Indiana Tribüne, Volume 18, Number 102, Indianapolis, Marion County, 30 December 1894 — Page 3
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in Genie der Tnnt. von grnß Ziem in. (5. Fortsetzung.) Doch habe ich oft fuhr JohanneZ fort, ohne die Hand anzunehmen, sehr oft. wo ich mich gegen meines Papas Entschlüsse innerlich auflehnte, die Wahrnehmung machen müssen, daß zu allerletzt seine gereifte Erfahrung schärfer gesehen hatte. Ich habe großen Respeit vor meines Vaters Scharfblick in -allen Dingen des praktischen Lebens bekommen und mich freiwillig gewöhnt, mein Urtheil dem seinen, auch wenn sie stark auseinandergehen, unterzuordnen!" Fischblut!" schimpfte Vreying im Stillen den exemplarischen Sohn. Aber um Gottes willen!" rief er dann. Sind das Sachen des praktischen Lebens, zweier junger Herzen Liebe? Gewiß, Ihr Herr Vater mag ein untrügliches Judicium besitzen, wenn es sich um Finanzen und kaufmännische Maßnahmen handelt aber hier!" Auch wenn es sich um Charaktergenschaften handelt!" fügte Johannes ruhig hinzu. Er ist ein Menschenkenner!" Breyings Augen blitzten auf, er warf ien Kopf hoch. Bitte, ich wollte in keiner Weise Jhnen zu nahe treten!" versicherte Johannes aTiig, aber mit einem gewissen Ausdruck von Schärfe in den Augen, der deutlich sagte: Fühlen Sie sich doch beleidigt, so sprechen Sie es, bitte, aus vielleicht erledigt sich die Sache am besten auf der Mensur!" Ich sprach völlig objektiv!" setzte er hinzu. Breying wollte um alles vermeiden, daß die Unterhaltung auf Abwege gerieth. Kommen wir also zu einem Ende," erwiderte er mit einem Seufzer. Sie sind gegen mich voreingenommen. Ihr Blut fließt gesetzter und ordentlicher, als das meine. Aber ich bin gewiß, die ute Fügung, die unsre Bekanntschaft heute vermittelt hat, wird mir ferner zur Seite stehen. Ich fühle es, ich bin dessen gewiß, es wird sich etwas ereiguen, das alles höher und besser hinausführt, als wir ahnen. Was? Ich weiß es nicht! Aber der Gott, der mir nun einmal diese Liebe Zn's Herz gelegt bat, kann mich damit nicht bloß haben höhuen wollen!" Das war ein schönes Wort, "warm kam es ihm von den Lippen, wieder eine der Regungen, die sein Gegenüber um alles nicht ausgesprochen hätte, die Johannes Augenbrauen sich unbehaglieh zusammenziehen machten und die ihn sich als die geringere Natur fühlen ließen. Ich bitte Sie herzlich schloß Vreying, geben Sie mir trotz allem Ihre Hand Seien Sie wenigstens rieht mein Gegner vorhin, als wir von Deutschland, von Deutschland, sprachen " seineWangen rötheten sich, seine Augen glänzten, er reckte sich höher da verstanden wir uns doch ganz, da ging doch ein magnetischer Strom gemeinsamen Fühlens von meinem Herzen in das Ihre hätten Sie mir da auck so vintirt gesaat, Ihr Valer sei ein Charakterkenner?" Johannes reichte ihm halb wider seiuen Willen die Hand. Fremde Art!" dachte er wiederum mir nicht sympathisch, vielleicht besser ils ich, vielleicht nur begabter und gewandter doch wollen wir uns hüim, zu richten, ehe wir ihn an Herz und Nieren geprüft haben!" Er gab den Händedruck Breyings mit Anstand zurück und sie trennten sich. Verfluchte Rasse!" brummteBreying draußen vor sich hin und schlug ärgerlich sein Stöckchen an die Stiefel. Pack! Aus Stein undEisen! Lasse ich tos Weib nicht lieber fahren?" Nein, nein, nein!" brauste es in ihm auf. Nun gerade nicht. Und nun soll sich etwas ereignen, das alles besser und höher hinausführt!" Er zermarterte sein Gehirn und prüfte alle seine Fähigkeiten. Gelernt aüt er nichts, außer der Kunst, sich fremde Gedanken anzueignen damit ging's bei diesen Graafs Vater und Sohn nicht! Turnen, Reiten, Fechten, Schießen qlles brotlose Äünste in deren Augen: in seinen eleganten Sitz zu Pferde würde sich Pa-. Da Graaf nicht verlieben, und karako-' Irrte er täglich zum Halsbrechen vor' dem Fenster der Geliebten in der HeiNaenqeiststraße! Schwimmen? Ja, schwimmen, das war ihm neulich im Kanal gut zu statten gekommen, als r die tolle Frau von W.... leider zu spat herauszog. Ha! Ein dlabo lischer Gedanke phosphoreszirte in seinem suchenden Gehirn auf wenn er Anme Graaf so dem Alten wiederbrin gen könnie, triefend, von ihm qeret r:t, aher natürlich nicht todt, wie Frau Don W ! Das müßte eine Szen sein,' nach welcher diese Graafs, der Junge wie der Papa, ihn nicht mehr ablehnen lonnten. Aber da mußte die Fnirv Cjinrn Annie erst irgendwo im Wasser liegen Er setzte sich zu Bauer, recht in das bunte breiten da brütete er am leichtesten eine gute Idee aus, denn da emvfand er die Atmosphäre gleichsam n?ie geladen von Elektrizität, Licht, -flimmernden Toiletten, internationalen Lauten. Abenteuern, Wiener Wiüblätlern, fremden Schönen, Spiel und. Wetten und da kam ihm auch der -rettende Einsau. Zwackst galt eZ jetzt Franz aufzu treiben, der die Sache arrangiren tp!ki' i i VIII. Der unbedeutendste Aerger wird auf bit Dauer der schwerste. Wie der sollöefte Ha? der zwischen verschiedengear tcten Nachbarn ist, so ist der unerträg:
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Ochste Aerger der. den einem Wirth ein unangenehmer Miether verusacht. der einen langen" Kontrakt hat. In Herrn Hnnrich Graafs Haus war der Keller an einen Vutthändler. vermethet. Vor drei Jahren, als das alte Viktualienaeschäft, das in dem Keller gewefen, seinen Besitzer zum Rentier gemacht hatte und aufgegeben wurde, war ein netter, gewandter Herr zu Herrn Graaf gekommen und hatte ihm den Keller bei sehr gutem Zins auf fünf Jahre abaemietbet au einer Butterhandlung. Herr Guthmann erklärte beim Ab schlusse des Vertrages, er führe nur Butter, keinen Käse. Aber selbstredend wurde diese seine Erklärung nicht mit zu Papier gebracht. Käse wer einmal über einem Käsehändler gewohnt. zur Sommerszeit zumal, der weiß, was das zu besagen hat. Kaum zw5: Wochen waren zn s Land gegangen, da rümpfte eines Morgens Annie sehr lebhaft die Nase seltsame Gerüche, so schon wie stark, drangen aus allen Poren der Kellerwohnung in Straße. Haus und Hof: entruitet eilte Herr Graaf als guter Hcusiiirih der alten Zeit im Schlafrock und mit der langen Morgenpfeise hinunter zu Herrn Guthmann und stellte ihn zur Nede. Ach Gott, entschuldigen Sie man. Herr Graaf." antwortete der Schuldlge, ich habe gerade einen guten, bllligen Einkauf gemacht, da dachte ich. es würde Sie nicht inkommodiren sehen Sie, unsereins riecht das gar nicht mehr hat sogar seine Freude daran, wenn die Waare so recht schön duftet aber es ist ja bald ausserkauft!" Papa Graaf gönnte dem Manne tm Keller den Vortheil und wollte ihn in seinem Geschäft nicht stören. Meinetwegen, verkaufen Sie diesen Posten daß Sie mir aber keinen neuen in's Haus bringen!" Wie heißt, bringen Sie mir leinen neuen in's Haus?" war die entrüstete Gegenfrage des kleinen Mannes, 's is doch mein Geschäft!" Zur Butterhandlung haben eie den Laden gemiethet, nicht zur Käsehandlung!" bemerkte sehr ernsthaft der Wirth. Zur Butteryandlung. gewiß! war die Antwort. Das heißt: ich darf in diesem Lokal Butter, Käse, Sardinen, Pumpernickel, Sardellen, kurz alles. was in Berlin rn jedem Buttergeschäst geführt wird, verkaufen!" Das dürfen Sie Nicht, denn rief Graaf. Das darf ich wohl! riefGuthmann dazwischen. Ich brauche nicht um jeden Artikel, der in einem Geschäft meiner Branche geführt wird, einzeln zu Jhnen zu kommen und um Erlaubniß zu bitten! Wollen Sie mich schikaniren?" Ich scolkamren? eiserte Herr Graaf. ..Ich schikanire keinen Menschen. stehe mit allen meinen Miethern auf dem besten Fuß aber das sag' ich Ihnen Käse dulde ich nicht im Haus. Sie haben mir selber gesagt, als Sie mietheten, Sie führten keinen Käse!" Was"hab' ich gesagt?" fuhr Herr Guthmann auf. Ich führe keinen Käs? Herr, wem wollen Sie das weismachen? Kein Richter glaubt Ihnen das! Ich bm ein gutmüthiger Mann, aber in der Weise in meinen Geschäftsbetrieb dremr?den, das lasse ich mir nicht!" So wollen Sie das ableugnen?! Ich werde Ihnen den Eid darüber zuschieben, daß Sie das gesagt! Und den Eid werde ich ruhig schwören!" lachte Herr Guthmann höhnisch. Der Richter geht übrigens bloß nach dem. was imKontrakte steht. Das gilt! Daneben kann man viel reden. Sie habcn mir nun 'mal zum Buttergeschäst den feuchten Keller, wo mir alle Waare verdirbt, theuer genug, um em Heidengeld. vermiethet, und zur Butter gehört Käse!" Das werden wir sehen! mit dieser Erklärung verlieh HerrGraaf, hochroth im Gestcht, den Keller. Da hab' ich a einen netten Schwindler in's Haus genommen! Einen Meineid will der Kerl schwören? Ich werd's ihm besorgen!" Herr Graaf, der sich stets viel aus seine Menichenkenntnlß zu gut that. hatte dem Mann den Keller vermiethet, ohne sich bei früheren Wirthen nach ihm zu erkundigen. Der bescheidene, ge wandte und hübsche kleine Mann hatte ihm gefallen so war er einmal von seiner Regel abgewichen. Zu seinem Schaden denn er hÄte Wunderoinge geHort, was für ein Kerlchen Herr Guthmann eigentlich war. Käse! Ja, einen Käsehändler hätte cr nie in sein Haus genommen! Von dieser verhängnisvollen Unterredung an toaie in seinem Hause der Krieg zwischenKeller und Bel-Etaae' ii3 rwiT nians, na erumpseno velverrn i"- Via . - F - . L -d f. Guthmann vorbeizugehen, auf frische Luft in der Wohnung zu verzichten, alle Fenster hermetisch verschlossen zu halten der Geruch drang durch, war in fernem Wohn- und seinem Schlafzimmer, begrüßte ihn auf seinem Hofe und unter seinem Dache, denn dort in seinem Bodenverschlag Pflegte Herr Guthmann aus Bosheit seine leeren Käsekisten hinausschaffen zu lassen, um den Hausherrn auch von oben herab zu erquicken. Und eine Abhilfe qab es nicht. Herr Graaf strengte einen Prozeß an un) verlor ihn. Der Richter entschied nach dem Kontrakt, daß Herr Guthmann das Recht hatte, einen ButterHandel im Graasschen Hause zu betretden zu einem solchen gehöre als vlt benartikel Käse, wie der geladene Sachverständige bestätigen rnufete. Herr Graaf schob dem renitenten Miether den liro oarnoer zu. öay er beim Bertragschlusse versichert habe, den leidigen Nebenartikel nicht führen zu wollen Herr Guthmann schwor diesen Eid.
Herr Graaf lieft sich !m Zorne hin-
reißen, den andern meineidig zu nennen jener klagte aus Beleidigung, und nur den energischen Beraleichsversuchen des Richters gelang es, Herrn Guthmann im Termin zur Aerzichtleistung auf die Bestrafung seines Wirthes zu bewegen aber Herr Graaf mußte eine namhafte Summe für die Armen zahlen und die fatale Ehrenerklärung" in der Vossischen Zeitung veröffentlichen. Herr Graaf. der über feinen Prozessen völlig nervös geworden war, marterte fern Hirn lange Wochen ab, aus dem. so strengen gedruckten Miethsvertrag einen Ermissionsarund herauszuZlauben dem pünktlich zahlenden Teuselsmiethcr war nicht oenukommen. Er versuchte zu bauen, um den Unheilstifter zu vertreiben jener be wirkte einen richterlichen Befehl, den Bau einzustellen, da er in seinem Geschaftsbetnebe gestört werde und Herr Graaf mußte den Bau aufgeben. Er versuchte, sich daran" zu gewöhnen nein keiner seiner gutmernenden Freunde versäumte, ihn auf eine neue Desinfektionsmethode oder sonst ein Mittel aufmerksam zu machen, wie unliebsamen Gerüchen abzuhelfen sei. Und ach, ein Nasen-Antlphon ist leider noch nicht erfunden! Er hätte sein Haus verkauft., allein dzs litt d:r Dämon nicht, der allmählich wahrend des langen Kriegs in ihn gefahren, der Dämon der Hartnäckigkeit: er wollte sich nicht von dem Gegner aus frem eigenen Hause vertreiben lassen die fünf Jahre mußten ja schließlich auch einmal zu Ende gehen. Am Schluh des dritten Jahres, ungefähr vier Wochen vor Annies erstem Besuch bei dem Onkel Kommerzienrath, geschah nun etwas, was Herrn Graafs Herz sehr zu erleichtern geeignet schien." Mittels eingeschriebenen Briefes theilte der Geruchfabrikant seinem Wirth mit, er mache von dem ihm nach 7 a des Miethvertrages zustehenden Recht Gebrauch und trete sein Geschäft, sammt dem Vertrage selbst, an Fräulern Martha Koch ab. Die Sache schien m der Ordnung Fraulen Koch war die Buttermamsell Guthmanns, ein anscheinend ganz braves. nicht eben häßliches Madchen und jenes Recht stand dem Miether zu. Allein nun kam eme andre, schlimmere Serie von Unannehmlichkeiten. Am Tage. nchdem Herr Guthmann ausgezogen war, und sein Wirth, nach gute? alter Berliner Sitte, einigemal drei Kreuze hinter ihm gemacht hatte. erschien der Gerichtsvollzieher nein, erschienen fünf dieser ehrenwerthen Beamten nacheinander, dazwischen gegen zwanzig andre Herren mit betrübten Gesichtern und Anfragen, wo Herr Guthmann geblieben, ue hatten Forderungen an ihn. Ein Gutsbesiherssohn vom Lande kam, sein Papa habe nach und nach für zirka achthundert Mark geliefert Bezahlung, die früher so prompt gewesen, sei ausgeblieben können Sie nur nicht angeben, wohin der Mann verzogen?" Er hat sich nach aukerhalb crbmelden lassen!" Der junge Herr schien beinahe Herrn Graaf für des Durchzebrannten Helfershelfer zu halten. Mehrere Handwerker der Nachbarschaft stellten sich ein: sie waren um allerlei große und kleine Forderungen betrogen und hatten das Nachsehen. Darunter auch ein blutarmer Schuster, der eine Mark und dreißig Pfennig zu bekommen hatte und so jämmerlich barmte", daß Herr Graaf in seine eigene Tasche griff und den Mann bezahlte. Die Nachfrage nach dem verflossenen Miether war so stark und blieb auch am nächsten und dritten Tage so stark, daß Herr Graaf an seiner Thür ein Plakat anheftete, auf dem er sich jede Belästigung in Sachen Guthmann verbat und mittheilte, dieser sei nach außerhalb verzogen. Nichtsdestoweniger klingelte es weiter die Leute entschuldigten sich sehr höflich, wenn ihnen geöffnet ward, und fragten. Dabei roch es von unten her nach wie vor mit gleicher Stärke und Feine. Kurz. Herr Graas überlegte, was er denn in seinem Leben an seinen Miethörn gesündigt habe, daß er so gestraft würde. Fräulein Koch wurde nun vernommen und räumte ein, daß sie Herrn Guthmann auf das Gefchfät vorläufig nur einhundert Mark ihre Erspar nisse angelegt hätte. Den Rest der Kaufsuinme wurde sie nach dem voraelegten Vertrage in monatlichen Raten von je einhundert zahlen. Woher sie diese Raten nehmen würde? Aus dem Reingewinn des Geschäftes. Die Gläubige? legten sosort Beschlag auf diese Theilzahlungen. Allem es sollte anders kommen. Ein Herr Lapinsky. ein flotter, jungcr Mann, auch Butterhändler", erschien auf dem Plan und wies einen Kaufkontrakt vor, wonach er die sämmtlichen Forderungen des Herrn Guthmann an Fräulein Koch für einmalige Zahlung von fünfhundertMark erworben hätte. Dieser Vertrag war unanfechtbar und datirte vom Tage des Geschäftsverkaufs der zu spät gekommen: Arrest der Gläubiger mußte wieder aufgehoben werden. Herr Graaf, der ein paar Tage darauf Herrn Guthmann und Herrn La pinsky Arm in Arm über den Damm auf sein Haus zukommen sah, durchschaute die Schiebung"; damit war aber niemand zu seinemGelde geholfen. Nun begann ein eigenes nächtliches Treiben in seinem Hause. Vor dem Keller hielt immer um die Zeit, wenn der Wächter noch nicht in Funktion getreten und die Straße doch schon menschenleer war, ein Wä gelchen, von dem Waaren abgeladen und in die' Vutterhandlung" geschafft wurden. Das waren die Waaren, die
Mtiivr Fräulein Kochs Lage? immer wieött ergänzten. Woher sie kamen? Ich kaufe sie von Herrn Lapinsky und verrechne sie mit ihm allwöchentlich," war der Mamsell ehrliche Antwort, als Herr Graaf sie einmal zur Rede stellte. S3on Herrn Lapinsky" das war unanfechtbar, wie es schien allein ein .Kriminakbeamter, der Herrn Graaf in Sachen Guthmann eines Tages besuchte, um zu recherchiren, belehrte ihn eines Besseren. Herr Guthmann wohnte jetzt in der Welt herum, bald im äußersten Osten, bald Königstraße, bald in Moabit. Er hatte immer ein Zimmer vom Haus 4M t Mi C am MM A 1 X Mt L X M I wiiii) uu cui u.yi gcmicuci, muujic sich überall so unleidlich, daß ihn die Wirthe gern wieder ziehen ließen, meldete sich überall polizeilich zu spät an. jedesmal von außerhalb", und meldete sich ebenso zedesmal nach außerhalb wieder ab, so daß seine Fährte stets unterbrochen und einfach unauffindbar war. Dabei aber bezog er beständig von den vertrauensseligen Gutsbesitzern in der Provinz, die froh waren, ihre Waaren abzusetzen, und die er durch fchöne Briefbogen mit dem Vermerk: Giroconto Deutsche Bank Buttergroßhandlung 1. Geschäft: Arkonaplatz; 2. Geschäft: Magdeburgerstraße Nr. 57; 3. Geschäft: Thurmstraße Nr. 3 u. f. w. blendete, von diesen guten Leuten bezog er in unaufhörlichen Sendungen Butter und Käse. Die Waare war, noch ehe sie auf den Berliner Güterbahnhöfen ankam, bereits laut Vertrag Herrn Lapinskys Eigenthum, auf Verrechnung" narürlich. Herr Lapinsky schaffte sie auf der Stelle noch Abends spät nach der Heiligengeiststraße zu Fraulern Koch und verkaufte sie auf Verrechnung" an diese. Diese aber war nun im stände, (stets mit beste? und natürlich sehr billiger Waare" aufzuwarten und dieKonkurrenz aus demFelde zu schlagen. Das Geld, das sie erlöste, diente dazu, Herrn Lapinsky und seinen Hintermann zu befriedigen der es den guten Seelen dahinten in der Provinz ehrlich schuldig blieb, oder ihnen auch einmal dann und wann eine Abschlagszahlung zukommen ließ. Die Vertrauensseligen unter den ländlichen Gutsbesitzern mußte man sich natürlich aussuchen mit den andern brach man eine etwa angeknüpfte Geschäftsverbin'dung sofort wieder ab. Und die Vertrauensseligen" in'Preußen, Pommern, Posen sterben ja nicht aus. Herr Graaf mußte dieZ ganze Spitzbubentreiben in feinem Hause dulden er kam gerade in dieser Zeit langfam dahinter, es beschäftigte ihn sehr und färbte seine Galle sehr dunkel. Allein er war ohnmächtig. Ja er mußte sich sogar, wen er Abends aus dem Fenster guckte, wie er es gern that, ein paarmal den Gruß von Herrn Guthmann gefallen lassen, der ungenirt unten in den Laden ging, wie Herr Graaf ganz gut wußte, um Kasse zu machen. Das alles war ja Sch5inverkauf und Schiebung Herrn Guthmann gehörte nach wie vor dasG:fchäft, und er hatte sich das Ganze nur erdacht, um die Waare, die er bezog, nicht mehr bezahlen zu brauchen, um .'billig" einzukaufen und demgemäß auch, dcr lästigen Konkurrenz zu Trotz, billig verkaufen zu können. Die Mansell gehörte ihm mit Leib und Seele Herrn Lapinsky aber gebrauchte er dazwischen als den, der allen Ansprüchen an vorhandene Waaren oder vorhandene Tageskasse jeden Augenblick mit unantastbaren Kaufverträgen gegenübertreten könnte, was auch regelmäßig geschah. Herr Heinrich Graaf hatte eine von den schwarzen Banden" des Berliner Butterhandels in seinem Hause und verging vor Grimm, daß er sie erst in zwei Jahren loswerden würde. Beständig kamen Nachts Waaren immer, wenn der Wächter um die Ecke war oder noch nicht im Dienst Kisten, welche die Herkunft hätten derrathen können, wurden zerschlagen, Emballagen von Käse verbrannt, was zum Himmel roch Leute schlichen in der Straße herum und gaben sich Signale durch leise Pfiffe, denn mit unredlichen Hausdienern schienen die Herren Guthmann und Lapinsky auch zu arbeiten kurz, dem ehrlichen Bürger und Hausbesitzer Heinrich Graaf trat eine dunkle Welt nahe, die ihm den tiefsten moralischen Ekel einflößte und deren gestohlener Käse ihm obenein das ganze Haus parfümirie. Wie sehr ihm aber die werthe Firma Guthmann-Lapinsky noch gefährlich werden sollte das ahnte er auch in seinen schwärzesten Traumen nicht".IX. Es war. am Tage nach Jrey!ngs Unicrredung mit Johannes Graaf. Die zungen Leute im Garten des Kommerzienraths waren sehr heiter: Asta, Fritz, Franz, Anrne Graas und Breying; selbst Joseph, der in den letzten vierzehn Tagen einen merkwürdigen Ernst gezeigt, ging, um nicht zu stören, aus die Stimmung der andern ein. Warum bist Du jetzt immer so still, Ioe?" hatte ihn Asta beute gefragt und Miene gemacht, eine gründliche Besprechung seiner Stimmungen zu beginnen. Ich habe seit einiger Zeit einen fa talen einseitigen Kopfschmerz, der mich rein rasend macht," war Josephs rasche Antwort gewesen von einem halb finsteren, halb ängstlichen Blick begleitet. Diese nervöse Ablehnung hatte Asta betroffen gemacht und Joseph wiederum bewogen, von da an einen nicht ganz echten Entrain an den Tag zu. legen. Es war dies für hm Verlobte eine' neue Saite, die da an ihm erklang ; im Stillen grübelte sie, was das zu be-, deuten habe. Aber doch steckte auch sieseine nervöse Lustigkeit an, wie die: ganze kleine Gesellschaft heute diese? Stimmung nachgab.
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31 Eine ähnliche Fiber 'vibrlrje zwischen Breying und Annie. Gezwungen unbefangen bewe und doch beide immer wieder verstohlene, heiße Blicke auffangend und tauschend. Fritzi, die beider Paare besondere Stimmung bemerkte und mitempfand, verspürte ihren üblichen Kitzel, Feuer unter geheizte Kessel zu machen. Und Franz da brauchte nur se-' mand lustig zu sein Franz, der gute Junge, war immer mit lustig. Franz. heute müssen wir was Besonderes unternehmen, was?" nahm ihn Breying beiseite. Bin dabei! ber was?- Er hatte Die mageren Beine, mt noch dazu so eng wie möglich bekleidet waren, weit von sich auf einen zweiten Stuhl gelegt, balancirte sich auf den Hintersüßen des semen, die Hände in den Taschen, eine unmöglich lange Papyros von Stroh im Mundwinkel. Schlag doch mal eine Spazierfahrt in den Thiergarten vor, nach den Zelten!Smon und dort?" Veranstalten wir auf den drei besten Booten des Papa Jordan eine iwatttK-e oder so was!" Wettrudern? Das war eme Idee trotz seiner weichlichen Muskel schwärmt? er für jede Art Sport. Ich b:tt' um's Wort!" begann ranz nun zu der Vesellschcrst. Lobliche edle Kumpaneia Asta, runzle nickt so Deine schöne Stirn, das gibt Falten vor der Zeit! Als geborener Vergnügungskommissar proponire ich folgendes: Wir alle sind jung und zu Extravaganzen geneigt wer etwa nicht jung ist, möge stA melden! Al so machen wir erne! Bravo!" rief Fritzi. Es wurde unter Scherzen befchlossen. eineEriravaganz zu machen. Franz stellte das Programm auf. Kein Programm! rief Breymg. EineEztravaganz muß extemvorirt sein." Und mit Diner , bei Hiller schließen!" fügte Marenholz hinzu. Wer eztemponrt? Fahren wir in den Thiergarten da wird einem von sechs erleuchteten Geistern schon etwas einfallen! Iadies and Gentlemen!" begann Franz wieder. Ach, Breying, lassen Sie mich doch Ihre famose Idee an's Licht bringen! Ich schätze zedes Vergnügen gering, bei dem nicht ettVsS für Kräftigung und Stählung der Muskein unsres verzärtelten Geschlechts herausschaut." Sehr weise!" Der Redner spricht zu stark pro domol" Aus Prinzip spiele ich Tennis und huldige demSport in jeder Gestalt. Ich würde, selbst wenn ich ein Engländer wäre ich meine damit: Erbpächter jeder Excentrizität nichts Schöneres vorschlagen können, als ein doatrne auf der Spree. Da kenne ich drei liebIicbe Nußschalen, scharf und schlank gebaut. Anna. Maria und Hedwig in denen muß sich himmlisch rennen lassen. Die Damen steuern. Publikum ist um die Zeit nicht. Bahn bis zur Stadtbahnbrücke dem Sieger werden die anwesendenDamen nachher unter den Linden dasjenige Stück aus den Auslagefenstern dediziren, das er sich ausbitten wird!" Boatrace accevtirt die Belohnung des Siegers ist lange nicht exzentrisch genug ich schlage vor, it wird erst unterwegs festgesetzt!" Asta erhob Einspruch: Wettrudem auf der Spree vor möglichem Publikum?" Das ist die Exzentrizität!" sagte Franz. Meinetwegen kümmert mich im Grunde wenig, zumal um die Zeir-dort sonst niemand geht! Aber die Spree hat da starke Strömung, ein Versehen könnte gefährlich werden!" Das ist für mich die Exzentrizität!"' fiel Marenholz ein, einen blitzenden. jherausfordernden Blick auf Asta rich-: , sr-t w i " tä zeno. yne löesayr reine ecyle ust, Asta warf den Kopf zurück und gab' den Blick zurück. ' Wohlan. Und Annie?" O, ich fahre so gern Boot!" sagte diese selig. Die Sache ward beschlossen und sogleich ausgeführt. ; Die vergnügte Bande brach auf der Wea durch den kühlen Wald war. für andre Spaziergänger erquickend diese erhitzten sich unterwegs noch mehr; mit allerlei übermüthigem Wortgefecht.' An der Bootstelle wählte Franz diel Boote. , Asta und Joseph" kommandirte. er, Annie und Breymg, Fritzi' Zommt schlecht weg!" Asta und Annie hatten keine Ahnung' vom Steuern. ; Das Wasser war frei ein Dampfer heulte in der Ferne stromab ein paar Steinkahne trieben weit unten. langsam fort man übte und kreuzte: ein wenig dann langten unter vieler, Ucuye die Boote einigermaßen kunstgelecot am Start an Franz komman-' dlrte, uno die Fahrt begann. Halten Sie das Steuer, bitte, yanz' gerade und ganz fest, bat Breyings lenken Sie gar nicht! Dann legte ? sich mit voller Kraft in die Nuder. Ein eigener Ausdruck von rücksichtskfcr Energie prägte sich in seinen Mieen aus Annie schaute ihn mit Bewunderunz an. Breyings Gedanken wirbelten wild durcheinander: Jetzt sollen Sie mich schätzen lernen. Sie'. wollen mich alle uberiehen. Und doch bin ich ein Genie ein Genie der That. Ihr Vater will mich nicht, ihr Bruder w:ll mich Nicht, ich aber will sie, und ich werde es höher hinaus führen, werde Mit emem kühnen Satze hnen über all ihre Zaune springen Ein brillanter, ern noch nie dagewesener Schachzug allein gewinnt die Par-' tie mir ist et eingefallen. ;
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Verzeihen Sie mir," rief er, m'n wird heiß!" Blitzschnell, startd er auf und' warf den Rock ab. Er hatte schon cinen kleinen Äorsprung gehabt bei diesem Aufenthalt aber verlor er ihn. Erst siegen in diesem. Knabenspiel dann !" dachte er heftig und setzte wieder ein mit seinen langen, eleganten und so' kräftigen Zügen, daß er Franz und Joseph rasch wieder zil ruckzulassen begann. Annie jauchzte innerlich vor Lust über den Wettkampf und vor Bergnügen, daß Breying Terrain gewann. Sie schwieg zwar, aber ihr ganzes Gesieht strahlte; wenn der Gras einen flüchtigen Blick auf sie warf, wars ihm in der Erregung dieser Augenblicke, als entzündeten die heißen, glücklichen Augen, mit denen sie gespannt seine gewandten und gesäNgen Bewegungen verfolgte, als entzündete ihr belebtes, hübsches Antlitz in der That in ihm eine Leidenschaft für dieses Mädchen. Indes, es war nur das Aufschäume seines ganzen Wesens zur That. Fairy Qneen Annie" flüsterte er zwischen den Schlägen stoßweise und doch etwas außer Athem, denn Joseph, der zuerst zurückgehalten, kam jetzt mächtig auf während Franz zweifellos dritter blieb Fairy Queen Annie wieder wir voran allen andern weit vorauf in Sturm und Leidenfchaft -" Ein scharfes Nennen Bord an Bord begann Joseph mehre ihm em Ru der abzustreifen Weit vorauf unaufhaltsam jetzt waren sie dicht am Ziel die Brücke schneidet den Fluß schräg, und Breying hatte schon beim Start rechts gehalten, wo die Bahn demgemäß unr ewige Meter kürzer war. Aber auch somit der letzten heftigen Anstrengung schob er sem Boot um eine halbe Lange vor Marenholz ir"$ Ziel Sieger!" rief er laut und sprang ungestüm auf da stieß aber auch das schlanke Boot so stark gegen den Brückenpfeiler, daß es auf der Stelle umschlug. Und es war kaum nöthig gewesen, daß Vreying beim Aufspringen den Fuß stark aus den Bord setzte.... Im nächsten Augenblick hatte die Strömung das Mädchen, das beim Umschlagen rücklings iws Wasser gestüt war, erfaßt und trug es zwischen den Pfeilern hindurch. Ebenso schnell aber war der Graf hinterdrein zwei starke Stoße, und er hielt Anrne an den leidern, zog sie mit Aufbietung aller Kraft schräg gegen dgs flache Moabiter Ufer heran noch nicht zwei Minuten nach dem Unfall hatte er sie bereits auf der kleinen sandigen Halbinsel gelandet, die sich dort zwiscben Spree und Wolwelanke spitz in's Wasser streckt. Annie hatte sich tapfer benommen ohne einen Schrei, lautlos war sie in den Strudel getaucht mit festgescklossenem Munde, so daß sie nur wenig Wasser geschluckt hatte. Ein Schrei des Entsetzens war über das Wasser gehallt, als das Unglück geschah. Asta und Fritzi standen rufend und gestikulirend in ihren Booten, die sie beinahe zum Kentern brachten. Em Passant aus der Bellevueseite stand ebenso am Ufer, schrie um Hilfe und schwang in nutzloser Erregung Arm und Schirm m der Luft. Ein Zug war gerade donnernd über jdie Brücke gefahren die Insassen steckten die Kopfe zu den Fenstern heraus und schrieen m das Rasseln und Brausen der Fahrt. Steinträger, die auf dem Hornemannschen Lager Stei ne abluden, kamen herbeigelaufen, und von der neuangelegten Spenerstraße her eilte em Schutzmann herzu. Allein schon war Hilfe von Uebersluß schon war das Mädchen sicher am Lande. Die beiden andern Boote landeten eben Breying hielt die. betäubte, aber weder bewußtlose, noch ohnmächtige Annie in seinen beiden Armen aufrechr die Damen ließen ihr unter dem nächsten Stadtbahnbogen r r i?r. vt Ivsori oie nötige uyc angeoelysn. Man kann in einer Minute doch sehr viel mehrWasser einfchlucken, als wun fchenswerth und behaglich ist. (Fortschung folgt.) HochschwunJ des Beins. Bal--lettänzerin: Denken Sie nicht, dah die Art. wie ick da im zweiten Akte in dir Höhe kickte", etwas ganz Pompöses ist?' Ein ältererVerehrer: 5J gew:n! Noch ein wenig hoher urQ der Aunchwuna. xi hlmmlrjch . Der Vorsichtige. Die Frartr Was ist der Grund, Fritz, datz Du: mich niemals kutzest. wenn wir am Fenster stehen: und Jemand zuueyt?Der Maim: Natürlich thu' ich das nicht! Ich WÜT nicht haben, daß die Leute mein, herziges Werdchen su: das Dienstmädchen halten!" Ein auilL Weib. Gatte? Warum weinst Du denn, mein Herz? Gattm: Well meine Freundin von iyrem Manne, einen Diamantickmuck beZonunen bat.der mindestens 1500 Mari tostet. Gatte: Und darum wänst Du? Gattm: Ja, es iyut mm Uio, oatz Du auch fo viel Geld für mich ausgebiu sollst! - Zufällige Todesursache. Erster Moonshiner" (heiml.zLer Brenntweinbrenner): Der alte Joe Plunkitt bat seür. firnell sterben müssen, be? Was für eZne5vran:heir fct er habt?" Zweiter Moonshiner:" .Er hat chieazi geieyen: iQat cu einen Steuer beamten geschossen und gefehlt!" Eine arbeite?sparcnde Maschine. Freund des HauZ Verwalters: Warum verbietest Du 'diesen iungen Vcnaeln nicht, an dem Stiegengeländer herunter zu gleiten? Hausverwalter: Da? wäre ja ganz gegen mein eigenes Interesse; die helfen mir ja das Messmggeländer poliren!
Zlnter uns Frauen.
Mie wir Frau stnd.' Niemand hat über seine thtnt Per son ein richtiges Urtheil, und am allerwemgsten wüßten wir Frauen, s? wird wenigstens behauptet, wie wir Wirklich sind, und noch weniger, wie wir Anderen erscheinen. Wenn wir unsere Blicke über eine Anzahl ton Frauen streifen lassen, so werden wir im großen Ganzen nur wenige mar kante Unterschiede wahrnehmen. Für den flüchtizen Beobachter tragen die meisten Weiblein nur einige allgemeine Eharakterzuge zu? Schau, sie alle erscheinen einander äußerlich, also in jenen Eigenschaften, die wrr mit freiem Auge wahrnehmen tonnen, ähnlich zu sein. Darum gibt es auch meistens nur lauter jugendliche hübsche, gute, tüchtige, liebenswürdige, fleißige, gescheute und gebildete Frauen. Wenn wir aber alle diese Damen ti ner näheren Bekanntschaft unterziehen, so werden wir finden daß sämmtliche weibliche Wesen nur in zwei große Rangklassen zerfallen, und zwar in Frauen, die wirklich sind, was sie scheinen. und Andere, die es nur scheinen. Da gibt es unter den hübschen Frauen solche, deren Wesen Anmuth vnd Grazie vereint, deren Augen sirahsen, deren feine Züae den Beschauer fes seln, an welchen Alles: Gang, Bewegung, Lächeln ein harmonisches, liebliches Ganze bildet, die gleichsam den tiaum erhellen, in welchem sie weilen. Und dann das Gegenstück dazu: ein Dämchen mit erkünstelter Grazie und einstudlrter Anmuth, mit allzu glanzenden Augen und fein bemalten Zügen, mit manirirten Pofen und Pfauenhaften Wendungen, welche gleichsam mit Schminke und Parfüm ine Lufr erfüllt, die sie athmet. Da gibt es unter den guten, tüchtige Frauen solche, deren Handlungen von reiner Menschenliebe dictirt werden, die ihre Umgebung fühlen lassen, datz das Herz hier noch sprechen, daß mau vertrauensvoll seme Hand in die ihre legen darf, die selbst kräftig die Arme regen. Andere mit Verständniß leiten, den Platz ganz ausfüllen, an den sie gestellt sind, die wahre Seele des Hauses un der Familie bilden. Und dann daZ Pendant dazu: ein Dämchen, bei der Menschenliebe und Herzlichkeit nur Maske und hohler, leerer Schall sind, die scheinbar die Hand des Freundes treu erfaßt, wenn dieser sich aber darauf stützen will, furchtsam ausweicht, deren Tüchtigkeit in Worten mehr al5 in Werken sich bethätigt, die wohl Krone undScepter'pzmpöS einherträgt, cber doch nicht zu leiten und lenken vermag. Da treffen wir liebenswürdige und fleißige Frauen, die mit einem freundlichen Wort, einem bezaubernden Lächeln uns das Herz erwärmen, die Anderen gerne deren, Lebenslast tragen l-elscn, den Bittenden auf halbem Wegs entgegengehen, den Einsamen trösten, den Fremden ihre Thür erschließen, die: Trauernden trösten, die zu Allem Zeit finden, gerne Feste bereiten, kein Geburtstagslind leer ausgehen lassen, keinen Gedenktag vergessen, keine Arbeit, scheuen, niemals ruhen ur rasten. Und daiV das pseudo-liebenswürdige. fleißiae Damchen dagen, mit dem stereotypen, grinsenden, unverändert freundlichen Gesicht für Jedermann, die Vielen ihre Thür erschließt, und ber der sich Niemand zu Hause fühlt, die o übereifrig Gaben austheilt, welche mehr verletzen als erfreuen; die in geschäftigem Müßiggang stets athemloZ unter der Last der vielfachen Pflichten kaut stöhnt und Andere ganz in der Stille für sich arbeiten läßt. Und schließlich die gescheute, gebildete. Frau,, deren Wissen ihren Verstand geschärst, ihren Geist geübt, ihr Gemutt) geadelt hat, die Sinn für alles Gute und Schöne mitbringt, wahres Wissen bei Anderen verehrt und hochschätzt, in gediegener Bescheidenheit sich besser Unterrichteten gerne unterordnet, stete weiter strebt und forscht, an ihrer geistigen Vervollkommnung unausgesetzt arbeitet, ohne doch Jemanden rn ausdringlicher Weise mit ihrem Können, zu belästigen. Und dagegen die', sögenannten gescheuten, gebildeten Dämchen, deren ganzes Wissen in einem bischen Gedachtnißarbcit gipfelt., die hier und da eiu.wenig genippt und- genascht und nun vermeinen, die ganze We.tWeisheit und Gelehrsamkeit mit Löffeln verspeist zu haben, deren Sinn sur Bessere? nur leerer Schein und hohle Modesache ist, deren arrogante Halb-bildmrg-Zn protzenhaftenr Pompe einHerschreiret, sich mächtig aufbläht und keine Götter neben sich duldet. Für heute müssen wir es wohl der diesen wenigen flüchth- hingeworsenen: skszzrnhasten Umrissen bewenden lassen, denn wer es versuchen wollte, mt vielfarbig schillernden Frauengestalten; pt schildern, der dürfte- dann weder d. Zssawrimder noch dir betten, weder die sparsamen noch die verschwenderi schen. weder die gutmüthigen noch die neidischen, weder die sentimentalen noch die nulven, weder die idealen noö die szausöackenen. weder di: müthfifcrt noch die stejfen, weder die mitzaunstizen; noch die großmüthigen, weder die sensi Ilsen noch die de.rben weiblichen Cha rattere vergessen, und dan.t müßie er erst vkrsuchen. der? Schein tom Sein zu: unterscheiden, und schließlich würden wir vielleiZit noch immer nicht er schöpferd daruöer belehrt sein. xoU wir Frauen wirklich sind. Durch die I l 'u m e. Karl fe: ,.Papa. bist Du gut gelaunt?" Aater: 0 ja!" Barln: Willst Du bei guter Laune bl:iö:n?" Aa ter: ÄAiß will ich das!" 5carlchen: Dann zeig: ich Dir mein Zeu vd morgen!''
