Indiana Tribüne, Volume 18, Number 129, Indianapolis, Marion County, 27 January 1895 — Page 7
pie Zraucn über ne Ehe. Ein angesehenes Wiener Journal bat an hervorragende Frauen eine An frage gerichtet, was sie über die Ehe dächten. Das ist gewiß eine heikle 5?rage, eine von denen, die selten obiectio und wahr beantwortet wird. Nur völlig ernste Frauen können ihre versönlichen Erfahrungen zur Höhe einer diskutablen Allgenieinheit heben. Die von dem Wiener Blatte ausgeforschten Damen gehen dein Thema meistentheils mit ernstem Eifer an den Kern. Hören wir einige: Die Ehe zu einem hohen geistiqen Bund: zu machen, liegt in der Hand der Frau, wenn sie für ihre wirthschaftliche und geistige Befreiung arbeitet. Die Mehrzahl der jetzigen Ehen ist eine Lüge und eine Heuchelei. Das offen zu bekennen, ist unsere erste Pflicht. Wir gehen auch hintlich d:r Ehe einer anderen Weltanschauung entgegen; von dem Muthe der Frau und ihrer Energie wird es abhängen, die Ehe und die Familie zu einer heiliaen und sittlichen zu gestalten. Frau Minna C a u e r. Berlin.
Vor Allem aber müssen alle brauen, denen das Wohl ihrer Kinder und die Zukunft der Menschheit am Herzen liegt, zusammentreten und die völlige, politisch: Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechtes fordern. Denn nur, wenn die Frauen an der Gesetzgebung mitarbeiten, werden Gesefce geschaffen werden, die rntft, wie bisher, das weibliche Geschlecht zu Gunsten des männlichen benachtheiliaen und in Fragen der Sittlichkeit ine doppelt: Moral begünstigen. Und nur durch die Mitarbeit der Frauen werden socialeZustände geschahen werden. aus deren gesundem Boden heraus die Wunderblume emporwächst, nach der unsere Dichter und Weisen suchen: die glückliche Ehe. Lily v. Gizycki, geborene v. Kretschmann. Berlin. Ueber die Ehe" haben wohl schon tausend klügere Köpfe, als meiner ist, nachgedacht und ihren Gedanken Ausdruck gegeben. Ich meine und viele schwere Stunden haben diese Meinung in mir gefestigt daß nur die Eh: nnähernd ein: vollkommene ist, in welcher jeder Theil anstrebt.nicht glücklies) zu werden, sondern glücklich zu machen. Mit dem Aufgeben des eigenen Selbst wächst die Liebe zu dem Anderen, für den man lebt und sorgt. Der Egoismus, im Leben, sonst die starke Triebfeder für große Thaten, ist der Zerstörer jeder, auch unter den Glücklichstem Vorbedingungen geslosse?i:n Ehe. Diese göttliche Einrichtung Kann sich in der jetzigen, sie so gefährsenden Zeit nur durch ein vollständiges Aufgeben des eigenen selbstischen Wesens erhalten. Amalie Joachim. Berlin. Sie wünschen meine Ansickt über die Ehe: Die Ehe ist ein naturnothloendiaes Verhältniß, das durch unsere heutigen Gesellschaftszustände von )?er besitzendenKlasse in der Regel zu einem Geschäft herabgewürdigt und bei der arbeitenden Rlat, wo man in der Reael nach Neigung heirathet, durch den nzirthschastlichen Druck verkümmert, cestört und nur zu oft zerstört wird. Erst in einer Gesellschaft, welche all' 'ibren Gliedern' wirthschaftliche Unab!hängigkeii und die Möglichkeit wfttz aeistiger und sittlicher Bildung geroähii und Mann und Frau gleichberechtigt neben einander stellt, kann eine freie Gattenwahl stattfinden und die Ehe das sein, was sie sein soll, eine reine Quelle des Glückes für Mann und Frau und die unerschütterliche Grundlage einer vernünftigen Gesellschaftsordnung. Naialie Liebknecht. , Berlin. Das mächtigste, überwältigendste Gefühl und Bedürfniß der Menschen ist die Geschlechtsliebe, sie ist gleich stark bei Frau und Mann. Wo diese Liebe zur Seelengemeinschaft führt, wird sie kum Triumph der Selbstlosigkeit, begeistert die Jugend, verklärt das Alter; wo sie jedoch zur frioolen Leidenschaft wird und zügellos sich ihm hingibt, ist sie ein Gift, das nicht nur vernichtend ttirki. sondern das Glück von Familien und Generationen untergräbt. Lina Morgen st er n. : Berlin. ""3(6 halte die Ehe für das heiligste, vornehmste Institut auf Erden und all: Zerwürfnisse in derselben lassen ficfi schlichten, wenn nur Eines von den Ebeaatten wirklich vom Herzen gut ist. Nosa Sucher. Die ewigen Wahrheiten sind gewöhcilich ungeheuer einfach, fast selbstverständlich, und so klingt es auch beinahe banal, wenn man den weisen Satz ausspricht, daß sich immer nur solche Leute heirathen sollten, die sich lieb ha--ben. Die Vernunftehen sind so recht eiaentlich unvernünftig. Die Zuchtwähl ist schließlich nicht nur für die eeebrte Thierwelt erfunden worden, und es ist um sie im höchsten und weitesten Sinne eine sehr hohe und heilige Sache! Bert ha v. Suttner. Schloß Harmannsdorf (N.-Oe.), Nach den trüben Erfahrungen, die ich in der Ehe gemacht, sage ich: Heirathen ist gut. Nicht heirathea ist des scr!" Anna Schramm. Berlin.
Irrfahrten. Müllers und Millers waren die dicksten Freunde. Keine Woche verging, ohne daß nicht mindestens an einem Abende derselben Millers bei Müllers und an einem andern Müllers bei Millers zu Tisch und Thee waren, und kein Sonntag, an dem man nicht gemeinschaftlich ausging. Da fiel es Miller plötzlich ein, ner vös" zu werden. Ueberarbeitung, Müller, kannst Dich drauf verlassen!" Emser Pastillen, Miller, die helfen, alauöe mir!"
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Nein, nein, ich kenn: mich, muß malausspannen, muß raus aus Berlin, an die See, oder in die Berge, Raus muß er mal", echot: Frau Miller ihrem Manne nach, und dann guckten beide Müllers an, was die dazu sagen würden. Aber Müllers sagten garnichts dazu, sie guckten blos ihrerseits auf Millers hin, als ob si: sagen .rollten: Ihr seid wohl 'n: Happe ha!" bis man nach Haus: ging. Wenige Tage später schon spazierten Millers im Thüringer Wald: herum, speisten Bachforellen und langweilten sich. Müllers gondelten allnachmittags in's Freie, tranken Kaffee, Bier und langweilten sich nicht minder. Millers kehrten Abends von einem Ausflug: nach Neinhardsbrunn in ihr Hotel in Friedrichsroda zurück, da riß Um Manne die Geduld. Müllers fehlen uns!" errieth Frau Miller. Hol's der Satan! Morgen fahren wir wieder nach Haus." An demselben Abende kehrten Müllers von ihrem gewohnten Ausflug: in ihre vier Pfähle zurück. Weißt Du, Frauchm? " Millers fehlen uns!" errieth Frau Müller. Hol's der Teufel! Morgen fahren wir nach Friedrichsroda." In der Früh: des folgenden Tages fuhren Müllers von Berlin nach Frkdrichsroda und Millers von Friedrichsroda nach Berlin. Die werden Augenmachen." lachte man hier, wie dort, indem die Züge wacker weiter brausten. In Halle wurde umgestiegen. Als Müllers sich aus dem Berliner in den Thüringer Zug, und Millers aus dem Thüringer in den Berliner sich gerettet hatten, da Schockschwcrebrett sind das nicht Müllers, die da im Thüringer Zug sitzen?" Sind das nicht Millers, die da aus dem Berliner Zug: herausgucken?!" Wahrhaftig, sie winken, grüßen," so hieß eS in den beiden Zügen, indem man sich verwundert mit Händen und Tüchern zuwinkte, während die Wagen zum Bahnhöfe hinausrollten. Dann überlegte man hier wie dort. Millers haben es satt in Friedrichsroda," kalkulirten Müllers, sie sahren deshalb wieder nach Haus. ium Müllers langweilen sich in Berlin auch allein," kalkulirten Millers, .deshalb wollen si: nach Friedrichsroda, item " Item fuhren Millers blos bis Jüterbog und Müllers nur bis Weimar, stieaen dort aus und fuhren wieder zurück. Als Müllers Abends spät nach Hause kamen und bei Millers vorsprechen wollten, wunderten sie sich höchlichst. von dem Mädchen zu hören, daß die Herrschaft noch lange nicht" zurück sei. Und als Miller an demselben Abende nach seinem Freunde Müller alle Hotels in Friedrichsroda vergeblich absuchte, war er nicht weniger erstaunt. Wo steckt Ihr denn? Denke. Ihr seid hier! Wir kommen!!" telegraphirte man sich am folgenden Morgen gegenseitia zu. dann setzten sich feftc Familien, Müllers hier, Millers da, zum andern Male hoffnungsfreudig auf die Bahn. Die Depeschen kamen auch glücklich an, aber da man beide nur als Vorboten voraufgeschickt hatte, trafen sie weder Müllers in Berlin mehr an. noch Millers in Friedrichsroda. Dagegen trafen beide Familien wiederum in Halle zu derselben Stunde ein. Will einen Schoppen Vier trinken!" meinte Miller, als er Frau und Gepäck in dem Berliner Zuge untergebracht hatte, Zeit haben wir ja." Dasselbe fagte Müller zu seiner besseren Hälfte, als er sie mit ihren Siebensachen in dem Thüringer Zuge gehörig oerstaut hatte und die beiden Damen nickten gnädige Gewährung. Im Wartesaale trafen sich die Manncr. Herrjeh Müller, Miller, jz, zum Kuckuck, Mensch, wir wollen ja zu Euch nach Friedrichsroda." Und wir zu Euch zurück nach Ber lin. Bruderherze!" ...
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Ja Prot! Prosit! toai machen wir d:nn nun?!" Wollen unser: Weiber fragen Da plötzlich pfiffen die Lokomotiven. Miller stürzte nach dem Berliner, Müller nach dem Thüringer Bahnsteige. Es war zu spät. Die Züge dampften mit den holden Gesponsten davon und die Männer hatten das Nachsehen. Ueöriaens war ihnen noch verzeihendes Tücherschwenken aas den Wagen zu Theil. Im Wartezimmer trafen und trösteten sich Müller und Miller wieder. Die Damen hatten glücklicherweife eigene 5iasse in den Taschen, da kamen sie nicht in Verlegenheit. Mit den nächsten Zügen fahren wir hinterher, Bruderherz, Prosit!" sagten di: Manner. Gesagt, gethan! Kaum eine Stunde späte? dampfte Miller seiner Gattin nach Berlin und Müll:? seinem Weibe nach Friedrichsroda nach. Die Damen indessen? Allein nach Friedrichsroda fahren?" dachte Frau Müller, unmöglich! Und wer weiß, ob Dein Männchen nachkommt. Du fährst, wie gestern, blos bis Weimar, steigst dort aus und nimmst den nämlichen Zug nach Berlin zurück, mit dem Ihr gestern gefahren seid, dann bist Du vor Nacht zu Haus. Aehnlich dachte Frau Miller auf der Tour nach Jüterbog. Sie stieg aus und dampfte nach Friedrichsroda zurück. Madame Müller that dasselbe in Weimar und gelangte spät am Abend wieder in Berlin an. 5let;t wurden wirklich ..Augen gemacht", als Müller im Hotel Lange in Fricdrichsroda statt der eigenen Gemahlin. di: bessere Hälfte seines Freund:s Miller empfing, und dieser umgekehrt die Gattin Müllers, in Berlin begrüst.:?. mußte. Amüsiren uns hier gottvoll!" telegraphirte Müller aus Friedrichsroda am ano-ern Morgen an Millern in Berlin. Dein: Fra ist gestern Abend wohlbehalten: angelangt." Danke! Gleichfalls!" antwortete Miller ans Berlin nach Friedrichsroda, Dein holdes Weib habe ich seelenvergnügt gestern Abend von der Bahn nach Haus begleitet." Anders dachten aber di: Damen. Die Männer allein lassen? Nicht um die Welt!" Während Miller an Müller und Müller an Miller noch depeschirten. machten sich die lieöefehi?enden Gattinnen schon wieder auf die Reise. Frau Müller von Berlin nach Friedrichsroda und Frau Miller von Friedrichsroda nach Berlin. Wieder trafen die Züge in Halle zusammen, natürlich! Die Damen stiegen aus und da sie diesmal selber Neigung fvürten, eine Tasse Kaffee zu nehmen, bevor sie ihre respectiven Reisen fortsetzten, trafen sich beide im Wariesalon. Irma Erna! Nein, das ist aber doch zu gelungen! Ist denn mein Mann mit hier??" Nein! Nein! Deiner ist in Friedrichsroda geblieben." llr.b Deiner in Berlin!" Das ist zu gut! Weißt Du, was wir nun machen? Wir lassen die dummen Männer laufen, sehen uns Hall: ein bischen an und fahren dann nach Friedrichsroda." ..Topp! Laß sie suchen, wenn si: uns wiederhaben wolUn." Miller in Berlin kratzte sich hinter den Ohren, als er an demselben Moraen seines Freundes Frau besuchen wollte und vom Mädchen erfuhr, daß dieselbe zum dritten Male in der Frühe abgereist sei. Ebenso erging es Müller in Friedrichsroda. als er von der Post zurückkam und im Hotel Lange vergeblich nach Frau Miller fragte. Schnell reisten sie wieder ab. und in Halle trafen Müller und Miller aberrnals zusammen.
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Run? ist meine Frau bei Dir?" Gott bewahre! Borher abgereist!" Da schlage doch Einer bei Tage lang hin!" So schwirrten die Reden zwischen den verblüfften Freunden hin und her und rathlos schauten sie einander in die Augen. Glücklicherweise dauert: die peinliche Situation, nicht allzulange, Madame Miller und Madame Müller hatten Halle bald satt gekriegt, sie kehrten nach dem Bahnhos zurück, und wurden jubelnd von den Männern empsangen. Nun soll uns aber kein Teufel wieder auseinanderreißen!" schwor Miller. Sage lieber keine Nervosität" lachte Müller. Wenn ich sie noch nicht hatte, dann hätt: ich si: bei di:sem Hin- und Herreifen bekommen können!" gab Miller zurück. Jetzt gehen wir aber Alle nach Friedrichsroda; Ihr seid eingeladen." Hatten wir so wie so gethan", lachte Frau Miller, Erna und ich hatten es uns schon vorgenommen." In Friedrichsroda blieben die Freunde noch ein paar Wochen, dann ging es wieder nach Haus: in's Geschäft. Nervös ist Miller nicht wieder geworden und etrennt haben si: sich auch nicht wieder. E i n P a n.t o f f e l h e l d. Frau svon de? Badereife heimkehrend): Nun, was sagst Du dazu, daß ich so früh wieder da bin?" Mann: Was soll ich sagen; jetzt hört ja doch für mich das Reden wi:d aus.'" ,
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Ein einfacher Brief Erzählung von Adolph Kohut. Kurz nach Neujahr trat der Briefträger eines der Nebenpostämter der Hauptstadt, nach der Beendigung seines Nachmittagsdienstes, in die Direktionskanzlei seines Vorgesetzten, des Herrn Postdirektors Pitton, und sagte etwas zaghaft: Ich habe- einen einfachen Brief, Herr Postdirektor. den ich nicht an seine Adresse befördern kann. Und deshalb wollte ich fraaen " Zeigen Sie mir den Brief!" Der Briefträger trat an den Schreibtisch heran und überreichte das Schreiben seinem Vorgesetzten. Postdirektor Pitton setzte seinen Klemmer auf und prüfte die Adresse des Briefes. Sie war kurz, nur zwei Zeilen, aber so merkwürdig, daß selbst der gestrenge Beamte lächeln mußte. Eine kuriose Adresse!" rief er aus, den Brief von allen Seiten betrachtend. Meiner lieben Mutter im Jenseits." Trotz seiner Kürze klingt's erfchütternd. Nicht wahr, Herr Postdirektor?" Hab'.n Sie Kinder?" In den nächsten Tagen erwarten wird das fünfte," antwortete der Briefträger. ' Das Antlitz seines Vorgesetzten derdüsterte sich und er blickte fast neidisch auf den freudig bewegten Untergebenen. Dieser arme Teufel wurde schon zum fünftenmale von des Fimmels Segen heimgesucht während er, der das Zehnfache monatlich verdient, kein Kind sein eigen nennen darf! Befehlen Sie noch etwas, Herr Postdirektor?" fragte der Postbote. Nein, ich habe nichts mehr nöthig," murmelte der Herr nach einer kleinen Pause, allmälig aber überwand er sein: trübe Stimmung und rief dem sich empfehlenden Postdiener zu: Noch auf ein Wort! Wir wollen den Brief öffnen, beförderungswegen, und ihn lesen. Der Inhalt geht auch Sie an. Sie sind der Entdecker, ich nur der Untersucher." Herr Postdirektor. Sie sind sehr gütig," sagte der Briefträger und trat bescheiden an den Schreibtisch heran. Mit kundiger Hand, aber pietätvoll und vorsichtig, erbreich der Postdirektor das Briefchen und las zuerst mit sich:rer. dann mit zitternder Stimme dessen Inhalt, also lautend: Mein gutes, süßes, theures Mütterchen! Seitdem Du in den Himmel gezoaen, ist Dein kleines Töchterchen sehr verlassen. Ich möchte gar zu gern zu Dir kommen. Frau Clara ist mir sehr aut. sie ist aber lange nicht so freundlich und lieb, wie Du warst. Ihr geht es auch schlecht. Ihr Mann starb in der verflossenen Woche. Du bist ihm gemiß begegnet. Wir mußten aus der Wohnung in der Langen Straße ausziehen und jetzt leben wir sehr erbärmlich und noch dazu in einer häßlichen, schmutzigen Seitengasse. Aus der alten Wohnung konnten wir das Kätzchen. die Mitzi mit uns. nehmen. Zeig: doch. Mamachen, meinen Brief dem lieben Gott und bitte ihn schön, daß er mich zu sich nehme. Wie gern möchte ick bei Dir sein. Nicht wahr, dort ist's schön, oben im Himmel. Wäre dem nicht so, so wärest Du schon längst zurückgekommen. Mich schmerzt meine reckte Hand sehr. Kürzlich mußte ich einen schweren Korb mit Holz aus dem Laden bringen. Als Du noch auf Erden warst, brauchte ich das nie zu thun. Erböre mein heißes Flehen und nimm mich bald zu Dir. Es grüßt und küßt Dich tausendmal Deine Dich innigst liebend: Tochter Dora. Nachschrift: Wenn Du antworten willst, ist meine Adresse: Krummsteig No. 12, aber sage dem Engel, der den Brief bringt, daß er auf die Thürnummer Ächt gebe, denn wir wohnen im Hofe. Zu den tausend Küssen füge ich noch hundert." Der Briefträger weinte, als derPostdirektor den Brief vorlas, doch auch Pitton konnte sich der Rührung nicht erwehren, und seine Augen füllten sich mit Tbränen. Dann sagte er: Gehen Cie sofort nach dem Krummsteig und bringen Sie mir die kleine Dora. Sagen Sie ihr, daß für sie auf der Post ein Brief angekommen sei. den sie aber persönlich abholen müsse. Verstanden?" Jawohl, Herr Postdirektor!" sagte der Briefträger., und er verließ rasch das Amt seines Vorgesetzten. Als Herr Pitton allein war. fefete er sich wieder in seinen Sessel, um zu arbeiten, aber es wollte nicht vorwärts gehen. Ein eigenthümliches bisher nie gekanntes Gefühl bemächtiate sich seiner und lähmte seine Arbeitskraft. Sein Herz klopfte hörbar, fast zum Zerspringen. Er hatte eine reizende junge Frau, die er anbetete und die seine Liebe zärtlich erwidert:. Er hatte einen gut bezahlten Posten und ein bedeutendes Vermögen; nur eins fehlte zu seinem Glück: ein Kind, um sein Heim zu erheitern. Und nun hat ihm die Vorsehung ein kleines Mädchen in den Weg geführt! Die große Glasthür der Kanzlei öffnete sich nach einiger Zeit und ein in ein großes, braunes Tuch gehülltes Mädchen trat verlegen über die Schwelle. Hinter ihr tauchte der Briefträger auf. 5ierr Postdirektor, hier ist die Kleine." rief er. Als Herr Pitton die Verkörperung seine? Gedanken erblickte, konnte er sein: Freude nicht mehr bemeistern, sondern sprang von seinem Stuhle auf. nahm das Mädchen in seine Arme und setzte es auf den Tisch. as ärmlich, aber reinlich gekleidete Mäochen sah erstaunt und erschreckt
dem ihm so ungewöhnlichen Schau- I
spiele zu. Ihr blasses, aber schönes Gesichtchen glich einem großen Fragezeichen. Sie mochte zehn Jahre alt sein, und in ihren Zügen war Sanftmuth und Güte, gepaart mit Leiden, ausgeprägt. Ist es wahr, Onkel, daß Ihnen meine Mama geschrieben?" fragte das Kind endlich. Jawohl, mein Liebling." erwiderte der Postdirektor mit unsicherer Stimme. Und was schreibt die Mama? O, erzählen Sie rasch, Onk:!! Nimmt sie mich zu sich? Ich sehne mich so darnach!" Nein, mein süßes Kind, die Mama nimmt Dich nicht- zu sich; si: schreibt, daß der Himmel ml: Engeln schon so überfüllt sei. daß es kein einziaes leeres Plätzchen mehr gebe," murmelte der Postdirektor. Die Kleine begann bitterlich zu weinen, und rief: O mein Gott, was bin ich doch für ein unglückliches Kind!" O nein. Du wirst glücklich sein! Deine Mama schreibt, öaß Du so lang: bei mir bleiben sollst bis sich ein leerer Platz ni jenseit- findet. Willst Du's. mein Herzchen? Du wirst schöne Kleider und alle? habn. was Dein Herz begehrt. Tu wirst nicht mehr einen Holzkorb zu schlepden brauchen, sondern Dc sollst immer lernen und spielen. Liebes Dorächen, willst Du mein Engel werden?" Wenn die Mama das schreibt, will ich es mit Vergnügen thun." Ja. sie hat es geschrieben, und Gott hat es besiegelt." Die fliegen. Mein Freund Ferdinand Verghauö ist Gymnasial-Oberlchrcr und nebenbei Verfasser zweier volksthümlichcn Ge-schichtswe-ike, auf deren Beliebtheit bei Fachlcutcn und Laien er mit Hecht stolz ein darf. Eine Tages aber, als ich ihn besuchte es war im Juni vorigen Jahres schien er mir den Ausdruck dieses Stolzes doch zu übertreiben. Er saß an seinem Schreibtisch, vor sich die Eorrecturbogen der neuen Auslage cincs seiner Werke und auf dem Haupte einen großen Lorberkranz. Es scheint, daß du dir schon einen Vorschuß auf die Unsterblichkeit genommcn hast", sagte ich mißbilligend. Weißt dü leinen neuern Wift?" antwortete er und warf den Kranz ziemlich wüthend in eine Ecke. Du bist grade der zehnte, der sich diese billige Anmerkung leistet. Wenigstens du solltest wissen, mit welchem Feinde ein schreibender Mann in dieser nichtswürdigen heißen Tagen zu streiten hat. Da sieh her wic sie schwärmen und mit teuflischem Brummen meiner ohnmächtigen Anstrengungen spotten!" Mit zitternder Hand deutete er auf den Schreibtisch, wo eine Anzahl Stubenfliegen mit vieler Emsigkeit ihren unruhigen und nicht immer ganz reinlichen Lebensgewohnheiten huldigten. Ich kannte seine Empfindlichkeit gegen diese in seiner Wohnung - merkwürdig häufigen Thiere, für den Lorbeerkranz aber fand ich darin einstweilen noch keine Erklärung. Was habe ich nicht schon alles dersucht!" fuhr mein Freund fort, während er sich zu unserm Spaziergang fertig machte. Fliegenpapier, Absud von ' Quafsiaholz. Fliegenstöcke, Fliegenfallen in mindestens zwanzig Patentirten Eonstructionen alle vergeblich. Ein Bekannter vom Lande schlug mir vor, Bündel von Farnkraut in der Stube aufzuhängen. Das würde sie anziehen. es .sie wohl angezogen hat ! Ich glaube, sämmtliche Fliegen auf ein Kilometer im Umkreis sammelten sich in weniger als einer halben Stande in meinem Zimmer. Aber meinst du. daß sie sich ruhig in das Farnkraut verkrochen? Ganz im Gegentheil. Das war der einzige Gegenstand, der nicht sogleich dick von ihnen besetzt war. Es zog sie an aber nur bis auf eine gewisse Entfernung. Dann habe ich es mit ätherischem Lorberöl versucht. Der Geruch sollte sie vertreiben. Der einzige, den er vertrieben hat, war ich selber Aber das brachte mich auf den Einfall mit dem Lorberkranz. Damit hoffte ich sie wenigstens von meinem Gesicht abzuhalten, für das sie sonst eine mehr als schmeichelhafte Vorliebe zeigen. Ich dachte dabei an Julius Eäsar, der bekanntlich auch stets einen Lorberkranz trug. Die Geschichtschreiber sagen zwar, daß er es that, um den Blitz abzulenken oder seine Glatze zu verdecken. Ich glaube vielmehr, daß er es der Fliegen halber that Aber es hilft auch nichts. Sie concentriren sich nur cin wenig mehr auf die unteren Gesichtspartieen. Und ich kann mich doch nicht ganz in Lorberreiser hüllen, wie eine Bildsäule des Apollo !" Unterdes; waren wir auf die Straße gelangt. Ferdinand Berghaus setzte seinen Bortrag auch hier fort. Siehst du", sagte er, es gibt keinen gröbern Schwindel als die angeblich mit der Cultur wachsende Herrschaft des Mensehen über die Thiere. Die größte Leistung in dieser Hinsicht, die Verwandlung des HundcS aus einem Naubthier in den Wachter und Beschützer wehrloscr Hammelherden, gehört schon der allerültesten Zeit an. Hernach haben die Menschen ja noch manche erfunden, sie haben sich nacheinander Wj Wasser, das Feuer, den Dampf und die Elektricität dienstbar gemacht, aber der Tbierwelt gegenüber sind sie auf dem Standpunkt eines armen Sklaven gcblieben, der nicht einmal seine Hütte von den übermüthigen Aussaugern reinzuhalten vermag. Sprich mir nicht von Ausrottung der Wölfe und Löwen, von Elefantenjagden und von Walfischfängern ! WaS beweist das gegenüber der Thatsache, daß wir uns iadraus jahrein jeden Sommer lang
unsere Arbeit und unsern Schlaf von Mvriaden winziger Zweiflügler stören lassen, gegen die wir noch ebensowenig cm Abwehrmittel wissen wic der selige Adam am ersten Tage nach der Bertreibung aus dem Paradiese? O, es liegt ein tiefer Sinn darin, daß die Phantasie aller Völker diese T.hiere zu den eigentlichen Dienern des Satans macht und diesen selbst mit dem Ehrentitel Herr der Fliegen" ausstattet. Wer will es leugnen, daß sie in ihrem ganzen Benehmen etwas Diabolisches haben? Sie gehen planmäßig vor, nach einem dämonischen Plane, zu dessen Ausführung sie nicht einmal vor dem Selbstmord zurückschrecken, so z. B. wenn sie sich einem in den Thee oder in's Bier stürzen, um dem durstenden Menschen den Genuß des lang ersehnten Labsals zu verleiden, oder in's Tintenn;, wo sie sich dann als scheußliche schwarze Klumpen mit der Feder heraufziehen lassen und über das reinlichste Manuscript ein nicht mehr wegzuradirendes Tintenrinnfaal ziehen. Was liegt diesen Ungeheuern auch am Selbstmord? Die Gattung ist ja so frucht, bar, daß man den Abgang eines einSeinen gar nicht merkt. Ich habe mir neulich von meinem naturwisienschaftlichen Eollegen darüber berichten lasten, wie sich dieses Gezücht fortpflanzt, ich fage dir, es ist unglaublich. Mein College sagt selbst, er wisse kein ande. res Mittel zu ihrer Verfolgung, als daß man die Verbreitung der Spinnen möglichst begünstige. Aber ich kann doch nicht meine Wohnung künstlich mit Kreuzspinnen bevölkern! An einer Straßenecke machten wir Halt, um den in einer Viertelstunde fälligen Pferdebahnwagen nach dem Stadtpark abzuwarten. In dem Eckhause befand sich ein altes Droguengeschüft, am Fenster hing zwischen Färbtopfen und Guirlanden von Badeschwämmen ein großes Placat mit der Ankündigung, daß hier das allein echte neue Ftiegenpapier zu verkaufen sei, Wirkung tödtlich sicher". Tarunter cin Probcbogcn von dem unfehlbaren Mittel, in hosfnungsvollem Grün strahlend und mit einem Reelamebild bedruckt, welches ein wahres Schlachtfeld voll todter und sterbender Fliegen in den verschiedensten Körperlaoen darstellte. Hm", meinte mein Freund, als ich ihn darauf aufmerksam machte, es wird ja wohl so wenig taugen wie das rotbe, wovon meine Plagegeister so fett wurden, aber Probiren muß man alles." Somit verschwand er in dem Laden, und ich sah ihn drinnen mit einer hübschen jungen Dame vcrhandeln. Die Verhandlung dauerte für einen so einfachen Gegenstand recht lange, erst als der Wagen heranklingelte, kam Ferdinand Berghaus wieder zum Vorschein. Seine Stimmung hatte sich sichtlich aufgehellt. Es kann doch sein, daß dies etwa besser wirkt", meinte er und betrachtet? den zusammengefalteten grünen Bogen in seiner Hand beinahe vertrauensvoll. Die junge Dame machte mich gleich darauf aufmerksam, daß dies nicht mit dem rothen zu verwechseln sei. und sie bestätigte auch alles, was ich selber mit der rothen Sorte erlebt habe. Es ist doch ein ganz verstündiger Einfall von den Kaufleuten, daß sie die Bedienung ihrer Kunden jert mehr und mehr gebildeten jungen Mädchen anvertrauen, statt der bisher üblichen Verkäufer." Dies war aber kein LadenMädchen", Versehteich, die junge Dame ist die Tochter des Besitzers, Fräulein Hannchen Müller, ich kenne sie zufällig Von Ansehen. Vermuthlich war das Ladenpersonal grade sonstwie beschäftigt. Eine sehr angenehme junge Dame." Das ist sie wirklich, sehr angenehm", bestätigte er und schob das tödtlich sichere Mittel zärtlich in seine Brusttasche. Ungesähr vierzehn Tage später suchte ich meinen Freund wieder auf, um mit ihm wegen einer gemeinsamen Fußreise für die Sommerserien Rücksprache zu nehmen. Ich wunderte mich sehr, ihn nicht zu Hause zu finden, da er sonst um diese Tageszeit stets hinter seinen Vüchern saß. Die Wirthin versicherte, er sei bereits vor zwei Stunden weggegangen. Seit einiger Zeit gehe er immer Nachmittags aus. Seine Wohnstube bot einen seltsamen Anblick. Ueberall, auf Schreibtisch, Stühlen und Sopha, ja, sogar an der Wand hingen und
lagen grüne Bogen Fliegenpapier mit dem bewußten Schlachtenbilde, beseuchtet mit irgend einer Flüssigkeit, es mußte etwas sehr Anziehendes für Fliegen darin sein, denn großer Anzahl krochen sie darüber, zierlich nippend, flügelputzend und sehr frech. Wenn vaö Papier eine nachtheilige Wirkung auf die Gesundheit ausübte, so wußten sie dies jedenfalls geschickt zu verbergen. Während ich noch darüber nachdachte. kam auch Freund Berghaus wieder heim, ein sonniges Lächeln auf seinen Zügen, und unter dem Arme ein paar Bogen Fliegenpapier. Er sah merkwürdig elegant und selbstbewußt aus wie einer, der Eindruck machen will und seiner Sache schon so zu sagen sicher it. Nicht war, das ist ein ausgezeichnetes Mittel?" bemerkte er, auf seine grünen Paplergobelins deutend. Es ist merkwürdig, wie es auf die Thiere wirkt. Stundenlang sitzen sie auf den mit Zuckerwasser befeuchteten Bogen und saugen den .od in uch. Das Mittel löst sie so zu sagen chemisch auf. von den Todten findet man nachher kaum eine Spur, ein großer Vorzug vor andern Mitteln, wie Lelmruthen und dergleichen, wo hernach alles voll todter Fliegen klebt. Aber die Hauptjache ist. wie ich bemerkt habe, daß man es alle Tage erneuert; und womöglich immer direkt aus dem Magazin; wenn man die Bogen mehrere Tage auf dem Znn mer liegen hat, verlieren sie die Kraft Ich nickte, und wir fingen an, unsern Aeiseplan festzustellen. Nachher habe ich die Reise aber doch allein machen müssen, denn kurz vor den Ferien kam er zu mir und bedauerte, daß er nicht mitwandern könne, weil, er für einen
Theil der Ferien von einer ihm befreundeten Familie aufs Land eingeladen sei. Ten Namen der Familie nannte er nicht, wohl aber den des Ortes, und da ich zufällig wußte, daß der alte Müller dort ein kleines Gut besaß, so fügte ich mich schweigend ins Unvermeidliche und war auch weiter nicht erstaunt, als ich nach der Rückkehr von meiner Reise die Verlobungskarte von Fräulein Johanna Müller und Herrn Oberlehrer Ferdinand Berghaus auf meinem Tische fand. Seit vorigem Herbst sind sie verhcirathet allem Anscheine nach ein überaus glückliches Pürchei'. Anfangs dieses Jahres, an einem selz? kalten Tage, besuchte ich sie in ihrer reundlichen Wohnung. Während wir zu dreien am Kaffeetisch saßen, wurde ich auf eine Erscheinung aufmerksam, die ich wenigstens in dieser Jahreszeit selbst in Ferdinand Berghaus' Zimmer nicht vermuthet hatte. TaS ist unsere Winterfliege", bemerkte die junge Frau lächelnd, indem sie sich bemühte, cin ver gnüglich summendes Jnsect mit einer fast zärtlich zu nennenden Bewegung ihres Händchens von der Zuckerdose wegzuscheuchen. Wir sind sehr froh, daß sie so tapfer aushült. Sie wissen ja, das bedeuted Glück, wenn in einem zungen Haushalt den Winter über eine Fliege lebendig bleibt." Ja." bestätigte ihr Gatte, nicht wahr, lieber Freund, das ist eigentlich etwas für euch Poeten? Ich habe mich schon oft gewundert, daß du nicht schon mal cin Gedicht geschrieben hast: Die Winterfliege;" du bist doch sonst so für häusliche Gegenstände. Ist es nicht ein wundersam poetischer Genuß, zu beobachten, wie dieses arme Wesen so in der warmen Eultursphäre der menschlichen Wohnung Obdach und längere Lebensdauer findet, und wie es gleichsam zum Danke dafür mit seinem leisen Summen dem Menschen höfliche Versicherungen in's Ohr raunt vom künftigen Sommer, indeß draußen die Eiszapfen vom Dach hängen und der Schnee unter die Sohlen knarrt?" In der That," antwortete ich, das Gedicht will ich nächstens mal in Angriff nehmen, nur werde ich wohl mit dem Singularis nicht auskommen, ich muß es Die Winterfliegen" überschrei-ben."-Denn ich glaubte bemerkt m haben, daß mindestens ein Dutzend dieser poetischen Jnscctcn in dem behaglichen Zimmer umherschwärmte und sich so ungenirt aufführte, wie es eben nur eine Fliege kann. Aber das junge Paar versicherte mir einstimmig und entschieden, daß dies ein Irrthum sein müsse.
StraZzcnbclcuchtttng in Paris. Ein unlängst erschienenes Werk von Henri Mar6chal über die Stroßenbeleuchtung von Paris enthält nebst vielen culturgeschichtlichen Angaben auch manche anekdotenhafte Mittheilung. Im Jahre 1324 tappte man zu Paris Abends noch in tiefste; Finsterniß herum. Es gab zwar bereits damals cin Parlamentsgesetz, wonach jeder Einwohner verpflichtet war, vor seinem Hause eine Laterne mit einer Talgkerze anzubringen, aber Niemand leistete Folge. Erst 34 Jahre später gewöhnten sich die Pariser an solchen Zwana. Ein Edict, das 1567 unter Ludwig XIV. erschien, hielt die Bürger der einzelnen Stadtviertel dazu an. ihre Straßen zu erleuchten, und zwar mittels Talgkerzen, von denen vier auf das Pfund" gehen mußten. Das Zeichen zum Anzünden wurde bei hereinbrechender Dunkelheit von eigens dazu angestellten Stadtdienern gegeben, die mit einem zahlreichen Gefolge Neugieriger mit Schellen in der Hand herumzogen und klingelten. Auf Beschädigung der kostbaren Laternen stand nichts Geringeres als die Galeerenstrafe. Am Ende des 17. Jahrhunderts gab es in Paris 0500 Laternen, in denen allabendlich 1625 Pfd. Kerzen brannten. Diese Beleuchtung ahmte man bald darauf in Amsterdam, Verlin und Wien nach. Um jene Zeit zählte die französische Hauptstadt bereits 22.000 Häuser und 500.000 Einwohncr. 1765 wurden, -die Oel-St?a-ßenlaternen von Chateaublanc erfunden.die bis 1820 unumschränkt herrschten. 1821 gelangte das drng: Jahre vorher entdeckte Leuchtgas auf Veranlassung des Engländers Windsor im Luxembourg - Palast und im OdonTheater zur Verwendung. Mehrere Gesellschaften wurden zur AuZbeutung desselben gebildet, die sich 1885 unter Dubochet vereinigten, um die heute noch mächtig: Compagnie pnrisicnni dVclaiiw lt rliaussne par 1c paz zu gründen. AlZ Jablochkoff im Jahre 1876 mit seinem elektriscüen Licht vor die Oeffentlichkeit trat, fand es günstige Aufnahme, aber sein System mßte allm"lig sparsameren Systemen weichen, und zwar nach der Weltausstellung von 1889 den Edisonschen Glühlampen, die heute nicht nur auf allen Boulevards und in öffentlichen Gebäuden, sondern auch in vielen Privathäusern zu finden sind. Die Straßen und Promenaden von Paris werden gegenwärtig durch 43.000 Gaslaternen und 461 ..elektrische Quellen" erhellt. In. allen Häusern zusammen gibt es zwei Millionen Gasbrenner, 290.000 Glühlampen und 9000 Bogenlampen. Die Stadt verbraucht im Ganzen jährlich 263 Millionen Kubikmeter Gas und für die elektrische Veleuchtung eine motorische Kraft von mehr als 30.000 Pferdekräftcn. Die Gefahren der Seereise. A.: Denke Dir, mein Bruder hat sich auf der Ueberfahrt von Bremen nach New York verlobt! B.: Das ist wieder ein Beweis dafür, daß trotz alle: Vervollkommnung unserer modernen , Dampfer die Gefahren der Seereise ' noch nicht ganz überwunden sind.
