Indiana Tribüne, Volume 18, Number 96, Indianapolis, Marion County, 23 December 1894 — Page 3

SSUMi ttt Genie der Tlmt. von rnfl Ziemiu. (4. Fortsetzung.) VI. PAI3 Marenholz mit Asta das marmsrgeschmückte Vestibül des Hauses in fcer Köiiigin-Augustastraße betrat, wohin Franz sie geleitet hatte, der nun freilich auf Astas Wunsch draußen bleiben mufjte, war weder der Portier Äa, noch seine Frau ein kleinesMädcken öffnete, wollte sich dem Eindringen der schönen Dame und des Ossi .iers in ihre niedrige Parterrewohnung scbüKrn widersetzen, wagte es aber nicht recht und ließ sie zögernd eintreten. . Wo ist die Dame, die Deine Eltern beute morgen bei sich aufgenommen Iaben?" fragte Asta. Drinrn im Zimmer Mutter Tjat den Schlüssel abgezogen und auf's Spind gelegt. Vater ist noch mal auf die Polizei. Heute Abend soll der Leichenwagen kommen!" Joseph, reichen Sie mir denScklüslel herunter!" wandt: sich Asta zu Ma??nholz, der in unbeschreiblicher Gemüthsverfassung dabei stand. .' Er sah sie nicht an sie sprach thm Ho, ohne ihm in's Gesicht zu sehen. ! Mit fast automatischer Bewegung "reckte er den Arm aus, tastete auf dem liebnernenSpind herm und nahm den Schlüssel. . Da, Kind!" Asta gab der Kleinen inen Thaler. Für Deine Sparkasse. Dein Vater soll uns nicht stören, wenn er inzwischen wiederkommt!" Wie ihre Stimme klang, so be-berrscht-bang, so erwartung-voll-be-bend. I Sie traten ein. ' Das kleine Zimmer war von den Bäumen des Kanals beschattet und Zag in einem grünen Halbdunkel. t Es war eine eign: Stille darin. Die iickende Uhr hatte man angehalten. 'Durcb den oberen Halbflügel des Doppelfensters, den man angelehnt hatte, kam über den kleinen Vorgarten her gedämpft ein wenig von dem StraHengeräusch wie aus der Ferne herein, dann und wann das Rollen einer EquiPage mit Gummiröern, ein leichtes Schurren von den Steinkohlen, die vor dem Nachbarhause abgeladen waren, der Schritt eines Passanten, auch wobl der Nuf eines spielenden Kindes und ein wenig Zwitschern der Spatzen. .In der Wohnung des bohen Parterres wurde Klavier gespielt. Aber nicht rauschend, sondern eigenthümlich weich, ein Kundiger übte an Beethovens Mondscheinsonate und spielte den er!s:en Satz immer und immer wieder, fast ohne jedes Forte. j Und da auf dem fichtenen Ausziehtisch mit seinen geöffneten Klapven, da ruhte der schöne Körper langhingestreckt. wie eine Figur auf einem Sarkophag ihr eignes Taschentuch mit dem goldgestickten Mono.zramm war leicht über das Antlitz gebreitet eine Schlummerrolle hatte man unter das mäÄtig-öolle bläulichschwarze Haar geschoben; vorn über der Ärust war Kleid und Korsett geöffnet gewesen das Kleid hatte man schlecht wieder geschlossen die Stangen des nicht wieder eingehakten Korsetts bildeten unter dem feinen Stoff stumpfe .Winkel. Marenholz blieb an der Thür lsta trat langsam vor. .' Immer wieder kam in das stille 'Zimmer von oben das gedämpfte leife Eis-Moll der so edle Schmerz, das l?ehe sanfte Aufschringen der großen Seele, die an Giulia Guicciradi denkt. Armes Weib! Und ich kenne Dein .Leio ich weiß, woran Du starbst!" I Den Mann an der Thür überlief's. Du liebtest!" ging des Mädchens leise Rede weiter, so leise, daß Marenholz sie gerade noch verstand. Alle, die wir lieben, sind wir Schwestern. Und alle Schwestern sterben wir an unsrer Sliebcl" Nein!" sagte sie plötzlch in lautem Flüstertöne. Joseph, mein Joseph!" Sie wendete sich hastig zu dem harrenien Manne um und warf beide Arme gegen ihn vor. Ich will nicht sterben 'an meiner Liebe zu Dir ich will nickt liegen müssen, wie diese hier Joseph, komm, nimm meine Hand, schwöre mir. Du willst mich nicht tödten, wie diese hier getödtet worden ist!" Ihre Augen brannten in einem seit samen Feuer tiefer Seelnangst sie brannten dem Manne bis in's Herz. Er trat rasch, mit unhörbaren Schritten zu ihr heran ergriff ihre beiden Hände, drückte sie herzlich, und sie las in seinen voll auf sie gerichteten Augen, daß in diesem Augenblicke au? -Qualen der wahrhafte leidenschaftliche Wille in ihm aufsprang, sie glücklich zu machen, alles auf Erden ihrem Glücke "nachzusetzen. Schwöre mir, Joe, schwöre mir. Du liebst mich ich soll nicht unglücklich werden, wie diese!" Asta," flüsterte er bitt.end. theure 'Asta. errege Dich nicht so!" Scbwöre mir ich soll nicht unglücklich werden durch Deine Liebe, schwöre, Du willst alles thun, daß ich .nicht unglücklich werde durch Dick)! Sie standen dicht neben dem Körper ider Todten, fast streifte Joseph ihr ?)erabhangendes Kleid wie ein Riß ;ing vlotzllch das Andenken des qro tv. Schmerzes, des großenEdelmuthes, den diese Todte da am gestrigen Abend ,chm gezeigt, durch ihn, und das Anden ken des Schwurs, den er gestern Abend sich selbir geleistet hatte. schwör? Dir's, Asta, ich schwöre Dir's, mein einziges LieM" flüsterte r. wollte sie zu sich heranz:hen da warf sie sich ihm bereits aufschluchzend in seine Arme. AchJoe, ach Joe," raunte sie, .welch

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fürchterliche? Verdacht hat mich diese letzte Stunde geplagt ich, ich fürchtete, diese Arme sei um Deinetwillen

in den -iod gegangen ' Sie unterbrach fick und richtete sick jäh auf sie hatte das plötzliche Be. ' I ' I den qelühlt, das durch fernen Körper ' . "7i r i aeaanaen roar. I Sie sah ihm starr in die Auaen. boa

ibren Oberkörper weiter und weiter von Bnefkouvert mit der Adresse eines hieihm ab sein Blick bemühte sich, fest stgen jungen Offiziers" hatte jemand zu bleiben sie aber erkannte dies das kleine Buchdruckerzeichen, das man

Bemüöen an derStarrb?it seiner Lider, Da un sie sick, vlöklick los und scklua die Hände vor's Gesicht. Eine Pause entstand, in der man nur ihr kastiaes unterdrücktes Aibmen frört?, das Zwitschern der kleinen Vögel im Liub draußen und die sanften leisen Triolen des edlen Schmerzenslledei über ihnen. ?ZÄ will Klarheit haben." saate da

Asta hart und nahm die Hände wieder as mutz tm gewandter Ehraoron ihremAntlitz, erschrak aber vor dem schneide? sein, der auf dieses Mittelchen ' ' . rfV AM L. W rf" f rf" -mr

rücksichtslosen Ton ihrer Stimme und - J I fuhr leijer fort: Joseph wir haben uns ve:loot, wie sie alle sich v:r!oven. Jedes von uns beiden wollte sich verheiratüen wir wählten einander. Und 1 I Greifen und Lieschen, das gane hei- ' ' ' I lige Mysterium der Liebe zu empfanden, tenn es nch verlobt, und aibt sick, wobl selbst einen Stoß, wenn es trotzdem merkt, datz es innerlich eigentlich kühl bleibt. Diese allgemeine Heuchelei will ich nicht mitmachen. ich lüge Dir nicht, ich habe Dich gewählt, weil Du dasAussehen einer schönen, stolzen und vornehmen Natur hattest. Dann aber" sie schlug die Augen in leichter Verwirrunz zu Voden, erröthete und sah ihn gleich wieder mit eine!N tiefen, brennenden Blick an. habe ich Dich wirklich lieb-.n gelernt, habe gelernt, eifersüchtig auf Dich zu )tin, Dein Kommen Mit Sehnsucht und Herzklopfen zu erwar- ! ten. Dir zu grollen, sprachst Du mit einem andern, nicht mit mir, wenn Du I rci uns warst; Joseph, jetzt ueoe ich Dich seit gestern, seit heute höre, ich liebe Dich, merke, was ich damit sage und dab ich nicht das Lieschen und das Gretchen bin! Wenn Du mich jetzt täuschtest, wennDu jetzt, da ich all mein Glück nur auf Dich gesetzt habe, mich verriethest oder verliefest Joseph, ich weiß nicht, ob ich nicht" mit einer heftigen Geste wies sie auf die Todte, und ihre großen, feuchten Augen hingen in flehentlicherAngst an den seinen, Er sah. wie ihre Brust von verhaltenem Schluckizen zuckte. Rasch trat er auf sie zu rasch, aber auf den Zehenspitzen und wollte sie in s?sn? Wrm? f,fiTTir; Sein Gesicht war ehrlich und gut m diesem Augenblick, und eine stolze, innige Rührung schimmerte in seinen Auaen. Allein sie trat bastia ' zurück und

ich meine, wir beide haben den üblichen smvung )u oocy: Dann ste war in Glücksrausch darüber gehabt, daß unsre ciner ganz besonders glücklichen StimWabl Zusammenfiel. Meint dock iedes muna an diesem Spätnachmittag

stand jetzt hinter dem Kopfende der vor sich hin. Ich wollte lieber, ich hatTodten. te mit ihr gebrochen hätte alles geEöen nun. wie ich Dir aeitand. wel- standen, auf jede Gefahr hin! ?!un. es

ches Phantom mich seit Nachmittag "11 l c . L ' rr r I cuau uno )ir oaoel m oie viuaen lao. da acb. ich fürchte, ich sehe zu scharf, zu gut. ich " Ein Schluchzen trat in ihre. Kehle und hinderte sie am Weitersprechen. Dann mit einemmal ward sie ganz talt und still. Nein, Klarheit vor allem! Und es kann rn nicht sein, es zer- I bräche ja mein ganzes Leben" sie I deckte lelse das Taschentuch vom Anaesieht der Todten Joseph. meinVerlooter, mein Liebster, sieh diese Frau an kanntest Du sie?" ' ' , Ja!" sagte er nach dem Zögern ei-. ner Sekunde, fejt und ehrlich. Liebte sie Dich?" Er verfärbte sich und zuckte die Achiem. Was wem ich? sagte er dann hart, mit mühsam gefestigter Stimme, i r ,t r u I toici) ne an: , i Er richtete einen raschen, finsteren ! Blick auf die Züge der Todten und sah dann wieder mit unsicherer Frage sei--1 ner Verlobten in die Augen. ' Hast Du sie geliebt?" fragte sie welier, leise und zögernd. I

Asta! rief er laut und dann: er hatte einen geflügelten Genius geNein, nein, nein! Aber was soll sendet, den kleinen, aus der Mooe oe-

dies ganz Verhör?" setzte er hinzu, I Du hast Mir so ein seliges Gettandnid I gemacht voryin nun yore 2a auch I Mich " Nur noch eine Frage!" das kam ängstlich und bittend von ihren Lippen, ,.Jch bin em so thörichtes Madchen, Geliebter, aber mich quält nun einmal .' 7. . rn ri . rr c , oicjc vllilliiie uticuung, uno vjf yugie deutlich. Du nein, nein, das kann r.: 0t. C-. .?vn n . ja NIL,)! cin. udzi oocq, Ivilln ai len Spuk mit einem Schlage aus meiner eele oannen, willst w mich mit einem Worte aus all meiner Angst rei-' tzen, Mi? die volle Sicherheit wieder geben, daß kein Schatten zwischen unssteht daß ich keine Furcht vor der ZuSU t vraucye, oa wi it oav wiuu, vle a:ic0c, mz reue sinoen weroe vann .versichere mir auf Deine Ehre, daß zwischen D:r und der Aermsten hier nichts - bestanden käm M 3 il A A MM A 1 MM - M M M, M, M, M. i,auc, luua ic in iicni iraungcn Du erschrickst, Joseph?" cvji rjt rje.nu ri. .p.r. cnccac rnci: iagie er rasa? u jiuuuiiu rni uu ü-ianj mV' Wh rin nia?" "X. L v Z?2- . . . jja iug )iC m i einen armen mu einem Ton. der, wenn er laut geworden wäre, ein Jubelschrei gewesen wäre sie druckte ihr Antlitz vor Freude weinend gegen seine Brust, sie preßte sich so fest und innig an ihn. daß er nahezu am 'lymen- geylnoerr war. n , Und daneden lag stumm und regungslos die Todte. Am Svätnackmittaa desselben Tages erhielt Asta das Abendblatt der 3eüu vnnrin die erste Nachricht rtn bm sensationellen Selbstmorde der f rm "Fr i f i rau von Ä)., vervssenliiql woroen-

War, unter Kreuzband noch :n einem

ondern Eremplare zugesandt. DttleZ Exemplar unterschied sich, als Asta es auseinanderfaltete, von dem. cus tem Fritz: Vorgele en hatte, durch einen kleinen Zusatz. or t t. rm , n eom oen vortut: IN iyrem Zimrrr r. jf. . m.u! :xi) iuu uui VVI! Aapizizn mujia uuiuc funden haben, als ein umfangreiches tm Sternchen nennt, geklebt. Das Zen chen war von geübter Hand sauber aus Zeitungsdruck ausgeschnitten, ein- gleiMes slernqen war un:en am unc ver Spalte, ebenso sauber anderswo ausgeschnitten und hier aufgeklebt, daneben in gleich:? Weise die Buchstaben o v. M Asta sah befrenidet auf diese anoyme Denunziation. versaul, oa2)re. )it du ,,o lann f -f c r ? ä. . c p i . er ,tfn me ourcy terne anoicyrifl verraiyen, wenn iq jemano o:e cuye ga be, ihm nachzuformen!Ein wenig unbehaglich summte die L f L t m dann ging sie mit dem Blatt in ihr y r t i r -i aszimmer, zunoere eine Zttrze on und verbrannte es über dem OfenVorsetzer, trat auch einmal mit dem Fuß in die verfallende Asche, ch habe sein Ehrenwort!" sagte s sich. .Das ist etwaö. wogegen alle Verleumder der ganzen Welt nicht aufkommen, mögen sie nun schreiben und laziaen, was n: wouen. Marenholz war an diesem Tage nicht lange mehr in der Villa gewesen. Er hatte eine unaufschiebbare Verab redung mit Kameraden vorgeschützt und sich bald entfernt. In unbeschreiblicher Stimmuna schlenderte er durch den Thiergarten nach der Stadt. -s var nicht zu vermeiden war nicht zu vermeiden !" sagte er sich wieder und wieder, glaubte sich aber selbst nicht. Er begegnete seinem alten Oberstlieutenant von Ostley, einem Freunde seines Vaters. Seltsam es war ihm geradezu unangenehm, mit dem biederen Graubart zu gehen, Kameraden zu grüßen. Honneurs anzunehmen w'e er nach Hause kam. hatte er nichts Eiligeres zu thun, als die Uniform ausZuziehen, Dann stand er lange stumm am Fenster, sab auf die wenigen Passanten stillen Straße hinunter, bis die Laternen anzezündet wurden. Is er sich wieder in's Zimmer wendete, hatte er ein eigenthümlich steinerues Gesicht. JÄ habe ihrem Glück meine Ehre Zum Opfer gebracht!" sagte er tonlos ist gethan! Was nun kommen wird V Vwa.Ci1?" 'b Dann setzte er sich hin und kam um semen Abich.ed ctn. VII. Graf Breying war de in vucioiiin - fZ3 .... ? 3 se!ner Wette noch nicht völlig sicher. Vierzehn Tage waren bereits verrlossen noch standen ihm die Thüren seines Schwiegervaters, vielmehr des ah nungslosen Mannes und Hausbesitzers, cen er dazu auserkoren, keineswegs offen. Er war ohne eine Einladung abzuwarten, wder dagewesen, an der Thür empfangen und von der biederen Thereze mit einem so geläufigen d Herr ist nicht zu sprechen ist geraoe stark beschäftigt" abgewiesen wor'den, daß ihm klar ward, das Mädchen t r - ' ici so angewiesen. 5llugerweise hatte er da seinen Nückzug vor der Vorderthür angetreten und war durch den Schornstein eingestiegen. Nicht er persönlich da möchte Herr Graaf noch erstauntere Augen gemacht haben, als bei dem Antrittsbesuch" kommenen orientalischen Asmodi, dem bekanntlich die, er ungewöhnliche Weg gelau" ist. Dieser hatte es auch wohl gefügt. daß er bei dem Kommernenrath Anni: zweimal in den vergangenen Wochen I getrosten und gesprochen hatte: und beim zweitenmal hatte er dieErlauonin I t. tu . . , , i nicni geraoe eryaiien, vieimeyr nur mit einem Schein des Rechts an sich I . n . v ' i georacni, lyr zu scyreioen. Und Annie, das Kind der Heiligengeislilrane. oas so vrav und sireng erzogene Mädchen, hatte nun ihren lltl nen Roman. Mit lieblich errötbenden Wanzen mx sie an dem Schalter gewesen, rechts ini Hauptpostgebäie. Königsstrabe, wo, die postlagernden Sachen ausaelie werden nicht ohne an der Schwelle dieses verfänglicken Dienstumes, ihre Musikmappe in derHand, M, i scknZitern nhnnt nirb nnnxtri au Ki un Uns katte scklienlick nnn wm I 1 r dienstthuenden Beamten den unter . : C 225" eingelaufenen 3? n geschoben velommen. Herz klopste - gegen den bra1 - - r . . i ven rkesmar:ensaMlnzizr an lqrer I Seite, der ein Inserat mit cingeforderten Zeugnißabschriften und beiae fügte? Rückmarke" gemacht, hegt: sie ein entschiedenes Mißtrauen, ob er nicht etwas wie ein Spion wäre scheu und eilends verließ sie den Stephanspalast den -.weiten Ausaans. der NorI - - v . ü ri - " sj faix und war erstaunt, den Mea der Sünde so beauem und hm dernißlos zu finden. Da saß sie nun zu Haus und las den Brief ihres Grafen, als ihr Bruder Jo wnnes unvermuthet in's Zimmer trat und. so unbefangen er von Natur war. l an ihrem betretenen Wesen, der Elle. ' st HfCrtn it W7(i4 r ua iwu 3u vwiuuk

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trachtete, alsbald merkte, daß da Ber I h.nrfy tin 2 hnminft uutivjw ) i) Mit bruderlicher Unzartheit nahm ihr dieser Kandidat der Architektur" ihren Brief fort und Asmodi h-atte seine Sache schlecht gemacht. SSltvx theures, gnädiges Fräulein!" las der junge Verletzer des Briefge heimnisses. Gnädraes Fräulein ist gut!" bemerkte er. .Das sollst Du wohl sein Annie? Allein sein Ton wurde bald ernster, als er fortfuhr: Da ich im Hause Jhrer liebenswürdigen Verwandten nicht Gelegenheit fand, es auszusprechen. was m mir seit zenem Tage, da ich Sie zuerst sah. nachbebt, und da ich diese machtvolle Empfindung nicht verschlafsen und stumm in meinem Herzen bei mir zu tragen vermag, so muß ich sie niederschreiben, für Sie niederfchreiben. damit Sie darum wissen wollen und über den Gang meines Lebens entscheiden. .So rem und schon m Ihrer Jugendblllthe schritten Sie an jenem alucksellaen Tage an meiner feene wir beide mächtig durchpulst, gleich erreat vom Rauscken und Brausen des Genius der Poesie meiner Poesie die andern konnten uns nicht folgen, Leidenschaft, reine Leidenschaft für das Schöne und Wahre beflügelte unfere Füße. Da kam es über meine Lip- ? tJLL . rjc w crn..ifc. xen. iaz wein nicqi, imc uzn dazu gewann, und wußte e?st darum, als ich's gesprochen: Ysnry gueen Annie, wollen wir immer so voranschreiten, weit allen andern voraus, in Sturm und Begeisterung, ein ganzes seliges, stolzes Leben hindurch, den höchsten fielen entgegen, aettugelt, stark, unaufhaltsam? Ich fühlte Ihren weichen Arm in dem meinni be den ich sah Ihre schönen Augen feu?ig aufleuchten zu mir ich ver schweige das süße einsilbige Wort, das Sie freudig und bewußt mir erwiderten. Dann war der herrlichste, berauschendste Augenblick meines Lebens vorüber. Aber nein, nicht vorüber seine mächtige Nachwirkung lebt m mir wie Feuer und Drang jungen Weins sie wird in gleicher bcgeisternder Kraft m mir leben, so lange ick athme nie werde ich dieses stolze, starkeVorwtsstürmen an Ihrem Arm vergessen es soll das Symbol meines ganzen Lebens sein, da es denn eine der großm und echten Empfindungen meiner Seele gewesen ist. Und nun? Glauben Sie, 'daß solch ein Augenblick ohne Folgen für unser beider Leben bleiben kann? Nein! In mein Leben ist an fmem Tage ein schöner, guter und reiner Encel eingetreten; all mein Sehnen undStreben geht seitdem dah:n, diesen festzuhalten, dauernd an meine Seite zu ziehen, zu besitzen! Meine Lippen sind nicht beredt zumal ein Wort, das aus meinem Herzen kommt, will mir nur schwer und ungelenk über die Zunge ich bin ein Mann der Feder und ein wenig Poet so mußte ich Ihnen dies schon mit jener meiner Zunge, der Feder, sagen: Fairy Qneen Annie ich liebe Sie!" Dann kam die volle Namensunterschrift: Leonhard Graf Breying. Was ist denn das!" rief Johannes Graaf über alle Maßen erstaunt, als er diesen Brief gelesen, erst laut in der Absicht, ihn in's Komische zu ziehen, dann leiser, ernster, zuletzt ganz für sich und reichte unwillkürlich Annie das Papier wieder hm, Annie antwortete nicht, ließ denKopf sinken ihre Augen fielen von selbst wiederum auf Breyings Zeilen, ihre Hände entfalteten von felbst wiederum den kleinen Bogen sie begann zu lesen schien des Bruders Gegenivart zu vergessen wendete sich, als sie zu Ende gelesen, stille wieder zu ihm um und sagte leise, aber mit heißen Wangen vor sich hm: Was dies ist., Johannes? Das ist die Liebe!" Aber Anrne! sagte er mit offenem Munde. Kind, wös fällt Dir ein? Welcher Unsinn!" Herr Johannes Graaf war ein junger Mann von wenig Worten. Er hatte seines Vaters tüchtige Art geerbt, liebte es aber nicht, sich auszusprechen, und war auch etwas zu schwerfällig dazu. Und zumal, wenn ihn etwas erregte, pflegten sich seine Lippen gänzlich zu schließen das, was vom Grunde des Herzens herausquoll, auszufprechen. erschien ihm als eine Art Unkeuschhelt, wie junge Männer zu sein Pflegen, die feste Ideale haben und deremst. im Leben etwas leisten werden. Um so mehr war tf)m Annie Aeuße rung befremdlich und peinlich. Er legte die Hände auf dem Nucken ineinander und ging im Zimmer auf und ab. Wo wohnt dieser Graf Breying?' fragte er nach einer Pause. Das wem ich nicht! bekannte Annie. Er sah sie scharf an dieses Schäfchen sie weiß es wirklich nicht, weiß nicht einmal, wo er wohnt! Es ist gut! erklart: er uns gmg. Ich habe den Kopf voller Examenarbeiten," fügte er barsch hinzu, als sie rhm m sem Zimmer folgen wollte, um das Gespräch fortzusetzen. Kann mich jetzt um Dein: Dummheiten nicht kümmern!" Als umsichtig?? Mann hatte er sich aber dieEhiffre und denPoststempel. die auf dem Briefumschläge stauden, ge merkt und notirte sie auf in der. Eile am Nande des großen Neißbrettts. aus dem er eoen zeicvneie um sie später mit Bleigummi wieder wegzunehmen und in sein Notizbuch zu übertragen ; Am nächsten Morym erhielt Graf Areyinq ein kurzes, s?hr hosliches, aber sedr bestimmtes Schreiben, worin der Bruder seiner Angebeteten sich jede wei lere Korrcsponixnz mit seiner mrnoren nen Schwester verbat. Breyina empfma dies Schreiben auf seiner Nedakticn, wo er zu? Zeit gerade

sein? auf vierzehn Tage zusammengeschrumpften Lehrjahre abmachte.

Welch ein positiver junger Herr:' dachte er und ersuchte Herrn Graaf junior in einem sehr höflichen Antwort schreiben, in nicht unter die Klasse der dunklen Ehrenmänner zu zählen. iie mit jungen Damen hinter dem Rücken deren Anverwandter Korrespondenzen anknüpfen. Seine Empfindungen für Fräulein Anme Graa waren derart, daß er niemand erlauben dürfte, sie in Zweifel zu ziehen. Nur Äer Eigenart ihres Papas sei es zuzuschreiben, daß er genöthigt gewesen sei. demGlücke semes Lebens aus einem Wege nachzugehen, den eben nur die ganz besonderen Umstände, die hier vorlägen, rechtfertigen oder wenigstens in den Augen großer und freier Tankender entschuldigen könnten. Er verpfände ihm sein Ehrenwort, dan u. f. w. Zuletzt bat er den jungen Herrn Graaf dringend, ihm ein Zusammentreffen, z. B. nn Hause des Herrn Kommerzienraths, zu ermöglichen. Johannes Graaf antwortete ihm noch einmal. Er dürfe in dieser Angelegenheit auch ncht durch sein Schweigen eine Aerantworana irgendwelcher Art übernehmen und müsse den Herrn Grasen Breying, an dessenEhre er appellire. dringend und endgiltig ersuchen, jeden Briefwechsel mit seiner, Schwest einzustellen. Der mnge Architekt glaubte damit die Sache erledigt. Doch kam es anders. Friedlich und ahnungslos saß er am Abend nach dem legten Briefe im Pfungstädterbräu, einen Krug BockAle vor sich, das er je und je für die Krone aller Biere erklärte. Er hatte emen Tag redlicher Arbeit am Brett hinter sich und pflog nun im Behagen des besten Gewissens der Ruhe. Der Kellner hatte ihm eine Zeituna gebracht, allein Herr Johannes liefe diese achtlos neben sich liegen Er liebte es nicht, viele Zeitungen zu lesen daheim die Vossische", die der Papa hielt, sonst keme und seine Auaen waren infolgedessen besser, seine UeberzeBZungen stätiger. als die der meisten seiner Altersgenossen. Nach und nach füllte sich der Saal. Da setzte sich ein junger, sehr eleaan. ter Herr an seinen Tisch, ein Mann von vielleicht sechs- bis siebenundzwanzig Jahren, wohlfrisirt. einen blonden. schön aufgewirbelten Schnurrbart auf der Oberlippe, mit tadelloser leichter Verbeugung, die Züge weich, voll, rosig, de? Mund rund, etwas sinnlich, das Kinn blank irnd energisch. Johannes Graaf konnte mcht saam. daß die Art des .Fremden ihm mißfiel ia, wie es in ferner ruhigeu Natur lag, beobachtete er ihn. Dieser mochte wohl Johannes Blick auf sich fühlen zwei-, dreimal sah er rasch auf. und ihre Augen begegneten sich, bis der junge Architekt die Empfindung hatte, er müsse, nun entweder aufstehen, oder aber ein leichtes Gefpräch beginnen denn er fühlte sich ein wenig im unrecht. Dem andren schien es ebenso' zu ae hen er kam ihm zuvor. Eine hosllche Frage eine ebensol che Antwort; und mit einemmal saßen Johannes Graaf und Leonhard Breying plaudernd beim Kruge Bier emander gegenüber, zunächst ohne sich zu rennen, wie schien. Das Gesprach gerieth trotz aller Vorsicht aus das politische Gebiet. Wo jemand in Deutschland den Deckel des zweitm Schoppens unvorsichtig einmal offen stehen laßt, entsteigt sicher dem braunen Naß unmenlich das Ge spenst politischer Diskussion. Breying schlug mit Kraft und gutem Bedacht den schonen, vollen Akkord deutsch-national an, und es zeigte sich, daß sem Tischgenosse dabei bald warm wurde. Und das Gespräch steigerte sich und steigerte sich vielmehr that Breying sein Bestes, es m die Hohe zu fuhren er war sich bald bewußt geworden, daß er diesen jungen tüchtigen Menschen sich nur zum Bundesgenossen um den Preis aller großen Worte kaufen könne die er t von Besseren über jenes Thema sich angeeignet hatte. Unsre ganze deutsche Welt hat mit nemmal durch dies starke vaterländische Empfinden einen neuen Lebensmhalt, eine neue Liebe, eine neue Religion erhalten. Die verdorrenden Adern vaben sich Mit jungem, schäumendem Blut gefüllt. Ich habe es an Tausenben meines Standes beooachtet, die sruZier nichts kannten, als Bferde. Hunde. Weiber, die keiner Begeisterung mehr -sahig schienen die sind plötzlich andre Menschen geworden, setzen ihr L'eben, ihre Arbeit, alles freudig em für die neue iellevte: Vaterland. Zwie matt schlugen die Pulse unsres Volkes vor fom großen Gewitter und wie voll und warm jetzt! Die Stimmen, die uns eine altgewordene Nation nannten und meinten, unsre Rasse sei am Aus blühen die sind verstumme? denn je der mußte suhlen, daß wir noch em manneskrastiges Volk sind, das seine großen Tage erst erleben wird. Es ist czch keinWiede?Lufflackern.wle es selbst' da? kaiserliche Rom noch einigemal ge habt, denn zu machtig und muhelos, zu gesund und besonnen sind alle diese Regungen unsrer Volksseele, die wir miterleben, d:e m uns als das besk. was uns erfüllt, m'.tvlvriren! Eine neue Religwn sagten Sie?" unterbrach ihn Johannes. Sollte dieser Ausdruck mehr bedeuten, als tint. glücklich: Redewend-eng?" Breying sah ihn einen Augenblick verständnißlos an. Dann fiel ihm ein Gedanke ein, den er von einem der überzeugtesten Träger des nationalen Gedankens, twtm Berliner Zeltungs Herausgeber, gehört und in seiner Schatzkammer aufgespeichert hatte: Ge-wiß. erwiderte er, es sollte keine. Phrase sein! Sehen Sie, alles, was. erstens den Menschen m eme enge Gemüthsbeziehung zu etwas Uebersinli-' rftn ?fn aVnJ43 9Tfftln frit-J

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diger Selbstaufopferung bringt, kann

man tm Religion nennen. In diesem Sinne gibt es für hunderttausend Deutsche, die den Kirchenglauben derloren, heute eine neue Religion die Religion der Liebe zum Vaterlande: die Idee Deutschland über Alles" füllt sie, die sonst vielleicht keine bessere Reaung haben und hätten, aanz aus, läutert und erhebt sie in re?ner Begelsterung, führt sie zu fruchtbringender Arbeit, ja zum Tode für die Ehre unserer Flagge, die iie gerne über alle Inseln der Ferne als Kultmträgerin erhöhen möchten." Herr Johannes saß siumm und blickte aus klaren Augen forschend auf de andern. .Eine merkwürdige Begegnung," dachte er. Wir sitzen hier seit einer knappen Stunde, und der Fremde spricht zu mir von Dingen, die ihn wie mich tief und ernsthaft bewegen, wie zu einem Freunde!" Er selbst hatte das Nicht aethan. Wurde er auch leicht innerlich warm, zumal wenn die Saite Deutschland erklang, so verschloß er das doch stille in sich so war es Sitte zu Haus. Gerade deswegen aber batte eriedesmal, wenn ein andrer zu ihn aus begeistertem Herzen sprach, die Empfindung, als trete ihm da eine edlere und freiere Natur entgegen. Was ihm Breying sagte, war aut vorgetragen die Erziehung auf edle Darstellung seiner selbst ist ein Theil vornehme? Erziehung, deren der Gras nicht ermangelte und die ihm, sobald er wollte, zu Gebote stand. So sah AnNies Bruder eme warme, edle Narur vor sich, die ihm einen bedeutenden Em-" druck machte, da alles, was sie-vor-brachte, aus den besten fremden Gärten gepflückte Blumen waren. Bescheiden ordnete er sich dem Fremden innerlich unter. Eine leise Stimme der Kritik war in ihm allein diese brachte er Mir gutem Worte zur Ruhe: .Kr- nt eben nicht so wie Du man muß auch fremde Art gelten lassen können!"' Als sie aufbrechen wollten, versickerte Breying, ihre Unterhaltung sei ihm ne große Freude gewesen,. und nannte. seinen Ramen. Johannes trat einen Schritt zurück und fragte betreten lächelnd: Herr ras LeonyardBreying? Ich heiße Johannes Graaf habe ich nicht ?" Au Vreyings Augen malte sich ein Staunen, gemischt mit dem Ausdrucke eines leisen Bedauerns. Er las dem Andern den Gedanken vom Gesicht ab. ven dieser nicht aussprechen mochte. V, beeilte er sich zu sage, wie sehr rjc. r n r- v i , , , mj ionji gcmunscyi yalle. lsie kennen zu lernen jetzt muß ich beinahe dem freundlichen Zufalle arollen. der unsre Bekannt chatt vermittelt hat. Denn nun werden Sie vielleicht glauben, ich ,, j ... . . yalte nun wohl, ich hatte dies Zu sammentreffen herbeigeführt! Johannes, nicht gewohnt, höflich zu lügen, sagte nichts sondern lächelte nur einigermaßen gezwungen. Mein verehrter Herr Graaf! fuhr da Breying fort, ein wenig kühl und den Oberkörper leicht zuruckleh nend, ich bitte, thun Sie mir nicht Unrecht! Ich versichere Sie auf meine Khre, ich habe m keiner Weise . es ist mir ungemein peinlich, daß Sie annehmen, unser Zusammentreffen sei vorbereitet gewesen! Auf meme Ehre" Graf Breying versicherte auf feine Ehre" er habe in keiner Weise und es sei ihm peinlich." Das letztere wäre zweifellos richtig. Es war ihm peinlich. Und das erstere er hätte in keiner Weise das war eine geschickte Apokope- da mit hatte er ans seine Ehre gar- nichts versichert, und der andre konnte doch glauben, es sei etwas versichert worden. Für den gut studentisch gewohnten rungen Architekten war eme Streitfrage ebenso endgiltig geklart, wenn em Eh renwort abgegeben war. wie wenn das Reichsgericht sie entschieden gegen em Ehrenwort gab es für ihn kein anulken. In dem Augenblicke, da Breying mit diesem heiligen Beweismittel auf den Plan trat, war Johannes, der ein guter Architekt, aber kein Dialektiker war, davon überzeugt, der Zufall spiele bisweilen besonders, ganz besonders. Ja, mehr noch. Er war ein schlechtes. fast frommes Gemüth. Griff einmal m sein Leben ein recht sonderbarer Zu fall ein, entwickelten sich die Dinge einmal recht außerhalb des gewöhnlichen Gekeifes, 10 uoerschllch ihnkdieEmpsm duna. hie? liege nicht Zufall, sondern Fugung vor. Der Zufall, dieseBertrup peiung oes eiienpians, oieier nnorl - VV1 1 . - , L. dentliche Kobold und Affe des Lenkers aller Geschicke, hatte m semem ordentli chen Inneren keinen Platz, ffast sagte er sich m diesem Augenouae: Sieh da. sollte ich also diesem- Manne viel leicht begegnen? Etwa weil ich ihm Unrecht gethan. mitt einem UrtheÄ aus der fferne?" HerrGraaf!. begann Äreying aus 3 neue. 3CD vine tote yerzira?, ia enie A. I f f mich nicht entgelten, was aa guterZu fall, eine Fugung gethan hat nun wir einer des andern Namen kenuen, dürfen wir uns nch nicht trennend Gerade fetzt niussen wir uns trenen!" erwiderte Johanns mit der Sl cherheit des LberleaenM Charakters ..Ich bm fest überzeug!, Sie werden nickt Manschen. Mich in Beziehimgen zu versetze?:, die ich melnsmBater verhum lichen mußte d mein 2ktcr nicht billiczen wurde. Aber Sie sind doch mu?dlg!" sagte Brsyinq heftig. Haben tiztn weiteren Gesichtskreis, als Ihr Herr Vater und Karden mcht das Leberlück zweier Mengen unberechtigten Äorurtheilen zum Opfer bringen ween!" Herr Graf." gab Johannes ruhig zurück, freilich ih?ye ich manch: An schauunqen meines Vaters nicht Also!" unterbrach ihn Breying rasch und streckte ihm mit seinem gewinnendsten .Lächeln die Hand entgegen. (Fortsetzung folgk.)

Ein ZZlumentraum.

Humoreske aus dem Wiener Leben. Der Herr Bureauchef hat von seine? Zrau Urlaub erhalten, das heißt, er darf heute im Kreise der alten freunde speisen, im traulichen Clubzimmer, in dem er als Junggesell: so angenehme Stunden verbracht. Es acht lustig zu, die Becher kreisen, die Pfeifen dampfen, manch altes Lied erllmgt, es wird Mitternacht, die verbeiratheten Mitglieder der Tafelrunde werden an die harrenden Lebensge fährtinnen gemahnt und eilen heimwärts. Der Herr Bureauchef kommt gluckllch nach Hause. Als rücksichtsvoller Ehemann löscht er das Wachskerzchen, mit welchem er sich die Treppe hinaufgeleuchtet, im Vorzimmer aus, streift die Stiefel ab und tritt auf den Socken leife wie das Verhanzniß in das Schlafgemach. Es ist hell erleuchte seine Frau liest bei dir Lampe ein Buch und hat keinen Blick für ihn, keine Antwort auf seinen Gruß. Es ist halb 1 Uhr,- sagte der Bureauchef. Morgen sprechen wir weiter!" antwortete Madame, dreht die Lampe aus und thut als schlafe sie. Der Morgen bricht an, der Herr Vureauchef hat sehr schlecht geschlafen. uzn quält d:e Neug'.erde, was lein: ftrau ihm zu sagen bak. Wem hast Du Sonntag e:n Bauauet geschickt?" .Ich?" Ja, Du!' Du leugnest n?ch? Du ljast Sonntaa am Carolinentaae, ein Vouauet kaufen lassen, und zwar ein setzr schönes, und hast es für eine Ca roline bestimmt!" Aber Mauserl! Du hast geträumt!" Nein! Ich weiß es ganz gewiß. unv wenn Dn willst, stelle ich Dir die Blumenhändlerin! gegenüber. Also ich bin auch betrogen!, sährt sie schluch zzenv fort. Du falscher Mensch. Du! Vnflt 1 rfy Vr ? r(s V ft rnf ll UM VUil Liebesbetheueiungen, Deinen Aufmerksamkeiten zu halten habe! Sie sollen mich ablenken, keinen Verdacht aufkommen lassend Der Engel des Friedens war aus dem Hause gewichen. Die Zvrau aß. obne mit dem Manne ein Wort zu fprechen, sie brachte den Abend nicht :n seinem Zimmer zu. der Bureaucher war nahe daran, lebensüberdrüssiz zu werden.. Zwei Tage waren so verstrichen, crls der alte Diener, der WilHelm, auf ihn zutrat und recht freundlich und gemüthlich sich an den Tischlebnte? Herr Vureauchef. i hätt' Jhna was zu sagn! Es i wol nix Unrecht's, aber mt kann da' ner. wiss'n " Der Vureauchef hörte mit halbem Ohre. Na, was giebt's?" meint: er mürrisch. Na, wissen am Samstag hat mei' Schwester ibr'n Namenstaa 'habt und damit i a recht a schön's Vouguet krieg-, bin 1 zu Jhnerer Blu menhändlerin 'gangen, wissen s, die Bekannte von der Gnädigen, und hab' g'sagt. das- Bouauet ohört für Jhnen! Es is do nir Unrechts!" Mensch! Unseliger! Was hast Du gethan?" braust der Bureauchef auf. Ja,, i bitt"! Es is do nir Un rechts!" v-rtheidizt sich der Alte erschreckt. Du bist der Morder meines Familienfriedens!" rief der Andere dem entsetzten Diener zu, der noch immer mcht begreifen konnte. Endlich erzählte der Chef dem Alten die Gefchichte, die der Bouquetkauf zu Hause im Gefolge gehabt hat, und nun beariff er. Einige Stunden darauf stand WilHelm bei der Gnädigen und gab die nothigen Erklärungen ab. Die jirnze ??rau lachte und sie lachte noch am Abend, al der Herr Gemahl nach Hause kam, und dann lachten sie zu' sammen über die luftige Geschichte. Praktischer Wink für Tamen Gesellschaften. . Die Zeit hat nachgerade wieder beaonnOr,. m welcher dis Damen- und Mädchengesellschaften, die während der Sommermonate aufgrlost Wen, w:eder in ihre Rechte, treten, und auch die gemüthlichen, oder die, wennwir so sagen dürfen, etwas steifen Damenthees und: -Kafftes wieder abgehalten werden Auch sind vorsorglich? und praktische Damen an ihren Weihnachlsarbeiten thätig, und emsig wird dann in diesen Damengesellschaftz und :n den rttn zusammengetretenen Kränzchen im Slnblic! auf das sich nähernde groe: Gabenftst gearbeitet. Da dürfte einvraktischer WÄk, gerL mit Rücksichtauf die. schölM, neuer Weibnachtsarbeiten. welche tadellas reiner Hände za ihr AussüLrung- bedürfen, ange bracht sein. Selte?n?:rden w?hl nach ewaenommenem Kee ode? Thee mit Kuchen und sonnigem Gebäck, mit ObstgeleeZ u. dg die Hände der Da men ga?zz intakt gebliebm sein, und das Abwischen derselben an den klei nen Töttservietten sieh unschön aus und nutzt auch wenig, da das anhaf tende Klebrige dadurch nicht beseitigt wird. Um nzrn diesen kleinen lästigen Uebel abzuhelfen, würde sich folgende einfache Einrichtung empfehlen: Nach dem d:r Kaffee mit Zubehör abgetragen worden ist prasentirt das aufwariende Mädchen jeder Dame, der Reihe nach, ein Tablett, auf welchem sich ein kleines, niedliches, mit lauem Wasser gefülltes Becken und zwei kleine, etwa 10 Zoll lang: Tüchelchen mitSpitz: an unteren Saum befinden. Jede der Damen benutzt die dargeboten: kleine inger-Waschtoilette. und behaglich. Mnk und rein können die gesäubeiten: inaer nun weiter arbeiten.