Indiana Tribüne, Volume 18, Number 102, Indianapolis, Marion County, 30 December 1894 — Page 6
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per Ersinöungsgeist dcrZrancn. Unter 'ErfindungSzeifl versteht man ieneproductive. schöpferische Thätigkeit derSeelk. 'die sich in Schaffung der verschiederrtWen Dmge äußert, denen nichts Vorhandenes entspricht, und man ist darüber einig, daß dieser Geist in beschränktem Maße jedem Menschen eigen ist und sich bei einigen Jndividuen in: geradezu wunderbarer Weise bekundet. Früher glaubte man, daß diese Individuen mir männlichen Ge schlechtes sein können, heute aber gilt es bereits als zweifellos, daß auch grauen einen dem männlichen vollkommtn ebenbürtigen Erfindungsgeist besitzen. Wenn dessenungeachtet von Zeit zu Zeit die Frage aufgeworfen wird, ob das weibliche Geschlecht von jenem Geist: erfüllt ist, so geschieht dies nicht so sehr deshalb, um einzelne Zweifler eines Bessern zu belehren, sondern um die Entwickelung und den Fortschritt oder Flug dieses Geistes zu beleuchten. Vermuthlich bewegt: er sich anfangs in sehr engen Grenzen, so daß ihm wohl nur verschiedene, zum Hausrath gehörige Gegenstände ihr Dasein zu verdanken, haben. Die? Chronisten dergangener Zeit fanden diese Erfmdunaen so natürlich, daß sie entweder gar keine Notiz davon nahmen, oder wohl des neuartigen Gegenstandes, nicht aber auÄ seiner Erfinderin gedachten. Späier wieder wurden manche epochemachende Erfindungen, zu denen erwiesenermaßen Frauen den ersten Anstoß gegeben, kurzweg deren Männern zugeschrieben. Hierher gehört u. a. das Gefrorene und 'die Limonade, die der neavolitanischz Zuckerbäcker $ar tolo Bensari erfand", nachdem ihm seine Frau die Idee dazu eingegeben 'hatte. Auch der G:danke, den Zucker in kleinen Würfeln in den Handel zu brin gen, ist dem Kopfe einer Frau, und zwar einer Wienerin entsprungen, die als Mädchen 'den klassischen Namen Schiller führte. Der Gatte der Genannten, Herr Rad, Director der Zuckerfabrik zu Datschitz in Mähren, ließ die Idee seiner Frau ausführen, fabrik mäßig v:rw:rthen und die Erfindung Patentiren, die 'dann rasch ihren Weg macht: und heut: in aller Welt beliebt ist. Genau fr verhält es sich mit dem sogenannte Makart-Bouquet. Denn während darin allgemein eine Schöpfung des berühmten Malers, dessen Namen es trägt, erblickt wird, hat er es bloß in Mode gebracht. Erfunden aber wurde dieses, wie bekannt, aus getrockneten Farnen, Palmen u. s. w. bestehende Bouauet von der Gemahlin des auszeichneten Wiener Hof-Kapellmeisters Johann Herbeck. Weiter ist in neuester Zeit festgestellt worden. bn eine in Pennsylvania ansässig qnvsene. von Deutschen abstammend: Frau als Erfinderin' des Sternenbanners der Union betrachtet werden muß. Ihren Namen hofft man in einem Archiv zu entdecken. Es ward und wird nämlich in Amerika über den weiblichen ErfindungkZeist genauer Buch geführt als anderwärts. An rhier Spitze stehtFrau Katharina Greene. die Wittwe des fähigsten Officiers Wasbin.ztons. als Erfinderin der Baumwolle - Reinigungsmaschine bekannt geworden, deren Bedeutung heut: von der aanzen industriellen Welt anerkannt ist. Hierauf folgte Miß Mary Kies, die im Jahre 1809 ein Patent auf em selbsterfundenes Gewebe aus
Stroh und Seide nahm. lölb erfand Mary Brush ein neues Corsett. das ihr patentirt wurde. 1819 ließ Sophie Mohär ein Frauenkleid aus Cremor Tartari patentiren. Demnächst folgten einige neue Corsette und dann, in -dem Zeitraume von 1820 bis 1862 ein Lavendel-Balsam, eine Kopfbedeckung für Frauen, eine Buttermaschine, ein Schaukelsruhlflächer und ein Kinderschlitten 1863 erschienen fünfundzwanzig Erfinderinnen auf dem Plane, darunter freilich gleich fünf mit neuartigen Corsetten, je eine mit einer Haarkräuselmaschme, einem Plätteisen, Damen-Neitgamaschen und ähnlichen Verschönerungsmitteln für den Korper und Verbesserunzen für den Haushalt. Alljährlich stieg nun dieAnzayl der von Frauen genommenen Patente, so daß das amerikanische Patentbuch im Jahre 1889 bereits 2500 Namen aufzuweisen hatte. Aber auch der Gesichtskreis der amerikanischen Frauenwelt erweiterte sich zusehends, denn es wurden dort von Frauen erfunden: eine Nettungsmaschine bei Feuersgefahr, eine Maisentkörnungsmaschine, Eisenbahn - Feueran und -Kuppelung,Waggons, HolzPflaster, Papierwalzen, Feueralarmapparate, Ofent-hürriegel, Sägefeilen und Zeitungshalter. Ferner erfand ein einfaches californisch:5 Mädchen einen: zweckmäßigen Kinderwagen, der der Erfinderin 50.000 Dollars eirrtrug, und die Gattin eines Farmers eine Dreschmaschine, die 'ibr beute über eine Million Dollars bringt. Auch die Hufeisenmaschine, s.rt'me Hufeisen auswirft, war die Erfindung einer Frau, und die erste Idee zur (Vras- uno venciüciuuvmu schine stammt von Frau Anna Manniua in Planifield, New Jersey, welcher auö der Kleereiniger zugeschrieben viiTh. ftrau Mannina scheint einen anreaenden Einfluß aus den Erfin- .. n 1 bunalgeiit lyrer nacyvarlnn:n ausgeübt zu haben, denn einige Jahre, nach dem die Gras- und Getreidemähmasckine patentirt war, nahm Frau (ili sabeth Smith aus demselben Staate ein Patent auf eine Verbesserung dieser Maschine, die darin bestand, die Messer zu wechseln, ohne die Räder anzubalien. Eine der complicZrtesten Maschinen ist die für die Fabrikation von Papier-
sacken mit verstärktem Boden. Die sinnreiche Erfindung wurde von Miß Maggie Knight gemacht, die aus duser und ähnlichen Erfindungen ein großes Vermögen erwarb. Eine sehr brauch bare Straßenkehrmaschine wurde von einer New Iorkerin erdacht, deren kost bares Kleid durch eine fehlerhaste Maschine beschmutzt und ruinirt worden war. Sehr bemerkenswerth ist auch die Erfindung der Frau Marie B. Walton, um das Geräusch der Räder zu ersticken. Die Dame wohnte an der New Yorker Hochbahn und war stets unangenehm berührt von dem Getöse der an ihrem Hause vorbeibrausenden Züge. Die von ihr vorgeschlagene Vorkehrung wurde von den Di rectionen der Hochbahnen angenomwen, so daß Frau Walton jetzt die Früchte ihres glücklichen Gedankens erntet. Eine Panzerung für. Kriegsschiffe rührt von Frau Montgomery her, und ein Fräulein Gosham hat sogar eine neue Kanone erfunden. Eine Dam: in Baltimore will jetzt die Straßenbahngeleise verbessern, Frau Beasely wieder ersann ein Rettungsboot für Schiffbrüchige, Frau Tanney aus Pennsylvanien eine Vorrichtung zur Hebung gesunkene? Schiffe, sowie eine 'Syphon-Prspeller-Pumpe. Fräulein Bird erfand eine neue Dampspfeise, Frau Coston ein pyrotechnisches Nachtsiqnal. ssrau Beaumont von Ohw ein anderes Rettungsboot, und Fräulein Clise Boardman Bury in RewYork hat ein neues System der Kurz- und Schnellschrift erfunden. Viele von Frauen gemachte Erfindüngen schlagen aber auch in den Weiblichen Wirkungskreis ein, wie z. B. eine von fträuletn Nosenthal verbesserte Nähmaschine, die in eine? Handtasche tragbar und an jedem Tische anzuschrauben ist. Neue Maschinen zum Melken und Aufwaschen sind gleichfalls Frauen zu verdanken. Unter den Erfinderinnen stehen die Frauen von New Fork obenan, dann folgen die von Massachusetts, Ohio, Jndicma und Wisconsin. Auch die Französinnen glänzen durch Erfindungsgeist. Wenn man erwägt, daß das französische Patentamt im Durchschnitte jährlich 125.000 Erfin-der-Patente ausgirbt und davon hundert an Frauen verleiht, daß somit auf 1250 männliche bereits ein weiblicher Erfinder entfällt, so äußert sich der weibliche Erfindungsgeist in Frankreich sogar intensiver als in Ame rika. Und auch die Qualität der Erfindüngen der Französinnen hält denen der Nord-Amerikanerinnen die Wage. Wir sehen nämlich darunter die Erfindung einer Reihe von Systemen und Mitteln zur Verhinderung von Eisenbabnunfällen, sowie zur Erleichterung des Bahnbetriebes", sowie die Sicherheitszügel zum augenblicklichen Pariren der Pferde", die eine Ungenannte, und die Verbesserung der nächtlichen Heersignale mittelst Feuerwerkskörpern", die Meid. Casion geschaffen hat. Ferner verzeichnet das französische Paientamt die Erfindung einer keine Feuchtigkeit absondernden Tabakspfeife". eines verbesserten Billard", einer Abstimmungsmaschine", einer Ankündigungsmethods durch Spiegelbilder", einer Lampe zur Vernichtung der Reblaus, der Raupen u. s. w.", eines Mikrometers für Thermo-, Baround Pyrometer", eines Thermo-Sy-Phons" und eines hydraulischen Apparates zum Wasserheben", weiter wird
erwähnt eine selbstthätige Saugflasche", ein System von Tragbändern zum Kindertragen für arbeitende Frauen, die die Hände frei haben müssen," eine Gliederpuppe", durchleuch, tende Bilder", ein Verfahren zur Reinia.unq alter Wandtapeten", ein billiges und gesundes System von Gutta-percha-Mairatzen", ein hölzernes Unterbett", ein Apparat zum Fleischsalzen", ein Orangen-Zerschneider", fowie ein Firnis gegen Flöhe". Endlich wurden von Französinnen erfunden eine hygienische Tournüre", ein Miedergurtel , em Kleldsaumraffer und von Frl. Norblin eine neue Ar! der Herstellung künstlicher Schmetterlinge zum Aufputz" lauter Dinge, die der Mode angehören, also dem Gebiete, auf welchem der Erfindungsgeist der Frauen aller Völker seine größten Triumphe feiert. Unter den weiblichen Erfindern der Neuzeit befindet sich eine Königin, eine Herzogin und eine regierende Fürstin. Die Konigm heißt Viktoria, Eng lands Regentin. Sie hat ein Mittel entdeckt, um den Rothlauf der Trutbühner. eine von den Züchtern sehr gefürchtete Krankheit, zu heilen. Auf Grund ihrer Beobachtungen fand die Königin, daß man, um den Ausbruch dieser Krankheit bei den Truthühnern zu verhindern, ihnen sammt der Schale und den Blättern gehackte Zwiebeln zum Fressen geben müsse, em Futter, nach dem die Truthühner übrigens sehr begierig und lustern sind. Dre Herzogin von Albany hat eine neue, praktisch: Schulbank mit Tisch gemeinsam mit ihrer Mutter, der regierenden Fürstin von Waldeck entworfen. Die Kinder der Herzogin von Albany benutzten diese Erfindung ihrer Mutter und Großmutter selbst, und die Erfindung wurde von einer Commission von Fachleuten im Parkermuseum zu London für ebinso praktisch wie gesundheitfördernd befunden. Die unter dem Namen Mirzl" bekannte Wiener Volkssängerin hat vor acht Iahren einen äußerst sinnreichen Mechanismus zum Aufstellen und Niederlassen von Wagendächern vom Innern des Wagens aus erfunden und sich damals auch patentiren lassen. Eine Berlinerin hat die Petroleumuhr erfunden. Um zu erfahren, wie lange ihren Gemahl allabendlich die
Stammkneipe fessele, und deshalb doch nicht wachen zu müssen, ersann sie einen originellen Controllapparat. Sie
beobachtete nämlich die Brenndauer deö Petroleums in einer vollgefüllien Lampe, und so oft eine Viertelstunde vergangen war, markirte sie deren Ablauf am Glasbassin. Da ihr Mann nun die Lampe bei der Heimkehr verlöschte. konnte die Frau des Morgens an der Skala des verbrannten Petroleums ablesen, wann er heimgekehrt war. Die Erfindung der Berlmerin durste angesichts ihrer Einfachheit Nachahmung finden. Nur darf der Mann nichts davon merken und kem Petroleum zum Nachfüllen, also zum Zurückstellen" der eigenartigen Uhr benutzen. . Der Erfmdungsgeist der Frauen ist übrigens offenbar in fortschreitender Entwickelung begriffen, und wenn nicht alles trügt, fo wird er dereinst noch größere Triumphe feiern, ernstere, wichtigere Dinge schaffen als bisber. , . Der Zlrsprung des llantoffel ZIegiments. Vor undenklichen Zeiten lebte nach einer alten Sage ein gewaltiger Rittersmann, welcher Polyphem mit der eisernen Stirn genannt wurde. Nie war er im Kampfe überwunden worden und hatte nie das Knie gebeugt, weder vor den Heiligen noch vor Menschen. Der Papst und der Kaiser hatten damals eine lange Fehde geführt, und als sie Frieden schlössen, wurden grobe Feste und Turniere gegeben, zu welchen die berühmten Ritter eingeladen wurden. Bei diesen Ritterspielen war befohlen, daß die Kämpfer entweder des Kaisers oder des PapsteS Farben tra gen sollten, aber Polyphem schwur, daß er nie die Kennzeichen der Knechtschaft tragen wolle. Da sprach der Bischof: Befestige das rothe Kreuzband an Deinem Helm, oder ich spreche den Bannfluch der Kirche über Dich aus." Ich trotze dem Bannstrahle," antwortete Polyphem. Und der Kanzle? sagte: Hefte dm schwarzgeränderte goldene Schleife an Deinen Helm, oder ich thue Dich in die Reichsacht." Aber der Ritter antwortete: Ich fürchte Keinen im Reiche." Nun' kam seine junge Gemahlin herbei und bat ihn inständig, entweder das eine oder das andere Kennzeichen zu tragen, ihretwegen, aber er gab zur Antwort: Nie!" Da brach sie in einen Strom von Thränen aus und sagte: Soweit ist es also gekommen, daß Du mich nicht mehr liebst." Aber Frau Beatrix war bezaubernd schön und der Ritter hatte sie noch nie weinen sehen; er ward heftig bewegt und schwur, daß er sie mehr als sein Leben liebe, das wolle er im Kampfe gegen 12 Ritter mit blanker Aaffe beweisen. Die schöne Frau wollte jedoch nichts davon hören, sondern schluchzte: Wehe mir Unglückseligen! Wenn Du nur noch einen FunZen von Liebe zu mir hast, dann beweise es dadurch, daß Du eines der Zeichen an Deinen Helm heftest!" und damit lief sie hinein in ihr Bettzimmer und schlug die Thur hmter sich zu. Da stand Polyphem eine Weile schweigend und starrte auf die verschlossene Thüre. In demselben Augenblicke schmetterten de Trompeten zum Kam pse; da sah er am Boden den kleinen goldgestickten Schuh, welchen Beatrix in der Eile verloren hatte; er hob ihn auf, befestigte ihn an seinem Helm und eilte in .die Schranken. Hier hielten die Ritter des Kaisers an der einen Seite und die der Kirche an der ande ren, und der Herold fragte ihn: Stellst Du Dich unter das Scepter oder unter den Krummstab?" Unier den Pantoffel!" rief Polyphem, und nun begann ein Riiterspiel, desgleichen man noch nie gesehen. Er hob zweiundzwanzig Ritter aus dem Sattel und fünf mußten vom Platze getragen werden. Als der Kampf beendet war, reichte die Schwester des Kaisers ihm den Preis, aber indem sie ihm die goldgewirkte Schärpe über die Schulter band, flüsterte sie ihm in's Ohr: Ritter Polyphem, es ist kein Mensch auf der ganzen Welt, der Euch überwinden könnte, aber unter dem Pantoffel steht Ihr doch!" Und was die Fürstin raunte, sagte das ganze Land laut, und es zeigte sich bald, daß unter dem Pantoffel mehr Helden stünden, als unter dem Scepter und Krummstab zusammen. Seit die ser Zeit war es bekannt, daß ein Pantoffelregiment existirt, aber wie viele Bataillone von Ehemännern es zählt, darüber ist man noch nicht recht einig geworden. , mm Schade. Winters eis'ge Stürme brausten Uebers schneebedeckte Feld, Drunten in der Erde schlief sich Wieder jung die Blumenwelt. Als dann Maienlüfte wehten, Seufzt Eulalia schwer und tief: Alle Blumen, ach, sie blüben. Die des Frühlings Nahen rief. Doch wir armen Mädchenblumen Welken hin bis zum Bergeh'n Ach, wie gern schlief man des Winters, Könnt' man Frühjahrs jung ersteh'n!" Gerechter Stoßseufzer. Forstgehilfe: Schau nur, Gretchen, wie fleißig die Holztauben da oben ihr Nestchen bauen, girren und schnäbeln!" Gretchen: O mein Gott, fo ein Täubchen ist freilich glücklich, die braucht nicht eine Ewigkeit zu warten, bis ihr Täuber a Förster wird!" S t u d e n t e n w i tz. fremder (Abends spät): Können Sie mir wohl sagenwieviel Uhr es ist? Student: Leider nein, meine Uhr sitzt oben am Kirchthurm, und die ist NachtS nicht beleuchtet. .
Canadische Winltrprachl Canada' ??iir die meisten Me-
schen hat dieser Name eine ähnliche Bedeutung wie Sibirien, ja selbst tn oen Ver. Staaten bat man sich daran gewohnt, das Nachbarland als den Inbegriff von Frost und Ungemulyncykeit zu erachten. Jedoch mit Unrecht. 3n den canadiscken Grobstädten herrscht während der Wintermonate ein geselliges Leben, wie man es m den über der Grenze beleaenen Schwesterstädten der Union vergebens sucht. und zwar beschrankt sich diese Veselllgkeit nicht etwa wie bei uns aus Ball saal und Varlor. sondern sie entfaltet sich draußen in der freien WinterPracht endloser Schneefelder, spiegelglatter Eisflächen, beim Tobogganund beim Schlittschuhsport. Und was das rnelgefurchtete Wlnterkllma von Canada anbetrifft, so behaupten die Canadier, dak sie mit dem Chicago:? oder New Yorker W'.nter nimmermehr tauschen wurden. ; Canada wirv der Winter nicht all: ?aax Tage rückfällig, artet nicht rasck. in jenes schauerliche naßkalte Sudel etter aus, das weit schwerer ertrage:, wird und weit gesundheitsschädlicher ist, als der rechte Kernfrost, an welchen man sich bald gewöhnt und gegen dessen Unbilden man sich zu schützen gelernt hat. Der canadische Winter ist das echte Produkt des alten Boreas, die Sorte, von welcher der deutsche Dichter singt: D Winter ist ein harte? Mann, kernfest und aus die Dauer." x Indianischer Scyneeschuster'. Die Luft ist klar, trocken und nervenstählend, man hat eine monatelang vorhaltende Folge jener ideal schönen Wintertage, die uns in den Ber. Staaien nur stellenweise bescheert zu werden pflegen und deren Härte wir dann nur deshalb so empfinden, weil sie durch länger anhaltendes mildes Wetter so rasch verdrängt zu werden pflegen. Wenn bei uns das Thermometer auf 8 bis 10 Grad unter Null herabsinkt, so suchen wir zähneklappernd das behagliche Heim aus, einestheils weil uns die plötzlich aufgetretene Kälte überrascht und uns schlecht vorbereitet findet, anderentheils weil in unseren Riesenstädten so gut wie gar keine Gelegenheit zu den echt winterlichen Sports sich darbietet. Denn das bischen Schlittenfahren, welches bei uns betrieben zu werden pflegt, verhält sich zum Schlittschuhlaufen und namentlich zum Schneeschuhfahren, wie etwa das Betrachten einer Tanzbelustigung zur wirklichen lebhaften Antheilnahme an einer solchen. Wenn im Anfang des Dezembers der canadische Winter so recht eingesetzt hat, um, abgesehen von einer kurzer ThauwetterUnterbrechung im Januar, bis Ende März in seiner ganzen Pracht und Herrlichkeit anzuhalten, dann fühlt sich unser canadische Nachbar erst so recht eigentlich in seinem Element und es beginnt für ihn die Zeit der Feste und Freuden. Aber er sucht sie nicht in der 'schwülen Atmosphäre überheizter Säle und Zimmer, sondern in Gottes freier Natur, und bleibt ein gesunder, kräftiger Mensch dabei. EiS'Car.ieval. Gesund ist dieser gleichmäßige canadische Frostwinter vor allen Dingen. Erkältungskrankheiten treten bet unseren abaehärteten und naturfrohen Nachbaren nur selten auf und die Canadier behaupten, daß m ganz Canada während eines Winters weniger Frostbeulen eingesammelt werden, als es in der einen Stadt New Jork wäh rend derselben Periode zu geschehen pflegt. Man weiß sich in Canada gegen die intensive Kälte weit besser zu schützen, als wir verwöhnten und verfrorenen Menschen in Onkel Sams gelobtem Lande eS verstehen, man hat sich drüben an die Kälte gewöhnt und bei den beständig gepflogenenLeibesübungen weiß man sich vortrefflich damit abzufinden. Wie mancher Asthmatiker. wie mancher Lungenkranke hat schon Lei unseren nördlichen Nachbaren in der reinen klaren Luft Linderung esllndcn und anaesteckt von dem B?i spiel der sportfrohen Canadier, durch regelmäßig! Bewegung im Freien, den sckwacklichen orper aelrastigt. Sustia und fröhlich aebt es ber in Montreal und in Quebec, in Halifax und in Toronto und in den übrig:n Centren kanadischen Gesellschaktslebens, 'sobald der Winter sich wirklich eingestellt hat. Da erstehen Eispalaste, in welchen die prächtigsten carnedalistischen Feste gefeiert werden, da bewegt sich ein: fröhliche Menge auf
Schlittschuhen durch mächtige glitzernde Hallen und Säle, da werden von dcn
Toboggan-Elide. buntcostümirten Festgenossen Quadrillen getanzt in so graziöser Weise, wie es nurerproble Schlittschuhläufer zu Stande bringen. Uno da klingelt das Glöckchen der Schlittenfahrer beständig durch die Straßen, da ziehen ganze Schwärme von fröhlichen Menschen, im Pelz- und Blankettrock. mit Kapuze und Troddelmütze, hinaus nach dcn Toboggan Slides", jenem ganz eigenartigen, aber für den Geübten doch ganz ungefährlichen Sport, welcher neuerdings auch in den Ber. Staaten einige Verbreitung gefunden hat. Da tummeln sich Hunderte auf den spiegelblanken Seeen und Flüssen, um dem altschottischen Spiele des Curling zu fröhnen. einem Eissport, der viel Geschicklichkeit erfordert und außerordeutlich unterhaltend ist, und da widmet sich eine noch größere Schaar von Naturfreunden dem Schneeschuhlaufen. . Wettrennen zwischen Nothhäuten und Weißen. Der Schneefchuhsport wird weit eifriger betrieben als selbst das Schlittschuhlaufen und zwar weil dieser Sport überall auf der oft fußdicken glatten Schneefläche betrieben werden kann und weil das so lästige und zeitraubende Freihalten der Bahn hier nicht in Betracht kommt. Für den Schneeschuhläufer gibt es keine Hindernisse, über Berg und Thal, über beschneite Eisdecken hinweg, durch Wald und Feld gleitet er dahin. Auch die Niegelzäune, oder Fenzen, machen ihm keine Schwierigkeiten, ein tüchtiger Anlauf, ein fester Ansatz und ein Zühner Sprung bringen den Geübten spielend darüber hinweg. Uebrigens sind die Farmer gute Freunde der Schneeschuhläufer und sie erleichtern auch dem ungeübteren Sportsmann die Passage, indem sie gerne ein paar der oberen Fenzriegel an bestimmten Stellen entfernen. Die Schneeschuhläufer haben sich in Clubs zusammen gethan und zichen in der Regel in Gesellschaften von bis zu fünfzig Mann stark zur Betreibung ihres Sports aus. Sie wählen sich ein möglichst fernes Ziel und der EndPunkt steht stets dort, wo auch ein gutes Wirthshaus steht. An den Sonnabend Nachmittagen kommt der Sport zur höchsten Blühte. Da werden die canadischen Städte von den meisten Besitzern von Schneeschuhen verlassen und die Gasthäuser in den entfernteren Orten haben ihre schöne Ernte. Auf einer solch fröhlichen Fahrt kommt es Ueber die Fenzen. vor, daß an hundert Fenzen übersprungen oder überklettert werden müssen. Der Schneeschuhläufer nimmt es auf kurze Strecken gern mit der Eisenbahn auf und bei solchen Wettrennen fehlt es nicht an den heitersten Intermezzi. Auch das schöne Geschlecht in Canada huldigt diesem nervenstärkenden Sport nach besten Kräften, und die Frauenärzte haben bei unseren Nachbaren in Folge dessen herzlich wenig zu thun. Ganze Clubs junger frischer Mädchen kann man drüben blitzschnell über die Schneeflächen dahin gleiten sehen, cs werden Wettrennen zwischen Damenund Herren-Clubs arrangirt und daß es dabei lustiger und natürlicher hergeht, als bei unseren steifen ParlorNeceptions oder Tanzbelustigungen, brauchen wir wohl nicht zu betonen. Nach dreistündigem Laufen ist der Nendezvousplatz (stets ein berühmtes Wirthshaus) erreicht und der St. George oder Montreal Club macht es sich bequem an der festliÄ geschmückten Tafel. Hei wie das Essen mundet. l nachdem man so lang? in dc? herrlichen
Ninterluft die Kräfte gemessen hat! Da braucht es keiner Appetit reizenden Mittel, wie man sie bei Delmonica
aufzutragen pflegt, der richtige gesunde Hunger macht sich geltend, drc Strm mung ist eine gehobene und die Freuden der Tafel werden mit Scherzen und mit dem sportmäßigen Erzählen etwaiger auf der Fahrt erlebter Abenteuer gewürzt. Und der gute steife Grog dazu wird mit dem Bewußtsein genossen, daß man ihn sich redlich verdient hat. Nach der Tafel wird die Gemüthlichkeit bei der Pfeife und dem dampfenden Glase fortgesetzt. Die Ein Clubconcert. Clubmitglieder sind eifrige Sänger, wenn sie auch nicht fo schön und so correkt ihre Kunst ausüben,, wie unsere geschulten deutschen Gesangvereine, so thut das der wahren Gemüthlichkeit keinen Abbruch. Da wird bei dem Vortrag der Lieder noch etwas auf den Tezt derselben gehalten und so was Wie Notenhefte gibt es nicht. Der Vogel in der Luft singt auch ohne Noten. Endlich ertheilt der Capitän des Clubs mit seiner Pfeife das Signal zum Aufbruch. Der Mond ist in voller Pracht aufgegangen und übeitrahlt die in seinem milden Lichte glitzernde und blinkende Landschaft. In weniqen Minuten steht der Club zur Heimfahrt bereit und wie die wilde Jagd saust und fliegt die übermüthig gewordene Schaar über die Fläche dahin, der Heimath zu. Und zu Hause winkt dann der gottvollste Schlaf, der bis in die späteren Stunden des Sonntagmorgens ausgedehnt werden kann. Der letzte Dichter. Motto: Tcr letzte Mensch wird ein Tichter sein. Allmäliq war es denn so qetommen. wie es hatte kommen müssen nach der voraussage der Gelehrten, sowie nach den Naturgesetzen: im Jahre Xtausend und ich weiß nicht wie viel, war unser Erdball erkaltet, kein Fllnkchen glomm mehr in seinem Schoß und die Creaturen. soweit sie nicht der Polarfauna angehörten, waren dahingeschwunden. Auch die Menschen. Nur ein gewisser Euftachius Gänseklein lebte noch in Dingsda und in dem Bewußtsein, daß er der Letzte seines Geschlechts sei. Er war ein Dichter. Es wurde immer kälter auf derErde. Der Centner Steinkohlen kostete 23 Mark und überdies gab es langst keine mehr. Traurig saß Eustachius in seiner Dichtcrstube und hatt: seine ganze Wintergarderobs übereinander angezogen. Und dennoch fror ihn. Alles Flüssige war längst um ihn zu Eis qeworden die Tinte, der Gilka, der Kleister, das Petroleum. Die Schreib mascbme funkhomrte noch, und so tastete denn der letzte Dichter wacker auf ihr herum. Er besang den Mond, der seit einem Jahrzehnt nicht mehr schien. d Sonne, die äußerst abgekühlt und schäbig geworden war, den Frühling, den er nur aus uralten Bänden lyrischer Gedichte kannte, die Nachtigall, obwohl er außer dem Schneehuhn und der Eidergans nie einen Vogel gesehen hatte; er besang die Liebesgluth seiner Amanda, welche ein Jahr vorher schmerzlos erfroren war, um in einem wärmeren Jenseits wieder aufzuthauen er besang noch einiges Andere, aber schließlich ging ihm der Stoff aus. Eustachius fing wieder an zu trauern, dis er plötzlich aufsprang, von einem beseligenden Gedanken ergriffen. Warum traure ich denn? Wohl V e . f 1 1 . ? ?, T" , - t Dill icy oer enie meines klammes uno meiner Profession aber um so desser! Ich dichte jetzt ohne Concurrenz und ohne Kritik! Kein Barbar kann fürder meine Werke als WurstPapier verwenden, kein Verleger kann sie mir zurückschicken mit oder ohne Bedauern! Wenn das Dichten jemals auf der Welt ein Vergnügen war, fo ist es letzt eins! Und er setzt sich wieder an dieSchreibMaschine aber was schreiben? Er fühlt, wie ihm nach und nach die Phantaste erfror. Das Thermometer war seit e:ner Stunde von 115 Grad bis auf 121 1-2 Grad gesunken. Eustachms zermartert sein Gehirn und schlägt sich an die Stirne. Es gab einen hellen, scharfen Klang. Eben schaute ein Eisbär zum Fensie? herein, welcher wohl in dem Mann an der Schreibmaschine den letzten war mcn Bissen zu wittern glaubte, den es auf der Erde noch gab. Vielleicht war es auch der letzte Eisbar. Eustachms aber hatte den Stoff gefunden für ein Feuilleton. Er schrieb einen Essay über die Phyiwlogie des Eisbären. Die erkaltende Erde krachte unter den Füßen des Dichters; er schrieb weiter. Das Thermometer sank auf 136 Grad; er schrieb weiter. Immer zaher und schwerer ging die Schreibmaschine und beim Schlußpunkt versagte sie ganz. Sie war auch eingefroren wie alles Andere. Aber das Feuilleton war fertig. Post oder Dienstmann gab es natürlich nicht mehr, und Eustachius machte sich auf, das Manuskript selbst an seinen Bestimmungsort zu befördern. Trotz
dem die Kalte bereits beim 141. Grad
angelangt war, erglühte die Wange deZ Dichters roth und röther. Heute sollte ihm kein Redakteur mit höhnischem Gesicht sein Manuskript zurückgeben wegen Mangel an Raum". Raum gab's in Menge. Er konnte nun selbst sich :n s Redaktwnsgebaude verfügen, felbst die Setzmaschine und die Presse in Bewegung setzen, um sem erstes gedrucktes Geistesprodukt in Händen zu halten. Die Thüre zur Redaktion fand er geschlossen ein Fußtritt sprengte sie in Trümmer. Eustachius eilte durch den Vorraum in den Setzersaal triumphirend zog erdas Manuskript auZ der Tasche Da packte ihn eine Hand noch ein Mensch! Was wollen Sie mit dem Gesudel? Sprechen Sie!" Gänseklein zitterte vor Kälte und Schrecken. Ja bin ich denn nicht der letzte Mensch?" Stimmt", sagte der Andere mit satanischem Hohn. Sie sind der letzte Mensch und Dichter ich aber bin der allttlebte Mensch und Redakteur! Sie kommen zu früh, sehen Sie ftzl" Und mit wohlgellbtem Griff entwand er der Hand des unglücklichen Autors das Manuskript und w:rf e5 in den glühenden Rachen eines bekannten geflochtenen Redaktionsgeräthes. Papierkorb!" ächzt Eustachius und fühlt, wie zu Eis wird. Da fiel das Redaktionsthermometer mit rasender Geschwindigkeit auf 180 Grad Minus. Ein furchtbares Donnern und Krachen hob an. Die Eismasse.i draußen geriethen in wilde Bewegung. ?as Dach zerbrach, die Schollen zermalmten Alles. Alles, den letzten Dichter und den letzten Redakteur, das Manuskript, die Redaktionsscheere, den Schreibstuhl und das Pult, das Tintenfaß, daZ Thermometer, Alles, Alles. Nur Eins treibt unversehrt und siegreich über die Eismassen und Trümmer hin, der unersättlich! Papierkorb. Lange d a u e r t's doch nicht. Sonntagsreiter: Was berechnen Sie für das Pferd die Stunde? Pferdeverleiher: Zwei Mark! Sonntagsieiter: Und für den ganzen Sonntag Nachmittag? Pferdevecleiher: Na. meinetwegen auch zwei Mark, weil Sie'5 sind! if Wer andern eins Grube Droguist: . Für 2 Mark Cementpulver wollen Sie haben? Aber sagen Sie mir um Himmelswillen, was wollen Sie mit einer solchen Menge Cementpulver?" Kunde: Ich verkaufe es wieder, aber nicht als Cement! Sehen Sie ier diese niedlichen Etiketts atentirteS Brillant-Silber-Putzpulver-? Für 3 Mark verkaufe ich diese Schachtel zur Füllung brauche ich einfach den Cement!" Droguist: Hahaha! Sie sind ein Schlauberger! Ja, die Dummen werden einmal nicht alle!" Als der Droguist Mittags nach Hause kommt, zeigt ihm die Gattin frohlockend ein Päckchen. Da habe ich von einem Hausirer eine Schachtel Patentirtes Brillant Putz-Pulver gekauft." erzählt sie freu dia. Denke Dir. die ganze, große Schachtel für nur 3 Mark!" Au! Wenn ich nur wüßte, wa ?um der junge Schweizer gerade hinter Aofen so her ist! Das ist ihm an aeboren er ist ja aus Zofingen! Erkannt. Sei doch still, Johanna; weißt Du nicht, daß Be such im Nebenzimmer ist, sagt Fran ziska zu ihrer kleinen Schwester. Woher weißt Du das, Du bist ju nicht drin gewesen? Aber, sagt Fean ziska. ich höre,' daß Mama mein Lie ber zu Papa saa.te.
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