Indiana Tribüne, Volume 18, Number 82, Indianapolis, Marion County, 9 December 1894 — Page 2

Sie Seide dcSMccreö.

Man verkauft in den italienischen Statten des Mittelmeer-Gebietes ein? HTZcnfte Artikel in Form von Shawlen. Socken. Hauben, Handschuhen. Börsen u. dgl., welche fabrikmäßig aus Fasern emacht werden, die ein im Mittelmeere weit verbreitetes Weichthier, Pinna squamosa. abscheidet. Diese Fäden sind von großer Feinheit.-aber um so kürzer, denn das Thier scheidet sie eben nur ab, um sich durch sie an Felsen zu befestigen. Je größer jedoch das Thier ist. um so länger müssen die Fäden zu ikzrer Verwendung sein; und nur diese sind brauchbar. Jn Frankreich nennt man so große Weichthiere, in Folge ihrer Form. Jambonneau (Schinlchen). Man trifft die Geschöpfe häufig an den Küsten von Sardinien und Korsika, Italien und Sicilien bis Malta, wo sie inmitten submariner Wälder bei einer Tiefe von 5 bis 6 Meter leben. Man holt sie mit einem eisernen Kratzer vom Felsen herab und beraubt sie ihres seidenen Faserstoffes, den man mit Seife reinigt, dann kämmt und verspinnt. Es geschieht dies, indem man auf dre: Strahlen einen Seiden faden beimischt. Der so gewonnene .vfaden wird nun in Wasser gewaschen, das etwas Citrone enthält, mit der Hand gerieben, um ihn geschmeidiger zu machen.und über warmem Eisen geglättet. So erhält man schließlich einen ??aden von schöner gelbbrauner . und aoldiger Färbung, Natürlich kann ein Groghandel nicht mit diesemStoffe getrieben werden, dazu liefert ihn das Meer doch zu sparsam: aber es ist in teressant zu sehen, wie sinnreich und fleißig der mittelmeerische Arbeiter ihn zu gebrauchen versteht. Die Musckel ist auch unter dem Namen Steckmuschel bekannt, und schon die Altenbenutzten. sie in der angegebenen Art. Den Stoss .leibst kennt man als ByssuZ, als Lana Vesce oder Lana Penna; er ist nicht überall von gleicher Gute, sondern nch tti sich nach dem Grund und Boden. Mühsam ist und olelbt jedoch diese Industrie und so kann das IndustrieProdukt selbstverständlich nur durch inen hohen Preis die auf dasselbe verwendete Zeit und Muhe lohnen. An--ders ausgedrückt, haben wir ein Kurio'sum vor uns, das nur dahin, gehört. ico ein Ueberfluß von Arbeitskräften herrscht. tttttzfeind e. Von den Londoner Meliorisien" tzhb eine Anti-Kuß-Gesellschaft" befürwortet. Meliorist" ist ein neues n die englische Sprache eingeführtes Wort für Weltverbesserer. Unter dem ernsten Titel Dinge, die us krank znachen", bringt ein im Dienste dieser Melioristen stehendes Magazin einen Artikel, der versichert, dan au icnen ge fährlichen Dingen der Kuk aeköre. .Die Japaner," heißt es hier, müssen ein weises Volk sein, da sie nie einander Zu en sollen: die Deutschen sind tbö?icht, denn sie küssen immer. Unser englisches Vaterland halt sich an einem Mittelweg, doch wie lange man dies überhaupt erlauben wird, ist abzuwarden." Man dürfe freilich noch nicht hoffen, daß von Gesetzes wegen bald eingeschritten werden würde. Wenn znan. erwidert ein armier darauf. .dieser arztlichen Warnung ftofae a; Iren wollte, so müßte man in Zukunft immer ein Zslafchchen desmflcirenden Liqueurs bereit halten, damit ein Kuß lernen Schaden thue. Die Ladies müßten sich damit ebenso befreunden tolt mit dem heutigen Riechfläschchen. Übe? wir stellen der medicimschenPresse iie Aufgabe, ein einziges Mitalied des zarten Geschlechts vorzuführen, das eidlich versicherte, daß ihr Küsse jemals ein Xieifc verursacht hatten. ?ln England küssen sich Männer unter einander nicht und schon seit mehreren wahren gilt es in den Cirkeln des Westends als plebejisch, wenn die Ladies bei einem fresse mit der Wirthin bei Ankunft oder denn Abschied einen Kuk austauschen. ?letzt fassen sie einander nur bei der Hand und den Arm aufhebend nicken sie sich unter dem aus diese Art gebildeten. ich zuwellrten Bogen gegenseitig laßelnd zu. Um ben Eitelkeit Willen. Die Kaiserin von Oesterreich besitzt bekanntlich eine vollendet schöne Gestalt, zu deren Erhaltung sie sich allerhand strenger Mittel bedient. So rastet sie früh und Abends und ihre einzige rc sielmäßige Mahlzeit besteht aus einem Gericht gerösteten Fleisches und etwas Biskuit und einem Glase Wein zum Mittag. Gelegentlich nimmt sie auch wohl em rohes El und etwas Obst zu sich. Sie trägt zu allen Iahreszeikn Flanellunterwäsche, nimmt Dampfbäder, läßt sich massiren, reitet sehr viel und hat Mit allen diesen Mitlein erreicht, daß trotz ihrer sechsundfünfzig Jahre ihre Taille nur zwanzig Zoll Umfang mißt. Au ! Erster Akrobat (m seikm College): College, seh'n Sie ifar reducirt aus!" Zweiter Akro bat: Glaub's schon War ja früher .August" im Circus, und da mußte ich in Rufe der Menge: August, sollst runterkommen!" so häufig olge leisten, und nun bin ich eben heruntergekommen!" ' Mißverstanden. Gnädige ssrau: Karline, in 14 Tagen gebe ich reinen ersten Ball, da kannst Du einxial zeigen, was Du kannst! Köchin: Polka und Walzer kann ich schon, Maiante. aber beim Contre müssen Sie nxr ein bischen helfen! Ehelicher Zwist. Er: Du xillst wissen, was ich wäre, wenn ich' lickt Dein Geld bekommen hätte? Sie: das mochte ich allersingI wissen., Sznz einfach, Junggeselle!

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33ic Zricdcnspscisc.

Ci Intermezzi von W.Ihelm WollcrZ. Auf meinem Geburtstagstische, an den mich meine Frau mit geheimniß rilßvoller Miene führte, prangte unter den Gaben der Liebe auch eine kleine Tabakspfeife. Ein rother Thonkops mit einem kurzen, gelben, ein wenig gebogenen, einem Strohhalm ähnlichen Röhrchen. Meine Frau faßte sie zierlich an dem Strohröhrchcn und hielt sie mir prahlenden Gesichts vor die Au aen. Da. . . . das schenkt die Mama! Sie meint, das Pfeifenrauchen sei gesunder und billiger als das Cigarrenrauchen, und wollte Dir damit eine Freude bereiten..." Ich war ebenso verblüfft w:e gcrührt. Da ich mit meiner Schwiegerrnutter mehr auf dem Kriegs- als auf dem Schenkfuße stand, und Geburtstagsuberraschung:N bisher (wahrend der drei Jahre unserer jungen Ehe) nicht üblich gewesen waren, mußte ich diese sinnige Aufmerksamkeit doppelt hochschätzen denn, der Wille und nicht die Gabe macht den Geber", sagt Nathan's guter Klosterbruder. Dieser zartandeutende Wille von dieser Seite erhöhte den Wrth dieser Friedenspfeife (der, :n gemeinen Zahlen ausgedruckt, etwa fünfzig Pfennige betrug) ins Untaxirbare. Ich nahm den kleinen Thonkopf wie ein alter, gewiegter Raucher in die Linke, that ein paar kräftige Scheinzüge, und zahlte der lieben Ue Vermittlerin mit em paar ebenso un schätzbaren Küssen. Meine Schwiegermutter mochte Recht baben mit ihren Ansichten über das Rauchen. Am selben Vormittage noch erstand ich mir bei meinem Cigarrenlleferanten tm Viertelpfund von dem herrlichsten Knaster, 'dem gelben, den uns Apollo je präparirt, Gold-shaa" genannt, und beim Nachmittagskaffee begann das Proberauchen. Es schmeckte vortrefflich. Ich bat meiner Schwiegermutter alle Gedan kensünden ab, die ich gegen sie begangen. Dieses Aroma! So leicht, so angenehm! Es thut einem ordentlich wohl! Es ist unbegreiflich, wie man sich Jahre lang solche magen- und nervenzerrut iende Nikotinstengel in den Mund sie cken konnte! Und dann diese Geldersparniß! Für fünfundzwanzig .Psen iZge rauchte man ungefähr fünfzig von diesen Pfeifen: den Tag fünf gerechnet. macht zehn Tage. In der selben Zeit hatte man, wenn man ganz gewöhnlichc Achtpfennig-Cigarrcn qualmte. sur vier Mark verpraßt! Es geht in die Hunderte, was man in einem Jahre zurücklegen kann, :n zehn Jahren em Kapital! Die Cigarren wurden ganz in Acht und Bann gethan. Ich war cluckllch. Allerdings' mochte Iold-shag, sur den ich in den ersten Tagen meiner Schwärmerei bei meinen 'sämmtlichen Bekannten fanatisch Propaganda ge macht, noch nicht ganz die richtige Sorte sein. Sie biß ein wenig auf der Zunge. Ich tauschte sie deshalb, nachdem das Viertelpfund zu Asche ge brannt war, mit einer wunderbaren Mischung zweier echt türkischen Krau ler, deren Genuß nicht nur die Zunge befriedigte, sondern auch die Phantasie zu 'den angenehmsten Traumen beflu gelte. Das ging nun so, so lang es ging. Plötzlich, eines Tages, versagte die kleine Pfeife den Dienst. Ich zog, ich blies, ich klopfte, zerbrach bei un fruchtbaren Bohrversuchen eine Strick und eine mit einer herrlichen schwar zen Perle geschmückte Hutnadel meiner Frau, Alles vergeblich, sie blieb verstopft. Mein Tabakfabrikant, dem ich mein Leid klagte, zuckte die Achseln. Ja das ist nicht anders. '''Sie müssen das enge Rohr mit einer Taubenfeder reinigen. Aber Sie sollten sich lieber eme ordentliche türkische Pfeife anschas fen." Der Mann hatte nicht Unrecht. Wenn schon, denn schon", dachte ich, und rannte spornstreichs zu Gebrüder Muschweck. der roßten Pfelfenhand lung der Stadt. Ich war zwar lange schwankend, ob ich ein Büffelhorn- oder Bernstelnmundstuck Wahlen sollte, endlich entschloß ich mich zu dem ersteren. Es war ein Prachtstuck von einer Pfeife, das ich erstanden. Ein wirklicher, ech ter. großer, .türkischer Thonkopf, das Rohr nicht allzulang, dafür aber aus wunderbar leichtem, rothlichem Cedernholz, ein so seltenes Stück, wie es nur der Kenner zu schätzen weiß und wie es nur in der Residenz zu finden ist. Sapristi! Ja, das war ein Genuß! In die Sophaecke zurückgelehnt, sog ich. 'den Mund wie zum Kusse gespitzt, an dem dicken Büffelhornende meines Cedernrohrs, und unten kräuselte sich aus der weiten Ocffnung des Thonkopfes der duftende, blaue Rauch to:t der zitternde Rauch eines Weihaliars langsam in die Luft empor. Die Pfeife wurde Fatme" getauft, die mittelst einer Taubenfeder einigermaßen wieder dienstfähig gemachteSchwiegnmuti" einstweilen in den Ruhestand versetzt. Nur eins war schlimm. Ich merkte, daß zwischen dem Türken und dem Deutschen doch noch ein Unterschied besiebt. ' Wenn der Türke genießt, so crbeitet er nicht, er genießt eben ganz; wir wollen selbst während der Arbeit genießen. Zum Rauchen meiner dickrohrigen Cedernpfeife waren beide Hände nöthig, so daß mir keine mehr zum Schreiben übrig blieb. Ja, es war herrlich, dieses contemplativeSinr.en und Träumen beim Küssen der g:liebten Fatme, um so nuhr entbehrte ich die Wonnen 'dieses Raucheinsauens, wenn ich am' Schreibtische saß. Es blieb mir. nichts ü-ric. als ein

Aushilfsmittel auch für diese Stunden

zu suchen dies fand sich in einer kurzen Pfeife aus schönstem, maserirtem Bruyere-Holz, d:e man bequem zwischen den Zähnen halten konnte. Maryland dour" empfahl mir mein Tabakslieferant zu dieser, und ich verbrachte nun die Stufen selig zwlschen Marvland dour und Dubec moyen. Meine Leidenschaft für Char lotte Cordan (so hieß die BruyerePfeife) wuchs sogar so. daß ich si: bei kleinen abendlichen Zusammenkünften mit Freunden am alten Jungg:sel.en' stammtische rauchte. Was? Siuni Pfeife?" sagte Freund Llebia (Kammermusiker und Iunqae feile par excellence). indem er geringschatzig dieMundwinkd herabzog. Das ist ja scheußlich! Total ungesund!.... Lange Pfeife, daS lasse ich mir gefalIen!Ä Diese Worte bohrten sich mir wie ein vergifteter Pfeil in mein Herz. Es war am Ende wirklich so wie er sagte. Diese Brustbeklemmungen, dies Ohrensausen neulich wahrhastig! Schon am anderen Morgen erhandelte ich be: Gebrüder Muschweck eine quastengeschmuckte Studentenpfeife mit Hornstiefel" und Kernspltze und echt Meißener Kopf. Dazu rieth mir mein allzeit dienstfertiger Lieferant Bari-nas-Kanaster, Littera A, von Wilhelm Ermeler. der Mir nach einigen mit Standhaftlgkelt überwundenen see Zrankheitsähnlichen Zufällen, kalten Schweißen, Tanzen und Sichdrehen von Ringen und Punkten vor den Au$cn und anderen merkwürdigen scheinungen nach vierzehntägiger Uebung und glücklich vollendetem Anrauchen" des Kopfes auch vortrefflich mundete. So Vortrefflich, daß man sich mit Recht darüber ärgern mußte, solch eine Pfeife dieses herrlichen Grob schnitts niemals ganz bis auf den letz itn Rest ausrauchen zu können. Der Rest nämlich es war unbegreiflich und lag vielleicht nur an meinen mancelhaften Kenntnissen brannte ein fach nicht und mußte als eigenthümlich nasser Klumpen mittels der schon früher bei der Schwiegermutter" angewendeten Hutnadel meiner Frau herausgestochert werden. Ueberhaupt spielte die Feuchtigkeit mit der Zeit be; meine? Studentenacquisition mit dem Horn stiefel eine gewisse, die Eintracht zwl schen ihr und mir ab und zu ein wenig störende Rolle. Ja." lachte Kammermusikus Liebig dem ich einmal diese Uebelstande andeu o tete, der Rest ersaust eben in jeder langen Pseife (übrigens ist Porzellan tvassersack viel sauberer als Horn), des halb muß man mehrere Pfeifen haben. damit die eme immer wieder recht aus trocknen kann, das ist doch selbstver ständlich." Ah... ersäuft!.... Natürlich! Meh rer? Pföifen! Selbsterständlich! So gescheidt hätte ich eigentlich auch sein können! Und daß Porzellanwassersack sauberer sein muß, leuchtet einem ohne weitere Erklärung ein! Es ist erstaunlich, wie dumm man eigentlich ist, und was man alle Tage lernen kann!" Meine Pfeifensammlug wuchs in ffolge dieser neuesten Erkenntniß um ein weiteres Exemplar mit Porzellan abguß, so daß sich nun zu den Da men Schwiegermutter. Fatme, Charlotte Corday zwei Brüder: Roller und köismarck gesellt hatten. Es war entzückend, diese kleine Kompagnie Revue passiren zu lassen und ewig schade, daß man sie während ihrer dienstfreien Stunden so ganz unbeachtet in den Ecken umherstehen und hängen ließ. Meine Frau sah zwar, wie sie sagte, dirrchaus keine beleidigende Geringschatzung darin, allem ich nahm trotz dem in meinem Arbeitszimmer eine Gruppe Bilder über meinem braunen Ripssopha von der Wand, und deko rirte den leergewordenen Fleck malerisch mit meinen Lieblingen. Der schon: Anblick versöhnte meine Frau sogar mit der Nothwendigkeit, seinethalben eine Photographie von Prag (wohin wir unsere Hochzeitsreise gemacht) ins Schlafzimmer hängen und vier andere Bilder in eine Kiste packen und auf den Oberboden stellen -zu müssen. Freilich als sich bald darauf ein Zwillings paar in Gestalt einer Dr. Zacharias Wernerschen Gesundheltspseife Sani las" und einer Trockenpfeife mit aus v:chselbaren Thonpatronen Mokka' einstellte, konnte ich die bedenkliche Miene meiner Frau nicht unbegründet schelten: ein weiteres Herunternehmen von Bildern war ohne Schaden für den Gesammteindruck nicht gut möglich. Zum Gluck kam mir ein rettender Ge danke, ich erinnerte mich plötzlich eines längst verstorbenen Onkels, der auch ein gewaltiger Pfeifenraucher vor dem Herrn gewesen, und wie aus einer Ver senkuna stieg aus dem Dunkel der Vergessenheit das Bild seines Pfeifenregals vor meinen Augen auf. Ich sah ganz deutlich die zierlichen, gedrechselten Stäbe, Kelche die pohrten, sich etagen weise nach oben hin verschmälernden Bretter trugen mit Messingklammern und bauchigen Höhlungen zum Halt für Röhre und Kopse. . . ja, eme Psei senetagere! m I Mein, jjrau i:gle oi: lirn in sorgenvolle Falten: Das kostet aber doch. . ." Ich schnitt ibr den Satz ab. Ich habe so viel an Cigarren gespart.Scyatz, daß ich mir die kleine Ausgabe getrost erlauben darf! Während zweier aufregender Wochen bildete die Pfeifenetagere das Haupt aesprächsthema an unserem kleinen Fa milientische. und als die rosenfingerige Eos zum sechzehnten Male aus dem dämmernden Osten emporstieg, stellte der Tischlermeister, den ich mit der ehrenvollen Aufgabe derBerwirklichung meines Traumes betraut hatte, sich mit einem rothen Tasoentuckze den

Schweiß von der Stirn trocknend, die Ersehnte selbsteigenhändig in meinZimmer nieder. Sie war trotz dreier vor-

angegangener Conferenzen zwa" nicht ganz so ausgefallen, wie ich gewünscht hatt:, aber denn doch noch immer schön g:nug, um das Herz eines Pfelfenrauchers rascher schlagen zu machen. Was sie an Eleganz vermissen ließ, ersetzte sie an Solidität diese Bretter brachen sicherlich unter keiner Last. . . und der Zuschlag zu dem ausgemachten Preise wer rechnet in der Freud: ein paar lumpige Mark! Wir (mein: Frau und im) sahen uns im Zimmer um. Ja. wo soll sie nun hin?" Nicht das kleinste Plätzchen war unbesetzt. Dann kommt der Bucheischrank ins Eßzimmer . entschied ich. Dein Buchcrfchrank ins Eßzlm mer?" entgeanete meine Frau. Nun, warum denn nicht? erwlderte ich etwas gereizt (denn ich hatte in dem Tone meiner Frau etwas wie einen vorwurfsvollen Widerspruch zu hören geglaubt). Es schadet durchaus nichts.wenn imEßziMmcr einesSchnftstellers tiz Bücherschrank steht! Laß gleich Dttnstmanner holen! Wahrend mcme Frau Mit feucht schimmernden Augen unser Faktotum Anna nach Dienstmännern absandte. räumte ich Danieh Sanders dickleibl ges Wörtesbuch der deutschen Sprache und die prachtbandigen Klassiker von ihren Brettern herunter. Dann wurde der Schrank von wuchtigen Armen in das Eßzimmer dislogirt, wobei leider einer seiner Füße an den Dielen kleben blieb, welch kleines Malheur jedoch durch den eiligst herbeigerufenen Tisch ler vermittelst Lem wieder paralysin werden, konnte. Die neue Ordnung der Dinge im Eßzimmer aab Nicht gerade ein voll kommen harmonisches Bild, allem schließlich blieb mein Arbeitsraum doch immer die Hauptsache. Ein verwünschtet Umstand nur war. der, daß die Farbe des Fußbodens dort, wo ehemals der Bücherschrank gestanden, sich als in einem höchst bedenkliche Contraste zu der des übrigen Zim mers herausstellte, und daß durch die viel kleinere Pfeifenetagere diese Un einheitlichst nicht verdeckt werden konnte. Nein, so kann das nicht bleiben, jammerte meine Frau. Ganz ricytig. das Zimmer muß frisch gestrichen werden!" Meine Frau rang die Hände. Frisch gestrichen? Mitten im Win ter? Das ist ja entsetzlich? Das geht nicht!" Entsetzlich 'oder nicht, es muß gehen!" rief ich, durch alle diese HinderNisse und Widersprüche erregt. Meine Möbel kommen unterdessen in den SaIon, ich arbeite im Wohnzimmer!" Meine Frau sank mit einem Schrei :n einen Fauteul:. Dieser Schrei empörte mich. Die Milch der frommenDenkungsart in mir wurde durch diesen Schrei sozusagen mit einem schlage, wie süße Milch durch einen Blitzschlag in saure, in gährend Drachengift umgewandelt. Ich warf meiner Frau einen erzürnten Blick zu. Was soll das bedeuten? Willst Du etwa plötzlich d Xantippe spielen?" Em zweiter Schrei war die Antwort. Darauf stummes Schluchzen und Be tropfen meines brauneu Ripssauteuus mit dicken Thränen. ' Ich kann Weiberthrünen nicht sehen. Sie wirken auf mich wie die rothe Schärpe der Capeadores auf den gereizten Stier. Ich drehte mich wüthend nach dem Fenster um und versuchte durch ein Trommelconcert an den Scheiben meines Zornes Herr zu wer den. Die ganze Freude an dem Pfeifenregale war mir verdorben. Aber es handelte sich um ein Prinzip, um ei nen Fall, der zu einem Pracedenzfalle hätte werden können. Meine Autorität stand auf dem Spiele. Es blieb also bei meiner Anordnung. Während draußen die Schneeflocken auf den Fenstersimsen kleine weiße Hugel aufthürmten, herrschte bei uns drinnen Gewitterschwüle. Ich arbeitete im Wohnzimmer, oder arbeitete eigentlich nicht; denn nebenan im Kinderzimmer, in dem meine Frau mit rothen Augen saß, brüllten unsere beiden Klei nen, als ob sie am Spieße geröstet wurden. Die Möbel meines Arbeltszimmers waren in den Salon gestopft worden. Am Montag? wollte laut eines dreimal wiederholten feierlichen Schwures der Anstreicher kommen. Als er jedoch ungeachtet dieser eidesstattlichen Versicherung am Donnerstage noch nicht erschienen war, und Else und Fritz gegen die Mittagsstunde ein so mörderliches Geschrei erhoben, daß ich vor Schreck mitten in die Reinschrift eines Feuilletons einen Tintenklex von der Größe des Kaspischen Meeres machte, hielt ich es nicht länger aus und riß die Thür zum Kinderzimmer auf: Ruh:! Zum Donnerwetter! Willst Du ihnen denn nicht endlich die Mäuler zustopfen?! Glaubst Du,, daß man bei solchem Larm: dichten kann?!" Meine Frau ließ ein paar bereitgehaltene Thränen fallen. Bringe sie doch lieber gleich ganz um, wenn sie Dir im Wege sind. . . nicht einmal im Kinderzimmer sollen sie mehr athmen dürfen, wahrend Du die ganze Uuohnung... o Gott, o Gott..." Die Thränen rührten mir gleich wieder die Galle auf. Was? Athmen? Schönes Athmen das!. . .Und d:e ganze Wohnung? Wenn Du damit sagen willst, daß ich Euch im Wege bin, nun gut, so werde ich ausziehen.... ich werde mir oben in der vierten Etage bei Müllers ew rnoites Z:m mer miethen, in dem ich wenigstens unstört das Brot verdienen kann für Qug. . .

'Das Brot sür uns?" schluchte meine

Frau. Also wir essen Dir zu viel Du wirfst Mir ?cr daß ich Dein Vro o ot esse. . . o Gott, so. weit ist cs also gekommen.... ich gehe... ich gekzM.... ich will Dir nicht zur Last fallen.... Du bist meiner überdrüssig. ... ich habe es länger bemerkt .... möblirtes Zimmer bei Mü hü hüllers. . . ich lasse Nlich vn Dir scheid;. ". . Das war mir denn doch zu stark. .Gut. so lak Dich scheiden!" rief ich. schlug die Thür zu und rannte davon, die Treppe hinunter, hinaus ins Freie. Ich wäre erstickt da drinnen. Das Blut kochte mir. Mechanisch trat ich an der Ecke in den Laden meines Tabaklieferanten. Zehn Stuck Brastueros! Wie?" Inebn Stück Brasilieros!" wiederfcolt: ich beinahe schreiend, ohne eizentI:cb va wmen. was ich laate. preaze ich etwa so leise, da man mich Nicht versieben kann?!" Nein, ganz und gar. nicht... hier, m:m err. Dabei knipste er dienstfertig die Svitze ab und reichte mir eine von den Cigarren meiner altgewohnten Sorte, d:e ich mir gedankenlos ganz wie sruyer an dem Gasflammchen aus dem Ladentische anzündete. Draußen begann ich langsamer welter ?.u aeben. Ein merkwürdiges, woklic-cs. lange nicht empfundenes Gefühl durchströmte mich Mit einem Maie. Ja, was war denn eigentlich gescheben? 5)erraott. ick rauchte a wieder eine Cigarre! Ich blieb stehen und lachte sa laut ans. dafc ein varüberaebender Schusterjunge ebenso laut sagte:5ianu. was gbt s denn? Ohne lhn einerAntWort zu würdigen, drehte ich mich um und eilte nach Hause. Meine rau kam mir mit ausgelosten Haaren und mit ekum durch unterdrücktes Schluchzen in seiner rollen i Kraftentfaltung gehemmten Schrei entgegen und flog mir an den Hals. Liebster, bester Franz, vergieb mir. . . cb schmunzelte innerlich: meiner triumphirenden Autorität wegen aber icn war aeruhrt. Weißt Du." sagte ich. meine Zrau umarmend, wer Berau war? Meine Frau hob verwundert Den Kovf. .Dann bat Dir Dein Bruder wohl euch niemals verdeutscht, was das heißt: quidquid id est, timeo Damaos et dona ferentes r Nein." .Na es ist auch nicht nöthig. . . . ick meine, an allen Aufregungen ist doch eigentlich die Friedenspfeife schuld." We?" .Nichts, ich babe mich nur Versprochen aber weißt Du, ich möchte am liebsten Alles denn Alten yaven ohne D:elenstre:chen und möblirtes Zimmer. . . ???an.u" Aber Du munt mich niemals verführen wollen aus Ersparnißrucksichten Nein, nein!" ..Denn sonst.. .Nein. nein. nein. nein, nein!" rief meine Frau freudestrahlend und hatte es vielleicht noch fünf Mal wiederholt. wenn ich ihr nicht den Mun) verschlos. Un bätte. Die Friedenspfeife steht mit ihren ' . . . . . .. Kameraden und Kameradinnen sammt dr Etaaere auf dem Boden. Meine Frau lacht mich iedes Mal aus, wenn ick mick meiner Vfeifenkennerschaft ruhme: das ist nicht sehr respektvoll gegen' meine Autorität" aber sie thut's eben dennoch! Verunglücktes Experiment. Professor (welcher einen Studenten szypnotisirt hat.zu den Hörern): Meine Herren! Ich will nun. an Ihrem Eolleaen die wunderbaren und räthselhaften Erscheinungen der Suggestion zeigen. Sehen Sie, Alles, , was ich ihm nun suggerire, glaubt er in Wirklichkeit wahrzunehmen! Passen. Sie nur auf! Ich werde mich dem Medium als sein Schneider vorstellen, werde ihm 'dieses Luch als eine Rechnung im Betrage von 100 Mark präsentiren und er wird mir diese, als geschehe dies Alles in Wirklichkeit, bezahlen! (Zum Medium gewendet): Ich bm Ihr Schneider! Medium: Ja!" Professor: Hier ist die Rechnung bezahlen Sie!" Das Medium springt auf, faßt den Professor bei'm Kragen und wirft ihn zu? Thüre hinaus. Erkannt. Einst nannt ich Dich mein Roslem zart," .Mein Veilchen." mein Vergißmeinnicht, . Als immer neue Blümenart ' Pries Dich manch herziges Gedicht. Nun ward des Bessern ich belehrt. Blüth' fällt nach Blüthe aus dem - -- , ranze, Heut' weiß ich, die ich einst verehrt: TW TOsJimTjtn tt 'n? n.4 gWtna' aw tuittui! er AuS der Schule. Lehrer (den. Regenbogen! erklärend): Weshalb schielst Du denn immer nach mei uem Hut da am Schrank hinüber. Seppl?" Weil der Vater oesagt bat. dem Herrn Lehrer sein Hut glänzt auch in allen Regenboaenfarben! Im Eifer. Professor: Ja, meine Herrschaften, die Darwinsche Theorie von der Abstammung desMenschen vom Asien ist nicht, von der Hand zu weisen. Ich .selbst bm bereit, Jynen davon den Beweis zu liefern!

pic schönere Mste.

Humoreske ton Carl Arno. Die alte Excellenz von Goethe halte manchmal auch wunderliche Einfälle und sprach gelassen große Worte aus. die Zuweilen paradox klangen. Bei ug':ndwelcher Gelegenheit soll sie einmal gesagt haben: Wer die Musik nicht liebt, ist kein Mensch, wer sie nur liebt, ist ein halber, doch nur der, der sie liebt und auch ausübt, ist ein ganzer Mensch." Irgendwo hatte der Musikschüler Emanuel Schöberl diesen Ausspruch des alten Olympiers gelesen oder gehört. Eben dachte er wieder daran. ,J, Goethe hatte recht!" rief er in e:nem Anflug schöner Begeisterung aus. Nur wir, die wir die edle Tonkunst pflegen.- die wir das unbestimmte, un klare Empfinden der Menschenscele m Tönen offenbaren, nur wir stehen auf der Höhe der Menschheit. Was ist der Gelehrte? Er ist nur Kopf, nur Ge Hirn. Der Handwerker? Er ist der Arm, der Muskel aber wir Kunst ler und vor allem wir Musiker, wir sind die Hauptsache, das Herz, der Lebenspuls des Menschenthums." Unwillkürlich richtete der zunge Mann sich gerade auf in seinem Strohsessel, warf einen Blick in den Spiegel neben seinem Arbeitstisch und strich sich mit genial nachlassiger Handbewegung eine ver irrte Locke aus der blassen Künstler stirn. In demselben Augenblick pochte es an die Thüre. Die Hauswirthin trat herein und störte die weiteren Be trachtungen Emanuels, indem sie ihm einen großen Brief auf den Tisch legte. den der Postbote soeben überbracht hatte. Neugierig össnete der zunge Künstler das Couvert und entnahm daraus em längeres Schreiben, in wel chem es hieß: Werther Herr Schöberl! Ich sehe mich veranlaßt, energisch dar auf zu dringen, daß Sie mich endlich bezahlen. Im Mai wird s ein Jahr, daß Sie meinen Credit beanspruchten. ohne, trotz meiner Aufforderung, die geringste Theilzahlung gemacht zu ha;be. Ich denke, ich habe lange genüge gewartet. Es ist übrigens von Ihnen sehr undankbar gegen mich. Wissen Sie noch, wie Sie aussahen, als der Herr Maier Sie zu mir führte? Arg um nicht zu sagen schabig sahen Sie aus. So hätten Sie sich nirgends sehen lassen können, hatten keine Stun den zu geben bekommen und in Gesellschaft hätte Sie erst recht niemand geladen. Ich habe Sie nach neuesten Moden ausstaffiert und habe erst so einen, ganzen Menschen aus Ihnen gemacht. Weiter las der junge Musiker nicht. Also nicht die Musik? Der Schneider! Der? Durch iien erst ein ganzer Mensch? Und auch noch auf Borg! Aber der wunder liche Handwerker hatte so unrecht nicht. Emanuel dachte an die Zeit, wo ihn sein Onkel mit kleinem Wechsel in die große Residenz geschickt hatte. Der Sonntagsstaat aus dem Provmzstadtchen war bald fadenscheinig geworden, so daß er sich schämte, bei Tag über die Straße zu gehen. In d:c Musikschule mußte er freilich gehen. Aber Anfangsunterricht in besseren Häusern konnte er ohne entsprechende Kleidung nicht geben; an das Besuchen von Gesellschaften, sein höchstes Ziel nach der Kunst, war erst recht nicht zu denken. Da hatte ihn sein Landsmann Fritz Maier, der immer gutgekleidete Müllerssohn und Student, einem Schneider empfohlen, der sich nach längerem Bedenken herbeiließ, den jungen Mussker neu zu kleiden. Gleich zwei Anzüge und einen Paletot bestellte Emanuel. Bon der Zeit an fühlte er sich wieder Mensch, ja, ja! Damals kam er auch zuerst rn Familien, da faßte er Selbstvertrauen und sogar den Muth, Lini, der angebeteten Hausherrntochter, fern Herz auszuschütten ja, ja, der brave Schneidermeister hatte so unrecht nicht. Und Goethe? Was hatte der Alte gesagt? Die Musik mache ganze Menschen? Wie man'S nimmt! Nicht allein die Wissenschaft, auch die Kunst muß an uns arbeiten, um uns auf die Höhe der Menschheit zu heben; wohl wahr. Aber zur Vollendung des gan zen Menschen gehört auch der Rock, den man als Hülle des Ganzen trägt, er ist uns so nothwendig, wie dem schönen L:ede die musikalische Begleitung. Der Schneider soll bezahlt werden! Aber wie? Nach längerem Sinnen zog der junge Mann seinen schwarzen Rock an und ging. Er ging zu Linis Vater, der erst vor kurzem nach einigem Sträuben damit einverstanden war, daß die Verlobung seiner Tochter mit ihrem heißgeliebten Emanuel ver'ösfentlicht werde, wenn der Musiker die Akademie verlassen und eine 'erste Anstellung gefunden habe. Linis Vater, ein bürgerlicher Bäckermeister, hörte die Bitte des künftigen Schwiegersohnes um ein Darlehen ruhig an. Emanuel hatte ihm treuherzig gesagt,-daß er die Klerderschulden nothwendig habe machen müssen, da zu einem ganzen Menschen heutzutage auch ein ganzer Rock gehöre. Als der Alte dem' dankbar schmunzelnden Kunstjünger die begehrten Scheine hinlegte, mußte dieser noch eine neue Variation der Goethe'schen Worte hören. Der Bäckermeister meinte: Nicht allein einen ganzen Rock muß der Mensch anhaben in der Tasche muß auch ein Stück Geld sein, erst dann ist man bei diesen Zeiten ein ganzer Mann." Als der junge Künstler eine Viertelstunde später seiner Angebeteten diesen Ausspruch ihres Vaters erzählte, rief sie lachend: Ach was! ein ganzer Mann bist du erst, wenn wir einmal verheirathet sind, jetzt fehlt dir noch 'ceine schönere Hälfte"!" - Was gehört heutzutage nicht alles dazu, ein ganzer Mensch zu sein!

Zur unsere Zrauen.

Caiiitrn uub Verstimmungen. Viele Krankheiten werden erfolgreich geheilt, weil die Aerzte und Leucht ten der Wlllenschaft ihre Ursachen erkannt haben und also die bösen Keime im Entstehen bekämpfen und deren, , Verbreitung verhindern. Zu den unangenehmsten Leiden der Menschheit gehören wohl die beiden oben angefuhr--ten Uebel, ohne daß bisher ihren Vacillcn eifrig nachgeforscht worden wäre Einer bescheidenen, unwissenschaftlicfjtn Person blieb es vorbehalten, gan;. zufällig auf ihren Wanderunzen durchs Menschenl'ben einige Entdeckungen in Bezug auf die eigenthümliche Entstehungsgeschichte der Launen und Mißstimmungen zu machen, von welcherStudienreise sie Folgendes berichtet: Ganz unerwarteter Weise wurde ich. auf meiner Fahrt in unwirihliche Gegcnden verschlagen, wo ich mich recht fremd und verlassen fühlte. Allesrings umher war unfreundlich, unerquicklich, die Luft erfüllt von drückender Gewitterschwüle, die Vegetationspärlich und verkümmert, die ganze At-' mosphare lag bleiern schwer auf dem Ankömmling. Ich versuchte in einem der uächstgelegenen Gebäude Einlaß, und Unterkunft zu finden und schieden elektrischen Drücker in Bewegung, vergeblich, er gab keinen Laut von sich. Durch Zufall oder getrieben von der' Absicht, dem qualmenden Rauch im. Innern zu entgehe, näherte sich ein, mürrischer, gerade nicht höfliche Verwünschungen murmelnder Hausgeist, der Kellerthüre und verklagte den böseir. Ofen, welcher sich so ungebührlich aufführte, Rauch anstatt Hitze zu geben. Schließlich wurde mir, wenn auch nicht besonders gerne, Einlaß gewährt undich in ein ebenfalls von grauem Rauch erfülltes Gemach geleitet, in welchem auch sonst keine viel gastlichere Stim--mung zu herrschen schien. Man meldete mich der Frau des rauchigen Hau--ses, über mir hörte ich erregte, krei--schende Stimmen, eilige Schritte, Thu--ren öffnen und zuschlagen und schließlich stolpernde Tritte die Treppe her--unter. Dann stand sie vor mir mir heiserer Sprache, trüben Mienen, ner--bösen, hastigen Bewegungen, eingefallenen Augen, vernachlässigter Kleidung, und fahlen Wangen, einige unzusammenhängende, ungereimte Worte derEntschuldigung über unverschuldete Unordnung murmelnd.' Ehe ich noch mem Begehr vorbringen konnte, vernahmen wir plärrende? Kindergeschrei und aufgeregte zeternde Worte 'dazwischen. Wie die Winds-, braut flog die Frau von ihrem Sitze: auf und verschwand pfeilschnell in der Richtung der harmonischen Klänge. Klick klack erscholl es nun. und daraus ein erneuertes, womöglich versckärftes Kindergeheul und noch mehrder zankenden Frauenstimmen. Kreischend bewegte sich die Thür in ihreir Angeln und mit einem bitterbösen, vo Aufregung entstellten Antlitz, in dem es noch blitzte und wetterleuchtete, schien die Dame wieder an derSchwelle. Diese ungezogenen Rangen, diese unleidlichen, zänkischen, gemeinen Dienst boten!" kam es fast stöhnend von den, blassen, bleichen Lippen. Ich warteteeinige Momente, um der Dame Zeit zur Sammlung zu geben. Indessen: kamen von der Treppe herab schlürsende Tritte näher, ein eingetrocknetealtes, verknöchertes, fröstelndes Jungferchen berichtete mit dünner', spitziger Stimme, sie könne unmöglich weiterarbeiten, an der Maschine müsse etwas los" sein. Mürrisch und despotisch verwies die Dame die Nähmamsell, mit ihren beständigen Klagen zu warten, bis' sie wieder allein sei. So beeilte ich mich denn, die Frau von meiner läsigen Gegenwart zu befreien, was mir nicht schwer gemacht wurde. Draußen angekommen, gelang e5 mir nach manchem Umherstreifen iit Erfahrung zu bringen, daß das Hau-, welchem ich glücklich entronnen war. ein gar gefährlicher, verrufener P!a im Lande sei. und zwar deshalb, weil dort eine ansteckende Krankheit grassirt. die Alles inficirt. was in iörc Nähe gelangt, niobt nur Gegenstände und Personen, sondern sich sogar der Luft weithin mittheilt. So weit der Bericht der reisendenForscherin. Ich persönlich bedauere nur Eines, daß die Dame eigentlick? nichts Ganzes geleistet. Wob! ist esrecht löblich, die Brutstätte eine? Krankheit zufällig zu entdecken, aber doch noch viel wichtiger, auck Medika mente und Arzneien anzugeben, mit welchen das Uebel in ciwaiaen. wennauch seltenen, Fällen bekämvft und ge heilt werden kann. Vielleicht sind nun wissenschaftlich gebildetere, erfahrenere weibliche und männlicbe Aer;te im Stande, uns zum Wohle der kranken Menscbheil alle bisher erfolgreich angewendeten Mittel gegen Launen undVerstimmungen .baldigst bekannt zu geben. Bis dabin aber wollen wir rein bösen Hanse mit seinen Anstecke ungskeimen vorsichtig aus dem Wezsgehen. Mißglücktes Eompli. ment. Junae Hausfrau: Darf ich Ibnen ein Glas Wein einschenken. bxz Müller? Herr Müller: Rein, ich danke, gnädige Frau, ich trinke nieWein. Junge Hausfrau (in der Absicht, dem Gast etwas angenebmes Zusagen): Nicht möglich, Sie sehen aber. g2? nicht so aus! Eigene Anschauung. Lebrerin: Hier seht; hie? ist einBüffel, ein Kameel. ein Auerobs und ein Rhinozeros; lauter Thiere, di? b:r uns nur wo vorkommen?" Schulz ,Als Schimpfwörter!"

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