Indiana Tribüne, Volume 18, Number 136, Indianapolis, Marion County, 3 February 1895 — Page 6
ZcKZ,'crrl!g!ück. Erzählung von jtarl Pauli. Sophia Petrowna lag auf einem Nuhebci! und weinte, das estät in die Hände vergrabend, bittere, heiße Thränen. Sie liebte, und der, den sie liebte, war ihr grausam entrissen, und der Tod bedrohte ihn, wenn sie sich wiedersahen! Das war dock gewiß Grund genug für ein junges, noch nicht zwanzigjähriges Mädchen, in Ver zweiflung zu gerathen. Der Zerstörer ihres Glückes war ihr eigener PflegeVater, der General Graf Alexander Wasiliewitsch Suwarow-Rijmnikski, und Alles war so gekommen: Sie war eine Vater- und mutterlose Waise und als Kind vor wenigen Iahren in das Haus Suwarows gekommen, der sich willig der Tockter seines alten Waffengefährten annahm und dasMädchen wie sein eigenes Kind liebte und erziehen ließ. Sovbia Petrowna hätte also durchaus keinen Grund zur Verzweiflung gehabt, wenn nicht eines Tages ein Ereigniß eingetreten wäre, welches ihr Lebe gänzlich umzugestalten -drohte und ihr Herz in beiße Zflammün sehte. Alexander Wasiliewitsch hatte es selbst veranlaßt, Niemand trug die Schuld, als er ganz allein! Weshalb batte er sie hierhergebracht, hier, eine Stunde von dem befestigten Lager, auf das alte langweilige Schloß, sie gezwungen, bei allen Uebungen und Musterungen der Truppen an seiner Seite zu reiten, und zuletzt noch den schönen jungen Officier, der ihr schon im Kreise seiner Kameraden aufgefallen war. in ihre Gesellschaft gebracht! Erst hatte er ihr beim Kartenspiel, wenn er aab und sie abheben mußte, mit dem kleinen Finger ganz leise die weiße Sand gestreichelt, dann dieselbe, wenn der General nicht hinsah, heimli und leidenschaftlich gedrückt und endlick ein Briefchen zugesteckt, in welchem er ihr aestand. daß er sie glühend liebe. Sie sahen sich, schwuren sich ewiae Liebe und Treue, bauten Luftschlösser und waren selig. Das hatte vier Wochen aedauert. Man schrieb das Jahr 1790. Suwarow war von Stufe zu Stufe emvorgestiegen. Er hatte Pugatschek besiegt, hatte mit Erfolg gegen die Türken gkkämpst und einen Aufstand in Volsi? noch im Entstehen durch kluges und energisches Handeln unterdrückt. Der Lohn war nicht ausgeblieben, Orden und Titel hatten ihn ausgezeichnet, Katharina hatte ihn zum russischen, 7;osef II. sogar zum deutschen Reichsrasen gemacht, und die Kaiserin hatte Sorge getragen, daß ihr siegreicher General auch seine Würde zu repräsentiren im Stande war. Eine Zeitlang regnete es förmlich Gold und Landguter auf ihn herab. Aber Suwaroni ttm ehrgeing und zugleich ein gewissenhafter General. Er alaubte. nie genug zu thun. Deshalb war er fortwährend bemüht, die russisie Heeresmacht zu stärken. Er hatte deshalb einig: Armeecorps in einem Uebungslar vereinigt, um so seine Scldaten mit den Gebräuchen. HilfsMitteln und Beschwerden des Krieges bekannter zu machen. Um aber selbst nicht ganz der Häuslichkeit zu entbehren. richtete er sich außerhalb der Laperwälle auf einem leerstehenden Schlosse ein und berief Sophia Petrowna.die er zärtlich liebte, dahin, damit sie ihm nach dem anstrengenden und aufregenden Dienst in den Stunden der Erholung Gesellschaft leiste. Mißgestimmt hatte eines Tages der General das Feldlager verlassen; es waren ungünstige Nachrichten aus Pe--tersburg eingelaufen. Der einzi-? Gedanke. d:r ihn erheiterte, war, sich die Freude auszumalen, die er Sophia Petrowna durch sein Kommen zu so früber und ungewohnter Stunde bereiten würde. Leise und voruchiig schreitet er.kaum vom Pferd: gestiegen, die Treppe emvor. voriichtig naht er der Thür, die zu den Zimmern der jungen Dame führt, da hört er flüstern, halb erstickte Laute, dann lustiges Gelächter, er reißt den Teppich bei Seite, der als Thür dient, und erblickt Leon Nikolafewitsch undSophia Petrowna in traulicber Umarmung. Nun war Suwarow der jähzornigste Mensch. Mit einem schweren Fluch reifet tx den Säbel aus der Scheide und stürzt auf Leon zu, um die ihm angetbane Schmach mit dem Blut desSün-
ders abzuwaschen. Aber ebenso schnell bat sich Sophia Petrowna zwischen ihn und den Geliebten geworfen und verbindert so die blutige That. Du wagst es! Ein gewöhnlicher Officier!" ruft Suwarow, ck, von Sophia Petrowna. die ihre Arme um ihn geschlungen, frei machend. Du wagst es. Dich in mein Haus einzu-schleichen?-Ic'i hbe mich nicht eingeschlichen! Ew. Excellenz haben mir selbst Ihr Haus geöffnet!" erwidert trotzig der Officier. Einerlei!' ruft Suwarow, durch den Widerspruch noch mehr gereizt, .hinaus mit Dir auf der Stelle!" Nicht eher, als bis mich Ew. Excellenz höflicher auffordern werden!" entgegnet Leon, empört über die ihm widerfahrene Behandlung. Ich bin Edelmann? und Officier der Kaiserin, so gut wie Sie!" Eine Zurechtweisung in diesem Auaenblick! Suwarow wechselte jäh die Farbe, die Wuth schnürte ihm die Kehle zu. er konnte nicht sprechen, nud nur stammelnd brachte sein Mund die Worte hervor: Nichts bist Du. nichts!" Sophia und ich lieben uns!" fuhr Leon Nikolajewitsch unbeirrt und mit jenem störrischen Eigensinn der Juaend fort, die gerade da zu sprechen be aehrt. wo sie schweigen sollte, und ich tixüz mit morgen die Ehre geben, tti
Ew. Excellenz um die Hand des Frauleins zu bitten." Das schlug dem Faß den Boden aus. Wie von einer Natter 'g:stochen, stürzte der General auf ihn zu. Eine Antwort auf Deine Werbung will ich Dir gleich geben! Hiermit schwöre ich Dir bei Gott, dem Leben der Kaiserin und meiner Ehre, daß ich Dich an demselben Tage erschießen lasse, an dem ich Dich noch ein einziges Mal mit Sophia Petrowna zusammentreffe! Merk Dir's!" Und mit dem Hohnlachen des befrie digten Zornes wandte er den Liebenden den Rücke und verließ säbelklirrend das Gemach. Draußen aber warf er sich auf's Pferd und sprengte, kochenden Inarimm im Herzen, planlos die Straße entlang. Aber je weiter er kam, desto mehr mäßigte er die zuerst rasende Schnelligkeit seines Rittes. Wie immer bei jähzornigen Menscken, trat die Reaction um so schneller ein, je größer die Wuth gewesen, und je mehr er versuchte, die erste Stimmung in sich zu erhalten, desto klarer wurde ihm, daß er eigentlich gar nicht sehr klug gehandelt. So kam es denn, daß er, als sein Pserd im Schritt ging, sich doch eingestehen mußte, eine große Dummheit gemacht zu haben. Diese verdammte Heftigkeit, die ihm schon so viele böse Streiche gespielt, die ihn schon zweimal an den Rand des Verderbens gebracht! Hier hatte sie ihn wieder einmal in eine verzweifelte Situation gestürzt. Was hatte er da aethan! Freuen hätte er sich sollen! Leon Nikolajewitsch war ein Edelmann aus gutem Hause, reich, ein talentvoller Officier. Er hätte für Sophia Petrowna keinen bessern Mann finden können! Und nun? Aber es nützte nichts, darüber nachzudenken, es war nicht mehr zu ändern, er hatte sein Wort gegeben, und kein? Macht der Erde hätte ihn bewegen können, es zu brechen. Den ganzen Tag war er mißmuthig, bis er endlich einen Entschluß faßte, der ihn beruhigte. Sophia Petrowna sollte abreisen. Er schlief ruhig und ritt am Morgen des nächsten Tages hinaus, um Sophia Petrowna zu benachrichtigen. Als er in's Zimmer seiner Pflegetochter trat, traf.er Leon Nikolajewitsch und Sophia Petrowna' abermals beisammen. Sie saßen Hand in Hand, Beide weinten. Suwarow erbleichte. Was denkst Du. daß ich jetzt thun werde. Leon Nlkolajewitsch?" fragte er mit niedergebaltenem Zorn. Was Sie vor Ihrem Gewissen verantworten können, Excellenz!" antwartete der junge Officier. Urtheile selbst: Du weißt, daß ich bei Gott, meiner Ehre und dem Leben der Kaiserin geschworen habe, Dich er schießen zu lassen, wenn ''Du es wagen solltest. Dich nochmals diesem Mädchen zu nähern! Was nun?" Der junge Mann antwortete nicht, sondern sah finster zu Boden. Sopbia Vetrowna warf sich dem General zu Füßen. Gnade. Väterchen!" rief sie. habe Erbarmen. Ich, ich trage die Schuld, ich ganz allein " und sie benetzte seine Hand mit heißen Thränen. Suwarow beachtete sie nicht. Ich kehre in's Lager zurück, um Dein: Verhaftung zu befehlen! Richte Dich darnach!" Er wandte sich und verließ das Zimmer. Nach einem herzzerreißenden Abschied trennten sich die Liebenden. Leon Nikolajewitsch hatte versprochen, zu sliehen, aber er ritt geradewegs in's Laqer zurück. Ohne Sophia Petrowna erschien ihm das Leben werthlos. Am Lagerthor angekommen, begegnete er erner Abtheilung Infanterie. Der Officier, der sie führte, zeigte ihm einen Haftbefehl. Daß Funtruppen iux Gefangennehmung eines Reiterofficiers ausgesendet waren, zeigte zu deutlich die Absicht, ihn entwischen zu lassen. Leon Nikolajewitsch lächelte schadenfroh über das Mißlingen dieser Absicht. Als man Suwarow die Verhaftung des Officiers meldete, wurde er leichenblaß und erwiderte kein Wort. Dann ainq er eine Stunde schweigend in seinem großen Zelte auf und nieder. Zu letzt schickte er nach dem Oberst, bei dessen Regiment der Gefangene stand. Ich lasse Leon Nikolajewitsch wegen Widerstandes und fortgesetzten Unaehorsams heute noch erschießen!" redete er den' Oberst, als dieser einaetreten war. an; lassen Sie alle Vorbereitungen treffen!" Excellenz befehlen ein Kriegsgericht?" fragte der Oberst bestürzt. Kein Kriegsgericht, keine Formalitäten, ich statuire ein Exempel!" erwiderte der General. Wie. eine Execution ohn: Urtheil und Gericht?" Ich bin das Gericht!" Aber Excellenz, das ist unmöglich !" Nichts ist unmöglich, was ich will!" donnerte Suwarow , und stampft: hef iig mit dem Fuße. Ich danke Jhnen. Herr Oberst! Vollziehen Sie meine Befehle!" Empört und erbittert verließ der Oberst das Zelt. Als sich die Kunde von dem. was bevorstand, verbreitete, gerieth das aanze Lager in Aufregung. Ohne
Proceß, ohne V:rhor und Verthe:oigung? Unmöglich! Es war ein Mord, den der General beging. Die Generäle und höheren Officiere bestürmten den Kommandeur mit Bitten und Vorstellungen, die Subalternen schickten Deputationen. Aber Suwarow blieb eisern. Er wies die Bitten und Vorstellungen zurück, es blieb da bei. Um drei Uhr wird Leon NikolaZewitsch standrechtlich erschossen.
Eine unheimliche Stille lag überl dem Lager, man sah nur gerunzelte! Stirnen,. gesenkte-Augen und trotziges
dienen, xuenig wurde gesprochen und mir mit halber Stimme. Um zwölf Uhr war Appell. AlZ derselbe vorüber war, kam Suwarow in , voller Uniform, aber allein zu Pferde. Er nagte an seinem Bart, was er zu thun pflegt wenn er aufgeregt war. Er ließ die Officiere zusammentreten und redete sie folgendermaßen an: Sie Alle, meine Herren, Wissen ohne Zweifel, daß mich der Leichtsinn eines 5übrer Kameraden zu eisernster Strenge zwingt, cch würde den Unglücklichen gern begnadigen, wenn ich es vermöchte, aber ick habe bei Qhü. meiner Ehre und dem Leben der Kaiserin: geschworen, ihn erschießen zu lassen. Ich könnte den ersten, besten Officier zu der Execution commandi ren. aber ich möchte sehen, ob meine Officiere lieber einen jungen Menschen todt, oder ihren General ehrlos sehen möchten!" Er schwieg und schien eine Antwort zu erwarten. Als Alles stjll blieb, fuhr er fort: Will sich einer der Herren Commandeure die Ehre der Execuiion für sein Regiment ausbitten?" Tiefes Schweigen. ' Die Obersten blickten finster zu Boden. Einer trat vor. Es war Wassil Pavlowitsch. der intimste Freund des verurtheilten Officiers. Also Du?" sagte der General. Zu Befehl. Excellenz.' aber, ich bitte um die Erlaubniß, den Gefangenen besuchen und den Körper des Gerichteten aleich nach dem Ersckieften seinen. Eltern überbringen zu dürfen." Genehmigt!" rief der General. Du bist von jetzt ab Hauptmann. Hole Dir Dein Patent, wenn Du zurückgekehrt sein wirst." Damit warf er sein Pferd herum und ritt ohne Gruß davon. Schweiaend gingen die Officiere auseinander. Keiner sprach ein Wort mit Wassil Vavlowitsch, Keiner gratulirte ihm zu dem neuen Range, nur finstere, verächtliche, spöttische Blicke tran ihn. Abeö Wassil Pavlowitsch kümmerte sich wenig darum. Er besuchte Leon Nikolajewitsch im Gefängniß und danach wählte er neun der besten Schützen aus. Kerls!" rief er, sind Eure Gewehre im Stande?" Jawohl. Ew. Wohlgeboren!" So tragt sie in mein Zelt, ich werde sie genau untersuchen und selbst laden. Es ist mein bester Freund, den Ihr erschießen sollt." Die Soldaten trugen die Gewehre in das Zelt des neugebackenen Hauptmannes und entfernten sich. -Wassil Pavlowitsch machte, sich sofort darüber bei: er untersuchte Schlösser und Pfannen. und lud auf's Sorgfältigste. Darauf rief er seinen Burschen und befahl ihm, darauf zu achten, daß Niemand die Gewehre berühre. Dann ritt er euf's nächste Dorf, bestellte einen Wayen. kaust: einen Sarg und ein großes schwarzes Tuch. Am nächsten Morgen um drei Uhr früh waren in einem großen, von einer Seite offen gelassenen Viereck sämmtliche Truppen des Lagers aufmarschirt. Die Aufregung unter den Ofsicieren war ungeheuer, und nur die straffe Disciplin verhinderte laute Ausbrüche und Excesse. Nur die Mannschaften blickten kalt und theilnahmlos drein, was kümmerte es sie, wenn man einen Officier erschoß? Von Seiten der Officiere war indessen nichts versäumt worden, den Verurtheilten zu retten. Der "'sammte Stab hatte sich zweimal zu Suwarow begeben und um Gnade für den Unalücklichen, ja, nur um Aufschub der Hinrichtung gebetn. Der General hatte sie das erste Mal kurz abgewiesen. und das zweite Mal gar nickt voraelassen. . Vom Lagerthor aus tönte gedampster Trommelwirbel. Langsamen Schrittes nahte der traurig: Zug. Die Reihen präsentirten. Mit erhobenem Haupte schritt Leon Nikolajewitsch in der Mitte der von Unterofficieren seines Regiments gebildeten Escorte. Die Soldaten blickten starr vor sich nieder, die Säbelkörbe waren mit Flor umwunden. Der Verurtheilte rief den Kameraden freundliche Abschiedsworte zu. An der offen gebliebenen Seite des Quarr6s wurde Halt gemacht. Leon Nikolajewitsch trat vor, er umarmte den Priester und küßte das Crucifir. Das Executionspeoton marschirte vor. Die Gewehre zitterten in den bänden der im Dienst ergrauten Soldaten. Wassil Pavlowitsch sah sich um, ob er nicht ein flatterndes weißes Tuch erblickte, aber kein Gnadenzeichen war zu sehen. Er hob den Degen. Neun Gewehrläufe senkten rh auf die Brust des Verurtheilten. Sinkend durchblitzte der Degen die Lust. Neun Schüsse knatterten. Lautlos stürzte Leon Nikolajewitsch vornüber. Wassil Pavlowitsch eilte schnell hin, wars das Tuch über den Erschossenen. Es war zu Ende. Gewehr auf! In Reihen gesetzt, links um! Gewehr auf! In Reihen gesetzt, rechts um!" klang auf beiden Seiten das Commando. Die Truppen marschirten ins Laaer zurück. Als die letzten Mannschaften abmarschirt waren, winkte Wassil den bestellten Wagen heran, der in einiger Entfernung hielt. Mit Hilfe des Kutschers hob er den Sarg herab., wickelte Leon Nikolajewitsch in das über ihn gebreitete Tuch und legte ihn in die schwarze Truhe, die sie dann wieder em den Wagen hoben. Der Kutscher schwang sich auf den Wagen und trieb die Pferde an.
Am nächsten Tage rollte ein andereß Gefährt durch das Thor des Lagers. In demselben saß Nikolai Wassilj:witsch, der Vater des Erschossenen, der, ohne eine AhnunJ von bm Vorgefallenen zu haben, nach dem Lager kam, um seinen Sohn zu besuchen. Der alte Starost wollte seinen Ohren nicht trauen, als er, auf die Frage nach seinein Sohne, dessen Sckicksal erfuhr, das ihm ein Officier, der ihn nicht kannte, rückhaltlos und ohne Zögern mittheilte. Wutb. Schmerz und Erbitterung im Herzen begab sich Nikolai Wassiljewitsch zu Suwarow. Er wurde nicht vorgelassen. Der General ist nicht zusprechen!" rief der alte Edelmann, aus dem Zelte tretend und seinem Wagen zuschreitend. nun vorwärts, Iwan, nach Petersburg!" sie Acht Tage später. Unruhig ging Suwarow in einem Zimmer seines Petersburger Palastes auf und ab. Ein in lakonischer Kürze abgefaßtes Schreiben der Kaiserin batie ihn an den Hof citirt. Er ahnte das Gewitter, das sich über ihm zusammenzog. Ein Diener meldete Wassi! Pavlowitsch. Ich komme, um die Gnade zu bitten. Ew. Excellenz zu Ihrer Majestät der Kaiserin begleiten zu dürfen!" Das wird nicht angehen!" antwortete Suwarow. Ich will nur bezeugen, daß Leon Nikolajewitsch seine Bestrafung selbst für gerecht hielt und darauf bestanden hat. zu sterben." Der General dachte nach. Das war immerhin eine Entschuldigung, die besser war, als gar keine. Es ist gut," sagte er, komm mit!" Er hatte kaum ausgesprochen, als der Diener meldete, der Wagen sei voraefahren. Die Stunde der Audienz war da, sie standen vor der Kaiserin. Katharina war ganz in Schwarz gekleidet. Sie trug das Band und den Stern des Andreasordens, was sie nur zu thun pflegte, wenn sie eine wichtige Handlung der Regierung vorzunehmen batte. Neben ihr stand der Starost Nikolai Wassiljewitsch. Suwarow war in großer Uniform und hatte seine sämmtlichen Orden anaeleqt. Die Kaiserin blickte ihn finster an. Ist es wahr, daß Du den Sohn dieses Mannes ohne Urtheil und Gericht aus bloßer Laune hast erschießen lassen?" Die russischen Kaiser duzen alle ihre Unterthanen, vom ersten bis zum letzten. .Es ist wahr!" antwortete der Gefragte, wenn auch nicht aus bloßer Laune!" Warum also?" Weil es mir nöthig schien, ein Exempel zu statuiren, und weil " Und wenn ich nun ein Exempel an Dir statuire." unterbrach ihn die Kaiserin. und Dich nach Sibirien schicke?" Die Stirn der Herrscherin runzelte sich, ihr Auge schoß Flammen. Suwarow fühlte, wie er erbleichte. Er holte tief Athem, er wollte reden, sich vertheidigen, aber er brachte nur ein Wort hervor. Majestät " Katharina fuhr etwas ruhiger fort: Glaubst Du, weil Du Deine Pflicht gethan und den Empörer Pugatschcss besiegt, daß Du straflos meine Unterthanen morden kannst? Du hast mich damals aus bitterer Noth errettet; aber Du hast meine Truppen angeführt, und Dein Verdienst ist nur Deine Pflichttreue nd Dein Feldherrnqlück! Hältst Du Dich jetzt für berechtigt, die. zu zertreten, die unter Dir stehen? Braucht Rußland keine Männer? Wer sagt Dir, daß der, den Du ermorden ließest, nicht mir und meinen Nachfolacrn ein ebenso treuer Diener und ein ebenso kluger und tapferer Soldat geworden wäre, wie Du bist? Wenn Du ein Exempel statuiren wolltest, mußtest Du das blutige Spiel bis auf die Spitze treiben? Konntest Du keinen anderen Ausweg finden?" Mit Eurer glorreichen Majestät erbabener Erlaubniß, das ist auch gescheben." Mit diesen Worten war Wassil Vavlowitsch hinter dem General hervorgeschlüpst und hatte sich der Kaiserin zu Füen geworfen. Starr vor Staunen trat Katharina einen Schritt zurück und maß den kühnen Officier von oben bis unten.
Wassil Pavlowitsch benutzte dieses Erstaunen, um weiter zu sprechen. Seine Excellenz berief mich vor einer Woche etwa zu sich und sagte zu mir: Wassil Pavlowitsch, Du bist ein kluaer Bursch. Ich habe bei dem Leben der Kaiserin, bei Gott und meinerEhre geschworen, den Leon Nikolajewitsch erschießen zu lassen; mein Wort darf ich nicht brechen, verstehst Du? Erschossen muß er werden, begreifst Du? Hast Du mich verstanden? Ja? Dann aehe hin und laß Leon Nikolajewitsch erschießen! Ich wußte, was ich zu thun hatte; erscbossen mußte Leon Nikolajewitsch werden, da half kein Zittern, aber man brauchte ihn ja nicht zu trefsen. Ich ging also hin und zog die Kugeln aus den Gewehren, dann ließ ick Leon Nikolajewitsch erschießen. Leon Nikolajewitsch ist munter und gesund; die Armee Ew. Majestät hat die Prüfunq glänzend bestanden, und deshalb hoffe ich. ertheilt E. Majestät Huldvoll die Erlaubniß zur Heirath der Pflegetochter Sr. Excellenz mit Leon Nikolajewitsch! Ich habe Beide gleich mitgebracht!" - - Bei diesen Worten sprang er auf und eilte der Thür zu. Die Kaiserin war starr vor Staunen. Suwarow fassungslos, Nikolai Wassiljewitsch wie betäubt. Svrachlos starrten die Drei einander an, und eh: sie noch Worte ind.tt konnten.hatte
Wassil PavlowZisch schon d'e crr'ö. thende Sophia Petrowna und Leon Nikolajewitsch herein geführt. Das junge Paar warf sich der Kai ferin zu Füßen. Nikola! Wassiljewitsch." sagte diese endlich, ist das Dein Sohn?" Freudenthränen! stürzten dem alten Starosten aus den Augen, als er den Todtgeglaubten in Jugendkraft lebend vor sich sah. Ja. Majestät, er ist es, er. ist es!" antwortete er mit erstickter Stimme, aber er wagte nicht, in Gegenwart der Kaiserin den Sohn zu umarmen. Du scheinst sehr treue Leute zu haben. Alezander Wassiljewitsch?" sagte die Kaiserin. Ich danke Gott dasllr!" antwortete Suwarow aufathmend, aber immer noch halb wie im Traume. Und viel Glückt fuhr die Kaiserin fort, die viel zu klug war. um nicht sofort den Zusammenhang zu durchschauen. neldherrnglüü!" erwiderte Suwarow. dessen Augen jetzt aufblitzten. Also dieses junge Päar liebt sich?" fragte Katharina; ich gebe meine Einwilligung, in einer Stunde werden sie, ehelich verbunden sein." Zu Befehl. Majestät!" Und dieser kluge Bursche? Du wirst ihn zu Deinem Adjutanten maeben!" Er sollte es eben werden, Majestät!" Ich kann ihn Dir nicht lassen, er tritt als Hauptmann in meine Leibaarde. ftür die Equipirun" sorge ich. Du wirst ibm eine jährliche Zulage von tausend Rubeln geben." Zu Besehl, Majestät!" erwiderte Suwarow. ES ist gut! Geht!" Die Anwesenden verließen.nach Hofsitte rückwärts schreitend, und nachdem sie der Kaiserin die Hand geküßt, das Aimmer. Alexander Wasiljewitsch," sagte Katharina, als sie allein waren, von Neuem beweist der Vorfall, daß Du Deinen Jähzorn noch immer nicht abaelegt. Ein schweres Gewitter zieht sich zusammen, es wetterleuchtet an der volnischen Grenze! Du wirst bald marschiren! Nun denn, ich rechne auf Deine Treue, Dein Talent und nicht zum wenigsten auf Dein Feldherrnalfil"
Der richtig' Docker. cy U," sagt der Doktor, 's isch kee Wunner, Wann De so fort trinkscht, kummscht De 'runner, Wärscht krank un' an 'me sckieene Tag Trifft Dich zu guter Letzscht der Schlag. So lang' mer jung isch, geh'n so Posse. n Deine Johr' muß mer's halt . losse!" Der Krank',uf dieStrofpredigt hockt er Erscht traurig do; dann sagt er: Dokter. Du lieöscht ja selbscht e' gute Troppe, 5?ehlscht bei kee'm Früh'- un' Owendschoppe. Un' wärd's als Owends noch so spät, Du bischt gewiß der Letzscht. wu geht; : Bischt g'rad' so alt glaab sicherlich. Z Du trinkscht noch eher mehr wie ich!" Do lacht der Dotter, nimmt sein' Hut, j un' jagt: Ja. meenicyt oann, mer thut's gut?!" Moderner GeschmaS. Nun sag', wie war das neue Stück?" Es macht ja freilich ein Riesenglück; Doch nach dem Wesen, das man d'raus macht, - Hätt' ich mir's ärger noch gedacht! Macht der Höflichkeit. Merk' dir diese Umgangsregel: Höflichkeit, die wahre, echte. . Hindert selbst den "nftfot Flegel, So zu sein, wie er's gern möchte. E u p h e m i st i s ch. Tourist szum Wirth): 'Herr Wirth, geben Sie mir 'n Tischtuch aber eins mit fleckenloserer Vergangenheit!" Freundliches Zugestand n i ß. Ein Gefangener protestirt dem Negerhäuptling gegenüber lebhaft gegen seine Gefangennahme und bemerkt, er sei englischer Untertban. Der Häuptling erkennt das an und befiehlt, den Gefangenen als Beefsteak englisch zuzubereiten. Anzeige. Der Unterzeichnete bringt zur Anzeige, daß unter Heutiaem der Hund des Lohnkutschers Adolf, welcher Rattenfänger ist, nicht nur einmal, sondern mehrere Tage obne Marke' und Maulkorb herumläuft, ohne sich darum zu kümmern, und höhnisch dazu lacht, wenn derselbe gewarnt wird. Hörnle, Polizeisoldat. Kindliche Auffassung. Der kleine Kuno geht mit seinem Papa in den Anlagen nächst der Lokalbahnlinie spazieren. Eben fährt ein Zug vorüber, bestehend aus der kleinen, laut und anhaltend pfeifenden Lokomotive, und einem Personenwagen. Du, Papa." sagt der Kleine, das ist aber merkwürdig! Da ist der Pfiff länger wie der Zug!" Selbstverständlich. Doktor: Und so hat denn der Stich, beziehungsweise Biß, der giftiasien Thiere viel von seinen Schrecken verloren, seitdem man weiß, daß Alkohol also z. B. Rum oder Cognac sofort und nachdrücklich äußerlich und innerlich angewendet, meist jede Gefahr beseitigt!" Frau Oberförster (einwerfend): Ob man aber auch immer gleich Rum, Cognac oder dergleicben bei der Hand haben wird?!" Oberförster: Aber ich bitt' Dich. Frau. Rum und Cognac hat plan, dsch immer bei der Hand'
'UiMiu wiimw,&-nraäntoiTi
Ein Strcistug durch die Gder ilsalz. Wenn wir bei Amberg au5 dem Vilsthale westlich bergan steigen und der nach Neumarkt führenden Poststraße folgen, welche in südwestlicher Richtung die Jurazone durchschneidet, senkt sich nach mehrstündiger Wänderung auf der ziemlich einförmigenHochfläch: unsere Straße in's Lauterachthal und erreicht den Markt Kastl. Man sieht vom Orte, gleichviel, ob man von Amberg oder von Neumarkt kommt, zunächst nichts als das hochragende Schloß und die Pfarrkirche, die Häuser des Marktfleckens aber erst im Abstieg zur Sohle des Lauterachthales, welche hier die Bildung einer tief ei.geschnittenen, von ziemlich hohen Steilufern eingefaßtem Rinne zeigt. Der Blick auf iVftijJtj Markt Kastl. den Schloßberg und die hochragende Burg mit ihrem malerischen Gemäuer gehört unstreitig zu den eigenartigsten Bildern im mittleren Theil der OberPfalz. Tief unten ziehen sich am Ufer der Lauterach die bescheidenen Häuser des Ortes entlang, der sich rückwärts an die grünen Userhänge lehnt. Die Lauterach ist ein munteres, klares Wasser, welches wegen seines Gehaltes nicht an mineralischen, sondern an animalischen Bestandtheilen in gutem Rufe steht. Der Fluß gehört nämlich zu den Forellenbächen und trägt vermöge dieser vortresslichenEigenschaft nicht wenig zum Ruhme des Marktes Kastl bei. Hochinteressant ist der Besuch deZ Schloßberges und der altenPfarrkirche, in welcher der Feldhauptmann Seyfried Schweppermann und auch ein Töchterchen Ludwig des Bayern begraben liegen. Einen erhebenden Eindruck muß dcr geweihte Raum geboten haben, als Eingang in das Kloste.r K a st l. hier Ludwig der Bayer im Winter des Jahres 1323, umgeben von seinen Getreuen an der Seite des bravenSchweppermann den bei Mühldorf errungenen Sieg feierte. Die Grabschrift, welche das Andenken Schweppermanns feiert. lautet: .Hier leit begraben Herr Seyfried Schweppermann, Alles thuns vnd Wandels wohl gethan. Ein Ritter Keck vnd Best, Der zu Sünderstorff in Stritt That das best. Der ist nun tod. Dem Gott genod. Oblyit 1337. Jedem ein Ey, Dem frommen Schweppermann zwey." Schweppermanns Geburtshaus i n H i l l o h e. Hart am westlichen Rande des Jura, da. wo die Hochfläche mit plötzlichem Fall zur Sulz, einem Nebenfluß der Altmühl. absinkt, liegt das Städtchen Neumarkt, welches zur Unterscheidung von einigen anderen gleichnamigen Orten den Beisatz in der Oberpfalz" führt. Schon im Abstieg erfreut der Anblick des hübschen Landschaftsbildes, welches mit feiner Frische und Fruchtbarkeit in bemerkenswerthem Gegensatz zum ernsten Charakter des Oberpfälzer Waldes steht. Rings um die Stadt breiten sich hübsche Fluren aus. untermischt mit Obstbäumen und Buschwerk, Hopfengärten und WaldparzeÄen und -nm Ruine der Burg Pfaffen- " holen.
JS1 Up v7 i'VXy.KivXÄ-tf.T UWöNOSNWW, W? v j&$$ MMWMM,
JE $9 M v.
Xikfc ssV AWkuSÄ V"
'
eingesäumt vois grünem Hügellande. Neumartt ist ein artiges, sauberes Städtchen mit großem Hauptplatz, an dem zugleich die besteu Wirthshäuser des ÖrteZ zur Einkehr einladen. Behäbige Hauser und interessante bauliche Neste aus alter Zeit, ein Gürtel von netten Anlagen, dann hübsche Aus flüge und Geselligkeit verleihen der betriebsamen Stadt viel Anziehendes. Der Ort hat eine reiche Geschichte hillter sich. Die Skadt war halb und halbReichsstadt und wurde von den deutscheu Kaisern vielfach mit Freiheiten, Privilegien und Schirmbriefcu beLacht. Präsident Faurc. Uebercrus schnell vollziehen sich die Verwandlungen auf dem politischen Theater Frankreichs. Die Republik ist noch nicht 25 Jahre alt und schon sitzt der sechste Präsident, Felix Faure, au dem Steuerruder des Staatsschifse?. Herr Faure, der jetzt im 64. Lebens-
Wi, nfPK I SU HW
Felix Faure. jähre steht, hat nicht nur als Mitglied der Deputirtenkammer, sondern auch in hohen Staatsämtern, zuletzt als Marine -. Minister dem politischen Leben angehört. Ein Eisvelociped. Diese Maschine, die Erfindung von Samuel Joung in Ontonagon, Mich., ist demselben vor Kurzem patentirt worden. Das Pferd ist eine Maskirung des üblichen Sitzes des Fahrenden. die Vorderbeine bilden Hängelaqer für die Pedalstange, die hinteren sind abzulösen und jedes mit einem Schlittschuh verbunden. Die Steuer stange ist mit Handhabe versehen, geht durch den Vorderiheil des kerdekörvers und hat am unteren Ende ebenfalls einen Schlittschuh. Beim Treten wird eine Kette in Bewegung gesetzt.die das Rad umdreht, worauf die Maschiene in raschem Fluge auf dem Eise dahingleitet. Die schlaue Else. Mutter: Wenn Du artig bist. Else, bekommst Du zu Deinem Geburtstage wieder eine große Torte wie vorige ?lahr. die für drei Personen ausrnckt! Elfe: Mutter, aibt es denn nicht auch große Torten für eine Person? Gatte zum Spiegel. Gatte (zum Spiegel): Nicht wahr, wir Zwei sind aber verliebt in Dich!" Daher. Herr: Ich bin furch terlich müde, ich komme mir wie qna dert vor. Freund: Das ist doch" kein Wunder. Du bist ja auch Radfahrer! Zweierlei. A.: Wie ge fällt Ihnen die Frau Räthin und ihre Tochter?" B.: Beide haben es mir angethan; von der Tochter bin ich be zaubert, von der Alten bin ich behext!" Beruhigung. Schwiegermutter: Weßhalb weinst Du denn, Emilie?" Schwiegertochter: Ach. meine Köchin ist weggegangen, und da soll ich das Mittagessen für meiner. Mann kochen!" Schwiegermutter'. Mein Gott, davon wird er auch nuÄ aleich sterben!"
L .
Av'!f jjN
1
