daß alle Zellen überfüllt sind und eine Scheidung der Ge fangcncn nach den ihnen zuerkannten Strafen Zwangsarbeit oder Verschickung zur Ansiedlung nicht mehr durchführbar ist. Besondere Zellen sind nur für die Angehörigen gebildeter Stände und für Juden vorhanden. Schwere Eiscngittcr theilen die Kor ridore, in welche die Zellenthüren münden. in kleine Abtheilungen, große Schlösser hängen an den Thüren der Zellen, und die Tag und Nacht vor ihncn auf und ab gciende Wache kann durch ein kleines Guckloch jederzeit sehen, was in dem Zcllcnraum vorgeht. Auf großen Pritschen liegend, verbringen dort die Gefangenen oft mehrere Mo nate ohne alle Beschäftigung, denn Ge fängnißarbcit ist noch nicht eingeführt, und die einzige Abwechslung in der Einförmigkeit ihres Lebens ist der täg liche Spaziergang im Hofe des Gefäng niucs, wenn nicht ein Besuch kommt und sie zu einer kurzen Unterredung in das Empfangszimmer geführt werden. Tort können sie ihre Angehörigen zwar sehen und mit ihnen sprechen, jeder nähere Verkehr jedoch, selbst ein Händedruck ist unmöglich. Zwei netzartige starke Gitter begrenzen den Raum, in dem sich der Gefangene, und den an dern, in dem sich der Besucher befindet, und in dem Gang zwischen den Gittern schreitet eine Wache hin und her. Herz erschütternde Szenen spielen sich oft in diesem Raum ab. Wenn ihre Frauen kommen, um Abschied zu nehmen", erzählt der uns geleitende Wärter, erfaßt die Gefangenen oft eine sinnlose Wuth. Manche rennen mit dem Kopf gegen das Gitter, so daß sie blutüberströmt zu Boden stürzen." Widersetzlichkeit gegen die Beamten kommt trotzdem höchst selten vor. Die Strafen für solche sind Züchtigung mit Ruthen und Tunkelhaft. Mehr als fünfzigmal im Laufe eines Jahres wird körperliche Züchtigung nicht verhängt, und die Dunkelhaft ist so gefürchtet, daß die bloße Androhung derselben den Widcrspendigsten fügsam macht. Die dazu bestimmten Zellen befinden sich in dem sog. Pugatschcw-Thurm, in dem dcr Ueberlieferung nach dieser bcrüchtigte Rebell einst gefangen saß. Sie sind fensterlos, drei Schritte lang, zwei Schritte breit, und enthalten weder eine Bank noch einen Stuhl. In völliger Finsterniß verbringen dort bei Wasser und Brot die Sträflinge ihre Strafzeit. Länger als eine Woche hält es Keiner darin aus, ohne zu erblinden. Wer drei Tage in' der Dunkelkammer zugebracht hat, vermag nachher mehrere Stunden lang die Äugen nicht zu öffnen und wankt hin und her wie ein Betrunkener. So genügt eine verhältnißmäßig geringe Zahl Beamter, all die Tausende im Zaume zu halten. Auf Widersetz lichkeit stoßen dieselben gewöhnlich nur dann, wenn den Gefangenen dcr halbe Kopf glatt rasirt und sie vor dem Ab marsch in Eisen geschmiedet werden sollen. Namentlich vor dem Anschmie den dcr Fußfesseln haben Biele eine Höllenangst, doch einige Ruthcnstreiche brechen schnell den Widerstand, und in sein Schicksal sich ergebend, erklärt dcr Gefangene: Thut mit mir was Ihr wollt! Cin viel bunteres Bild als die Män nerabtheilung bietet das Frauengcfängniß; dort sieht man neben dem grauen Leincnkittcl, der einförmigen Gefange nenkleidung, häufig den bunten Sara fan dcr Bäuerin oder die westeuropäi sche Kleidung dcr Bürgersfrau, denn den Frauen und Kindern der Bcrur theilten ist es gestattet, diesen an den Berbannungsort zu folgen, und sie theilen mit ihnen nicht nur das Gcfängniß, sondern weiterhin auch alle Stra pazcn der Reise. So kommt es, daß man auf den Pritschen neben abstoßen den Frauengcsichtcrn, denen das Ber brechen seinen Stempel aufgedrückt hat, hier und da ein unschuU Loll lächelndes Kindcrgcsichtchen sieht und in der Fraucnabthcilung Helles Kindergelächter sich in das Gekeife und die rohe Unter Haltung dcr Erwachsenen mischt. Doch auch abgesehen von diesen frei willigen Bewohnern des Gefängnisses trifft man unter den Frauen viel mehr als unter den Männern Gestalten, denen man es sofort ansieht, daß man Unglückliche und nicht Verbrecher vor sich hat. Die Verschickung nach Cibi ricn kann ja in Rußland so leicht als Strafe verhängt werden und gar Man cher wird für immer seiner bürgerlichen Rechte verlustig für ein Vergehen, das bei uns mit einigen Monaten Gefäng nisz gesühnt wäre ganz abgesehen von den zahlreichen Opfern der nament lich unter Alexander III. rücksichtslos gehandhabtcn Verschickung auf administrativcm Wege". Da ist z. B. ein dralle? Vaucrnwcib von noch jugendlichem Aussehen. Sie war Köchin bei einem alten, vcrwittwe ten General, der sich in sie verliebte und ihr alle Rechte einer Hausfrau ein räumte. Viele Jahre lebte sie glücklich und zufrieden in seinem Hause, bis sein Reffe, dcr bci ihm- wohnte, heirathcte. Ter jungen Frau mißfiel das Verhält niß des Erbonkels zu der Köchin, und da sie nicht wagte, offen dagegen aufzu treten, versuchte sie dcr Armen den Ak

enthalt im Hause u verleiden. Mit einer wahren Engelsgeduld ertrug diese alle Scheltwort? und Schmähungen, er trug geduldig auch die Schläge, die ihr reichlich zu Theil wurden, doch als die junge Frau eine Verwandte in's Haus brachte, mit der unvcrhüllten Absicht, daß sie den General in ihre Netze ziehen solle, da riß die Geduld der Gemißhan dclten, und mit einem Beil in der Hand stürzte sie nach dem Zimmer der jungen Frau. Unterwegs wurde sie aufaehal ten und fiel in Ohnmacht. Ein Nervcnnedcr warf sie für mehrere Monate auf 's Krankenlager, und als sie ge ncscn war, hatte sie sich wegen Mord Versuchs vor Gericht zu verantworten. Sie sprach kein Wort zu ihrer Berthe! digung und wurde vcrurtheilt. Nachdem sie die ihr zuerkannte Strafe abge festen, geht sie nun für immer nach Sibirien. Da ist auch ein altes Mütterchen, das in übcraroßcr Liebe die Schuld des eines Tiebstahls verdächtigen Sohnes aus sich genommen hat und nach überstandcncr Gesüngnißstrase für den Rest ikreS Lebens nach Sibirien geschickt wird. Ta eine junge Frau, em Opfer einer unglücklichen Ehe, die, um der Mißhandlung durch ihren rohen Gatten zu entfliehen, am hellen Tage mit einem Messer in dcr Hand auf die Straße stürzte und den ersten Besten, dcr ihr entgegenkam, mit demselben bedrohte sie hatte nicht die Absicht, zu todten, sie wollte nur in's Gefängniß geschickt werden, wo sie vor ihrem Gat ten sicher war, und der Richter, vordem sie sich nicht vertheidigte, hielt es nicht für nöthig, der Sache auf den Grund zu gehen und vcrurtheilte sie zu Ge fängniß und zur Verschickung. Wun derbar, unberechenbar sind die Urtheile der russischen Richter ! Wir verladen die Fraucnabthcilung und bcgebcn uns durch einen winzig kleinen Hof. in dem Gefangene auf und ab wandeln nnd in dem in einer Ecke eine einsame Sonnenblume ihr schweres Haupt neigt, zu dem sog. po litischcn oder Herren - Thurm. Tiefer ist, wie schon sein Name andeutet, das Gefängniß für politischen Verbrecher. Im dritten, obersten Stockwerk sind die Frauen untergebracht. Auch hier stehen Wachen im Korridor, und in der Thür einer jeden Zelle befindet sich ein Guckloch. Tie Zellen sind vier Schritt lang und drei Schritt breit, und da sich in ihnen außer dem eisernen Bett noch ein Tisch, ein Stuhl und ein mit einem Teckel versehener blechcrner Nachtstuhl befinden, bleibt für den Ge fangencn nicht viel Raum zur Bewe gung, selbst wenn er das Bett, das sich zusammenklappen läßt, an der über demselben an der Wand befindlichen Kette aufhängt. In den Zellen im Erdgeschoß ist das Fenster mit einem eisernen Laden so bedeckt, daß der Ge fangene nur ein kleines Stückchen Him mel sehen kann; viel mehr sieht man auch in dem höher gelegen Zellen nicht, da das vergitterte Fenster sich dicht unter der Decke befindet. Abgesehen von dcr Einzelhaft, ist hier die Lage dcr Gefangenen eine UN gleich bessere, als drüben' im allgemeinm Gefängniß. Man gestattet' ihnen Bücher zu lesen, die dcr Gefängnißdirektor durchgesehen hat, und liefert ihnen auch Schreibpapier, doch müssen sie über die Verwendung eines jeden ihnen gelieferten Bogens Rechnung ablegen. Uebcrhaupt verursacht ihre Uebcrwachung den Beamten viel mehr S?rge, als die der anderen Gesänge nen. Wegen der geringsten Kleinigkeit pflegen sie erregt zu werden und er heben dann einen solchen Lärm, in den die Zellennachbarn mit einstimmen, daß die Wächter sich entsct die Ohren zuhalten. In Güte kann man aber von ihnen Alles erlangen", bemerkt unser Begleiter, und er erzählt unaufgefor dert einige darauf bezügliche Fälle aus seiner Praxis". Auch hier sträuben sich die Gefangenen gegen das Glatt rasiren der einen Kopfhälfte, jedoch ihren Widerstand besiegt man nicht mit Ruthcnhieben, sondern durch Vernunftgründe. ..Was soll denn das?" spricht der Beamte zu ihnen. Wenn man Sie hier nicht rasirt, wird man es im nächsten Gefängniß thun. Ist es da nicht besser, wenn Sie es einmal über standen haben?" Und der Gefangene fügt sich und nimmt gehorsam auf dem Stuhl des Barbiers Platz. Ein andermal meldet dcr Gcndar merie-Officier, dcr eine nach Sibirien aufbrechende Abtheilung geleiten soll, dem Gefängnißdircktor, unter den Ge fangenen befinde sich ein Vetcrinärarzt dcr noch seine Uniform mit Achselklappcn und Kokarde trage und sich weigere, den Sträflingskittcl anzulegen, Er kann ja bci Nacht leicht für einen Offi zier gehalten werden und entfliehen", schließt er seinen Bericht. Der Tirek tor begibt sich zu dem Gefangenen. Guten Tag, Toktor!" redet er ihn an. Schenken Sie mir doch zum Andenken Ihre Achselklappen und die Kokarde!" Und der eben noch widerspenstige Gefangene lacht. Nehmen Sie meinet wegen die ganze Uniform und die ganze Mütze!" sagt er und zieht ohne Wider streben den ihm gereichten Sträflings. kittel an. Im Allgemeinen macht das ganze Gefängniß keinen ungünstigen Eindruck. Die Säle sind hell und gut gelüstet, die Gefangenen erhalten reichliche Kost und werden gut behandelt. Mit dem Vcr lassen des Gefängnisses ändert sich allerdings sofort Alles, die Leidenszeit be ginnt, und gar Mancher mag später bei der schweren Arbeit, zu der er für sein ganzes Leben verdonnert ist, seufzend zurückdenken an die schönen Tage des dolcQ far niente im Zentralgesüngniß zu Moskau.

Heimgezahlt. . Ja, in de, guten, alten Zeit waren die Männer viel galanter! Ach, ich wünschte, ich hätte damals schon gelebt!" Aber haben Sie's denn nicht, gnadiae! Mul:in?-

Carnevalö'Abenteuer.

Humoreske von Max Traust!. Die junge Frau Doktor" war schon drei Jahre verheirathet und hat so gut wie nichts mitgemacht. Ihr Gemahl, der Rechtsanwalt, hatte sy viel mit böswilligen Leuten zu thun, die ihre Wechsel nicht bezahlen oder sonstige Unthaten begehen, daß er nur selten einen freien Abend dem Vergnügen widmen konnte. Wenn seine Gattin darauf anspielte, daß ihr der interessanteste Klagefall äußerst langweilig vorkomme, dann lächelte der .ferr Doktor nur mit den Worten: Klagen, überall Klagen," und zog eine Anklageschrift hervor, um sie wahrend der Mahlzeit zu lesen. Kein Wunder, daß die lebenslustige Gattin ein immer heftigeres Verlangen nach heiterer Abwechslung empfand und endlich die günstige G:leg:nheit benutzte, um den Wunsch zur That werben zu lassen, als ihr Mann eine Geschäftsreise nachBerlin antreten mußte. Zur selben Zeit empfing die junge Strohwittwe den Besuch ihrer reundie Ida, einer sehr unternehmenden Dame. Gera'als sie sich bitter über di: Eintönigkeit ihres Daseins beklaate, überkam sie die unüberwindbare Sehnsucht nach eine außergewöhnli cken Unterhaltung. Sie wollte. ' sie mußte etwas unternehmen, eineDummhi, einen tollen Streich, was immer, aber eine Unterhaltung wollte sie haden. Clärchen." meinte Frau Jda, Du hast kein Talent zu so was, Du wirst den Muth verlieren." Stelle mich auf die Probe, Jda." Wie wäre es mit einem Maskenball? weißt Du ich meine einen jener, die nicht gerade von Gräfinnen und Baroninnen besucht werden, wenn auch eine Fürstin Pignatelli dort den Vorsitz führt." Also im Krystallpalast? warum denn nicht?" Gut, ich gehe mit Dir. Aber wir gehen alleine, das heißt ohne männliche Begleitung. Kannst Du bis heute e!n Maskencostüm bereit haben?" Gewiß." Dann, abgemacht. Um neun Uhr hole ich Dich ab." Kurz vor zehn Uhr betraten die beiden Freundinnen den Parterre-Saal des Krystall-Palastes. Frau Clara war entsetzlich aufgeregt, so sehr, daß sie einen Augenblick vermeinte, umstnken zu müssen, und rasch die Larve abnahm, um ein Bischen freier athmen zu können. Bald aber hatte sie sich erholt und schritt wieder maskirt in denSaal. Ehe sie sich's versah, war sie von ihrer Freundin getrennt und von zahlreichen Herren umgeben, denen ihre elegante Erscheinung sofort aufgefallen war. Einer derselben, ein jung-i Mann benahm sich bald derart ungenirt, daß sich Frau Clara seiner Huldigunaen" fast nicht mehr zu erwehren wußte. Da, in ihrer höchsten Bedrängniß sie war schon nahe daran, in Thränen auszub'rechen trat ein älterer, ziemlich distinguirt aussehender Herr auf sie zu und reichte ihr den Arm und sagte höflich: Bit5e, gnädige Frau, begeben Sie sich unter meinen Schutz." Zitternd folgte die Dame der Aufforderung und ließ sich willenlos fortführen. Beruhigen Sie sich doch, meine Gnädige," tröstete sie ihr Retter, von mir haben Sie nichts zu fürchten. Aber mein Gott, Sie sind ja ganz erschöpft, Sie müssen etwas genießen. Sie haben vielleicht gar nicht soupirt?" Frau Klara verneinte. Ah, dann heißt es das Versäumte nachholen." Und rasch hatte der Fremde einen Tisch in den oberen Colonnaden in Besitz genommen und ein feines Abendessen bestellt. Er aß für Zwei und trank Champagner für Vier, die Dame nippte nur an ihrem Glase und sendete verzweifelte Blicke durch den Raum, um ihre Freundin zu entdecken. Sie suchen wohlJ:manden?" fragte sie ihr Cavalier. -Nein, mei meine Freundin," stotterte Clara, sie hat denselben Domino wie ich." Ich schaffe sie Ihnen zur Stelle," versicherte der galante Fremde, vertilgte den Rest der zweiten Flasche Champagner und verschwand. Eine Stunde verstrich, zwei Stunden waren um weder Jda noch der Fremde erschienen. Clara, die wie angewurzelt an ihrem Tisch: gesessen hatte, hielt es nicht länger aus und wollte selbst auf die Suche gehen. Als sie Miene machte, sich zu entfernen, trat ihr der Zahlkellner entgegen mit den Worten: ..Entschuldigen Sie. Die Rechnung!" Entsetzlich. Der Fremde hat nicht bezahlt und Frau Clara trug nicht eine Mark in der Tasche, da ihre Freundin als Zahlmeisterin funkt-oni-ren sollte. Was sollte sie thun? Berleaen streifte sie ernen wertvollen Ring vom Finger und stammelte: Nehmen Sie indeß dieses Pfand, ich werde es auslösen." Der Kellner prüfte mit einem flüchtigen Blick den funkelnden Diamant und die augenscheinlich verzweifelte Dame, verstand sofort die Situation und sagte höflich: .Bitte." Vfrau Clara stürmte fort. durckeilte die Niesenräume des Krqflall-Palastes und entschloß sich endlich, da sie Jda nirgends fand, allein nach Hause zu fahren. Da an dem Mittelausgang stoßen die beiden Freundinnen aufeinander. Gott sei Dank! Jda!" Clara, wo steckst Du denn? Ich suche Dich fortwährend!" Und ich Dich! Ach, Jda. ich bin äußer mir, ein Abenteuer. " .Lustia?" . .

Fürchterlich! Aber vor Allem meinen Ring." Du hast ihr verloren?" Nein verpfändet! Aber komm, Du wirst Alles erfahren." Die Damen eilten in die oberen Colonnaden zurück. Wie Clara ihren Kellner entdeckt, bemerkt sie auch den aalanten Fremden, der eifrig mit ihm spricht. Wie aber der bewußte Herr sie erblickt, enteilt er. Der Herr hat Ihren Ring auslösen wollen." berichtet der Kellner. Um Gottes Willen. Sie haben doch nicht?" Keine Spur. So dumm 'sind wir nickt. Da ist er. Aber die Rechnung ist nicht bezahlt. Wieviel beträgt sie?" Zweiundzwanzig Mark mit den Cigarren." 5)ier." Ich danke." Frau Clara hat ein echtes und rechteZ Abenteuer erlebt. Sie hat sogar mit einem Herrn soupirt und das ist originell - das Souper für ihn bezablt. Heute denkt sie nicht mehr daran. eine unternehmende Frau zu spielen. Das eine Auftreten in diese: Nylle war zu aufregend. Aber wissen möchte sie, wer der alte Herr war. der ihren Gatten so gut kennt. Sie sagt: ein Sonderling, Frau Jda behauptet: ein Gauner und die Letztere dürste Recht behalten.

Die Stelle von Kallschin. Der spanische Archäolog? ?limcnez hat auf einer Forschungsreise nach dem östtt chen Armenien und dem angrenzenden persischen Distrikt von Unschujue, südwestlich vom Urmia-Sce. ein wichtiges assyriologischcs Ergebnis erzielt. Man ist bisher über die Nationalität und ältere Geschichte dcr Bewohner des großen von uns unter dem Namen Armenien zusammengesaßtcn Gcbirgslandcs noch nicht zu völliger Klarheit gelangt. In den Bcrglandschaftcn vom Wan See bis zum Araxcs und in der Ebene dieses Flusses sicoclte ursprünglich ein Volksstamn, den die Assyrer Urartu. die Griechen Alarodier nannten, und dessen Sprache weder indogermanisch noch semitisch, wohl aber vielleicht mit dem Georgischen verwandt ist. Im neunten Jahrhundert. Chr. erlangte einer dieser alarodischcn Stämme eine füh rcnde Rolle und richtete mit der Stadt Wan als Hauptstadt ein großes armenischcs Reich auf. Die Könige von Wan haben uns zahlreiche mit assyrischer Keilschrift geschriebene Inschriften in der einheimischen Sprache hintcrlassen, deren Entzifferung im Wesentlichen Sayce gelungen ist; der dritte in der Reihe der Herrscher, Minuas, hat auf zwei Paßhöhen südwestlich vom UrmiaSee Denkfaulen errichtet, welche von seinen Siegen berichteten. Die eine derselben ist auf dem Gipfel des Grenzberges Kalischin im Jahre 1841 durch Eir Henry Nawlinson entdeckt worden; die Abformung, welche er versuchte, mißlang ihm, wie später dem deutschen Consul in Pcrsien, Vlau. Jetzt hat der genannte spanische Ge lehrte unter außerordentlichen, durch Schnee und Kälte verursachten Schwic rigkcitcn den Gipfel des 3225 Meter hohen Kalischin erstiegen, und es ist ihm geglückt. Abklatsche von dcr Stelle zu nehmen. Der granitene. LMetcr hohe Denkstein datirt aus dem Jahre 782 v. Chr.; auf der Ostseite hat er eine In schrist in manischer Sprache von 41 Zeilen, auf dcr Westseite eine solche in assyrischer Sprache von 42 Zeilen. Während die letztere Lobpreisungen verschiedener Gottheiten enthält, ist das, manische Sprachdenkmal skr die alte Geschichte des Landes Wan unzweifcl haft von besonderer Wichtigkeit. Tie durch Ximenez zu erwartende pollstün dig Entzifferung wird jedenfalls in Kürze erfolgen. Gedankensplitter. Bau' nie auf And'rer Mißgeschick Dein Glück und deine Macht! Glaub' mir, cs ist kcin wahres Glück, Tas Andern Leid gebracht. ' Man. kann von allen Lastern frei sein und doch keine cinzigeTugend best tzcn. Ob cr im Glück ist oder im Leid, Wohl dem dcr nicht vergißt. Daß die letzte Secunde Vergangenheit Und die nächste schon Zukunft ist. Bei manchen Leuten beginnt die Bewunderung dort, wo ihr Bcrständniß aufhört. Stolz nach oben gerichtet den Bück Sucht' er das Glück, Hätt' cr zum Wcg hinab sich gebückt Er hätt' es gepflückt. Vor Gericht. Richter: Sind Sie verheirathet?" Angeklagte: Wem!" Richter: Also lcdig?" Angeklagte: Auch nicht!" Nichicr: Ja, Hin HilNmclswillcn.was denn?" Angeklagte: Verlobt!" Der Praktische. Backfisch: Was halten Sie vom Psändcrspicl mit Küssen?" Herr: Ich meine, das Pfänderspiel ist dabei ganz über flüssig. Höchste Roth. Student: Echwcrebrett. bringt mir der vcr wünschte Schneider meinen neuen Ueberziehcr nicht und ich brauche il,n so nott wcndia zum Versetzen!" -Praktisch. Er:MllenS:e die Meine sein?" Sie (schweigt). Hz: Ich biete Jhn.'n mein Herz, meine Hand, mein ganzes Leben." Gif (schweigt). Er: Aus Händen wlg ich Sie tragen; der Stern meines Le. - bens sollen Sie frin! Wollen Sie nicht auch jetzt sprechen?" Sie: Gehört das Consectionsgeschäst an der Ecke Ihnen oder Ihrem Bruder?" Er: Mir." Sie: Warum haben Sie mir das nicht gleich gesagt?"