Indiana Tribüne, Volume 18, Number 115, Indianapolis, Marion County, 13 January 1895 — Page 6

Murjlgist.

Von OS!ar Klein. Herr Zacharias Flötenbaum war, wenn man diesen Ausdruck hier ge brauchen dürfte, ein e in ge fleisch t e r Vegetarianer, der sich rühmte, seit seinem 16. Lebensjahre keinen Bissen Fleisch zu sich genommen zu haben. Er war natürlich Mitglied des vegetarischen Clubs Zum zufriedenen Kolkopf" und sein stattliches Bauchlein gewissermaßen der Triumph des ganzen Clubs. Sehen Sie hier unsern Freund Flötenbaum pflegte der Vorsitzende immer zu sprechen, wenn er einen Ungläubigen dem vegetarischen Club gewinnen wollte; sehen Sie hier unfern Freund Flötenbaum, der seit seinem 16. Lebensjahre dem eklen Lei chenfraße entsagt hat; wie ist sie ihm angeschlagen, die vernunftgemäße Lebensweise, wie blühend, wie rund, wie wohlgenährt sieht er aus!" Und wk lies). Flötenbaums feistes Aeußere Wirkte mehr als alle Reden. Nur in seinem eigenen Hause war er ohnmächtig, denn weder seine Frau, noch fein h-ibsches Töchterchen Anna schie nen die Kraft zu haben, ihrem natürlichen Herrn und Gebieter auf dem Wege der Entsagung des Fleisches nachzufo!gen. Das kränkte natürlich unsern guten Vegetarianer; noch mehrSchmerz bereitete es ihm jedoch, daß sein Aennchcn sich unter allen Menschen der Welt gerade den zum Verlieben? aussuchte, den er am wenigsten zum Schwiegersöhn wünsckte, nämlich den jungen Arzt Theo Hinrichs. den einzigen Doktor des Städtchens und gleichzeitig der Vorkämpfer für den entsetzlichen Brauch, seinen Magen zum Kirchhofe für thierische Leichen zu machen", wie der Club schaudernd erklärte. Selbstverständlich verbot Flötenbaum seiner Tochter jeden ferneren Verkehr mit dem verruchten Fleischfresser", und ebenso selbstverständlich trafen sich die jungen Leutchen von nun an erst recht. Dennoch würde, obwohl die Mutter der Verbindung sehr geneigt war, rech! wenig Aussicht zu einer solchen gewesen sein, wenn sich nicht das Schicksal in's Mittel gelegt hätte. Eines Mo?gens nämlich. Herr Flötenbaum war gerade am Abend vorher von einer klei nen Reise, die er ziemlich oft zu machen hatte, zurückgekehrt, fühlte er sich nicht fr wohl als sonst und mußte zum Arzte schicken lassen. Als derselbe endlich kam, fand er unsern Vege!ariane: ernstlich krank. Seiner Kunst gelang es bald, den Leidenden wieder herzusiellen, worauf er um Annas Hand bat. Niemals, und wenn Sie mir zehnmal das Leben gerettet hätten," tobte Papa FlÄenbaum, werden Sie mein Schwiegersohn!" Aennchen weinte. Dr. Hinrichs aber, der tröstend ihre Hand erfaßt hatte, meinte lächelnd: Schmiegerpapa. man soll nichts verschwören!" Der Deibel ist Ihr Schwiegerpapa!" brüllte Flötenbaum aufgeregt, lassen Sie sofort die Hand meiner Tochter los und gehen Sie Ihrer Wege!" Das werde ich auch." meinte der Doktor seelenruhig, und wiuen Sie, wohin ich gehen werde? In die Redaktion unseres Wochenblattes. um daselbst einen kleinen Artikel einzureichen, wie einer unserer eifrigsten Vegetarianer neulick fast an einer Vergiftung mit Wurstgist gestorben wäre!" Was wollen Sie damit sagen?" fragte Flötenbaum, der plötzlich sehr sanft geworden war. Nichts weiter," war die Antwort, als daß Sie neulich an einer Erkrankung durch Wurstgift daniederlagen. Gesteben Sie es nur. Schwiegerpapa, Ihre häusigen Reisen hab: meist nur den Zweck, dem Leichenfraßz" zu fröhnen. ein Wort von mir, und Sie sind in der ganzen Stadt blamirt; geben Sie mir also Ihre Tochter oder" Da wben Sie sie," schrie der entlarvte Wezetznaner. Die Ncde eines Nednerö. Wenn ich als beredtester Redner der rednenden Redezeit mich überreden lasse zetzt eine Rede zu reden, so reden Sie sich nicht etwa ein, daß ich Ihnen etwas vorreden werde; davon ist lein: Rede. Wenn man sich einredet eine Rede reden zu können, und sich überre den lägt, sich redlich zu bemühen, als redncnder Redner beredtest von sich Rede zu machen, so muß man vor allen Dingen Reden reden können. Ich rede mir ein. Ihnen aufreden zu können, daß ich ein Redner bin. Sie werden nicht in Abrede stellen, daß meine Anrede mehr eme Vorrede war, auf die von einer Nachrede keine Rede m:br sein kann, aber lassen Sie mich ausreden! Nicht jede; Redner, der re dend Reden redet, kann solche Reden reden, wie ich rede, denn ich kann Reden reden, sage ich Ihnen, darüber konnte man Reden reden! Und wenn Sie von dieser Rede, die ich Ihnen jetz vorgeredet habe, noch reden werden wenn ich längst keine Reden mehr rede, dann rede ich mir ein, ich kann als beredtester Redner der rednenden Rednerzeit in beredter Weise von mir Rede machen! Nun reden Sie! Grob. Junger Dichter: Wie gesagt, ich habe bisher immer mein Licht unter den Scheffel gestellt." Kritiker: Stellen Sie es ruhig auf den Scheffel, das fällt keinem Menschen auf U n n ö t h i g e Sorge. Drei clte Jungfern (nachdem sie zum Fenster hia'.'.sesehen): Wollen irr lieber vom Fenster weggehen! Die Herren da unten auf der Straße könnten sonst kneinen, hier sei ein M ä d ch e n p e n sionat.-

Drlllmann's ätcr.

Eine Soldatengcschichte. Die Schwenkung war mal wieder unter aller Kanone. Rein zum Verzweifeln!" wetterte der Lieutenant Äila5lrdorf, ein, kleiner, gutmüthiger Marsjünger, "der sich jedoch höllisch in Wuth reden konnte, wenn er gerade nicht auf semem Grossen war", wie Unterofficier Drillmann zu sagen Pflegte. Der zweite Mann vom rechten Flügel aus soll rnu vortreten. Wie heißen Sie? Ach so, der Herr Vacherl mit der Künstlertolle! Habe ich Ihnen nicht gestern schon gesagt, Sie sollen sich Ihren Urwald vom: Regimentsbaröier herunterhobeln assen?" Zu Befehl, Herr Lieutenant! entgeqnete der arme Sünder, d'en sich das Schicksal und Lieutenant Hilaendorf zum Opferlamm auserkoren hatten. Nun und warum rst das unterblieben? Oder ist das etwa schon wieder Nachwuchs?" Der Reqimentsbarbier ist auf drei Taae beurlaubt. Herr Lieutenant!" beschwiötigte der Feldwebel der Comvaanie den Gestrengen. So? Na, dann ist das was anderes. Aber Ihren Schlenkerschritt müssen Sie sich noch abgewöhnen. Bacherl. Sie schlottern ja ordentlich mit den Beinen. Was sind Sie denn von Beruf?" Schauspieler. Herr Lieutenant!" Ah, Schauspieler! .... Schauspie ler! Geben wohl immer verrückte Liebaber! Dr Schritt über die ganze Bühne weg und futsch, was?" Ich bin Charakterspieler, Herr Lieutenant!" erklärte Bacherl und ein mies Lächeln huschte über sein ausdrucksvolles Gesicht. Na. als Mlllttirlscher Charakter sind Sie gerade kein Licht! Wenn Sie störe anderen Rollen nicht besser splelen. werden Sie an faulen Apfeln auch keinen Mangel haben." Bis jetzt habe ich dergleichen n : i . ii r7ttuatc m?aj nrajr geerniei, Herr Lieutenant!" Nee. er spielt sehr gut!" erklärte halblaut der dicke Feldwebel. Neulich war ich mal auf seiner Stube, wie er'n Cnde aus Schillern seinem .Fiasko" deklamirte! Das war ord'ntlich graulift!" Alle Wetter!" meinte .fierr von hil aendorf. Sie machen feinem ja beinahe den Mund wässerig. Na. dann bitt' ich. daß Sie mir nächstens auch mal 'n Stuck von Mrer Kunst zeiaen! Haben Sie Lust?" Es wird mir eine Ehre sein. Herr Lieutenant. Haben Sie vielleicht einen Wunsch?" Ganz, was Sie wollen. Kommen Sie nur gelegentlich mal auf mein Äimmer. wenn Sie Zeit haben und ich zu Hause bin." Zu Befehl, Herr Lieutenant!" Na. nu treten, Sie zurück! . . Stillgestanden.... Richt'! Euch! Wir wer den die Bewegung noch mal ausfüh ren! Aber nu mal 'n bischen propperer, meine Herren Schlapphosen!" ermunterte Herr Hllgendorf die Land wehr-Compagnie und mit Etlichem Eifer kamen die wackeren VaterlandsVertheidiger seinen Commandos nach, so daß sie nach Verlaus eine? kleinen halben Stunde für diesen Nachmittag entlassen werden konnten. Sagen Sie mal, Bacherl," erkundigte sich Dnllmann beim Nachhause marsch, in welchem Theater kann man hnen denn bewundern, wenn Sie Ibre Uebung hinter sich haben?" Im Karl-Th:ater. Herr Unterofsi cier!" gab der Angeredete Auskunft. Was? Karl-Theater? Da bin ich doch letzten Winter an die zebn Mal drin gewesen. Aber gesehen habe ich Ihnen nich. Nich mal auf 'n Zettel. Was meine Braut is. geht nämlich nich ohne Zettel, 'n Zettel muß se partiut hab'n Aber Bacherl Bacherl? Nee. der Name wär' Einem doch aufgefallen!" wunderte sich Drillmann. So steh' ich auch nicht darauf verzeichnet. Herr Unterofficier!" bemerkte Vacherl lachend. Ich habe als Schauspiele? einen sogenannten, noiii de Kliern! Auf Lateinisch verstehen wir uns nich bei's Militär. Was heißt das? fraqte der ehrliche Drillmann. Das heißt eigentlich Kriegsnamc, bedeutet in diesem Falle fedocf Bühnen- oder Schauspieler-Name!" setzte Bacherl ihm höflich auseinander. Na, das is ja doch aber schnurrig. Ihr Kriegsname muß doch wohl Bacherl fein! Als Bacherl werden Sie in den Listen geführt. Ja, ja, die Herren Künstler stellen die ganz: Welt auf 'n Kopp!" philosophirte Drillmann. Na. nu aber mal raus mit die wilde Sau! Als wer stehn Sie denn nu auf 'n Zettel?" Als Erlbach. Herr Unterofficier!" Erlbach? Ja wohl, den kenne ich sehr gut. Der spielt immer die Hallunken und schlechte Sorte! .... Potz Donne:ier! Und das sind Sie? Das hätt iuf wahrhaftig nickt gedacht; .... Wie kommen Sie denn aber blos auf Erlbach?" Seh'n Sie, Herr Unterofficier. Bacherl klingt für unsereine n bischen

sy fcrvv ' ?v? y i

zu triste! Ist kein rechter Schwung

d rin! Ein Theatername muß nach was aussehen! Und da habe ich mit meinem eigentlichen Namen mal hokus, pokus, eins, zwei, drei! gespielt. rechts nach links und links nach rechts gesetzt und da ist eben crus Bach' und erl" Erlbach" geworden!" Drillmann überlegte sich den Fall ein: Weile. Er war ein tüchtiger Unterokficier: aber allzu schnelle Auffas sung war nicht seine Sache. Wahrhaftig!" sagte er endlich. Bach erl Erl fach! Na, so was! Aber 's stimmt!" Nauirlich bemächtigten sich die Ka meraden Bacherls sofort dieses interessanten Verirspiels mit Namen. Eine qanze Reihe wurde durchprobirt, die indeß wenig günstige Resultate ergab, bis auf den Namen des Feldwebels Tewes , der sich nach der Bacherl - schen Methode als Weste" entvuppte. Davon war aber der dicke Feldwebel wenig erbaut; die Geschichte ärgerte rhn. obgle-h er eigentlich mcht recht wußte, weswegen. Plötzlich jedoch leuchtete sein VollmvNdsgesicht m Heller Freude auf. Wie N'fit's denn bei Ihnen, DrMmann?" fragte er und that dabei so liarmlos, als könne er nicht bis fünf zahlen. Drillmann Mandrill"!" Erst flog ein leifes Kichern durch die Reihen der munteren Mannhaft; nach und nach aber entwickelte fich da raus ein Helles Gelächter. Drillmann merkte wohl, daß es auf seine Kosten ging; nur wußte er noch nicht, w4e das eigentlich zusammenhing. Was ist denn da? meinte er halb entrüstet, halb verwundert über die schnurrige Heiterkeit in der Compagnie. Drillmann Mandrill? Was soll denn das sein? Mandrill? Das ist ja quatsch, darüber zu lachen. Mandrill ui ia gar Nichts. So was gibt's ja gar nicht!" Wenigstens bei uns nicht!" bemerkte vorlaut ein Berliner, der sich den Schnabel schon öfter verbrannt hatte. So? Dann also doch wo anders? ....Wollen Sie mir wohl gleick sagen. wo man so 'n Ding zu feben int aen kann?" wetterte beleidigt der Unterofsrcier. Ick werde mir hüten!" entgegnete vorsichtig der Berliner. Den Donnerwetter aber, ich will's wlncn! Na, dann kann ich's Ihnen ja ooch sagen: Im Affenkasten!" Wa ? Sie knickebeeniger Berliner? So was wagen Sie sich. Ihrem Unterofficier anzudichten?" schrie in hochsie? Wuth Drillmann, während das Gelächter kein Ende nehmen wollte. Ja. Drillmann, Recht hat er!" sagte schadenfroh der Feldwebel, 'n Mandrill is ganz wahrhaftig 'n Affe!" Quatsch!" sagte er knurrend. Wenn man so wollte, könnte man den meisten Leuten wa? anhängen!" Und da ihm gerade sein über die Maßen verehrter Major einsiel, machte er das Bacherl'sche Experiment auch mit dessen Namen. Teschau! Major Teschau!" rief er aufgeregt. Wird 'n Schaute! Na nu, lachen, Sie doch auch! Teschau Schaute! Stimmt's etwa nicht? Wie?" Aber, Drillmann!" erklang im selden Augenblicke verweisend die Stimmc Lieutenant von Hilgendorrs. Was reden Sie da für tolles Zeug? Schämen Sie sich! Sie können morgen Nachmittag zu Hause bleiben und die Leibwäsche beaufsichtigen. Vielleicht besinnen Sie sich bei der Gelegenheit ein bischen auf den Respekt, den Sie Ihren Vorgesetzten schuldig sind!" Der nächste Tag war ein Sonntag. Drillmann hatte denselben zum Träger großer Ereignisse auscrsehen. Er wollte sie", nämlich die ehr- und tuaendsame Jungfrau Minna Höpfner, Köchirv bei der Frau Geheimrath Sanftleben, seinem Vater vorführen und fodann die wirkliche und richtige Verlobung in Scen: setzen. Undnun war er dazu verdammt, die Straswäscher auf dem Kasernenhof zu bcaus' sichtigen und Minna mußt: mit dem Alten, der e?tra dazu aus seinem Dorfwinkel herübergestamt lam, allein sinen! Was würde die Minna schluchzen und der Alte fluchen! Er hatte einen höllischen Respekt vor ihren Thränen und seinen Zorneraüssen. Das konnte nett werden, wenn sie womöglich beide angerückt kamen, um ihn im Angesicht der ganzen Kaserne zu blamiren! Bacherl fühlte tiefes Mitleid mit Dem Mißgeschick seines Unterofficiers. Gr trat zu dem grimmig vor sich Hinbrütenden heran und flüsterte ihm zu: Soll ich mal beim Herrn Lieutekiant 'ne Lippe riskiren, Herr Unterzfficier?" Nee!" brüllte ihn Drillmann an. .Denken Sie vielleicht, er wartet bloß zuf Sie, daß Sie zuppen sollen, damit tr nicken kann?" Nein doch. Aber ich hätte eine ?ldee. Nur dürfen Sie mich nicht verrathen, wenn er Sie etwa rufen ließe." Und voll Eifer setzte er dem Anfangs ganz entsetzten Drillmann seinen Llan auseinander; einen eckten Hallunkcnplan. wie der ehrliche Unteroffi:i:r sagte, aber ein Rettungsanker in verzweifelten Lage, in die ihn das Schicksal nun einmal hinein'stoszen Satte; und nach langem Zögern, wählend welchem ihm das Gewissen wie 'in Schmiedehammer klopfte, sagte er '.ndlich ja zu allem, was Mevbisto-Ba-5rl von ihm verlangte. Lieutenant von Hilaendorf hatte gut gefrühstückt. Ein Glas Portwein und 'tliche Schoppen Hofbräu hatten nicht gefehlt und so lag er in der angenehmLaune auf vem etwas mageren bcvna seines Zimmers in der Kaserne, lls es plötzlich drauben klopfte und aus 'rn Herein" sich demüthig ein alter, m "r:jc o.f zcouuier ujiami i uuiuwui uuyuci

dug hereinfchob. Das Elend sah der Gestalt aus den flackernden Augen. Die

knochigen Wangen, das dünne araue Haar, die schlotterige Haltung verrietben ein Leben voll Drangsal und Arbeit vnd auch aus der müden Stimme zitterte ein Klang, den die Entbehrung geboren hatte, so wehmüthig drang es an das Ohr des gesättigten und daher wcichgestimmten Lieutenants. Der Alte war seiner Sympathie sicher. ck bin der alte Drillmann!" wimmerte die Jammergestalt. Setzen Sie sich. Alter. Was führt Sie denn zu mir?" Ach Du lieber Gott. Herr Lieutenant. Das is wegen meinem Jungen, meinem Gottlieb, den Sie eute kuschen lassen wollen. Da bin ich meine drei Stunden von Walkendorf bergefchlichen, um mich mal seine Minna von ihm zeigen zu lassen und nu muk ich so etwas erleben! Acht Kinder hab' ich, Herr Lieutenant, und alle Mann, gut und flerßig und keins mat mir Schande. Aber alauben Sie man, dieser Gottlieb is der Bette von alle achte! Wenn der wirklich in seiner Dummheit da was hingesagt hat, da kann er nich vor, Herr Lieutenant. Das bat er von mich. Das haben sie alle achte und Gottlieb am meisten, denn der is der Beste von düt achte. Das können Sie glauben Wollen Sie n denn nich noch mal laufen lassen? Schon um feinem alten Vater, Herr Lieutenant! ' Die Stimme ging in ein Schluchzen über: der Lieutenant wischte sich ge rübrt über die Augen, stand auf, ging nach der Thüre und beauftragte einen vorbeigehenden Soldaten, den Drillmann zu ihm zu schicken. In wenigen Auaenblicken war der zur Stelle. Eine heillose Angst lag auf seinem biederen Gencht, als der Lieute nant ihn ansah. Seine treuherzigen Augen flackerten und große Schweißtropfen flössen rbm von der Stirn. Na. nur nicht ängstlich. Drill mann!" saate wohlwollend der Voraesetzte. Ihr alter, braver Vater hat ein gutes Wort für Sie eingelegt. Ziehn Sie los mit ihm und grüßen Sie Minna und hier. Alter" dabei holte er einenThaler aus seinem Porte monnaie da trinken Sie mal auf meine Gesundheit! Der Alte weigerte sich, das Geld zu nehmen und Drillmann sah noch immer recht bange in die Welt. So eine Teufelsgeschichte hatte er Lebtag nicht mitgemacht. Plötzlich wandte er den Kopf nach der Thüre. 5'atte das geklopft, oder war das sein böses Gewissen gewesen, das ihm im schwarzen Busen hämmerte. Herein!" rief Hilgendorf, der den Thaler schließlich in des Alten Brust tasch: praktizirt hatte und sah erwartungsvoll dem Eintretenden c cn. Er erwartete seinen Freund Rosenberg, mit dem er um diese Zelt eine Partie Schach zu spielen pflegte. Aber statt seiner erschien im Rahmen der Zunmerthüre eine wahre Hünen r fiaur von einem Menschen. Stramm blieb er am Einganae stehen, grüßte militärisch und hielt das wettergebräunte, stark gefurchte Antlitz mit einem unheiloerh?ißenden Ausdruck auf Drillmann gerichtet, der bleich wie der Kalk an der Wand geworden war und fürchterlich zu schlottern begann. ' Na, was wollen Sie denn, alter Sohn?" fraate Hilgendorf verwundert. Gehorsamst zu melden, Herr Lleutenant. ich bin der alte Drillmann.pensionirter Wachtmeister und Vater von diesem Schlingel hier! schnarrte die Stimme im militärischen Ton. Dabei zeigte der Alte auf den armen Unterofficier. der so rathlos vor sich hlnstarrte, als müsse im nächsten Auaenbllcke die Welt untergehen. Der Bengel hat sich ja wohl so bundsföttisch betragen, wie ich eben auf seiner Swoe gehört habe, daß Sie ihm einen Strafsonntag aufgewichst haben! 5Xft ihm recht, dem Lümmel, und die .Schwerenoth soll ihn krieaen, wenn er Yxit nicht bessert! Man hat blos den Einen und dann will so 'n Racker Fisematenten machen? Hört ja doch alles auf! Wollte aber dock 'rsamst vltten.mlr den Jungen für heute Nachmittag freizugeben, indem sich der Dämelack ia so 'n Stück von Braut anaeschafft hat, die er mir heute vorerercieren will! Er kann ja dann nächsten Sonntag brummen denn Strafe muß natürlich sein!" Lieutenant von Hilgendorf sah'nicht wenig verwundert drein. So was war ihm denn doch noch nicht vorge rommen. .Zum Donnerwetter! Drillmam, wie viele Väter haben Sie denn?" Einen, Herr Lieutenant!" heulte de? Unterofficier. .llnd der b'rn ich!" fagte der alte forsche Wachtmeister und machte ein paar Augen dazu, als wolle er den

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mit Haut und Haaren versck'''-en,der

ihm d:e Vaterschaft an dreier Nerle von Sohn streitig machen wollte. So? fraate llaendon lackend und faßte den andern scharf in's Auge. .Hier steht aber noch einer, der es auch sein will!" Da soll doch aleich ein beiliaes bitte um Entschuldigung, Herr Lieutenant aber das ist doch ein starkes Stuck! Junge, b:n ?ch Dein Vater oder der da?" Ich weist nick!" jammerte Drillmann, der alle Fassung verloren hatte und sah seinen Lieutenant an, wie das Schaf seinen Schmer. unae!" schrie der Alte wild, aber der Lieutenant fiel ihm in den Arm und begütigte ihn lachend: Er hat ganz Recb err Wacktmeisier. Das kann er dach auch nicht wissen!.... Aber ich weiß Bescheid. Nehmen Sie ihn nur beim Kraaen und lesen Sie ihm ordentlick die Leviten. Mit diesem aber hier werde i mal ein Dortchen im Vertrauen reden!" Dabei blinzelte er vielsagend zu Drillmann's erstem" Vater hinüber. Gnade. Herr Lieutenant!" roiminerte Drillmann. Er spielt ja immer die Hallunken und so hat er mick auck verführt!" Wer denn, DrAmann?" Da. der Bacherl. Qerr Lieute nant!" Auch Vacherl füblte so etwas wie ein gelindes Gruseln über seine Haut nemn. als die Katastrophe ihm näher und näher rückte. Aber er war ein zu auter Schauspieler, um die Courage zu verlieren. Dreist nahm er die Verrücke von der Stirn, wischte sich mit dem Taschentuch nothdürftig die Falten aus dem (öeücyt, verbeugte sich dann höflich vor dem Lieutenant und fragte fo harmlos wre möglich: Habe ich meine Rolle aut aesviclt. Lerr Lieutenant?" So'n Windhund!" fluchte balblaut der echte Drillmann, da hört ja die Weltgeschichte auf!" JAun sagen mal. Vackerl. was sollte denn das eiaentlick sein?" fraate Hilgendorf und zwang sein Gesicht zu reckt ernstem Aussehen Eine Vorstellung. Herr Lieutenant. Sie forderten mich ja gestern auf, nach Belleoen zu Ihnen zu kommen. . . . Ganz recht: aber zu solchenDmmbe:ten doch nicht etwa? Sie hatten mir die Wahl überlas sen, Herr Lieutenant! Hm.... na, das war denn aller dings kläglich' genug." Kein Ensemble! meinte Bacherl, der gut Wetter merkte. Ich wollte auch deshalb das Honorar nicht!" Und dabei legte er den vorhin empfangenen Thaler auf den Tisch. Hilgendorf mußte lachen. D:e Ge schichte war doch zu lustig gewesen. Was wird denn aber nun?" fragte er und machte einen letzten Versuch ernsthaft zu bleiven. Ich bin an allem Schuld, Herr Lieutenant! sagte Bacherl. Auch ge stern schon bei der Namensverdrebung Lassen Sie Mich büßen, aber den Drill mann frei! Ein auter Schauspieler weiß mm das richtige Register zu ziehen. Er ist doch 'n guter Kerl!" dachte Drillmann trotzdem er immer den 5allunken vorstellt!" rn i v . jjca, Dann wouen wir ma .Schwamm d'väber" sagen!" entschied sich der Lieutenant lächelnd. Aber ich bitte demnächst um eine bessere Vor stellunq, Herr Bacherl. Das war nichtbeute!" Und befriedigt schoben die Drei zur Thüre hinaus, Drillmann mit seinen beiden Vätern Der Lieutenant aber steckte seinen Thaler wieder in's Portemonnaies Lieutenants haben die Thaler auch ; nicht allzudick. Wer wollte ihm daher j das Schmunzeln verdenken, das sich ! r o. . c , r i ! UM lerne Kippen oaoei ima sjoer freute er sich Aod) immer über Drillmanns Väter"? Spruch. Großen Herrn ist nicht gut dienen. Denn sie seh'n's als Gnade an. Wenn sie's leiden, daß man ihnen Sich gefällig zeigen kann. Umschrieben. A. (zu seinem Freunde B., der sich mit einer nicht ganz gerade gewachsenen Dame verlobt hat): Du, unter uns gesagt. Deine Flamme scheint etwas schief zu brennen. Vor Gericht. Präsident: Die Angeklagte habe Sie also geschlagen? Zeugm: Ja und außerdem hat sie mir die Haare ausgerissen, und die haben mir doch solche Menge Geld gekostet. Herr Präsident! Sogar. Gast: Man sieht ja gar keinen von den jungen Leuten mehr, die früher hier verkehrt haben! Wirth (alter Junggeselle): ie sind auch alle gestorben und verdorben ...ich glauöecmer ist sogar verheirathet!" Dummheit. Unteroffizier (der sich eine Cigarre anzünden will, auf der Straße zu einem vorübergehenden Rekruten): Sie da. Feuer!" Rekrut: Herr Unteroffizi entschuldiqen. ich hab' mein Gewehr nicht bei mir."

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Im Reiche der Mode. Um die Neuiahrszeit. wenn die Vor-

bereitunaen für den Carneval ihren Anfang nehmen, sind die Modegesetze für die Saison bereits fertiggestellt und die großen Schneiderkünstler quälen sich nicht mehr mit dem Erfinden neuer Moden", sie arbeiten vielmehr nur noch an der Ausführung der bereits erfundenen Kunstwerke. Da ist denn Jndiscretion Ehrensache, wenn es gelunaen ist. einen Blick in das Allerheiliaste des Ateliers zu werfen. Heute sind wir deshalb in de: Lage, unsere Leserinnen mit zwei ganz aparten So:-r6e-oder Balltoiletten bekannt zu machen. Diese beiden geschmackvollen Toiletten eignen sich ihrer soliden Eleaanz weaen aanz besonders für Zunge Frauen, sowie sur nicht zu ;unge Madchen. Balltoilette in, Prinzeßform. Die in der ersten Illustration veranschaulichte Toilette besteht aus hellgrün und roth changierender Seide un? Damast. Das' an den unteren Ecken gestickte Ueberkleid in Prinzeßform aus ersterem Stoff ist vorn mit schrägem Schluß versehen, tritt nach unten hin auseinander, fallt hinten mehrmals aescklikt in breiten Theilen über den Rock aus Damast herab und ist mit 1 1-4 Zoll breitem, dunkelgrünem Sammetband begrenzt. Den hinten eckigen, vorn tiefen runden Ausschnitt füllt plissirte weiße Seidengaze, die mit einem Sammetbande abschließt und mit einem plissirten Jabot ausgestattet ist. Ueber die weiten kurzen Aermelpuffen aus glatter Seidengaze fallen eckige, mit dunkelgrüner Seide aestickte Theile aus Chanqeantseide, die ebenfalls mit Sammetband begrenzt sind. Ein Sammetband hält auch die Aermelpufse unten zusammen. Ballcostüm aus Seide. Die zweite Abbildung zeigt eine Robe aus Chlnjeide, die aus cr?mefarbcnem Grunde Gewinde von Fruh lingsblüthen in Querstreifen trägt. Bei Anordnuna der Toilette ist darauf zu achten, daß diese Streifen immer enau aneinander treffen, sodzß sie alle wie geschlossene Kränze erscheinen. Die Taille ist nur leicht gekräust. der Rock ohne jeden Besatz. ' Er wird der Taille übergehakt und mit einem breiten Gürtel aus blauem Sammetband umzeden. der an der linken Seite mit eine: großen flotten Schleife und langen Enden abschließt. Den vorn tiefen, hinten flachen Ausschnitt umgiebt ein Kragen aus Reliefguipürespitze, htT vorn unter einer Bandrosette zusammentntt. Die kurzen Aermelpuffen aus Gaze schließen unten mit einem Epitzenvolant, oben mit gleichen Epaulettes ab. Visitentoilette. Die anmuthize Toilette (Figur No. 3) aus graugrüner, gemusterter und glatter Vngaline ist mit rothoiolettem Sammet geschmückt. Der Rock aus glatter Bengaline hat einen keilartigen Einsatz aus gemustertem Stoff und ist m beiden Seiten desselben je mit einem ??altcnarranzement. sowie vollen Rosetten aus Sammet garniert. Die Taille besteht vorn aus beiden Stoffen, die so arrangirt sind.daß die gemusterte Bengaline den unteren Theil miederartig bekleidet, während der obere aus gekrauster glatter Bengaline gebildet ist. Die Verbindung deckt ein gesclte-

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tes Sammetbandeau, welches an der

linken Seite mit einer Rosette endet. Der Rückentheil besteht auö glatter Bengallne und ist ohne Naht, nur im Taillenabschluß mit leichten Falten gearbeitet. Ein faltiger Stehkragen und em Gürtel aus Sammet schließen di? Taille ab. Den mit Sammetbandeaux begrenzten Aermeln aus gemuftert Seide sind große Puffen aus glatter Bengaline ausgesetzt. Das zierliche Hütchen aus violettem Sammet ist mit grünen Federn und einer reich facettierten Stahlschnalle geschmückt, die ein paar Sammetsch!eiZn zusammenhält. Kleid mit Blusentaille. Um bei dem Eleaanten nicht des Nützlichen zu vergessen, veranschaulichen wir in der letzten Abbildung cm dem täglichen Gebrauch dlenenoeZ leid. Dieses bübsche Costüm ist aus blauem Wollenstoff gefertigt und seine Garnitur besteht theils aus glattem. ibeils aus mit Perlenstickerei uderveaiem, blauem Sammet. Ersterer ist für die zwei lang herabhangenden ISnon, welcke vorn an beiden Seiten dem Rock aufliegen, sowie 'ur Ausstattung der Aermelpuffen verwendet, wahrend de? breite Gürtel, sowie der Stehkragen und die passenartiae Garnitur der bauschigen Blusentaille aus gezliclteni Sammet bestehen. Verlängerte Lceandampfcr Daß man schwere Steinbauten Hun derte von Fuß auf Rollen transportirt, ohne daß Wände und Decken Risse bekommen, rst e:ne bekannte Geschichte. Dagegen dürfte es den meisten Lesern neu sein, daß man die großen Oceandampfer. Riesen bis zu 500 Fuß Länge. in. der Mitte durchschneiden und Vaiern" im Dock. zwischen beiden Hälsten ein ganz neues Stück bineinbauen kann. Auf diese Weise wurden die beiden stolzen Postdampfer des Norddeutschen Lloyd um 50 Fuß verlängert, und dadurch eine außerordentliche Vergrößerung des Laderaums (2400 Kubikmeter) gewonnen. iMMli 3MSB,i Einflickenvon50Fuß. Für die Ausführung wurde die Werft von Blohm und Boß in Hambürg ausersehen, deren gewaltiges Schwimmdock sich am besten für vie vorzunehmende Arbeit eignet. Veide Schiffe wurden nach einander im Dock mittschiffs vor der Maschine senkrecht durchschnitten, so zwar, daß die cinzelnen Verbände zweckentsprechend gelöst wurden. Dann wurde das Vordertheil auf einer hydraulischen Schlittenvor richtuna nach vorne gezogen, der neue Sckiffstbeil in einer Läng: von 50 Fuß aufgebaut und die einzelnen. Schiffstheile dann unter zweckentspreSenden Verstärkungen der Verbände wieder zusammengefügt. Der ganze technisch außerordentlich schwierige Umbau nahm beim Dampfer Vaiern" nicht ganz sechs Monate, beim Damvfer Sachsen" nur vier Monate in Anspruch. Unsere Bilder z?ig:n den im Umbau begriffenen Dampfer Baiern". Winter! Grau der Himmel, weiß die Flur, Schneebedeckt die Linde. Oed' und farblos die Ratur, Rauh und kalt die Winde. Hat sich angeschickt die Welt. Winterschlaf zu halten, Ruhe herrscht in Wald und Feld. Vöglein, sie verhallten! Farblos weiß ist die Natur. ' Bäume, Wiesen. Rasen. Und die einz'ge Farbe nur Sind noch rothe Rasen!

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