Indiana Tribüne, Volume 18, Number 102, Indianapolis, Marion County, 30 December 1894 — Page 7

F" ""

SiebeS'Zntriguanicn. Humoreske von Alb. Roderich. I Die Frau Baronin von Brisolle war Seme durch Geist und Schönheit gleich usgezeichnete Dame der hohen Pariser Gesellschaft. An einem Herbsttage finden wir sie in ihrem eleganten Arbeitezimmer vor einem großen Haufen von Äriefen und Druckschriften. Seitdem die Frau Baronin vor einiger Zeit die neue Monatsreöue Die moderne Zeit" gegründet hat, empfängt sie täglich ein: Unzahl von Briefen und anderen gechriebenen und gedruckten ZusendunLen. Sie hat heute schon viele Briefe gelesen und ist bereits etwas ungeduldig ;cwordn. Jetzt öffnet sie wieder seufzend einen Umschlag und liest: Ungetreue! Ich weiß, daß Du mich betrügst, und daß Du mit Philivp Lambert spazieren gehst. Er hat Dich euch zum Tanz geführt. Nimm Dich Qber in Acht " Bks ist daS?" murm:lte erstaunt iit Baronin und sah, mit dem Lesen innehaltend, nach der Adresse auf dem Umschlage des Briefes. Er war an ihr Kammermädchen adressirt. Die Ba?onin klingelte und Jeanette, das Kammermädchen, trat ein. Jeanette, diesen Brief an Dich habe I2j aus Versehen geöffnet. Ich kann doch unmöglich auch noch erst all' die Adressen dieser Papiermassm studiren." Jeanette warf einen Blick in den Örief und stammelte erröthend und verlegen: Ach, gnädige Frau, ich bitte ich - Schon gut, Jeanette, ich habe nur den ersten Satz gelesen und dieser., schon wieder vergessen. Jeanette, hat denn mein Secretär nichts von sich hören lassen? Ich kann doch unmöglich diesen Wust von Schreibereien allein bewältigen! Ah, mein lieber Henry, Sie kommen wie ein Retter in der 5?3tch!" ! Die letzten Worte waren an einen eben eintretenden Herrn gerichtet, der der Baronin ein prächtiges Rosenbou cuet überreichte und ihr zärtlich die Hand küßte. Es war'Herr Henry von Soulange, der Verlobte der Baronin, t'm vortrefflich aussehender Mann in den Dreißigern mit den ansprechendsten sanieren. Ach, lieber Freund," redete die Baronin ihn an, Sie finden mich überhäuft mit Arbeit. Mein Secretär ist nicht g:komm:n, helfen Sie mir doch!" Gern, ich werfe die ganze öde Schreiberei in den Kamin, dann ist uns Beiden geholfen!" Henry, Sie machen mir wirklich Kummer mit Ihrem Vorurtheil gegen meinen neuen Beruf." Leonie, wir sind jetzt acht Wochen rerlobt. Vor vier Wochen bekamen Sie plötzlich auf Anregung eines stark interessirten Journalisten die Idee, eine neue Monatsreöue zu gründen. Sie haben ja auch für ein derartiges Amüsement einige hunderttausend Francs übrig. Gewiß, aber, Leonie, wenn Sie in diesen letzten vier Wochen unseres Vcrlobtseins glücklicher waren, als in den ersten vier Wochen, dann sieht es in der That für unsere Ehe nicht günstiz aus." Ah. glückliche? Weise sagen Leute, die unparteiischer sind, als Sie, gerade das Gegentheil." Und dann ein Journal, das sich euch mit der Politik beschäftigt! Sie, meine liebe, gute Leonie, Sie wollen yolitik treiben! Die schönen Hände wollten garstige Spinngewebe 'weden?!" Wenn Sie nicht von einer so liebenswürdigen Unausstehlichkeid wären! Wollen Sie mir nun bei den Briefen s:lfen oder nicht?" Die nächsten ach! Briefe, die nun die Verlobten lasen, haben für uns absolut kein Interesse. Aber der dann folgende lautete also: Madame! Sie haben in Ihrer Modernen Zeit einen Artikel gegen die Anarchisten und Nihilisten veröffentlicht, der an interessirter Stelle großes Aufsehen erregt hat. Der Artikel ist anonym erschienen; Sie, als Herausgeberin der Revue, sind verantwortlich "dafür. Wir haben Sie als einen gefährlichen Feind kennen gelernt, aber xefährliche Feinde pflegen uns nicht lange zu schaden. Beeilen Sie sich, Ihre Angelegenheiten zu ordnen. Sie werden in allernächster Zeit Weiteres von uns hören. Das Ezecutivcomite der Brüder der Freiheit. i Abtheilung für Frankreich . Die Baronin schrie laüt auf. Entsetzlich, ich bin zum Tode vrc urtheilt! Man will mich morden! Hätte ich doch den unglückseligen Artikel nicht ausgenommen! .Ich muß Schutz, ich muß Hure haben! Eilen Sie zur Po lizei. liebster Henry!" Um Gottes willen nicht! Wollen Sie denn die ganze Meute auf sich hetzen?!" Sind es denn wirklich so entsetzliche Menschen?" Hm, run, in Amerika fiaUrt sie vor Kurzem nrere Staatsgebauoe in die XLut zu sprengen versucht. Gräßlich gräßlich!" Es klopfte und Jeanette meldete, daß km Vorzimmer ein Mann sei, der Herrn Dort Soulange zu sprechen wünsche.

O, Henry," rief die Baronin, ich

bin so ängstlich, Sie gehen doch nicht fort? Sie bleiben doch heute bei mir?" Ach, wie gern, liebste Leon! Als Herr von Soulange das Zim me: verlassen hatte, sank die Baronin wie verzweifelnd in einen Sessel. Halb mechanisch nahm sie noch ein mal den entsetzlichen Drohbrief zur Hand. Plötzlich sprang sie empor. Jeanette, zeige mir doch noch einmal den Brief an Dich, den ich vorhin aus Versehen geöffnet habe." Und Jeanette gab den Brief und die Baronin verglich seine Schriftzüge mit denzenigen des anarchistischen Drohbriefes. Es konnte nicht der geringste Zweisei obwalten, es war ganz unfehlbar ein und dieselbe Handschrift. Jeanette, rief hoch erregt d:e Baronm, wer i t oie er Her? idaptrnes Er ist mein regelrechter Bräutigam, gnädige Frau." Ich zweifle nicht daran. Aber was ist dieser Herr Baptiste? Wo ist diese? Herr Baptiste?!" , Er ist seit drei Tagen Dien:r bei Herrn von Soulange." Ah, unerhört!!" Die Baronin sank wieder in benSessel, diesmal aber viel mehr empört ais geängstigt. Es war ja auch klar, unerhört klar. Der Herr Bräutigam hatt: den Mordbricf von seinem eigenen Diener schreiben lassen. Er wollte seine Atschrcckungstheorie praktisch beweisen. Er wollte sie zwingen, ihre literarischen Bestrebungen aufzugeben. Die Frau Baronin sprang auf. Ach, mein Herr, ich werde Ihre Streich: pariren!" Ihre Augen leuchteten in Kampfeslust. In diesem Augenblick meldete das Kammermädchen, der Bruder des Secretärs der Frau Baronin wünsche die gnäoige Frauzu sprechen. a Gleich darauf trat mit vielen gelenkigen Verbeugungen ein junger Mann ein. dessen bartloses Vollmondgesicht ein immerwährendes, freundlich verkindliches Lächeln zeigte. Der Humor seiner ganzen Erscheinung ward noch um ein Bedeutendes erhöht durch den hellblauen Rock, die noch hellere gelbe Weste und das großkarrirte, schwarz und weiße Beinkleid, die den Anzug des Herrn bildeten. Er tänzelte auf die Baronin zu und begann in einem etwas unnatürlich zuvorkommenden. Tone: Gna ge Frau, hab' die Ehre, 'n Rame ist Anatole Frevol. Bin Bruder von meinem Bruder Leon. Bin beauftragt, zu entschuldigen. Leon plötzlich unwohl geworden. Bedauert ganz außerordentlich " Mein Secretär ist krank?! Es ist doch nichts Ernstliches?" O nein, danke verbindlichst für alli!ge Antheilnahme. Starke Erkältung. Hofft zuversichtlich, morgen Dienst wieder aufnehmen zu können. Frau Baromn doch nicht xa Verlegenheit seinetwegen?" Ich. werde mich behelfen können." Sonst, gna'ge Frau, bin von meir.em Bruder beauftragt, meine Dienste ergebenst zur Aushilfe anzubieten. Bin Reisender der Firma Tribould & Laboche, Seife und Parfümerien. Vorgestern von größerer Tournee zurückgekehrt, bleibe acht Tage in Paris. Bin auch sehr gewandt in Tinte und Feder. Wenn Frau Baronin meine Dienste zur Aushilfe allergnädigst anzunehmen belieben 14 Das wird kaum gehen." Ah, schade, jammerschade. Ist mir ganz außerordentlich leid. Darf der Frau Baronin wenigstens! Adreßkart: und Preiscourant ergebenst überreiüzen? Bitte gehorsamst. Tribould & Laboche, Seife und Parfümerien, ganz außerordentlich leistungsfähiges Haus. Bitte ergebenst, hier Nummer 11 Vermsieife. gibt ganz herrlichen Teint, kenne verschiedene ältere Damen, die Venusseife benutzen, versichere geqor samst, beinahe so entzückenden Teint bekommen, wie Frau Baronin selbst." Die Baronin lachte wieder und sann dann einen Augenblick nach. Herr Frepol, sagte sie dann w:e plötzlich, schnell entschlossen. Sie sind ohne Zweifel ein ganz gewandter Mensch. Dielleicht könnte man doch Ihre Dienste gebrauchen. O, Frau Baronin machen mich außerordentlich glücklich. Bitte schon. hier Nummer 41, poudre de l'orniadour, ein ganz herrliches " Nicht so," unterbrach die Baronin; Sie sollen mir ganz anders dienen. Wollen Sie einmal d:3 Schreiben lesen." Sie reichte Herrn Frepol den Anarchistenbrief. Hm," meinte Herr Frepol, nachdem cr gelesen, kein angeneomes Schreiben. Scheinen böse Brüder zu sein, diese Brüder der Freiheit. Darf ergebenst fragen, an wen dies Todesurtheil adressirt ist?" An mich!" ' An ? Hm, unangenehm, sehr unangenehm." Beruhigen Sie sich, Herr Frepol, das Ganze ist ein Scherz einer mir nahestehenden Person. Und gerade Sie könnten mir helfen, jener Person den etwas derben Scherz heimzuzahlen." Ich, o, wie das?" . Geben Sie acht! Sie sind einer der Anarchisten oder Nihilisten und gerade

tsp?

?

jetzt hierhergekommen, um die schrecMcqen royungen wayr zu macyen. öic wollen mich umbringen!" Ach verstehe. Die nabtstebende Ver son soll in eigene Schlinge fallen." Sehr schon. 23ir konnten vorher noch schnell eine Probe mach:n." Herr Frepol eilte mit kurzen, schnellen Schritten zur Thür und kam mit langen, gemessenen Schritten wieder zurück. Er stellte sich drohend vor die Baronin und fragte mit unheimlich du uerer stimme: Sind Sie die Baronin von Brisolle?" Ja, allerdings." Haben Sie den infamen Artikel acgen die Anarchisten in die Welt gesetzt?" Ums Himmels willen, was wollen Sie von mir?" Keinen Laut, Madame, oder betrachten Sie sich als erdrosselt!" Sehr out, Herr Frepol. Q, ich beschwöre Sie, üben Sie Gnade!" Keine Gnade, Madame! Gnade kennen wir nicht!" Au, Sie zerdrücken mir den Arm; O, Barmherzigkeit, schonen Sie mich, ich widerrufe Alles!" widerrufen!? Hahaha! Madame, wenn Sie tausendmal widerrufen, Ihr Todesurtheil ist gesprochen, wir widerrufen nie!" Während dessen hatte Herr von Soulange im Empfangszimmer seiner Verlobten eine Unterredung mit dem fremden Mann, der ihn hier aufgesucht hatte. Dieser fremde Mann war Herr Vapliste, der Diener des Herrn von Soulange, der auf Befehl seines Herrn mit Yerrllcke und falschem Barte hierhergekommen war, um als Anarchist die Drohungen der Bruder der Freiheit wahr zu machen. Herr von Soulange hatte seinen Dieuer noch einmal genau instruirt, und dieser schien alles bestens begriffen zu haben. Nur die beiden Worte Anarlist" und Nihilist" machten Herrn Baptiste einige Schwierigkeiten. Die Vokale genetyen ihm immer durch einander. Jearset!?, das Kammermädchen,hatte aber bald trotz der Verkleidung ihren Bräutigam erkannt. Sie zitterte. Es schien ihr ganz zweifellos, daß Baptiste sich hier eingeschlichen, um sich an seiner anscheinend treulosen Geliebten zu .?ächen. Sie eilte zu ihrer Herrin und theilte ihr den Verdacht mit. Die Baronm war über diese Eröffnung sichtlich erregt. Wie," rief sie, der Diener desHerrn von Soulange hier und in so schreckensv,ller Verkleidung?! , ich verstehe! Jeanette, halten Sie Ihre Entdeckung strenge geheim und schicken Sie mir sofort den Mann hierher!" Gleich darauf trat Baptist: mit einer steifen Verbeugung bei der Baronin ein und sah ihr, seinen Instruktion gemäß, scharf in die Augen. Madame," begann er in strengem Tone, Sie haben heute einen Brief bekommen von den B-? derFreiheit." So ist es mein Herr." Madame, ich bin ein Bruder fc:: Freiheit!" Sehr erfreut, bitte, nehmen Sie Platz." Madame, Sie baben in Ihrem Blatte einen Artikel gegen die Anilisten und Nahilisten " Gegen die Anarchisten .und Nihili sten." verbesserte freundlich die Frau Baronm. Ja wohl, gegen die A , die Anachisten und Nihalisten. Madame, haben Sie Ihre Angelegenheit geordnet? Durchaas geordnet, mein Herr; machen Sie sich -deswegen, gar kein? Sorgen. So, aha!" Baptiste ward es immer unheimlicher. Seins Stimme zitterte schon ein wenig, als er seiner Rolle ge mäß ausrief: Ich habe Mitleid mit Ihrer fürchterlichen Angst. Madame. Ein Mittel aiöt es noch, Sie zu retten, ja, ein Mittel gibt es noch. Sie zu retten " (Die Baronin nickte ibm freundlich zu.) Ja wohl, ein Mittel gibt es noch, Sie zu retten! DaS sind ja o drei Mittel!Hof fentlich haben Sie mindestens ein Mittel, um sich selbst zu retten. Herr, wissen Sie. wer diesen Brief geschrieben hat?" Ich?! Nein, bewahre, ich weiß es nicht." Nun, ich weiß es, Sie haben diesen Brief geschrieben!" Madame, gnädigste Frau Baronin, machen Sie mich nicht unglücklich! Nein, wenn Sie von jetzt an in die ser Angelegenheit alles thun wollen. was ich Ihnen saqe. Herr von Soulange wird mich aus dem Dienst zagen! Ich sichere Ihnen vollständige Straflosigkeit, wenn Sie mir gehe: cfcc '

öj

Gnädige Frau, ich werde Ihnen gehorchen."

Gut. Wo ist Herr von Soulange?' Er wartet im Salon." Worauf wartet er?" Auf auf das Zeichen." Auf welches Zeichen?" Ich sollte Sie bedrohen und an greifen, und wenn Sie recht in Angst wären, dann sollte ich inen Stuhl umwerfen. Dann wollte Herr von Souange rrbeleilen Und mich retten! Ah. ganz vo-rtreff-ich! Q, Sie kommen wie gerufen, mein Herr!" Die letzten Worte galten Herrn Ana-, olt Frepol, der gerade ins Zimmer änzelte. Baptiste " sagte die Baron?n zu dem recht niedergeschlagenen Bedienten, Baptiste, lassen Sie sich einstweilen von meinem Kammermädchen ein Frühstück aeben. Und nun, Hrr Fr;pol, beginnt Ihre Thätigkeit, geben S5e acht! Jetzt fangen Sie einmal !tf:c Mordgeschichte an!" Die Baronm stieß zwei noch lautere Schreie aus. warf krachend einenStuhl um und stützte kreischend m's Nebenzimmer. Im nächsten Momsnt fühlte sich Hrr Fr?pol hinterrÄcks von zwei kräftigen Hänöm gepackt. Herr Frepol stockte sanz geschickt in seiner wüthuiden Deklamation und riß sich los. : Herr von Soulange stand voiihm und maH ihn mit erltaunten Bücken. Das war ja nicht BaptPe. Das war, Himmel, ein wirklicher Anarchist!?? Was haben Sie hier zu nicken? fragt: etwas unsanft Herr von Soulange. Was ich hier zu suchen habe? Kundschaft, mein verehrter Herr, ich bin Reisender! für Parfümerien und Seife, ich " Ach," unterbrach Herr von Soulange, Sie empfehlen Ihre Parfüme rien und Sfe so 'dringend, daß d:e Damen Hilferufen davonlaufen." Herr von Soulange trat bei diesen Worten Herrn Frepol drohend näher. Herr Frepol griff noch seinem Hut und näherte sich der Thür. Ah o so Sie sind der-Ber-fasser dieses Artikels. Hm freilich ja, das gibt allerdings der Sacbe eine andere Wendung." Herr Frepol war schon mit einem Fuß aus 'der Thüre. Herr von Soulange folgte lhm. Ich bin begierig zu wissen, welche Wendung die Sache denn jetzt nehmen wird." Darüber habe ich nicht allein zu entscheiden." Nicht? Und Sie halten mich für feie genug, daß ich Sie jedt so ohn: Weiteres zu Ihren Helfershelfern geben lasse?" Mein Herr, lassen Sie mich, meine Helfershelfer sind nähe? als Sie glauben. Ich sage Ihnen, wir verstehen keinen Spaß." Nun. dann wollen wir Ernst Ma'chen." rief Herr von Soulange. packte plötzlich den tödtlich erschrockene Frevol. schob ihn in die Portierloge und fäfofc die Thür von außen hin! ihm zu. Dann eilte Herr von Soulange urück, um zunächst seine Braut aufzufuchen undu beruhigen. Im Vorzimmer traf er auf seimn Diener Baptiste. Baptiste, im ist die Frau Baronin?" Sie macht sich fertig zum Abreisen." ' Wie? Was ist das?" Ja, tte Kammerjungfer ha! es mir gesagt. Die Baronin will in einer Stunde möglichst weit fort sein von Baris. Wenn man im eigenen Hause nicht mehr sicher ist, hat die Frau Ba ron.in gesagt." ' Ab, das ist ja höchst unangenehm. Und won reist meme Braut? Das soll ganz geheim bleiben. Jea nktts wußt' es selber nicht." Hm. faial! Baptiste, hast Du die Fra.u Baronin auch sehr erschreckt? Nun ja. wie's der gnädige Herr be fohlen hat, ein wenig sehr erschreckt habe ich die Baronm Baptiste. die Geschichte geht an ders. wie ich wollte. Ich denke, wir gestehen unsern Anschlag und bitten um Gnade. JeZ)t lächelte der brave Baptiste in cußeroridenich pfiffiger Weise und iaa!e mit vertraulichem Selbstbewußt sein: Gnädiger Herr, ich habe unsern Anschlag schon, gestanden und um Gnadc gebeten. Ah. Tölpel! Das hast Du getban?!" Ach Herr, ja, Sie sagten, dt? Baronin würde erschr:cken, aber sie hat mich erschreckt. .?tw,m hast Du den Stahl umge worfen?" Ach, den hat die Frau Baronin sel b:r umgeworfen." Ah, Himmel! Baptiste, wenn Du mir nun nicht alles gestehst, bist Du ein verlorener Mensch!" Das hat die Frau Baronin auch gesagt." Weiß meine Braut, wer den Drohbrief (schrieben hat?" Ja." Und. Baptistechast Du einen wahn sinnig bunt gekleideten Menschen hier im Hause gesehen?" Ja, allerdings, blau Rock, gelb m

Weste, mit dem hat die Frau Baronin vorh?n sehr vertraulich gesprocken." Das ist ihr? LZreatur. Sie weiß alles. Ich glaubt: zu foppen und ich bin gssoppt." Jnzwischenl saß die Baronin wieder in iljrem Arbeitszimmer inrd sann nach. Sie überlegte, wohin sie sich becy.ttn könne, um threin Verlobten vorzuspiegeln, daß sie abgereist sei. Da öffnet sich hinter ihrem Rücken die Thüre, und eS ward ein Gesicht binegesteckt, daS nn einzelnerr und rm allgemeinen wenig vertrauenerweckend dreinschaute. Jetzt schob sich auch die zu dem Gesicht gehörende, ftemdländtsch gekleidete Gestalt in's Zimmer und stctrtd plötzlich vor der erschreckt auffahrenden Baronm. 'Uo.be ick daS Vergnügen. ßu sehen Fra-u Barottin von Brisolle?" begann d:? nheMlich? Fremde. Ja, allerdings " ' Very well; Madame. Sie 'uaben aeqeöen an der Öffentlichkeit einen Artikel gegen der Anarchist." Ich habe diesen Artikel nicht selbst geschrieben."

Ist gleickzultik." Der Fremde blickte einen Moment scheu um sich und Zlog darci schnell eine Dose aus 'der Rocktasche. Madame, Wir Anarchist machen Prozeß, aber seh? kurz Prozeß!" Die Baronlur sprang aus. MaUximc, rühren Sie sich nicht. Sehen Sie dies- BoxeS Dftnaimt! Wenn Sie einen Schritt, ick werf Bores an Fuß Fußtritt und explod:r alles in Lust, yes! ". Allmächtiger, wie m Amerika! Vss indeel, I am American." Tödtlich erschrocken eilte die Baronin an ihren Schreibtisch. Der unheiinliche Fremde riß sie zurück. Beg your pardon. Please, flicht drücken auf der elektrisch Glock, oder ick erploidir! Wenn Sie rufen Hilfe, eveiTtwdy wa5 kommt gelauf', exvlodir mtf, yes. Um Gottes willen, was wollen Sie Von mir?" Uollen Sie geben an der Oeffenllichlelt any raore gegen der Anarchist? O nein, nein, ganz- gewiß ncht!" ' Well, wann Sie halten dies Wort, werden nir gemacht todt. But now, ßahlen Stt in unter Kasse Entschädiaskeit for Artikel in your paper zchnta'usmd Francs! Ah, das' ist ja eine infame " Madame!!" Der Anarchist hielt drohend die Dynamitdofe in. die Höhe. Erschliche: Mensch! Ich habe ja gar nicht so viel Gelb tin Hause." Well, schreiben Sie Cheque auf ihren Bangmer! Nach kurzem Besinnen schrieb die Baroniln den Check u:?d dev Spitzbube durchlief daS Papier mit scharfen Blicken-. Very well, Girod, Barnac & Co., pay to bearer ten thousand ach, Madame, very smart, very smart, indeed, Sie 'uabcn geschrieben in der Eck ganz tl;m: Verhaften Sie Vorzeiger! Die Baronin sank in ihren Sessel uruck. Oli.you arc very smart, Sie sind sehr listig. Lady, aber Sie maken sich doppelt Arbeit, macht zwanzigtausend Franken. Please another Cheque os 20,000 Francs schreiben Sie, Madame, aber schreiben S:e schnell sehr schnell! Die Baronm schrieb zitternd den werten Check. A.11 right, thank you, rna'arnj Der Gauner näherte sich rücklings der Thüre, die Dynamüdose hoch empor baltmd. Good bye, Madame, wenn Sie makm einm Laut, ich explodn! n diesem Augenblick trat Herr von Soulange ins Zimmer. Die Baronin schrie laut aus. Um Gottes willen, Henry, mein Henry!" Der Gauner wollte schnell hinaus eilen. Herr von Soulange packte ihn. Henry, fassen Sie den Menschen nicht an Dynamit!", schrie die Ba ronin. Nes, Dynamit," rief auch 'der Ame rikaner wfo schwang seine Dose hoch in der Luft, xd explodir! So explodirm Sie!" rief Herr von Soulange. riß dem Gauner die Dose aus der Hand und schlenderte sie zu Boden. Es fiel ein Häufchen Sand heraus. ' Die Baronin war halb ohnmächtig zurückgesunken, und der Dynamitat tentäter war mit der Schnelligkeit eines Wiesels hinausgelaufen. Inzwischen hatte die Baronin sich von? irem Schrecken erholt und ' sah plötzlich die Sttuation in einem ganz andern Lichte. Henry," rief sie, Ihnen war die Unschädlichkeit dieses Menschen bekannt?" ' In der That, ja!" O, dann ist es schändlich von Jhnen. mich so fürchterlich zu erschrecken!' Ich? Sie?! Leonie, Sie sind bewundernswürdig: Und wie vortrefflich Sie den Schrecken wxlixt haben! Ah. mein Herr, diese Wendung wird Ahnen nicht gelingen. Dieser etwas feinere Dtmamirmeiifch, ist zu unverkennbar der Kollege JhrZ pliMttix Dkners.

g

.Ein vortresflicher Coup! Liebste

Leon, leider aber kenne ich die Komhtiitn dse3 ftTMmitmenfcfien besser. Ich habe da zum BöisprÄ gerade eben ' t " i--". "II I hier im Hause einen fürchterlich bunt aekleideten Serrn kennen aelernt. der's auch auf das Leben meiner geliebten Braut. abgesehen hatte." ' jRbr .Aber fürcbten Sie n:Äs von ibm. ich Habe ihn unschädlich g:maVWie vas? I(Sr sitzt!" i Im Gefänanik?" ' .Nun ia!" Aber das est ia ablckuliS. der arme Mensch ist ja ganz unschuldig!" - '. 1 . - u . i ' i? . I Zch befreie ihn sofort, wenn Sie zuben.'dak auch der Dunamitwerser ganz unscr-ulöia ist. - - . ', .. ' ö:nrn. Sie fanaen an. mich u är- ' aern, auch der Spaß muß seine Grenzen haben." diesem Auaei elektrische Glocke des im Arbeitsnmmer der Baronin angebrachten Teleplzons. Herr von Soulange beg:ö sich an ?:n Apparat. ken präsentirt. Ihr Guthaben be-trägt-augenblicklich nur 14.000 ranken. ob da nicht ein Irrthum vorlika?" .st es möglich!" Die Baronin erAlt in fliegender Hast, wie ihr der yeci aogemlnoell woroen -war. Herr von Soulange tekphomrte den vorüchtiaen Äanauiers zurück: .Der frc 'tL r-rri cn t ri r c Cbeck ist gefalicht. Verhaften Sie den 355?i- miklt Sleich mündlich. uiz. Dann eilte Herr von Soulange auf seine Braut zu. .Leonie, Sie warm wirtlich in GerY ii i T3l)r Entsetzlich! Es war wirklich ein Räuber, ein Anarchist." rief die Baroilii acy, Henry, wenn nocy mcqr kamen. qai' c l0IS.Klt ? Vl Anarchisten kommen. Einer .föon bier; ich bin auch AnarchP. und ich L a T 1 T T 1 i . - 4 a & 1 - - .

Haben Sie die Güte, d'ie Grenzen riebenen Ananas vermisst. Den adselbst zu bestimmen, liebe Leonie." aezossenen Ananassaft liihrt man mit In diesem Auaenölick: ertönte die Puderzucker zu einer musartigen Gla-

Was ist denn das, Leonie? Ihre der Glamr. Man 'laßt sie n lauwarVanauierS Girod Barnat fragen an, mer Ofenröhre trocken und legt dann es wird ein Check von 20.000 ??ran- die Torte auf eine mit einer Spitzen-

raewe mn autu rnrnern qun. bk Schicht gelbbräunlich; dann wird eine bisherige gesetzliche Ordnung diesev mutt einen Q:2rteI 3.3 he T:igöauses umzustürzen. sckicbt darauf anüllt..bensalls aebacken

Henry waö? .Ia wohl! Madame, beantworten Sie mir zunächst gütigst eine Frage: Werden Sie noch mehr Anarchistenrtikel veröffentlichen? Werden Sie?" Nern. ganz gewiß Nicht! Gut! Sind Sie ferner bereü, 5lhre wurnalistische Thätigkeit überXm. ksm. L A..i..A.WAM auyi uujuöu Vielleicht. .Viellelcht, das genugr mir nicht. Ich verlange Garantien dafür. Ich verlange, daß Sie nn spätestens mer Wochen mit mir verhenathet sind! .Ah, und wenn ich m?xh weigere?

Dann loinmrdic Rache ß Vnax qestürzt, mil weißer Citronenchisten. Sehen Sie, so ungefähr. glasur 'überzogen, di.'s: trocknen gelas-

Herr von Soulange umschlang das schöne Weib mit beiden Armen und aab ihr in schneller Neihenfo?ge eine recht beträchtliche Anzahl von Küssen. .Lassen Sie Mich, ich ersticke! .Sollen Sie auch. Dafür bin ich Anarchist. Also, ja?" Nein! lAlso'der zweite Grad .der Folter!" Nein, nein, ich will!" Komische Druckfehler. Gestern Abend producirten sich beim Baron Weichsclblüthe mehrere Salonjüdler, die allgemeinen Beifall fanden. Die schon oft bestraste N. N. wurde wegen frechen Bettelns mit einer Arreststrafe von 14 Tagen, verschärft durch einen Festtag pro Woche, belegt. Den gepflogenen Erhebungen zu ??olge, hatte den armen Mann aller Wahrscheinlichkeit nach ein Zuluk a f f e e um's Leben gebracht. In der darauf folgenden Neuwahl des Vorstandes wurde Herr Meyer einstimmig zum Sufdirektor der Aktien-Brauerei gewählt. - All: Damen waren mit Blumen geschmückt, besonders Frau Silberstein fiel auf durch eine große, frische, rothe Ho s e. Erkenntnis:. Erst wollt' ich die Weisheit aus Vuchern ergründen. Dann suchte ich sie im Leben zu sinden. Hernach in der Liebe. Jetzt seh' ich klar. Daß sie in allen zusammen war. Burschikose Anschauung. Student: Was, Du StubenHocker, bei dem herrlichen Wetter sitzst Du im Zimmer!? Gleich kommst Du mit in die Kneipe! Kummer. Gutsherr: Na, Herr Küster, wie geht's?" Dorfküster: Ach. nicht besonders, Herr Baron; sehen Sie, ich kann machen, waS ich will, ich komme nicht über mei Btgräbnisse im Monat raus. .

Torten.

e- . , , (m . . n a n a s 1 0 x i e. nican zerianr unzen nurier, ruyri oann ein balbeö Pfund Zucker mit zwölf Eigelb schaumig, schlägt dasEiweiß zu Schnee und mengt unter diesen ein halbes rr rt r ri - r,i-k rnr '45suno Terniics, qe icoies wtm. uit vom Bodensatz behutsam abgegossene Butter, sowie den mit Mehl versetzten lerzaznee runn man neoji einer Prize Salz und 15 Gran Citronenschalenertract unter die Eier und theilt sie darauf in vier Theile, d:e man in aueesttichlne Tortenreifen füllt, glatt streicht und gelbbräunlich backt. Man r i c x , . , rv p. lani o:e orienooen erraiien. noeZ reibt man eingemachte Ananas fein, . Y I . . T . Y . Tl . cqi oon zwei wcixen aioiuen ev v " wurzapseln) mit wenig nnmwein. Citronensaft und Vanille, swie etwas Zucke? ein Mus, das man mit der g:sur. Wenn die Boden kalt sind, bestreicht man drei von ihnen mit der unanaLmarmeiaoe. leg: den iey:en Boden darauf, schneidet die Länder glatt und überzieht 'die Obersläche mit Manschette bedeckte Platte. Die Torte bält sich 8 10 Tage und ist von feinstem Geschmack. A a u m t I r t ,e. wb'arenit fiattw (5? Vfund frisrf ? Äu!t?r sllt man auf einen wenig erwärmten Platz. bis sie b'a nnt alänend auszuleben. Dann verrührt man sie zu Sabne. niu nTT:? n.TnS Kn r?;. .... ,",g" otm und tn Nfund urf?r ntbt f3a feZm Kardamom und gestoßener Muskalbliitbe und e ner Nr se 2ih öis man tnt tämmrnt Mass: bat. Erst dann wird ein Vkund M-bl unk? die Masse a;rükrt und der - ' ---1 1 - i) 7 Xjc. nf . y.fr (??vn?in h.iruntrr si??-fl?n. w, m tT verbrauch! werden. Eine Tornform ist schon vorh:r mit Butter ausgestrichen und mit weißem, butterbestrickenem Papier ausgelegt worden. n gz. man einen knavp:n halben oU ,5 von 'dem T:Zg und bäckt die Unb fo fcrti!fa&r:n. bis ötr Teia verr,rnui ist ' tvohn mnn mt hühtr slffiin?n d.rs. ls bis b? vorhergehende Teiaschicht oar und äunlich ist. Sowie der erste Teigzn f,ltiq thut man gut. ein kalj,Z ctffcch unter die Form zu schieltn Backsteine mutz man lon von 1 vornbere n uniir eain. da d e Tor e mtbT Ob?r5ib' 13 Un'erbe ver,..1 ahw man tt' i?m Aufguß das untergeschobene zgch wechsln, weil sonst Gefahr ist. h ga mi d?r -it y.:. rr.n fri 7nr' sen und die Oberflach: mit elng:machien Früchten belegt. Punschtorte'. Ein Viert:! Pfund Butter rührt man schaumig, rührt nach und nach acht Eidott:r, ein halbes Pfund feinen Zucker, eine Viertel Unze Salz, etwas- abqeriebene Citronenschale und acht Eiweinschnee nebst einem halben Pfund gesiebten Mehl dazu, daß man eine lockere Masse erhält, die man theilt, in zwei Tortenreifen füllt und gelbbräunlich backt. TOnix reM f?3 AebFel hin. vermiTÄt c, mit Z 1-3 Unze ucker. etwas ixronenfaft und einem Glas Punschessenz (etwa ein halbes Pint). Man füllt diese Masse zwischen -die beiden Tortenböden, glasirt die Oberfläch: mit Zuckerglasur, der man etwas Punschessenz zugesetzt ha!, läßt die Glasur trocknen und belegt die Torte mit eingemachten Früchten. Statt Punschessenz kann man auch Maraschino nehmen, was nocb feiner ist. Russische Torte. Man verrührt ein halbes Pfund Zucker' mit zehn Eigclb zu schaumiger Mass:, fügt dann zwei Unzen aufgelöste Butter und etwas abgeriebene Citrone, sowie den steifgeschlagenen Schnee der z?hn Eiweiß und ein halbes Pfund st'.iistcs Mehl hinzu. Der Teig w:r :n 3:1:1 gleich: Hälften getheilt und die eine, wie sie ist. in den Tortenreif aefüllt und gebacken. Die and:re Hälfte toeilt man wieder in drei gleich: Th:ile, färbt einen mit geriebener Cho'olad: braun, den zweiten mit Cockenill: roth und läßt den letzten Theil unverändert. Schichtweise wird daraus d;e verladen gefärbt: Masse in einen zweit.'n Tortenreif aefüllt und gebacken. vr ungefärbte Tortenboden wird, wenn er fertig ist. wieder in z'ei Theile geschnitten, der bunte Bcden bleibt ganz, wird mit Punschessenz stark getränkt, zwischen die beiden ung:färb!in Platten. die beide mit Aprikosenmarmülad: b:str:ch:n werden, g.'legt und di: Ob:rfläch: mit einerThokoladenglosur überAoccn. Di: Torte ist lang: haltbar. Zrinytorte. In drei Unzen Zucker schlägt man unter beständigem Rühren fünf Eigelb, bis die Masse sr schaumig ist. dann gibt man eine in?,: zerlassene, wieder abgekühlte Butter. den Schnee der Eiweiß und ein Viertel Pfund Mehl dazu und backt von der Masse fünf sehr dünn: Tortenböden. Indeß rührt man aus fünf ganzen Eiern und 5 1-4 Unzen Zucker im Wasserbade eine dicklich: Ereme, rühr! sie weiter, bis sie abzeeühlt ist. und rührt 3 1-4 U.zen Ehokolade. 5 Unzen schaumige Butter uno 3 Unzen gestoßene Haselnüsse unter die Creme. Man bestreikt vier Tortcnsch:iben mit der Creme, legt di: letzt: unbestrichen hinauf und glasirt sie mit einiachcr Zuckerglasur. Man belegt zuletzt di: Torte reich mit kandirten Früchten uno verschiedenem Fruchtgelee.