Indiana Tribüne, Volume 18, Number 96, Indianapolis, Marion County, 23 December 1894 — Page 6
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das ist auch so Einer, der Hier Glück g:Habt hat!" sagten die Leute, wenn sie den dicken Fleischermeister Behrens an sich vo:berschrelten sahen. Der ging immer so bedächtig und selbstbewußt und mii einem so breiten Lächeln aus seinen fleischigen Zügen, alwäre er mit sich und der Welt außerordentlich zufrieden. Und er hatte auch allen Grund, mit der Welt nicht zu hadern, denn diese hatte ihn wahrlich glimpflich genug behandelt. Wie lange war es denn her, dafj er als unbemittelter Junge in die neue Welt hereingesteuert war und seinem Schöpfer dankie, als er bei einem Schlächter an der zweiten Adenue als Laufbursche unterkriechen konnte und seine ersten Cents verdiente? Gewiß, er konnte sich ohne Selbstüberhebung sagen, daß er stets fleißig und nüchtern gewesen war, zwei Eigenschaften, welche namentlich hier zu Lande schon Vielen den Weg zum Glücke geebnet haben. Aber es gab doch auch Leute genug, oie trotz ihres Fleifees und ihrer Nüchternheit unten geblieben waren und heute noch einen ebenso verzweifelten Kampf mit der Armuth und dem Elend führten, wie ehedem. Er hatte aber auch immer viel auf seine eigene Person gehalten und da er ein stattlicher Junge war, mit einem frischen, freundlichen Gesicht, so Zam es, daß nicht nur die jungen Mädchen aus der Nachbarschaft gern in dem Fleischerladen ihre Einkäufe besorgten, in welchem er das Fleisch zerhackte, abwoa und mit irgend einem Scherzworte in die offenen Körbe legte, sondern daß auch Maggie, die Tochter des Fleischers selbst, ein Auge auf ihn warf und ihm das auch deutlich zu erkennen gab. Schön war sie ja gerade nicht, aber ein gutes, sanstes Geschöpf, das seine größte Freude am Haushalte empfand und was besonders zu ihrem Vortheile sprach, sie war das einzige Kind eines wohlhabenden Mannes. Da besann sich Joe nicht lange, und eines schönen Tages war er mit Maggie versprochen und schon in wenigen Wochen der Schwiegersohn seines früheren BrotHerrn. Diese ganze Vorgeschichte hatte er fast schon vergessen, denn sie lag schon bereits 12 Jahre hinter ihm. Jnzwischen war er der Erbe des Geschäfts geWorden, hattd dasselbe bedeutend vergrößert und ausgebaut, und namentlich seine Wurstfabrikat: erfreuten sich eines wohl begründeten Nufes und wurden in eleganten Wägelchen in alle Theile der Stadt gefahren. Der ursprüngliche Laden war kaum wiederzuerkennen. Doppelt so groß wie früher, war er das Muster von Sauberkeit und Freundlichkeit.' Der Boden war schachbrettarjig mit zweifarbigen Fliesen bedeckt, bh Wände bis zur Schulterhöhe mit weißen Marmorplaüen belegt, die Verkaufstische und der mächtige Eisschrank cus schwerem Eichenholz hergestellt und die mit Messing verzierten Waagen blitzten und funkelten in der Sonne oder beim taghellen Schein des elektrischen Lichtes. Nicht weit vom Eingang stand die Kasse, ein eleganter Verschlag cus Holz und Glas, und darinnen saß die Frau Fleischerin selbst, um das Geld mit ihren fetten kleinen Händen einzunehmen. Ihr Mann aber stand noch immer wie ehemals, mit einer großen, blendend weißen Schürze umgethan, hinter dem Ladentische, hieb noch immer das Fleisch mit kunstgeübter Hand in bestimmte Theile, wog es und wickelte es ein und legte es auch eigenbändig in die bereit gehaltenen Körbe. Er lächelte auch immer noch, aber nicht, mehr ganz so freundlich wie früher, und mit seinen Scherzworten war er. da er :s nicht mehr nöthig hatte, besonders karg geworden. Dafür hatte er sich eine gewisse Würde angewöhnt, die er äußerlich gerne zur Schau trug. Das war er nicht nur seinem ausgedehnten Gewerbe schuldig, sondern auch seinen Ehrenämtern, die seine Mitbürger auf seine Schultern gebäust hatten. Wenigstens einem halben Dutzend Vereinen geborte er an, und von zweien war er Präsident-. Wenn er dann an den Sikungc'tagen den Hammer erqriff und Ruhe ccoi, dann reckte und streckte er sich so würdevoll empor, als sollten jetzt Fragen von welterschütterner Vedeu!ung erörtert werden. Hatte so das Glück ihn äußerlich in die Höhe gehoben, so war er innen im Herzen immer selbstsüchtiger und gegen ::; Noth Anderer verschlossener gewor den. Der große Erfolg, den er in seinem Leben gehabt, hatte ihm schließlich Die Ansicht beigebracht, daß er denselben sich ganz allein selbst zu verdanken habe und daß alle Menschen, welche zicht so vorangekommen waren, wie er, lediglich selbst die Schuld daran getra;cn hatten. Je mehr sein Vermögen anschwoll, je kärglicher wurden seine Almosen bemessen, und für fremde ftoih hatte er das Verständniß und das l?!:!g:fühl fast ganz verloren. Es war am Tage vor Weihnachten. tti G:schäft blühte. Die Thüre des Badens stand keinen Augenblick stille, .ind das Celd an der Kasse klimperte een ganzen lieben Tag. Joe hatte alle Hände voll zu thun und er ließ daher mißtrauisch seineVlicke auf einen Mann fallen, der soeben in seinen hell erleuchteten Laden getreten war und mit dr Niene eines Bittenden auf ihn zu'chritt. Guten 'Abend, Herr Behrens!" rezete ihn dieser unterwürfig lächelnd an ind faßte leicht an seinen weichen Filz-z-at. Ich wollte mir nur erlauben, Sie um einen Beitrag für unseren Ver::n zu bitten, der am zweiten Feiertage :ine Weihnachtsbescheerung für arme Rinder unserer Ward veranstaltet." Dabei g.riff er in die Seitentasche sei-
nes Rockes und holte eine blau: Liste berror, die er aufgeschlagen dem sehr ernst gewordenen Fleischer hinreichte. Um was sich Ihr Verein nicht Alles kümmert," gab er mürrisch zur Antwort und nahm halb widerwillig die Liste in seine Hände, welche er zuvor an seiner weißen Schürze abgewischt hatte. Dann überblickt: er die darin verzeichneten Namen und die daneben geschriebenen Ziffern.
K?W?PRPW wr Im y v 1 9 1 1 v OMilwÄm ""jrnf y-'Tt 'V'i'V y ftfp IM' X':' Ha, ha, nu' seh' mal Einer blos den Menschen an," sagte er mit höhnischem Mundverziehen. Hat selbst kaum etwas zu beißen und zu brechen und zeichnet hier zwei ganze Dollars. Ha, wissen Sie, mein Lieber, das wol len wir uns lieber verkneifen. Dafür haben wir uns nicht alle diese Jahre gequält, um unser Geld so mir nichts, dir nichts zu verplempern. Was brauchen die Rangen eine Besserung? So 'was hab' ich in meiner " Er unterbrach sich schnell und reichte dem enttäuscht dreinschauenden Manne die Liste wieder zurück. Na, was stehen Sie noch da, ich habe Ihnen doch meine Meinung gesagt," fuhr er barsch auf, als der Collecteur noch immer dastand und sich nicht entschließen konnte, fortzugehen. ' Aber, Herr Behrens, Sie werden mich doch nicht so fortschicken? Wenn Sie nichts für uns thun wollen, wohin soll ich mich dann wenden?" Gehen Sie doch zu Leuten, die dafür etwas übrig haben, ich gehöre nicht zu Denen!" antwortete er schnell. Seine Frau aber, welche der ganzen Verhandlung mit sichtlicher Unruhe gelauscht hatte, bog sich jetzt vor und rief ihrem Manne zu: Aber, Joe, thue doch nicht so, als ob Du hartherzig wärst! Kommen Sie nur her, lieber Mann und geben Sie mir Ihre Liste!" Und während sie ihren Namen eintrug und eine angemessene Summe einzeichnete, murrte ihr Mann: Natürlich. Ihr Frauen laßt Euch immer breit schlagen, zumal wenn Kinder dabei im Spiele sind. Na, mir kann's ja recht sein! Was bekommen Sie. Frau Nachbarin?" Dabei wandte er sich an eine ungeduldig wartende Kundin, die den Flei-. scher nicht gerade sehr freundlich rnu sterte. Als die Ehegatten später beimAbendbrot zusammensaßen und dem reichlich aufgetragenen Essen zusprachen, begann Fr.au Maggie wieder von jenem Vorfall im Laden zu sprechen und sagte: Ich weiß gar nicht, Joe, wofür Du so schrecklich haushälterisch mit all' unserem Gelde umgehst? Wir haben kein Kind und kein Kegel, und doch sparst Du eifriger als je. Außerdem bringst Du Dich in dummes Gerede bei den Leuten. Der Mann hatte ganz Recht, wenn wir nicht geben wollen, wer soll es dann schließlich? Du solltest Dich freuen, daß Du geben kannst, und zumal für einen so schönen Zweck!" Ihr Mann lachte kurz auf und erwiderte: Nun hör' mir aber auf. Maggie. sonst muß ich denken, daß an Dir 'ein Prediger verdorben ist. So ein schöner Zweck? Wer hat mir. als ich ein dumnler Junge war, zu Weihnachten bescheert? Das kenne ich gar nicht!" So?" erwiderte die Frau, ihn fragend anschauend, und hast Du mir nicht oft genug an Weihnachtstagen erzählt, daß Du die Liebe nicht vergessen kannst, mit welcher die Vastorin in Eurem Dorfe Dich und andere Knaben am heiligen Abend mit Nüssen und Aepfeln beschenkt hat? Siehst Du, jene Freude, die Dir damals als armer Junge bereitet wurde, lebt noch immer in Deinem Herzen fort, und Du schiltst und wetterst, wenn es heißt, jetzt anderen armen Kindern die nämliche Freude zu schaffen! Joe. ich werde manchmal ganz irre an Dir. So gut und lieb Du zu mir bist, so wenig freundlich zeigst Du Dich fremden Leuten, und besonders für die Armen hast Du kein Herz!" Joe sah seine Frau halb verdutzt an. So hatte sie noch nie zu ihm gesprochen. Und ehe er Zeit finden konnte, eine Erwiderung hervorzubringen, fuhr sie, ernster werdend, fort: Ja. Joe, ich habe es lange mit mir herumgetragen, Dir das zu sagen, denn ich habe schwer unter Deiner Hartherzigkeit gelitten. Ich hab: mich oft nach der Ursache darüber gefragt und ich denke, wenn der lieb: Herrgott uns ein Kind geschenkt hätte, dann wäre Vieles anders geworden, und Du auch!" Maggie brach hier in Thränen aus, und die'geheime Wunde ihres Herzens, welche nicht vernarben wollte, brach von Neuem auf. Joe kraut! verlegen in den Haaren, stand kopfschüttelnd vom Tische auf und ging zu seiner Frau. Ja. liebe Alte." sagte er herzlich, das hilft ja nun nichts! Darüber solltest Du Dich nun endlich getröstet haben. Es thut mir ja herzlich um Dich leb, denn Du wärest eine prächtig: Mutter geworden! Aber, was nicht ist. ist Nicht!" Damit schritt er zu einem bequemen Schaukelstuhl und zündete sich eine Eigarre an. Frau Maggie wischte sich die Thränen ab und machte sich mii dem Abräumen des Tisches mit vielem Geräusche geschäftig. Als der Zeiger der Uhr halb 8 zeigte, wurde Joe un.
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rubig. Er stand auf, zog sich einen besseren Rock an, steckte ein sauberes Taschentuch zu sich, kämmte und bürstete sich das Haar zurecht, griff zu Hut und Stock und dem warmgefütterten Winterrock und empfahl sich von seiner Frau. Schon wieder eine Sitzung?" fragt: diese mit schlecht verhehltem Unmuthe. Ich möchte wissen, was Du nur an diesen Vereinen gefunden hast; jedenfalls außer nutzloser Arbeit sehr wenig sonst! Aber was nutzt das Reden! Geh' nur! Ich habe mich ohnehin schon an das Alleinsein gewöhnt!" Joe sah nach seiner goldenen Uhr und murmelte: Frau, das verstehst Du nicht! Heute muß ich hin, wir haben die Ludwig'sche Sache zu discutiren." Und damit zog er seine Schultern hoch und schritt von dannen. So leicht wie sonst schritt er aber doch nicht dem Veremslocale zu. Gedanken, welche nie zuvor seine heitere Ruhe gestört hatten, kreuzten sein Gehirn und ein starkes Unbehagen stieg in seiner Seele auf. Nicht zum ersten Male hatte er gemerkt, wie seine Frau schwer daran trug, daß ihr das Glück, Kinder ihr eigen zu nennen, versagt geblieben war. Aber er hatte sie doch zufrieden mit ihrem Geschick gewähnt und geglaubt, daß ihr der angesammelte Reichthum und die Erfüllung zahlloser kleiner Wünsche vollauf Ersatz für die versagten Mutterfreuden sein sollten. Und nun mußte er erkennen, daß dem nicht so war, und daß sie ihm grollte, daß er seinen Reichthum nicht besser im Interesse Anderer verwandte. Er steckte beide Hände in die Taschen seines Ueberrocks und wanderte, das Haupt tief herabgesenkt, durch die schneebedeckten Straßen. Er empfand nicht die schneidende Kälte und achtete kaum des Weges. Als er sich endlich aus seinem Sinnen herausriß, stand er vor der Eingangsthüre des VersammlungÄocales und sich schnell wieder auf seine Würde als Präsident des Vereins- Frohsinn" besinnend, schritt er mit bedächtigen Schritten die Treppe empor und bot mit einem etwas steifen Kopfnicken und einem ernsten Guten Abend, meine Herren!" den bereits Versammelten seinen Gruß. Nachdem er auf feinem Ehrensitze Platz genommen hatte und die laufenden Geschäfte erledigt waren, sah er erwartungsvoll in die Runde
und sagte: Meine Herren, ehe wir zu den neuen Geschäften übergehen, möchte ich als Präsident unseres Vereins zuvor einige Worte an Sie richten. Sie Alle' wissen, daß wir auf schreckliche Weise ein tüchtiges Mitglied verloren haben, und in welch' traurige Lage sein einziges Kind dadurch gekommen ist. Es muß etwas vom Verein aus geschehen! Daß wir Alle in corpore beim Begräbniß erscheinen, versteht sich von selbst. Aber ich denke, daß in Anbetracht der Verhältnisse auch sonst noch etwas geschehen muß. 'Meine Herren, sprechen Sie sich aus." Der Secretär erhob sich zunächst, ein kleines, pfiffig aussehendes Männchen mit einer spitzen rothen Nase und einer Brille darauf. Herr Präsident, meine Herren," begann er, der Verstorbene war ja ein ausgezeichneter Tenor und unserem Verein eine geschätzte Kraft, aber er war an seinem Tode nicht, schuldlos, das sollten Sie bedenken. Daß er gerne eins über den Durst trank, das hat unser Verein oft genug schwer emPfunden, wenn " Der Redner wurde hier von verschiedenen Seiten durch Murren und halblaute Bemerkungen, zur Sache zu reden", unterbrochen. Mein Gotl. meine Herren, ich will ja dem Verstorbenen nichts Uebles nachreden! Ich wäre der Letzte dazu, denn so einen Tenor kriegen wir sobald nicht wieder. Ich wollte nur sagen, daß, wenn Jemand in angeheitertem Zustände auf der falschen Seite der Kabelcar abspringt und dann überfahren und getödtet wird, doch der Verein als solcher " Weiter kam der Redner nicht. Ein Sturm offener Empörung brach los. Mehrere Sangcsbrüder erhoben sich zugleich und baten um das Wort. Der Präsident allein behielt sein: Ruhe, wenngleich es sich auch auf. feinem Ge sichte wie drohendes Ungewitter zusammenzog. Er ließ den Hammer mehrere Male stark auf die Tischplatt: fallen, und als endlich einigermaßen Ruhe eingetreten war, stand er auf und sagte: Meine Herren, der Herr Secretär scheint nicht zu wissen, wie es eigentlich mit dem Sangesbruder Ludwig bestellt war, und was er unserem Verein gewesen ist, sonst hätte er nicht so gesprochen. Leichtsinnig war er wohl, aber das wurde er erst, als ihm seine Frau, die früher in einer Turnhalle Theater spielte, mit einem Lumpen von Kerl davonlief und ihn mit einem säum 3 Monate alten Kinde sitzen ließ. Der Mann verlor seine Häuslichkeit, gab sein Kind in Kost und wurde halt unstät. Doch das wissen Sie ja alles gerade so gut wie ich. Hier handelt es sich jetzt einfach 'darum, was soll mit dem Kinde geschehen? Verwandte hat der Mann keine und Vermögen ist auch nicht da. Wollen wir das Kind in 's Waisen- oder Armenhaus wandern lassen? Ich denke, das sollte nicht geschehen, so lange wir noch hier sind. Die Frau, welche das Kind in Kost gehabt hat. wird sogleich mit dem Kinde hier erscheinen, um sich Bescheid zu holen. ob wir für die weitere Erhaltung des Kindes Sorge tragen wollen ode? nicht!" Der Finanzsecretär stand jetzt aaf, kramte in seinen Papieren herum und wollte eben die finanziellen Verhältnisse des Vereins beleuchten, als an der Thür geklopft wurde. Auf das laute Herein" des Präsidenten trat eine robust aussehende Frau ein, die ein Kind von etwa zwei Jabren an der Hand führte. Und waö für ein Kind! Aus
dem dicken Shawl, den sie behutsam noch um sein Mützchen geschlungen hatte, schauten ein paar prächtige dunkle Kinderaugen heraus und starrten verwundert die vielen fremden Männer an. Dann klammerte es sich mit seinen Händchen an den Rock der Frau, die
es liebevoll streichelte und auf den Arm hob. Der Präsident wies ihr einen Platz in der Nahe jemes Stuhles an und sagte kurz: Das ist die Frau, von der ich eben gesprochen habe, meine Herren!" Die Frau nahm darauf unaufgefordert das Wort und erzählte in fortlaufender schnelle? Rede.' wie lieb ihr das Kind geworden, fast wie ihr eigenes, wie gut es sei und wie nur ihre eigene Noth sie hindere, es ganz an Kindesstatt anzunehmen. An Kindesstatt! Das Wort traf den Fleischermeister wie ein Donnerstrahl. Heiß stieg es in ihm auf und sein Gesicht färbte sich fast dunkelroth. Wenn er der Präsident des Frohsinn" das wäre eine schöne That und seine Maggie wi: würd: sie ihm dankbar sein und ihre Sehnsucht gestillt werden " Mit zitternden Knien stand er auf, räusperte sich in ganz ungewohnter Weise, spielte nervös mit dem Hammer und suchte nach den passenden Worten. Endlich reckte er sich in die Höhe und sagte, indem er dem Finanzsecretär ziemlich barsch das aufgeschlagene Eassabuch zuschlug: Lassen Sie man alles Nachrechnen sein; ich werde das Kind allein übernehmen. Frau Richter, packen Sie den kleinen Kerk wieder hübsch feste ein und gehen Sie mit mir nach meinem Hause. Meine Herren, ich erkläre die Sitzung für geschlossen!" Das war ein Durcheinanderrufen und Schreien und Alle stürmten auf Behrens ein und schüttelten ihm die Hände. Dieser aber machte sich schnell frei, stülpte seinen Hut auf den Kopf und schritt wieder, ganz Würde, die Treppe hinab, gefolgt von Frau Richter und dem kleinen Jungen. Die Scene, welche sich im Hause des Fleischers abspielte, läßt sich eher ausdenken als beschreiben. Als der erste Schreck und das erste Erstaunen vorüber waren, und die glückselige Maggie den Kleinen auf ihrem Schooße hatte, fragte sie ihn im süßesten Schmeicheltone: " Wie heiß! Du, mein Kleiner?" Der kleine blonde Krauskopf schlug seine blauen Augen groß zu ihr empor und als er in die hellen, freundlichen Augen Maggies schaute, da verlor er plötzlich seine Scheu und antwortete zutraulich: Otto!" Maggie wurden die Augen feucht. Gerade wie mein seiger Vater," rief sie. Joe. wir behalten das liebe Kind, wir wollen es als ein Geschenk des Himmels ansehen, als die beste Gabe, die uns zum Weihnachsfeste bescheert werden konnte. Sieh, jetzt kann ich's Dir ja sagen: Solch' ein kleines Wesen, für das ich sorgen und bangen kann, das ich lieben und behüten kann, das hat mir gefehlt. Und Dir auch! Ja, ja. Joe. so ist es! Komm. Joe. laß mir das Kind. Ich bitte Dich herzlich darum, schenke es mir zum lieben Weihnachtsfest!" Joe sagte nichts, fondern gab gerührt seiner Frau die Hand. Dann schritt er an's Fenster und schaute in die klare Sternennacht hinaus. Und als er die Sterne so hell funkeln und den Schein des Mondes auf der Schneelandschaft schimmern sah, da hatte er Mühe, seine Oussteigenden Thränen zurllckzudrängen. Etwas schien da innen in seinem Herzen vorzugehen, das ihm neu und unbekannt war. Es weitete und weitete sich und warm flieg es daraus empor. Die starre Rinde, welche seine Selbstsucht um alle Regunzen seines Herzens gelegt hatte, schien zu schmelen, und er fühlt: sich besser und glücklickier wie je und als er nach einiger Zeit wieder zu seiner Frau trat, welche zanz entzückt das inzwischen zur Ruhe gebrachte und süß schlummernde Kind betrachtete, umschlang er sie zärtlich und sagte: Gelt Maggie, wir wollen gut Vater und Mutter an dem Kinde sein. Wir behalten es!" Darum. Gattin: Hör m&, Rail, es wäre mir angenehm, wenn Du Deinen Hausknecht heute ein bis hen anschnautztest. Gatte: Aber zzarum denn, ich bin ja mit dem Menschen ganz zufrieden. Gattin: Ja, -a, er soll aber heute Teppiche klopfen, und wenn er wüthend ist sa schlägt er besser zu!
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zvo ist der Zricde? Die Weihnachtsglocken ertönen und läuten das Fest der Feste ein! Die Herzen und Kerzen sollen aufflammen und Liebe und Friede ihren Siegeszug halten durch die Welt. Zwischen Tannenduft und strahlendem Christbäumzauber soll er ertönen, der weihevolle, trostreiche Engelsgruß: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede'auf Erden!" Und Friede auf Erden!" Ja, wo ist dieser Friede für die armen, verzweifelnden Menschenherzen? Wo der Friede für die Hungernden und Frierenden, für die Kranken und Obdachlosen? Wo die friedlich: Linderung des allgemeinen, großen Elends, welches seit Jahren nicht solch schrecklich traurige Gestalt angenommen, als gerade jetzt? Wo bleibt die Befreiung und Erlösung der Armen, die sich in ihrem furchtbaren Elend auflehnen möchten gegen göttliche Fügungen und Heimsuchungen? Es ist unendlich schwer, das Vertrauen auf eine gütig: Vorsehung, auf die Liebe der Mitmenschen zu bewahren.wenn weöer die Einen noch die Anderen Mittel und Wege finden. Noth, Elend, Hunger. Krankheit. Kälte und Kummer von den armen Menschenkindcrn fernzuhalten, und v:rbittert werden sie der Verzweiflung in die Arme aetrieben. Drum laßt uns versuchen, dies zu verhindern, wo wir können, laßt uns die Roth und Armuth bekämpfen um uns her! Wenn Jeder Etwas thut, Jeder einen Theil des Ueberflusses vom eiqenen Herde für die Bedürftigen aufspart, wenn Jeder die Frierenden bekleiden die Hungernden sättigen, die Obdachlosen schützen hilft, dann erfüllt er seine heilige Pflicht gegen die leidende Menschheit. Niemals mehr als in diesen Festtaqen haben wir reichlich Gelegenheit, wahres Mitleid, wahre Liebe zu bethätigen. Glück und Frieden zu säen bei Unglücklichen undFriedlosen. Wenn wir daran denken, wie unzählige bekümmerte Herzen, vergrämte Gesichter, tbränenumflorte Augen in die dunkle, traurig-öde, kalte Nacht hinausstarren, ohne einen Stern der Hoffnung, dann vermögen wir selbst kaum mehr des heiligen Abends wahrhaft froh zu werden. In den Klang der Festglocken mischt sich das Stöhnen der Hungernden. in den Schimmer der Kerzen die Thränen der Unglücklichen.in den Duft der Tannen das schaudernde Zittern der Frierenden. Es gibt jetzt nur einen Weg. der uns selbst dazu führt, glücklich zu sein und Frieden zu finden, wenn wir versuchen, auch Andere qlücklich zu machen u.id ihnen den ersehnten Frieden sürKörper und Seele mit unseren eigenen Händen zu bringen. vergebliche ittüljc.
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RL . iStwu. Sunggesellen.Meillnachten. -?tZ i' " V" ? rtir k 7, M HP D t ? T räum verjüngen FrLZ. Saust vom Ampelschein umflossen. Lieat sie still in süßem Traum Ihre Augen fest geschlossen, Selbst ihr Athmen hör' ich kaum, Ihre zarten, weißen Hände Nsch gefaltet zum Gebet Süt'ges Schicksal, gib und spende Mes. was sie fromm erfleht! Aus den Rosenlippen schweben Leise Worte still empor, öochentzückt mit süßem Beben Neiae lauschend ich mein Ohr. Denkst Du mein. Du Maienblüihe? Lauter spricht sie ich versteh': .Ach. die schönen neuen Hüte! Karl, gib mir Dein Portemonnaie!" Scharfblickende, M e n - schen sehen sich am häufigsten in die Lage vttsetzt, ein Auge zudrücken zu müssen. Die Hauptperson. A: Wann verheirathen Sie sich denn? rn . rr 3 t . ijc (Vt.. : .x r
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y . 7 " . tur oeaier oyci vyiiua)uu yc Schneiderin meiner Braut hat sich t-" t m das hübsche Eostüm aus altdarube.r noch nicht entschieden. I 1
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Am Ziciche der Moöe. Bei der Lcctüre unserer heutigen Mittheilungen über geschmackvolle Neuheilen aus dem Reiche der Mode wird die schöne Leserin die Beschreibung mehrerer Toiletten finden, die aus den ersten Ateliers hervorgegangen sind. Da zur Zeit die geselligen Freuden, Bälle, Concerte undTheater, en vogue sind, so beginnen wir mit einer Ball toilette. Die aus einem mäßig langen Schlepprock und einer ausgeschnittenen
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wwri Balltoilette aus Atlas. Schnebbentaille bestehende Toilette aus libellenblauem Atlas ist mit gleichfarbigem Atlasband, sowie Guipürespitze und Einsatz garnirt. Ersterer ist in ganzer Läng: mit Tasfetfutter. hinten mit Einlage, innen mit einer ausgeschlageneir Taffetfrisur versehen und mit schräg aufgesetztem Einsatz, sowie Bandschle'ifen garnirt. 'Die Aermel sind aus Taffet, die Puffe-, aus Atlas hergerichtet und die Taille mit einer eingekräusten, etwa fünf Zoll breiten Spitze, sowie Bandschleifen garnirt. Damastcostüm mit SammetHut. Die zweite Abbildung veranschaulicht ein aus rothem, schwarz gemustertem Damast gearbeitetes Eostüm mit passendem Hut aus Sammet. Der oben etwas schmalere Einsatz wird aus rotbem Atlas hergestellt und mit leicht eingekräustem, schwarzem, gepunktetem Seidentüll überdeckt, der am Taillenabschluß durch in gewundenes rothes Sammetband zusammenzuhalten ist. Schleifen aus gleichem Band schmücken die Achseln, sowie die ichmalen Bundchen der halblangen bauschigen Aermel aus Damast; größere Schleifen aus rothem Sammetband sind, mit lang herabhängendenEnden abschließend, an beiden Seiten der Vordertheile, etwas unterhalb des Taillenabfchlusses beststigt. Den mit rothem Sammetband überdeckten Stehkragen ziert vorn ein: Schleife aus schwarzem. Seidentüll. In Uebereinstimmung mit der Toilette ist der kleidsame hübsche Kapotthut mit vuffia arranqirtem. rothem Sammet, sowie vorn mit plissirter schwarzer Svike überdeckt und mit einer höchst! benden schwarzen Straußfeder garnirt. Die schmalen Zoindebander bestehen aus rothem Sammetband. Eheviotkleid. Ein einfaches, aber sehr kleidsames Eostüm stellt die dritte Abbildung dar. D:n glockenförmigen Nock aus weißem Cheviot begrenzt ein faltiger Gürtel von schwarzem Sammet, den vorn an den Seiten zwei Stoffrosetten zieren. Aus Sammet besteht auch die vorn und hinten ausgeboate. mit einem Stehkragen abschließende Passe, welche den oberen Theil der blusenartigen, mit Keulenärmeln verbundenen Taille überdeckt. CostUmauZ Wollenstes f. , -w" rw 1 T3 .'.rrr.', r;..
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rosa Wollenstoff (Figr.r 4). D-sselb: besteht aus einem an den Seiten in
galten geordneten, hinten elngckrausten Rock, sowie einer kurzen Schnebbentame. Letztere lst mit einem saltigen Latz, den ein seitwärts unter eine? Rosette zu schließender gleicher Stehkragen begrenzt, ausgestattet und miederartig mit gefaltetem Wollenstoff überdeckt. Die übrige Garnitur der mit Keulenärmeln verbundenen Taille bildet eine cremefarbene Chenillestickerei. mit welcher auch die Patten vorn zu beiden Seiten verziert sind. Ferdinand Lcssepö. In dem hohen Alter von 89 Jahren hat der Erbauer des Suez-Canals, Zerdinand Comte de Lesseps, der Natur den letzten Tribut bezahlt. Ein Leben von seltenen Jnhaltsreichthum, voll rastlosen Schafscsdranges und unermüdlicher Energie ist mit seinem Tode zum Abschluß gekommen. Rächdem er in 10 Jahren rastloser Arbeit den Suez-Canal. dessen Eröffnung unter fabelhaftem Pomp stattfand, vollendet hatte, wurde er mit Ehrenbezeugungcn überhäuft. Seit 1880 arbeitete er an dem Panama-Canal, welches Unternehmen in Folge der ungeheuerlichsten Betrügereien scheiterte. Bürgerlich entehrt, verantwortlich für den Ruin von Zehntausenden von Familien, körperlich und geistig ein trübseliges Wrack: dies war die letzte Leöensphase des einst Vergötterten. w:lch:n das Schicksal mit Gunstbczeugungen überhäuft hatte. , E r s u n g e n. In der sächsischen Schweiz steht en altes Schloß, herfallen und ohne Thore, Dort Hausie en Ridder mit seinem Gemahl Un 'ner Dochter de? Leonore. Die kzadde Sie einst en Verhältniß gehabt Mit ee'm jingeren Minnesänger. Der eemol gam zu Besuch uf's Schloß, Dann öfter und blieb immer länger. Un als d'ruf der Alte gemerkt die Geschicht'. Da that's ihn nadiehrlich verdrießen. Er ließ den verwegenen Sänger in'n Dhorm. In de Gammer die Dochter schließen. Doch hat alles Miethen ihm gor nicht genitzt. De Zwee ham sich dennoch errungen: Denn se hädden ihn sonst mit dem TroubadourMisere zu Schanden gesungen! ErsteObliegenheit. Jl r.r t " ' I ri wrfYri? J' - .j. v'-' I yi. l U W Hausherr: Also. Sie sind das neu: Stubenmädchen; hat Ihnen auch meine Frau die Hauptobliegenheit gesagt?" Stubenmädchen: Ja,' ich soll gnädigem Herrn stets aus dem Wege ge h:n!" , Ein für allemal. Frau ibaßlich): Du hast kein Herz. So lange ich Dich jetzt kenne, hbe ich nock, nie einen Akt der Wohlthätigkeit bei Dir bemerkt! Mann: So , ich meine, das wär' doch für meiner Leb!aa' Wohlthätigkeit genug, daß ichDich ceheirathet bab! Ein ominöses Wort. Mutter: Ein ordentliches Mädchen läuft nicht den ganzen Tag auf der Straße herum und von eine? Visite in die andere, sondern bleibt hübsch zu Hause bei der Arbeit sitzen. Toch ter: Sprich lieber so etwas garnicht aus. Mutter. arbeiten will ich ja aber sitzen bleiben um keinen PreiZi
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