Indiana Tribüne, Volume 18, Number 82, Indianapolis, Marion County, 9 December 1894 — Page 6

Aallrt. Ific von R. föoHnter.

Die Welt der Bretter hat für den Laien immer etwas Anziehendes. Und zwar ist eZ nicht nur der auf derBühne dargestellte Vorgang, der auf den Zuschauer einwirkt, theils erhebend, theils erheiternd oder belehrend u. s. w., es pazrt sich mit diesen Gefühlen ein eiqenthürnlicher Reiz, dzs Technische der Sache zu ergründen. Wie wird der neurzauber erzeugt? Auf welche Weise kommen die Schwimmbewegunqcn der Rheintöchter zu Stande? Aber nicht das Entstehen eines Schauspiels oder einer Oper wollen wir studiren, sondern zusehen, wie man ein Ballet ausfüiirt. Ballet was ist ein Ballei? Die einfachste Erklärung ist wohl die: das Ballet ist ein getanztes Drama. freilich steht dem Ballet ::icht der aanze Stoffreichthum des Schauspiels und der Oper zur Verfügung. Der Tanz als Kunstwerk kann nicht eigentlich eine abgeschlossene. poetische Handling im Sinne des Dramas, am allerwenigsten aber eine tragische Handlung darstellen, sondern tz kann nur Gefühle, Neigungen und Situatio.ien zu :iner sinnlich wahrnehmbaren Handlung zusämmenreih:n, deren Einheit dann mehr in der Einheit der Wahrnehrnung und des -Gefühls besteht. Zu dem Tanz, d. h. den Bewegungen der nütze, tritt im Ballet als Hilfsmittel die Mimik, alfo der wechselnde Ausdruck des Gesichtes, und entsprechende Geberden der Arme und Hände. Geanstand der Handlung eines Ballet werden daher meist idyllische, lyrische, komische und historische Stosse sein. Die Anfange des Ballets sind wie die des Dramas in den pantomimischen Opsertänzen des klassischen Alterthums zu suchen. Des moderne Ballet entstand im 16. Jahrhundert an den italienischen Fürstenhösen, von wo es durch Baltazarini, den Musikdirektor der Katharina von Medici.nach Frankreich eingeführt wurde, wo es bald zu boher Blüthe gelangte. Noch heute unterfcheidet man eine italienisch: und eine französische Schule. Uns öffnet sich zur Bühne die kleine Tbür an der Hinterfront des Theaters, welche die stolze und geheimnißvolle Erwartungen hervorrufende Inschrift trägt: Unbefugten ist der Eintritt streng verbeten." Die große Bühne ist noch leer, der Vorhang ist in die Höhe gezogen, davor gähnt der Raum, der am Abend das vielköpfige Ungeheuer Publikum aufnehmen soll, in schauerlicher Leere. Drei Herren treten zur Begrüßung auf uns zu: der Dichter, der- Eomponist und der Balletmeisier. Diese Drei haben die geistige Arbeit" runter sich, es beginnt nun die ,,p?aktische". Der Autor hat einen Stoff gefunden, ein Märchen mit den obligaten rinn, Rittern, Elfen und Gnomen, und hat ihn mit dem Eornponisten durchgesprochen. Dem gefiel die Idee, und er machte sich sofort an's Werk. Er hat einen großen Solotanz für die Vrima Ballerina angebracht und ein graciöses Pas de deux für dieselbe und den ersten Tänzer Prinz und Prinzessin im Märchen. Er hat es verstanden. das Waldweben in seiner Musik wiederzugeben.als die Elfen im Mondlicht ihren Reigen tanzen, und er wußte durch ein heiteres Scherzo die Gnomen einzuführen. Run kommt der Balletrneister als Dritte? iu den when Rath". Er ist begeistert für den Stoff, er sieht im Geiste schon die Gruppen, und nun beginnt seine Arbeit, und die ist keine leichte. Er hat sich einen festen Plan gemacht. Alles von Tanzkunstfertigkeit, das sein Eorps de Ballot leisten kann, will er entfalten. Am Text, d. h. am Arrangement des Sto?fes. und an der Musik ist schon Manches geändert worden, um noch irgend ein Pas, irgend eine Variation einlegen zu können. Eomponist und Balletrneister haben wochenlang Tag für Tag ;usammengesessen. Jeder Schritt auf der Bühn: tft genau berechnet, jede Pirouette mup auf den Takt stimmen. keine Note zu viel, kein Schritt zu wenig. Endlich .steht" das Ballet. Die Proben beginnen. Ein Glockenzeichen. Da kommen sie aus den Garderoben, die BaMtratten". Welch' bunte Gesellschaft! Von der Kleinen neunjährigen Elevin bis zur unbesorgt, ich nenne keine Zahlen! bis zur stark angejahrten Tänzerin. Meistens in den jüngeren und mittleren Jahrgängen hübsche Gesichter. durchweg auch gute Figuren. Die Diva der Oper hat das Gold in der Kehle, die Prima Ballerina in der Fußspitze. Flink werden die Sohlen der Satinschuhe gekreidet, damit man auf der geneigten Bühne fest Fuß fassen kann. So! Erstes Bild. Waldwiesc, Mondschein! Elfen! Meine Damen. dasSchlafen konnten Sie zu Hause besorgen, ich bitte mir hier Aufmerksamkeit aus. Hier ist ein Sumpf, hier, wo ich den Äreidestrich ziehe. da steigen nachher die Irrlichter auf. Daß mir der Strich beobachtet wird! Herr Kavellrneister, darf ich bitten?! Eins, zwei, drei eins, zwei, drei halt! Ja, was heißt denn das? Das nennen Sie 'ne Attitüde? Alles durcheinander! Es ist zum Rasendwerden! Roch einmal! Bitte! Eins, zwei, drei eins, zwei halt! Sie da hinten! Sie stehen ja mitten im Sumpf! Die reinen Sumpfpflanzen!" So geht es weiter. Endlich erscheint die Fee. Die noch eben so bewegten Massen der Elsen theilen sich, an beiden Seiten der Bühne Gruppen bildend, die Mitte des 5interorundes nimmt die Fee .in. Ein schönes Bild in der Theorie. In der Probe sieht c5 gräßlich aus. Bon Gruppe zu Gruppe geht der Balletmeister. Hier biegt er einen Rumpf, dort richtet er einen Kops.

Jla, was haben denn Sie heute mit Ihren Beinen gemacht? Ich glaube, die haben Sie verkehrt eingeschraubt, was? Das rechte Bein vor, das linke mehr zurück wie oft soll ich das fagen?" Endlich ist's überstanden. Nun schnell in die Garderobe und nach Oause. Schon auf der Treppe lösen die flinken Hände das Mieder, oder beginnen die Frisur anders zu ordnen. Heut war er wieder gräßlich, der Alte' Der arme Balletmeister. Abgespannt bis auf's Aeußerste ist er.aber es ging ja schließlich', es wird ein Erfolg werden, und das ist die Hauptsache. Die körperlichen Anforderunzen, die das Ballet an Tänzer und Tänzerin stellt, sind außerordentlich hohe. Die araciösen Pas erfordern Kraft. Geduld. stete- Uebung. Bon früh auf werden die jungen Glieder in der Balletschule an die Arbeit" gewöhnt.- In den Uebungssälen ziehen sich eiserne Stangen an den Wänden entlang. Diese dienen den Händen als HaltePunkt beim Biegen und Drehen des Rumpfes und des Kopfes, beim Streden und Heben der Beine. Das nimmt nicht nur alle Kräfte in Anspruch, sondern ist auch oft mit Schmerzen v:rknüpft. Es ist keine seltene Erscheinung, daß bejahrte Tänzer es noch mit jungen Leuten aufnehmen, weil sie durch tägliche Uebung die Glieder geschmeidig erhalten haben. Es hieße ein ganzes Balletlexikon schreiben, wollte ich alle die technischen Ausdrücke wiedergeben. die in den Uebungssälen das Ohr umschwirren. Mich erinnerten sie immer an die Manege. Hier wie dort finden wir Pirouetten und Galoppaden: wir hören von vier verschiedenen Positionen" der Beine. Hier zankt der Balletmeister, daß der kleinen Mizi die Elevation" nicht gelingt, dort auält sich Elle mit einer Arabeske". Es geht streng zu in dem Saal, und oft genug fließen bittere Thränen. Die größte Schwierigkeit bereitet den Anfängern das Stehen, und Tanzen auf den Fußspitzen. Es ist also ein müh selig Brot, das die Balletdamen essen.. Im Schweiße ihres Angesichts :nucn sie ihre kärgliche Gage verdienen. Trotzdem giebt es Familien, in denen sich die Tanzkunst, fast möchte ich sagen, dererbt: Vater und Mutter haben sich beim

Bauet kennen geleuu und die Binder werden ebenfalls von Jugend aus für das Ballet gedrillt. Aber wie diel junge Mädchen drängen sich zum Ballei ohne das nöthige Talent. Wirklich gute Tänzerinnen sind selten. Diese werden natürlich glänzend bezahlt, für die Mittelmäßigen aber ist das Ballet nur ein übertünchtes Elend, das ost ein Ende mit Schrecken nimmt. Vor 100 Jahren machte das Berliner Kammergericht alljährlich bekannt, daß deuen bei der Oper und Komödie stehenden Personen weder an Geld noch an Waaren nicht das Geringste zu borgen oder zu leihen ist". Ob tsich deute in den Verhältnissen viel geändert hat, ist zu bezweifeln. Es ist und bleibt ein leichtlebig Völkchen beim Ballet! Welcher Beliebtheit sich .das Ballet erfreut, ist bekannt. Früher war, das allerdings noch mehr der Fall. Ludwig der Dreizehnte von Frankreich ranzte selbst mit. Sein Nachfolger Ludwig der Vierzehnte betrat 1699 im Ballet Flora die Bühne. Seit dieser Zeit erst treten Frauen im Ballet auf, vorher nur Männer. Zu den Balletkoryphaen der Neuzeit gehören die Familien Vestris und Taglioni, die Tänzeriinen ??anny Elßler,die Grisi und dieGrahn. Wenn auch jetzt nicht mehr Fürsten und Serren selbst als Acteure die Bühne betreten, so wenden sie doch oft ihr Interesse ganz besonders dem Ballet zu. Die Sprache der Beine ist inter.lational und es läßt sich ein Verschwender!scher Prunk entfalten. Unter der Re aierung des alten Wilhelm gelangten auf der Berliner Hofbühne bei derart!gen Gelegenheiten stets die großen Aallets Sardanapal oder Semiramis zur Aufführung. Heute gehört ein Corps de Ballet zu den Erfordernissen jeder größeren Bühne. Besondere Pflege wird dem Ballet noch in Petersburg und an der Scala in Mailand zu Theil. Freilich läuft auch ab und zu ein Mißgriff unter. so führte man sogar ein Ballet .Hamlet" auf. Als selbstständige Kunst ist die Tanzkunst heute im Niedergang. Das Ballet erschöpft sich heute. in der Zurschaustellung nur körperlicher Reize und Fähigkeiten. Es will durch die größten Decorations-, Costüms- und Ärrangementseffecte die Schaulust fesseln. Mir ist es unwahrscheinlich, daß ein neuer Aufschwung noch einmal kommen wird. Es müßte denn ein neuer Stern, wie weiland Fanny Elßler am Balletbimmel aufgehen. Das Ballet wird sich einerseits immer mehr mit derOper vereinigen, und es wird andererseits sich zur prunkvollen, märchenhaften Ausstattungspantomime entwickeln.wie sie jetzt schon einzelne Bühnen anfangen zu bieten. Jochen's B e s o r g n iß. Jochen: Jo, jo, Herr Doktor ich glaub' schon. i stirb'. Doktor: I bewahre, lieber Jochen, so schnell tritt der Tod nun doch nicht heran. Jochen: Jo, jo, Herr Doktor, das hat unsre Sau auch nicht gedacht: die war auck noch so lustig und zur . Kirmes hatt' sie doch daran glauben müssen ! Unmöglich. Vater (auf das Thermometer blickend): Heute sind neun Grad." Söhnchen: Aber, Papa, wie ist denn d2s möglich; sonst sind ja neun immer ungerad!" Boshaft. Ist denn Frau. Um Jduna wirklich so alt?" Na. ich sage Ihnen, der ihr Taufschein hat sogar antiquarischen Werth."

Indkanerpolizei in Canada.

Die kanadische Regierung hat den Indianern gegenüber stets eine andere Politik verfolgt, als die Vereinigten Staaten. Recht wunderlich war schon zunächst die Anschauung unserer Regierung, daß man in den vielen Slz:t cen, die Poor Lo gegen die Blaßzesichter führte und in denen er seinen wilden Trieben und seiner Zerstörungsgier die Zügel schießen ließ, den Rothhäuten die Rechte einer kriegführenden Nation zuerkannte. Man wußte sehr wohl, daß der Indianer, wenn einmal die Bestie in 'hm erwicht war. an Grausamkeit und :öilbheit Alles übertraf. Man wußte, daß jene sogen. Kriege in den meisten Fällen auf organisirte Raubzüge hinausliefen, in denen unerhörteVerbrechen an tehrlosen Ansiedlern und ihren Familien verübt wurden. Man wußte -::ti auch nur allzu genau, daß die ieierlicben Verträge, welche man mit den Indianern schloß, gewöhnlich nur aus dem Papier standen, daß sie, kaum abgeschlossen, auch schon wieder gebrochen wurden. Diese Wortbrüchizkeit der Weißen reizte die Indianer zu immer neuen Feindseligkeiten, und nams"tlich waren es die schuftigen Jndiaaeragenien, welche durch ihre schamlose und ganz offene Verletzung der bestehenden Gesetze und Verträge die Regierung in Verruf brachten. Namentlich war es der Handel mit Feuerwasser" streng verboten nach den BundesgeseJen , welcher ganz ungescheut von den Indianeragenten unter den Rothhäuten betrieben wurde und derSittenverderb niß und Eorruption Thor unv Thür öffnete. Man kann also kaum sagen, daß unsere Regierung mit der Losung der Jndianerfrage besonderes Glück gehabt bat. Sie hätte sich an den Canadiern ein Beispiel nehmen können. Allerdings lagen hier die Verhältnisse nicht ganz gleich, aber kaum günstiger, .'1s in den Ver. Staaten. Lag hier auch die Versuchung zum Stehlen und .stauben nicht so nahe, wie m den Ver. Staaien die Vesiedelung und Urbarmachung Canadas machte nur langsame Fortschritte so hatte die Verwaltung doch mit anderen ungünstigen Einflüssen zu kämpfen. Die Regierung wußte sehr wohl, daß die unsauberen E!emente. welche sich unter den Indianern eingenistet und einen großen Einfluß ausübten, sich mit Macht jeder geordneten Verwaltung widerfetzten. Diesen Blutsaugern, welche die Indianer ausbeuteten und durch schlechten Schnaps zu allen möglichen Thorheiten und Verbrechen verleiteten, mußte zunächst der Garaus gemacht werden. In diese kritische Zeit fiel die Schassung der oerittenen Jndianerpolizei in Canada. Es ist nicht zuviel gesagt, daß dieses kleine Corps die .Jndianerpolizei zählt kaum dreihundert Köpfe ein Gebiet, welches das Areal von Frankreich und Deutschland- umfaßt, civilisirt und der Ansiedlunq erschlonen hat. Wir meinen jenes fruchtbare Gebiet, das im Nordwesten sich von Manitoba aus bis an den gewaltigen Binnensee Winnipeg erstreckt. Diese Riesenaufgäbe ist gelost: binnen wenigen Jahren bat die Polizei, ohne viel Geräusch und Aufhebens zu machen, jenes Gebiet gesäubert. Wie Spreu vor dem Winde zerstob das leichteGesindel derSchwindler und Whiskeyverkaufer aus vlxm merwiedersehen, vielleicht um in den weiten Regionen Onkel Sams ihrGlück mit besserem Ersolge zu versuchen. Aber gleichzeitig hatten sich die Polizisten auch das Vertrauen der Jndianer erworben. Ihr ruhiges und festes Auftreten imponirte der Rothhaut. Soldatische Strammheit und knappe Kürze in der Ausdrucksweise zeichnet: den Polizisten aus, der meist aus den Reihen der englischen Kavallerie stammte und im Kolonialdienst aller Klimate und unter den verschiedensten meist halbwilden Völkerschaften seine Erfahrungen gesammelt hatte. Dieihm gewordenen Befehle führte er pünktlich aus: selten ließ er sich zu Versprechungen herbei, aber sein gegebenes Wort lrach er nie. Der Indianer fühlte Achtung undRespekt vor den Leuten.welche namentlich nach den gemachten Ersahrungen mit der Schwindler- und Schelmenbande, die nun zum Tempel hinausgeworfen waren, sich fast zur Verehrung steigerten. Oft genug freilich hatte die berittene Polizei einen schweren Stand, namentlich dann, wenn es zu Grenzconslikten mit den Zupferfarbigen Schutzbefohlenen deZ mächtigen Nachbar kam. Denn oft ge-

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nua fanden es die Grenzstämme er!sprießlich, nach dem benachbarten GeI f I I 1 .

viel uoerzuireien, namenina), wenn innen Verfolgung drohte, um erst wieder zurückzukehren, sobald die Luft rein Kar. Eine besonders schwierige Aufgabe erwuchs der Polizei, ls im Jahre 1877 nach der Niederlage des General Custer'schen Corps am Little Big Horn etwa sechstausend Siouzkrieger aus den Ver. Staaten über die Grenze nach Canada zu entkommen versuchten. Sitting-Bull" mußte sich überzeugen, daß an eine dauernde Niederlassung seiner Krieger auf canadischem Gebiet nicht zu denken sei. und er mußte sich schließlich dazu verstehen, der amerika-, nischen Bundesregierung seine Unterwerfung anzubieten, die denn auch angenommen wurde. Außerordentlich nützliche Dienste leistete die Polizei während des Baues der Northern Pacisicbahn. welche zugleich auch der Ansiedelung und EinWanderung ganz ungeahnte Aussichten eröffnete. Ähaaren von Glücksrittern. Spielhöllenunternehmern, Schwindlern und zweifelhaften Existenzen aller Art hatten sich eingefunden, in der sicheren Voraussetzung, eine gute Ernte zu machen und im Trüben zu fischen. JhreZuvcrsicht dauerte nicht lange. Die berittene Polizei griff energisch ein und Lald war die luftige Schaar vor ihnen wie Spreu vor dem Winde zerstoben. Die Indianer waren übrigens besonders widerspenstig . Namentlich die Unbekanntschaft der neuen Ansiedler mit dem hervorstechenden Charakterzuge der Indianer Stolz und Nachsucht veranlaßte manche Schwierigkeiten. So kam es einmal beinahe zu einem allgemeinen Aufstande unter den Indianern wegen einer wahrhaft lächerlichen Veranlassung. Ein Weißer hatte einen Indianer geschlagen, und als dieser Genugthuung verlangte, wurde solche verweigert. Der Indianer redete seine Stammesgenossen in eine solche Wuth hinein, daß etwa fünfhundert Krieger auszogen und Haus und Hof des Schuldigen zerstörten. Das war aber noch nicht Alles. Es wäre zu einer allgemeinen Erhebung der Indianer gegen alle Weißen des Gebietes gekommen, wenn nicht Colonel Jrvine, der Befehlshaber, der berittenen Polizei, mit seinem Adjutanten Hauptmann Cotton muthig mitten in die Reihen der wüthenden und mit geladenen Büchsen bewaffneien Indianer geritten wäre. Trotzdem sich Tausende von Gewehrläufen auf beide Officiere richteten, verloren sie nicht ihre kühle Geistesgegenwart. Ruhig und bestimmt, als ob gar nichts weiter geschehen, gab C-ol. Jrvine den Befehl, sich augenblicklich zu zerstreuen. Diese vornehme Ueberlegenheit imponirte den Indianern; sie schlichen sich fort ohne ein Wort des Widerspruchs und der Ausruhr war im Keim erstickt. Hätten die Osficiere nur einen Augenblick gezaudert oder Unentschlossenheit gezeigt, ihr Leben wäre nicht einen Schuß Pulver werth gewesen. Ungalan terEZatte. Rccha: Aaron.wie sindstDu mich in meinem neuen Schleier?" Aaron; Häng' noch 'n Dutzend über'Z G'sicht!" Kasernenhofbluthe. Unteroffizier (nachdem er: Richt't Euch" kommandirt und kurz darauf be merkt, daß die Front eine mehrfach gekrümmte Linie bildet): Wat! Det soll eine grade Linie sind? Det sieht ja aus wie 'n: Ringelnatter, wenn sie Wadenlrampfe bat!" M a l Z t i ö s. Anna: Nun, Lisbeth, hast Du den Baron gefragt, was er über mick denkt und ob er mich nett findet?" . Lisbeth: Nein, Aennchen. ich sprach den ganzen Abend nur ein paar Minuten mit ihm, und das war aerade. als Du sangst. Da hielt ich's für besser, lieber nicht zu fragen!" Präcise Antwort. Ha, ben Sie elwas verloren, gnädiges Fräulein?" Ja. ich suche eine Nähnadel wi: rine Stecknadel.-

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Klaus Grolh. Oft, wenn ein großes nationales Gut gefährdet ist, steht, gerade im entscheidenden Augenblick, im Volke ein Genius auf, der, von zwingendem Dränge getrieben und mitunter sich seiner Sendung kaum dunkel bewußt, für dieses große Gut eintritt und allen, die da hören wollen, sagt, was auf dem Spiele steht. In den vierziger Iahren schlug an Deutschlands Nordgrenze der Däne immer auf's Neue drohend an den Heerschild; nicht nur die politische Zugehörigkeit zum deutschen Vaterlande. noch ein anderes angestammtes Besitzthum war für Schleswig-Hol-stein gefährdet: die altehrwürdige Muttersprache. Da. als hätte ein Gott ihn geweckt, rüstete sich gerade in einer jener bedrohten Provinzen, in der kleinen holsteinischen Landschaft Dithmarschen, ein schlichter Mann auö dem Volke zu einer nationalen That auf dem Gebiete der Sprache: unserem Deutschland wurde sein erster p l a t t d e u t -scher Dichter neuer Zeit geschenkt: Klaus Groth. Einsam und krank schrieb der Mädchcnschullehrer von Heide damals auf der Insel Fehmarn seine Gedichte im Dialekte der Dithmarschen, als wollte er sagen: Seht, wie herrlich, wie welch und doch wie mannhaft die Sprc he unserer Väter ist! Und die wil der Danske" uns nehmen?" Der Dichter des Quickborn" ist ein Selfmademan im vollsten Sinne des Wortes. Am 24. April 1819 in Heide. dem Hauptorte von Norderdithmarschen, als Sohn eines Windmühlenbesitzers und Ackerwirths geboren, verlebte er seine Jugend in engen und beschränkten Verhältnissen. Sein Geöurtsort, zur Zeit, da der Quickborn entstand, ein Marktflecken von fünfbis sechstausend Einwohnern, unter denen der zehnte Mann ein Schuster war, konnte dem werdenden Poeten nur Anregungen kleinbürgerlicher Art bieten, und die so beschaffenen Keime, welche damals in sein empfängliches Gemüth gelegt wurden, sind in der That reichlich aufgegangen: sie haben ihn zum Jdyllcndichter gemacht. Gerade als er sich genügend vorberei iet fühlte, um zu seiner Ausbildung zum höheren. Lehrfach die Universität Kiel zu besuchen, befiel ihn ein schweres Nervenleiden. Das zwang- ihn, . mit der Ausführung aller wissenschaftlichen Pläne zu brechen. Bei seinem Freunde Selle, dem späteren Componisten seiner Lieder, lebte er auf der Insel Fehmarn jahrelang der Wiederherstellung seiner Gesundheit, und hier, in der erhebenden , Stille, bei. Wellenrauschen und Möwenschrei, entstanden zu einem guten Theil, wie bereits angedeutet, die Lieder des Quickborn, die seinen Namen zu hohen Ehren brachten. Lange blieb er unbekannt, aber endlich drang er doch beim großen Publikum durch. Das war im Jahr 1852, als die poetische Auslese von Fehmarn unter dem Titel: Quickborn. Volksleben in plattdeutsches Gedichten Dithmarscher Mundart" erschien. Der neue Ton frappirte; die Tieft und Wärme deZ Gebotenen! erwarb dem Dichter die' Sympathien der Besten und Edelsten und das mit Recht? Denn in einer Sprache, die alle Herzenslaute des Dialekts wiedertönt, schildert er uns die bürgerlichen und bäuerlichen Verhältnisse seiner Heimath. Hier entwirft er uns Bilder aus dem Kleinleben, indem er uns in fein empfundenen Jdyllen Land und Leute von Dithmarschen mit dem Stift des berufenen Genremalers zeichnet; dort reißt er uns eine weite Perspektive in Geschichte und Sage auf, indem er in ergreisenden Balladen seine reckenhaften Altvordern, dieVorkämpfer undBegründer derDith-, marschen-Freiheit, markig in die Erscheinung rückt. Ueber diese eng umgrenzte und umschlossene kleine Welt aber gießt er jenes eigenthümlich ernste und elegische Stimmmrgskolorit aus, das für den deutschen Norden so charakleristisch ist. Was Groth neben dem Quickborn, von dem später(1870) ein zweiter Theil erschien, Schönes und Anmuthiges geschaffen, kann hier des beschränkten Raumes wegen nur kurz registrirt werden. So genüge es 'denn zu sagen: seine hochdeutschen Gedichte Hundert Blätter" (1854), seine ,.Vertelln" (2 Theile 1856 bis 1860). seine Kinderreime Voer de Goern" (1858). seine Idylle Nothgetermeister Lamp un sin Dochter (1862). seine Fif nie Lerder" J1874), seine Erinnerungen Ut min 5iungö'paradics" (1876) alle diese schönen und edlen Kundgebungen eines eigenartigen Dichterzcistcs sind dollsaftige Blätter im Ehrenkranze des holsteinischen Sängers, wenngleich sie nach Gehalt und Gestalt dem unvergleichli chen Quickborn nicht an bxt Seite gestellt werden können. Klaus Groth. seit 183? Privatdozent. seit 1866 Professor der deutschen Sprache und Literatur an der UniverWl zu Kiel, ist der lyrische Frih Reu. ter, der epische Hauptrepräsentant der neuen plattdeutschen Dichtung. '

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Zm llcidjc dcr Mode. Für Besuche, Concerte und Theater dienen die eleganten Kleider, die wir in den ersten drei Illustrationen zur Anschauung bringen. Das hübsch: Kleld (Figur 1) besteht aus karmesinrothem Velvet. zu dem der silbergraue, flaumige Chinchilla des Besatzes und der stlbergraue Atlas des gefalteten Gürtels und der Rosetten einen überaus reizvollen Ccntraft bilden. Der Rock des Kleides ist alatt und nur hinten mit drei über ciner Einlage von Roßhaarstoff gebildeten Rollfalten versehen. Den unteren Rand begrenzt ein schmaler Pelzstreifen. Auch die blusenartige Taille ist vorn und hinten in Falten gelegt, die hinten straff im Gürtel verschwinden, sich vorn jedoch mit leichtem Bausch über denselben legen. Der breiteStehkragen, sowie die Aufschläge der oben start gebauschten Aermel bestehen aus Chinchilla. E o st ü m aus Velvet. Zu Fig. 2 ist steingraue- Tuch verwendet. Dem auf Seide gearbeiteten Rock sind an den Seiten zwei scharf gekniffte Falten eingefügt, die 16Zoll abwärts vom Taillenabschluß beginnen. Die obere Naht deckend und bis auf den Anfang der Falten hinabreichend, befinden sich 1 1-2 Zoll breite Tuchlcisten, die mit großen Knöpfen aus Perlmutter und facettirtem Stahl geschmückt sind. Die vorn mit kurzer Schnebbe gearbeitete Taille hat hinten lange, breite Frackschöße, die seitwärts ein paar scharf eingelegte, mit Knöpfen gehaltene Falten zeigen. Die Taille Lffnet sich mit breiten, sich als. Umlegekragen fortsetzenden Doppelrevers, von deren die oberen aus dunkler schattirtem Sammet bestehen, für welche die etwas größeren Tuchrevers eine gleichmäßig? Umrandung bilden. Der Einsatz un) der Stehkragen bestehen aus stark gefalteter Seidengaze mit gleichen vollen Rosetten. Kleid aus T u-ch. Von großer Eleganz ist das Kleid Fig. 3 aus lavendelblauem, gesticktem iluch mit gleichfarbiger Sammettaille. Der durchbrochen gestickte Rock iß, mit Seide unterlegt.wodurch sich eine gleichszm relusartige matte Musterung, auf flimmerndem Grunde bildet. Der rorn und hinten im Schluß leicht eingekrausten Taille liegt ein großer, sich oorn. wie ersichtlich, bis zum Tailleneöschluß fortsetzender Kragen auf, der ebenfalls, mit Seide unterlegt und mit kleinen StahlHailletten benäht ist. Der Kragen schließt ein Plastron aus g?lbweißer Seidengaze ein, das seitwärts tnit gezogenen doppelten Rüschen beprenzt ist. Gürtel und Stehkragen bestehen aus rosa Sammet; letzteren schmücken grllÄiche Gazerosetten. Der bauschige Pagenärmel fällt über einen v.it Silberpäilletten benähten glaUen ölcrme!. Cost ürn aus Tuch nrit Samm e t t a i l l e. Ein Kleid, das auf beiden Seiten getragen werden kann, stellt die letzte Abbildung dar. Der versendete Stoff erscheint aus der einen Seite dunkelblau, auf der- andern dunkelblau und carrirt. Alle Nähte sind etwa einen Drittel Zoll breit doppelt übereinander aesteppt und bilden so zugleich einen Schmuck des KlcideZ. Am Saume gibt der überschlagen? carrirte Stoff dabei einen Besatz für die dunkelblaue Seite des Kleides, und mit diesem Streif-n übereinstimmend ist auch der dem Rock aufgesetzte Medizisgürtel carrirte. Die Abnäher des Rockes, der in jeder Form gefertigt werden kann,

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güTUlfaffi- i, sind e:was gerundet und imitlren vorn Tasten. In seh? praktischer Weise ist das Anbringen der Tasche erreicht; t ist hinten dem Schlitz an dem oberen und unteren Ende der Oesfnung mit Bortenenden festgesteppt, so daß diese einen Zwischenraum von einem Zoll an Rock und Tasche bilden, wodur sich die letzter: leicht und unsichtbar nach beiden Seiten umlegen läßt. Peinliche Akkuratesse ist bei der Herstellung des zweiseitigen KleideZ die erste Bedingung. Zweiseitiges Kleids Eine feste, zweiseitige Taille anzuferiigen, würde nicht rathsam sein; es empfiehlt sich hierzu eine beliebige Bluse zu wählen. Vervollständigt wird das Kleid durch einen runden Kragen, de: ebenfalls zweiseitig getragen werden kann. Die Pelerine ist mit Umlegekragen und einem apart umzulegenden, gleichfalls umzudrehenden Capuchon gefertigt. Ein Täschchen aus dem Stoff des Kleides, in weiter Tütenform, wird mittelst dunkelblauer Bandenden zusammengezogen, mit Schleifen verziert und dem Rock - mit starken: Sicherheitshaken am Gürtel angehalt. Taö Wcdderfrüschchcu. V vTjriVi v ZetcJ) H f' -j Millionen Donnerwedder! Ree! Das hald ich n?ch mehr aus; Ach! ich armes, grines Fräschchen Siz gefangen hier im Haus! Draußen, an des Glases Rande, Schdeigd bomadig ne wie dumm! Mich ze ärgern, das is sicher! Ene fedde' Fliege 'rum. Wär' ich frei mid eenem Wubbdich" Wollo' ich diese Freche griegen; Ja! das wedd' ich. holde Läs'rin Mit Dir um ä duzend Fliegen!" Falsch verstanden. .Tourist: Sonderbar! Alle Ge birgsbewohne: haben blaue Augen Führer: Ja, Haben's denn bei Ihn l Haus koa Kirchweih?"' . Passendes Wetter. ' Dame : Hz, welch' schneidige? Wind!" Lieutenant: Selbstverständlich wo Lieutenant draußen!" Spröde. Und endlich lag.nach heißem Müh'n. Ihr sprödes Herz mir offen, Da hab' ich zu meinem Schrecken d'rin All meine Freunde getroffen! i Vorsichtig. Frau (zu dern ohnmächtigen (Baittr,): Schlage nur um's Himmels Willen Deine lieben Augen wieder auf. guter Paul, ich will Dir ja alles thun zu liebe in der Welt. Er: (noch mit geschlossenen Augen): Darf ich von jetzt ab drei Mal auLzeheu in der Woche?!

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