Indiana Tribüne, Volume 18, Number 122, Indianapolis, Marion County, 20 January 1895 — Page 6
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3m Zlciüzc der Mode. AuS der Fülle geschmackvoller Nod!täten bringen wir heute mehrere Toileiten zur Anschauung, deren gediegene Eleganz sicherlich 'den Beifall unserer schönen Leserinnen finden wird. In der ersten Abbildung ist einCostüm aus Tuch und Sammet mit gestickter Weste dargestellt. Dieses hübsche Costllm, das aus attblauem Tuch gefertigt ist,
C o st ü m u s Tuch mit Weste. zeigt auf ixm glatten Nock vorn und hinten an beiden Seiten eine Verzierung von Patten aus dunkelblauem Sammet, die je mit einem großen Stahlknopf auf demNock befestigt sind. Die, hinten glatte, kurze Taille bildet vorn Jäckchentheile, die. in tor Mitte einander übertretend, mit einem Stahlknöpf geschlossen sind und oben wie unt:n einen Westentheil von gesticktem, weißem Tuch sichtbar werden lassen. Aus gleichem Stoff und Sammet bestehen' auch die Doppelrevers, welche hinten aneinander treffen und daselbst breite, sich zuspitzende Kragentheile bilden. Den unteren Nand der Taille deckt ein schmaler Gürtel, welcher, ebenso wie der mit einer Schleife verzierte Stehkragen und die bauschigen Aermel. auS Sammet besteht. SeidentoZletie :n i t Samm e t t a i l l e. Das sehr aparte, wirkungsvolle Cosiiim. Figur No. 2, ist aus fahlgrünem, krochirtem. sowie blaßrosa Seidenstoff mit moosgrünem, perforirtem Samm:t zusammengestellt und mit schmalen S'.r?ifen von Bisampelz garnirt. Aus ersterem Stoss besteht der glatte, hinten iütenartige Falten bildende Rock, der mit einem vorn unter einer Schleife endenden faltigen Gürtel von gleichem S!?ff abschließt. Die Bluse, welche teilweise durch eine ausgeschnittene, alctie Taille von perforirtem Sammet überd'ckt ist. wird aus rosa Seidenstoff c-earbeitet und mit halblangen Aermeln ton brochirtem grünem Seidenstoff r:röunden. Kleid aus Cheviot. Madeirabrauner, grün durchschössener Cheviot loucl5, brauner, sowi: Heller changeant Sammet und dunkelbraun: Pe'lzstreifen bilden das Material für die in der dritten Abbildung veranschaulichten Toilette, deren runder Neck am unteren Nand mit einem Pelzstreifen, außerdem mit drei braunen Sammetölenden garnirt und hinten in röhrenartige Falten arrangirt ist. Die einander übertretenden Bordertheile dcr kurzen Taille schließen einen chemisetteartigen Theil von eingekraustem, Hellem Sammet ein und sind am oberen Nade mit braunen Sa..lmetrosetten und -Streifen garnirt, welche sich auf dem glatten Rückentheil bis zum Seitenthei! fortsetzen. Ein faltiger Stehkragen auö dunklem Sammet begrenzt die Taille, die mit Kculenärmeln verbunden und durch eine Spitzenkrawatte verziert ist. Besonderen Effect macht die aus grünem, brochirtem Seidenstoff und
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trmefarbener Seidengaze zusammengestellte Toilette, Figur Ro. 4, welche
Toilette aus Seiden st off und Gaze. am unteren Rande des aus Seidenstoff gefertigten Rockes mit einer Rüsche garnirt ist. Die hinten glatte, vorn am Taillenabschluß und an den Achseln leicht gefaltete, mit wetten, bauschigen Aerme'ln verbundene Taille öffnet sich über einem eingereihten, mit einem faltigen Stehkragen verbundenen Latz von Seidengaze, der von einer höchstekzenden, sich nach unten zuspitzenden Frisur aus Seidenstoff eingerahmt wird. Toilette in Princeßform. Das ganz glatt in Princeßform gearbeitete, hinten geschlossene Costüm aus grauem Tuch, Figur No. 5, ist passenartig mit mattblauem, plissirtem Surah garnirt, der vorn eine Spitze bildet und mit einer grauen Perlbordüre umrandet ist. Ein mit gleicher Bordüre überdeckter Stehkragen, sowie in Keulenform geschnittene Aermel vervollständigen das Kleid. Kühlungs-Automat für den nächsten Sommer; auch für Theater, Bälle und Restaurants geeignet. Gleich und Gleich. Studiosus Bierhuber und s?:ne treueste Flamme, die jedoch sehr feuchtfröhlicher Natur ist! Bereitwilligkeit. Wiir dest Du einen Schauspieler lieben können. Rosalie?" Rosalie: Hm, weshalb sollte ich es nicht wenigstens versuchen?" Triftiger Grund. O, die gestrige Preoigt war tiefergreifend! Hast Du nicht auch an einigen Stellen geweint?" Ach. ich durfte ja nicht, mein Schleier färbt ab!" Borbereitung. A: Eine glänzende Partie hätte iq mit 50,000 Dollars. Wollen Sie die Photographie sehen?" B: In Gottes Namen. Aber bitte, geben Sie mir vorher ein Glas Cognac!" Bor Gericht. Richter: Sie haben auf der Straße gebettelt und hatten 20 Dollars in Gold in der Tasche. Angeklagter: Ja., die Leute, die ich ansprach, sahen alle nicht so aus, als ob sie mirchätten wechseln können!
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rj.,ÜU Nrf) Humoreske aus dem Lcbe eines Eisenbahn Magnaten. Die nachfolgende Geschichte habe ich nicht selbst erlebt; am Ende geht sie mich aus diesem Grunde gar nichts an. Es ist die Geschichte eines Eisenbahnmagnaten, welcher sie nicht erzählen will. Welcher Eisenbahnkönig würde auch zugeben, daß auf seiner Bahn ein Zug von Räubern angehalten wurde, so oft er sich auch darüber freut, wenn das Malheuer eine (Ion-currenz-Bahn passirt? Ein andrer Grund, warum ich die Geschichte nicht erzählen sollte, ist der. daß ich sie nicht mit dem Schwung und Geist des Ei scnbahnkönigs zu erzählen weiß. Der Mann war nämlich betrunken, als er die Geschichte zum Besten gab, und wo sollte ein nüchterner Mann mit itr Feder in der Hand den esprit hernehmen, der aus ner Champagnerflsche aufsteigt. Ein nüchterner Eisenbahnkönig würde die Geschichte von frcrn herein nicht erzählen; vielleicht schon nicht, weil sie wahr ist. Als ich ihn am nächsten Tag darüber frug (er war gerade mit seinem Kater beschäftigt), sagte er kleinlaut: Ich hätte nicht geglaubt, daß ich einen solchen Affen hatte." Er bat mich, von der Sache nichts zu sagen und ich gab ihm mein: Hand darauf. Ich schreibe "die Geschichte ganz einfach. Ein Schuft der Mann, welcher fein Wort nicht hält und wenn es nur einem Bahnmagnaten gegenüber wäre. Die Bahn führt durch die wilden Gegenden von Nord-Carolina. ' und Tompkins war seit mehreren Jahren der Leiter derselben. Der Schienensträng schlängelt sich durch die Gebirge, um sich hier und dort' förmlich in Schluchten und Felsen zu verwickeln. Die Locomotive stößt ein entsetzliches Geschnaufe aus, wenn sie sich die steikn Anhöhen hinaufwindet und dann wieder auf der anderen Seite über wackelige Stege hinab in die Tiefen stürzt. Sie berührt aber auf ihrem Wege undan ihren beiden Enden reiche Städte und Ortschaften, so daß die Bahn im Stande ist, dem Manager" ein ganz anständiges Salair zu bezahlen. wenn sie auch noch nie den Fehler begangen hat, Dividenden, auszuwerfen. Eines Tages machte eine Anzahl reicher Herren einen Ausflug über die Bahn, und da unser Magnat in derselben Richtung reiste, so ließ er seinen Privatwagen dem Schnellzuge anhängen; und fort ging es. Erzählt sein Erlebniß. Wie mir Tompkins fagte, ist so ein Privatwagen von einem gewöhnlichen Passagierwagen ziemlich verschieden und übertrifft in manchen Einzelheiten soaar den aristokratischen PullmanWaggon. Natürlich hängt in dieser Beziehung viel vom Magnaten selbst ab. Ist dieser zum Beispiel ein Temperenzler doch, wozu über das Unmögliche viel Worte verlieren? Tompkins. welcher mit allen Eisenbahnmagnaten bekannt ist, sagt, daß dieselben zufrieden seien, wenn die Zugbediensteten Temperenzler seien und dieSchrulle nicht bis zum Extremen trieben. Unter dem Ertremen versteht Tompkins seinen Privatwagen am äußersten Ende des Zuges. Wie gesagt, die Einrichtung eines solchen Wagens ist hochfein und umfaßt Burgunder, Champagner. Kentucky-Schnäpse und echte Havannah-Cigarren. Als obige Fahrt stattfand, war es nur noch, wenige Tage vor Weihnachten. Die Reisenden machten Besuche und waren somit wohl mit Geld versehen. Im Expreß-Wagen befanden sich außerdem 5400.000, welche für New V?rk bestimmt waren. Sämmtliche Nabobs befanden sich in dem Privatwaggon, und amüsirten sich ganz vortrefflich, obgleich sie nicht ganz in Bewunderung für die schöne Landschaft ausgingen, welche der Zug durcheilte. Als sich letzterer gerade in der romantischsten Gegend befand, ertönte der laute schrille Pfiff der Locomotivc. dann folgte ein heftiger Stoß, und der Zug kam zum plötzlichen Stillstände. Was gibt's?" rief Jedermann. Ich weiß nicht," sagte 'Tompkins, indem er ein wenig erbleichte. Ich werde nachsehen, während Sie hier bleiben." Niemand wußte von dem Gelde im Ezpreßwagen. - Der Magnat stieg von seinem Wagen; seine schlimmsten Befürchtungen hatten sich bewahrheitet, denn eine kurze Strecke von der Locomotive sah er einen Hausen Klötze und Eisenbahnschwellen quer über dem Geleise liegen. Die Locomotive und der Expreß-Wa-gen waren von wild aussehenden Burschen umgeben; Kerle, welche ohne Zögern einem Nebenmenschen eine blaue Bohne in den Leib jagen, wenn sie ihren Spaß daran finden. Bor ihnen standen der Expreß-Bote und der Lo-
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camotivführer und hielten die Hände über dem Kopfe.
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Die Ausrüstung des Eisenbahnkönigs. Was ist geschehen?" frug einer der Nabobs, welcher dem Magnaten ge folgt war. Wir sind vort Muberr. überfallen worden." antwortete dieser. Gehen Sie zurück und warnen Sie die Herren, damit sie ihre Werthsachen verstecken. Ich weiß, was die Kerle wollen. Wir führen nahezu eine halbe Million Dollars mit uns. Ich will versuchen, mich mit den Gaunern zu verständigen." Der Magnat war ohne Zweifel ein muthiger Mann. Während er den Zug entlang ging, faßte er den Entschluß, lieber das Geld zu opfern als es zu Mord und Todtfchlag kommen u lassen. ftlW WH M Ein Durstiger Räuber. Was geht hier vor?" rief er, als er die Banditen erreicht hatte. Was geht das Sie an, wer sind Sie überhaupt," antwortete der Kerl, welcher den Expreß-Boten mit seinem Gewehr deckte. Wer ich bin? Ich bin der Manaqcr" dieser Bahn. Was fällt Euch ein. daß Ihr einen meiner Züge anhält?" sagte Tompkins muthig. Der Mann senkte den Lauf seines Gewehrs und sah sich Tompkins genauer an. Was willst Du. daß Du mich so anglotzst?" frug der Manager". Was ich will?" antwortete der Mann. Ich will Dir sagen, daß Deine Bahn eine ganz erbärmliche ist, und wir werden der Geschichte ein Ende machen. Ich will nichts sagen, daß Deine Eisenbahnler meinen Hund mit Kohlen bombardiren. daß sie mein Weib insultiren oder sich über meine Kleider lustig machen. Wenn sie aber meinen Schnaps saufen, dann soll sie der Teufel holen." Wer vergreift sich an Eurem Schnaps?" frug Tompkins. dem die Beschuldigung unverständlich war. Ich meine was ich sage. Sie können meinen Hund mit Kohlen bombardiren, sie können mein Weib " Ja, ja, aber was ist das mit dem Schnaps? Was haben meine Leute mit Eurem Schnaps zu thun?" Was?" sagte der Sprecher höflicher. Sie wissen das nicht und wollen Boß" diese? Bahn sein? Unser Bergschnaps ist gut genug für gewöhnlichen Gebrauch, an Weihnachten aber wollen wir etwas Besseres. Vorgestern gab ich Ihrem Mann in diesem Wagen hier einen Schnapskrug und zwei Dollars, damit er mir einen echten Kentuckier für den Festtag mitbringe. Gestern passirte der Zug hier durch mit Krug und Schnaps ohne anzuhalten. Das lassen wir uns nicht gefallen und wenn es einen ganzen Zug kostet." ,i ri W&jt tzy v i: w wty& n ' w Sie erwarten den Zug. He da." sagte Tompkins zu dem Expreß-Boten, haben Sie die zwei Dollars behalten?" Ich habe nichts gethan," antwortete der Mann. tZ muß Bill Simmons vom No. 9 gewesen sein." Ihr wollt also Euren Schnaps?" frug der Magnat die Kerle erleichtert. Nichts mehr und nichts weniger," lautete die Antwort. Außerdem hat der Mann mein Geld und meinen orug." Das wollen wir bald in's Reine bringen. I't ein Schnapskrug auf dem Zuge?" Hier ist einer." sagte der Sprecher und griff hinter einen Baumstamm, woselbst die Kerle gesessen hatten, um die Ankunft des Zuges abzuwarten. Tompkins' ergriff den Krug, leerte zum Schrecken der Verabewohner den Inhalt auf den Boden 'und trat einen Gang durch den Zug an. Ich brauche Ibren Whisky meine Herrschaften." sagte er, und seien Sie froh, daß Sie so billigen Kaufes davonkommen. Ehe er zwei Waggons durchschritten hatte, war der Krug bis zum Halse mit Schnaps, angefüllt. Tompkins kehrte
nach der Locomotive zurück und ga) den Krug dem Führer der Bande, welcher dem Locomotivsllhrer und dem Exprekboteni erlaubte, eine bequemere Stellung einzunehmen. Versucht den Schnaps", sagte Tompkins. Der ist famos!" rief der Führer leohaft. Ein famoser Schnitt!"
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Gehen zufrieden ab. Das will ich meinen," antwortete Tompkins. Ich habe ihn selbst geschnitten. Der Schnaps enthält jede Sorte, die im Lande hergestellt wird. Ich verspreche Euch, daß No. 9 morgen Euch Euren Krug an dieser Stelle abliefern wird, sonst gibts ein DonnerWetter. Seid Ihr nun zufrieden?" Jawohl," fagte der Anführer der Bande, die sich nun daran machte, das Geleise zu befreien und fuhr fort: Ihr seid ein Ehrenmann, wenn Ihr Euch auch für den Manager der Bahn ausgebt. Eure Leute können sich über meine Kleider lustig machen, mein Weib insultiren und meinen Hund mit Kohlen bombardiren, so lange sie w'lssen, daß sie mich mit meinen Schnaps nicht zum Narren halten dürfen." Der Verrüther Dreyfus Das Babel an der Seine hat dieser Tage ein ungewöhnliches militärisches Schauspiel erlebt: die öffentliche Degradation des zu infamer Cassining und lebenslänglicher Deportation verurtheilten Capt. Dreyfus. Der Berurtheilte war als Artilleriehauptmann zur Dienstleistung im Kriegsministerium commandirt und soll miliiärische Geheimnisse von der größten Capt. Dreyfus. Wichtigkeit an eine fremde Mach! derkauft haben. Das Kriegsgericht hat den Angeklagten einstimmig für schuldig befunden, doch ist über die Details des Berraths Nichts in die Oeffentlichkeit gelangt. Capt. Dreyfus ist als Sohn einer angesehenen israelitischen Familie am 8. October 1859 in MülHausen im Elsaß geboren. Er ist groß und schlank. Trotz seiner Verhältnißmäßigen Jugend ist sein Haupthaar bereits stark gelichtet; sein Gesichtsdruck läßt ihn eher als einen flotten Officier erscheinen als einen gemeinen Bercäther. welcher die schimpflichste Strafe, die es für einen Soldaten gibt, hat über sich ergehen lassen. Ein. Schweren L ther. Kunstfreund: Sie sind eine Oesterreicherm, nach Ihrem Dialekt zu urtbeilen? Balletteuse: Nu, steil:, aus Graz bin i! 'Kunstfreund: Ah, daher auch Ihre graziösen Bewegungen. Berechtigter Einwand. Nedner (im Verein der Vogelfreunde, stotternd): Ich ich be be sitze zu Hause einen St Staar. der kann förmliche R Reden ha halten Zuruf: Warum haben Sie den nicht an Ihrer Stelle kommen lassen! Wohl berechnet. Tante (welche die Weihnachtsgeschenke auspackt): Und wer soll diesen Leierkasten bekommen?" Vater: Den muß der Paul kriegen!" Tante: Warum denn gerade der?" Vater: Weil er das Ding am schnellste!? kaput macht!" M i ß v e r st ä N'd n i ß. Herr: Sie wollen meine Tochter heirathen?" Bewerber: Ja!" Herr: Können Sie denn mit dem, was Sie bekommen, eine Frau ernähren?" Bewerber: Ja. Sie haben mir aber noch gar nicht gesagt, was ich bekomme!" Mißverständnis Patient (zur Krankenpflegerin): Warum sehen Sie denn fortwährend nach dun Thermomjeter an der Wand?" Krankenwärterin: Na, der Arzt hat doch gesagt, wenn 'die Temveratur steigt, soll ich Ihnen, das Schlafpulver geben." .
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pljrcr Mädchen. Frisia non cantat" ernst ist der Nordländer, der Angesichts des wild brausenden Meeres in harter Ar beit seinen Lebensunterhalt erwirbt. Ihm fehlt die leichte Beweglichkeit des süddeutschen und Tiroler Burschen, der mit einem Juchzer die steilen Bergeskuppen und sonnigen Matten erklettert und keinen höheren Genuß kennt, als beim Fiedeln der Musikanten das dralle Dierndl herumzuschweuken. An ders der Küstenbewohner, der tagelang einsam auf der hohen See weilt, mit dem Fischfang oder der Robbenjagd beschäftigt. Aber kernig wie das süddeutsche Gebirgsvolk ist auch der Friese, hier wie dort ein Kampf mit Naturgewalten, deren Uebermacht tag täglich die äußerste Anstrengung des Körpers und des Willens erheischt.
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Junges Mädchen. Mit Eifer hängt namentlich der Friese an den alten Gebräuchen und Sitten, und die Frauen haben es noch nicht verlernt, die alten, kleidsamen Gewänder anzuziehen. Die Föhrer Mädchen sind keine derben, vierschrötigen Gestalten, sondern schlanke, elegante Erscheinungen, deren Teint eine sammtne Weiche zeigt. Das reiche Costüm bringt das Ebenmaß der Figur zur schönsten Geltung. Das gleich einem Turban um den Kopf geschlungene Tuch ist aus schwarzem Kaschmir, mit langen seidenen Fransen versehen und mit einemBande besetzt, das reich mit bunten seidene" Blumen bestickt ist. Auf dem Hinterköpfe tragen die Mädchen die Haarflechten sichtbar, während diese bei den Frauen durch ein Stück rothen Zeuges theilweise verdeckt sind. Ein ähnliches Tuch wird so um den Hals gelegt, daß es. oben weit abstehend, die blendende Frische der Haut durchschimmern läßt. Das knapp anschließende, dunketfarbige Mieder ist an der Brust mit zwei Reihen großer silberner Knöpfe in feiner Filigranarbeit geschmückt, an welche sich zur Festtracht quer über die Brust geschnürte, silberne und goldene Ketten anschließen, mit alten Münzen und Schaustücken behängen. Im Sonntagsputz. Der lange faltige Rock ist aus dunkelblauem Tuch, unten herum mit einem breiten hellblauseidenen Bande garnirt; eine breite lange Schürze aus dunkelgeblümter Seide oder Wolle oder feinem weißen Mull wird hinten durch eine silberne Spange zusammengehalten. Durch den Zweien, dauerhaften Stoff und den Silberschmuck repräsentirt eine solche Tracht einen Verhältnißmäßig hohen Werth. Nach der Verlobung. Braut: Mein Verlobter schreibt, er schwimme in einem Meer von Seligkeit!" Freundin: Gib nur Acht, daß er nicht plötzlich vom Krampf befallen wird!" F a r m e r w i tz. Kunde: Das sind doch keine Spring-Chicken? Die sind ja wenigstens sieben Jahre alt!" Farmer: Das ist ganz recht, mein Freund. Sie sind in ihrer zweiten Kindheit." Verblümt. Liebe Else. warum bistDu denn heute gar so tröstlos?! Du siehst ja aus, als ob Dir etwas ganz Schreckliches wilderfahren wäre!" Ach. denke Dir nur ich kann es Dir gar nicht sagen: mein Bräutigam, dieser Barbar, ist dem Junggesellenclub beigetreten!"
Hit Cigarette im Zraucnmunde. Wie die Wölkchen aus dem Munde strömen und rasch in einander vergehen, in ein unbekanntes Element flie hend, denn selbst das Licht ist nur ein Durchgang für sie, wie unerschöpflich die neuen dasselbe Loos suchen! Ein zweckloses, kurzes Dasein umspinnt uns liebend, ein Symbol des Lebens, ohne daß wir daran denken, denn der Gedanke wäre als Abstraktion schon eine Störung dieses ruhevollenSchwelgens. Es umspinnt uns dumpf und unmittelbar als Gefühl der Reiz zu leben, der so unerforschlich ist und unzugänglich dem Verstände, wie der Reiz des Rauchens. Es umfluthet uns fühlbar die Lust am Dasein ohne In halt. Das ist eine Mystik des Rauchens, und wem sie erst erklärt werden muß. dem kann man sie nicht erklären." Dem kann man sie nicht erklären." Aber wo wäre die Frau, die diese Mystik verstände, der man sie nicht erst erklären müßte? Die so arm wäre, für ihre Phantasie keine Anregung, ihre Träumereien keine Gestalten zu finden? Die sich erst den betäubenden Reiz des Tabaks verschaffen müßte, die der wesenlofen, nebelhaften Traumgebilde bedürfte, um ihre Seele in jenen süßen Halbschlaf zu versenken, den Hieronymus Lorm in poetischer Weise wunderbar verlockend schildert? Es umfluthet uns die Lust am Dasein ohne Inhalt." Wer kennt die ffrau, die ein solches Dasein, ein Dasein ohne Inhalt, anstrebt? Die überhaupt im Stande ist. sich ein solches vorzustellen, sich ein solches nur minutenlang vor zuträumen? Das Wesen der Frau wurzelt im Thatsächlichen; das wirk liche Leben beschäftigt, beherrscht sie; alle ihre Vorstellungen, Gedanken bewegen sich in dieser Sphäre, und wo ihre Phantasie sich zu Höherem, zum Ewigen emporschwingt, hat selbst diese ihren Ursprung im Geschauten und Erlebten. Wehe der Unglücklichen, de? das Nikotin zum Mittel werden mußte, um sie für kurze Frist das Elend ihres Daseins vergessen zu lassen! War denn ihr Leben so leer, so bar alles Glückes? Nein, im Dämmerlicht der Erinnerung kann die Frau jene süße Versunkenheit finden, die der Mann sich durch den Genuß des Tabaks verschassen muß. Nicht das ist es. was die D.iiii aux cifrarettes sucht. Es ist wohl fast immer nur ein Mittel zum Aweck. pikant zu erscheinen. Wird aber dieser Zweck erfüllt? Fast nie. Fast immer gefällt die Cigarette im Munde der Frau nur dieser selbst. Oder soll die Cigarette als leuchtender Beweis gelten für die Gleichberechtigung der Frau? Die Frau, die ihr Recht, gleichgestellt zu werden, nur auf diesem Wege dokumentiren kann, die fcat kein Recht auf die Gleichstellu.ig. Und thut sie dies auf andere Weise, wozu die Cigarette, die das lieblichste Frauenantlitz verunstaltet, indem es die schönsten, weichsten Linien la, unnatürlicher Weise verändert und veizlerrt? Wozu die Cigarette, die den Frauen im wahrsten Sinne des Wortes den Duft der Weiblichkeit raubt? Wir hörten einst den kindlichen Ausruf eines kleinen Mädchens beim Gute Nacht-Kuß" der Mutter: Pfui, Mama, Du riechst wie der Schnu'.rbart vom Papa." Die Mutter lachte, aber sie hat seither nicht geraucht. Warum muthen die Vertreterinnen des in pbysischer Beziehung wirklich schwächeren Geschlechtes ihren Nerven durch die Gewohnheit des Rauchens noch größere Aufgaben zu. als sie sonst schon zu bewältigen haben? Warum setzen sie. die so eitel sind, ihre Zähne der sichern Verderbniß oder wenigstens Verschlechterung aus? Sie. die sonst der Ei:el keit durch dick und dünn folgen, fi?. die sich sonst geduldig den Qualen des Corsets, eines knappen Stiefelchens aussetzen, um den Reiz ihrer Perlon zu erhöhen, setzen freiwillig allerlei Reize auf's Spiel, nur um den Genuß des Tabakqualmes zu haben. Äir können es nicht glauben, daß dieser Genuß so groß ist, daß er stärker wird als alle Bedenken der Eitelkeit, im Geaentheil. n:.r mißverstandene Eitelkeit selbst vermag so stark zu sein, um alle gegen das Rauchen ix's Feld geführten Gründe zu erschüttern. Die Vorliebe für den Tabak ist keine in der Natur der Frau begründete; angekünstelt und anerzogen mag sie zur Gewöhneit werden: an der Erziehung, vor oder in der Ehe, ist es, eine solche Gewöhnuna; nicht aufkommen zu lassen, da sie weder nützlich, noch kleidsam ist. Der Frau ziemt die Pflege des Guten und Schönen, zunächst an sich selbst. Wie schön, in wie verlockenden Farben Hieronymus Lorm auch den Genuß des Rauchens schildert, wie verführerisch auch er diesen geheimnißvllen Zauber darstellt, was dieser feinsinnige Dichte? sagt, gilt nur für den Mann. Solchen Zauber muß jede Frau aus ihrem eigenen Gemüth schöpfen können; sie bedarf des papierenen Zauberstäbchens nicht. Der poetische Hauch, der die geliebte Frau umzittert, wird zerstört, zerrissen durch die häßliche Rauchwolke, in der sie verschwindet; wenn Frauen rauchen, begeben sie sich freiwillig eines hohen Reizes, des Reizes, anders zu sein als diejenigen, deren Bewunderung sie suchen.
E t w a s A n d c z t ?. A.: Wissen Sie, Sie sind em Aufschnei der B.: Nein, da wurden Sie falsch berichtet! Ich bin ein Zu schneider! Mißverstanden. Herr: Wissen Sie auch, daß ich Sie gekannt habe, wie Sie noch kurze Kleidchen tru gen?" Fräulein (errathend): O, Sie wissen daß ich früher veiQ Ballet s3a1V
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