Indiana Tribüne, Volume 18, Number 115, Indianapolis, Marion County, 13 January 1895 — Page 2
Eine Grangen-Partq für die Kleinen. ' Das junge Volk zählt so viele Ver?!)7er der goloiaen Apfelsinen, dah ein Kinderfest mit Benutzur.g der Orangen als Hzuptattraction sicher den lebhaftesten Beifall der 5Iinderw:lt finden wird. Der liebe Himmel bat uns aufeerdern einen solchen Ueberfluß an dieser Frucht und gerade zu einer Zeit verliehen, in der alle anderen Obstqatwngen entweder noch nicht ode: nicht mehr reichlich auf dem Markte vorhanden sind, dah ihre Beschafsung nicht kostspielig ist. Auch können wir sie der kleinen Gesellschaft mit autem Gsissen reichen, ohne befürchten, zu müssen, dah ein- Zuviel dielleicht dem zarten Magen schaden würde, wie dies bei Äderen Süßigkeiten. wie Candy und Kuchen, nur zu oft der Fall ist. Nun aber zu unserer OrangenVarty! Der Tisch oder die Tischcken. an welchen die Gaste Plan nehmen, kann allerliebst für die Gelegenheit verliert werden. Mit Hilfe von Crepe-
Papier, natürlich in der Farbe der Orangen, werden Sie verschiedensten kleinen Ueberraschungen für die Kinder geformt, Düten, Blumen. Fächer etc.. alle mit orangefarbigem Band geschmückt. Aöer die Hauptsache bleiben die Orangen, aus welchen die Mittelstücke für die Tafel in Pyramiden, als Rörbchen und in anderen beliebtenFormen hergerichtet werden. Ferner gibt 3 dann noch komische Figuren, welche nicht verfehlcn. die lustigen Leutchen aar sehr zum Lachen zu bringen. Für jene Mütter, welche ihren eigenen und auch anderen Kindern gerne einen Spaß bereiten, wollen wir hier dk nähere Beschreibung des Herrn .Chinq Wang", Dft Samoo" und es Schweinchen aus Orangen-Scha-len geben, nur aus Urformen, denen die erfindungsreichen Frauenhände sicher noch ein: ganze Galerie von selbst geschaffenen Orang?n-Gestalten nachfolacn lassen. Zur Anfertigung Ehing Wznz's" benöthigen wir eine große irnd eme kleine Apfelsine. Die kleinere ist bestimmt, den Kopf des Chinesen darzuftcEfn; mit einem Federmesser werden vorsichtiz die geschlitzten Augen, der Mund und die breite Nase eingeritzt und dann die Schale von den betrefsenden stellen ausgeschmttm, zuletzt dars man die Ohren nicht ver "n, rndem man auf beiden Seiten des Kopscs die Schale aufstülpt, und so das Männchen mit (Se'hörwerkzeugen versiebt. Aus der zweiten größeren Oranqe wird Hut und- Oberkörper des Gentleman hergestellt. Zu diesem Zwecke wird sie rn zwei gleiche Hälften aesch.nitten, d'ie eine davon ihres süßen Inhaltes vollständig beraubt, so daß nur die Schale übrig bleibt, deren Band dann gleich der Krempe eines runden, Hutes umgestülpt wird. Die andere Hälfte, auf der Schnittfläche rubend. bildet den Rumpf des Chinesen. Um diesen schließlich noch mit irrer Kravatte zu versehen, kann man entweder ein Stück Schale von der den Körper bildenden halben Orange abschneiden, oder einen Streifen von der weißen Hutkrempe ablösen und dann um jene Stelle schlingen, wo der Hals eirentlich hingehört. Nun zu der nächsten Orangen-:-stalt. welche wir Olo Sambo" nennen wollen. Er wird aus einer Orange, w Sträuchen oder Büscheln Nosiixn, zwei kleinen Weinbeeren und einem Stückchen Holz zusammengesetzt. Aus jenem Theil der Orange, welch: das Hinterbaupt bildet, löst man ein so großes Stück Schale ab, daß man daraus einen genialen Stehkraaen formen kann, natürlich mit der weißen Seite nach außen. Dann hebt man an beiden Seiten des Kopfes die Ohren hervor, intern man, die Schale einschneidet unt aufstellt, ferner formt maro d weißen Augäpfel durch Ausschnerden der gelben Schale und be zeichnet die dunklen Pupillen, indem man in die rechte Ecke jedes Auges die Weinbeeren placirt. Dies verleiht dem Neaerkopf einen überaus komischen Ge sZchtsausdruck, der noch erhöht wird, indem man einen ziemlich breiten Mund mit nach oben Feschweiften Mundwlnteln ausicheidet, die Nuß stücke werden an Stelle der Kauwerkzeuge eingesteckt. Ferner muß ein pas sende- Stück Schale für die Nase los elöst werden, welcher man den nöthi tn klassischen- Scbwung verleiht und das wollige Haupthaar wird daraestellt, indem man die getrockneten Weintrauben möglichst hübsch mii Stecknadeln um das rundliche Haupt w:e ebenso viele Lockchen befestigt. Schließlich verwendet man zur Ansertigung des früher rühmlichst angeführten Orangen-Schweinchens" die Schale einer halben Orange, welche Schale zur Hälfte zusammengeleqt in 'der nronn des graciösen Rüsseltbierbens ausgeschnitten und auf die eben falls eingekerbien Wßchen aufgestellt werd. Die Augen werden durch Schätzung der gelben Schale uno ebenso die spitzen Ohren durch Aufstellen der e'lOgeschn'ittenTN' Stücken Schale markirt. Ein Mosbacher". A.: Wie haben Sie es nur zu Stande gebracht, sich mit der alten, gezierten und komisch aufgeputzten Dame dort eine chalbe Stunde zu unterhalten, ohne ihr in's Gesicht zu lachen?" 23.: 0, das ist sehr einfach die ist meine Frau!" Dilemma. Freund: Sind Sie mit Ihrem Roman fertig?" Dichter: Ach nein! Sechs Paare habe iS) glücklich verheirathet; nun bleibt sir noch ein alt: General und eine .chuhmacheröwittwe übrig. Die Zwei kann ich doch nicht gut zusammenbriu-!?"
Zwei Dulderinnen. Von Leo Hildeck. Von einem frisch aufgeworfenen Friedhofs Hügel, dessen provisorisch aufgestelltes bekränztes Holztreuzchen den Namen Dr. Bruno Serling" trug, erhob sich eine dunkel, aber ohne eigentliche Traueraözeichen gekleidete Frauengestalt, durchschritt die Reihen blendend besonnter Grabsteine und schlug den heißen staubigen Weg nach der Stadt ein. Handtasche, Staubmantel und Touristenschirm kennzeichneten sie als Reisende. Sie mochte vierzig Jahre oder wenig darüber zählen: die Bewegungen der schlanken Gestalt waren fast jugendlich elastisch, während sich auf dem sympathischen Gesicht eine Resizna tion aussprach, die den ziemlich verblühten Zügen den letzten Rest von Jugendlichkeit raubte. 'Im Häuserschatten eines ihr unbekannten neuerbauten Stadttheiles angelangt, mäßigt: sie ihren Schritt, hob die von spärlichemThränencrguß leicht-
aerötheten Auaen zu zögernder Umschau und wandte sich an eine alte Oösthökerin, die im Schatten eines verblicheneir rothbaumwollenen Schirmes 1 hinter ihren hoch voll Kleinobst gethürmten Körben halbschlummerd dasaß. Entschuldigen Sie wie komm: ich am nächsten nach der Margarethenstraße?" Ohne sich zu rühren, öffnete die Alte ihre farblosen Augen. Die erste Straße rechts, und dann man immer attadeaus. Sie wollen woll zur Dvkter'n Serling?" fügte sie mit einem ausmerkzamen Blicke in das Gesicht der fragenden hinzu, d:e sich eben dankend entfernen wollte. Ja. . . . aber " Ueberrascht blieb die Dame stehen. Sind gewiß 'ne Schwester von der ersten Frau?- fuhr die Alte fort. Ist ja ganz dasselbe Gesicht! Na, so 'ne M, c "ii r yl Ute trau o:c yane rnqi o iruy wegsterben dürfen. War auch immer 'ne treue Kunde. Und wenn es auf'n Winter ging Frau Friedebold'n", saate sie. da hab ich wieder was vor Ihnen " mal 'ne Jacke und mal 'n Duch. Jemine, und nu stirbt der Mann, und da sitzt nu die zweite Frau mit den vielen lutien Kindern ja, ich saae man blos!" Ueber das bleiche Gesicht der Dame hatte fich eine tiefe Röthe gebreitet. Sie grüßte mit schmerzlichem Lächeln und schlug eilig den bezeichneten Weg ein. Vor einem grün gestrichenen Hölzernen Gartenthor. in dessen einen Pfeiler ein blankes Messingschilo mit dem Namen Dr. Bruno Serllng eingelassen war, blieb sie endlich stehen und schloß einen Moment die Augen. Und da sah sie ihn vor sich, wie sie ihn vor fünfzehn Jahren zum letzten Mal geseden hatte, den fchlanken feinaebauten Mann mit dem seidigen rothbraunen Barte und den. verträumten Gelehrtenäugen, dem kleinen brennend rothen Munde und der edlen Stirn, in die das braune Haar in einer unregelmäßigen Spitze hineingewachsen war. Solch ein hübsches, gutes, hilfloses Denkergesicht Ob Ottilie ihm noch so ähnlich sab? Rasch stieß sie das knarrende Gartenthor auf. schritt auf das einstöckige Haus au und trat in die Thür, in deren Rahmen sie einen Augenblick stehen blieb. Nach der glühenden Hitze da drau-. ßen strömte ihr erfrischend die Kühle eines großen steinernen Hausflurs entgegen, der sein Licht von einem hohen schmalen Seitenfenster empfing. Unter diesem Fenster setzte die Treppe an. ein zweites Fensterchen, von Blattwerk arün verdunkelt, schimmerte smaragdfarben oberhalb der Hinterthür. Rechts führte eine verhängte Glasthür in 'die Paterreräume, aus denen ein grobe weibliche Stimme ununterbrochen herausschallte. Die vordere Abtheilung des Nms war fast wie ein Zimmer eingerichtet. An der linken Wand, unter einer alten von Lithographien umgebenen Uhr, stand auf einem Kokosteppich ern roth gedeckter Klapptisch nebst einigen Stüh len. Hier saß ein in tiefe Trauer gekleidetes junges Mädchen und schnitt handbreite Streifen aus einem alten abgetrennten schwarzseidenen SchirmÜberzuge. Ihr gegenüber kauerte in einem niedrigen Gartenstühlchen ein derbes blondes Madchen von sechs Iah ren, das in ungeschicktem Eifer mit zwei Stricknadeln ein schmutziges Lämpchen forderte, dabei die Zungen spitze in den Mundwinkel klemmte und jeden Augenblick mit dem bloßen Aermchen unter der Nase hinfuhr. BeimDeffnen der Hausthür erhob sich das jung: Mädchen zögernd und musterte die Eintretende mit fremdem, fragendem Ausdruck. Diese, von der Ähnlichkeit des Mädchens mit dessen jüngstverstorbenem Vater heftig bewegt, rief mit bebender Stimme: Ottilie !" Betroffen öffneten sich die braunen Augen noch weiter. Mit wem habe ich.. Und plötzlich fchrie sie auf: Tante Liddy ! Nicht wahr Tante Liddv?" Und sie machte eine Bewegung, als wolle sie sich in die ausgebereiteten Arme der Vesucherin stürzen. Aber plötzlich ließ sie die Hände sinken, trat einen Schritt zurück und sagte trotz der aufsteiaenden Thränen mit grollendem Ausdruck: Du kommst etwas spät, Tante Liddn!Kind-, versetzte die Tante lebhaft und griff nach Ottilien's Hand, die Trauernchricht erdichte mich erst vorgestern in Königsberg, und da habe ich mich sofort auf die Bahn gesetzt, obgleich meine kranke Freundin mich noch recht nöthig gehabt bä!k. Gott weiß.
wo der Brief schon henimgewandert warDaß ich nun erst .eine volle Woche l. . ein i m
nacy oer eeroigung Ottilie macht: eine ungeduldige Veweguna und schob der Tante mechanisch einen Stuhl bin. O so mein' ich's nicht!" sagte sie mit finsterer Miene. Was kommt auf die eine Woche an! Nein, Tante weißt Du. um wieviel Du zu spät gekommen bist? Um vierzehn Jahre volle vierzehn Jahre!" Aus ihrer Stimme klang eine Erbitteruna. die sie all: diese vierzehn Jahre in sich aufgespeichert zu haben schien. Der schmerzlich resignirte Ausdruck in den Maen der Tante vertiefte sich noch, während sie das hübsche leidenschaftliche Gcsicht der Nichte beobachtetc. auf dem eine trotzige Energie die vorhin bemerkte Ähnlichkeit mit dem Vater völlig verwischtes Und dann glitt ihr Auge auf das derbknochige blonde Kind ab. das aufgestanden war und die fremde Dame mit seinen blauen, weißbew'.mperten Augen unverwandt anstarrte. Es hatte eine Stricknadel in den Mund gesteckt und zupfte die erwachsene Stiefschwester mit nervenzerreißender Beharrlichkeit an der Schürze. Was willst Du denn?" fuhr Ottilie die Kleine an mit der Gereizheit derje nigen Personen, deren Nerven durch die unausgesetzte Beschäftigung mit vielen Kindern gelitten haben. Fanq' mcch 'ne neue Nadel an, Otty!" verlangte das kleine Mädchen und reichte ihr schmutziges Strickzeug hing. Fang' mir eine neue Nadel an. heißt es!" verbesserte Ottilie und fügte zur Tante gewendet hinzu: Wenn ich nicht aufpaßte die Kinder lernten hier zu Hause kein richtiges Wort! Geh' zu Deiner Mama in die Küche, Kürche, Lieschen, ich habe mit der Dame zu sprechen und will nicht ge stört sein. Komm , gib schon eine Hand die rechte! Das ist ja die linke! So ist'S recht. Und nun allons!" Gehorsam, aber ohne die Augen von der Besucherin abzuwenden, ging Lies' chen rückwärts nach der Glasthür, hinter der sie verschwand, die sie hinter sich zuwarf, daß die Scheiben klirrten. Ottilie zuckt? nervös zusammen, hielt sich die Ohren zu und schüttelte dann mit hoffnungslosem Seufzen den Kopf. Sie machen mich noch, toll," sagte sie. Wenn man an der Mutter so gar keine richtige Unterstützung findet ich mit meinen dreiundzwanzig fahren soll für Alles und Alles da sein, für's Benehmen und sür's Lernen und auch sonst noch. Die vier ältesten Jungens gehen wenigstens in die Schule, vor denen hab' ich doch ein paar Stunden Ruhe. Aber Lieschen und die Kleinen die geben einem was auf, sag' ich Dir. Und dann die Garderobe damit ist nie fertig zu werden. Guck', da" sie hob die schwarzseidenen Streifen in die Höhe da sitze ich nun her und mache für die Jungens Halsbinden- aus Papas altem Regenschirm; sie müssen doch jetzt schwarze tragen, und kaput sind sie doch gleich wieder; kaufen ,ist nicht!" Was hast Du für ein Leben gehabt. Ottilie!" sagte die Tante leise und kopfschüttelnd. Aber damit ist es fetzt vorbei wenigstens wenn es Dir so recht ist. Ich dachte mir nämlich. Du solltest gleich mit mir kommen. Eigentlich gehören wir zwei doch zu sammen " Mit Dir?!" Das jung: Mädchen schrie es fast; in ihren Augen blitzte es auf. un,d der Athem wurde ihr kurz. Mit vorgestrecktem Halse, die zusammengepreßten Hände auf dem ungeduldig wippenden Knie, saß sie der Tante geaenüber und schien ihr jedes Wort vom Murdc holen zu wollen. Willst Du?" Ob ick will!" Ottilie that einen lauten Athemzug, und in fast glückliches Leuchten lag auf ihren hübschen Zügen Aber allmälig erlosch es, und zwischen die dichten Augenbrauen arub sich die frühere Falte. Warum bist Du nicht vierzehn Jahre früher gekommen!- murmelte sie verdrossen zur Seite blickend und warf die Lippen auf. Um die besten Jugendjahre bin ich betrogen! Für Jeden warst Du da. für die entferntesten Verwandten. Wenn eine Deiner Schwäaerinnen ein Kindchen bekam wenn eins der Kinder nur den Keuchhusten hatt? immer war sofort Tante Liddy da und pflegte und sorgte. Nur für uns hattest Du keine Zeit! Damals, als Mama starb. Deine ein zige Schwester " Da war ich gerade in England!" fiel die Tante hastig ein. und eine feine Nöthe stieg ihr bis in die Schläfen, empor. Ja aber als Du zurückkamst?" Man hat mich ja nicht. . . . Dein Vater hätte mich rufen sollen!" Rufen dazu war er der Rechte! Zu den Anderen gingst Du doch ungerufen! Nein. Tante, was Du an. uns gesündigt hast, an Papa und mir, das kannst 'Du nie, nie wieder gut macben!" Sie saßen sich eine Weile schweigend gegenüber. Jedes in seine Gedanken versunken. Durch die Etagentbür sckallte die keifende Weiberstimme mit kurzen Unterbrechungen. Ottilie wies mit einer Kopfbewegun-z dorthin. Sie hatte ja schon zu Mamas Lebzeiten das Heft in der Hand; sie war ja tüchtiaer und konnte Papas kleinen Eigenheiten besser Rechnung traaen. als die verwöhnte Mama, föei uns war das Dienstmädchen die eigentlicbe Herrin. O Kinder fühlen so etwas merkwürdig fein heraus! Und als dann Mama Ziarb, und Papa trotz
St'tnesZuvorkommenheit im ersten Haiden Jahre fortwährend sagte: Wo mag nur Liddy stecken? Ich begreife nicht.
daß meine Schwägerin nicht kommt hu. was machte die Stine da fift ein Gesicht! Und wie warf sie mit den Tellern! Ich weiß noch, wie sie einmal ganz plkirt sagte: Man sollte melnen. Herr Docto? kriegten bei mich Ihr Rechtnicht! Na, da schwieg er still. Hat immer kolassalen Respett vor ihr gehabt. Alles was recht ist: sie hielt das Haus musterhaft, und Keines wußte mit seinen Sachen so gut Bescheid, wie Stine. Ich hing ihr ja auch immer am Schürzenband, besonders nachdem die büden Brüderchen an der Diphtherie gestorben waren Ach Gott, das war schrecklich! Papa war ganz verwandelt, kam kaum noch aus seinem Laboratorium heraus ins Kinderzimmer war er seit der Zeit nicht mehr zu bringen. Eigentlich hatte ich aar nichts davon, daß ich einen Papa hatte. Wenn er mich nur ansah, gleich kamen ihm die Thränen, in die Auaen, arnd dann ging er auö der Thür. Liebe? Himmel, so allein war ich mit neun. Jahren!" Tante Liddy hatte den Ellenbogen aufaestützt und das Gesicht mit der Hand beschattet. Na, Stine verstand cs, mit ihm umzugehen. Herr Doctor hier und Herr Doctor da, und immer seine Lieblinggerichte gelocht, und den Aschenbecher nachgetragen. - Damals dacht: ich mir natürlich nichts dabei, aber später kommt einem das Alles wieder ins Gedächtniß, und man deutet es sich.... Und nach einem Jahre kündigte sie plötzlich. ' Ich sehe es noch vor mir; wir faßen beim Abendessen, und wie sie uns bedient hatte, kam sie damit heraus. Papa sank ordentlich entsevt in -den Stuhl zurück. Sie wollte fort? Aber nein, das ging ja gar nicht, was sollte denn aus dem Hause und dem Kixde werden und wem sonst konnte er die Reinhaltung seines Laboratoriums anvertrauen? Sie zuckte die Achseln. Ja was denn eigentlich für ein Grund vorläge? Da fing sie an, sich in den Hüften zu drehen und ihren Schürzenzipfel zu beaucken und wurde feuerroth und stotterte, ja ihre Mutter hätte geschrieken und im Dorfe sprächen sie auch allerlei und Herr Doctor wären doch ein Wittmann", und sie selbst erst achtundzwanzig und und das ginge eben nicht länger." Papa saß ganz starr da, und dann fuhr er sich mit der Hand übers ganze Gesicht und den Bart und sah Stine von oben bis unten an, als ob er sie in seinem Leben noch nicht gesehen hätte. Und auf einmal neigte er sich zu mir herüber und sagte ganz leise und zärtlich. wie sonst nie: Hast Du denn Deine Schulbücher auf morgen schon gepackt, mein Herzblättchen? Geh' mal hinüber in's Kinderzimmr und thu's!" Da ging ich hinüber ." Und als ich zurückkam ach Gott. Tante Liddy! Es war einfach das Bequemste so. Nun sollte ich plötzlich Mama zu ihr sagen kannst Dir denken, was es da für Scenen gab, und wie ich zehnmal des Tag.es vor die Thür gesetzt wurde, besonders wenn sie in meiner Gegenwart mit ihm zärtlich thun wollte. Dann schrie nch. daß es die Nachbarn horten, und bekam meine Wichse. Nachher, als sie getraut waren, wollte sie durchaus die ??rau Doktor herausbeißen und putzte sich und machte Besuche, die ihr in ihrer Abwesenheit erwidert wurden. Eingeladen wurde 'sie nirgends, und Papa ging auch niemals mit ihr aus. Zuerst machte sie ihm Auftritte und gebrauchte abscheuliche Schimpfworte; als sie aber merkte, daß er gar nicht zu hörte und sich nur um so früher in sein Laboratorium einschloß, ließ sie ihn damit in Ruhe. Auch den übertriedenen Aufwand gewöhnte sie sich bald wieder ab. theils aus- Sparsamkeit, dann aber auch Sie hatte sich nämlich einen Mordshut gekauft, einen aanen Obst- und Blumenmarkt mit Federn und blauen Schleifen, so daß ich. Kind wie ich ivar, mich schämte, so mit ihr auszugehen. Ich bin also eines Nachmittags bei Mariechen Valdauer, gerade als ihre Mama Kaffeegesellschaft hat, und nachher durften wir Kinder mal hereinkommen und guten Tag sagen, und da kriegten wir jede ein Stückchen Kuchen. Da höre ich, wie Frau Streicher mit Frau Pastor Tholl tuschelt , und wie sie sagt, am Pfinastsonntag sei die Doktor'n Serling in die Kirche gekommen, wie eine Pflnstkuh. 3ch nicht faul laufe seelenvergnügt nach Hause und erzähle die Geschichte beim Abendbrod. Na ich hatte ja gewußt, daß ich eine Ohrfeige riskirte, aber so ausziebiz,wie sie ausfiel, hatte ich sie mir doch nicht vorgestellt. Aber was meinst Du der Hut verschwand auf Nimmerwiedersehen!" Ach Tante, das war ja Alles noch gar nichts. Aber dann kamen die Kin der. ... O Gott, o Gott, diese Kinder! Eins nach dem andern, alle ein bis zwei Jahr, immer wieder eins, und immer wieder eins. Ich dachte, das ginge nun in alle Ewigkeit so fort ich konnte mir schließlich gar nicht mehr vorstellen, daß das einmal ein Ende nehmen müßte. Und das Drumherum. dieses ewige Waschen, und das Geschrei und Gekrabbel. und die Kinderkrankbeiten mit all' ihre? Angst und Aufregung, und der complicirte Haushalt großer Himmel, daß ich nicht verrückt geworden bin!" An Papa hatte ich nun auch gar keine Stütze eigentlich sah ich ihn nur bei den Mahlzeiten. Wie ich so heranwuchs ich weiß nicht ich kann das Gefühl nicht los werden, daß er sich vor mir geschämt hat. . ." Ich glaube, Du hörst gar nicht zu, Tante " .Ich höre", saate Tante Liddy hin- ! in der aufgestützten Hand. .
Mir ist auch gar zu w)hl, daß ich mir 'mal AlleS so vom Herzen herunter schwatzen kann. Weißt Du sie sie hatte doch etwas wie Respekt vor mir, sie fühlt: doch wohl, daß ich die seiner: Natur war. Und dann denke ja nicht, daß ich mich vor irgend einer Arbeit gescheut hätt:! Abgerackert habe ich mich mi: dem Haushalt und den Kindern, daß es die Art hat. Da sich 'mal meine Hände guckst Du, ganz roth und ausgearbeitet und hier die wunden Knöchel ist von der Wäsche. Faulheit hat sie mir wahrhastia nie vorwerfen können. Kannst Dir denken, daß mir zum Vergnügen nicht allzuviel Zeit bleibt abgesehen davon, daß wir uns seit Iahren von aller Geselligkeit zurückgezogen haben " Voll Bitterkeit blickte sie vor sich hin. Nur voriges sie erröthete plötzlich da durft' ich Mariechen
Baldaucr's Hochzeit mitmachen weißt Du. das war zu schon! Aber wer weiß! cs wäre vielleicht besser gewesen wenn ich gar nicht " Da hast Du also ihn kennen gelernt", sagte die Tante, ließ die Hand sinken und blickte Ottilie gelassen an. Ihn ? Wen?" fragt: Ottilie, noch beißer erröthend und drehte unwillig den Kopf. Nichts! Nur weiter! Aber dem jungen Mädchen schössen die Thränen in die Augen, und mit leidenschaftlicher Heftigkeit warf sie sich der Tante in die Arme, während ein kaum hörbares Schluchzen, das ihren Körper erschütterte, einen lanae verborgenen Schmerz verrieth. Kam er in euer Haus?" flüsterte die Aeltere und drückte ihre Wange auf des Madchens Haar. Ja " klang es dumpf. Um Dich näher kennen zu lcrnen?" Ottilie richtete sich auf und strich sich die Haare aus dem thränenfeuchten Gesichte. üto Und da kam sie in's Zimmer und lachte und machte ihre rohen Anspielungen o Gott, Tante, dieser feinen, stillen Natur ge genüber, die sich erst nach und nach auf sich selbst hatte besinnen müssen ! Er konnte gar nicht verbergen wie tief verletzt er war . Und ich, Tante, und 'lich! Konnte er nicht meinen, ich hätte sie vorbereitet, sie vielleicht gar für ihre Rolle abaerichtet? Denselben Tag noch ist er abgereist. Du mußt gleich mit mir kom men sagte die Tante bestimmt, Du mußt hier aus diesen Verhältnissen heraus! Ach Gott ja,Tante! Aber wa rum so spät?" Kannst Du das röcht errarhen, Otty?" fragte 'das alte Fraulein letse. Mit roßen Augen blickte Ottilie in daö feine verblühte Gesicht der Tante empor. Und plötzlich fchob sie sie von lick. Ach so !" sagte sie verwundert und etwas trocken. Aber das hat Papa doch nicht gewußt? Ja gerade weil er es wußte von Deiner Mutter hat er es gewußt darum konnte ich nicht von selbst kommen darum mußte ich warten, bis er mich rusen würde siehst Du das ein?" Nein. Tante." fagte Ottilie mit energischem Kopfschütteln, das sehe ich nicht ein! Meinst Du, das hätte er nicht längst vergessen gehabt, so ein zerstreuter Mensch, wie Papa war? Und überhaupt, aufrichtig gesagt " fuhr sie mit der ganzen gesundenGrausamkeit der Jugend fort wo fo viel für uns Andere auf dem Spiele stand ist da ein fo übertriebenes Zartgefühl nicht ein bischen ein bischen altmodisch?" Die Tante preßte die Lippen zusammen. Mußt nicht böse sein, Tantchen ! Aber siehst Du wenn ich bedenke : wie anders hätte sich meine Jugend gestaltet und wie glücklich hättet Ihr sein können." Vielleicht wirst Du es noch", sagte Tante Liddy ohne Bitterkeit. Ich denke, wir lbereiten sofort Deine Stiefmutter aus Deine Abreise vor. Ohne Kampf wird es wohl nicht abgehen. . O. das soll mich wenig kümmern!" rief Ottilie triumphirend mit blitzenden Augen. All die Jahre hat sie mich ausgenutzt ich habe doch schließlich auch Anrecht aus ein. bischen Lebensfrcude wie? Wer hält mich hier?! Ich bin maiorenn ich bin mein eigener Herr " Plötzlich schallten draußen laute Knabenstimmen. Mit einem unnöthiaen Aufwand von Kraft und Lärm wurde die Hausthür fo weit aufgestoßen, daß ein breiter Strom grellgoldenen Mittagssonnenscheins in das kühle Helldunkel des Hausflurs eindrang. Vier Knaben in derben grauen Anzügen, den schwarzen Trauerflor um Aermel und Strohhut, die Schulranzen auf dem Rücken, pufften sich polternd über die Schwelle. Die drei ältesten, Kinder von dreizehn, zwölf und zehn Jahren, waren blond und grobknochia. wie Lieschen, und einander auffallend ähnlich; der vierte, ein zarter Knabe von acht Jahren, schien einem ganz andern Geschlecht anzugehören. Sein rothbraunes Haar quoll m dicken Locken unter dem zurückgeschobenen Hute hervor in die durchsichtig weiße Stirn, und die sanften braunen Augen blickten verwirrt und hilflos auf die großen Brüder, die ihn an seinem Schulranzen vorwärts schoben und zugleich niederzudrücken versuchten. Ottilie sprang herzu und schlug dem hauptsächlichsten Quälgeist auf die Finger. Willst Du wohl Vruno zufrieden lassen. Du Schlingel! Oskar, was ist das Extenrporale ausgefallen?" Sechs Fehler", erwiderte der Aeltejte, den Nanzen von sich schleudernd.
Schafskopf! WaS hast Du tm
Französischen auf? Na, laß' jetzt nur - leat erst drinnen eure Sacken ab. nachher zeiat ihr mir eure Aufgabenhefte. Apropos. Bruno . wandte sie sich an den Kleinsten, der indessen die fremde Dame scheu von der Seit: betrachtet hatte, hat Dir Fritz Muller Dein Taschenmesser wiedrgegeden?" Nei nein!" stammelte Bruno, und hob die schönen, analichsten Augen. Er fagt, er hätte cs weggeschmissen." Na, tröste Dich, zum Geburtstag lriealt Du ein neues." Aber aber. Mama haut mich!" Bewahre, das leid' ich nicht dann rufst Du mich!" Sie beugte sich und küßte ihn auf die Wange. Er schlang seine Aermchen um sie und erwiderte die Liebkosung, dann verschwanden alle vier hinter der Glasthür der Parterrewohnung. Wie er seinem Vater gleicht!" murmelte Tante Liddy, und folgte dem Kleinen mit heißen Blicken. Als sie sich aufs neue zu Ottilie wandte, fand sie daö erblaßte Gesicht des jungen Mädchens noch immer nach der Glasthür gerichtet. . Was hast Du denn, Ottilie?" Wenn ich nur wüßte, was aus den Kindern werden foll ohne mich!" gab sie langsam und kopfschüttelnd zurück. Man müßte sofort für einen tüchtigen Hauslehrer sorgen der Vormund muß uns darin unterstützen. Was ist denn eigentlich über die Vormundschaft bestimmt?" Still!" machte Ottilie, und lauschte angestrengt nach der GlaZthür, hinter der die belfernde Frauenstimme von dem Weinen eines Kindes übertönt wurde. And plötzlich ging dieses Weinen in ein furchtbares, angsterfülltes Kreischen über. Otty ! Ottiiii !" War!', ich will Dich beottyen. Du infamigter. unnütziger Bcngel Du" Mit einem Schrei machte Ottilie sich von der Tante los, die ihr Handaelenk umfaßt hatte. Laß mich laß mich sie schlägt Bruno sie s!äa.t den süßen, zarten Iunaen Tante, ich kann nicht ich aeb' nicht mit Dir ich bleibe bei den Kindern!" Damit stürmte sie nach der Glasthür und war im nächsten Augenblicke verschwunden. Gilt Tchwerenöther. Garde - Lieutenant von Herzenbruch (im Kreise seiner Kameraden erzählcnd): Auf Ehre, meine Herrn Kämeraden, habe da diesen Sommer jelungenen Coup ausjeführt! Kam auf meiner Spritztour spät Nachts nach Aalfelden und fuhr zum gold'nen Elephanten"; vorher war ich zwei Nächte durchjereist na. und die Hitze war, wie Sie wissen, heuer ooch nich ohne. Sie werden es also begreifen, daß ich Mich nach Nuhe sehnte und ohne Wcltcres das einzige Zimmer nahm, das j im Hotel noch frei war: dritte Etage, I hinten 'raus! Aber das war mir, wie , zesagt, mnz ezal. Nur schlafen wollte ! ich meinethalben auf dem Dachbo- ' den. Aber ich hatte die Rechnung ohne den Wirth semacht. Stellen Sie sich mein Entsetzen vor, meine Herrn, als ich, kaum daß ich in meinem Bette lag, im Nebenzimmer jämmerlich ächzen und stöhnen hörte. Ach, mein Zahn, mein Zahn! Das ist nicht mehr zum Ertragen!" jammerte eine Mädchenstimme. Hierauf ein tiefer Alt: Aber Emma, fo sei doch vernünftig; jetzt ist der Herr Doctor schon einmal da habe doch Courage und lass' Dir den Malefizzahn zieh'n in einer Secunde ist ja Alles vorüber!" Und dann eine Männerstimme: Na, hören Sie, Fräulein, das ist doch stark! Sie lassen mich mitten in der Nacht aus dem Bette holen und nun stehe ich schon eineStunde mit der Zange da und Sie wollen sich den Zahn nicht ziehen lassen!" Hierauf wieder die junge Dame: Nein, nein! Ohne Narcose nichXum die Welt! Ach, mein Zahn, mein Zahn!" I. was Ihnen nicht einfällt! Wo nehm' ich denn jetzt 'ne Assistenz für die Narcose her? Machen Sie doch nur den geschätzten Mund auf!" Und so jing das in Einem fort. Das Fräulein wehrte sich, die Alte redete ihr zu und der Doctor wurde immer jröber. Das fchien so die janz: Nacht dauern zu wollen, und mit meinem Schlaf wär's dann wohl nischt jewesen. Aber was thun? Zimmer war kein anderes zu haben und das Hotel zu verlassen, jing doch ooch nich. Ich muß jestehen, meine Herren Kameraden, ich befand mich in übelster Laune! Da schoß mir plötzlich 'n Jedanke durch den Kopf. Rasch öffnete ich meinen Koffer, fuhr in meine Jala - Uniform, stülpte Paradekalpak auf und klemmte Monocle ein. Dann wie der Blitz auf den Corridor und, ohn: anzuklopfen, in's Nebcnjemach. Da stand ich nun! Ich sage Ihnen, meine Herren Kameraden, der Effekt war jroßartig! Die junge Dame mich sehen und hypnotisirt sein, war das Werk einer Secunde! Mit verzückten Augen und weitjeösfnetem Munde starrte mich das Fräulein an. Ich jebe dem Doctor 'n Wink, den Momang zu benutzen er nich faul, langt mit der Zange 'rin eins, zwei, drei und 'raus war der Zahn! Dann salutirte ich, machte stramm Kehrt und verschwand. Meine Mission war beendigt. Ich schlief die janze Nacht unbehelligt und wie ein Murmelthier! Und 'n jutes Werk hatte ich auch vollbracht. Ich versichere Sie, meine Herrn, die Sache hat mir unjemein viel Spaß jemacht empfehle Ihnen das Mittel zur Nachahmung! Auf Ihr Wohl, meine Herren Käme tttol"
,Jn Ztaa'löattwa?
Sine Nachtscene Der Zunge Staat-anwalt Neuntödter kommt zum ersten Ma! seit seiner Hochzeit, die vor vierzehn Tagen stattgefunden, spät von der Stammkneipe heim. Ohne Licht anzuzünden, will, er sich ins Schlafzimmer jchlcichen, um seine Frau nicht zu wecken; stolpert jedoch unglücklicher Weise über den Stiefelknecht. worüber sie sofort die Augen aufschlägt. Bist Du's. Männele?" Frage! Oder erwartest Du sonst noch Jemand?" Schäker! Uebrigens ist's drei Uhr geworden!" Die wär's jetzt auch, wenn ich daheim geblieben wär!" Du bist ein Philosoph! Xot.ilu erinnerst Du Dich noch des heutigen Datums vom vorigen Jahre?" Des dreißigsten Mai? Hm, am. ersten Juni hielt ich bei Deinem Papa um Dich an!" Und d?s Abends vorher?" Richtig; da saßen wir in der Jasminlaube und erneuerten die etwa, schimmelig gewordenen Liebesschwüre! Spötter; damals sprachst Du an--ders, als Du vor mir auf den Knieen, lagst!" Und Dir fiel es nicht ein, mich über Deine Kenntniß von sogenannten Gar--dinenpredigten aufzuklären!" Die niemals nöthig geworden sein: Würden, wenn sich Dein Eheleben Deineu damaligen Versprechungen ange--paßt hätte!" Der Abend scheint Dir ziemlich im Gedächtnisse kleben geblieben zu sein!" Wie man's nimmt; jedenfalls aberbesser als Dir! Denke mal darüber nach, was Du mir Alles versprachst! Hm, es beginnt schon zu däm--mern." Auf den Armen wolltest Du mich tragen . . Seit jenem Tage hast Du um minbestens zehn Kilo zugenommen!" Und jeden Wunsch aus meinen. Augen ablesen!" Da hätte ich mir längs! die Auge verdorben, so viel müßte ich lefen!" Das im Allgemeinen! Den Hausschlllssel wolltest Du nur dem Namen, nach kennen lernen!" Wir erhielten von unserem Haus--besttzer zwei; über den zweiten sprachen wir nicht!" Damals fandest Du Alles schmack--haft, was ich kochte; jetzt hast Du jcto Tag auszusetzen!" Weil einmal die Suppe versalzen dann der Braten angebrannt, heute dieKartoffeln geschmacklos und morgen das Gemüse nicht zu essen ist!" Du versprachst meine armen, kranken Nerven zu schonen, indem Du niemals mit mir zanken würdest!" That ich es, so hattest Du doch ge wiß immer den Anfang gemacht!" Immer wolltest Du mir das letzteWort lassen!" Das Du auch ohne mein Versprechen stets haben würdest!" (Zehn Minuten Pause.) Und dann das Wichtigste, daß ich's nicht vergesse! Stammkneipe, Vier--freunde, Karten- und Kegelspiel, dassollte Alles mit dem Hochzeitstage für immer abgethan sein; Du wolltest nur Deinem Herzblatt, wie Du mich zärtlich nanntest, leben und betheuertest da5 mit einem heiligen Schwüre!" Auf die letzten Ausführungen Frau Neuntödter's erfolgte nicht sogleich eineAntwort. Der Staatsanwalt hatte sich schlaftrunken in seine Decke gev wickelt, wobei er eine Weile halblaur vor sich hin monologisirte. Endlich richtete er sich halb in dieHöhe und streckte die Hand im Dunklen vor sich hin. Nach den Aussagen der letztvernom--menen Zeugin werden Sie mit mi? meine Herren, von der Schuld des Angeklagten überzeugt sein. Ich beantrage unter Ausschluß mildernder Umstände eine Zuchthausstrafe von zwei Iahren und die sofortige Veihaftunzdes Angeklagten." Tas Unglaublichste. Um den Nedacteurposten eines be--deutend unbekannten Wurstblättchens bewerben sich drei Herren. Mein? Herren," sagte der Besitzer zu denselben, wer mir von Ihnen die unglaublichste Nachricht bringt, dem sei" die Stellung!" Gut," sagten sie und der Erste begann: In X. geht man mit dem Ge--danken um, Friedrich von Schiller, den Erfinder der allbekannten SchillerLocken", zum Ebrenmitglied der dorti gen Conditor - Innung zu ernennen!"' Der Zweite sprach: In Schneeberz wurde in diesem Jahre der erste Schneehase" gesehen!" Und der Dritte sagte nur trockenr Student sucht einen großen Mööelwagen zum Umzug!" Er erhielt die Stellung! Kürzester Ausweg. Aber mein Lieber, warum hast Du denn beidiesem Hundewetter keinen Ueberzich:? an?" Ja. weißt Du. lieberreund, cs ist jetzt gerade so eine eigenthümliche Herbstzeit! Für den Winterüberziehe? ist tS noch zu warm und für den Som merüberzieher schon zu kalt. Da bleibt mir also nichts übrig, als gar keinen anzuziehen!" Deutlicher Wink. Dorffchulkehrer" Josef, wenn Dein Vater vier Speckseiten im Rcmchfangr hän--aen hat und eine davon dem Lehrer fchickt.wie viel bleiben ihm dann noch?" Schüler: Drei!" Lehrer: Gut erzähle dieses Exempel heute Deinem Vater, damit er sieht, was Du inr Rechnen für Fortschritte gernacht hasU
