Indiana Tribüne, Volume 18, Number 129, Indianapolis, Marion County, 27 January 1895 — Page 9

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Jndiana Tribüne. el!cme. El Abenteuer. Von Tl. Treuier. G3 war vor drei Jahren, als ich mit meinem Freunde, einem talentvollen jungen Maler, einige Wochen auf dem herrlichen Wunder Eilande Capri weilte An einem sonnigen Maimorgen und nachdem wir uns in der löstlichen Weinoase von Anacapri gestärkt hatten, machten wir uns auf, den Monte Solaro zu besteigen. Auf der Chaussee gesellte sich ein Bewohner Capri's, wie ks schien ein Landmann oder Fischer, zu uns, ein schlauker. geschmeidiger Mensch mit einem hübschen, verwegenen Gesichte. Wir unterhielten uns eine Weile über die Verhältnisse der Insel mit dem intelligenten Burschen, bis dieser plötzlich seine Schritte verlangsamte, indem er uns bedeutete, daß er seine Schwester Mikaele erwarten müsie. Es dauerte auch nicht lange, so hatte uns das Mädchen eingeholt. Mit entzücktem Blick hing das Kunstlerauge meines Freundes an dem wunderbar schönen Schöps. Aucy leg muv gestehen, daß ich nie vorher ein so rollendet schönes Weib gesehen hatte. ße meinsam setzten wir unsere Wanderung fort. Aus dem Eivsel des Solaro ange langt, machte sich mein Freund sofort daran, eine Skizze von der reizenden Mikaele aufzunehmen. Mein neuer Freund Angela widmete sich unterteilen im:; er war unermuo lich, mir immer Neues, Schöneres in der sich vor uns ausbreitenden Landschaft zu zeigen. Als wir bei dem Blick auf den Besuv auf Pompeji zu sprechen kamen, entnahm er seinem ledernen Geldbeutel eine Münze, so klein, wie ich sie noch nie eschen hatte, und sagte, daß er das Ting, welches er gefunden habe, mir verkaufen wolle. Qx forderte eine Summe, die nach unserem Gelde ungefähr fünf Mark be tragen haben würde. Um dem Burschen eine Freude zu be reiten, zog ich meine Börse. Neumeria griff Angela darnach. Ah sehr prächtig-, meinte er, ge reiß ein Andenken! Dabei funkelten seine Augen so fett sam und seine Finger krallten sich fest um daZ kunstvolle Gewebe. Mir ging blitzartig ein Licht auf. Jhr Habt'S errathen, Freund," sazte ich lächelnd. Auch dieses ist ein Andenken!Dabei griff ich in meine Rocktasche und zog einen allerliebsten kleinen Revolver heraus. Angelo trat unwillkürlich einen Schritt zurück und seine Hand tastete in die Falten seiner Blouje. Doch plötzlich schien er sich eines An deren zu besinnen. Freundlich grinsend reichte er mir die Börse. Ist Ihnen der Preis für die Münze recht?" sragte er. Selbstverstündlich," erwiderte ich und reichte ihm die Summe. Und in Anacapri trinken wir zu sammen auf unsern guten Handel," fetzte ich lachend hinzu und hielt ihm die Hand hin. Angelo schlug kräftig ein. Wir sahen uns jetzt nach unseren Gefährten um. Mein Freund und die schöne Mikaele standen Schulter an Schulter geschmiegt augenscheinlich ganz in die Wunder der göttlichen Natur der funken. In Anacapri ' trennte sich das Ge fchwistecpaar von uns. Kaum hatte sich das Paar entfernt. so trat dt? Wirth unseres Gasthauses an uns heran und sagte: Ich rathe Ihnen, wenn e heißt, Bekanntschaften, besonders' aus einsamen Wegen anzu knüpfen, ja recht vorsichtig zu sein. angelo Pagano ist der verwegenste Ee selle der ganzen Insel." Wie?!" rief mein Freund. Mi kaele, diese? entzückende, unschuldige (ezchöps die Schwester eines Bngan ten? Unmöglich." T:e Schwester? lachte der Wirth. Sie ist die Gattin Anaelo Pagano's!" Mein Freund erwiderte nichts, aber über sem sonst so keckes, fröhliches Ge ficht legte sich ein dunkler Schatten. Später in der Hcimath ließ ich mir zum Andenken an unser Abenteuer auf dem Solaro von Angelo's kleiner Münze eine Cravattennadel anfertigen, und eines Tages führte mich der Zufall mit einem eifrigen und auf diesem Gebiete sehr berühmten Münzsammler zu sammen. Mit sichtlichem Staunen be trachtete er meine Cravattennadel. Wie kommen Sie zu der Münze V fragte er. . Ich erzählte ihm, daß sich sie von einem Bewohner Capri's für 5 Mark gekaust hätte. Das Ding ist mindestens fünfhun dert werth," antwortete der Sammler, indem er die Nadel unter der Lupe be trachtete. ist die kleinste Münze, die je ezistirt hat, und außerordentlich .selten. Ich ti.?. überzeugt, dan sie der Bursche irgendwo gestohlen hat." In letzterer Hinsicht bin ich derselben Meinung. Gin u,e?lwürd!ges Wildschwein. Tie Musikanten eine TorfeS in den Nrdennen spielten jüngst bei einem Hochzeitsfeste aus. Müde und vor allem des süßen WeineS voll" kehrten sie um Mitternacht zu Wagen nach Hause zurück. Beim Morgengrauen sah ein Arbeiter, der sich zur Arbeit be geben wollte, auf der Straße eine große, unbewegliche Masse"; es wurde idm sofort klar daß da) nur ein Wi!d

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Äwein lein lmt. r uaym allen Muth zusammen, näherte sich dem Unethum und versetzte ihm mit einem Stecken einen furchtbaren Schlag. Ein lüaliches. wch'.nüthlgcs Brummen war die Antwort des Wildschweins". Der avfcre Kämpe licf nun smlcunigst in s Torf zurück, um Succurs herbeizuholen. und bald Z!i denn auch eine mit Heuabeln und Stöcken bewaffnete dörfliche ; vcerschaar zum Kampfe gegen ; Wildschwein in 's Feld. Ein bejond.-r- -kühner Herr, der sür alle Fülle eine alte i Jagdflinte mitgebracht hatte, sdjoB aus die Bestie, die bereits zusammengeknickt Dalc; wie ein Federmesser; aber obwoül die Kugel getroncn hatte, rührte sich die WilCimi Nicht vom Flecke und der Tetonation folgte nur jener kläglich?, lvehmüthige Brummlaut, den schon der Arbeiter vernommen hatte. Nun stürz ten sich die beherzten Bauern alle wie :in Mann auf das Wildschwein, um ihm vollends den Garaus zu machen. Zu ihrem größten Erstaunen sahen sie ( . i f ; l. s ! j V - C 4 a3 m , 4 Atnn tv ttt 3üCt yiuii.u, uutj p; es? mu iius. u. Wachsleinwand gehüllten großen Contrabaß zu tbun gehabt hatten, den die berauschten Torsmusikanten aus dem Heimwege verloren. Weibliche Bogenschützen Seit uralten Zeiten wird in Eng land das Bogenschießen als Sport betrieben, n der That ist es mehr als ein bloßer Sport. Tie englischen Wogenschutzen stehen namucy aus einer Üinie mit den deutschen Scküdenailden. welche im Mittelaltcr gebildet, die Wekrlraft der deuNcken tavle uno eine furchtbare Schutzwchr gegen die! Uebergnne der Adligen und die rauoerischen Strauchritter und hochgeborenen Buschklepper darstellten. Genau so war es in England. Tie Bogenschützen waren die Ycomen" oder an gelsächsischen Frcisaffen in Waffen. Allerdings vermochten sie in der Schlacht von Hastings vor den cisengcpanzerten Rittern Wilhelms von der Normandie nicht Stand zu halten, und als König Harald fiel, war auch die Herrschast der Sachsen über Albion auf immer dahin. Aber im Volke wurde dennoch die alte Wassc- der sächsischen Freisassen, der Bogen oder die Armbrust, eifrig ge pflegt, und noch heute erfreuen sich die Gilden der Armbrustschützen in Eng land einer allgemeinen Beliebtheit. MV lÄhet Kuranaga erklärt die Stellung D e r Tarnen beim Bogenschießen. Tiese Popularität geht soweit, daß sogar die Tamenwelt sich dieses Sports bemächtigt hat, und unter dem Voran tritt der Prinzessin von Wales haben sich allerorten Tamcnvcreine zur Pflege des Armbrustsports gebildet. Es konnte nicht ausbleiben, daß auch dieser Sport, wie mancher andere, seinen Weg über den Atlantischen Ocean nach Nordamcrika fand, und zwar zuerst nach Ea nada. Aber bald bahnte sich die Armbrüst ihren Weg nach den Ber. Slaaten. und unerschrocken spannten zarte Hände die Armbrust, so sicher in 's Schwarze treffend, als ob sie ihre Kunst dem kleinen schelmischen Schützen, dem Liebesgott, abgelauscht hätten. Einen neuen Ansporn erhielt .der Sport, als es bekannt wurde, daß auch unter den besseren Klassen der japani schen Gesellschaft in Frauenkreisen dem Armbrustsport eifrig gehuldigt werde. Seine Ausübung ist dort so allgemein und beliebt, daß man dort seine eigenen Schießalleen hat, wie sich besser situirte Familien bei uns ihre privaten Billards halten. Allerdings ist die Haltung der Japanesinnen beim Zielen und ' Abschießen des Bogens sehr von d:r land läufigen verschieden. Sie knieen nämlich dabei. Ein japanischer Kaufmann, Namens Tcru Karanaga, der seit geraumer Zeit in San Francisco wohnt, hat den dortigen Tamen, welche sich für die Kunst deS Bogenschießens besonders interessirtcn. Unterricht in seiner heimischen Kunst gegeben. Es liegt auf der Hand, daß der außerordentlich grotze englisch-amerikanische Bogen sich nicht für diese Positur des Niederknieens eignet. Ter knieende Schütze könnte den Bogen nicht handhaben, ohne daß das untere Ende auf den Fußboden ausstießc. Ter japanische Bogen ist deshalb um eine Kleinigkeit kürzer, als der bei uns übliche. TaZ macht aber den Bogen handlicher und thut der Ziel und Treffsicherheit nicht den genngsten Eintrag. (Litte lapfcre That. Aus Anlaß des TodeS des HauptmannZ z. D. und VezZrtSzfk'lc'.erZ Friedrich Wilhelm Aly. der früher dem Neldartillerie-Regiment No. 13 in 5?rankfurt an der Oder angchö:te, schreibt daZ Militär-Wochenblatt" da Folgende: ES scheint unZ die Pflicht der Pietät und Gerechtigkeit zu sein, hierdurch besonders hervorzuheden.' wie der Verstorbene sich im Feldzage 187071 ganz hervorragend ausgezeichnet hat. Aly war 1370 Vkeseldwebel, sein B:ruf Landwirth. Nachdem er die großen Schlachten bei Mars la Tour und Gravelotte. sowie

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i Wochen dauernde Eernirunz tz bei der A:rjen leichten Batterie .es jetzigen eldartillerie-Regi ments No. 10, ferner eine große Anzahl von Gefechten etc. mitgedacht hatte, zeichnete er sich in ungewöhnlicherWeise in der Schlacht bei Veaune la Nde aus. .Die erste leichte Batterie mußte in dieser heißen Schlacht, in welcher das zehnte Armeccorps einem etwa sechsfach an Zahl überlegenen Feinde Gegenüberstand, als die Entscheidung an einem seidenen Faden hing, ein Geschätz opfern. Aly war Zuzführer; all: Bedienungsmannschaften und der Geschützführer waren todt oder derwundet. die sechs Zugpferde ebenfalls todt. Aly selbst war nicht unbedeutend verwundet (Schuß durch die Schulter), meldete sich aber trotzdem nicht krank, sondern blieb in der Front. Die Schlacht dauerte bis zum Dunkelwerden. Alles war todtmüde und völlig erschöpft. Da trat Aly Nachts an da? Strohlager seines Hauptmanns und bat ihn lim die Erlaubniß, mit einem kleinen Commando und sechs Pferden sein r-rlorenes Geschütz auf dem Schlachtselde aufsuchen zu dürfen. Diese Erlaubniß wurde ihm gegeben; er ließ sich auf sem Pferd heben, den Arm in einer Binde tragend, und verschwand mit seinem Commando im Dunkel der kalten Novemöernachr. Früh Morgens etwa 6 Uhr ertönte ein lautes Hurrah!" der . Kanoniere Ab kam mit dem ceretteten Geschü!; zur Batterie zurück. Diese heldenmitthige Aufopferung und völlig freiwil lige Handlungsweife wurde damals in hohem Maße anerkannt. Aly erhielt dafür einen sehr selten verliehenen ruf fischen Orden, das Georgenkrkuz. DaZ Eiserne Kreuz zweiter Klasse besaß er bereits. Bald darauf wurde er Ossi cier und trat als Berufsofficier in die Armee ein. In allen Schlachten, und Gefechten, sowie bei allen schweren Strapazen, Märschen, Entbehrunzen aller Art war Aly stets ein leuchtendes Vorbild für seine Untergebenen - und seine Tapferkeit über alles Lob erha ben. Er starb als Hauptmann nach lanzen schweren Leiden, denn trotz seines außergewöhnlich starken Körpers batten die Strapazen deZ FeldzugeZ seme Gesundheit sehr untergraben. In VruantS Kneipe. 5?oa I. Pavlovöky. Ziehen Sie sich an. ich will Ihnen eine ganz kuriose Sachs zeigcn," sagte emeS .ages tm Freund zu mir. .Wohin geht'S denn?" .TaS sage ich nicht. Sie mitten eS unvorbereitet sehen, sonst geht der 'Effect verloren. Auch ich kam neulich ganz unvermuthet dazu, und ich sage IZhnen, eZ wäre fast zu einer Prügelei gekommen Na, wollen wir gehen?" Wir gingen. Unterwegs trafen wir einen uns bekannten Journalisten mit einer Tame, und sie schloffen nch uns an. Wir hatten nicht weit .zu gehen nur bis auf den Boulevard Aochcchouart. Hier befindet sich neben dem bekannten öffentlichen Ballolal Elyfce Montmartre ein kleines Cafe im mittelalterlichem Baustil. .Die bunten Fensterscheiben Und mit Ritter gestalten bemalt und von innen durch schwere Jolousien verschließbar. Mein Freund önnete die Thür und gab Mir einen Wink. daS wir den Zeitunas schreibe? mit seiner Tame vorausgehen lassen sollten. Kaum war unsere Gruppe aus der Schwelle erschienen. als sogleich der ganze Saal, der .ge drangt voll war, die Köpfe nach uns umwandte und unter einem mit Knut tcln, Bierkanncn und Stiefelabfäen ausgeführten Höllenlärm in förmlicher Wuih zu johlen und zu singen begann: Oula.la! c'to gueula, c'to binette Oh la la! o'ts gueulj, qu'ellö aj Zu deutsch: , O seht doch nur die Frae, Seht doch nur die Fresse, Die Fresse, die sie hat!" Die Tame war) retö vor Unwillen und Empöruna. Indem sie sich hoch ausrichtete, blirüe sie ihren Begleiter an, ais ob sie saen wollte: Und du zögerst noch? Ihr Begleiter ein Mann, der auch nicht qerade von heut und gestern war, stand ganz kopflos da und wußte nUt, ob er wüthend werden oder lachen sollte. Endlich drängten wir uns zwischen dcn Tlzchchcn hm durch und nahmen in einer Ece Blak. - Tie Wände dc Saales waren mit Malereien von merkwürdiger, söge nannter impresnonistischer" Arbeit geschmückt. Es branden sich, lntere! sante nicht ohne Zalcn! gemalte Sachen darunter, außcrdcm r.'richicdencEarika' turcn und Gipsre.iefs. deren Stoff ebenso seltsam ur.d phantastisch war, wie der Stoff der Bilder. Tie Cästc saßen an eichenen .Tischen bei ihren Bierkann:n. Sie, bestanden zumeist us jungen Leuten, unter denen sich eine ziemliche Anzahl von langhaarigcn Künstlern und Dichtern befand, deren Gesichtcr einen starken Hang sür geijNg? st'tränke verriethen. Ter Uirty scivst. ein Mann in der drcißigcrn mit glatt rasirtem ' Eesichte und schlichtem, nach russischer Art i'.l.ccr Mitte gescheiteltem Haar, er schicn als ein Nl'ileldinz zwischen einem russischen Tiener und einem Schauspie ler Cr trug ein rothes Baumwoll Hemd, eine Plüschweste mit blanken Knöpfen und eine Plüschjacke. 'Seine Füße steckten m eleganten Schafstie seln. Kaum hatten wir unseren Pfoft ein genomme.i, als die Thür sich von Neuem öffnete und mit trippelndem Schritt ein anständig gekleideter' Herr mit einem Schmerbäuchlein, auf dem eine goldene Uhrkette blinkte, in daZ Gastzimmer trat. Verblüfft durch den lärmenden Empfang, der ihm zu theil geworden, nahm er gleichwohl Platz, llovfte mit seinem Svajerstock auf dcn

Tisch und rief den cllner. Tiefer war in der andern Ecke des Sualcs beschüftigt. Ter dicke Herr, der es offen-.

bar eilig hatte, rief von teuern: iiellncr. einen Bock!" B?as schreist Tu denn so. Ticke??" ries der Wirth, indeni er an dcn unge duldigcn ast herantrat. Senkst wohl Tu bist hier in der Kneipe, was? Bitte, sich bier ganz anständig aufzusühren!" Na was ist dcn da-. hier wohl ein Kloster, he?" verzetzte der Ticke, indem cr seinen Aerger nur mit Mühe unterdrückte. Uebrigens bitt' ich mir aus, daß Sie mich nicht dutzen, ich bin nicht Ihr Freund, verstehen Sie?" fuhr cr in wachsender Erregung fort. Ter Wirth sein Name ist Bruant hörte nicht auf. den Ticken mit höhnischcn Redensarten zu bombardiren. wobei er sich des gewöhnlichsten Argots der Zuhältcrllasie bediente. Ter arme ' Bürgersmann glaubte zedenfalls unter eine Räuberbande oder in einen Klub ven Verrückten gerathen zu sein. Blaß vor Aerger und Aufregung, bezahlte er schleunigst und wandte sich dem Ausgang zu. Höhnische Redensarten und wildes Geschrei verfolgten ihn; Bruant aber, der so that, als ob er ihn hinauswerfen wollte, meinte gutmüthig: Na, nu hast Tu Tich voll getrunken, Alter, nu geh zu Teincr Alten! Und daß Tu Tich niemals mehr hier blicken läßt, verstanden. Tickerchen?" Tiese Art von . ..Scherzen" macht den Gästen des Herrn Bruant einen Heidenspaß und zieht das Publikum massenhaft in sein Lokal, das als ganz originell" befunden wird. Man spricht hier das niedrigste Argot, wendet sich an dicGüste mit schmeichelhaften Anreden, wie Lude", Spitzbubeu. s. w. Alles, Männlein und Weiblein, gebraucht in der Anrede daZ ver trauli'cbe Tu". ES wird hier sehr viel getrunken, und die Lieder, die hier vorgetragen werden, sind eigen? von den Tichtern des LocalS, zum großen Theil von , Bruant . selbst, gedichtet. Znhältcr, Straßendirnen. Bagabun den, Bettler, Mörder und Diebe sind die Helden dieser Lieder. Unter der cynischcn Außenseite derselben stndet man nicht selten viel echte Empsindung und eine getreue Tarstellung des Lebens jener . eigenartigen Welt, mit der sie sich beschädigen. In den Pariser Berbrecherkncipen hale ich die Lieder, die aus BruantZ Schenke stammen, häufig singen hören. Man singt sie, ohne den Namen de3 Tichters zu kennen, als ob sie Volkslie der wären. Es verlohnt in der That, dieser Art von Literatur ein paar Worte zu widmen. Bor mir liegt eine kleine illustrirte Sammlung von Dichtungen und Monologen BruantZ. die dcn Titel: Auf. der Straße" trägt. Alle diese Lieder -pflegt Bruant in sei' cm Local vorzutragen, .zu einer Mu sik, die er selbst. componirt "hat. ES sind durchaus anspruchslose. Sachen, die gleichwohl, einen tiefen, düsteren Eindruck hervorbringen. - Tie Kehrseite unserer glänzenden Civilisation zieh! mit allen ihren Schrecken wie in einem Kaleidoskop an unseren Augen vorüber. Alle diese zerlumpten, verhungerten, bald boshaften, bald gutmüthigen oder melancholischen Gestaücn, die häusig kaum noch etwas von edlerer Mensch lichkeit an sich , haben, fordern in der That unser tieseS Mitleid heraus. AIS Moo könnte für sie alle die Phrase eineS alten Baaabunden dienend den QrukNt gleichfalls besingt: Tu bist ein Kind der Straße, die Straße , ist dein Heim." 'Da ist z. B. die?Eeschichte einer Heldin: Sa maraan.s'appelait Flora Et connaissait pas son papa, Tout'jeuno on l'a mit a l'ecolo . A Batiguolles. Als Tochter einer Dirne geboren, tritt sie. noch als . zartes Kind in die Fußspuren ihrer Mutter. . Sie lernt einen Zuhälter kennen, geht aufs Trottoir", vertrinkt in den Schänken, rvaZ sie . verdient, und stirbt-noch in jungen Jahren im Hospital. Ein merkwürdiger Brief" befindet sich in VruantS Sammlung,, den eine Heldin aus dem Gefängniß ' St. Lazare an ihren Hippolyt geschrieben hat. Sie ist krank und grämt sich darüber, daß der Geliebte, ohne ihre Stütze , völlig mittellos dasteht. Sie fürchtet, daß er vielleicht einen dummen Streich begehen könnte, der ihn ins Gefängniß bringt. Sie , bittet ihn nun, zu einer ihrer Freundinnen zu gehen und in ihrem Namen etwas Geld von ihr zu leihen. Auch bittet sie Hippolyt, nicht zu viel zu trinken, und schließt ihren Brief mit den Worten: Verzeih, mein Treuer, Tu;bist zwar hart gegen mich, doch bete ich Tich trotzdem an." Alles daZ ist frisch nach der Natur gezeichnet, ich habe selbst in MetenierS Sammlung derartige Briefe gelesen. Da ist noch ein Brief, . den ein zum Tode verurteilte Pariser Strolch geschrieben hat: Während ich Tir diese Zeilen schreibe, zittere ich am ganzen Körper. Wenn Du sie erhältst, habe ich meine Nase bereits zum Fensterchen der Guillotine hinausgesteckt.. .." C3 ist eins der besten Gedichte BruantZ, von , Anfang bis zu Ende durchaus künstlerisch gehalten. Der-Verurtheilt? schläft nicht: er ist gegen Mitternacht 'erwacht: das unbestimmte Ettüusch kx Stenge, welche bte Hinrichtung ertön r M, hat ihn geweckt. lr muß stehen, und er will tapfer sterben, ohne vor der Wittive" (gleichfalls eine volkSthüm liche .Bczei.l'nung der Guillotine) zu Ottern, damit man nicht sage, er sei bor dem Hallin'.d" erschrocken, be vor cr auf a .o.iucttc in den Sack s.eniest- habe, '.'cur ein flößt ihm Schrecken ein: b'vor man ihm denopf abschlägt, ir'uö ihm der HeinNragen abgeschnitten: .wenn ich an daZ .'kalte Irijen der Sch.ere bei dieser' letzten Toilette" denke, dann fürchte ich, daß ein krostschauer meine ? Gliederüber läuft'daZ beißt, daß er Anast Ji'uat'

ii mm Ticser Gedankengang ist höchst charakteristisch. Ter Pariser Strolch, der nicht an Gott glaubt, hat im lehren Augenblicke auch keine Gewissensbisse, cr hat seinen besonderen Moralkoder: was cr gethan hat, ist gut und mußte s,ut sein. Er kümmert sich nur um die öffentliche Meinung und um das, was man sagen wird, sobald cr nicht mehr ist: Tie Sammlung BruantZ ist m:t Illustrationen von Stcinlen geschmückt. Tie Typen und Scenen des Textes treten daher mit ganz befonderer. reliefartiger Schärfe hervor. Einen Begriff von der seltsamen, eigenartig plastischen Poesie Aristide Bruants bekommt man aus der Ueberseung d.'s zuletzt besprochenen Liedes A la Roquette", das der Verleger, Herr Albert Langen, mit Beibehaltung des französischen Versmaßes ins Teutsche übertragen und zum Abdruck überlassen hat: Bei diesem Brics bebt mir der Leib Im kalten Fieber. )enn Tu es liest, was ich hier schreib'. 31t es vorüber Seit Mitternacht schlaf' ich nicht mehr. Mein' klein' Toinette, Ein dumpf Geräusch dringt zu mir her Von La Roquette. Mein Bittgesuch wies man zurück, Für mein.Verbrechen! Ter Präsident will mein Genick Nun einmal brechen. Zu ost begnadigen geht nicht an Tas ist's ich wette Von Zeit zu Zeit muß einer 'ran Auf La Roquette. Tie Nacht war lang. Herein zu mir Scheint bleich der Morgens Bald sind die Herrn vor. meiner Thür, Tie mich besorgen. Gcndarme stehn in Reih und Glied Rings um die. Stätte, TaZ Volk heult .ein Lergräbnißlicd Auf La Roquette. TaS rührt mich nicht. Ich bin kein Tropf! Nur daß der Kragen Vom Hemde muß, 'eh sie den Kopf Vom Hals mir schlagen! Tie Schcere hat nicht viel Gefühl Bei der Toilette. Und früh am Morgen ist eö kühl tm -V rtTfc . . ' uuf a Aloqueüe. Mit festen Schritten will ich gehn Zur Guillotine. Und keiner soll mich wanken sehn Bor der Maschine! Verdammt! wenn mir der Nacken zuckt. Steckt er im Brette. Bevor ich in den Sack gespuckt Auf La Roquette! Vereyrte Trinker. ! Der, berühmte EobanuS HessuS war eine so durstige Seele, daß er sich' selbst' auf . dem Katheder nicht von seinem Maßkruge zu trennen vermochte,' und wenn er einen romischen oder ;riechi schen Tichter erklärte, bei jedem beson ders schönen Verse, zum großen 'Zau dium seiner Zuhörer, lächelnd nachher Kanne griff und auf deS trefflichen Tichters Gesundheit trank. Se!n Biograph setzt hinzu, daß er viel vertragen konnte und trotz sehr fleißigcn'-BechernS nie genöthigt gewesen ist, zu dem Aus kunftSmittel des großen HontanuS zu greisen. Dieser nämlich war ein gleich leidenschaftlicher Trinker, konnte aber weniger vertragen, als EobanuS, und sah sich daher nicht selten in der Lage. seine Vorlesung abzubestellend JpieS that er so, daß er an die Thüre' des Auditoriums ein neufaches?. schreiben ließ. .Dies bedeutete (nach, seiner eigeneu, dcn Zuhörern feierlich gegebenen Erklärung) Folgendes: ,)Potrus Ton tanus, Poe3eo9 Professor Publicus, Propter Pocula Prohibetur Praele gere" zu deutsch: Peter PontaMis, öffentlicher Lehrer der Dichtkunst, sieht sich wegen, allzustarken Becherns ?ußer Stande, Vorlesung zu' halten." Aufrichtig. ..Nicht wahr. Oscar, Tu heirathest mich nicht wegen des Geldes?" .Gewiß nicht ' das kriegen ja meine Gläubiger!" Unmöglich. A.: Da lese ich neulich in der Zeitung einen 'Bericht von emem Maler, der malte eine Spinnwebc an die Wand so' natürlich, dak daZ Dienstmädchen am nächsten Tage, als sie dieselbe nicht abbürsten tonnte, ordentlich krank wurde. B.: .Du, daZ glaube ich nicht; solche Künst ler mag'S wohl geben, aber solch Dienstmädchen ist undenkbar." I m Stadttheater .zu Douai im . französischen Departement Nord kam während der Aufführung der Oper Faust" Feuer zum, AuSbruche. Der Darsteller der Titelrolle und sechZ Choristen . erlitten, Brandwunden. Das Publikum wandte sich panikartig zur Flucht, wobei zahlreiche Zuschauer niedergestoßen und verletzt wurden. - Kindermund. Lehrer: Also angenommen. Dein Vat:r .' hat drei Fässer. Wein in seinem Keller. Jedes. Faß enthält dreißig laschen und er trinkt alle Tag: eine lasch:; wie lange, würden die drei Fässer wohl reichen?. - 'Karlchen: Ungefähr 'eine Woch. '.Lehrer:, Aber.Karlcken.- Du kannst ja 'gar nicht rchnin., Karl den: 1Jla S!e werden mich doch nicht muiin Mkrrmea lerne?! - m Nudy'S Pile Suppofltory wird garantirt i sür die Heilung von Hämorrboiden und Verstopfung, oder daS Geld wird zurückgegeben. 60 Ctö. die Box. Schicke zwei Pottmarken für Zirkulare und Probe an Martin Rudy, registrirten Apotheker, Lancaster, Pa Postkarten nickt beantwortet. Zu der kaufen in allen . guten Apotheken Word Broi., A. Kiefer k Co. ünkDaniel Stewart. Wbolesale Aaenten. 3ndiaapoliS 3nd.

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liuliana ribünc ist daS einzige Blatt in Sndiana, ütU . . . t iltt ilt Interessen des Volkes gegenüber btt Macht der PKltoKstte vertritt. M Organ des Volkes und nicht einer Partei oder Part ei in teressen kämpft sie unentwegt skr Frsiheitu.Nechö auf allen Gebieten deß Lebens. Die Arbeit de, volles ist die Schöpferin alles Wohlstandes und darum wirken wir für sslche soziale VU formen, welche die Arbeit zur sreudebringenden Lust, statt zur niederdrückenden Last machen. Jeder fortschrittlich Gesinnte, sollte eö als moralische Pflicht empsinde. Leser der Sndiana Tribüne zu sein Das reichhaltige Sonntags Blatt bietet eine Fälle unterhaltenden fiese sosu. Der Abonnements Preis der täglichen Tribune ist 12c, des Sonntagsblatts ge, beider zusammen lg dtö., per Woche ober 03 Gt0. per Monat. Durch die Post versandt, kostet baß Tageblatt Q3, das Sonntagöblatt 02 per Jahr, beide zusarune 90 in Vorausbezahlung. .DVUMucheN aller Art werden rasch und billig auS , X , '. geführt. QiitäH$taxUu, GLütytUUQtlU GouültutiQtUiif v , ;?jRf&vQttt4 GßlschSfkarten, - - -j 4 5 -. QrikSfise. Zirkulare, Vrograsutt ns. ' ,i,?r ji:wi w. ; sür SeschMlrute.und vereine vndu .'. . f. ."1 "i. '-' -... geschmaÄoll ttszeshrt. ' -c WVMZzMS .. - , v-. . " ..VVA ' SsdismrsM. 3n -'.'

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