Indiana Tribüne, Volume 18, Number 129, Indianapolis, Marion County, 27 January 1895 — Page 2
Das Stottern.
i Unter den mancherlei Sprackgebreften ist das Stottern in sehr lästige! Nebel, cenn es hindert den mündlichen Verkehr mit unserem Mitmenschen, tl schließt den damit Behafteten von vielen Berufsarten aus und drückt ihn Zörperlich und geistig nieder. Veobechten wir einmal einen Stotterer. ObczleiÄ er sich nech so sehr anstrengt, mit selten alle Glieder in Bewegung Tefct. so gelingt cZ ihm nicht, das gewünschte Wort heroorzubrinaen. Aber nicht immer zeigen sich solche Anstrenaunaen. Der Leidende ist vielleicht säVa. stch ziemlich geläufig zu unterhalten. wenn er aber das Wort, das er nicht zu sprechen vermag, nothwendig einmal gebrauchen muß, da tritt das Uebel mit seinen unangenehmen Folaen wieder hervor. Ein Stotterer lebt also in beständiger Angst, wodurch sein: Nerven seh? zu leiden haben. Zum Glück hben in den letzten Jahrziehnien berufene Männer Heilmetbo-' den für Stotterer aufgestellt, nach dez?en tl möglich ist. Stotternde von diesem lästigen Uebel zu befreien. Nach cuien Methoden sind bis jetzt etwa 70 Procent ganz von ihrem Uebcl befreit. 20 Procent wesentlich gebessert, 10 Procent nicht geheilt worden. Nur mochten wir vor solchen Lehrern war-, neu. dir angeben, alle kieilen zu können. was leider unmöglich ist. Wir möchten in diesem Blatte den lieben Müttern einige. Rathschläge ertheilen nach d.enen sie ihre kleinen Lieblinge, vor dem Stottere schützen, oder, wenn das Leiden schon begonnen hat, wie Jxt dieselben davon, befreien tonnen. Nach Beobachtungen kommt aus 100 Kinder ein Stotterer. Kleine Kinder könrcn die Laute und die Verbindungen derselben nichr richtig sprechen, sie stam' mein bieieioen nur. Doch bald tritt an Stelle des Stammelns, im "Zeiten und dritten Lebensjahre, das Sprechen. Jetzt ist es von großer WichtigZeit, daß das Kind deutlich und rein sprechen hört. Leider gibt es nun ?nanck: Eltern, die an der Aussmache,' Dit sie ein Kino von dem erwähnten Alter hat, Wohlgefallen finden; sie sprechen deshalb mit den Kindein in dieser kindlichen Weise, bedenken aber ri Vr4L r r Nlllzr. caß :t Davura? vsl gronen toena den anrichten. Da das Kind in dieser 3:t: fast alles nachahmt, so ist es durchcus n-othwendig, das; es in der Familie ein cutes Beispiel finde. Die Laute und ihre Verbindungen müssen daher rein und deutlich gesprochen werden Die Folgen werden sich bald Z'men. die Kinder werden nicht nur rein und deut-. iich sprechen lernen, sondern sie werden Qnch vor dem Stottern bewahrt bleijn. Kleine Kinder sprechen oft schnell, die Worte überstürzen sich, hier liegt nun die Gefahr, dak sie sich das Stotiern angewöhnen. Deshalb müssen solche Kinder an langsames Sprechen aew'öhnt werden. Das Wort oder der Vatz muß ihnen langsam und deutlich vorgesprochen werden. Dann veranlasse man sie. ebenso nachzusprechen Es gibt gewisse Laut?, die den Kintan viel Mühe machen. Da sagt z. 53. ein kleiner Knabe baf" für schlaf , er kann offenbar das 7ch" nicht hervorbringen. Was ist dabei zu tbun? Man halte da keine arof.e Prediat. sondern sage ihm das fch" vor, aelinqt der Laus auch am ersten Tage noch nicht, so gelingt er vielleicht am zehnten. Und welch große Freud? hat 'das Kind selbst an dem Erfolge? Hierzu gehört aber Geduld, nichts schadet mehr als Heftigkeit. Wenn je das Wort Geduld und Liebe überwinden alles- seine Wahrheit erweist, so ist es tii der Erziehung. Man sorecke also langsam und deutlich, unter Umstän1?en ist ias gedehnte, nahezu singende Sprechen sehr an seinem Platze, dann 'werden sich bald die Frucht: solcher rlemen Muhen zeiaen. Bei Kindern ie sich das Stottern schon angewöhnt kaben. ist das richtige Athemschöpfen "von aroßer Wichtigkeit. Die allermeis!en Stotteret verstehen nicht richtig zu athmen, deshalb ist es nothwendig.daß sie dasselbe erlernen. Man lasse also Äthnnlnasübvngen machen. Bei aeöffnetem Munde werde tief aulaeathniet. ta Athem einige Zeit gehalten und endlich langsam ausgeathmet. Solche Uebungen sind oft zu wiederholen: daTjü ist ans eine richtige Körperhaltung sehr zu sehen. Der Hebende stehe gerade. Biust hervor, Leib zurück. Rücken nicht eingezogen. Ferner sind alle anderen Bewegungen, besonders das Gesichterziehen. zu vermeiden. Es wird sich empfehlen, solche Uebungen vor oem Spiecjel macren zu lassen, oamit sich der Uedende selbst von dem schlechten Anblick solcher Bewegungen überZieuae. Spater sind diese Athmungsubunaen mit dem Sprechen zu verbinden. Zuerst werde wieder tief eingeathmet, dann das betreffende Wort gesprochen; dabei ist darauf zu achten, daft der Vokal recht laut und langsam aesprochen werde; z. B. gute Mama. Hat der Leidende nicht Athem genug oder athmet er zu schnell aus, dann entsteht wieder da5 Stottern. Sollte alle diese Mühe ohne Erfolg bleiben, dann vertraue man sich einem ge.vissenbaften, mit der Stotter-Heilmethode lttiannto Lehrer cn. Auch ein Tioft. rau: .Wie. Du willst in's Theater gehen und mich, Deine Frau, daheim fitzen lassen?" Mann: Allerdings! Sei sroh, daß ich Dich nicht für's ganze Le ben sitzen ließ." Sehr wahr ! Er: .Du. sag' 'mal, Frauchen, ist das nicht merkwürdia, daß auf dem Kopf mein Haar schon ganz grau zu werden anfangt, mein Schnurrbart aber noch ganz schwarz ausschaut? Sie: .Darin sehe ich nicht viel Merkwürdiges Dein Schnurrbart ist doch auch minder Hens zwanzig Jahre jünger."
Zm lcäc dcr Zllodc.
Die Ballsaison steht im Zenith und daher dürften unsere Leserinnen an de anten Neuheiten auf dem Gebiete der Balltoiletten gerade j.'tzt besonderes Interesse nehmen. Mehr für junge Frauen aeeianet erscheint ein Eostüm aus großmusterigem,rosa Seidendamast Balltoilette für juge Frauen. in Prinzeßform mit mäßiger Schleppe und mit rundem Ausschnitt gearbeitet. Vorn öffnet es sich über einem Devant aus qelblichem Spltzentull, der drei slache Puffen bildet und mit einem breiten Volant abschließt. Der Nock lernt oben ein paar kleine Paniers, die nach den Hüften hin mit Rosetten aus rosa Sammet zu.sammengesatzt sind. iVit glatte Taille ist mit einem schmalen, gekrausten Spitzenplastron ausgestattet, das von nach unten sich zuspitzenden Schrägstreifen aus rssa Sammet bearenzt wird, die oben zu beiden Seiten des Plastrons je unter einer Sammetrosette enden. Den Ausschnitt umaiebt ein rund geschnittener, sehr tolllg fallender Kraa:n aus rosa Sammet, der hinten in der Mitte geschlitzt ist. Kune. mit einem Sammetbandeau ao schlickende Pufsarmel vervollständigen die vornehme Toilette. FürjungeMädchen. Aus gelber Seide besteht eine Balltoilette für junge Mädchen, welche der vorstehend beschriebenen an Eleganz nichts nachgibt; dieselbe ist mü schwarzem Sammetband und Heller Seidengaze geschmückt. Der weite Rock ist vorn zu beiden Seiten bis zur Kniehöhe geschlitzt und hier mit Einsätzen von dicht plissirlr Seidengaze versehen, die oben mit Sammetrosetten abschließen. Die Taille ist vorn glatt, hinten in ein paar ausspringende Falten geordnet und vorn mit einem sich kreuzenden Faltentheil aus Seidengaze überdeckt, der sich am Hinteren runden Ausschnitt berthenartig fortsetzt. Hinten in der Mitte und vorn zu beiden Seiten ist die Gaze mit Sammetrosetten zusammengefaßt. Ein Gürtel aus gefaltetem Sammetband umwindet die Taille und schließt an der linken Seite- unter einer Äosette mit lang herabfallenden Enden And Oesen aus gleichem Band; die reckte Seite des Gürtels schmückt eine gleiche Rosette. Costüm mit Litzengarnitur. Auch mit mehreren hübschen Sachen für den täglichen Gebrauch machen wir unsere Leserinnen bekannt. Besonders aeschmackvoll wirkt ein Costüm aus taubengrauem Lodenstoff mit Litzen yarnitur. welches auf dem Rock unten, sowie längs der beiden vorderen Nähte, auf der Taille jäckchenartig, sowie am unteren Rande, auf dem Stehkragen und den Aermeln mit einem Viertel ?,oll breiter, etwas dunklerer Hohllitze verziert ist. Der Rock besteht aus sieben Bahnen; derselbe bildet hinten röh renartige Falten und ist 20 Zoll hoch mit Einlage versehen. Aus rothbraunem Tuch ist diese einsack und vornehm wirkend: Toilette ge arbeitet, welch: hinten röhrenartige Falten bildet. D:: mit einen: glockenformigen Schoß abschließende Taille tritt oben etwas auseinander und läßt'cinen mit ein:m Stehkragen verbundenen Latz aus weißem Tuch sichtbar werden, des
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?en Ansatz der. der Taille aufliegende
roße, Mlt Blber umrandete Pelerinen Iraaen deckt. Öleicher Pelz ist auf den Straßenanzug mit Palet o 1 1 a i l l c. Aermeln. sowie auf dem Schoß der vorn übereinander tretenden mit Haken und Oesen geschlossenen und mit gro ßen Sammtknöpfen verzierten Taille angebracht, die hinten mit einem Kraaen aus Sammet und mit. mit Knöpfen verzierten Sammet riegeln garnirt ist. . , m - Das Stammhaus der Romanows. An der Warwarkastraße in Moskau stebt das Stammhaus der Romanows, des regierenden Zarengeschlechts. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts soll der Ahnherr der Familie, Andrei, mit dem Beinamen Kobyla (Stute) aus Preußen nach Moskau gekommen und in die Diensie des Großfürsten .Simeon des Stolzen getreten sein. Sein Ururenkel Noman Iuriewitfch begründete die Linie Sacharjin-Juriew. und durch die Vermählung seiner Tochter Anastasia mit dem Zaren Iwan II. Wasilzewitsch (1547) und ?hres Bruders mv kita mit Eudoxia. der Fürstin von Das Stammhaus derRoman o w s. Susdal. gelangte die Familie zu gro fcem Ansehen und in unmittelbare Be ziehung zu dem alten Herrscherhause Rurik. Als nach Iwan des Schreck!!chen Tode unter seinen Nachfolgern, seinem schwachen Sohne Feodor, dem Usurpator Boris Godunow und dem falschen Demetrius das russische Reich in immer größere Bedrängniß kam. wurde der siebzehnjährige Jüngling Michael Fedorowitsch Romanow, der Sohn des Metropolitan Philaret. im Jahre 1613 von den geistlichen und weltlichen Herren und den Boten der Städte einmüthig zum Zaren erkoren. Er ist also der erste Kaiser aus dem Hause Romanow. Das alte Stammhaus des Zarengeschlechts war im Lauf der Jahrhunderte in fast völlige Vergessenheit gerathen, und erst im Jahre 1856 wurde es auf Befehl Kaiser Alexanders II. wiederhergestellt. Unsere Abbildung stellt die Rückseite mit der Hauptfassade des restaunrten Gebäudes dar. Schmeichelhafte Beschreib u n g. Herr (sieht zum Fenster hinaus, hinter ihm sein Diener): Was diesem Menschen soll ich ähnlich sehen? Mit dem werde ich verwechzelt! Ununn! Diener: Ja, gnädiger Herr, schauen Sie ihn nur recht an! Genau dieselbe versoffene Nase, das herunterhängende Maul, der Schmeerbauch! Kühne Behauptung. Dame: Herr Lieutenant, welch: ist nach Ihre: Ansicht die schärfste Waffe? . Lieutenant: Damen gegenüber 's Monocle. N a f f ! n i r t e Schmeiche lei. Geck: Wenn ich vit sehe, gnadiaes Fräulein, 'dann gehen mir im mer zwei Damen ad!" Dame: -Wie so?" Geck: Nun, Sie sind doch im mer nur eine der drei Grazien!
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Die erste össcnlliäzc Dcsinfck'
tionsanstalt in ZZclin. 5to den furchtbarsten Feinden des Menschenaeschlechts gehören eine aroße .ahl sehr kleiner, dem unbewassneten Auae nicht sichtbarer Organismen. welche, wenn sie m das Innere des Körpers eindringen, die Urjacke zu vielen Krankheitsformen werd:n,welche man in ihrer Gesammtheit als Jnfektionskrankheiten zu bezeichnen pflegt. Erst seit relativ wenigen Jahren t in diesen Wesen, den Bacillen. der Grund so vieler Leiden erkannt worden, und zwar hauptsächlich durch die fundamentalen Arbeiten von Koch und Pasteur. Noch vor geringer Zeit standen daher die Individuen schutzlos jenen todt bringenden Epidemien gegenüber, deren furchtbarste Repräsentanten die Ebolera, die Pocken und die Pest sind. Aber auch auf diesem Gebiete hat die moderne Naturwissenschaft großartige Fortschritte und Erfolge zu verzeichnen. Nun hat die Erfahrung gelehrt, daß in den Gebrauchsgegenstanden, die sich in der Umgebung eines Kranken befinden. also in der Wäsche, den Kleidern und dergleichen mehr, gerade der Sam inclplatz der infizirenden Organismen zu suchen ist. Man mußte daher Methoden ermitteln. um die Keime in ausreichender Weise zu treffen. Aus vielen zu diesem Zwecke im kaiserlichen Gesundbeitsamte von den Herren Koch. Gafflet) und Löffler angestellten Versuchen hat sich endlich ergeben, daß durch die Einwirkung heißer gespannter Wasseraase von mindestens 100 Grad Celsius selbst die Sporen infektiöser Mlkrooraanismen in relativ kurzer Zeit zu vernichten seien. In unserem Falle kommt es nun darauf an, umfangreiche Geqenstände, wie Betten, Packete von Kleidungsstücken, ja selbst Möbel durch und durch auf die obengenannte MlNlmaltemperatur zu bringen. Die Beamten, welche das Abholen besorgen, tragen wahrend des Packens lanae Leinwandhemdcn, welche bis zu den Füßen reiche.!, damit ch keine Krankheitskeime ihrer Amtskleidung mittheilen. Verschließen des Desinfectionsraumes. Wegen der großen sanitären Wichtiakelt der neuen Unternehmung moch: ten wir in Kürz: eine Schilderung d:S aesammten ' Desinfectionsverfahrens hier einfügen. Sowie die Fahrzeuge anlanaen. werden dieselben entladen und ihr Inhalt in die Aufbewahrung räume der Abtheilung I. für infizirte Geqenstände untergebracht. Ehe nun die eigentliche Operation beginnt, werden die Desinfectionsösen. von denen das Berliner Institut drei von je 4.6 Kubikmeter Rauminhalt besitzt, stark ventilirt. Dieses wird ermöglicht durch eine LuftzuführungsÖffnung, die sich an der Stirnseite des Apparates befindet, und mittels der Abzugsröhren, welche die Luft durch den Feuerungsraum in den 30 Meter hohen Schornstein fihrt, der seiner Länge halber als vorzüglicher Sauger wirkt. Die Wägen", welche sich vor den Oefen befinden, werden jetzt beladen, in das Innere geschoben und die Thüren geschlossen. Man heizt darauf bei theilweise geöffneten Ventilklappen den Apparat eine Zeit hin durch langfam an. um sodann bei vollkommenem Verschluß tot gekannten Dampf der Maschine auf die Gegenstände einwirken zu lassen. Nach einer kurzen Ventilation zum Schluß ist der Proceß vollständig beendet. Die ganze Operation erfordert etwa vierzig Minuten. Nach ihrer Vollendung gibt ein Glockenspiel den Beamten in Abtheilung II. für desinfizirte Gegenstände das Zeichen zum Entleeren der Oefen. Sie öffnen die Thüren, welche nach ihrer Abtheilung zu liegen, und erlediqen ihre Geschäfte. Die Desinfectionsöfen sind nämlich in der Weise eingerichtet, daß für jede der beiden Abtheilungen besondere Zugänge vorbanden sind, was wiederum dadurch erreicht wurde, daß der gesammte Ap parat die trennende Wand durdringt. Durch die genauen technischen und dakteorologlschen Untersuchungen des Direktors Merke, beziehungsweise des Dr. Hottmann ist die vorzüglichste Wirkung der geschilderten Methode erwiesen. Die Temperatur innerhalb der Das Herausnehmen der desinfizirten Gegzenst ä n d e. Offen überschritt allüberall 100 Grad Celsius und auch die hartnäckigsten Sporen wurden vernichtet.
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Z'ür Die Küche.
Bei iedem Mahle erhöht ein sorgsaltia zubereiteter Salat den Genuß und doch wird bei der Salatbereitung nicht selten arg qesündiat. Fast jeder Salat wird am besten zuerst allein mit gutem Oel vermischt und kann so stundenlang stehen, ohne zusammenzufallen; eingeschnitten Gurken, ohne Brühe zu zlttn. Wenn nicht mit eigentlicher Mayonaisensauce begossen, mischt man Salz. Pfeffer, Essig oder die alatsauce ohne Oel angerührt, erst eben vor dem Gebrauch mit dem Oel getränkten Salat. Salat, wie manche Gemüse, Gewinnt wesentlich 'durch Zugabe von etwas Zucker, ohne da?z er süßlich scbmecken darf, wenn das aber gewünscht wird, dann muß mehr Zucker genommen werden. Dagegen gewinnen süße Speisen, auch eingemachte Früchte, durch Zugabe einiger Körnchen Salz. Auch die Haltbarkeit der Früchte soll dadurch erhöht werden. Wenn Confitüren, sonst mit aller Vorsicht behandelt, doch ot nachher verder ben, so ist zumeist der Grund darin zu finden, daß zugleich mit ihnen andere Seifen auf dem Herde kochen, was durchaus zu vermeiden ist. Wenn anere Dampfe m das Eingemachte hineinschlagen, kann auf Haltbarkeit nicht gerechne-t werden. Beim Backen ist zu beobachten, oasz Schneeschlagen wie -rühren rasch, aber ' , , , , . . . L. Q ' W. Mil uiQier ano geianeoi, oqne jcoc Kraftanstrenauna. Etwas Citronen saft ist förderlich bei beiden. Sobald aber Eigelb mit dabei ist, darf Citronensaft erst zuletzt belgerugt werden. bandle es sich um süße Speisen oder um Gebackenes. Bei Confekt, das aur Papier gesetzt wird. i,as immer untadelia. rein und weiß sein muß. genügt nicht immer, Zucker zu streuen für das Loslassen. Man drehe das Papier nach dem Backen vorsichtig um und befeuchte die Rückseite mit warmem Wasser ziemlich naß. und nach wenigen Minuten w:rd sich das Papier ohne Mühe loslösen, so daß keine Spuren desselben an Makronen und dergleichen als häßliche Zugabe hängen bleiben. ' Hier einige Recepte für einfache, aber schmackhafteGerüchte. Ochsenmaulialat. Ochftnmaul wird qruno'lich aewaschen,in Salzwasser recht weich gekocht, in längliche und breite Stücke geschnitten, mit länglich geschnittenen Zwiebeln bestreut, gesalzt und gepfeffert, mit Esstq und Oel begossen und anaemacht. Man kann ihn einige Zeit aufbewahren. Rosenkohl mit Bratwürstchen. Man blanchire die Röschen einige Minuten lang in kochendem, gesalzenem Wasser, bis sie sich weich anfühlen, kühle sie mit frischem Wasser ab und lege sie zum Abtrocknen auf ein Tuch. Schwing: sie kurz vor dem Anrichten mit einem Stück recht frischer Butter, Salz und einer Messerspitze Zucker über dem Feuer, richte auf runder Schüssel gehäuft an und umlege sie mit den BratWürstchen. Diese letzteren selbst werden in folgender Weise bereitet. Man wieae ein Pfund zartes Kalbfleisch und ebensoviel fettes junges Schweinefleisch, die Schale einer halben Citrone und eine cbgegräthete Sardelle ganz sein, würze mit Salz, weißem Pfeffer und einer gestoßenen Gewürzenelke und rühr: ein halbesPin! dicken süßenRahm darunter; fülle die Masse in fingerlang: Därme und brate sie. ohne hineinzustechen, langsam in heißer Butter. ' Deutscher Eindämpfbarten. Ein gut abgelegenes Stück Fleisch von ungefähr 6 bis 6 Pfund wird mit der flachen Fleischhacke geklopft, dann mit einem Tuche rein abgewischt und Mit Salz und Pfeffer einaerieben. ?n eine Pfanne gibt man vier Eßlöffel Ab schöpf-Fett, 4 Stück feingeschnittene Zwiebel, Wurzelwerk, 4 Straußchen Kutielkraut, 5 zerdrückte Wachholderbeeren und von ieder Gattung Gewürz fünf Körner. Darauf wird das Fleisch gelegt, oben wieder mit geschnittener Zwiebel bestreut, mit 4 Eßlöffel Fett überaossen und dann mit emem mit Fett bestrichenen Papier bedeckt. So läßt man das Fleisch, wenn es die Zeit erlaubt, ungefähr 2 Stunden an einem kühlen Orte stehen, gibt es dann in den Bratofen, wo man es unter öfterem Vegießen eine Stunde zugedeckt dünsten läkt. Nach diefer Zeit nimmt man das Fett ab, gibt statt diesem ein halbes Quart weißen Wein, ein halbes Quart Suppe und 5 Unzen in Stücke geschnittenes Schwarzbrod dazu, und lakt idas Fleisch noch ungefähr Stunden dünsten, worauf man es aus der Pfanne nimmt, den gut entfetteten Saft in einf Kasserolle passirt und diesem wenn nöthig noch mit etwas Essig und Suppe den gewünschten Geschmack gibt, die Sauce nochmals aufkochen und dann warm stehen läßt. Das Fleisch muß indeß beiläufig eine Viertelstunde unzuaedeckt in der Röhre braten, wodurch es eine Kruste bekommen soll. Dann ist es fertig zum Anrichten, der Saft wird in einer Sauciere beigegeben. Gekochter Hecht' Ein 3 4pfündigcr Hecht wird geschuppt oder besser rasirt, d. h. man setzt ein scharfes Mcsser unten amSchwanze des Fisches zwischen Schuppen und Haut ein und schneidet erstere alsdann weg; er wird hierauf ausgenommen, die Floßftdern werden abgehauen und gewaschen, der Schwanz wird in den Rachen zwischen die Zähne gesteckt, so daß der Hecht einen Ring bildet; nun setze man das nöthige Salzwasser zum Feuer, gebe, wenn es kocht, den Hecht hinein, lasse ihn einmal aufkochen und alsdann zugedeckt eine Viertelstunde langsam anziehen; man hebe ihn hierauf mit einem Schaumlöffel behutsam heraus, lasse ihnablaufen, richte ihn auf die zum Anrichten bestimmte Schüssel an, be-
streue ihn mit feingehackter Petersilie
und brmae ihn zu. Tuche. Rem ausaelassene, frische Butter und abgekochte Kartoffeln werden besonders dazu servirr. Ser Muss. Wenn wir im Winter durch die Hauptverkehrsstraßen der Stadt promeniren und vor den hellerleuchteten Schaufenstern verweilen, um uns die neuen Modeheulichkeiten zu betrachten, bleiben wir, vor den Auslagen eines Kürschners angekommen, stehen. Da liegen sie ja im Schaufenster ausgebreitct, unsere Lieblinge, jene weichen, mit Seide gefutterten, runden Hüllen, die dazu bestimmt sind, die niedlichsten Hände warm zu halten! Ach ja, der Muff! Hat nicht schon sein Name für uns etwas Einschmeichelndes, etwas Molliges. Was bekommt der Muss nicht alles zu fehen und was verbirgt er nicht alles! Er muß das kleine, duftende Spitzentaschentuch aufnehmen, die Schachtel mit den Hustenpastillen, das zierliche Por temonnaie, den eben erhaltenen Liebes brief; und wird er nicht in den meisten Fallen mit den kleinen Veilchenstrauß chen oder den zierlich gebundenen Roscnknospen geschmückt, die uns Liebe auch im Winter spendet? Verbirgt nicht der Muff eine ganze MärchenWelt, ein ganzes Reich von Ennnerun aen? De? Muff hat eine Vergangenheit, und zwar eine sehr bewegte Vergangenbeit. Seine Heimath ist Frankreich; wenigstens versteift er sich darauf, dort das Licht der Welt erblickt zu haben. Daneben aber streitet sich Venedig um die Ehre, die Vaterstadt des Muffes zu sein. Im fünfzehnten Jahrhundert aalt der Muff als ein kostbares, hocharistokratisches Toilettenstück, das nur die vornehmsten Damen des Hores benutzten. Der damalige Muff war aus einem einzigen Stück Sammt angefertiqt, mit mehreren Watttnlagcn und Pelz gefüttert, an den Seiten mitSeide oder Brocat verbrämt und mit Klappen versehen, die man sich von Anderen zuknöpfen ließ, wenn man die Hände im Muff untergebracht hatte. Die Mode begünstigte den Luxus, den man anfing mit dem Muff zu treiben; man setzte an Stelle der Knöpfe, welche die Scitentaschen schlössen, Diamanten, Edelsteine und echte Perlen. Der berühmte AbS6 Robert d'Arbrissel eiferte damals in seinen Predigten gegen die fündhafte Eleganz des Muffes der Damenwelt, der aber nicht immer in den Händen der Frauen blieb. Auch die Männer bemächtigten sich seiner und trugen ihn als Luxusartikel zu den Zeiten von Henri III. Der männliche Muff bestand aus geflochtenen, purpurnen und goldenen Bandern, bestickt mit Passementerien und Perlen. Bur gersfrauen und Bürgersmänner wollten es den Vornehmen nachmachen, und da sie meist nicht die Mittel hatten, das kostbare Pelzwerk anzuschaffen, so tödteten sie Hunde und Katzen und fertigten aus dem Fell ihre Muffen an. Der erste Muff, der getragen wurde, war lang und schmal wie ein Futteral. Dann wurde er sehr kurz und seh? rund, bis er die Ricsenform annahm, die wir uns noch erinnern, bei unsern Großmüttern gesehen zu haben.- Dem Sammtmuff folgten Pelzmuffe und später Stoffmuffe, die zum Kleide passend gewählt wurden. Diese Mode griff sehr rasch um sich, so rasch, daß die Pelzhändler Grund hatten, zu bt fürchten, daß es mit der Zeit des Pelzmuffes vorüber sei. Um sich materiell zu retten, wußten sie sich nicht anders zu helfen: sie zogen den Stoffmuff ins Lächerliche; sie bezahlten Männer und Frauen, die in zerlumpten Kleidern, aber mit einem großen Stoffmuff in den Händen, durch die Straßen wandern und sich möglichst vor dem vornehmen Publikum zeigen mußten. Das Mittel wirkte: die vornehmen Damen entsagten dem Stoffmuff, sie singen an. nur noch Hermelin. Otter und Blaufuchs zu tragen. Später, als das Schlittschuhlaufen aufkam und die Damen sich von ihren Eavalieren im Schlitten auf der Eis bahn fahren ließen, tauchte der langhaarige Muff aus Angora auf, dessen langherabwallendes Fell sich wie eine Schutzdecke über die Kniee der Schlittcnfahrerin legte. Zu Ende des achtzehnten Jahrhun derts wurde der Muff wieder außer gewöhnlich klein, in elegant nach den Seiten zugeschweifter Form; er derbarg dabei nicht allein einen Behälter, der das Taschentuch und den Liebesbrief aufnahm, sondern auch eine geschickt verborgene Falte, in der das Portemonnaie Unterkunft finden konnte. Um diese Stelle möglichst zu verdecken, fertigte man den Muff aus sibirischem, langhaarigem Wolf an, und trug ihn so lange Jahre hindurch. Der wirklich typische Muff ist der, den man um die Zeit von 1830 trug, in seiner übergroßen, protzenhasten Form, ! die den Reichthum der Bürgerin kenn- , zeichnen sollte und vorzüglich zur Erinoline und zu den Keulenärmeln paßte. Das ist derselbe Muff, den man in den Erzählungen von Paul de Eocq wie- - derfindet, der Muff, der eine ganze Fülle von köstlichen Scherzen und barmlosen Abenteuern verbirgt. Er spielt auch in der Geschichte: Das Leben in der BohSme", eine Rolle; die sterbende Francine drängt den Gelieb!en zum Ausaben, indem sie ihm aufträqt: Geh, Liebster! ich fühle mich heute sehr wohl; ich werde bald gesund sein. Aber es wird kalt und ich brauche einen Muff geh, kaufe mir einen schönen, großen Muff, den größ- ' ten. den Du findest!" Er geht und kommt mit einem Muff wieder; Fran-
cine legt ihr sreudenstrahlendes Gesicht
darauf und stirbt aus dem weichen. Muff. Die beutiae Form des Muffs verdanken wir den Launen einer beriihm ten .französischen Schauspielerin. Sie war sehr klein, zierlich und schmal und wurde in den Rollen, rn denen sie mit dem großen Muff auftrat, von diesem zu? Hälfte verdeckt. Das ärgerte sie derart, dav sie sich, kurz entschlossen, einen winzigen Muff anfertigen lth und damit auf der Bühne erschien. Zwei Tage später trug ganz Paris d:n kleinen Muff der Sa)aup:eler:n, und keine Zeit hat es vermocht, ihm seitdem seine frühere Größe wiedcrzuze--ben. Der diesjährige Mntcrmuff ist theilweise in sein früheres Stoffgewa.id' zurückgekehrt; man tragt vielfach cinc flachen, taschenartiaen Muff ausSammt oder Stoff, zum Kleid paf send, den man mit hellen Spiken. 5ettspangen. Wandschmuck und ausgestopft, ten Vögeln schmückt. Wie man indern Naturgeschichtebeibringt. Es ist bekannt, daft Kinder aernefragen, ja zuweilen lästig damit werden.ohne viel Vortheil davon zu haben,. wen ne leiten über d:e Frage nachden-" ken und die Antwort wieder versessen. Wenn nun mein Vater, welcher längere eil m:t jeiner Familie aus dem Lande lebte, z. B. von einem Kinde befragt wurde: Vater, was ist das für eln Thier?" so sah er sich gar nicht danachum. sondern antwortete: Sage mir' erst, wie es ist. dann will ich Dir sagen. wie man es nennt." Nun", sagte der kleine herzhafte Krauskopf und sah. sich vorsichtig das Thierchen in seinerhohlen Hand an. es ist wie eine kleine Schlanae.hat aber vier Füße und kleineSchuppen und ganz geschwinde Augen und sieht beinahe grün aus." Daswird also wohl eine Eidechse sein", ?ntgegnete mein Vaier und fügte dann hinzu, was des Thierchens Gattung seine Nahrung. Aufenthalt etc. betraft was natürlich gleich darauf den Geschwistern mit wichtiger Miene wieder--erzählt wurde. Dasselbe fand nicht nur mit Thieren, sondern auch mit' Bäumen, Blumen und Steinen statt, und es kam bald dahin, daß sich d; Kinder zu ihrem Vergnügen auf's Beschreiben unk Beobachten einübten, selbst von solchen Gegenständen, die sieschon zu nennen wußten oder die sienicht vorzeigen konnten; denn der Vater lobte einen klaren und deutlichen Vortrag, und die Kinder nahmen es für einen sehr demüthigenden Verweis wenn er sagte: Du' hast Dir's nicht recht angesehen." Alles Gute aber was dem Menschen in der Kindheit dadurch gelehrt und eingeprägt wird, daß. man ihn selbstthätig dabei sein läßi wächst mit ihm und trägt noch anderweite Früchte: so kam es auch, dafr jene Kinder später in ihrem Leben gut: Beobachtungs- und Unterscheid dungsgaben bethätigten und nament--lich Menschenkenntniß gewannen. Die Natur aber haben sie unaussprechlich, lieb behalten. Tinte für die Toilette. Müde und abgespannt fand ein Afrikareisender im Kraal eines Hotten--tottenhäuptlings gastfreundliche Auf--nahm:. Am nächsten Morgen wollt: er sein Reisetagebuch vervollständigen, bemerkte aber mit Bedauern, daß sein Tintenvorrath eingetrocknet war. Schon packte er das Schreibmateria5 wieder zusammen, als er auf einem. Bambusständer ein Glas entdeckte, das' sieb als ein bis zum Rande gefülltes Tintenfaß entpuppte. Erfreut fcar über, nahm er die beabsichtigten Ein--tragungcn vor. Plötzlich wurde er da-" bei durch eine junge Negerin gestört, die ihm hastig das Tintengefäß wegnahm. Ihr Geschrei lockte auch die anderen Glieder der königlichen Fami--lie" herbei, und nun erfuhr der vblüffte Fremdling, daß er ein schweresVerbrechen begangen habe, indem seine ungeweihten Hände sich mit dem sorglich bewahrten Tintenvorrath zu schaffen machten, den eine reich: Tante des Monarchen" von einem europäischen' Händler als Toilettemittcl zur Verschönerung der Haut erkauft hatte Der Reisende wurde wegen diefer Frevelthat zum Tode verurtheilt, sein Leben aber noch glücklich durch den Eapitän eines in der Nähe ankernden Krieasschiffes dadurch gerettet, daß dieser die tieferzürnte Hottentottentante durch das Geschenk eines großen: Gefässes mit schwarzer Tinte beru biate. Dreieinigkeit der wahren Schönheit. Nicht weniger als einunddreißig-. Dinge sind zur Schönheit des Weibeserforderlich, und zwar Weiße: in dreu Punkten, das sind die Haut, die Zähne' und die Hände. Für die Schwärzer die Augen, die Augenbrauen und die Wimpern. Für drei ist Röche wünschenswerth: die Lippen, die Wangeir und die Nägel. Drei Dinge sollen lang. sein: Der Körper, das Haar und die Hände, drei andere dagegen kurz: Die Zähne, die Ohren und die Füße. Drei müssen sich durch die Breite auszeichnen: Die Brust, die Brauen und der Raum zwischen den Augenbrauen. Drei möchte man schmal sehen: den Mund, die Taille und den Rist. Drei der Dinge aber dürfen groß ausfallen: die Arme, die Hüften und die Beine, drei andere dagegen recht zart und fein: die Finger, das Haar uno die Lippen, und schließlich drei recht klein: die Büste, die Nase und der Kopf. Nur was in dem Kopfe enthalten sein soll, davon schweigt die dreieinigt. EchönheUregel!
