Indiana Tribüne, Volume 18, Number 82, Indianapolis, Marion County, 9 December 1894 — Page 3

V

K ?

SBffiB

Cln Genie der Skat. von ßrnst Aemln. (2. Fortsetzung.) Die Erschütterung des Zwerchfells -thut im Haupte weh, wenn man Dieses nennt sich ein pyramidaler, ein sträflicher BrummschädeÜ" murrte 'Franz und wies mit kläglichem Lächeln cuf seine Stirn. Tiefes auch, mein Freund!" gab der :Mann auf dem Bette zurück, mit dem gleichen schmerzlichen Gesichtsausdruck, .und wies auf die seine. Teufel, wie spät? Xislit's c:inllcs :art l.'nrnt out. es ist. schon hell!" fragie dann der Inhaber des Sofas. Leide Uhren waren abgelaufen. Franz stand ächzend auf und sireckte Yu zerschlagene Glieder. Jch muß schleunigst nach Haus!klärte er. Asia vergiftet, mich, mein Alier tobt und Fritzi. die hämische, kleine Viper, witzelt den' ganzen Tag, trenn ick am Morg.'n-Kzffeeiisch fehle!" Franz naf, fils de f:mn!w." erwiderte feierlich langsam der Dichter, mir kommt ein: Idee, schön wie eine Houri des Paradieses ich werde aus stehen, ich werd: mein Haupt im U)!org?nroth baden, ich werde Sie begleiten. GLL?n die Wirkung des Aethylorqd'Hydrates" auf den menschlichen Kürpe? gibt es nur eins: einen Morgenbummcl in den Thiergarten!" I'oims kann man sich bei Jhnen ein bischen waschen?" Sie machten Toilette dann gab's einen Kognak. Trs, sagte Vreying, wie der starke Branntwein seine Kehle hinabrann. Ich fühle junges, heil'ges Lebensglück neuglükzcnd mir durch Nero' und Adern rinnen! Bin ich ein Gott? Mir wird so licht! Jetzt erst erkenn' ich, was der Weise spricht: Auf, bade, Schüler, unverzroffen die ird'sche Brust im Morgenroth! Nun aber: Außi, aujzi. auvM Bald darauf wanderten sie selbander den Kanal entlang. Noch war in dieser bevorzugten Geyend die große Stadt still. Der feine Dampf der beiden Zigarren kräuselte sich in der klaren Morgenluft. Der Frübwagen von Volle hielt an der Grogbeerenbrücke, und eine verschlafene Jose mit ungemachtem Haar streckte verdrossen' ihren Topf hin, während Kutscher und Klingelknabe ihr etwas handgreiflich, aber völlig vergeblich den Hof machten. Ach, wüßten dieHalsfrauen, wie ihre Küchengeister, wie ihre Töpfe aussehen, in denen die Morgenmilch besorgt wird, fcenn einmal der Herr" früh ausgebt! EinVäckerjunge kam pfeifend dieMöckernstratze entlang dann einige ?"üde Schaffner in großen Pelzen mit Koffer und Laternen. ..Ja. ja!" sagte in dieser Gegend Frunz. Dann gingen sie weiter. Die Potsdamerstraße lärmt: bereits stark da zog seit drei Uhr die Le-ben-mittelkarawar: aus den Vororten ein. Marenholz war der Dümmere gestern Abend." bemerkte hier Vreying. .Wäre er nick! gegen 10 Uhr nach Haus gegangen, hätte er vermuthlich auch bei mir geendet und entbehrte jetzt nicht des klassischen Anblicks dieser tausend interessanten Vehikel!" . Da Franz nicht lachte, fuhr er fort: SBaz wohl eine ungesalzene Vemerkung von mir? Ich vermisse den et icohnten Beifall!" , Na. Mittelwurf!" meinte Franz. Franz Graas, fils de farnille," begann Vrcying aus's neue, Sie moern ren sich über mich. Aber tch sag: hr.en mir ist so eigenthümlich zu Muth, just wie dem Kätzlein schmächl'.g, das an den Feuerleitern streicht; mich drängt es, etwas zu unternehmen, uin aus der Katerstimmunz zu lern men. Sollen wir 'mal den Nachtrath da drüben ärgern, der gern nach Haus inöchte und sein .letztes Viertel cöschläft, indem wir hier in den Kanal springen und durchschwimmen?" Bitte," sagte Franz kühl, ich werde mich darauf beschränken, Hilfe zu schreien!.... Alle Donner." unterbrach er sich plötzlich, wer ist das da drüben da an den Vorgärten entlang? Das ist ja unsre schöne Polin von Unter den Linden " 23o, wo? Wahrhaftig! Kommt et was spät nach Hause, fin-d' ich!" Und allein? Vreying, sehen Sie nur, wie die Frau geht, sie schlepp! sich nur so; Teufel, was ist das? Jetzt kommt sie über den Damm drüben. Drücken wir uns hinter den Baum! S'e sieht sich um, sie guckt he: über den Kana!, sie hat uns gesehen und geht weiter. Vreying, ich wette, sie hat etwas toil" Die Herren blieben zurück, ließen aber die einsame Dame nicht aus den Augen. Was ist das für ein Kerl, der ihr nachschleicht?" Das ist ja Marenholz' Bursche, der Wasserpolack. das gute Hundevieh, in .':;:? Drilljacke, taumelnd vor Müdiateit Dieu de Dieu! Was ha; '.deis zu bedeuten? Morenholz' Bursche, de? Wasser pola, das gute Hundevieh, hatte am '&r):n? den Auftraa erhalten, der Dame unauffällig das Geleit zu geben, sie n:chr :lr zu verlassen, ehe sie nicht in ein .us ging, darinnen sie daheim zu sein chne Stunde um Stunde . , '"jlt:j:- v r i war rci ungiuauajcn rau geioigr, 1 V I SW die in oen listen toraen in Scherz und Betäubung die dunklen .ana!usr aus und av gelaufen war. Jt war man an der Bendlerstra ßendrücke angelangt. säi muß nun hinüber nach Hau?; fagir Fanz gähnend, die Bendlerstrafe schneidet gerave durch auf un-

tzt Vllla.

Bleiben Sie noch ein paar Auaen-

blicke," erwiderte ihm der Graf, der mit klaren, scharfen Auaen der Dame dlüben folgte und Rausch wie Müdigkeit vergessen zu haben schien. Der moderne Mensch soll keiner ungewöhn lichen Beaeanuna aus dem Teae ae Yen. Wir werden glich etwas erleben!" Das unglückliche Weib stand nun wiederum still und blickte sich um. 5!brem flüchtigen, spähenden Blick erschienen vre vornehmen Userstraßen völlig men chenleer den? der Bur,che. wie auf der anderen Kanalseite die Freunoc, yatten Deckung hinter Bäumen gesucht, als die Dame &aU machte. Bei de Parteien beobachteten sie. Sie nahm Vaviere aus ibrer Tascke. zerriß dieselben, ließ sie im Morgenwinde flattern und sah ihnen träume.risch nach. Es schienen Visitenkarten i'.no )öTic,i zu sein. Dann leate sie die acfalteten sVdnde dicht unter ihrer Vüste zusammen und wendete ihr Arnlik aeaen den mor gendlich flammenden Himmel, gen Listen. wo die Sonne ein ungeheurer Feueröall hinter schweren purpurbrennenden Wolkenschleiern ihr Angesicht zu erbeben trachtete. Wie wunderschön dieses stillerarecnilifc war: ein 'leises aramvolles Läckeln, eine tiese Fri.'denssehnsucht daraus; voll dem jungen Lichte zugcwandt, von wehmüthig heiterer Vorahnung endlichen, ewigen Friedens erfüllt! Mit einemmal trat sie über das niedriae Gitter in das smaraadene Grasbeet des Users zwei rasch: Schritte, ein leichtes, sekundenlanges Zö:rn auf der freien Bordschwelle dann gab es ein Plätschern in dem stillen, morgendllch gekrauselten Wasser und beide Freunde sowohl, wie drüben der müde Soldat stürzten bastia vorwärts. der Selbstmörderin zu helfen. Hätte die Arme gewußt, daß sie nun so daliegen würde auf der kleinen Holzdank am Promenadenweg des Ufers, vielleicht hätte sie es nicht gethan. Schmal war das Brett Damit die Beine der Leblosen nicht hinunter glittcn, hatte man das linke Bein über das rechte gelegt das schwere nasse Kleid hing von der Seite auf den Kies hinab, ließ ihre herrlichenGlieder plastisch heraustreten, zeigte die feinen Halbschuhe, den kühngeschweiften Spann im olivefarbenen Strumpf, die schön? schwellende Rundung des Unterschenkels. Sie hatte s!ch im Wasser gegen ihre Retter gewehrt, dabei war ihr Haar aufgegangen Franz stand, stützte ihren Oberkörper und den hängenden Kopf mit seinem Bein und mühte sich, die triefende schwere Haarsülle mit den Händen auszudrücken, auf ihren Schul tern und ihremBusen festzulegen, damit es nicht in den Staub streife. Unter den Achseln war ihr Kleid zerrizsen, die feste glatte Haut, mit ihrem Hauch goldbräunlichen Inkarnats kam da zum Vorschein ein Schauspiel der gafsenden Leute, die aus den NachbarHäusern herbeigeeilt waren und um die Bank herumstanden, dienstwillig, aber ungeschickt. Breying allein war kaltblütig geblieben, schaudernd vor Kühle und Nässe, mit triefenden Kleidern, wie er war. Rasch zu 'nem Arzt, Leute!" rief er. Wer weiß einen in der Nähe? Gut, eilen Sie, ich zahl's Ihnen, so rennen Sie. doch, Mann!" Dann ergriff er den regungslosen schweren Körper um Taille und Oberschenkel, wendete ihn um, daß dieDame auf den Leib zu liegen kam, und hob sie nun mit mehr Kraft, als man seiner schlanken Erscheinung zugetraut hätte, auf, den hängenden Kopf mußte Franz halten. In dieser Stellung klappte der Mund auf, und Wasser begann abzulaufen. Wohin nachyer Mit ihr?", fragte er keuchend Franz. . Dielen, wie er vorher still neben ihr gestanden und nach der Anstrengunz des Rettungswerkes Lust' geschöpft, hatte ein tiefes Ruhren Mit der Unglücklichen erfaßt. Gestern noch ein stolzes, begehrenswerthes Weib beute eine Wasserleiche. Zu uns, Breylnq!" saate er. Nur die Bendlerstraße entlang. Man trägt sie in s Gartnerhauschen, um dre Schwestern nicht zu erschrecken Geht nicht! Halt ich muß einen Augenblick niederlegen die Polin es ist die Sarmatrn , von der ich gestern sprach. Joseph Ihre Schwester Asta toit sehen, es geht nicht!" Die Portiersleute des gegenuberliegenden Hauses erboten sich, die Verungluckte ausunehmen. Ich lohne Ihnen zehnfach alle Last, die Sie haben!" rief Franz, ich heiße xyxam Graaf, Sohn des ' Kommerzienrathes Graaf! Kenne Sie. junger Herr! Da kam auch schon ein Arzt, und das Wiederbelebungswerk nahm se:nen Ansang. Natürlich kommen Sie erst zu mir herum, liebster Conte, kleiden sich bei mir um und frühstücken! sagte Franz, als sie das Haus verließen. Müssen .sich doch erst von dem kalten Frühöade erholen. Sehen Sie, man soll den Tcufel nicht an die Wand malen: An der Potsdamerbrücke wollten Sie in den Kanal, um den Wächter der Nacht zu erschrecken! . . Schon, wenn ich bei Ihnen mich häuten und einen -Schnaps genießen konnte ! v Sie gingen die Bendlerftraße hin unter. Hoffentlich ist Asta nicht am Fester sie ist eine Fruyausstcherln! bemerkte unterwegs Franz. Allein das Unglück wollte es, daß Asta doch am Fenster war. Sie hörte das Klingeln am Thor, sah die beiden Herren durch den Vorgarten gegen das Haus her kommen, beide in ihren triesenden Kleidern, mit ihren blassen, er

regten Gesichtern, Breying ohne Hut

und erschrak heftig. Die Geschwister wohnten im oberen Stockwerk als die Herren sich über den Korridor in Franz' Zimmer begeben wollten sie gingen auf denFußsvinen öffnete Asta ibre Tbüre und fragte mit hastiger, gedämpfter Stimme: Gras Breying ranz ist ein Unalück passirt:?" Der Gras entichldigre ihit To: leite Frühspaziergang am Kanal Dame in s Wasser gestürzt beide nachgesprungen glücklich herausgefischt in den Händen des Arztes. Eine Dame?" Der zweifelnde Ton des letztenWartes machte Vreying lächeln. Der besten Gesellschaft, meine Gnadige!" fügte er hinzu. Sie kennen sie? Nicht persönlich, meine Gnädige!" Und wer wer ist's denn? Und warum hat die Unglückliche ?" Asta," fiel Franz ein, wir zitiern vor Näne und Kälte. Wart: tch we nigstens mit Deinem Verhör, bis wir uns umq:kle:det haben." O Vrneichuna aber Sie nebinen dsch den Kaffee mit uns, Herr Graf?" Das wäre ja so w:it ganz schön." meinte äraerlich der todtmüde Franz, als sie sich im Zimmer die Kleide? vom Körper ziehen ließen. Aber daß uns meme Schwester obenern in den Weg lausen mußte!" Breymg zuckte die Acqseln. Es wird ein großer Skandal werden," erwiderte er. Ihre Schwester würde doch darum erfahren haben! Verdammt, ja: Die Zeitungen! Ich muß gleich fort und zu Joseph fahren, damit " Ein bezeichnender VTlck Vreyings auf den Diener schnitt Franz das Wort ab. Dann saß der Graf und ließ sich frottiren; die Zeitungen, die Zeitungen!" murmelte er und eine seltsame Idee drängte sich seinem Gehirn auf. IV. Rege Dich doch nicht so auf, Bruder!" bat der Kommcrzienrath. Ich reae mich ia nicht auf! wider sprach Heinrich Graaf. Ich rege mich ja nicht cuf!" Allein seine Stimme zitterte, nicht im Zorn, sondern in jenem männlichen Grollen, das sich dem Organ mittheilt, wenn an eines reifen Mannes innerster Eigenart, den verborgenen Grundlagen seines yaraiters, gerüttelt wird. Der Kommerzienrath hatte sich in seinem Wägelchen aus der Thiergartenstraße herrcllen lassen, seit Jahren zum erstenmal, um in guter Absicht zu Gunsten von Annie und Johannes gegen die spießbürgerlichen Gewohnheiten des Bruders zu interveniren und dieser Schritt des Kranken hatte auf den andern den tiefsten Eindruck gemacht. Die Treppe hinauf hatte man den alten Herrn sammt seinem Stuhl getragen nun saß er in dem stillenBcrliner Zimmer, beschwor seinen Bruder, sim nicht aufzuregen und bedauerte schon, gekommen zu sein. Nein. Eberhard! laß mich reden wir müssen uns endlich einmal ausein andersetzen, in Frieden und bruderucher Liebe, wie wir immer gelebt haben, aber ohne die Grenze zu verschütten, die uns trennt. Nenne mich einen Prinzipienreiter" er hielt inne und sammelte seine ganze geistige Krast, das, was er sagen wollte, so gut wie möglich zu sagen, und sein Angesicht nahm dabei einen eigen vergeistigten, tiefen, strahlenden Ausdruck an, wahrend sich aus der alten Burst eine starke, klangvolle Stimm: losmachte, aber ich wiederhole, aus Prinzip lasse ich meine Kinder nicht zu Dir kommen, ausPrinzip schließe ich mem Haus gegen die moderne Welt ab. aus Prinzip tyrannrsire ich meine Kinder, die ich liebe, so gut. wie Du die Deinen. Ich will, sie sollen Bürger bleiben, sie sollen nicht Angehörige der bevorzugten Kasten" werden. Entsinnst Du Dich, wie wir aus der Schulbank von den reichen römischen Plebejern dachten, die sich besser dünkten, als ihre Standesgenossen, die sich zu den Patriziern hielten, von denen sie wegen ihrer Bildung und th res Wohlstandes mit offenen Armen aufgenommen wurden? Verräther an ihrem Stande nannten wir sie! Ich bin liberal, aber kein Demokrat; ich will nicht eine Gesellschaft, die wie ein Urbrei. c.us lauter gleichberechtigten Individuen, aus den zerschlagenen Resten aller. Stände besteht denn das it eine Utopie; es gibt eben einen siarken Adel in Preußen, der sich aus's neue kräftig organisirt, einen historischen Stand, der sein Erntenzrecht hat. Aber so wie das Königthum erstarkt ist. wie die Kirche sich wieder festfugt, wie der Adel, wie die Arbeiter sich zu gro ßen, mächtigenVünden zusammenschlie ßen, auf den modernen Staat drücken, ihn sich zu Willen zwingen, so soll auch der Bürgerstand, der einzige, der es bisher versäumt hat, wieder ein ge schlössen, kräftiger Organismus wer den. Man nagt an ihm von oben und von unten: es fehlt ihm an Standesbewußtsein, an politischem Instinkt. Soziale Empfindungen wie die meinen begegnen nur dem Mißverständniß und dem Spott; unberufene Führer haben sich uns aufgedrängt, un re gronen Ideen verfälscht und diskreditirt aber das alles kann mich nicht untreu machen. Manche preußischen Könige Nicht die schlechtesten haben sich ge rad: auf unsern Stand gestützt; und der gutlae Herr, der nach unserm theu ren alten Kaiser herrschen wird, wird auch wieder em gutburgerllcher König fein, wie sem unvergeßlicher Großva ter. Ja, wir trocknen, verhuzelten alten Bürger sind es, die die groß: vaterländische Begeisterung von 1813 bis zu der von 18 0 genährt und getragen ha ben; wir. die man jetzt altmodisch und Zomrsch findet, sind es, die in den fünfzig Friedensjahren jene große Sunime nationaler Arbeit geleistet haben, die

?TCTig

ich gemacht I lle die un- ! oas arme Preußen wieder re oar; wrr haven in der (stille die un damente aller jetzt blühenden deutschen Großindustrieen qeleat: die Borsiqs, die Krupps, die Grusons. die SiemenZ und tausend andere gehören zu uns. Nun aber heißt es auch Plebejer" bleiben, bürgerlichesStartdesbewußtsein bewah ren. Nicht über unsern stand hinausstreben! Alle Tage geht auf dem Wege der Hetrath und der Ervschait ein gutbürgerliches Vermögen in adlige Hände über, und der Adel hat politischen Instinkt genug, alle die großen Jntelligent m m i i V zen. Die Beruymlyelten, oie ircetcnen, die Erbtöchter desBürgerthums freundlich in seine Rechen auszunehmen. Die Kraft unseres Standes wird damit nicht erschöpft, die wäckzst stets von unten herauf nach; und ich mernestheus sehe es sogar nicht ungern, wenn jene Renegaten uns verloren gehen, die doch nur vermöge ihrer Elt?lkelr. vermöge der Geringschätzung,' mit der sie durch die modeqewordene adlige Brille auf ihren Ursprung,ihre Väter blicken, die Schlichtheit, die wirthschastliche Tuchtigkeit des Bürgerthums, seine engherzige Moral , ja, unsre gutburgerIich; öffentliche Meinung verfälschen und schwächen würden. Aber ich. mein Bruder, siehst Du, ich bleibe bei de? Stange, m?ine Kinder sollen solche Renegaten Nicht werden; mein Sohn Johannes und meine Tochter Annie sollen nicht Verkehr iber ihren Stand pflecen, sollen all euer modernes Leben nicht kennen lernen, sollen eureAnschauunqen nicht in sich aufnehmen, sollen nicht unzufrieden werden!" Unzufrieden?" fuhr der Konrmerzienrath auf. Sind meine Kinder un-' zufrieden? Heinrich, ich hahe Dich ausreden lassen. Ich muß Dir ehrlich sagen: Es war eme stark demokratische VezirksvereinZrede, die Du mir gehalten " Ich Demokrat?" rief der andre heftig und schien nicht übel Lust zu haben, sich zu bekreuzen. Also Nachbarsekte Demokratie", sagte Eberhard, dem das Wort Renegat nicht gefallen hatte, ich bin andrer Ansicht. Gerade in unsrer Zeit sollte ein Vater suchen, das Schicksal seiner Kinder zu sichern, indem er ihnen durch seme Thatkraft und Strebsamkeit unen festen Platz innerhalb der Phalanx der wirtschaftlich und gesellschaft lich bevorzugten Stande das ist: in der herrschenden Volksklasse verschafft. Ich bin stolz darauf, dies für meine Kinder geleistet zu haben! Und ich bin überzeugt, sie selber werden es mir danken: Eberhard," sagte feierlich nach einer Pause der andre, zwischen Dir und mir wird dereinst eine fürchterlicheRichterm sem: die soziale Revolution! Ach was! Die, wenn sie je eintritt. schwemmt Adel und Bürgerthum hinweg. Ja, euch gilt dann der größere Haß!" Fortschwemmen? Nein, der alte Mann im Schlafrock sagte es sinnend und nachdenklich. Die Entwickelung, die wir meinen, wird nicht mit Gewalt auftreten, sondern unmerklich ja wir sind bereits mitten darinnen! Eberhard sah ihn groß an. Nun ja," fuhr Heinrich Graaf fort, schon beginnt das Kapital sich selbst aufzufressen, durch Brachliegen - sich selöft zu vernichten; schon jetzt wird ein großer Theil der nationalen Arbeit auf Staatskosten, für Staatsrechnung und zur wirthschaftlichen Erleichterung aller verrichtet; denke an unsere Staatsbahnen, deren Ueberschuß nicht mehr in die Tasche der Millionare .flrent, sondern etwa unsre gesammte Staatsschuld verzinst " - - Wir wollen uns Nicht tu akademische Erörterungen vertiefen!" unterbrach ihn der 5u?mmerzrenrath. Das gehört hierher!" erwiderte ruhig Heinrich. Und diese Entwickelung schreitet stetig vor. Große Volksklassen, d vorher von Renten lebten, müssen bei der Entwertung des Kapitals hentzuiage bereits wieder arbeiten. Ihre Rente ist nur noch em Zuschuß. Wer weiß, ob in zehn, fünfzehn, zwanzia Jahren, in einer Zelt, dre unsre Kinder noch erleben werden, auch Dein und mem ermoaen (zumal sie in Stücke zerfallen) noch aenüaen werden. ihnen eine Rentenexistenz zu fr ehern. Darum erziehe ich meine Kinder zur Bescheidenheit in der Lebens fuh rung. zur Arbeit. Darum werden sie von einer sozialen Revolution nicht ver Nichtet werden. Die Deinen hingegen was soll denn Dein Sohn ??ranz thun, wenn er einmal sein Vermögen bei einem wirtschaftlichen Umschwung ver liert? He? Gelernt hat er nichts. Ansvrüche hat er. wie ein Graf bet teln kann er! Und trrnt diese Umwäl zung nicht unsre Kinder, sondern unsre Enkel, wohlan, um so mehr muß ich in meiner Familie die Tradition der Arbeit, der Schlichtheit, der Sparsamkeit, des väterlichen Bürgersrnns erhalten, in je kleinere Stücke mein Vermöqen bis dahin zerfallen sein wird! Darum schelte mich nur einen Prinzivienrelter oaruin weroen meine Klrfder mit meinem Willen in Deinem Hause nicht verkehren, darum werde ich keim Aenderung in meiner Lebensführung eintreten lassen, darum will ich in meinen vier Pfählen nichts wissen von Eleganz, vornehmerGeselligkert, modernem Luxus, adligem Umgang und dergleichen. Sela!" Mit einem Wort." erwiderte argerlich derKommerzienrath, darum willst Du em Pfahlbürger bleiben! Urfd wie ist je und je in der Welt der Kulturfortschritt verniittelt worden? Durch das Ueber - ihren Stand - Hinaus? wachen einzelner! Gewiß! Aber Zeder Fortschritt hat seine Grenzen, feinen Höhepunkt. Du willst, ich solle meine Kinder den Fortschritt vom arbeitsamen Bürgersohn zun: vornehme Faullenzer machen laffrn!Heinrich, Heinrich!" rief heftigEber fynd, V:r wohl fühlte, daß der Bruder

?c

seinen Sohn Franz im Slnne hatte. Wirthschaftlich sorgst Du gut für die Deinen, wenn ick Dir alles zuaebe, was Du gesagt hast. Aber sieh: Deine Tochter hat nun einmal Ahnung von dem modernen Leben, das sie umgibt, ihre Augen sind offen, sie sehnt sich in gefäl tigere Verholtmne, als Du den Delnen bietet, sie fühlt sich elend in diesem Spießburgerthum, sie vergeht darin. Bruder, Dein Kind vergeht darin! Deinem politischen Prinzip ist sie Renegatin wohl es aoer sie hat eine Menschenseele, die nun einmal cus Deiner Art gefallen ist. und sie forden nicuts, als ihr Menschenrecht freier Entwickelung, wenn sie mit allen Fibern aus der nüchternen Existenz herausstrebt, die Du ihr auszwingst Für dies ihr Recht trete ich em ihr na türlicher Vormund, wenn Du stirbst!" Du? Nem!" ries der alte Herr bitter. Du nicht, der Du mir mein Kind rauben willst!" Der Kommerzienrath ?nckte unmuthia mit den Augen, allein, wie er die Wirkuna seiner letzten öiede auf den Bruder fah, sckug ihm doch das Herz. Aus weltaeossneten Lidern starrte Heinrich Graaf voll SÄrerfen vor sich hm. als trat! ihn unerwartet em längst gefürckter Schlag Ist das wahr izt das wahr? fraate er mit leiser, fast furchtsamer Stimme. .Hat sieDir das gesagt? Vergeht in dem Leben, das ich ihr schaffe?" Dann wandt: er sich ab, gegen das Fenster, setzte sich plötzlich nieder, sagte nichts, sondern schüttelte nur leise, den Kopf. .Frag sie selbst!" fügte grollend der Kommerzienrath hinzu, in dem noch die Bitterkeit über manche Wahrheit die ihm der Bruder zu horem gegeben hatte, überwog. Heinrich sah ihm forichend m s Gesicht. Ja, ich werde sie selbst frcrgen!" antwortete cr. Mit plötzlichem kraftmen Ruck aufstehend. Eberhard sah ihm aus unbehagllchen, fast ängstlichen Augen nach Schon lange ging die Szene weir über die Kraft? des kranken Mannes. Erlerchtert athmete er auf, alsHemrich nach kurzer Paust allein zurückkehrte, fahl lm, Gesicht, mit unruhigen,. dunkel erscheinenden Augen, aber doch gefaßter, als vorher. Bruder." sagte er, ich ich habe nicht den Muth, sie so zu fragen. Es ware Du begreifst es wohl, es Ware ein Swß in mein innerstes Herz! Hat-. test Du recht, hatte ich mein Kmd verloren! EL mag ja sein, daß sir bei. j uns manches vermißt vielleicht entschließe ich mich doch, einige leichte Aenderungen eintreten zu lassen, Umgangmit Freundinnen andres Mobiliar vielleicht" er sah sich im Zrmmer um ovwotil omes nocy au: eryallenist. Aber, ich verspreche Dir, ich will sie beobachten, will suchen, die Wahrheit allmählich herauszubringen, nur nicht mit einem Schlage es könnte mir zu viel sem, wenn ich so plötzlich sahe. bah meine halbe Lebensarbeit umsonst lst, daß ich nur noch einen Sohn habe. Ich bin :a selbst unruhig, seit Du mrr das gesagt hast,. Eberhard, ich werde sie schon ausforschen. Gott gebe. Du habest nicht recht! Aber hier meme Hand! Du hast mir manches Bittre gesagt, Heinrich!" Diese Stunde war für mich bittrer. als für Dich, sollt' ich meinen. . Aber, nevermind! Ich wollte Dich nicht kranken! Und da, meine Hand noch einmal, ersehnt sie sich ein andres! Leben dann dann ich will nicht, daß sie vergehe; Menschenrscht dies neuerdings so über die Achsel angese hene Wort auf mich hat es die alte Wirkung nicht verloren Menschen--recht, das soll man mir nicht vergebend zurufen. Dann kannst Du sir meinetwegm zu Dir uebmen bei Dir kann sie ia alles nachholen, findet sie ja alles, n?as sie in ihrem Vateihausevermißt!" Hemrich, ich Ware nicht gekommen, hätte ich nicht neulich dem Kinde,, als sie bei uns war, an den traurigen,, fast neidischen Augen abgesehen, daß sie-, nun einmal eine der Naturen ist,, dir Glanz und Licht brauchen, dre, m en gen Verhältnissen festgehalten, einfach' schlecht weiden! Sieh, es war ein saurer Weg für mich, und mein alter Körper wird sich auch wohl für die Anstrengung und Aufregung schwer cur. mir rächen!" Ja, neulich, als sie ber euch war! sagte Heinrich, der in dem Egoismus feiner Erregung auf die persönliche Klage des Bruders nicht achtete der Besuch, der heimliche Vesuchl Daniir hat's angefangen!" Laß sie ruhig zu mir kommen, Bru der, sie lernt nichts Schlechtes bei mir. und vielleicht diese stille Hoffnung auch führte mich her wir standen lange Jahre nicht Zu einander, wie ich wohl wünschte vüllcrchr. daß auf unsre alten Tage durch unsre Kin der alles sich wieder anbahnt' Ja, ja. es war? nnch lieb!" antwortete der andre zerstreut und in seiner Zerstreutheit mit falschem Aklusatw. Nimm doch die Sache nicht traisch, Heinrichs begann noch einmal der Kommerzienrath, es Ist das allgemeine Schicksal in unsern reichaewordenen Bürgerfamilien. Vielleicht hunderttau send Kinder murren n unserm Berlin gegen ihre Väter, die ihnen zu altmotisch geblzeben sind oder sich von dem neuen Zug und Aufschwung der Zeit nur widerstrebend m's Schlepptau nehmen lassen wollen. Eben weil wir gut liberalen Alten ihnen zu unmodern waren, sind unzre heutigen Herren Sekundaner Stutzer geworden, unsre Hren Studenten konservativ!- Er lachte, freilich nur aus dem Bedürfniß, die Stimmung zu .verbessern. Ja. ja, es ist schon so!" erwiderte Heinrich, auch seinerseits errisihaft lä chelnd, abr in der gleichen Zerstreutbelt, wie zuvor. Es war ein etwas peinliche: Anblick, frie ; der Kommerzienrath dann die

Treppe hlnmltergeschasft wurde, und die Gebrechlichkeit seines Bruders verstärkte bei Herrn Graaf den Eidruck der Unterredung noch bedeutend. Lange noch, nachdem die beiden Diener mit dem Wägelchen und dem alten gclähmten Manne fort waren, stand der Alleingeblieöene am Fenster, schlug die Schlafrockquasien gegeneinander und blickte in den unfauberm kleinen Hof hinunter. Menfchenrechk!" murrt: er zulctzt: Mcnschenrecht, das hieß von jeher: sich nach eigner Idee, eignem Wohlgefallen den Schädel einrennen dürfen. Die vernlckte Asta. der Herrgottsbummler Franz. di? naseweift, kleine Fritzi", N7re sie sie nennen, die noch mal liederlich werden wird! Und so möchte mein eigen Fleisch und Blut auch gern werden einfach weil Hm der alte Kammmacher von Vater zu gering und zu unmod?sch geworden ist! Aber wacklig ist der arme Kerl der Eberhard! Weiß Gotter wre ihnen beinahe aus dem Wagar über das Treppengeländer gefallen, als sie ihn aus der engen Trrppe hochheben mußten. Hätt' ich da nicht zugegriffen! Ja Gott sei Dank, meine Muskeln sind noch solid, das macht, ich hab'' mein Lebtag gearbeitet und Brühsuppe mit Rindfleisch gegessen, nicht bei Austern und Champagner geaullcnzt und spelulirt! V. Die Zeitungen, vre Zeitungen' das hatte den Grafen, Vreying auf eine Idee gebracht. Um die gleiche Zeitzu der die Unterrcdung der Brüder in der Heiligen--geiststraße stattfand, saß er auf dem Rsdaktionsbureau seines guten Freun des Wolf von Quast in der Anhaltstvaße und arbeitete an einer Notiz für das Lokale", das genanntem Herrir

unterstellt war. Der Lokalredakteur auch eines großen: Blattes ist stets froh,' wenn er" ans feinem Tische unter dem' Material etwaS Geschriebenes" findet, das heißt,, 'nicht etwas Geschriebenes das Kopirtinte oder Hektographirstift' auf Oel--Papier zu stände gebracht haben, wie iraä Heer der gleichzeitig an alle Zeitungen gelangenden Reporternotizen oder Korrespondenzen", die' den, Herrn vom Lokalen" mit der nöthigen' -Scheidemünze der gefallenenDroschkepferde, Omnibus'kollisionen komischen." Gerichtsverhandlungen, Dach--brande und dergleichen versehen;- auch nicht sonderlich erfreut ist das Herz'des Neichshauptstadtredakteurs über die sehr höflichen Briefe all der Firmen,. die sich wegen irgend eines Jubiläums, eines Wohlthätigkeitsaktes, eines Aller--.höchsten Besuches, eines neuen Herbst--katawges, einer neuesten Arbeiterschutzvorrichtung so ohne weiteres ode:.' aber unter Hinweis auf ein bemegendes Inserat" mit einer Notiz in den reoaktlonellen Theil schmuggeln'mochten;ebensowenig enizucken ihn die geschnebenen Anfragen einerRückertverehrerm,. .die ihm mittheilt: Eine verehrliche Re--daktwn hatte sich bei ihrer neulichen Notiz bei seiner Anwesenheit m Berlin am 15. August. 18.... habe der. Alte von. Neuseß einen schwarzen Frack ge.tragen", geirrt, es sei ein blauer Frack 'mit gelben Knöpfen gewesen" nein,. v p f -r rv , , r i t. au mese gesOMeoenen lauer smo'vem Vielbeschäftigten nicht eben über.' dieMaßen werthvoll allein, wenn ein mal, em nnrUlcher Mann der Feder komlnj und berichtet, er habe einem heute- früh vorgefallenen sensationellen Selbstmord aus dem Hisli life selbst angewohnt und möchte für- die 'Zeitung einen Qrlglnal.-Bencht uberc den Fall schreiben ir tmnn xvxt sich der Geplagte, rechnet' schon. am frühen Vormittag mit einem gu . nr a r -x . . rv ren eiiraa von du 'euen nor--4 j " vy als als eisernem Fond für- das heu.tige Abendblatt, sucht der wohlunternchteten Quelle resp, der ..geschätztem r r.rcn i rv.v..c DXJLXZ iciuu einen UUICII TVCJJCIUUUCI. .'heraus, legt eigenhändig Streifen"' zurecht urrd nimmt sich vor,, bei dem -'Faustkampf mit dem einordnenden Herrn Kollegen, der sich gegen-zwe-lUhr Nachmittags am Metteurtlsch um den 'Rarem entspinnt, diesen Beitrag- bis lauf seinen letzten Blutstropfen zu- ver'theidigen, beziehungsweise' ihn- mit förnfach unterstrichenem Muß"' oni:sten, gröbsten Blaustiftkalibers zui be'zeichnen. So also saß Gras Breyintr tn dem kttemen Zimmer des Lokalen. Schauspreler, Reporter, Druckernmgen, Kol legen, RedaktionsöilletschnorTer gingen -aus und ein (denn- bei der ""Zeitung schwingt 'der Relchshauptstadtker zualeich das Szepter über das Reich der Kamönen), Breymg Msirie und feilte an semem Bericht-. Unerfahrene meinen, nnrn Bericht für das Lokale müsse seder halbwegs Gebildete nur-so herterfchreiben können auch Breying 'der Dichter, der Wildenbruch derinst ersetz-en wird, hatte dies in jugendlichemLetfmn geglaubt. Er erfuhr aber hier, daß es leichter ist ein gutes Gedicht zu machen, als eine- , . i . r-. r.-jf. neporiernorlz, wenn man sie namiicu nicht über den alten, avjcOeullch oiuftiaen Leisten schlagen will. Stimmung-, Genauigkeit, Kurze der Angabe crllerEinzelheiten, cme Sprache die den schonen Swsf nicht wie em BettlergeDand klerdet und doch auch gegen das nachbarliche, im Panopkkum unter bei onde n Umstände gestohlenePortemonnaie. nicht zu hochtrabend absticht uad das alleS auf höchstens vierzrg Zeilen Borate" 'das kann nicht jeder, der sich sonst wohl ein Meister dn Feder zu sem dunkt. Endlich gerade als der Redakteur einen schlanken vornehmen Mann mit den Worten zur Thür hinausdrängte: Aber um sHrmmels wruen. HerrHam sierfeld. den linken Arm dieser armen Tanzerm haben Sie mir ja schon zum viertenmal als gebrochen gemeldet wer hat Ihnen 'denn daS wieder angehängt?" da war das Kunstwerk fertig. - (Fortsetzung folgt.)

ZAr die Suche. Ist Suppe nahrhaft? AuZ diese Frage haben die Hlzieniker sich allgemein" verneinend ausgesprochen. Seit Alters her hat sich namentlich bei Hausfrauen und Müttern die Mei--nung eingebürgert, daß Suppe ein kräftiges Nahrunasmittel und namentlich zur Krankenkost geeignet sei. Wogegen von Aerzten alle Zeit energisch protestirt worden ist. Doch selten hat dieser Protest drastischeren Ausdruck aefunden als in den Worten, mit denere Professor Schweninger. Bismarck'S Leibarzt, sich folgendermaßen äußert: Warum Fleischbrühe sehr berühmt und immer und allgemein empfahlen wird, bleibt uns um so unverständlicher. als der Nährwerth der Fleischbrühe minimal und durch d:e Wirkung: ihrer Salze auf das Herz nicht unbe denklich ist." Trotzdem ist ein gutes Mahl ohn? Suppe nicht denkbar, freilich nrnß die selbe in rationeller Weise zubereitet werden. Beim Supvekochen soll mit die Knochen erst allein mit kaltem Wasser aufsetzen und aanz totfanr erhitzen, das Suppenfleisch, wenn e5 für den Tisch bestimmt ist. erst in dasheiße, noch nicht kochende Wasser zir geben. damit die Suppe kräftig wird un das Fleisch nicht ausaelogen. Die Knochen geben dann, was sie von Kraft' besitzen, dem kalten, langsam kochendem Wasser ab. Außer Svarqel und Blumenwhl sind es Kohlrabi und Wirsingsohl, welche die Suppe sckmackbafk machen, weit mehr als das eigentliche' Suppengrün. Zur Herstellung nahrhafter Suppei? ohne Fleisch empfiehlt sich besonders'

Gerste' und zwar mittelstarke Sorte, auf den Teller ein halber bis drei Vier-" tel Eklöffel rechnet. Die Gerste wird mi'l kochendem Wasser überschüt-. et. abaeaossen. em Stuckchen Butter., lanqfam kochendes Wasser und Sals' dazu aetban. Blumenkohl oder in Er. mangeluna Wirsingkohl, Kohlrabi. et wa5 geschälte Kartoffeln (oder spater im Jahr Sellerieknolle unv Poree. Lauchstenael' m passenden Stückchen), fast von Anfang- an mitgekocht, reckt lanasam und lanae. Das Hmmthun von etwas 'Fleifcheztrart mach! die Suppe besser, und wenn dieser '.anger' mitgekocht wird, erhalt di'efelbe einen der richtigen Fleischsuppe ähnlicheren Geschmack. Nierensuvven sind ebensaus zu em pfehlen. Sind Kalbsnieien nicht zu. erhalten, fo behilft man sich mit Ham-. melnierchen und zwar rechnet man zwer. auf drei' Teller Suppe. Mcm kocht sij; entweder vorher weich und cneor dann eine Einbrenn daran, oder, was vorzu-, ziehen ist. es wird zuerst Mehl m Butter bräunlich gerührt, mit ' heißem. Wasser- abaelofcht. fo vier als man? Suppe' brauch!. Salz dazu und- darin die Nieren weich gekocht. Dann ichneidet man letztere in seine schnitzeln, oas Weine inwendia werr und aiebt ffe wieder in die Suppe, welche nach Geschmack dünner oder dicker gemache wird. Ochsennieren geben ebenfalls gute- Suppen, doch haben die Schnitzeln einen- weniger feinen Gefchmack. Das Ge.hei.mnr der Herstellung delicater Bratenfauee lägt in der Verwendung, der Milch. mt je der Braten gewinnt ungemein wenn statt' Wasser- zu Sauce Milch genommen wird, anr besten frische, ungekochte. noch besser- freilich saure: ircafcn?, wel cher die Sauce sämig und Mehl überflüssicr macht. Aber auch Milch bindet die- Sauce und macht sie ganz besonders schmackhaft, gutes Verruh ren ist aber iwtywendra. Dem Wcrffer. welches zum Waschen von Gemüse oder Salat benunt wird, sollte etwas Saft zngesekt werden thut man dies, fo Zvmmen ver steckt aebliebene Raupen zunr Vorschein, und die grünen Blattläuse., welche bei trockenem Wetter häufig dem Salat anhaften-, fallen zu Boden. Beides, Salat wie Gemüse, mutz gleich aus ei--nen Durchschlag kommen und wird zum Gebrauch leicht auaedruckt. Langeres Abkochen des Gemüfes nimmt ihm aleichsallZ den Qauptwerth: ein Ueberwallen kochenden Wassers genügt. wenn, es nicht qlnq mnchaupk mit dem ?ett zuiammenaekocht wud. Die An sicht, daß Gemüse durch Abkochen verdaulicher wird, ist als unrichtig nichtgenügend bekannt. Es geen im Ge genth'eil Nahrsalze dadurch verloren. Äu r W ie derbeiste lluncr ranziger Fetter bedient man sich der: frischen Milch, mb lvelcher man d:e Butter tüchtig durchknetet; wenn LeZ geschehen ist, kneter man sie nochmals. mit frischem Wrsser rnrd gibi ihr die ursprüngliche Form wieder. So behan delte Butter soll, a gast wie gaity, snsa bereitete schmecken. Der Grund dieser Erscheinung liegt darin, daß die Vuttersärre, welche sich in der ranzigenVutrer gebildet h2i und den üblen Gefchmack und Geruch verursacht, in frischer Milch sich leicht vuflöst. Das nochmalige Kneten im frischen Wasser hat den Zweck, die vielleicht in der Bu! ter zurückgebliebene Milch zu entfernen. Der rsahre Grund. Mut . ter (von einem Besuche zurückkehrend): Na. was macht toi Kind. Karl? Gatte: Ich glar.be. es !st nicht ganz wohl. Mutter: Um Gotteswillen wie kommst Du. denn darauf? Gatter Es hat schon eine Stunde nicht ge schrien! Eins von den Beiden. Unterofficie? (der einen Eilbrief vore seiner Braut erhält, bestürzt): Wa3 mag vorgefallen sein? Entweder sie ist krank.... oder es gibt diese Abend mein Liebling-znicht. Leberknö bar