Indiana Tribüne, Volume 18, Number 89, Indianapolis, Marion County, 16 December 1894 — Page 6

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Mit dcn: l!:mi in der Ssiiiö. Cine Gftrricpl;i,:d;e Plcudcrci. ' Die lukullischer: Mahlzeiten ei ten hbmer ijaiien ihren stereolripc'. Ar.prcg und iyr stereotypes Ende. Sie begannen mit Eiern und schlössen mit SIrpfeln. Untev den CSiern wird man sch nicht g:rtf roh' Eier, fernern etwas wie iraoiar oder irgend eine Eierspeise vorzustellen haben und ebenso werden sie zum Nachtisch nicht bloß alles mögliche Ob't, Knackmandeln. Tjaurenroftrien und Datteln, sondern auch noch Suszialeiten und Consekt. Die oaenannke:: xmIIt npf.nUi f-r. ben. So sprach man auch zur Seit Ludnjias des Vierzehnten vorn Fruit" od'.r ron der Airne, wenn man. daZ 5V?rr TTar,U. r- n-v , -' ! a; iiiy Siien: ,.!e F.-::ta" mit den: Nachr:jch g'eOcdciitenD. Wollten wir die JHeicii:: ia unser: Svra-re üb??r..' . . - . ' tf:n, so müßten wir eiwa sagen: von :.n Austern tiä jum ftä)e, von der 5i:e bic z::n Gefrorenen, von? i r C! vjirr b:5 zu::: Sett. (ii rjac also eine Vorspeise der lte.i l!ij.v.er und ein Theil der soge- , a..n:e raul c:e: An:ecoena. io!c sie e;:::; Gainah! des Trimalchio (de 2lai;ers ero) auf dem Rücken eines b:o::.z?ne Esels ankommt; sie lr:r gar lein richtiges Essen, sondern hatte nir die Bestimmung, durch allerhand schärft, beißende, saure, salZtze Sachen die Eßlust zu erregen und den Appetit zu reizen. Sie glich einer fciaienj-chen Maßregel, toie das Brechiniitcl, das zur 5!aiserzeit (und unter Richelieu und der Pompadou? auch in Frankreich) Mode war. Cäsar soll bei dkcxo in dezzen Villa speisen; er bereitet sich vor, indem er sich abreiben und salben läßt, nimmt dann ein Brechmittel ein. macht noch einen Spazicrgariz und thut am Abend der Eoena teä Konsuls alle Ehre an. In gleicher Absicht wird bei den Omagua den Gästen vor dem Essen eine Klystierspritze gereicht. Auch während des. Essens sollen sich die alten Nömer das Zäpfchen mit Pfauenfedern gekitzelt baden, wie die Bauern aus der Kirmes den Winzer in den Hals zu stecken pflec,cn davon steht nichts auf unseren'. yJanu, dergleichen izi veraltet. on;i machen wir s ia genau so ro.e die Herren Zömer. erner Sang stellte dar. was wir heutzutage unter dem bezeichnenden Namen der HorS d'oeuore zusammenfassen die eingelegten Oliven, die Radieschen, die Napunzchen. die Marinaden, die Austern, die Würstchen, die zur Promulsis gehörten, waren das Hors d'oeuore. Eine heroorrazenoe Stelle spielte der tätlich, das heißt der Kopfsalat, den nun vielleicht ganz roh gegessen hat, wie wir Sellerie zu essen pflegen. Auch die alten Dörner scheinen die Salate in fcer repub!i!anis5)en Zeit erst zum Schusse der Mahlzeit, also wie wir nach dem Braten genossen zu haben; ober allmählich riicxte der Lattich an den Ansang der Mahlzeit vor. E:irunlcn wurde dazu das Mulsum, eine Ar! Honigwein, wonach eben da-Ganze die Promulsiö fjiefj es entspricht dem Madeira, den man bei uns, dem Marfite, den man in Athen, oder dem Wcrmuth, den man in Florenz nach der Suppe gibt. Schon vorher trinkt das Volk, und zwar in Athen und in Florenz so gut roic in Paris zur Belebung des Appetits einen Schnaps. Alkohole kannte man im alten Nom noch nicht. Viele Voller haben noch gegenwärt:g die Sitte einci eigentlichen Vormchls. einer selbstständizen kleinen Mahlzeit, die von der wirüichenMahlzeit ganz getrennt ist, so daß man sich ttz ihr noch gar nicht zu Tische seht. Sobald ein weisender den Boden Schwedens betritt, ja, schon auf den schwedischen Dampfschiffen ist das Erste, was ihm in den Speisesälen auffällt, ein Büsset. da? man den SmürgäZbord oder den Butterbrodtisch nennt. Daran tritt der Schwede vor dem Mittagessen, hier findet er sein Vutterbroo. will sagen kalte Küchc, Rennthierschinken, Kaviar, geräucherien Lachs, eine Eierspeise, Näse und iras dergleichen mehr; dazu zwei Branntweine, und eine Limonade Sockerdrika). Sothanes Butterbrot genießt er stehend, dann erst geht er zu Tische. Er hat noch eine Spezialität, die beliebte Sexa, das ist aber ein richtiges kleines Bankett, das mit kaltem Aufschnitt in einem Restaurant abgehalten wird und wobei man für einen bestimmten Preis von den Delikatessen soviel und solange zulangt, als man Lust hat. Völlig entspricht dagegen Z)er russische Imbiß, oder die Sakuska. die bei grosien Gelegenheiten sogar in den russischen Votschaften in einem Eckzimmer aufgestellt wird; und das ..Side Table" in England. Bei dem Dinner. das (21. Juni 1837) zum Negierungsiublläum der Koniain Vict? ria stattfand, fehlte der Seitentisch nicht; er enthielt: kaltes Roastbeaf, Zunge und kaltes Huhn. In Deutschland haben wir die vorbereitenden Genüsse nach Ar! der alten Nomer in den ersten Gang der wirklichen Mahlzeit einbezogcn; wir nehmen unser Appetitsbrod an der Tafel unmittelbar nach de? Suppe zu uns. Nach der Suppe wird das Hors d'oeuvre aufgetragen, kalt oder warm; auch in Italien kommen die Anfänge oder d:e Principii. die man frühe? als Aniipzsio bezeichnete: dopo la Minestra. Der Gebrauch steht übrigens nicht fest in manchen Gegenden Italiens werden die Principii vor der Suppe ge're'ch! und ach die Stadt Worms ließ bei dem Gastmahl, das sie (20. November 1889) zur Eröffnung des Fes:spielhauscs gab. die Vorspeise, den russischen Kaviar, die Sardinen und

r;e Essizfrüchtc von c&n Anb:g;r.r. kommen, hierauf die Kraftbrühe :n:t Machen und i'iheinfalm mit Austerntunke folgen. Als Diegel wird manchmal aufgestellt, daß die kalten Hors d'oeuvre vor. die warmen nach d.'r Suppe zu reichen sind. Ueber die Suppe gehen die Meinungen bekanntlich auseinander die einen betrachten sie als die Grundlage des ganzen Essens und als die Milch der Erwachsenen, andere nur als eine Art Reizmittel und als eine ziemlich unnütze Lutsche, nicht viel besser als Salzwasser, höchstens etwa gutem, starkem Weine zu vergleichen. In diesem Falle würde also ein Eonsomms selbst nur den Zweck haben, die Nerven des Veroauungsapparates wohlthätig anzuregen, die Fleischbrühe nur eine Art Hors d'oeuvre sein. Vielleicht ist sie wirklich nicht mehr und eben darum in Teutschland und Frankreich als Vortost so beliebt, während sie in Schweden und in England keine brauchen. Die Suppe ersetzt dem Mittelstand das Hors d'oeuvre und kommt bei den Reichen noch hinzu; ja, sie dürfte allen Delikatessen und Stimulantien weit vorzuziehen sein. Sie stellt die beste Einleitung zu den reellen Tafelgenüssen dar, die durch sie erst zur Geltung kommen; wer lange Suppe ißt, lebt lange. Der verstorbene Zar, der sehr viel auf Suppe hielt und noch in seinen letzten Tagen eine, Fischsuppe aß, hat freilich nicht lange gelebt. Wenn wir unsere Suppe essen und nicht trinken, so geschieht das, weil dem tonischen Mittel, welches die reine Fleischbrühe darstellt, für gewöhnlich allerlei nährende Substanzen zugesetzt werden diese essen wir. Unsere Vorfahren nahmen ein Stückchen Brod, jauchten es in die Fleischbrühe und löffelten sie wie der Freiherr von Kyau, dem man keinen silbernen Löffel gegeben hatte: dieses eingetunkte Brod war eigentlich das, was sie die Suppe nannten. Noch heute hat in Italien la Zuppa diese Bedeutung: man versteht darunter Bouillon, in die Brod geschnitten ist; und ebenso kann man die Zuppa machen, wenn man eine Brodschnitte oder einen Zwieback in den Wein, zum Beispiel in den Aleatico, eintunkt. Ein beliebtes Dessert ist in Florenz und Rom die sogenannte Zuppa inglese", das heißt: ein mit

Rum getränktes Bi-quit. Eine Reissuppe oder eine Nudelsuppe nennt man dagegen in Italien: Minestra, und auch hier wieder betrachtet das Volk die Nudeln und den Reis als die eigentliche Minestra, die nun ebensowohl mit Fleischbrühe wie mit Butter und Parmesankäse aufgegeben werden kann. Die Fleischbrühe erscheint dem Jtaliener nur wie eine Art pikanter Sauce, die darüber gegossen wird, während man in Deutschland die Sache herumdreht, von Suppeneinlagen" spricht und eine Schüssel Maccaroni als eine Art Gemüse, niemals als Suppe bezeichnen würde, sie auch (ohne Fleischbrühe) nicht zu Anfang der Mahlzeit ißt. Eine Fleischbrühsuppe ist demnach durchaus kein reines Stimulans, sondern eine wundervolle Combination von Nahrung und Genuß, und diese gleichsam aus dem Guten und Schöneu zusammengesetzte Speise typisch für die gesammte Mahlzeit. Der ganze Zauber eines guten Essens läuf! schließlich darauf hinaus, die Gäste satt und ihnen zu gleicher Zeit Appetit zu machen sie sollen wie Faust von Vegrde zu Genuß taumeln und im Genusse nach Begierde verschmachten , nur langsam gewinnt die Consistenz in der Zusammensetzung das Ueöergewicht, und der Reiz wird nachgerade auf ein Minimum beschränkt. Sehen wir uns einmal Her Majesty's Dinner" an, auf dessen Menu die Gänge in alterthümlicher Weise mit ihren altmodischen französischen Namen, aufgeführt sind. Nach der Suppe und den Hors d'oeuvre kommen die Entrees, Fische, leichte Fleischspeisen und Ragouts Ragouts wollen den Appetit wiederum reizen, Ragouts wollen von Neuem Gusto machen. Folgen die Neleves man erklärt sie für die Gerichte, welche auf den Tisch kommen, nachdem die Suppe weggenommen" worden ?si, aber es sind vielmehr Speisen, deren Geschmack durch allerband gute Zuthaten, fein: Kräuter, köstliche Gewürze und Salze gehoben" wird und die damit wieder die unschätzbare Eiaenschaft der Appetitlichkeit erlangen. Nun kommt endlich der Braten, und mit ibm fängt eigentlich erst die richtige Mahlzeit an, soll es wenigstens der Braten ist, es klingt spaßhaft, aber wir haben uns nun einmal bis jetzt nur vorbereitet, der Braten ist. sage ich. wirklich zum Essen da, mit ihm soll man die Eßlust büßen, die pikanten Zuthaten treten! daher wenigstens in der Zubereitung mehr oder weniger zurück, wenn auch eine Sauce dau qegeben wird und die Soya, der Mostrich, der Salat zur Verfügung steht. Damit haben nun. die Essige und die Salze, die bauptsächlich um des Fleisches willen da sind, ibre Rolle ausgesvielt. und es heb! gleichsam eine neu'.' Veriode an. zu der die Entremets den Ucberaana bilden. Das Entremets war ursprünglich aa? kein Essen, sondern ein SSaufviel. das während des Essens aufgefübrt zu werden pfleate. Unmittelbar nach dem Braten wurde sonst die Tafel aufgeboben und abgedeckt: erst später ward e? üblich, sitzen zu bleiben, den Tisch neu zu servi?en und ein aus Gemüsen und Mcblspeisen bestehendes Entremets und nach diesem das sogenannte Dessert aulzutraaen. womit eigentlich das Abdecken der Tafel selbst gemeint war. Zwischen Entremets und Dessert find

d!e Grenzen etwas sließend: auf dem Menu der ftönigm von England figurirt nur das Entremets; das Dessert fehlt. Beide Gänge haben, wie gesagt, ei nen ganz neuen, eigenartigen Clzarakter. Sobald der Zweck der Sättigung erreicht ist, läßt der verständige Mann die alten Reizmittel, die Essige und die Salze, gänzlich fallen. Nur ein einziges behält er bei: den Käse, der aber nicht mehr anspornen, sondern die Verdauung befördern und, wie es heißt, den Magen schließen soll. Dafür versucht es der Amphitruo mit andern Mitteln, dem Magen bcizukommen, gleichsam mit Schmeicheleien; mit Früchten und Süßigkeiten, die bisher unberührt in der Mitte der Tafel standen. In Deutschland vertreten für gewohnlich die süßen, in Zucker eingekochten Früchte, die man Kompot nenn!, die Stelle des Desserts; in Italien thuen das die Rumsrüchte, die r.ur in Rum, ohne Zucker (in Guazzo) eingemachten Kirschen, Pfirsiche und Weinbeeren, die also zugleich den Alkohol enthalten. Zucker und Alkohol räumen mit dem Appetite auf und nehmen weg, was noch übrig bleibt. Es sind die Stoffe, die wir aus den Mala der alten Römer zu ziehen verstehen. Wir haben gelebt, um zu essen; und zu dem löblichen Ende. meiner Treu! ein paar Stunden der kostbaren Lebenszeit verbraucht. Hoffentlich leben wir nun. Vcrgiu:cinn!cht-Kasfcc.

Von Java und Mocca, von Blüm-chen-und Feigen-Kaffee im Allgemeinen und Damen-Kaffee im Besonderen haben die freundlichen Leserinnen gewiß schon vttnommen, aber sicherlich noch nicht von einem liebreizenden, blauäugigen Vergißmeinnicht-Kasfce. Und doch steht seit einigen Tagen die Species dc? ZZaffee-Klatfchrosen ' nicht mehr vereinzelt in der Botanik da, sondern durch Psropfung aus ein edles Reis ist es einer erfolgreichen kühnen Forscherin gelungen, uns mit einer neuen Gattung von Kaffee zu veschenken. und zwar mit der oben angedeutet?n himmelblauen, poetischen! Kaffeeblume. Wo die Wunderblume erblühte, darf ich nicht verrathen, aber wie sie beschaffen war, das zu schildern fühle ich mich zu Nutz und Frommen der wißbegierigen Weiblichkeit v?rpflichtet. Auf einem wonnigweicken Vergiß-meinnicht-Teppich stand ein einladender reich gedeckter Tisch, der überall sichtbar in zarter Alumensprache die Vergißmeinnicht - Devise trug. Auf weißer schneeiger Fläche blühten da trotz rauher Stürme die lieblichsten blauen Vergißmeinnicht. sie grüßten aus seidenweichen Kelchen, von feinstieligen Ranken umgeben, auf durchsichtigen, sternförmigen Blattdeckchen, und in vollere Sträußchen zusammengcfaßt, von dem blumenbedeckten Milieu entgegen. Gleich treuen blauen Kinderaugen guckten sie neugierig von den zierlichen Tellern und den blüthenförmigen Tassenröpfen empor, und die appetitlichen vielgestaltigen, süßen, eßbaren Tischblüthen riefen, wenn auch durch die Blume, doch deutlich vernehmbar: Pflücke mich, dann vergißt Du mich nicht!" Magisch bläulich blinkendes Licht fiel aus den. mit schirmenderi Vergißmcinnicht-Blättern verhüllten Lampen hernieder auf die in mattblauen Sammt gekleidete. Vergißmeinnicht spendende Hausfrau. Vor jedem Gedeck prangt: ein Blümchen Wunderhold, mit einer einzigen perlenbefetzten Vergißmeinnicht-Nadel an di: Tischkarte befestigt, die alfo jedem Gaste sein Souvenier mit einer besonders für ihn verfaßten poetischen Widmung überreichte, von welchen Verslein eines wie folgt lautete: Vergiß mein nicht" Wenn fern Du mir, i Verriß mein nicht", Wenn nah' ich Dir. , Vergiß mein nicht" , In Ernst und Scherz, , Vergiß mein nicht" In Freud' und Schmerz! So dürfte es vielleicht geschehen, daß dieser ersten duftigen deutschen Vergiß-memnicht-Vereinizung im Kreise inniger Frauen noch manches schöne poeti sche Blumen-Kaffee-Kranzchen nach folgt. Sie tritt tnc. Der folgende poetische Dialog dürste für alle Radfahrer und -Fahrerinnen interessant sein: Sie: Auf dem Tandem, sag! sie, Ist es fein, sagt sie. Denn da bist Du. sagt st: Nie allein, sagt sie, Ausgepumpt, sagt sie. Werd' ich schwer, sagt sie. Tret' ich nicht, sagt sie. Tritt ja er! Er: Auf das Tandem, sagt er, Steig' nicht 'nauf, sagt er. Mit 'ner Dame, sagt er. Da zahlst 'drauf, sagt er, -Denn auf Einen, fagt er. Kommt die Müh', sagt er, ' ' Er tritt immer, sagt er, Sie tritt nie! Andenken. MiM send): Adieu, lieber Heinrich, verain , am sr t f :niH ntcctr naue: eine Rede. Du hast mir ja Deine Rechnungen zum Manien daaelassen!" . !n Restaurant Ys. mal, wie der junge Studio sich fühlt . v tr.rt it o; uuy uuu

Militärische AzablttcrziclMg.

Der echte Gassenjung: in den Großstädten der Ver.Staaten ist sehr schw-:r Xix behandeln. ' Er hat sein: eigene prac.)! und ie:ne eize.:n S:tt:n, er besitzt weit mehr die Instinkte des owdy als dieicn:g:n des Flegels, a It e:n Halbwilder zugleich und ern elbstständiger Geschäftsmann, die Auorität der Eltern erkennt er in den meisten Fällen nicht mehr an, der Schule ist er entwachsen und sein Selbstbewußtsein ist ein derartiges, daß er jedem Zuspruch und jeder Er Mahnung ein verächtliches O slint "l" oder You nrnke m sick" entgegensetzt. Von. denZeitungsverkäufern, Stiefelputzern, Botenknaben u. s. w. l!t hier d:e Rede, von zener recht zahlreichen Gruppe halb verwahrloster Knaben, welchen man in unsern GroßItadten aus Schritt und Tritt begegnet. Wie können diese Iunaen in Zucht gehalten werden in den Jahren. die für die Fe?t!gunz d:s Charakters so außerordentlich wichtig sind, wie können sie bewahrt werden vor den G:fahren, welche ein zügelloses Leben gerade in jenen Jahren mit sich bringt? Man hat f" diese Gamins" besondere Heimat.!en errichtet, man hat ih::n Lesezimmer zur Verfügung gestellt, die Kirchenzem-'nschaften namentlich haben sich vielfach dieser Stratzennomaden angenommen, speciell durch Bildung eigener Sonntagssazulklaen für d:eje Species von Halbbarbaren. Aber es sind wenig Erwe damit erzielt worden, namentlich die Veranstalter der Sonntagsfaulen sur vicje Gamins haben die Erfahrung machen muzien, daß der Kampf gegen die Robheit und Wildbeit mit so sanften Mitteln ein vollständig vergebliche: ist. Nrkrut'n. Kcä 6 Öoäen. Schließlich ist ein Sonntags schullehrer in der schottischen Stadt Glaspow auf den Gedanken aekommen.diese Straßennomaden militärisch zu orgamüren und damit hat er denn wirklich groß- Erfolge erzielt. Eines Abends theilte er seiner 5ttasse mit, daß jede? einzelne Knabe sich am nächsten Donnerstag Abend pünktlich in einer größeren Halle anfinden sollte, um an der Bildung einer Boys Brigade" theilzunehmen. Jeder Knabe werde sofort eine militärische Kappe und einen Gürtel erhalten und später.wenn dieJungens besser einexercirt sein würden. sollten hübsche Uniformen und auch Waffen (übrigens sehr barmloser Art) verabfolgt werden. D:s zog mächtig. Jeder Knabe sollte sich pünktlich ein. empfing seine Auszeichnung als Soldat und ließ sich von dem Augenblick an auch eine wirklich soldatische Behandlung gefallen. Vor dem martialisch ausschauenden Exerciermeiste?, der eine Art von Uniform angelegt hatte, bezeugte diese Schaar anqehender Rowdies einen Respekt, den der sanfte Sonntagsschullehrer niemals hätte erreichen können, die Knaben, welche früher bei jeder Zurechtsetzung eine Meuterei in Scene setzten, ließen sich Knüfse und Püsfe von ihrem Vorgesetzten ruhig gefallen und als einmal ein Jlufrllhrer über Nacht in ein improvisirtes Arrestlokal gedeckt wurde, da betrachteten das die übriaen Soldaten" als wohlverdiente Strafe. Der Exerciermeister verstand sich auf die Behandlung der Bengel. Er nannte sie niemals Lausbuben,was sie doch eigentlich waren, sondern Soldaten, was sie doch nicht waren. Er machte die Eifrigsten zu Unterofficieren und Officieren und ließ durchblicken, daß jeder befonders Tüchtige diesen Rang erlangen könne. Es wurde bei dieser Behandlung nicht nur Pünktlichkeit erreicht, was früher eine Unmöglichkeit gewesen war, die Knaben erschienen mit dem Glockenschlage zur Uebung, sondern nach wenig Wochen hatte man ein noch weit besseres Resultat erzielt: Die Knaben kamen frisch gewaschen und gekämmt zu der Uebung. Erster TriZ. S?aÄ zwei Monstcn. Nach wenig Monaten war aus der Compagnie von vielleicht dreißig Knaben ein 250 Mann" starkes Reaimcnt geworden. Jetzt suchte man diejenigen heraus, weich: muka!:lch:s Talent hatten, bei den Sinastunden. mit we!chen iede Uebuna adschlok und wobei nur militärische Lieder zum Vortrug kamen, wurden die Geeigneten bald entdeckt, und nach weiteren drei Monaten hatte das Regiment nicht nur sein Trommler- und Pfeifercorps, sondern auch eine ölapelle, welche sich allerding! zuerst nur durch entseklicken Svektake auszeichnete, nach und nach aber sich so weit fortentwickelte, daß der Magistrat von Glasgow eine solche Knabenkapelle

2cssaaedosa

?.u den Musilaufsührungen fa den osentl:a?en Parks eilgaglren konnte. Die Mittel zur Ausstattung dieser Organisationen wurden auf dem Wege der Prlvatwohlthatigkeit ausgebracht. Von Glasgow aus verbreitete sich die "ganisation auf die meisten engli schen Städte und auch auf Amerika. Die Erfolge, welch: durch diese Organizatwn erzielt wurden, sind m der That überraschend. Kein anderes Mittel zur Bändigung dieser wilden Gesellen hat so eingeschlagen, wie der militärische Drill. In den Knaben wurde dadurch ein Corpsgeist entwickelt. welcher auch die schon sehr Verwilderten im Zaume hielt. Aus der Boys Brigade ausgestoßen zu werden. g:U bei diesen Jungen für die größte Schande. Nach und nach hat man es dahin gebracht, daß diese halbwilden Burschen auf dem Gebiete der Neinlikeitspflege qroße Fortichritte gemacht haben. Die freien Bäder, welche man ihnen einrichtete, werden viel benuizt, die Knaben lernen ihre Kleider schonen, sie lernen, daß es unsoldatisch ist. mit einem zerrissenen Rock oder :it schmutzigen Stieseln herumzulaufcn. sie nehmen nach kurzer Zeit eine viel bessere Haltung an und sie werden npfänalich für den Unterricht, den man ihnen anzedcihen läßt. Die Untcrstützung, welche diesen OrganisatioScldaien b:r VoyZ Brigade alZ Chorsänger. nen zu Theil wird, kommt fast ausschließlich aus den Kirchengemeinschaften. und der Hauptzweck, welcher verfolgt wird, besteht darin, die Knaben zu rechtgläubigen Gemeindemitgliedern zu erziehen. So wird denn aus jeder Compagnie eine Vibelklasse gebildet, und gerade bei diesem Unterricht kann man die wohlthätigen Folo.en der militärischen Ausbildung erfahren. Die Disciplin des ExercierPlatzes hält auch für die Unterrichtsstunden vor. Die Pünktlichkeit, welche der Drillmeister den Rekruten eingetrichtert hat, macht sich auch beim Lernen geltend. Uebrigens werden diese ..Soldaten nicht nur in religiösen Dingen unterrichtet. Es wird z. V. sehr viel Gewicht auf Turnen gelegt und die älteren Knaben, vom 15. bis zum 17. Jahre, erhalten sehr viel Unterweisung auf dem Gebiet: der Krankenpflege und der ersten Hilfe bei Unalückfällen. In Glasgow haben im letzten Jahre zweihundert solcher Knaben die Prüfung im Ambulanzdiens! bestanden. Nachweislich ist es, daß dzcartig geschulte Knaben in drei FälIen Menschenleben gerettet haben in Folge der sofortigen kunstgerechten Unterbindung von verletzten Arterien. Auf einem Spielplatz, beim Fußballspiel in Glasgow, erlitt ein junger Mensch einen Beinbruch. Die Ambulanzknaben. welche zur Stelle waren, leisteten sofortige Hilfe derart, daß den Aerzten wenig mehr zu thun übrig blieb. Wie es kommt, daß dise wilden Burschen auf diesem Wege so rasch und so erfolgreich sich bändigen und zu tüchtigen Menschen erziehen lassen, ist leicht erklärt. Jeder Junge scheint eine instinktive Vorliebe für das Soldatenwesen zu besitzen. I 3i Dusel. Biermayer (lehnt stark angeheitert an einer Telephonstange und hört das .Surren der Drähte): Die Brummerei! Mir scheint gar, ich bin schon dabeim bei meiner Alten." Unbegründeter V o r -Wurf. Bekannte: s'ist . schon wahr, daß alle Augenblick etwas in Ihrer Familie passirt, Sie sollten eben doch vorsichtiger sein! Frau: So, noch vorsichtiger, das ist nicht die Möglichkeit. Sind wir gerade gesund, so versäume ich nie, wenn ich gezwungen werde, dies einzugestehen, ein Unbcrufen" dazu zu setzen; ich beginne nie Etwas an einem Freitag, klopf' auf den Tisch, sobald Jemand mein gute Aussehen lobt, pucke aus. wenn mir ein Schwein und kehre um. wenn mir ein altes Weiö begegnet! Mehr wußt ich nimmer zu thun!

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Zuz Ncichc der Zllodc. Es aebört ein feines Toilettenvcrständnist dazu, Eleganz und Einfachüeit. diese beiden in der weiblichen 5tteidung so wichtigen Factorcn zu einem vollendeten Ganzen zu vereinigen. Nach dem entschieden französischen Charakter. den die Mode in der letztoergangenen Zeit angenommen hatte, und welcher Gefältel. leichte Garnirungen und die Gestalt verhüllende Formen vorschreibt, tritt jetzt die englische Art, die knappe Facon. wieder in ihre Rechte. Die Schoppen. Bauschen und Drapirungen verschwinden langsam und machen dem einfachen Borden- und Stoffleistenbesatze, der glattanliegenden, mit Hoblfalten oder Westentheilen ausgestatteten Taille und dem glatten, wenn auch nicht englisch engen Rocke wieder Platz. In der kommenden Mode wird nicht mehr das Was" an einem Kleide, sondern das Wie" eine Rolle spielen, denn bei der einfachen Gewandung sind es die Facon die Art der Ausführung, der Schnitt, welche in den Vordergrund treten und den Aufputz verdrängen und in zweite Reihe stellen. In den nachstehenden Illustrationen sind mehrere Toiletten veranschaulicht, Kleid mit Knopfgarnitur. welche allen Ansprüchen an Eleganz gemigen und dabei einfach genannt werden können. Aus hellgrauem und freifcem Tuch ist das in der ersten Abbildung dargestellte Kleid zusammengestellt, das auf dem Halbgürtel und den Aermelrevers mit einer Kurbelstickerei von grauer und blauer Seid: ausgestattet und mit großen weißen verlmutterknöpfen verziert ist. An der rechten Seite ist der aus grauem Tuch hergestellte Rock leicht drapirt, Latztbeil und Halbgürtel sind aus weihem Tuch gefertigt. Anzug aus Himalajastoff. Braungestreifter havannafarbenerHilnalajasioff und brauner Sammet bilden das Material für die einfache vornehme, für junge Damen zur Promenade geeignete Toilette, welche Figur No. 2 veranschaulicht. Dieselbe öesteht aus einem ziemlich weiten, mit einem Pelzstreifen begrenzten Rock aus Himalaiastoff und einer kurzen, seitwärts übergehaktcn, mit dunklen Perlmutterknöpfen ausgestatteten, vorn faltig arranqirtcn Taille aus Sammet, deren Stehkragen und weite Keulenärmel, wie ersichtlich, mit gleichem Pelz garnirt sind. 2lls Eislaufkostüm würde der Anzug durch ein Scrmmetbarett mit Pelzbesatz zu vervollständigen sein. Kleid inPrinceßform. Das Costüm No. 3 in Princeßform aus grauem Cheviot und Sammet ist hinten geschlossen und am unteren Rande mit Patten von weinrothcm Saminet garnirt. Aus Sammet sind auch die oberen, vorn und hinten in gleicher Weise angebrachten Garniturtheile. Die Acrmcl hat man unten glatt mit Cbeviot. oben mit unter Revers endi- ! senden Puffen überdeckt, welche ebenso ! wie der Stehlragen aus lammet bestehen. Der glatte, hinten leicht eingereihte Rock des aus rosa und arün chanaeant ' Wolleltofs behebenden Cosiüms. Fi- ' gur No. 4, ist am unteren Rande mit Säumen verziert, welche Z? der Mitte einen mit ecru-farbener Spitze über deckten Streifen von qrünem Sammet einschließen. Die Taille ist vorn und hinten puffig eingekraust, am Taillencbschluß in Falten aeordnet lmd vorn mi einem Miedertheil cmä grünem

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Gesellschaftskleid. Sammet garnirt, dem Guipürespitze auflieat. isin. mit Spitze bekleideter tehkraaen, sowie c:n Gürtel, der vorn an beiden Seiten mit einer Rosette verziert ist. sowie halblang: Aermel auZ Wollenstoff veroollständigen das Eostüm. Ins Zlaschcnkrcuz. Es ist ja nicht abzuleugnen, daß di: Flasche da oben sich in einer seh? gejährlichen Lage befindet, aber gerade die Schwierigkeiten und das Gefahrdrohende machen ja den größten Reiz der Versuche aus. Uebrigens würde ja das Unqlück bei einem Mißlingen nicht so sehr groß sein. Machen wir uns also an's Werk. Mit etwas Borsicht und Ruhe werden wir schon zum Ziele gelangen. Setzen wir also zuerst die Wasserkaraffe auf ein kleines Tischchen; und nun bedarf ich vier Gehilfen, deren Hände aber durchaus nicht zittern dürfen. Drei von ihnen nehmen jeder ein Weinglas in die Hand, deren Fußge.stell: symmetrisch so auf die Mündung der Wasserflasche gestellt werden müssen. daß die Gläser genau horizontal stehen. Der vierte Gehilfe nimmt die Weinflasche zur Hand, welche er ungefähr mit einem Viertel mit Wasser füllt. Es ist durchaus nothwendig, daß die vier Gehilfen mit militärischer Sicherheit zu Werk: gehen. Sind die drei Gläser in horizontal: Lage gebracht, so setzt der viert: die Flasche auf die Fußgestelle und versichert sich, indm er etwas auf die Flasche drückt, ob das Gewicht groß genug ist.um das Gleichgewicht aufrecht zu erhalten. Inzwischen halten die drei anderen die Gläser unbeweglich fest und der vierte aießt nun mittels eines Trichters so viel Flüssigkeit dazu, daß das zur Er.reichung des Gleichgewichts nothwendige Quantum vorhanden ist. Sobald dies erreicht ist, können sie die Gläser loslassen und die Zuschauer zum Anstaunen des Aufbaues hereinrufen. Äor allen Dingen ist es nothwendig, daß die Fußgestelle der Weingläser einen genau gleich großen Umfang haben. Schmeichelhaft. Sie: Ich habe Mama heute gesagt, daß sie zu uns ziehen soll, wenn wir später heirathen!" Er: Ist sie damit einverstanden?" Sie: Hm, sie meinte, wir seien noch nicht verlobt; ich soll das Fell nicht ehe? verkaufen, ehe ich den Bären hätte!" Erklärlich. Gatte: Ich weiß gar nicht, was mit der Brille los ist. Ich kann mich anstellen wie ich will; ich kann nichts mehr dadurch sehen. Gattin: Dann solltest Du si: doch einfach nehmen und dem Optiker wieder hinbringen, von dem Du sie gekauft hast. Gatte: Das thäte icb ja sehr gern; der Mann ist aber leide? schon 15 Jahre todt! Voreilig. Der Straßenbahnwagen hält, ein: lächelnde junge Dame steigt ein. Ein alter Herr am andern Ende des Wagens steht auf. O bitte, bleiben Sie sitzen!" ruft daZ reifende Mädchen, ich kann ebenso qu! stehend Wie es Ihnen beliebt." fagt der alte Herr, aber ich muß abUeber trumpft. Wisse; Sie ich habe 'mal einen Mann gekannt, der war so lang, daß ihn die Hühneraugen immer eest acht Tage nachher schmerzten." DaZ ist gar zchjZ ich kannte Einen, der war so lang, daß er. wenn er sich aus's freie Feld legte, ordentlich sMerl konnte daß die Erde rund ist."

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