Indiana Tribüne, Volume 18, Number 122, Indianapolis, Marion County, 20 January 1895 — Page 2

N o r t r a g,

XiehaUcn in der Lranen-Versamm Ittnit von C-uphtmia Morschtlippel. Meine Tarnen! (5s ist sicherlich ganz zeitgemäß, ban auch wir einmal unscrnNotHstand in den ttrcis der Bcsprechungen zicIm, um den Männern den Standpunkt ganz gehörig klar zu machen,' denn es ist wohl nicht zu viel gesagt, wenn ich behaupte, dak die Frau niemals mit ihrem Haushaltungsgeld auskommen karrn. (Ich danke für die Zustimciuna!) Meine Damen. Sie wissen ja wohl Alle, wie es zugeht. Da bekommt die VsTau jede Woche ihr Haushaltunzszeld vorzählt. und das soll dann die ganze 3eit über reichen; und wenn es rcial zwei oder drei Tage früher alle ist, dann brummt der Mann und sagt: Liebes ZZind. Du mußt sparen! Denn taenrc der Mann nichts herausrücken will, dann sagt er liebes Jlind", sonst muß es di? Frau oft genug zu ihm sacen. elie sie was bekommt, aber das ist arundfalscb und das darf nicht sein. (Ich danke für die Zustiminurq!) Und roenn man es wirklich mit dem Sparen versucht, und alle Tage ein paar Bohnen weniger zum Kaffee gibt, und schließlich zum Cichorien seine Zuflucht nimmt, damit man auch mal eine Damenaesellschaft einladen kann 0 bitte, meine Damen, Sie brau-Än nicht Oho! und Hört, hört! zu rufen, bei den Gesellschaften, die ich gegeben habe, ist kein Cichorien in den Kaffce gekommen. Ich wollte auch nur damit beweisen, wie verfehlt das ganze Sparen ist, denn dabei kommt gar nichts heraus. (Ich danke!) Wenn man es aber in anderer Weise versucht und beim Kaufmann und beim Oäcker und Schlächter Alles anschreiben läkt. dann kann man es freilich dafjin bringen, daß man auskommt. Aber dann saat der Mann: Siehst Du, liedes Kind, es geht, und man verwöhnt lhn sich blos. Zuletzt kommt aber doch mal die Rechnung, und dann ist der Teufel los. und das darf nicht sein! sch danke für, die Zustimmung!) Hat man aber wirklich einmal einen kleinen Zuschuß erhalten, dann soll der wer weiß wie lang? reichen, und wenn man dann die Moderechnung vorlegt, dann bekommt man es vorgeworfen und es heißt: Das kostet so viel Geld! Denn das laaen die Männer gar zu gern; sie selber aber verpulvern das Geld nur so. und verdienen nichts, weil sie sich richt genuq Mühe geben und allerhand dumm: Streiche machen. Ja wohl, den Ehemann möchte ich sehen, der sich nicht ganz getrost alle Tage sagen lö'inte. daß er einen dummen Streich gemacht hat. (Ich danke für die Zustimmuna!) Und müssen wir uns denn gefallen lassen, so knapp gehalten zu werden? Ist denn der Mann nicht verpflichtet. Alles zu bezahlen, was die Frau braucht? (Ich danke!) Dafür bekommt die Frau ja doch seinen Namen, damit sie Alles auf seinen Namen holen kann! Aber das wollen di: Männer nicht einsehen und das darf nicht sein. (Ich danke für den Beifall!) Sie sehen also hieraus, mein: Dainen, daß wir uns in einem Nothstand befinden, und es ist ganz in der Ordnun?, wenn wir in kräftiger Weise vuf schleunige Beseitigung desselben dn?en. Wir erreichen dies aber am besten durch Annahme der folgenden Nesolutionen: 1. Das Haushaltungsgeld ist so zu bemessen, daß die Frau damit ausreicht. 2. Wenn es zu früh alle wird, so ist dies ein Zeichen, daß es nicht reichlich pen-ua war. und es ist dann wöchentlich zu erböben. 3. Wenn es dann noch nicht reicht, so bat der Mann für den Fehlbetrag aufzukommen. (Diese Resolutionen wurden unter Beifallrufen einstimmig angenommen.) Einige Fragen an die Natur. ' Die modernen Pelzkolliers endigen in Agraffen aus kleinen Thierköpfen. Dieselben sind imitiri, weil sick in der Natur nick't solche Thierköp-e von brauchbarer Größe vorfinden. O Natur, wie ungalant bist du! ' Worinn finden sich bei dir keine Tbiere. denen man nur daS ffell von den Pfoten zu ziehen braucht, um soTort brauchbare Pelzhandschuhe zu haben? Warum ist nicht der Rüssel des Elevbanten mit Pelz bekleidet? Was für eine Pracht-Boa gäbe das! Und warum ist der Waschbär nicht innen hohl, so daß man ihn sofort bccvLtm als Muff verwenden kann? 'ö Kaminfcagers ftrilj. '5 Kaminfeagers Fritz," sait s Grethle und lacht, Ist der knütz! Was dear oi'm Für Sacha tveiß macht!" So, Sacha weift mach!? Sait d'rauf d' Muatter. so, so! D'rum ist au' Des Mäule So schwarz dervo' no'!" Dann freilich. Herr: Wesfalb haben Sie denn vor dem kleinen, schwächlichen Menschen solche Angst? Bauer: Ja, der bringt immer feine Schwiegermutter zum Raufen mit!

Plw W"$T r-ßA Vily ( r jg fclY

II e :n a nt i k.

HumorcZlc von Anna Bchnisch. Fräulein Clementine Müller wollte das Leben auch einmal von der romantischen Seite kennen lernen. Jahraus, jahrein hatte sie in der Stube gehockt und gewirthschafiet, und im Arbeiten und Sorgen für jeden neuen Tag war ihre Jugend verstrichen, sie wußte selbst nicht wie. Ihr rothes Haar und ihre spitze Nase hatten es ihr immer als selbstverständlich erscheinen lassen, daß sie überall übersehen und zurückgesetzt wurde. Und das kränkte sie auch nicht, denn eitel war sie nie gewesen. Wenn sie schon eine Spur von Eitelkeit besaß, so bestand sie darin, daß sie mit der blendend weißen. spitzenbesetzten Schürze, welche sie bei allen festlichen Gelegenheiten im Hause zu tragen pflegte, einen großartigen Luxus trieb und ihre Kochkunst gern loben hörte, wenn Gäste da waren. Sie hatte eine Stellung im Hause eines verwittwelen, wohlhabenden, alten Herrn von bescheidenen Lebensansprüchen; inne, der nichts weiter von ihr verlangte, als daß sie ihm sein Heim so behaglich wie möglich machte, seine Mahlzeiten so gut wie möglich bereitete und ihn bei sei nen Arbeiten und in seinen Mußestunden so wenig wie möglich störte. Diesen Sommer war Herr Walter auf Wochen zu feinen, Kindern auf's Land gereist; Fräulein Clementine, ein Muster von Gewissenhaftigkeit, war allein zu Hause und durfte thun und lassen, was sie wollte. Und da kam sie auf allerlei seltsame Gedanken. Jetzt, wo den hundert kleinen Wllnschen ihres Herrn nicht nachzukommen war. konnte sie ihre Zeit beim besten Willen nicht ausfüllen, wenn sie auch in der Jnscenirung von Extrascheuerfesten, im Aufräumen von alten Rum'pelkammern und- in der Ausführung der mühseligsten Flickereien Erstaunliches leistete. Darum kramte sie an regnerischen Abenden mitunter in den Büchern des alten Herrn herum und guckte bald in diese, bald in jene Novellensammlung; immer waren c3 dumm: Liebesgeschichten, die darin standen. An schönen Nachmittagen machte sie manchmal einen Spaziergang. Als ihr alter Herr zu Hause war. kam sie nie- zum Ausgehen. Wenn sie jetzt aus dem grünen Walve kam. in dem die Vögel ihr Abendlied anstimmten, wurde ihr oft so wunderbar um's Herz, so froh und weh zugleich, daß sie gar nicht wußte, was ihr fehlte. Vlöjzlich wußte sie, was es war: es war die Sehnsucht! Die Sehnsucht nach etwas Wundersamem. Unbekanntem, das ihrem Dasein bisher gefehlt,' und daS nun in ihr Leben treten mußte, so eder so, wenn sie jemals wieder die alte verständig: Clementine werden wollte. Sie hatte sich bisher so zufrieden, so beispiellos zufrieden gefühlt in der engen Beschränktheit ihres Daseins. Und ihr höchster Wunsch war es gewesen, bis an ihr Lebensende in diesen oder ähnlichen ruhigen Verhältnissen terbleiben zu dürsen. Aber einmal mußte sie nun etwas erleben, daß si: aus ihrem ganzen jetzigen Anschauungskreis herausriß, dann wollte sie qern wieder in ihr bescheidenes Leben zurückkehren. Das, was einmal in je des Menschen Dasein tritt, entweder in äußeren Zufälligkeiten oder in inneren Erlebnissen, die Romantik, das mußte auch sie jetzt erleben, und efyer würde sie keine Ruhe mehr finden. Und Fräu lein Clementine beschloß, die Romantik ln ihrem Leben zu suchen, damit sie. nachdem sie sich an ihr gesättigt, wieder zufrieden werden könnte mit dem, was ihr befchieden. Da entschied sie sich, auf Reisen zu gehen. Auf die Erlaubniß durfte sie rechnen, und die Mittel verschwenderisch wollte sie ja nicht auftreten konnte sie von ihren Ersparnissen nehmen. Sie setzte auf der Stelle ihren Brotherrn von ihren Plänen in Kenntniß und kaufte sich noch am selben Tage ein Reisehandbuch, in dessen Karten sie bis tief in die Nacht studirte. L?ach zwei Tagen lief die zustimmende Antwort des alten Herrn ein mit dem Vermerk, daß als Belohnung für langjährige treue Dienste demnächst eine Geldsendung zur bequemeren Ausführung der Reise eintreffen werde. Da kaufte sich Clementine einen neuen Regenmantcl und einen neuen Strohhut mit grünen Schleifen und einen Veilchenkranz und begab sich an's Packen. Nun saß sie seit acht Tagen in einer kleinen Sommerfrische im Harz. Aber noch war gar nichts geschehen, was ihren dunklen Vorstellungen von tausend abenteuerlichen Zufällen einer Reise annähernd entsprochen hätte. Denn es regnete, es regnete unaufhörlich. es regnete, wie es überhaupt nur in Sommerfrischen regnen, kann. Der meisten Touristen hatte sich schon eine Art Galgenhumor bemächtigt. Selbst eingefleischte Optimisten wagten kaum mehr der verweg'nen Hoffnung Raum zu geben, daß die Sonne überhaupt noch einmal in diesem Sommer scheinen könne. Da kam ein findiger Gasthofsbesitzer auf den Gedanken, alle Sommergäste des Oertchens und der Nachbarschaft, welche dem grauen Gespenst Langeweile Stand gehalten, durch eine hu moristiscbe Aufforderung zu einer Jubiläumsfeier des achttägigen RegenWetters in seinen Tanzsaal zu laden. Er versprach sich ein gutes Gekäst von dem Einfall, und die in dumpfer Verzweiflung brütenden Sommerfrischler begrüßten die Anregung mit Enthusiasmus. Fräulein Clementine aber schwankte in heftigen Kämpfen, als si: von der geplanten Festlichkeit hörte. Sie war nie in Gesellschaft gegangen und konnte eine gewisse Schüchternheit stockfremden Menschen gegenüber niemals ganz los werden. Auch heat? sie Jweisel. ob sich aus ihrem milgeörach-tcn-Garderobenbestand eine gesell-

Ischaftssähige Toilette Herrichten lassen

würd. Aber der dunkle Trieb in ihre? Brust, 'der sie von ihrer heimathlichen Scholle in die unbekannte Gebirgswelt verschlagen, siegte. Sie bürstet: ihr gutes schwarzes Kirchenkleid sorgfältig aus, steckte sich eine blaue Schleife vor die Brust, scheitelte die dünnen, leuchtenden Haare auf's Peinlichste und preßte ein Paar weißer, frischgewaschener Glacehandschuhe, die f vor vielen Jahren einmal bei der Tause ei7.es Enkels ihres Herrn getragen, auf die rothen Hände. Nicht ohne Herzklopfen betrat sie zur bestimmt:.-. Zeit d:n mit Fähnchen und Guirlanden ge schmückten Saal, setzte sich bescheiden in eine Ecke an ein leeres Tischchen und bestellte sich eine Tasse Kaffee. Unter den Gästen entwickelte sich bald eine gemüthliche Fröhlichkeit. Man stand gruppenweise zus-ammcn und plauderte, die junge Welt fing an zu tanzen. Nur Clementine saß noch immer allein bei ihrer leergeworoenen Kaffeetasse und drehte Erlegen oie ccoßen Hände im Schooß. Es kam ihr mit einem Male doch recht traurig vor, so einsam unter lauter vergnügten Menschen zu sein. Und so einsam stand sie überhaupt in der Welt zu Hause war sie ihrem alten Herrn wenigstens nöthig, beinahe unentbehrlich. Aber wenn der einmal die Augen zu thun würde, dann würde si: wieder ganz mutterseelenallein im Leben lte hen und sich unter fremden Menschen herumdrücken müssen. Sie war :och stets auf's Verdienen angewiesen. -Plötzlich sah si: ihren Hauswirth cm Caaleingange stehen, da fiel ihr ordentlich ein Stein vom Herzen. Der Mann mußte sich wobl beobachtet sllblen, denn er drehte sich um. bemerkte seine Mietherin und kam freundlich grüßend auf sie zu. Na, Fräulein, Sie sitzen ja ganz allein!" Ach, Herr Werbel," war di: kleinlaute Antwort, ich kenne p leinen Menschen hier, ich wollte schon wieder fort; aber ich fürchte mich eigentlich, h allein nach Hause zu gehen, die Wege sind so dunkel " Lassen Sie man, Fräulein; Sie sollen schon sicher nach Hause ko:n.ncn. Wissen Sie, ich werde es dem jungen Herrn sagen, der vor ein paar Tagen bei uns nebenan eingezogen ist; dcr nimmt Sie gewiß gern mit." Damit war Herr Werbe! verschwunden und kam nach einer Weile mit einem blonden, jungen Manne don etwas bläßlicher Gesichtsfarbe zurück, den er Fräulein Müller all Herrn Supernumerar Blecheisea vorstellte. Der lange Titel verfehlt: seine Wirkung auf Clementine nicht. Sie knirte tief und verzog den Mund von einem' Ohi bis zum anderen. Herr Vlecheise:? war sehr galant und erklärte sich mit tausend Freuden bereit, Fräulein Müller den kleinen Nitierdienst zu leisten. Ach, wenn Sie mir die Ehre anun' wollten, Herr Supernumerar!" Ehre ganz aus meiner Seite, mein Fräulein!" versetzte der junge Mann schneibig. Und wenn Sie Lust haben, zu gehen, brauchen Sie mich nur rufen zu lassen; ich stehe ganz zu Ihrer Verfügung." Er verneigte sich noch einmal mit militärischer Strammheit und wendete sich wieder den Tanzenden zu. Eben schwebte seine Dame, die er im Stich gelassen, als Herr Werbcl ihn gerufen, am Arme eines Unbekannten vorüber und lächelte koket! zu demselben auf. Herrn Vlecheisen ärgerte das nicht wenig; sowie die kleine Brünette wieder auf ihrem Platze saß. stürzte er auf sie los und sicherte sie sich für den Contre. Sie aber nahm seine Aufforderung nur mit gnädiger Herablassung an und hatte auch während des Tanzes nichts als schnippische Ablehnungen für seine gedrechselten Complimente. Augenscheinlich hatte sie ihm etwas übel genommen. Ihn aber verdroß ihre Empfindlichkeit erst recht, und als Herr Werbe! ihn nach dem Contre da rauf aufmerksam machte, daß Fräulein Müller nun werde gehen wollen, verabschiedete er sich mit hochnäsigerMiene von seiner Partnerin und äußerte geheimnißvoll: Ich muß nämlich ein fremdes Fräulein, das sich unter meinen Schutz gestellt hat, nach Hause begleiten." Draußen reichte er Fräulein Clementine den rechten Arm und balancirte in der Linken sein aufgespanntes baumwollenes Regendach. ; So traten sie den Heimweg an. Es goß wie mit Kannen und war unangenehm kalt, aber Clementinen brannt: das Gesicht, und ihr Herz pochte stürmisch. Das war ihr ja selbst als jungeZ Mädchen nicht passirt, daß sie ci.n fremder junger Herr des Abends am Arme nach Hause geführt. Der erst: Schritt in das erträumte Land der Nomantik war gethan, sie fühlte sich am Vorabend großer Ereignisse stehen. Herr Blecheisen wurde gesprächig; es trieb ihn, seinen. Aerger über des schwarzen Mariechens Abweisung durch eine lebhafte Aungengymnastik zu verdrängen. Er erzählte, wie er zur Erholung von einer Krankheit einen vierwöchentlichen Urlaub erhalten, den er. da er ein Ge müthsmensch mit allerlei poetischen Neigungen sei. nach Möglichkeit zur Befriedigung seiner Naturschwärmerei ausnutzen wolle. Es überkam Clementinen wie eine Offenbarung. Dann theilte ihr Herr Vlecheisen mit, daß er ein Berline sei, und sprach in überlegen:? Weise von dem weltstädtischen Leben. Nun sah Fräulein Clementine mit verdoppelter Hochachtung! zu ihm auf. denn für sie waren alle Großstädte mit einem gewissen Nimbus umgeben. Nachher bedauerte sie, um sich auch von der liebenswürdigen Seite zu zeigen, daß er, ein so flotter Tänzer, das Vergnügen so zeitig' verlassen habe. Die jungen Damen würden ihn gewiß sehr vermissen. Ei jedoch entoegnete

nur nachlässig, daö Letztere sei er überall gewöhnt. Am nächsten Vormittag ließ sich Herr Blecheisen bei Fräulein Müller melden. Er hatte am Abend zuvor vergessen, ihr ihren Regenschirm zurückzugeben und kam nun, ihr denselben wiederzuerstatten. Als Mann von Welt kleidete er diese Pflicht natürlich in die Form eines Höflichkeitsbesuches, der ihn über Clementinens Befinden unterrichten sollte. Diese, durch die ungewohnte Aufmerksamkeit eines Herrn ganz außer Fassung gebracht, cmvfing ihn verwirrt auf ihrer Ve randa. und je öfter sie ihn ,.H:rr Supernumerar" anredeite, indem sie jedesmal einen besonderen Nachdruck aus den Titel legte und ihm einen förmlich ehrwürdigen Klang verlieh, um so wohlwollender wurde H:rr Blecheisen. Er erkundigte sich auch freundschaftlich, ob si: schon Bekannte gefunden und einig: Punkte der Umgegend in Augenschein genommen habe. Da sie beides verneinte, erklärte sich der junge Mann mit Gönnermiene bereit, ihr, wenn gut:s Weiter einträte, gelegentlich einige Partien, die ihm von früher her bekannt seien, zu zeigen. Darauf begab er sich zur. Table d'hote. Nachdem er der buntseidenen Tuchecke, di: aus seiner Rocktasche lugte, den rechten Chic gegeben, betrat er stolzen Schrittes, ein siegesgewisses Lächeln auf den Lippen, den Speisesaal. Fräulein Mariechen Rittmann und ihre Mutter saßen schon an ihrem gewohnten Platz?. Er hatte mit den Damen am Tage nach seiner Ankunft bei Tische Bekanntschaft gemacht und sie seitdem täglich wiedergesehen. Das hübsche Gesicht des Mädchens und das von einem behaglichen Wohlstande zeugende Auftreten der Beiden hatten auf ihn Eindruck gemacht, und er hatte Mariechen in unverblümter Weise seine Huldigungen zu Füßen gelegt, die sie mit spröder Ziererei, die Mutter aber mit sichtlicher Befriedigung aufgenommen. Die dicke, genutzt: Frau Rittmann war die Gattin eines kleinen Kaufmanns in Berlin, der sich's leisten konnte. Frau -und Tochter alljährlich eine Badereise machen zu lassen. Frau Rittmann besaß keinen höheren Ehrgeiz, als ihre niedliche Tochter so früh xof, möglich an den Mann zu bringen, und das Ideal dieses Mannes sah sie in irgend einem kleinen Veamten, der ihrer Tochter einen volltönenden Titel verleihen konnte. Der Supernumerar' Blecheisen erschien ihr für diesen Zweck wie geschaffen. Da der schöne Blecheisen", wie ihn die jungen Mädchen auf den winterlichen Tanzkränzchen nannten, aber ganz genau wußte, daß er eine begehrenswerthe Partie sei. so hielt er es für gut. sich such hin und wieder ein wenig rar zu machen und Mariechens Entgegenkommen durch überlegene Gleichgiltigkeit herauszufordern-. Aber diesmal schien er es nach seiner gestrigen Vernachlässszung ernstlich mit ihr verdorben zu haben. Sie behandelie ibn als Luft, und selbst Frau Rittmann zeigte eine merklich kühle Haltung in ihrem sonst so mütterlich aufmunternden Wesen. Sie hatte für die nächsten Tage bestimmt eine Entscheidung in dem Verhältniß der jungen Leute erwartet; nun tauchte das fremde Fräulein" unvermuthet am Horizont ihrer Plane auf und durchkreuzte ihre auf's Feinste ausqefponnenen Rechnungen. Herrn Vlecheisen fing zwar in dieser frostigen Atmosphäre an, etwas bange zu werden, aber er. der Löwe auf allen Bällen seiner Berliner Vereine, durfte doch nicht klein beigeben. Er kräuselte mit eleganter Drehung seines rechten Daumens und Zeigefingers das wohlgepflegte Schnurbärtchen, lehnte sich mit nachlässiger Bewegung zurück und bebandelte nun seinerseits Mutter und Tochter Rittmann als nicht vorhanden, bis die Erstere sich mit einem Male des alten Sprichwortes der Klügste gibt nach" erinnerte und. da es sich um das Lebensglück ihres Kindes handelte, ihrer weiblichen Würde nichts zu vergeben glaubte, wenn sie dem beleidigten Freier einig: Avancen machte. Das Wetter bot wie immer den bequemsten Anknüpfungspunkt. Frau Rittmann sprach die Vermuthung aus, daß es nächstens zu regnen aufhören werde, eine Vermuthung, die bei den herrschenden Verhältnissen den Vorzug der Originalität besaß. Sie verwies dabei auf einen helleren Streifen am westlichen Himmel. Das war ein Faktum. welches selbst di: hartnäckigsten Skeptiker überzeugen mußte und einen schmollenden Liebhaber wohl aus der Rolle fallen lassen konnte. Gott sei Dank, nun wird man doch endlich wieder in's Freie können!" rief Vlecheisen vergnügt. Fräulein Mariechen schielte ihn prüfend von der Seite an und ließ ihre Serviette so dicht vor seine Füße fallen, daß er nicht umhin konnte, sie ihr aufzuheben. Sie hatten nämlich Beide oft von einer gemeinsamen Bergpartie geschwärmt. Aber ihm schien die Erinnerung an jene zärtlichen Plauderstündchen noch nicht zurückgekehrt zu sein. Er reichte ihr die Serviette mit kühlem Gruß und wendete sich der Mutter zu. Die kleine runde Frau lächelte ihn aus freundlich zusammengekniffenen Augen sehr friedfertig an. Wirklich. Herr Vlecheisen, das ewige Stillsitzen ist nicht länger auszuhalten. Wenn's aber aufhört zu regnen, machen wir noch beute eine Partie!" Aber die Wege werden sehr naß sein." meini: der Angeredete wieder ein bischen von oben herab. I, wer wird denn so zimperlich sein! Man muß den Tag ausnutzen. Ich sage Ihnen, wenn es in einer Stund: aufgehört hat zu regnen, steigen w'r heute Nachmittag auf die Roßtrapve. Sie begleiten uns doch, Herr Blech eisen?" Dem also Begehrten schien es unt:?

seiner Würde, sofort zu kapltuliren. Ich bedauere sehr, meine Damen," erwiderte er kühl, "wena das Wettcr wirklich schön wird, habe ich für heute schon andere Verpflichtungen, ich will dem fremden Fräulein cu:ige Sehens Würdigkeiten zeigen." Es hörte wirklich auf zu regnen. Schlag drei Uhr fand sich Fritz Blecheisen bei Fräulein Müller ein, um si: zu einem Spaziergang auf den Hexen tanzplatz abzuholen. Clementine war gerührt von so viel Gut.nüthigkeit, sie f.og den neuen Regenmantel an und setzte ihren Veilchenhut auf und begab sich in froher Reisestimmung mit ihrem Kavalier auf die Wanderschaft. Der Supernumerar begann sich über die Folgen des Zerwürfnisses mit seinen Tis hnachbarinnen lebhaft zu beunruhi gen und mochte doch um keinen Preis den ersten Schritt zur Versöhnung thun. Aus mehrjähriger Praxis wußte ei, daß Eifersucht ein bewährtes Mitt:l ist, ein erzürntes liebendes Herz nachgiebig zu stimmen, deshalb setzte er auf das Programm seiner Thaten den Lorsah, Fräulein Clementine Müller nach Kräften den Hos zu machen und bei passender Gelegenheit so lange mit seiner neuen Eroberung zu renommiren. bis Mariechcn ihm von selbst die verzeihend: Hand reichte. Die Gedrücktheit über den vorläufigen Verlust vo.n MariechenS Huld, die ihn trotzdem beherrschte, gewann ihm schnell Clementinens Gunst. Sein mclancholischer Blick, sein unstätes Wesen gaben ihm in ihren Augen etwas Inieressanies, und die fast mütterliche Zärtlichkeit für den aufopferungsfähi gen jungen Mann, auf dessen Schultern ein geheimes Leid zu lasten schien, regte sich in ihrer Brust. Sie mußte versuchen, auf den Grund jener stillen Wehmuth zu kommen. Er beantworiete ihre vorsichtig tastenden! Fragen mit ebenso vorsichtigen, geheimnißvollen Andeutungen, und als er merkte, wel6n tiefen Eindruck dieselben auf seine Legleiterin machten, spielte er sich erst recht auf den Empfindsamen hinaus. Nun wußte Clementine nicht, was sie aus ihm machen sollte. ' Seine von Vertrauen zeugenden und Vertrauen erheischenden Mittheilungen über seinen Gemüthszustand, dazwischen ein paar sarkastische, mit Philosophenmiene hingeworfene Bemerkungen über die Verworfenheit des ganzen weiblichen Geschlechts, die Anwesende natürlich ausgenommen, dazu seine Verbindlich !eit, seine unverkennbaren Annäherungsversuche ihr gegenüber, Clementine erschrak in tiefster Seele Fritz Blecheisen wollte sie heirathen um Gottes willen! der schöne Herr Llecheisen, der Herr Supernumerar! Was sollte sie in dieser Kalamität anfangen? So also sah die Romantik aus? Clementine wußte kaum, wie sie nach Hause kam; die Gedanken jagten in ihrem rathlsfen Kopfe. Aber als sie gllein in ihrer stillen Wohnung saß und aus dem offenen Fenster uf die dunklen Berge schaute, über denen grau: ?!ebe! brauten, war ihr Entschluß gefaßt. Einschlagen, wenn Einem daS Glück die Hand bietet!" dachte sie. Wozu wär: sie denn sonst ausgezogen, die Romantik zu suchen? Sie erwartete Herrn Vlecheisen feierlichen Antrag mit Sicherheit am nächsten Tage, und als die Sonne des bedeutungsvollen Tages über die Berge xog. litt es sie nicht lange in ihren vier Wänden, und um ihre Aufregung zu bemeistern, trat sie einen Spaziergang durch die noch menschenleeren, thaufrischen Anlagen an. Aber da, wer kreuzte da, direct vom Bahnhof kommend. von einem kofferbeladenen Gepäckträger gefolgt, ihren Weg? Fräulein Clementine!" Klang es nicht wie ein Jubelruf? Fräulein Clementine! Gott sei Dank!" Clementine stand starr, als traute sie ihren Augen nicht. Aber Herr Walter." stotterte sie endlich, wie kommen Sie denn hierher?" Liebes Fräulein Clementine." sagte der alte Herr bedächtig, bereiten Sie sich vor; ich komme, um Sie mitzunehmen!" Clementine wurde blaß. Das geht aber nicht so ohne Weiteres, Herr Walter; S haben mir doch für mehrere Wochen Erlaubniß zum Reisen gegeben!" Das war eben ein verteufelt dumme? Streich von mir, konnte doch nicht ahnen, daß es so kommen würde. Also hören Sie: bekommen meine Enkeltinder die Masern, während ich bei ihnen bin, bin da natürlich überflüssig im Hause und muß abreisen, finde meine Wob.nu.ng leer und besorge mir für die paar Wochen, die Sie fortbleiben, eine Person, die mir das Haus in Ordnung halten soll. Ein: Person, ich sage Ihnen, eine Person! eine Person, die Cichorien in. den Kaffce thut und keine Kartoffel gar kochen kann. eine Person, die mich mit aufgeplatzten Ueberziehernähten, 'rumlausen läßt, daß mir die Jungens auf der Straße nachschreien, kurz, eine Person, die ich nach achtundvierzig StunJen wieder an die Luft gesetzt habe. Da -bin ich voll Verzweiflung wieder in die Eisenbahn gestiegen und hierher kutschirt. Nun will ich noch mal auf oen Vater Brocken klettern und die Sonne aufgehen sehen, und wenn ich gesund und heil wieder herunterkomme, dann hole ich Sie ab, Clementine, und Sie müssen mit, da hilft kein Sträuben!" Aber Clementine, voll stolzen Selbstgefühls. mit dem sie die Erwartung des großen Ereignisses erfüllte, war der Situation gewachsen. Sie nahm eine ernste, würdevoll: Haltung an. Es thut mir furchtbar leid, daß Sie so viel Pech gehabt haben, Herr Walter; aber ich kann unmöglich auf der Stelle mitkommen, denn ich vermag meine hiesigen Beziehungen nicht so

schnell zu lösen und überhaupt daß ich's Ihnen nur gleich sage, Herr Walter, ich gedenke mich zu verändern, da wird's doch zwischen uns Beiden bald aus sein!" Clementine, da soll doch gleich! Machen Sie doch keine Dummheiten, Fräulein Clementine!" Es ist mir heiliger Ernst damit, Herr Walter!" In drei Teufels Namen, Sie wissen nicht, was Sie reden! Werden Sie cst wieder vernünftig, und dann lassen Sie uns über die Sache sprechen!" Damit drehte ihr der alte Herr den Rücken zu. Aber ' auch Clementine war die Stimmung verdorben, der Spaziergang ihr verleidet, und sie machte, daß si: nach Haus: kam. In der Thüre trat ihr die Wirthin mit einem Briefe entgegen. Vor einer halben Stunde .abgegeben, Fräulein." Clementine durchfuhr ein freudiger Schreck, ihre Hände zitterten, als sie den Brief erbrach, dies Papier barg ihr Geschick. Aber was stand denn da? Werthes Fräulein! Nachdem ich endlich Namen und Wohnung des fremden Fräuleins, über das man ja Wunderdinge munkelt, erfahren, müssen Sie mir schon erlauben, Ihnen einmal gründlich meine Meinung zu sagen. Ich bin eine erfahrene Frau und kenne die Welt; aber ich habe noch nie gehört, daß es sich schickt, wenn ein junges Mädchen allein aus Reisen geht oder gar mit einem fremden Herrn allein Landpartien macht. Ganz geuau weiß ich aber, daß es sich nicht schickt, wenn besagtes junges Mädchen

den betreffenden jungen Herrn einer wohlerzogenen jungen Dame, mit der er schon so gut w:e verlobt war, ab spenstiq macht!" Weiter vermochte Clementine nicht zu lesen, sie entzifferte nur noch die Unter schrift: Frau Rittmann, Villa Wald frieden." und machte sich auf den Weg zur Villa Waldfneden. Sie hatte weinen können über die unerhörte Beleidigunq, weinen über ihre vernichteten Hoffnungen und ihren verlorenenGlauben an die Ehrlichkeit der Menschen. -Frau Rittmann empfing den unerwarteten. Besuch erstaunt, Mariechen saß mit rothen Augen in der Ecke. Die Eintretende stellte sich vor: Clementine Müller, wohnhaft bei Herrn Werbel." Frau Rittmann und Maricchen suhren auf: Das fremde Fräulein!" Mariechens Augen? wurden immer größer, sie verschlang das rothe Haar und die spitze Nase des Gastes fast, dann glitt ihr Blick in den Spiegel. Und um die läßt er mich sitzen!" Ihre Finger zerrten an dem naßgeweinten Taschentuch, bis es einen bedenklichen Ruck gab. Clementine zog den Brief aus der Tasche und warf ihn Frau Rittmann vor die Fuße. Das haben Sie mir geschrieben, mir e ist es ist emporend! Na. man ruhig Blut, Fräulein begann Frau Rittmann. und nehmen Sie wenigstens Platz. Ich hab's doch nicht so schlimm gemeint; Sie haben ja Recht, in Ihrem Alter kann man schon allein auf Reifen gehen, aber die Sache mit dem Herrn Vlecheisen Das junge Ding da hat er heirathen wollen und das hat er betrogen? Sie armes 5linb! Clementine hatte mit einem Mal die eigee Enttäuschung vergessen und war ganz Mitgefühl. Nein, Fräuleinchen, der muß noch ran. den kriegen wir schon! Ach Gott, ich hab' ihn ja auch recht schlecht behandelt!" stammelte Marie chen zerknirscht, und da war er wohl sehr böse auf mich und da und da " Clementine ging plötzlich ein Licht auf. Fritz Vlecheisens räthselhafte Melancholie wurde ihr klar, si: sah ihren grenzenlosen Irrthum ein. Aber dann ist fcoch noch Hoffnung auf Versöhnung, mein Kind!" Nie und nimmermehr, er hat ja immer von dem fremden Fräulein g:schwärmt." Clementine mußte in all' dem Jammer laut auflachen. Und damit hat er mich gemeint Du lieber Gott! Kopf hoch, Fräuleinchen! Jetzt nehme ich die Geschichte in die Hand!" Auf der Straße wurden Schritte vernehmlich. Clementine sah unwillkürlich auf. Der Vielbesprochene ging vorbei und schielte verstohlen in die Fenster. Clementine trommeltq hastig an die Scheiben. Er schaute auf, grllft.te sehr erstaunt und verlegen und wollte weiter gehen. Da riß Clementine das Fenster auf. Herr Supernumerar, auf der Stelle kommen Sie herauf!" Fritz Blecheisen versuchte Ausflüchte, aber Clementine wiederholte ihren Vefehl mit Feldherrnstimme: Auf der Stelle kommen Sie herauf! Auf der Stelle!" Damit faßte si: Mariechen, die nicht wußte, wie ihr geschah, beim Arm und schob sie auf die Veranda, die man passiren mußte, bevor man in's Zim mer trat. Der Supernumerar kam zögernd die Treppe herauf; als er Mariechen, in Thränen aufgelöst, vor sich sah. blieb er wie vom Blitz getroffen stehen. Clementine packte ihn bei der Hand und legte MariechenA Finger hinein. So, nun seid alle Beide vernünftig und versöhnt Euch! Adieu!" Fräulein Clementine ging langsam nach Hause. Aber so weit war ihr der ! Weg noch nie erschienen. Nun hatte sie wieder einmal ihre Pflicht gethan und kam sich doch so gottverlassen vor. Ja. als Frau Supernumerar", das wäre ein ander Leben gewesen! Ach. wer doch noch einen Anhalt im Lebe.'l hatte! Mit Herrn Walter war's nun l auch vorbei der würde sie nicht wie

ber haben wollen, nachdem sie ihn ein-

mal so erzürnt. sie kannte ihn ja bei dem kam der Hauptärger immer erst hinterher, und dann saß er fest. Also wieder eine andere Stelle suchen, wie der unter fremde Leute gehen Als sie die Stufen zu ihrem Balkon hinaufschritt. hörte sie eine Stimme: Endlich. Fräulein Clementine. eine halbe Stunde warte ich schon auf Sie!" Herr Walter! Ach Gott, Sie sind so ärgerlich auf mich!" Bin ich auch, Clementine au Ihren dummen Gedanken ist blos das Reisen schuld. Sie dürfen nie wieder allein auf Reisen gehen." Clementine schaute reumüthig zu Boden. Aber, lieber Herr Walter, ein bischen Abwechslung will man doch aucheinmal haben." Selberständlich haben Sieauch verdient hätten sich nur nichtsolche Ideen i, den Kopf setzen müssen! Cinen J?rMag zur Gü:e, Clementine: machen Sie all: Sommer mit mir zusammen eine Reise, und ich will Sie vor den wunderlichen Anwandlungenschön in Acht nehmen. Werden Sie mein: Frau, Fräulein Tinchen!" Clementine sah Herrn Walter sprachlos an, si: begr.iff den Sinn seiner Worte nicht. Der alte Herr wartete ungeduldig auf Antwort. Haben- Sie denn gar keine Lust, Fräulein T'nchen? Denken Sie dodv wie sorgenfrei Sie als meine Frau leben lönrz.-r, und wenn ich nial todtbin. stehen Sie auch unabhängig da Ich habe ja jetzt erst eingesehen. wa5 ich an Ihnen habe, ich kann Si nicht entbehren. Na, Tinchen, sa oder nein?" Zwei dicke Thränen traten Clemen--tine in die Augen. Aber das hab: ich ja gar nicht verdient. Herr Walter!" Kurz und bündig: ja oder n,ein Fräulein Tinchen?" Wenn Si:'s gern: möchten, HerrWalter! Dann koch: ich Ihnen auch jede Woche zweimal grünen Al mit Brühkartoffeln!" Sie reicht: ihm beide Hände, aber heimlich dacht: sie: Romantisch ist es ja. furchtbar romantisch. aber dazu hätte ich doch nicht erst auf Reisen zu gehen brauchen!" Die Schrecklichste. . Der Hunger, die Liebe und dielangweile, drei Quälgeister der' Menschheit, stritten sich jungst, wer von ihnen die größte Macht auf den Menschen auszuüben vermöge. Ich," begann schließlich der Hunc, ich kann einen Menschen mit Leichtigkeit tödten." Pah, was soll das heißen?" meinte tte Liebe; als ob ich das nicht besser rennte? Ja. ich quäle die Menschen, noch viel mehr dabei, und todte ich ihn. so todte ich gewöhnlich damit noch we--nigstens einen andern!" ' Und ich." rief die Langweile, wie viele Menschen habe ich doch schon umgebracht! Ich quäle sie einfach lange, bis sie sich selber umbringen. So habe ich allein schon mehr Menschenkinder getödtet. als Ihr zusammen!" Das ist nicht wahr." entgegnete der Hunger, bedenkt wie ganze Länder schon durch mich entvölkert worden, sind!" ..iÄedenkt," sagte die Liebe, wie durch mich schon die blutigsten Kriege entstanden, in denen Tausende.' und Tausende ihr Leben ließen." Und doch bin ich mächtiger- al5Ihr," hub die Langeweile lächelnd' an denn Ihr seid ser oft nur meine Diener; sehr oft hungert und liebt' derMensch nur, weil er sich langwull' Die beiden andern schwiegen. Metamorphose. Muthig stand der Heldenkater, Auf des Hauses hohem Giebel, Und den Mäusen und den Ratten Ward bei seiner Stimme übel. Und er schmettert kühn sein Schlacht" lied. Rief: Wo giebt es auf der Erde Jemand, der des Heldenkater Angriff widerstehen werde?" Ach, da saß er in der Schlinge! Der geträumt von kühnen Thaten, Wurde jetzt zum feigsten Wesen, Ward zu einem Hasenbraten. Ein- und Ausfälle. Die uns die Zeit verkürzen, verlängern uns das Leben. Man fängt mit dem Tage an, alt zu werden, an dem man fein Alter verbirgt. Falsche Reize sind eine Plombe für den Zahn der Zeit. Vom Dilettanten bis zum Künstler ist nur ein Schritt aber der Dilettant kann ihn nicht thun. Reingefallen. Herr? Mein: Verehrteste, Sie haben sich wirklich großartig conservirt, Sie sehen beinahe so zung aus, wie Ihr5 Tochter!" Dame: Aber mein Gott, ich bin ja di: Tochter!" Treffend. Dame: Wozu soll denn ein neuer Tez! zum Don Juan" dienen?" Kapellmeister: Um ihn zu verbessern!" Dame: Das ist doch nicht nothwendig; ein echter Don Juan ist unverbesserlich!" Gut bestellt. Frau (recht böse): So, jetzt geh' hinaus irr.d sage der KöchÄ in meinem Namen ordentlich die Meinung." Mann (in der Küche): Kathi ich befehle Jh. nen. in des Teufels Namen, nicht in's Bett zu gehen, bis Ihr: Arbeit gründlich gethan, iß." . .